Indiana Tribüne, Volume 29, Number 295, Indianapolis, Marion County, 7 August 1906 — Page 3
Jndiana Tibüne, 7. August IS06.
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General
In Anßlmd ist n FiaöK; rUBiIimiircs Mmi KmmtzuWt.
Leichen des Sino" beerdigt. Sehr cruste Situation. Gegen die Trusts am Isthmus. Neue Wirren drohen. Ter letzte Akt der Trennung. Juden zum Kampfe bereit. Tie Polen wollen nicht. Mi' nister auch in Schwulitäten. Arbeiter sind unzn frieden. Postzug ausgeraubt.
Rußland. VerspütetSManifest. Si. Petersburg, 6. Aug. Jetzt nachdem der anbefohlene General Streik fast im Gange ifl, haben heute die früheren Parlamentsmitglieder der demokratischen und der Arbeiterparteien und verschiedene Comites der revolutio nären Vereinigungen ein Manifest an die Arbeiter erlassen, ldaß der Streik mit ganzer Energie durchgeführt wer den soll. Mit hochtönenden Worten wird den Arbeitern versichert, daß eS ein Leichtes sei, den ganzen russischen RegierungZkrempel abzuschaffen und den Czaren aus dem Lande zu dertrei den. Am Schluß sagt da? Manifest: Aü Bürger, denen die Freiheit theuer ist, müssen sich zum entscheidenden Schlage gegen die Regierung des Cza ren vereinen, für eine nationale Regie rung, für Land und Freiheit. Wir verlangen von Euch die sofortige Nie derwerfunz der kaiserlichen Regierung und die Vertreibung der kaiserlichen Beamten aus ganz Rußland. Lange lebe der General'Streik und der ent scheidende Kampf für nationale Macht.Sehr ernste Situation. St. Petersburg. 6. Aug. Trotz der scheinbaren Unterdrückung des revolutionären Elementes im Heer und im Volke gestaltet sich doch die Situation in Rußland stündlich en per. Aus allen Theilen des gewaltigen Reiches werden neue Meutereien und terroristische Gewaltthaten gemeldet und Niemand vermag zu sagen, waS die nächsten Stunden bringen werden. Der Czar ist allem Anschein nach fest ent schlössen, vollständig mit dem Libero liämuS zu brechen und jede revolutio nüre BellegungZmit eiserner Hand er sticken zu lassen. DaZ bedeutet die Rückkehr zum Absolutismus und blu tige Schreckensherrschaft. Premier Stolypin wird sich schwerlich mehr lange auf seinem Posten zu halten der mögen. Wie es heißt, soll seine Resig Nation sich bereit- in den Händen des Ezaren befinden und die Ernennung des Großfürsten Nikolaus zum Dikta tor so gut wie beschlossen sein. Sehr ernst ist die Lage in dem Berg werk und Jndustrle'Diftrikt von Do netz, wo sich ungefähr 30.000 Arbeiter am Streik befinden. In Donetz, dem Mittelpunkt des Reviers, zogen heute 0000 Streiker unter Abfingung revo. lutionärer Lieder vor das HauS deS General'GouverneurS und verlangten die sofortige Freilassung einiger Arbei teragitatoren, die bei einer Massenver sammlana gestern verhaftet worden waren. Als die Streike? sich weigerten, aus einander zu gehen, ließ der Gouverneur eine DragonerAbtheilung mit blanker Waffe schonungslos auf die Wehrlosen einHauen, wobei über hundert Personen mehr oder minder schwer verwundet wurden. Darauf bildeten die Streiker unter sich eine militärische Organisa tion der jüngeren Leute, welcher sofort tausend Arbeiter beitraten, die mit gu ten Repetirgewehren bewaffnet wurden. Zugräubermachen reiche Beute. St. Petersburg, 6. Aug. Nach einer über Warschau hier einge troffenen Depesche haben bewaffnete Re volutionüre heute zwischen Lid au und Hafenpet wieder einen Clsenbahnzug überfallen und 80,000 Rnbel erbeutet. Jnldem stampfe mit den Räubern wur den acht Passagiere verwundet, darun ter der brasilianische Generalkonsul in St. Petersburg, Herr von Rupniewsky und ein Deutscher Namens Grund mann. Im Bahnhof von Kasan explovlrte heute Morgen eine Bombe, durch welche zwei Personen getödtet und mehrere andere verwundet wurden. Juden zum Kampfe 5 e reit.. Warschau, 6. Aug. Die jü dischen Sozialiften haben eine Prolla rnation erlassen, in welcher sie ihre Etammes.Genössen auffordern, zum
Streik
Kampfe zu rüsten und auf ein gege beneS Signal bewaffnet auf der Straße zu ' erscheinen. Einen ähnlichen Aufruf erließ auch der CentralauSschuß der polnischen Rothen", die sich damit brüsten, daß sie in der letzten Woche zwanzig Polizisten ermordet und meh rere Eisenbahn Unsülle herbeigeführt haben. In der Stadt herrscht Panik artige Aufregung und die Behörden treffen die schärfsten Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Der AuZbruch eines Generalstreiks der Stra ßenbahN'Angestellten und der Arbeiter in den städtischen GaZ und Clektrizi ätZwerken wird stündlich erwartet. Die Polen wollen nicht. Minsk, 6. Aug. Die polnischen Deputaten, welche Lithauen und Weiß Rußland in dem aufgelösten Parla ment vertraten, find von Wiborg zu rückgekehrt und haben eine Sensation erregt, indem sie eine Proklamation an hre Konstituenten erließen, in der daZ Parlament für sein agrarisches Pro gramm kritistrt und seine Auflösung ür konstitutionell erNärt wird. Sie agen, sie opponirten den revolutionä ren Maßnahmen und sie appelliren an die Wühler, sich in Ruhe und Frieden auf die Neuwahlen vorzubereiten. Postzug ausgeraubt. Minsk, 6. Aug. Ein Postzug der Liberu.Eisenbahn wurde heute in der Nähe von einer mit Büchsen bewaff neten Bande angehalten und beraubt. Die Postsachen wurden durchsucht und alle Werthobjekte geraubt. Die Paffa giere mußten ihr Baargeld vorzeigen, von dem sie die Hälft: den Räubern geben mußten. Spanien. Leichen des S l r i o" b e erdig,!. Barcelona, 6. August. Der Passagierdampfer Sirio-, der gestern Abend hier bei der HarmigaS Insel in den Fluthen deS Mittelmeeres mit über 300 Passagieren versank, ist total der loren. Eine Anzahl Leichen der Er trunkenen, welche von den Wellen an'S Land gespült wurden, sind heute beer digt worden. Zehn von den geretteten Passagieren, die durch Messerstiche von den Italienern tödtlich vewundet, fino gestorben, nachdem fie an'S Land ge bracht worden waren. Die Ueberleben den der entsetzlichen Katastrophe sagen, daß der Sirio" mit großer Schnellig keit fich mit Wasser füllte und versank. Große Cßvorrüthe und eine betracht licöe Menge von Kleidung? und Wäschestücken find heute hier angekom men und den Schiffbrüchigen gegeben worden. Ein Hülfscomite hat fich or ganifirt und sammelt Geld für die Un glücklichen, welche in den Theatern, Hospitälern und in den öffentlichen Gebäuden, so gut eS ging, unterge bracht worden find. Der Kapitän deS Sirio-, der. gleich nachdem der Dam.er aufgelau fen war, Selbstmord b:ging, . befeh ligte früher den Dampfer Perseuö", welcher ebenfalls im Mittelmeer unter ging. Gerettet find 348 Italiener, 40 Spanier, 14 Araber, 10 Oefterreicher, 6 Egyptier, 4 Argentiner, 4 Brafi lianer, 2 Montenegrier und 119 Per fönen, deren Nationalität nicht auszu finden war. Demnach find 342 Per fönen ertrunken. Deutschland. Minister auch in Schwul i tüten. Berlin, 6. August. Der Kow nial.Skendal, de? merkwürdige Streif lichter auf die vielgerühmte Ehrlichkei des deutschen BeamtenthumZ wirft. zieht immer weitere Kreise. Nun steck auch der LandwlrtysqattZmmllter v. PodbZel'öki in dem Sumpfe. Es ha fich nämlich herausgestellt, daß die dicke Excellenz" an der Firma Tip VelSlirch & Co. betheiliat war. Ob der Minister seinen Einfluß aufwandte. um derselben ihre Lieferungskontrakte zu verschaffen, mag dahingestellt dlei ben, aber immerhin ist fein ganzes Ver
halten in der Angelegenheit zum min bestens merkwürdig. Als ihm Bedenken batübet aufstiegen, ob seine Verbindung mit der Firma mit seiner amtlichen Stellung vereinbar sei, übertrug er seinen 40 Prozent des GesammtkapitalS auS machenden Aktienbefiö an seine Gattin. In der nächsten Sitzung des AuffichtZ. rathe? der Gesellschaft erklärte er schmunzelnd: Ich komme jetzt nicht als Herr v. PodbielSkk. sondern bloS als Vertreter meiner Frau." Der kürzlich verhaftete frühere Chef des BekleidungS'DepartementS deS Ko lonialamtS, Major Fischer, hat von TippelZkirch & Co. mindestens 300.. 000 Mark erhalten, denn außer den 200.000 Mark, die er borgte, trotzdem er wußte, daß er das Geld niemals wieder zurückzahlen konnte, erhielt er an jedem WeihnachtSfefte reiche Geschenke. Weitere sensationelle Enthüllungen find zu erwarten, denn gewisse hohe Beamte werden Aufschluß darüber zu geben haben, weshalb der mit der Firma abgeschlossene Lieserunqskon trakt dem Reichstag verheimlicht wurde. Arbeiter sind unzufrieden. Hamburg, 6. August. Die Zei chen mehren fich, daß Hamburg im Laufe dieser Woche der Schaupla heftiger Arbetterunruhen werden -wird, und bisherige Versuche, die fich reiben den Interessen in Einklang zu bringen, haben nur zeitweiligen Frieden herbei
geführt. Hauptsächlich sind eS die Bauarbeiter, die den Streit provoziren und fest und steif darauf bestehen, daß alle von ihnen gestellten Anforderungen n allen Einzelheiten erfüllt werden. Die Vermuthung ist berechtigt, daß der große Aufschwung des Baugewerbes in Berlin für die Unzufriedenheit der hiefi. genArbeiter verantwortlich ist, und soll en dieUnternehmer auf ihrerWeigerung bestehen, so wird fich wahrscheinlich ein ExoduS der Hamburger Bauarbeiter nach der Hauptstadt vollziehen. In zwischen fürchtet man aber, daß eS zu Unruhen kommen wird, ehe noch eine derartige Entscheidung getroffen werden ann. Die Sperre in der Münze ist zwar betgelegt uno ourste mqt er neuert werden; aber unter den Flei chern, den immer unzufriedenenBäckern und mehreren Zweigen der Hafenin' dustrien wird gemurrt und wollte man einigen hiesigen Zeitungen Glauben schenken, so würde man thatsächlich das schlimmste für die nächste Zukunft be fürchten müssen, denn sie behaupten. daß unter den obwaltenden Umständen an eine Beilegung der Zwistigkelten nur zu denken sei, wenn die Arbeitgeber in jeder Beziehung nachgeben. Nicht so schlimm. vamourg, d. Aug. Das neue Fleischbeschaugesetz dürfte die amerika nische Einfuhr nicht in besonders hohem Maße beeinflussen. Das Gesetz ver langt nur, daß bei frischgeschlachteten m tm . Ä.y:eren lammmqe ympyvrusen zur Besichtigung mit vorgelegt werden müs sen, während bei konservirtem Fleisch Drüsen nur bei Stücken erwartet wer den, zu denen sie gehören. Marokko. Neue Wirren drohen. Fez, 6. Aug. Aus Tanger kom men alarmirende Nachrichten, die wahr fcheinlkch der französischen und engli schen Presse wieder Stoff zn Verdüch tigungen und Hetzereien gegen Deutsch land liefern werden. Im Innern von Marokko ist nämlich eine rasch um sich greifende franzosenfeindliche Bewegung ausgebrochen. Mehre mächtige Häupt linge haben fich vereinigt und sammeln ihre Streltkrüfte bei Marakesh, der süd llchen Hauptstadt des Landes. Die Abficht der Rebellen ist eS. den heiligen Krieg- zu proklamiren, den Prinzen Abdul Hafed zum Sultan auszurufen und unter feiner Führung die. Iran zosen nicht nur aus Marokko, sondern auch aus Algier und Tunis zu ver jagen. Die Situation ist angeblich kritischer als seit vielen Jahren. Großbritannien. ' Arbeiten des englischen Parlaments. L o n d o n, 6. August. Wenn das neue liberale Parlament, welches sich vertagte, auch nichts besonders Großes vollbracht hat, so zeichnete eS sich doch durch große Arbeitsleistungen aus und das Ministerium hat allen Grund, ml dem Ergebniß zufrieden zu sein. Nich nur die bedeutendste Borlage, die Er ziehungS.Vlll. sondern fast alle anderen Vorlagen, welche der König in seiner Eröffnungsrede erörterte, wurden ent weder passirt oder doch so weit vor wÄrtS gerückt, daß sie in der Herbst Sitzung schnell erledigt werden können
Norwegen.
Der letzte Aktder Trenn ung. C h r i st i a n i a , 6. Aug. Die auf Grund der Karlsbader Convention ernannte Commission, die bestimmen oll, welche Festungen an der norwegi chen Grenze beseitigt werden sollm. wird von Montag an etwa acht oder ehn Tage hier in Sitzuug sein und dann als Schlußakt der Trennung Schwedens nnd Norwegens ein Proto oll unterzeichnen, in dem die betref. enden Festungen namhaft gemacht find. Mitglieder dieser Commission find: der österreichische Oberst Blain, von Schweden ernannt; der deutsche Oberst Schott, von Norwegen ernannt und der von diesen Beiden ernannte holländische Oberst Schneiders. Frankreich. WarumdaS Kreuz nicht k a m. P a r i S , 6. Aug. ES wird nun mehr bekannt gegeben, warum trotz Drängens vieler Kunstfreunde der Kanzler der Ehrenlegion fich weigert, Sarah Bernhardt mit dem Kreuz des Ordens zu dekoriren. Die Künstlerin gilt als Verschwenderin, und soll vor hrem finanziellen Bankerott stehen. Auch kommt fie bereits jetzt schon nicht mehr ihren Verpflichtungen nach. Im Uebrigen scheint eS nur eine Frage der Zeit zu sein, und die Ehren. egion wird zu den gewesenen Dingen gehören, da Sozialiften und Liberale erklären, ein derartiges Institut passe nicht in eine Republik. Panama. Gegen die Trusts am Isthmus. Panama, 6. August. Den Trusts und Kombinationen, die mit Lebensmittel in der Isthmus Kanal Zone handeln, ist es gelungen, den Preis für Fleisch, Gemüse und Früchte um mehr als 100 Prozent zu erhöhen, und die Isthmus Kanal-Kommisfion hat fich veranlaßt gesehen, in einer ürzlichen Sitzung eine Resolution an zunehmen, welche ihre Agenten in den Stand setzt, Lebensmittel auf dem offe nen Markt zu kaufen, ohne Angebote einzufordern. Mitglieder der Kommission wollen entdeckt haben, daß alle Händler in Le bensrnitteln, welche genügend Kapital hatten, die von den Bietenden verlangte Bürgschaft zu stellen, ihre Interessen vereinigten, um fich auf diese Weise sämmtliche Kontrakte für von den Kom misfionS'Hotelö und Speisehallen ge brauchten Gemüse, Früchte und Fleisch zu sichern. Die Kombination konnte auf diese Weife unverschämte Preise ver langen und die Kommission sah fich ge zwungen, ihre Methode zu ändern, um den kleineren Händlern und Bauern ebensallS Gelegenheit zu geben, an den Lieferungen theizunehmen. Der Si cherheit halber bestimmt die Resolutkon, daß täglich nicht mehr als für $500 Lebensmittel auf dem offenen Markt gekauft werden dürfen, ohne Angebote zu verlangen. Auf diese Weise wird der Einkauf im offenen Markt auf leicht verderbliche Waaren beschränkt. Schwindsüchtiger lassen. e n t Chicago, 6. Aug. Unter dem neuen Fleischbeschau. Gesetz hatte heute, al; erstes Opfer, ein RegierungSange stellt zu leisen. Der Betreffende er heißt I. H. Hurlbert und war erst feit drei Monaten in der Fleischinspek tion beschäftigt mußte entlassen wer den, weil er schwindsüchtig ist. Die Schlachthausstrmen lassen jetzt für ihr Arbeiterpersonal gleichmäßige ArbettZ kleider anfertigen. Die Hälfte der Ko ften toird den'',Arbeitern vom Lohn ab gezogen, doch werden die Inhaber der Geschäfte unentgeltlich daS AuSwafchen besorgen lassen. Distrikts anwalt Jerome wird die Mordanklage vertreten. N e w V o r k , 6. Aug. Distrikts anwalt Jerome wird die Mordanklage gegen den Millionär Harry K. Thaw persönlich bei dem Prozeß vertreten, wie er heute bekannt machte. Auf Be fragen, wann der Prozeß zur VerHand lung kommen wird, antwortete Herr Jerome: Der Prozeß wird zur Ver Handlung aufgerufen werden, wenn ich mit dem Anklagematerial fertig bin. und nicht einen Tag früher. Harry Thaw ist in meinen Augen nur ein ge wohnlicher Mörder und als Solche wird er von mir behandelt werden. SchiffSnachrichten. Hamburg: Batavia- von New Z)ork. Bouloaee: .Statendam" von Notier i dam und New Vorl.
Die letzten Bisons in Europa.
Die politischen Sorgen, welche dem russischen Herrscher jetzt schwerl'ich Muße lassen werden, treu den alten Traditionen seiner Familie aus die BisonZagd in dem prächtigen Ur Walde von B'tÄowicza zu gehen, dürften vielleicht die Folge haben, daß die letzten überlebenden Giern plare einer dem Untergang bestimm ten Tmerrasse noch etwas langer existiren werden, als es sonst wohl der Fall wäre. Der europäische Bison ist die seltenste der Rinderarten geworden, seitdem das Fehlen von Schutzgesetzen zu seiner Vernichtung in den großen Waldern des Kaukasus, wo man ihn vor 25 Jahren noch häufig traf, geführt haben. Im Jah re 1893 konnte Dr. Radde aus der Karte der Thäler des westlichen Kaukasus noch mehrere Statten bezeuch nen, an denen einige Bisons, vereinzelt oder in Gruppen lebten; schon zehn Jahre spater fand Mar. tel, als er dieselben Gegenden durchforschte, an den bezeichneten Stellen leine Spur mehr von Bisons, und alle Eingeborenen erklärten ihm einstimmig, daß feit 1895 die letzte Bisons gestorben oder getödtet wä ren. Jetzt kann man die Zahl der europäischen Bisons ziemlich genau bestimmen. Die Heerde in Bialowicza zählt 718 Köpfe. Ein schlestscher Großgrundbesitzer besitzt in seiner Domane eine kleine Heerde von 50 bis 60 Thieren, und auch in einigen Zoologischen Gärten Deutschlands und Englands gibt es ein paar lebende Thiere. Man kann also sagen, daß von dieser interessanten Rinderart. die im Mittelalier die großen Wälder Deutschlands, Oesterreichs und Polens bevölkerte und die zur Zeit der römischen Eroberung in den Ardennen gesagt wurde, jetzt nicht ganz 800 Köpfe mehr existiren. Der Wald in Vialowicza ist der letzte Urwald Europas: er liegt im Bezirk Grodno und ist 1500 Qua. dratkllometer gron. Ursprünglich gehörte er der polnischen Krone, und er ging dann in den Besitz der moskowittschen Krone über. Die Beamten, unter deren Verwaltung der Wald steht, unterstehen unmittelbar dem Zaren und haben das Recht, ohne jede Zwischenstelle mit ihm direkt in Briefwechsel treten zu können. Jahrhundertelang war es ausdruauch verboten, an den Bäumen oder dem Boden des Waldes irgend welche Eingriffe vorzunehmen. Die abgestorbenen Baume wurden -nicht gefällt, sie fielen, und vermoderten auf der Erde. Haung wurden Bauern, die todte Zweige abgeschnitten hatten, zum Tode verurtheüt und hingerich tet. Erst :m letzten Jahrhundert wurden Wege gebaut, um für die kaiserlichen Jagden den Zugang zu allen Theilen des Waldes zu erleichtern Im Jahre 1894 ging man sogar noch weiter. Alexander III., der sein Ende nahen suhlte, wollte noch ein mal den Wald besuchen, wo er so glückliche Zeiten verlebt hatte, und man baute deshalb in aller Eile einen Schienenweg, so daß der kaiserliche Zug von Bjelsk nach Bialowicza mitten im Walde fahren sonn te. Die stärkende Luft kräftigte den Zaren so, daß er nach einigen im Walde verlebten Wochen an emer Jagd theilnehmen konnte, bei der er zwei Bisons tödtete. Unter Nikolaus I. wurden einschneidende Beränderungen vorgenommen. Unter anderem wurde mitten im Walde ein prächtiges Schloß im gothischen Stile errichtet, und neue Wege wurden angelegt. Die Jagden in Bialowicza haben seit einigen Jahren den Bestand der Heerde sehr vermindert. So wurden allein im Jahre 1900 von dem Zaren und seinen Gästen 45 Bisons erlegt. Trotz der getroffenen Borsichtsmaßregeln ist die Jagd auf Bisons, die ein Vorrecht des Zaren ist, nicht gefahrlos für seine Gäste. Das Wild, das bis 2.30 Meter im Widderrist mißt, über 3 Meter lang wird und ein Gewicht von etwa 700 Kilogramm erreicht, läßt den Jäger auf Schußweite nahe kommen. Aber .wehe dem schlechten Schützen, der es nur leicht verletzt. Dann stürzt sich das Riesenthier in einem Wuthanfall auf ihn, so daß ihm keine Zeit zu einer zweiten Ladung bleibt. Mehr als einmal ist es bei den kaiserlichen Jagden zu dramatischen Zwischen fällen gekommen -Die Bisons Lithauens leben in kleinen Heerden von 16 bis 20 Köpfen; die alten Stiere dagegen führen ein einsames Leben, Manchmal werfen sie sich ohne jede Veranlassung auf die Waldhüter. Da diese nicht das Recht haben, sich durch Flintenschüsse zu vertheidigen, müssen sie erst vom Zaren die Ermächtigung zum Erleben eines gefährlich gcwordenen Thieres erbitten. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts stand die Todesstrafe darauf, wenn einer einen Bison ohne diese Ermächtigung tödtete. Jetzt ist die Todesstrafe abgeschafft und das Verbrechen wird durch eine mehrjährige , Gefängnißstrafe und durch, eine Geldbuße von mehreren hundert Rubeln gesühnt. Man hatte noch gehofft, in den großen Wäldern des westlichen Sibiriens Bisonheerden zu finden; aber die neuesten, Forschungen haben. dse Hoffnung alö trügerisch erwiesen.
Aerzte.
Dr. LEO HERBERT Wiener Arzt. yaut-, Geschlechts .Nervenkrankheit 110 Oft Ohi Straße Lter Fioor. Neues Xel. 44. Svrechftundtn, 911, 4. 7 S bevdl. Nr. 3. A. Sutcliffe, Wund'Wrzt, 3s)ä)t&i$; Urin unl&ecxnm Rrankheiten. O?Z?re : 155 Oü Marke: Str. Tel. 941 Osstct.Stnndtn: 9 lii 10 Uhr 53 ei.; 2 lii i Ux Nm. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. ehandelt alle akute ndchronischelrannzeüt. ' Sveziell Rheumatismus, Ncctmn und Frauen'Krankheiten. Office : 14 weft Ohio Straße. OfficeSwnden : 1011 Vm. 34 Nm. Sonntags : 9.30 10.30 Vm. Tel. neu 43. Wohnung : 1250 Madlson Avenue Telephone : Alt, 2025. Neu, 9282. Dr. Paul F. Martin, Vrakrischer Arzt und Chirurg. Sprechstunden: ii.oo-iL.80 .50 4.00 täglich Sonntags: Auf Verabredung.' Willoughb? Gebäude, 831 ord Meridi etrcf c Tel., Main UU' Wohnung: 1205 NordZNem Jersey Str. Telephon: Main 9; New 8861. INDIANAPOLIS BREVIII6 CO. Düsseldorfer... DaS Bier, welches auf der Weltausstellung zu St. Louis den Preis erhielt als Der Welt Standard Für Vollkommenheit In Pints und Quarts, Flaschen Dep't. Tel. 578 und 690. Indianapolis Brewing Co. Jacob Schulmeyer Taubcnschlag Erstklassige deutsche Wirthschaft und Vasthaus. 1521 Shelby Straße. Meine Freunde und daS allgemeine Vublikum ist zu einem Besuch freundlichst einge laden. EDWARD 1. H1RMEIIIII6, Eigenthürker iäloon 10 Nord Delaware Str. Neues Telephon 258. Ssc. U'Covner und MeLMcCallley Schanllkkener. Züge ersten Ranges Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden k 14 I? ö 6 Züge zwischen Indianapolis und Cincinnati. Züge zwischen JndianapoltS und Dayton. Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. Züge zwischen Indianapolis und Decatur, Illinois. 4 Züge zwischen Indianapolis uns Sprmgsield, Illinois. Varlor Waggons an aLen lagek nnd 6&!af waggonl an allen NachZügen. Indianapolis Offices: Union Bahnhof und LZNord Illinois St. R. P. Algeo, D. P. A. LAKE ERIE & VESTERI1 R.R. eutfZidttCHt : 1 Oft afhmgton Str. Vhonk 271. .Fahrzeit der Züge.. Abfahrt nkust m. V Tokd.haTo und Vttchig an Erpreßt 7.15 U&i Rm. 91. koltdo. Detroit nnd khieago t8t..:...tlLS0 fS.it Nm. Knu tchiga CU&, Stattete n.ßaf a)ftUCLt t . t Täglich, änkgenommea Eonntagl.
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