Indiana Tribüne, Volume 29, Number 280, Indianapolis, Marion County, 20 July 1906 — Page 6
Jttdiana Tribü,le, 20. Juli 1906
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Europaische Nachrichten. Provinz Hannover. Hannover. Ein schwerer Unglucks fall ereignete sich kürzlich in 'der Spinnereistraße. Die etwa 65 Jahre alte Arbeiterehefrau Doberkind stürzte im Hausflur mit einer Leiter um und trug einen Schenkelbruch davon, so daß sie schwer verletzt mit dem Sanitätswagen in's Krankenhaus geschafft werden mußte. Seinen Verletzungen erlegen ist der 13 Jahre alte Sohn des Werkmeisters Vahlmann in Labe, der sich durch unvorsichtiges Umgehen mit einem Tesching in die Schläfe schoß. Burgdorf. Im Streite mit tu nem Bekannten wurde der Landwirth E. Bohne durch einen Messerstich in den Unrerleib erheblich verletzt. Bohne wurde nach Hannover in's Krankenhaus geschafft. E i n b e ct. Von der Strafkammer in Göttingen wurde der Bierverleger Dörel von hier wegen Diebstahl im Rückfall und versuchter Verleitung zum Meineid zu 2 Jahren und 4 Monaten Zuchthaus und 10 Jahr Ehrverlust verurtheilt. Das Objekt des Diebstahls, um das 'die hohe Strafe verwirkt wurde, war ein von einem Neubau entwendeter Leiterbäum. Dörel. der sofort in Haft genommen wurde, hat sich, wohl aus Verzweiflung, in der Gefängnißzelle erhängt. Hotteln. Einen schweren Unfall erlitt der Fuhrwerksbesitzer Voges von hier, indem derselbe auf dem Heimwege von Hannover aus Unvorsichtigkeit auf der Hildesheimer Ehaussee zwischen Grasdorf und Reihen gegen einen Straßenbahnmast fuhr, wobei der WageA zertrümmert und dem Pferde die Brust verletzt wurde. Boges wurde eine ganze Strecke mitgeschleift und am Kopfe verletzt. Leeseringen. Ein Unglücksfall ereignete isich kürzlich hier. Der ins 37. Lebensjahre stehende Hofbesitzer Heinrich Müller stürzte lnsolge eines Fehltrittes durch die Bodenluke auf 'die Diele hinab. Der Unglückliche
war sofort todt. Northeim. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte das WilHelm Pape'sche Ehepaar. Aus Nah und Fern liefen zahlreiche Glückwünsche ein. Pastor Klingspohr überreicht? ,dem Jubelpaar die ihm vom Kaiser verliehene Ehejubilaumsmedaille. Ein Ständchen des Männergesangvereins und der Schulkinder trug zur Velschö nerung der Feier bei. Provinz Wkestfaren. M ü n st e r. Kürzlich begingen hier die Eheleute Bureauvorsieh Laumer daö Fest der silbernen Hochzeit. Gleichzeitig mit ihnen feierten die Eltern des Jubilars aus Barmen die oßlUnt und ihre beiden Töchter die grüne Hochzeit. Altenfeld. Hier schlug der Blitz in daö Wohnhaus des Landwirths E. Schmidt und zündete. DaS Anwesen brannte nieder. B o t t r o p. Bei einer Verlobung?feier entstand hier zwischen mehreren polnischen Bergarbeitern ein Streit, in dessen Verlauf der Bergmann Man seinen Gegner Wieczoreck auf dem dunklen Hausgang erstach. Der Thäter wurde verhaftet. Gelsenkirchen. , Kürzlich ist hier die Ehefrau Schewing im Streit von ihrem Bruder erstochen worden. Ha mm. Im Mühlenkolk bei der Jsenbeck'schen Brauerei ertrank der acht Jahre alte Sohn des Küfers Pinnekemper von der Brauerei Mark. Nach längerem Suchen wurde die Leiche gefunden. Jserlohn. Vor einiger Zeit starb ein neugeborenes Kindchen der Wittwe Schneider Kühnlein und es verbreitete sich sogleich das Gerücht, es sei von feiner eigenen Mutter umgebracht worden. Auf Anordnung des Staatsanwaltes wurde nun die Leiche obduzirt unö das Gerücht insofern bestätigt, daß das arme Wesen nach der Geburt gelebt hat und durch Ersticken getödtet worden ist. Die Mutter .wurde sofort verhaftet, da sie aber noch der Pflege bedürfte, zunächst im Krankenhause untergebracht. Ihrem Manne hat sie durch die fortgesetzte Drohung, sie werde ihm im Schlaf den Hals abschneidku, vor längerer Zeit zum Selbstmord getrieben. Weil die Kinder erster Ehe vgr ihrer Stiefmutter nicht sicher waren, wurden sie nach dem Tode ihres Vaters ins Waisenhaus gebracht. 'Rtzeinprovinz. Köln. Vor einiger Zeit verschied nach längerem Leiden Josef Schröder, Pfarrer an der hiesigen Kirche St. Jakob. Geboren am 27. Juni 1833 in Dllren, wurde er am 1. September 1853 zum Priester geweiht. Dann wirkte er als Kaplan in Bensberg, bis er 1866 zum Pfarrer in Bickendorf ernannt wurde, das ihm den Umball der Kirche verdankt. Vom 10. Oktober 1889 an war er Pfarrer an St. Jakob und machte sich sehr verdient um die Restauration und Ausmalung dieser Kirche. A l t e n b e r g. Letztens heizte der Bergmann Joh. Pütz vor dem Zubettgehen den Ofen bis zum Rand mit Kohlen, damit die im Zimmer aufgehängte Wäsche trocknen könne. Er beachtete mcht, daß der Ofen kei nen rechten Zug hatte. Später fand man den Mann infolge Vergiftung durch Koblenorvd todt im Bette, leine
Frau und vier kleine Kinder gaben noch Lebenszeichen. Es gelang der ärztlichen Kunst, die Kinder außer Gefahr zu bringen. B i ck e n d o r f. Auf der Vcnloerstraße sprang, trotz der Warnung des Schaffners der 18jährige Ziegelarbeiter August Kirschler, dem der Hut vom Kopfe geflogen war, während der Fahrt von einem Straßenbahnwagen, schlug rücklings auf das Pflaster und erlitt eine Gehirnerschütterung, daß er bald darauf verstarb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Die Leiche wurde nach Melaten gebracht. Düsseldorf. Im Alter von 81 Jahren ist hier die Wittwe Moritz Baeßler, Inhaberin des Verdienstkreuzes für Frauen 1870 71. der Kriegsdenkmünze für Frauen 1870 -71 und der Centenar - Erinnerungsmedaille, gestorben. Die Verstorbene hatte sich um die Krankenpflege der Truppen im Kriege 1870 71 große Verdienste erworben. Ihr Vegräbniß, an dem sich zahlreiche Offizier betheiligten, erfolgte mit militärischen Ehren. Essen. Auf der Gewerkschaft Deutscher Kaiser" fiel dem Arbeiter Hartmann eine 23,000 Kilogramm schwere Kabelkiste auf den Körper. Hartmann wurde vollständig zermalmt. Mühlheim a. d. Ruhr. Die beiden Großindustriellen Josef und August Thyssen schenkten der Stadt 250.000 Mark Aktien des RheinischWestfälischen Elektrizitätswerks und 100.000 Mark Aktien des hiesigen Vergwerksvereins. Diese Aktien stcllen einen Betrag von 570.000 Mark dar, der zur Errichtung einer Badeanstalt und zu Schulzwecken Verwendung finden soll. Provinz dcflen'glatfciu Kassel. Vor einiger Zeit kehrte der 69 Jahre alte Schreiner Rudolph Schäfer aus Sooden, der im Hause Nr. 11 am Judenbrunnen in der zweiten Etage eine Stube bewohnte, in etwas animirtem Zustande aus
einer Wirthschaft nach Hause. Bald darauf ging er schlaftrunken in die 3; Etage. Hier bekam er das Uebergewicht' und stürzte eine Stockhöhe hinab. In beklagenswerthem stände wurde Schäfer von Zausbewohnern aufgefunden, in seine Wohnung getragen und gebettet. Als man sich später nach dem Befinden des Verunglückten erkundigen wollte, hatte er bereits seinen Geist aufgegeben. Bromskirchen. Letzter Tage brannte auf dem zur hiesigen Gemeinde zählenden Weiler Neuludwigsdorf oder Pfütz das ganze Besitzthum des Jagdpächters Rump, bestehend aus Wobnhaus. Scbeune und Wirthschaftsaebäuden. vollständig meder. ' Eschwege. Eisenbahn-Packmei-sier Christian Göbel erhielt vom Kaiser das silberne EruinerungIzeichen für 25jährige Dienstzeit. Kaßdors. Der in unserer Gemeinde sehr geachtete und beliebte Bürgermeister Wiegand feierte unlängst sein, 25jähriges Dienstjubiläum. Die Gemeinde hatte in der Schroderschen Gastwirthschaft ein Festessen veranstaltet, an dem sämmtliche Mitglieder der Gemeinde sich betheiligtcn. L e i m b a ch. Der vor iy2 Jahren mit seiner Familie hierher verzogene Stellmacher Funcke hatte auch seine 60jährige Mutter bei sich, die vor ungefähr einem Jahre plötzlich vcrschwand und nach Angabe des Sohnes verreist sein sollte. Infolge einer Anzeige bei der Salzunger Partei wurde im Funcke'schen Anwesen eme Haussuchung vorgenommen. Man fand in einem abgelegenen, dunklen und dumpfigen Raume die alte Frau, die fast zu einem Gerippe abgemagert war. Als Lager diente ihr ein Haufen verfaultes Stroh. Die Staatsanwaltschaft hat sich des Falles angenommen. R a b o l d s h a u s e n. In der Nähe unseres Ortes wurde das siebenjährige Töchterchen des Schmiedemeisters Heusener dahier von einem Automobil überfahren und hat fchwere Verletzungen davongetragen. Das Kind mußte dem Landkrankenhanse Hersseld zugeführt werden. ' Udenhausen. Vor kurzem beging in seltener Rüstigkeit das Ehepaar Konrad Page Hierselbst seine goldene Hochzeit. Der Geistliche, weleher das Jubelpaar einsegnete, überreichte als Ehrengeschenk des Kaisers 50 Mark. .. Einmachvü chs en, die nicht aufgehen, kann man gewöhnlich öffnen, indem man um das Obere ein Tuch bindet, das zuerst in heißem Wasser ausgerungen worden ist. Wenn es noch nicht aufgeht, dann stelle man das Gefäß umgewendet in etwa 1 Zoll tiefes kochendes Wasser. Man habe Acht, daß es das Glas nicht berührt. Auch hat man oft Erfolg. wenn man ein Messer unter das Gummi steckt. Bei Schnittwunden spüle man d:e Wunde m ganz reinem kal lern Wasser aus, worauf man sie mit Wundwatte oder reiner Leinwand verbindet. Ist die Wunde tief und spritzt das Blut in Strahlen hervor. so hole man den Arzt, da eme Puls ader verletzt ist. Bis zum Eintreffen des Arztes halte man das verletzte Unlxm in die Höhe.
Die Menagerie der Bühne. Von Negiffeur Otto Ewald (Jlaficl). Die Thierwelt spielt auf dem Thea-
ter eine größere Rolle, als es bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein hat. teä gibt fast reine Gattuna von Vierfüßlern, von Bewohnern der Luft und des Wassers, die nicht in irqend einer Weise auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, zur Verwendung käme, manchmal künstlerische Wirkungen, manchmal aber auch das gerade Gegentheil erzielend. Hieraus folgt von selbst die Frage-, warum man rn letzterem Falle derartige, als unsichere Kantonisten" sich erweisende Mimen nicht lieber fortläßt? Ja, das geht doch nur, wenn es sich um ein dekoratives Moment handelt, um Ausstattunaskniffe zur Vermehrung der szenischen Wirkung. Lassen aber die Herren Äutoren irgend welche Vertreter des Thierreichs faktisch in die Handlung eingreifen, sei es direkt oder indirekt. so muß der Regisseur wohl oder übel in den sauren Apfel beißen, sich auch mit dieser Sorte von Schauspielern abzuslnden. Man kann sie in mehrere Kategorien theilen: zunächst in leibhaftige lebende Thiere und rn die von Menschen imitirten. Altmeister Goethe, welcher bekanntlich mit dem berüchtigten Hunde des Aubry" sehr üble Erfahrungen gemacht hatte, bringt trotzdem im ersten Theile seines Faust einen Pudel auf die Bühne, dessen komplizirte Aktion von Faust und Wagner beim Spazierganze genau beschrieben wird. Es fand sich aber bis heute kein Dresseur, der einem wirklin Pudel diese seine Rolle beigebracht hätte, und so hilft man sich auf allen Theatern damit, besagten Köter einfach zu streichen, ohne es jedoch mit den auf ihn bezuglichen Worten ebenso machen zu können. Man wird nicht behaupten, daß es in unserer Zeit des Vühnenrealismus nawrwahr sich ausnimmt, wenn Faust an der Kulisse eine Bewegung markirt, als verberge er den Pudel unter seinem Talar, um ihn hernach bei seinem Eintritt in das Studirzimmer scheinbar hinter den Ofen springen zu lassen. In dem Moser'schen Schwank Hektar" hat ein Angehöriger des Hundegeschlechts sogar die Titelrolle. Da er aber in einem Körbchen eingepackt auf die Szene kommt, würde er nur dann störend wirken, wenn er seinem Pensum entgegen herauLhllpfte. Anders liegt die Sache in Meyerbeers Oper Dinorah". Hier ist die Rolle der lebenden Ziege von einschneidender Bedeuwng, so zwar, daß wie ich mich aus meiner freilich recht fern liegenden Jugendzeit erinnere der Ballettmeister des Hostheaters meiner Vaterstadt sich wochenlang mit ihrer Dressur abgemüht haben soll. Als mir dann später am Stadttheater inWürzbürg für das Memoriren der Partie des Sackpfeifers Eorentin in genanntem Werke nur fünf Tage bewilligt wurden, tvar ich erstaunt, zu hören, daß die Ziege das Studium ihrer Aufgäbe noch gar nicht begonnen hatte. Nun, das machen wir doch jetzt ganz einfach," sagte der Regisseur us meine Frage. Und richtig: Abends wurde die meckernde Ziege vor jedem Erscheinen hinter den Kulissen auf ein hohes Gerüst geschleppt und festgehalten, bis im gegebenen Moment ihre Besitzerin auf der anderen Seite der Bühne ein großes Futterbündel schwenkte. Hierauf freigegeben, lief sie über die Berge weg, dem Ziele ihrer Sehnsucht zu. So konnte man- sie lenken, wohin man wollte, denn man hatte sie vorher hungern lassen, und sie bekam ihr SpielHonorar auch erst nach Beendigung der ganzen Leistung welches Mittel bei anderen widerspenstigen Künstlerinnen nicht gut anwendbar scheint. Bei einer reifenden Gesellfchaft sah ich einmal das rührende Schauspiel Genoveva", worin natürlich der Hirschkuh ein ehrenvoller, Part zufiel. In Ermangelung einer solchen hatte der Herr Direktor seine aroke Bernbardinerbündin mir einem seyorn versehen, uno oiqti sich ganz sachgemäß benehmenden Stellvertreterin wurde nun der kleine Schmerzensreich als Säugling untergeschoben. Wirkliche Pferde sind schon seit Langem auf den Theatern als Mitwirkende in Thätigkeit. Schiller läßt zum Beispiel seinen Geßler fc letzten Akt des Tell" auf einem Gaule angeritten kommen. Weib, mach' Platz, oder mein Roß geht über Dich hinweg!" ruft der liebenswürdige Herr LandVogt der Bäuerin Armgart zu. Die meisten Bühnen schenken sich aber das Pferd. Man ändert dann den Satz in mein Fuß geht über Dich hinweg," weil es nicht allzu selten ist, daß besagte vierbeinige Komödianten allerHand Unheil anrichten. Solange ich die Regie führte, hielt ich sie, wenn nur angängig, von der Szene fern, ohne leugnen zu wollen, daß es den Effekt in der Stummen von Portier , Glockchen des Eremiten", Templer und die Jüdin", Rienzi" u. s. w. entschieden steigert, wenn Masaniello, Bellany, Bors - Guilbert und Rienzi in den be treffenden Auftritten hoch zu Roß er scheinen. Aber das Gestampfe auf dem Holzboden, dre häufige Ohnmacht des Reiters, den Gaul nach Gefallen zu lenken, die ängstlichen Bewegungen oder gar das Davonlaufen der Umste henden die kein Contrakt zwingen kann, sich die Zehen abtreten zu las sen , das alles wirkt doch unmöglich stimrnungfordernd. Ja, wenn Paul Bulß im Glöckchen" seinen eiaenen
Gau! nach vorn stürmen ließ und'dicht
vor der Rampe mit glänzender Virtuosttat panne, so gab das allerdings ein frappantes Bild; aber wie dann, wenn was zwar nicht Bulß. sondern einem anderen Sänger passirte das Thier sich bockend auf den Hinterfüken erbob. der Reiter hinabrutscbte und das Roß rn's Orchester sprang. Pauken und Bässe zertrümmerte und. erschreckt durch den Lärm, zwischen den Pulten herumtrampelte, so daß die Musiker schleunigst über die Brüstung in's Parkett flüchten mußten nun, dieses Bild gestaltete sich ohne Frage weniger erhaben. Aehnlich ist es mit den infolge des Lampenfiebers der Quadrupeden öfters eintretenden unliebsamen Zwischenfällen, usxt daß die Füße der Umstehenden manchmal wirklich ernstlich gefährdet sind, habe ich am eigenen Leibe erfahren, als ich, den Bürger Baroncelli" singend. Rienzi's Pferd führen mußte und letzteres einen mein rechtes Pedal treffenden schwungvollen Seltentritt machte. Und dennoch lief die Sache noch ziemlich glimpflich ab, weil der Attentäter mit Gummischuhen versehen war. Diese dämpfen die Gewalf und das Getöse der Hufe wohl etwas, veranlassen aber das Thier wegen des ungewohnten Gefühls auch dazu, bei jedem Schritte die Beine fo hoch zu heben, als solle ein Eiertanz exekutirt werden. Ebenfalls im Rienzi , und zwar am Hoftheater zu Kassel geschah es, daß man nach gewohnter Sitte den Gaul vor dem Auftreten durch Zucker in gute Stimmung zu bringen versucht hatte. Als nun die den Adrian singende Dame vor Rienzi niederkniete und wiederholt flehend die rechte Hand nach ihm emporhob, streckte ihr der Gaul, vermemend, es würde ihm wieder ein Stückchen Süßigkeit gereicht, regelmäßig seine Schnauze in die Handfläche, was die Feierlichkeit der Situation nicht eben erhöhte. Fort also mit den Rossen, wenn sie nicht unbedingt zur Handlung gehören. Nicht selten ist das aber der Fall. Man denke nur an Grane rn Wagners Ring der Nibelungen". In der Walküre" kann man freilich feine Aktion, unbeschadet des Verständnisses, noch hinter die Kulissen verlegen, denn wo findet sich so leicht ein Exemplar seiner Gattung, welches, wie vor Iahren das der Frau Vogl am Münchener Hoftheater, genügend Ruhe bewahrte, daß Vrünhilde bei der Todesverkündung nach Wagners Vorschrift sich an seinen Hals zu lehnen vermöchte? Und was hat der Regisseur, welcher Grane nicht so weit vortreten, sondern nur sein berühmtes Haupt aus der Seitenhöhle herausschauen läßt, gewonnen, wenn dann das edle Thier wie ich es in neuerer Zeit im PrinzregentenTheater zu München sah bei den an Siegmund gerichteten todverkündenden Worten seiner Herrin ununterbrochen verständnißinnig und beifällig mit dem Kopfe nicht, hernach trotz allen Ziehens Brünhilde nicht folgen will und, als diese schließlich allein den Felsweg hinauffchreitet, plötzlich quer über die Bühne auf die Gruppe Siegmunds und SieglindeS losstapft, so daß Brünhilde rasch umkehren, ihren renitenten Grane holen und hinter sich herzerren muß? Nein, lieber doch gar nicht sichtbar werden lassen! ' Anders aber in der Götterdämmerung". Da muß Grane schon im ersten Aufzuge heran, denn Brünhilde schenkt ihn Siegfried, der ihn mit sich nimmt. Später bringt Siegfried das Walkürenroß in seinem Schifflein, es hierauf der Obhut Hagens überlassend. Jeder der Sänger ist froh, den selten ruhig stehenden, ewigen Kopfnicker baldm'öalichst wieder loszuwerden. Die schwerste Aufgabe jedoch stellt Wagner in der letzten Szene Brünhilden. Sie soll stch stürmisch auf Grane schwingen und ihn mit einem Satze in den Scheiterhaufen springen lassen. Nicht überall hat man. wie schon früher gesagt, eine Frau Voal, die diese Vorschrift mit glännder Vravour zur Ausführung brachte. Die meisten Brünhilden be schränken sich darauf, ihren Grane am Zügel zu fassen und mit ihm, ohne Brandwunden befürchten zu müssen, hinter dem Scheiterhaufen in der Kulisse zu verschwinden. Und es geht auch so! . Wir kommen nun zu jener Klasse der Bühnenmenagerie, deren Vertreter zwar unentbehrlich sind, die aber nicht leibhaftig mitwirken, sondern schon zu? Vermeidung von Lebensgefahr, denn es befinden sich gar bösartige Bestien darunter entweder kaschirt ode.? von Menschen in Thierkostümen dargestellt werden. Unter die kaschirten zählen Hund und Katze in Alpenkönig und Menschenfeind", deren Naturlaute kundige Thebaner hinter der Szene nachahmen; ferner derDompfaff in der Walküre", der Schwan in Lohengnn". Letzterer wurde in Supp6's Parodie Lohengelb" zu einem Schafe metomorphosirt, das aber ebenfalls, wie sein Schwankollege, voll Rührung den Kopf bewegt, wenn der Ritter ihm die Abschiedsworte singt: Nun sei bedankt, mein liebes Schaf!" Es gehören des Weiteren zu genannter Kategorie die Reptilien der Schlangengrotte in der Reife um die Erde", wie auch die weit bejahrtere Schlange in der Zauberflöte", die Tamino derfolgt und welcher von den drei Damen der Königin der Nacht das Lebenslicht usgeblasen wird. Ich erinnere mich, dieses Ungethüm in meiner Knabenzett am Hannoverschen Hoftheater mit vol-
lendetem Realismus imitirt gesehen' zN haben. Es zerfiel, von den Scheeren der Damen berührt, in vier Stücke, die noch lange zappelnd sich bewegten und an den Innenseiten fein röthüch bemalt, den appetitlichen Eindruck einer zerschnittenen Riesen - Cervelatwurst hervorbrachten. Von den durch Menschen nachgeahmten Thieren muß zuerst unser angeblicher Urahn, der Affe, genannt werden, für welchen man in längst vergangener Zeit ganze Stücke schrieb, als der Affendarsteller Klischnigg die halbe Welt durchreiste. In die Handlung eingreifende Faktoren sind ferner der Elefant in der Reise um die Erde", die Löwen in der Zauberflöte", der Wurm in Rhzingold", der Bär in Siegfried", die Eisbären im Artesischen Brunnen". Alle diese Geschöpfe haben nur pantomimisch zu agiren, während Goethe seine Meerkatzen im Faust" redend einführt. So macht es auch der Possendichter Raeder mit seinem Hummer in Flick und Flock", wie denn bekanntlich in den Weihnachtsmärchen und Zauberstücken der ganze zoologische Heerbann für die dramatische Mitthäterschaft mobil gemacht wird. Als Sängerin figuriri Goldmarks Heimchen am Herd", als Sänger mit gewaltiger Röhre" der Lindwurm Fafolt in Wagners Siegfried". Eine reizende Fliege (der verkleidete Jupiter) singt in Offenbachs Orpheus" ein großes Duett mit Eurydicen, wogegen im Sommernachtstraum" dem Weber Zettel ein sich ganz manirlich ausdrückender Eselskopf aufgezaubert wird. Schließlich sei noch jener schon eingangs erwähnten Gattung des Vühnengethiers gedacht, die, ebenfalls lebend oder kaschirt, nur dekorativen Zwecken dient. Zur erstgenannten Klasse gehört auch die am Schluß des ersten Aktes im Tannhäuser" beliebte Hundemeute, deren Gekläffe manchmal recht störend wirkt. Letzteres war
auch an irgend einem Theater rn dem Studentenstücke Alt - Heidelberg" der Fall, wo beim Kommers die Renommirköter mitmimten. Ein Spaßvogel hatte einem davon heimlich eine Wurst spendirt, was die eifersüchtigen Kollegen zu so geräuschvoller Opposition veranlaßte, daß die ganze Szene umgeworfen wurde. Auch die beiden in Steameiers Posse Rochus Pumpernickel" und in der Oper Der Bajazzo" mitwirkenden Efel dienen nur als Staffage und halten oft durch ihre Bockbeinigkeit das ganze Personal in Athem. Bei der zweiten Klasse ist diese Eigenschaft natürlich ausgeschlössen. Da haben wir z. V. die Freischütz" - Eule mit den glühenden Augen, welche in der Wolfsschlucht ganz präzise mit den Flügeln schlägt; da saust an gleicher Stelle pünktlich die Menge Gethier des wilden Jägers gespenstisch durch die. Lüfte; da rennt auf's Stichwort die tolle Sau feuerspeiend über die Szene, und all' dieser Zauber kann nur dadurch eine Störung erleiden, daß die Theaterarbeiter nicht aufpassen oder wie es erst unlängst an einer hervorragenden Bühne geschah der geisterhaften Sau den Schwärmer statt an der Schnauze am entgegengesetzten Ende befestigen. Man sieht, die von der Menagerie des Theaters dräuenden Gefahren lauern in allen Ecken und lassen es wahrlich dringend empfehlenswerth erscheinen, sie nur in homöopathischen Dosen und niemals ohne zwingende Noth-, wendigkeit heranzuziehen. Daß letztere ohnehin öfters vorhanden, als für die ungetrübte Szenenwirkung von Segen ist, haben die Darlegunzen dieser Abhandlung wohl genügend bewiesen. Einen unangenehmen Hochzeitstag mußte ein wohlhabender Handelsagent in Paris erleben. Er hatte sich mit seiner schönen Nachbarin trauen lassen. Es war eine Liebesheirath. Nach der Trauung nahmen die Neuvermählten in zahlreicher Gesellschaft ein Frühstück in einem Boulevard Restaurant und dann ging man in die Wohnung der Eltern des jungen Gatten, wo die Festlichkeit einen würdigen Abschluß finden sollte. Gegen sechs Uhr Abends, als eben der Hauspoet die unvermeidliche, geistreiche Rede über die Ehe im allgemeinen losließ, hauchte die junge Gattin einen Kuß aus die Stirn des geliebten Mannes und bat ihn, er möge die Gesellschaft einstweilen allein unterhalten, .sie habe im Schlafzimmer der Schwiegereltern noch eine kleine Angelegenheit zu besorgen. Nach einer halben Stunde wurde die junge Frau vermißt; der Gatte ging nach dem Schlafzimmer, um sie zu holen. Das Zimmer war verschlossen. Er pochte und rief vergeblich, er erhielt keine Antwort. Mit einem kräftigen Ruck seiner Schultern sprengte er, von Besorgnlß getrieben, die Thür auö dem Schloß. Er fand das Zimmer in größter Unordnung. Auf dem Stuhl lag das Hochzeitskleid der jungen Frau. , Die Schränke und Schubladen waren erbrochen und ausgeplündert, alles, was sich an Schmuckfachen und Werthpapieren in der Stube befunden hatte, war verschwunden zugleich mit der liebenden Zungen Gattin. Der Betrogene requirirte gebrochenen Herzens die Polizei, die alsbald feststellte, daß das Fräulein mit einem jungen, schwarzgekleideten Manne die Hochzeitsreise" angetreten hatte. Ein Steckbrief und eine Scheidunas klage bilden da tragische Ende dieser LiebeSheirath. i-
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