Indiana Tribüne, Volume 29, Number 280, Indianapolis, Marion County, 20 July 1906 — Page 3

Jndlana Tibüne, 20. Juli iqog

Dynamit Zerstört Lclim und Eigenthum. Gewaltige Tynamit-Efplosion. Zusammenstoß zweier Wurgonsdampfcr. Tcr Mutual Life"-Kuddclmuddcl. Salvador war auf Krieg nicht vorbereitet. Ekelhafte Schweinerei. Onkel Sam als Pulverfabrikant. Waffenstillstand und Fricdevsuntcrhandlungen. Ein Racheakt. Erdstöße in New Mexico. AmcrikanischSpanischcr Handels - Vertrag.

Gewaltige Dynamit. Exp l 0 s i 0 n. San Francisco, 19. Juli. Eine gewaltige Dynamit.Fxplosion ver ursachte heute in Oakland gleich am Nachmittag eine riesige Aufregung. Eine größere Quantität Dynamit ex plodirte im Steinbruch der Berkeley Rock Co. an Broadway und 2. Ave., wodurch da- Maschinenbaus und der Aufhebeschuppen total zerstört wurden. Die Explosion erfolgte gleich nachdem die Arbeiter vom MittagZefsen gekom men waren und mit der Arbeit begon nen hatten. Frederick Hoffman, der Superinten dent des Steinbruches, wurde sehr schwer, wahrscheinlich tödtlich, verletzt. Herr Hoffman wurde durch den Luftdruck des explodirenden Dynamits mit großer Gewalt au dem Maschinen hause geschleudert, das bald darauf zu sammenftürzte. Eine angestellte Un tersuchung der Ursache der Explosion ergab als Resultat, daß daS Dynamit in die Maschine gelegt worden war, welche sofort explodirte, als dieselbe in Bewegung gesetzt wurde. Der Präsident der Gesellschaft und Eeneral.BetriebSleiter des Steinbru cheZ, Herr Joseph Rosenberg, dehaup tet, daß daS Dynamit entweder aus Rache von einem entlassenen Arbeiter, oder von Personen, welche ein Interesse daran haben, wenn der Steinbruch nicht ausgebeutet wird, in die Maschine gelegt worden ist. Von dem Verüber deZ Verbrechens konnte bisher keine Spur gefunden werden. EinRacheakt. Scranton, Pa., 19. Juli. Der Compagnle-Laden von Hollifter und Bowmann in Avoca, welch? das Avoca Kohlenbergwerk bearbeiten, wurde in der letzten Nacht durch Dynamit fast gänzlich zerstört. Die ganze Front des Ladens wurde fortgerissen und Argus Howell nnd feine Familie, die Über dem Laden wohnten, wurden aus den Betten geschleudert. Der auf der anderen Seite der Straße wohnende George Hinchcliffe wurde ebenfalls von der Ge walt der Explosion aus dem Bette ge warfen und Thüren und Fenster wur den in Dutzenden von Hüufern in der Ortschaft zertrümmert. Unter den floh lengrübern herrscht gegen die Firma Hollister & Bowman große Erbitte rung, weil dieselbe das ttohlenwiegen zu sehr zu ihrem Vortheile ausnutzen. Daher glaubt man, daß unzufriedene Kohlengräber aus Rache den Laden mit Dynamit zerstört haben. Zusammenstoß von zwei ExcursionöDampfern. New York, 19. Juli. Zwei gut besetzte CxcurfionS'Dampfer kolli dirten beute Abend im hiesigen Hafen in der Nähe von Staten .Island, wo durch 1.500 Personen in Gefahr ge riethen, ein grauenhaftes gemeinfchaft. liches MeereSgrab zu finden. Die bei den ExcursionS'Dampfer waren Per seuS" von der Jron Steamboat Co., mit 500 Paffagieren nach Coney IS land, und der Thomas Patton" von der Patton Linie, mit 1,000 Passagle. ren von Long Branch nach New York. Die beiden in Havarie gerathene Dampfer ließen sofort ihre Nothpfeifen ertönen und nach kurzer Zeit war eine genügende Anzahl Rettungpboote zur Stelle, welche die erschreckten Passaglere ohne jeden Unfall nach New York brach ten. Die beiden beschädigten Dampfer PerseuS' und .Thomas Patton" wur den. bevor sie sanken, an'S Land ge schleppt. s Starker Nebel bedeckte heut.' Abend den Hafen von New York und in Folge dessen fuhren beide CxcurfionSdampfer mit verminderter Schnelligkeit. Gerade von St. George gegenüber fuhr .der .Thomas Patton" in den Perfeuöan der Backbordfelte hinein und riß demselben seinen Randkaften und daS Backbordrad ab und zertrümmerte seine Bordeinfassung. Dem .Thomas Pat ton" wurde bei dem Zusammenstoße der Bug eingedrückt und daS Oberdeck abgerissen. Beide Dampfer blieben zusammen hängen und wurden so an'S Land geschleppt.

Als die beiden Dampfer aus dem Nebel in kurzen Zwischenräumen auf tauchten und die Passagiere sahen, daß ein Zusammenstoß unvermeidlich war, entstand eine entsetzliche Panik auf bei. den Dampfern. AlleS lief durcheinan der, schrie und heulte, ja einige Passa giere wollten sich sogar in'S Wasser stürzen, was glücklicher Weise noch ver hindert werden konnte. Erst als alle Personen auf die schnell herbeieilenden Rettungsboote tran-ferirt waren, legte sich die Panik und Alle konnten ge rettet werden. Der .Mutual Lifettud d e l m u d d e l. N e w Y o r k, 19. Juli. Angesichts der Wirren der Mutual Life Insu, rance Company und der vielfachen er bitterten Kritiken, welche die Geschäfts leitung jener Gesellschaft in letzter Zeit gefunden hat, beansprucht die Neu wähl von TrusteeS, die in der JahreS Versammlung im nächsten Dezember er folgt, und die Stellungnahme der jetzi gen TrusteeS zu der nächsten Wahl ein besonderes Interesse bei allen Policen inhabern der Gesellschaft und über Haupt für alle weitere Kreise, die ein Interesse daran haben, daß die großen Versicherungsgesellschaften auf eine strikt geschäftliche BaflS in: Interesse der Policenlnhaber gestellt werden. Die TrusteeS der .Mutual Life haben gestern für die nächste Wahl ein sogen. AdministratkonS'Ticket aufgestellt, in dem sie den Vorschlägen eines für die fen Zweck eingesetzten Spezialkommit teeö zustimmten. DaS Ticket, über das die Policeninhaber abzustimmen ha ben, muß spätestens bis heute bei dem ftaalkchen VersicherungS Superinten denten eingereicht werden. Zugleich mit seinen Empfehlungen betreffs Zusam menstellung deZ Tickets machte das Spe zial Komlttee bekannt, daß William Rockefeller und Henry H. Rogers, beide als Standard Oil Magnaten bekannt, ihr Amt als TrusteeS niedergelegt und darum ersucht hätten, daß ihre Namen für die Wahl neuer TrusteeS gänzlich aus dem Spiel gelassen werden sollten. Salvador war auf Krieg nicht vorbereitet. Washington, D.C., 19. Juli. Ueber die bereits ftattgefundenen bluti gen Gefechte liegen aus San Salvador nähere Nachrichten vor, laut welchen die Regierung von Salvador auf den Krieg nicht vorbereitet war und ihre Truppen gegen Guatemala's Ueber macht von drei zu eins zu kämpfen hat ten. Trotzdem hat Salvaoor in jedem

Gefecht gesiegt. Die Verluste auf bei den Seiten waren sehr schwer; Salva vor verlor 700 Todte und 1100 Ver wundete, Guatemala dagegen hatte einen Verlust von. 2800 Todten und 3900 Verwundeten. General Rega lado fiel, als er auf einer RekognoSzi rung über t'nv: Meile seinen Truppen voraus war. Seine Eskorte bestand aus 50 ausgewählten Offizieren und Soldaten und alle stielen bis auf den letzten Mann Als die Truppen von Salvador hinzukamen und den Feind zurücktrieben, fanden sie über 600 Todte, einfchlißlich mehrere Offiziere, auf dem Kampfplatze. In jener Schlacht erbeutete Salvadorö Armee die feind liche Artillerie, und Guatemala schlug dann FriedenSunterhandlungen vor, was jedoch von Salvador abgelehnt wurde. Zwölf Stunden später wurde durch das Eintreffen der Depesche von Präsident Roosevelt ein Waffenstillstand bewirkt. In hiesigen militärischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Republik Sal vador- in Bezug auf Schlagfertigkeit ihrer Truppen allen anderen central amerikanischen Republiken überlegen sei. Schiffsnachrichten. New York: .Teutonkc" von Liverpool; ".La Bretagne- nach Havre; .Bar baraffa" nach Bremen; .Kaiserin Auguste Victoria-'nach Hamburg. Liverpool: Majeftkc" von New York. Cherbourg: .Kronprinz Wilhelm" von Bremen und Southampton nach New York.

Parirt.

Thaw's Anwälte machen dem Di striktsanwalt einen Strich durch seinen Kniff. N e w Y o r k, 19. Juli. Die Ver theidkgung im Falle des der Ermor dung von Stanford White angeklagten Harry K. Thaw that heute einen un gewöhnlichen und unerwarteten Schritt. John D. Gleason, einer der Vertheidi ger, erschien vor Richter Blanchard in derAbtheilung 2 des SupremeGerichteS und erlangte einen EinhaltSdefehl, wel cher dem DistriktSanwalt und derGrand Jury verbietet, weiteren Beweis in Be zug auf die Ermordung von Stanford White aufzunehmen. Der vorläufig temporäre Elnhaltsbefehl verbietet dem DlftriktSanwalt und der Grand Jury ferner jede weitere Vorladung in Ver bindung mit dem Falle der Ermordung von Stanford White. Endlicherließ der Richter einen Befehl an den Di striktsanwalt und die Grand Jury, morgen Vormittag Gründe anzugeben, warum dieses Verbot nicht permanent gemacht werden soll. Herr Gleason sagte in seinem Ge suche: Um den Fall für den Prozeß vorzubereiten, erläßt der Distri'tZan walt Vorladungen an Zeugen, in wel chen dieselben aufgefordert werden, vor der Grand Jury zu erscheinen und vor ihr Zeugniß in einer derselben vorlle genden Untersuchung abzulegen. Diese Vorladungen werden nicht erlassen, um neue Anklagen für die Tödtung von Stanford White zu gewinnen, sondern um sich Beweis zu verschaffen, der ge gen den Angeklagten in Prozeßverfah ren benützt werden kann. Die Zeugen werden vor der Grand Jury beeidigt und ihre Aussagen entgegengenommen. Herr Gleason sagt ferner, daß, da Thaw bereits unter Anklage steht und keine neue Anklage wegen der Ermor dung von Stanford White beabsichtigt ist, der DiftriktSanwalt kein Recht hat, die 'Grand Jury als Deckmantel für seine Untersuchung zu benützen. Fast jede Person, welche in dem Falle erscheinen kann, bis jetzt nicht weniger als 47 wurde vom DiftriktSanwalt eidlich vernommen, und die Aussagen Aller wurden aufgezeichnet, um in der Ver Handlung benutzt zu werden. Und das AlleS geschah, ohne daß dem Angeklag ten oder seinen Vertretern gestattet war, anwesend zu sein. Unfrieden an heiliger Stätte. PlttSburg, Pa., 19. Juli. Mi. chael Tusek, Rektor der polnischkatho lischen St. NkcholaS Kirche zu Mlllvale, in der Nähe von PittSburg, mußte sich gestern mit dem Revolver in der Hand den Zutritt zu seiner Kirche erzwingen, um hier da feierliche Hochamt zu feiern. Während der Feier behielt der Priester die Schußwaffe neben sich um für alle Eventualitäten vorbereitet zu fein. Als der hochw. Tusek bei der Kirche ankam, Morgens gegen 9 Uhr, stand ihm ein wilder, aufgeregter Haufe seiner Pfarr kinder, 300 an der Zahl, gegenüber. Der Priester erklärte, er würde jeden, der ihn aufzuhalten versuchte, nieder schießen. ES gelang dem Priester die Kirchthür zu erreichen. Darauf fand eine allgemeine Streiterei statt. Die Polizei mußte einschreiten und verhaf tete eine Anzahl der Rädelsführer. An der Spitze der erbitterten Pfarrktnder stand ein Weib, das mit feurigen Wor ten die Männer zu Gewaltthätigkeiten aufforderte. Der Unfriede in der Pfarrei zu Mill vale besteht schon seit längerer Zeit. Die Mehrzahl der Gemeindezugehöri gen fordern die Abrufung des derzeit! gen Rektors, Rev. Michael Tusek und die Besetzung der Stelle durch Rev. Ge nick, da sie nicht mit den Predigten des ersteren zufrieden sind. Verschiedene Male schon sah sich die Polizei genöthigt einzuschreiten. Erdstöße inNew. Mexiko. Topeka, starrt., 19. Juli. Hier eingetroffene Nachrichten beim General Betriebsleiter der Atchison, Topeta & Santa Je Bahn besagen, daß durch hef tige Erdstöße in New . Mexiko große Felöblöcke vorn Gebirge losgerissen wur den, welche das Geleise der Bahn unfahrbar machten. Aus einigen kleinen Kratern soll auch glühendes Lava ge flössen sein, welche? daS Geleise der Santa Je Bahn südlich von San Mar cial auf eine längere Strecke vollstün dig bedeckt. Arbeiter sind beschäftigt das Geleise der Bahn fahrbar zu ma chen.

Ekelhafte Schweinerei. Topeka. Ka?.. 19. Juli. Ein Schlachthaus nahe Wellington, welches gestern auf Befehl des GksundheitS ralheS untersucht worden ist, wurde in einem so unsagbar schmutzigen Zustand vorgefunden, daß Dr. I. S. Crum bine, der Sekretär des GesundheitS raiheS. die County.Kommissäre eines

leden County des Staates angewiesen hat. die Schlachthäuser in ihren Di strikten einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen und ihnen, falls sie nicht in Ordnung befunden werden sollten, die vom Gesetz vorgeschriebenen 5 Tage Zeit, zur Reinigung zn gewähren. Sollte dem Uebel da noch nicht abgehol fen sein, soll die Verhaftung und Pro zesstrung der Schuldigen folgen. - ... Dr. Crumdine machte über die Re sultate seiner Untersuchung folgende Mittheilung: ES ist ganz unmöglich, die Verhältnisse in dem betreffenden Schlachthause zu schildern, wie ich sie vorgefunden habe. Niemand, der das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich von dem starrenden Schmutz in jenem Schlachthaus eine Vorstellung machen. Der Zustand war ein so ent setzlicher, daß ich eZ nicht für möglich halte, diese Anlage in 5 oder auch in 50 Tagen zu reinigen. Meiner An sicht nach wäre daS Niederbrennen des EebäudcS das einzige Mittel, die Krank hcitSkeim: zu vernichten. Die Ordre des Gesundheitsamtes be zieht sich auch auf diejenigen Groß schlachterfirmen in KansaS City welche Anlagen ans der Kansaser Seite besitzen. Onkel Sam als Pulver f a b r i k a n t. R o ck I S l a n d, Jll., 19. Juli. Das KrlegSdepartement hat angeord net, daß ein Plan zur Errichtung einer Pulvermühle mit einer Leistungsfähig keit von 300,000 Pfund jährlich ent worfen werde. Diese Pulvermühle soll hier errichtet werden. Die vom Kon greffe zu diesem Zwecke gemachte Bewil ligung beläuft sich auf $165,000. Die Regierung glaubt beweisen zu könne, daß Pulver für weit weniger als 75 Cents für daS Pfund, der gegenwärtig gezahlte Preis, fabrizlrtwerden kann und wenn der Pulvertrust den Preis nicht bedeutend ermüßigt, werden vom Kongresse weitere Bewilligungen gefor dert werden, um das KriegSdeparte ment in den Stand zu fejzen, alles Pulver, welche es braucht, selbst zu fabrl ziren. Guatemala. Waffenstillstand und FriedenSunterhand l un g e n. GuatemalaClty. 19. Juli. Der Waffenstillstand zwischen den krieg führenden Republiken Guatemala, Salvador und Honduras hat gestern durch Vermittlung des Präsidenten Roosevelt und Diaz von Mexiko be gönnen. Die drei Länder haben ihre Vertreter erwühlt, die sich jetzt an Bord des Ver. Staaten Kreuzers Marble head" außerhalb der drei Meilenzone vom Lande auf neutralem Boden be finden. Mit den FriedenSunterhandlungen wird sofort begonnen werden und man erwartet mit Bestimmtheit, daß diesel. ben in wenigen Tagen zum Abschluß kommen werden. Zu einem Weltpflegerinnenouno wollen sich die Krankenpflegerinnen aller Länder zusammenschließen. Wie das Organ der Berufsorganisation der KrankenpflegerinnenDeutschlands" mittheilt, wird die erste inoffizielle Zusammenkunft im Juni 1907 in Paris stattfinden, und man rüstet schon überall dazu. Die nationalen Verbände ' der verschiedenen Länder bauen sich aus. Amerika vereint durch den Zusammenschluß aller bestehenden Pflegerinnen Organisationen 10,000 Pflegerinnen in der Federation os Nurses". Großbritannien hofft bis dahin, durch das jetzige provisorisch? Comite, das die verschiedenen Vernde von England. Irland unl Schottland zusammenfaßt, die Zahl von 5000 Mitgliederen erreicht zu haben, um sich in einen National Council" umzuwandeln. Die Deut schen hoffen bis dahin wenigstens mehr als 1000 Schwestern in ihrer BerufsOrganisation vereinigt zu haben. Auch die dänischen Pflegerinnen haben sieb seit sechs Jahren organisirt. Da Mij Dokl, die Schriftführerin des Jnter national Council of Nurses-, mit Miß Nutting an der Geschichte der Kran-kenpflege-arbeitet, wird Mrs. Bedford Fenwick im Herbst in Paris die vorbereitenden Schritt für diesen Konreß thun. Die offiziellen Tagungen deS Weltpflegerinnenbundes werden voraussichtlich in 5jährigen Zwischenräumen mit denen des Weltfrauenbundes gemeinsam stattfinden.

Sann öfe Zkarikaluristin.

Lieblingsbeschäftigung der russischen Kaiserin in ihrer Mußezeit. Eatyre deS Krieges Ernste und heitere Stunden Eine Karikatur des Zaren Kein Berständnih für die Pointe Heiterkeit der HSslinge-Vielseitige Frau. In ihren Mußestunden huldigt die Zarin von Nußland einer Besch'aftigung, die man sonst bei den Lebensgefahrtinnen von gekrönten Häuptern wohl kaum zu suchen pflegt. Mit besonderer Vorliebe widmet sie sich n'äm lich zu ihrem Vergnügen dem Karikaturzeichnen, wobei ihr stark ausgepragter Sinn für das Satyrische in höchst amüsanter Weise zum Ausdruck gelangt. Die Zarin war vielleicht die einzige Person am Hofe Nikolaus II., welche dem für Nußland so unglücklich verlaufenen Kriege mit den Japanern trotz allem Traurigen, das er -im Gefolge hatte, auch heitere Seiten abzugewinnen verstand. Nicht etwa, daß der feinfühlenden Frau die Leiden, die der Krieg über das russische Volk gebracht, gleichgiltig gewesen wären, denn von Natur zartfühlend und edel gesinnt, kennt sie kein höheres Ziel als das Gedeihen des Volkes, über das ihr Gemahl das Szepter schwingt, aber sie erblickte kein Unrecht darin, durch das Zeichnen von Karikaturen von hervorragenden japanischen Kriegshelden des Heeres und der Flotte sich und den Mitgliedern ihrer Familie eine angenehme, die düsteren Schatten drohenden Unheils auf kurze Weile scheuchende Kurzweil zu verschaffen. Eine russische Zeitung hat seitdem eine Anzahl Karikaturen von Oyama, Togo, Kuroki und anderen veröffentlicht mit Die Zarin uud einige ihrer Karikaturen. (Togo, Nogi, Oyama, Kuroki) der Erklärung, daß die Zeichnungen Produkte des künstlerischen Talentes der Zarin darstellten Und in der That liefern diese Zeugnisse ihrer Geschicklichkeit in der Handhabung des Zeichenstiftes den besten Beweis dafür, daß die Zarin wohl im Stande, wäre, ihren Unterhalt zu verdienen, wenn sie in die Lage käme, für sich und die Ihrigen sorgen zu müssen. freilich waren nicht die japanischen Krieger die einzigen Berühmtheiten, an welchen die Zarin ihre Kunst als Karikaturistin bethätigte; unbarmherzig karilirte sie auch verschiedene Mitglieder des Hofes, und selbst der Zar blieb von ihrem Spotte nicht verschont. Allerdings getraute sie sich lange Zeit nicht, Väterchens- Würde durch Karikaturen in's Lächerliche zu ziehen, und selbst die wiederholte Aufforderung ihres Gemahls, doch auch von ihm einmal eine Karikatur zu zeichnen, konnte :e nicht dazu bewegen. Schließlich gab :e jedoch nach und zeichnete ein Bild, )as den Zar mit einer Krone auf dem Haupte und dem Szepter in der Hand zn einem Kinderwagen sitzend, der von seiner Mutter an einem Faden gezogen wird, zur Darstellung brachte. Diese Karikatur erregte heimliche Heiterkeit unter den Höflingen, der Zar aber erklärte, er außer Stande, eine Pointe darin zu finden und soll nichts weniger als erbaut von diesem Kunsterzeugniß seiner Gemahlin gewesen sein. Die Zarin ist Lbriaenö eine vielseitig gebildete Frau, die auch in der Malerei sowie in der Holzschnitzerei Vortreffliches leistet. Verlor zeitweilig die Sprache. Ein in der Nähe von Brewster, Minn., wohnender Mann Namens Ben Boyngelson litt seit einiger Zeit an heftigen Anfällen von Kopfschmerzen. Bei einem dieser Anfälle verlor er vollkommen die Sprache, so daß er nicht einmal einen Laut hervorbringen konnte. Die zurathe gezogenen Aerzte standen dem Fall rathlos gegenüber und keines der versuchten Mittel hatte irgend welchen Erfolg. Nachdem der Mann einige Tage lang in diesem Zustande gewesen war, konnte er ebenso plötzlich wieder reden, wie er die Sprache verloren hatte.

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