Indiana Tribüne, Volume 29, Number 274, Indianapolis, Marion County, 13 July 1906 — Page 6
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Wie sie sich fanden Humoreske von Elfe rafft. Nun wurde es ihr aber doch zu bunt! Heinrich", rief sie empört, schämst du dich denn gar nicht? Drei Abende in der Woche im wilden Eber", einmal Skat bei Kalkulators, und heute willst du schon wieder kegeln gehen? Ich habe dabei doch auch noch ein Wörtchen mitzureden, und..." Der Rendant lachte mit seinen grauen Haaren so keck wie ein Junge. Ein Wörtchen ist gm! Als ob du bisher nicht alle Worte geredet hattest! Aber das paßt mir nun nicht mehr, das soll anders werden! Die Leute haben recht, ich ich bin ein Schlappstieftl!" Frau Adelaunde war so blaß geworden, wie ihre blühenden Farben es nur zuließen. Sie ließ sogar das Strickzeug sinken, und sah nicht mehr durch, sondern über die Brille, was nur bei Zeiten höchster Erregung geschah. Die Leute? Sag' doch lieber deine Stammbrüder, deine Saufkumpane, ... du,... du! Das ist ja jetzt zum Davonlaufen mit dir!" Mit mir auch , knurrte der Nendant. Das Strickzeug sank vollends. Laus doch.... geh' doch! Als ob ich nicht froh wäre, wenn ich dich nicht sehe. So eme Undankbarkeit! Selt drelßlg Jahren plagt und sorgt man sich für so,... so einen Kerl ab, wie eine Mutter über ihr Kind wacht man über sein Heil, und..." Ich brauche deine lächerliche Fürsorge gar nicht, ich weiß alleine, was ich thue! Alle meine Freunde tragen den Hausschlüssel immer der sich, alle meine College können sich alleine ihre Kragen auf- und zuknöpfen, ich kann's auch! Ich,... kch war' em glücklicher Mensch, wenn uu das mal einsehen lerntest!" Gut.... du sollst glullch sem, Heinrich! Ich auch! Sieh zu, wie du ohne mich fortan fertig wirst, Gott sei Dank, daß ich mich Nicht mehr um deine Sachen kümmern brauche. O, ich weiß fchon, wie schön ich mir das Leben nun gestalten werde! Sie spricht wie'n Buch, meine Olle", dachte der Rendant vergnügt. Na, warte man, Adelgundelchen, du sollst schon noch nach mir jammern. Jetzt brenn' ich di, durch. Jetzt zeige ich dir. was ich für ein Kerl bin!" Er schlich in die Schlasstube. riegelte sich ein, vertauschte umständlich seinen Hausroa mn dem guten, schwarzen und biß die Zahne tapser aufeinander, als der Schlips nicht sitzen wollte. Um vier Uhr ging, ein Zug nach Berlin, und um sechs. Er würde den früheren nehmen, jawohl. Zwei Stunden Fahrt, und rem in die Freiheit und das Vergnügen. Von dort wurde er eine Ansichtskarte an seine Adelgunde loslassen, na, sie würde schon vor seinem Muth und seiner Selbständigkeit anders werden! Set Tibbekes würde er übernachten. Der Vetter hatte ihn schon so lange eingeladen. Da sparte er das theure Hotel. O, er würde es schon beweisen, wie er ohne seine Adelgunde sertig würde. . Der Rendant horchte an der Thür und schlich sich dann, als alles still blieb, durch das Hinterpförtchen aus dem Hause. Frau Adelgunde stand hinter der Gardine, und sah ihn fortgehen. So weit war es also schon mit ihm gekommen! Offner Widerstand gegen die eigene Frau. Sie mußte entschieden eme Radikalkur für lhren verblendeten Heinrich vornehmen. Aber wie, aber was? Da lief er hin nrn bellen Nacbmittaa Im Sonntaas rock. Natürlich in die Kneipe! Und erst spät in der Nacht würde er sehr geräuschvoll heimkehren, würde sie wieder, wie schon so oft, ihm beim Auskleiden behilflich sein müssen,... aber nein, Frau Adelgunde hob unternehmungslustig den Kopf.... das sollte nun anders, werden! Raus.... fort... er durfte sie heute Nacht garnicht mehr im Hause vorfinden. Allein wollte er fertig werden. Gut! Er sollte seinen Willen haben. Sie lief fieberhaft aufgeregt in die Küche zu dem kleinen Dienstmädchen, und von der Küche in die Schlafstube. Im ersten Augenblick wollte sie dort die liederlich umhergestreuten Sachen ihres Mannes aufräumen. Aber sie bezwäng sich meisterlich. Er mußte auch so etwas selber thun als nutzn ches Mitglied der Menschheit. Sie riß Schränke auf. Kästen, kramte, packte, sah dazwischen nach der Uhr, und. stellte fest, daß der Bieruhrzug naaz Berlin nicht mehr zu erreichen war. Also, um sechs Uhr dann! Sie würde nach Berlin fahren zu Tibbekes. Cousine Grete hatte schon so lange um ihren Besuch gebeten. Von dort wurde sie sehr kühl und bestimmt eine Ansichtskarte an ihren Mann schicken, o,... er würde schon kirre werden, der wilde Heinrich! Als die Frau Rendar.t wirklich in dem Sechsuhrzuge saß, um nach der Reichshauptstadt zu dampfen, wurde ihr doch ein wenig bange um's Herz. Sie kam sich wie eheverlassen vor, und es hätte nicht viel gefehlt, so waren ihr die Thränen siedendheiß die Wangen herunteraelamen. .
Jndiana Tribuns, 13. Juli WOG
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Aber nein, nur diesmal stark sein! Beweisen, daß sie auch ohne Mann fertig werden könnte.' daß sie sich... sehr wohl ohne Mann fühlte. Sie schluckte ein paarmal und sah dann beharrlich zum Fenster hinaus, um andere Gedanken zu bekommen. Als sie in Berlin das Gewoge der Menschen sah. das lebensgefährliche Getriebe der Wagen, das sie sonst nur wohlgeborgen alle Jahre einmal am Arme ihres Heinrichs durchschritten hatte, klopfte ihr das Herz wie ein Hammer in der Brust. Das Capotthütchen war ihr von einem Vorübergehenden schief gestoßen worden, und die ersten fünf Straßenbahnwagen, in denen sie zu Tibbekes fahren wollte, waren überfüllt. Endlich bekam sie noch ein SitzPlätzchen. Ihr Muth war ganz bedeutend gesunken, und sie dachte sehnsüchtig an ihr gemüthliches Zimmer daheim im Städtchen. Kurz vor neun Uhr Abends betrat sie das Haus der Verwandten, die im dritten Stock eine Dreizimmerwohnung inne hatten. Gott sei Dank", dachte sie erschöpft, als sie an der Thürklinke zog. Es öffnete Niemand. Todtenstille blieb's im Korridor. Die Frau Rendant wurde abwechselnd roth und blaß. Sollten Tibbekes nicht zu Hause sein? An die Möglichkeit hatte sie ja noch garnicht gedacht. Barmherziger Gott, was nun? War sie das überhaupt noch selber, die hier wie eine Ausgestoßene in fremder Stadt und fremden Hause stand, sie, die ehrenwerthe, hochgeachtete Frau Adelgunde Schächtemeier? Im ersten Augenblick der Verzweiflung setzte sie sich auf einen Treppenabsatz. Horch,... kam da nicht Jemand? Vielleicht Grete mit ihrem Mann? Nein, es war wohl die Portierfrau, die da noch zu später Stunde am Geländer herumwischte. Wollen Sie verleichte zu Tibbekes? Die sind nach's Theater", meinte sie liebevoll. Vor Uhre zwelfe kommen die nich retur!" Adelgunde blickte die Auskunftgebende verstört an. Ja aber,... aber,... ich komme doch von außerhalb, wo bleibe ich denn da über Nacht", stotterte sie angstvoll. Die Frau zuckte die Achseln. Ick weeß nich! Am Ende jehn Se am besten drüben in ve FamilienPension, wenn Se zu's Hotel kcene Traute nich haben; bloß über de Straße wech m det zroße Haus, wo's dransieht! Morgen srllh sind Tibbekes wieder da"... Die Frau Rendant nickte schwach. Bloß Ruhe. Fassung", dachte sie. Bloß ein Glück, daß ihr Heinrich sie so mcht sehen konnte. Er hätte sich am Ende gefreut, der Barbar! Sie war mehr todt als lebendig. als sie drüben in dem bezeichneten Hause ein Zimmer für die Nacht verlangte. Mein letztes... es ist etwas klem, aber für Sie wird's wohl genügen",' meinte die Pensionsmutter liebenswürdig. Adelgunde nickte. Ihr war alles Recht. Kein, kein Mittel wußte sie, das ihre gesunkenen Lebensgeister wieder aufrütteln konnte. Eine ganze Weile saß sie unentschlossen in dem schmalen Zimmer auf einen Stuhl. Dann begann sie sich langsam auszuziehen, immer nur denkend: was wird er sagen, was wird er thun, dein Heinrich, wenn er heute Nacht dein Bett leer sieht?... Da,... was war das? Ein Schauder der Angst überlief ihren Leib. Dicht neben ibr, in dem anstoßenden Zimmer, stöhnte Jemand. Das klang fürchterlich. Da schlief gewiß, nur durch eine dünne Wand getrennt, ein Mann,... ein fremder Kerl. Vielleicht ein Verbrecher, ver keine Ruhe fand. Und nun ein Husten hinterher, ein Krächzen... Frau Adelgunde's Kopf hob sich wie ein Stoßvogel von den Schultern. Woran erinnerten sie doch diese heiseren Töne, dieses Stöhnen, woran erinnerten fr doch? Das,. . . das klang ja gerade so, als ob,... als ob ihr Heinrich den Stiefelknecht vor sich hatte und seine Stiesel nicht von den Fußen bekam. Da.... jebt dieses Poltern den Fußboden entlang! Als ob Jemand den endlich losgerissenen Stiefel lang über die Diele schlittern ließ, und nun folgte der zweite-., mein Gott, hier nebenan wohnte wirklich ein Kerl, der dieselben Gewohnheiten hatte, wie ihr Heinrich. Fürchterlich! Die Frau Rendant saß im Unterrock und bloßen Schultern und warf sich heftig, schamvoll die buntgeblümte Nachtjacke über, die sie in der Handtasche mitgebracht. Wenn der Frem de da nebenan durchs Schlüsselloch sehen wurde,. . . wenn. . . oh,. . . oh. Jetzt folgte wieder ein Stöhnen, noch fürchterlicher, als vorher. Und nun ern Fluch. . . .Bombenkreuz schockschwerenothelement", und das dreimal wiederholt,... das.... das war doch ganz gewiß Hemnchs Art zu fluchen, wenn er feinen Kragenknopf am Hälfe mcht loskriegte, dabei das Umhertrampeln mit beiden Beinen. . . Mit schlotternden Knien schlich Frau Adelgunde zu der Thür, beugte sich, druckte das Auge gegen das Schlüsselloch, und dann,. ; . dann, fast
kam es wie ein Jauchzen über ihre
Lippen: Hei. . .n. . .rich ... bist ... du's? Bst,. .. ich bin's ja, ... dei. ..deine Adelgunde! Hei. . .n. . .rich, soll ich dir. ..deinen Kragenknopf auf. ..machen.. steckt der Schlüssel bei dir drinnen. ..in der Thür,. . .lie. . .lieber Heinrich?" Der fürchterliche Fluch brach mitten durch. Ein Schlüssel wurde umgedreht. Adelgunde breitete die Arme aus und gegen die bunte Nachtjacke flog schweißtriefend und mit einem letzten Seufzer der Erleichterung der liebe Gatte. Ich,... ich hab' Tibbekes besuchen wollen,. . . die waren aber nicht. . . zu Haufe", stotterte er zerknirscht. Sie nickte hoheitsvoll. Ich weiß,... sie sind... nach's Theater." Darauf wurden alle beide roth. Nein, aber, Adelgunde, was biste unternehmungslustig!" Und du! Du wolltest mich so schnöde verlassen?" schluchzte sie, ihm den Kragenknopf aufknipsend. Er verzog krampfhaft das eben noch so vergnügte Gesicht. Bloß aus gekränktem Ehrgefühl, Gundelchen. Du hast gesagt, geh'". Und wieder drückte er sich gegen die wohlbekannte Nachtjacke, währenv er dachte: Vor acht Tagen geht man nun mcht wieder raus aus dem schönen Berlin! Das muß ausgenutzt verden, wo se nu mal so weich is." Tie Heirathsannonce in Nußland. Ein Blick in den nzeigentheil der St. Petersburger Blätter genügt, um zu konstatiren, daß auch auf diesem Gebiete in Rußland seit Aufhebung der Zensur eine sehr spürbare Aenderung eingetreten ist. Früher war es unmöglich, eine Lebensgefährtin mit Zuhilfenahme der Presse zu suchen; der heilige Synod erlaubte es nicht. Jetzt darf man es und die Henathsannonce blüht und treibt mitunter soaar recht sonderbare Blüthen. Aus den ersten Blick springen dem Beobachter einige Unterschiede in der Fassung westeuropaischer und russischer Heirathsannoncen in die Augen. Entsprechend der politischen Richtung der Zeit, welche ihren Ausdruck im Kampse der Intelligenz gegen die brutale Gewalt gefunden hat, legen die hei rathslustigen Russen einen großen Werth auf Intelligenz". Bei der Anpreisung seiner eigenen Person gibt man dieser Eigenschaft vielfach den Vorrang vor anderen. Sogar an Pleonasmen auf diesem Gebiete mangelt es nicht. Ein gebildeter Intelligent" (dieses Wort wird auch als Substantiv im Russischen gebraucht), der in einem intelligenten Dienste steht, sucht eine intelligente Lebensgefährtin". Manche Damen legitimiren ihre Ansprüche auf eheliches Glück nur durch den Besitz von Intelligenz. Auch ältere Wittwen verschmähen nicht diefes Prädikat, sind aber meistens vorsichtig genug, noch auf andere werthe volle Eigenschaften hinzuweisen: Eine interessante, schone, interngente, musikalische Wittwe von 37 Jahren sucht die bestandige Bekanntschaft eines intelligenten, alteren Herrn. Selbstverständlich gibt es auch ge nua Herren und Damen, die anderen, mehr weltlichen Richtungen huldigen. Da begegnen wir eleganten" Edelleuten mit oder ohne Titel, feschen Kavallerieoffizieren, lieblichen Vlon dinen usw. Viele der russischen Heirathsannoncen zeichnen sich durch ihre Naivetät und Offenheit aus. Der Jungrusse und die Jungrussin spre chen frisch von der Leber wea, und machen nicht viel Umstände. Hier ein paar Beispiele: Des Alleinseins herzlich müde, sucht eine dreißigjährige Dame die Bekanntschaft eines reichen Herrn von vierzig bis fünfundfünfzig Jahren. Der betreffende muß einen guten Charakter besitzen, auch muß er wohlerzogen, kein Wüstung und lern Neu rastheniker sein." Ein aus der Gefangenschaft zu rückgekehrter sucht eine Frau. Wittwe mit Kmdern mchr ausgeschlossen. Wenn eS ein Fräulein ist. so darf sie auch mit körperlichen Gebrechen behaftet sein. Nur muß sie eine gute Aussteuer haben." Ein intelligenter Herr von 45 Jahren, der eine solide Stellung ein nimmt, gesund, energisch und lustig ist, möchte eine Person heirathen, die bereit wäre, seine Schulden im Be trage von vierzigtausend Rubel zu bezahlen. Bedingung: gegenseitige Liebe und Sympathie . Vielfach wird auch nur auf eine zeitlich begrenzte Ehe reflektirt. Man will sich nicht für immer binden und spricht das offen aus, dem Beispie! der skandinavischen Lander folgend, in denen derlei Eheschließungen hin und wieder vorkommen. Der techm sehe Ausdruck für diesen Vorgang lautet in Rußland notarielle" oder auch bürgerliche Ehe , was mcht nn der westeuropäischen Zivilehe zu ver wechseln ist. Noch öfter werden nur Freunde und Freundinnen ge sucht: Eine liebliche Blondine, die ihre Erziehung in einem kaiserlichen Mädcheninstitute erhalten hat, französisch spricht, musikallschund gesangSlustig
st, sucht emen freund. einen
ympathischen, brünetten Herrn von 35 bis 50 Jahren. Er muß gutmühig und mcht dumm sem, den Sport und die Natur lieben." Eine intelligente Wittwe von 30 Jahren sucht einen wohlerzogenen Freund behufs einer gemeinschaftlichen Reise in's Ausland. Jeder zahlt für sich." Em eleganter Dragonerossmer möchte mit einem jungen, intelligenten Fräulein im Jussupowgarten gemeinsam Schlittschuh laufen." Wer die russische Heirathsannonce aufmerksam siudirt, wird natürlich auch auf Kuriosa stoßen. Einige derclben sind vielleicht als Symptome psychopathischer Zustände zu betrachen: Ein Herr möchte die Bekanntschaft eines Fräuleins macken. die nickt älter als zwanzig Jahre ist. Sie muv sehr mager sein. Schönheit Nicht nothiq. Sommersprossen und rothe Haare werden geschätzt. Außerdem muß sie Verstand und ein feuriges Temperament. besitzen. Absolute Diskretion. Ein anderer schreibt: Ich will leben. Seit jenem Tage, wo die Bakterien des Gottes Hymen ihre Kolonien 5ar in den Spalten der Tagespresse begründet haben, hat meine periodische Matnmonialschwindsucht einen progressiv-chroni schen Charakter angenommen und ist geradezu unerträglich geworden. Eme beständige Melancholie ud zudringliche Ideen geben mir weder bei Tag noch bei Nacht Ruhe, stören mich in der Arbeit und vergiften mein ganzes Leben. Und da alle Leuchten de? medizinischen Wissenschaft ihre Ohnmacht bekannt haben, mich vsm sicheren Verderben zu retten, so greise ich zum letzten Mittel: Ich rufe jene reizende Zauberin an, die den Talismann besitzt, welcher mich von dieser Krankheit erretten kann. Ich vm ein russischer Junggeselle, intelligent, trinke keine berauschenden Getränke usw. In Korrespondenz will ich nur mit einer Dame treten, die Mir solgende Fragen beantworten wird: 1) Wo sie erzogen worden ist; 2) Soziale Stellung; 3) Familie; 4) Eini ge Worte über das Aeußere; 5) Alter: 6) Ansichten über die Ehe. Pläne und Träume; 7) Was ihr immer in den Kopf kommen sollte. Zur Hygiene des Regenschirms. Ein anscheinend sehr gut gelaunter Feuilletomst schreibt: Eigentlich ver steht sich nur de? Provinzler auf die hygienische Behandlung des Regen schirms. Wer hatte je einen ländlichen Parapluie anders als ganz lose zusammengcbundelt gesehen? Alte Schirme gibt es deshalb nur auf dem Lande. Der Städter rollt ihn gewaltsam zusammen, daß er aussieht wie eine Balanzierstange, die er ja meistens auch ist. Eben dieser ein geschnürte, licht- und lustlose Zustand reibt den Schirm vorzeitig aus,; ein unfernudlicher West genügt dann, um seinem Dasein jah ein Ende zu machen. Wie soll em Regenschirm be nutzt werden? Es gibt Leute, die ihn immer bei nassem Wetter aufspannen. Welch' ein Mißbrauch! Ich habe nichts dagegen, daß man es thut. wenn es tröpfelt. Ist das Schauer aber ärger, hängt man sich den Schirm selbstverständlich übern Arm, klappt den Rockkragen hoch und macht daß man weiterkommt. Die hervor stehenden Spitzen der Rippen sind übrigens vorzüglich geeignet, unoe queme Mitmenschen zu chikaniren. Ich kannte einen Hypochonder, der nur bei trostlosestem Regenwetter ausging und im dichten Menfchenstrom feiner Galle dadurch freien Lauf verschaffte, daß er mit seinem soliden Schirm planmäßig berechnete Stöße nach rechts und links austheilte. War ein interessantes Schaufenster stark belagert, so verstand er es mit dem Schirm derart zu manövriren. daß der volle Tropfengenuß dem Vor dermanne genau zwischen Hals und Kragen floß und flugs öffnete sich die Bresche. Einen guten Schirm nimmt man am besten bei schönem Wetter mit. Viele meinen nun, daß man den Griff in der Hand halten und das Ganze aus urväterische Weise mühsam mit sich fortschleppen müsse. Nichts rückständiger als das! Es kann kein Zweifel darüber walten, daß man den Schirm nirgend anderswo als in der Achfelhöhlung unterzubringen hat. Von höchster Wichtigkeit ist es hierbei, daß der Griff nachlässig abwärts baumelt und die eifenbefchlagene Spitze hinten recht schräg, etwa in Augenhöhle, ausragt. Manche Menschen sind offenbar mit ihrem Regenschirm geboren worden. Sie haben ihn immer bei sich, bei Glatteis und bei Herbstsonne: sie nehmen ihn vermuthlich mit zu Bett. Aber es gibt auch Herren, die niemals einen Schirm besessen haben und nichts von ihm wissen wollen. Vor ihnen hat man sich zu Huten, vor allem die Damen: Schirmfeinde Weiberfeinde! Psychologen sei dieser Wmk empsoh len. Vor Gericht. Vorsitzender: Angeklagter: Ja, Herr Gerichtshof, wenn ich etwas zu sagen hatt', ss that ich Mich freisprechen! , . .:-
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Für die Küche. Englischer Schmorbra en. Für sechs Personen, in drei Stunden herzustellen. Ein schönes Schwanzstuck von 4 Pfund Gewicht wird gleichmäßig gespickt und 24 Stunden lang m einer Schussel mit Zwiebeln, Thymian. Lorbeerblatt, Pfefferkörnern, Knoblauch, Citronenscheiben ohne Schale, Oel und Weiß wem marmirt, wobei man es mltunter umdreht. Das in heißem Fett angeröstete Fleifchstück wird in eine Mit Wurzelwerk und Schmkenschmtten garnirte Kasserolle gelegt, mit der durchgegossenen Marinade überschüttet, mn brauner Bouillon vollends angefüllt und langsam ziemlich weich gekocht. Dann legt man es in eine Kasserolle, gießt den gut entfetteten Fond durch ein fernes Sieb darüber und giebt zwei Hände voll kleine Essigzwieoeln dazu. Nun schmort man das Fleisch ganz langsam völlig weich, wobei die Sauce zur Demi - Glace einkocht. Das geschnittene Fleisch legt man m die Mitte der Schussel, garNirt es mit großen braunen Bratcroutons und giebt die Sauce mit den Zwiebeln darüber, nachdem man sie mit ca. 12 Tropfen Maggi - Würze leise umgeschwenkt hat. Fleisch- und KartoffelPudding. Rohe, sauber geschälte und dann gewaschene Kartoffeln werden in feine Scheiben geschnitten und lagenweise mit ebenfalls m Scheiben geschnittenen Zwiebeln. Gewürz. Vfefferkörnern und einem Lorbeerblatt, sowie geklopftem, würflig gestattenem halb Rind-, halb Schweinefleisch in eine-recht fett ausgeschmierte Pudomgform getyan und zwar so, daß die Kartoffeln den Anfang und den Schluß machen. Darüber werden kleine Butterstückchen gelegt und nach Belieben etwas süße oder saure Sahne ....rr. tn cv . l Ballen. orm niiro nun gejchlojjen und in kochendem Wasser iy2 Stunde gekocht. Kurz vor Mittag nehme man die Masse heraus und f - ZT - 1 l m miic IN einem Mil eaei gejcyioeneir Topf dieselbe noch 10 15 Minuten, wenn nöthig, mit einem Zusatz von etwas Brühe schmoren. Man nehme zu einem gehäuften tiefen Teller ge schnitten Kartoffeln ly bis 2 Pfd. Fleisch. 3 bis 4 Zwiebeln, Butter und Gewürze nach Belieben. Dies Gericht ist saftig und pikant. Brotauflauf oder -Pud-ding. Hierzu kann man auch Brot reste verwenden. Ein Viertel Pfund davon reibt man auf der- Reibmaschine. Dann rührt man ein Viertel Pfund Butter zu Sahne, reibt ein Viertel Pfund ungeschälte Mandeln, unter denen sich einige bittere befinden müssen, fügt diese und das Brot, sowie Zucker nach Geschmack zur But ter, feuchtet dies mit einigen Eßlöf feln voll Wein an und gikbt so viel gestoßenen Zimmt hinzu, daß die Masse zimmtfarbig wird. Drei ganze Eier und drei Eidotter werden zu Schaum geschlagen und nach und nach hinzugegeben. Man backt die Masse in einer Auslaufform oder kocht sie in einer Puddingform im Wasserbade, stürzt sie und giebt Chaüdeau oder Vanillensauce'zu dem feinen Gerichte. Badische Schellfische. Aus dem Schellfisch wird der Grat herausgenommen, gewaschen, getrocknet und innen gesalzen. In einem Vräter läßt man einen Löffel vollButter heiß werden, legt den Fisch hinein, bestreut ihn mit etwas geriebenem Parmesankäse, gießt sauren Rahm darüber und bestreut ihn nochmals mit Käse und Paniermehl. In sehr heißem Bratofen läßt man den Fisch ungefähr eine Viertel Stunde backen. Hat man einen feuerfesten Fischbrater, so kann man den Fisch darin braten und serviren. Gebratener Karpfen. Der Karpfen bleibt ganz, nur am Kopf und Schwanz wird er etwas von unten gespalten, damit der Fisch in der Pfanne und beim nachherigen Anrichten sieben kann. Auch wird er geschuppt und gesalzen. 5 6 schone Sardellen werden mit 70 Gramm Butter zu Schaum gerührt und aus den Fisch gegeben. Derselbe wird nun unter häufigem Veschöpfen in der Bratröhre gar gemacht und eine Vier tel Stunde vor dem Anrichten etwas saure Sahne an die Sauce gegeben. Der Fisch kommt mit hart gekochten, gehackten Eiern garnirt und bestreut, mit bräunlich gerösteten Kartoffeln umlegt auf den Tisch. Hecht kann man ebenso bereiten. Fleischklöße. 1 Pfund Rindfleisch, 1 Pfund nicht zu mageres Schweinefleisch wird mit einer Zwiebel und Petersilie fein gehackt, mit drei geriebenen Semmeln, Salz, Pfeffer, etwas Muskatnuß und drei Eiern gut vermengt, zu Klößen geformt und ' Stunde in Fleischbrühe oder Salzwasser gekocht. Ei er ha ber. Ein Pfusd Mehl wird mit vier ganzen Eiern zu einem dicklichen Teig angerührt. Hierauf werden zwei Semmeln abgerie ben. Das Weiche wird in etwas Milch eingeweicht, ausgedrückt und sehr klein zerpflückt zu dem Teig zugegeben, der glatt gerührt wird. Nun wird in einer Pfanne Butter oder Schmalz heiß gemacht, in die von dem Teig halbfingerdicke Theile einge füllt werden. Man läßt sie langsam auf beiden Seiten backen. Der Äu chen wird in kleine Stücke geschnitten mit Zucker bestreut und zu Tisch ge geben. Wenn 'gewünscht, können ' Pflaumen dazu gereicht werden.
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