Indiana Tribüne, Volume 29, Number 270, Indianapolis, Marion County, 9 July 1906 — Page 6

Jndiana Tribüne, v. Juli 1906

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Optiker

Europaische Nachrichten.

Mecklenbit?g. Schwerin. Ti: verstorbene Herzogin Wilhelm von Mecklenburg hat in ihrem Testamente 250.000 Mark für Legate und wohlthätige Stiftungen ausgefetzt. Kürzlich hat der im hiesigen Hoftheater beschaftigte Tischler Ch. Buckentin unbemerkt einen plötzlichen Tod erlitten, ob durch Fall durch eine Versenkung oder von einer Treppe herab, ist noch nicht aufgeklärt. Fried land. Vor kurzem begingen Kaufmann O. Heinrichs, Schmiedemeisier I. Arndt und Hausbesitzer A. Klein das 50jährige Vllrgerjubiläum, zu dem ihnen vom Ma gistrate Glückwünsche überbracht wurden. R ö b e l. Auf dem C. Vran'ot'schen Grundstück glitt die Frau Staats vom Wagen und wurde so unglücklich an die Einfahrt gedrückt, daß ihr das Schlüsselbein zweimal gebrochen wurde. Wittenburg. Das Fest der goldenen Hochzeit begingen das Rentier,. frühere Ackerburger Christian Titiussche Ehepaar Hierselbst. Der Großherzog sandte dem Jubelpaar seine Bildnisse und ein Glückwunschschreiben. Htdenburg. Oldenburg. Das Haus des Kreis-Schulinspettors Witte, Auguststraße 53, ging durch Kauf in den Besitz des Rentiers Krause über mit Antritt zum 1. November. Der Kaufpreis beträgt 20,000 Mark. Jeder. Die Schülerin Olga von Holwede, Tochter des Aufsehers des fiskalischen Wasserwerkes zu Feldhausen ist an den Zug gesprungen, aber abgefallen und getödtet worden. L a s t r u p. Die Besitzung des Hotelbesitzers Grote brannte bis auf die Umfassungsmauern des Saales nieder. Ireie Stcidte. Hamburg. Kürzlich konnte der Billetteur L. Windel auf den Tag zurückblicken, da er vor sechszig Iahren als Portier am hiesigen Stadttheater angestellt wurde. Letztens gerieth die in der Marthastraße in dem nahen Eimsbllttel wohnende Frau Hellmann mit einem Miether, dem 57jährigen Tischler Kelch, in eineu Wortwechsel. Der 23jährige Theodor Hellmann eilte seiner Mutter zur Hilfe, und nun artete der Streit bald zu einer Schlägerei zwischen den beiden Männern aus. Plötzlich sank der junae Hellmann mit dem Rufe: Ich bin getroffen!" Zu Boden. Ein starker Blutstrom floß von seinem Halse nieder. Der junge Mann verblutete nach kurzer Zeit, da die Schlagader am Halse durchschnitten war. Kelch wurde verhaftet; er soll dem jungen Manne eine brennende Petrolumlampe an den Kopf geschleudert und ihm damit die todtbrinaende Verletzung zugefügt haben. Der Verhaftete gibt an, Hellmann sei gegen die Lamp gelaufen. Ein entsetzliches BrandUnglück ereignete sich letztens in dem Hause Wendenstraße 64. Die im Parterre des Hauses wohnende Frau Schüttler hatte in der Küche über den Herd Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Plötzlich riß die Wäscheleine und die darauf befindlichen Wäschegegenstände fielen auf den geheizten Herd und fingen an zu brennen. Reben dem Herd stand ein Kinderwagen, worin sich ein acht Tage altes Baby befand. Roch bevor die Frau die brennenden Gegenstände vom Herd reißen konnte, hatten die Flammen bereits den Kinderwagen ergriffen und die darin befindlichen Betten in Brand gesetzt. Während die Mutter ias Baby, welches entsetzliche Brandwunden am ganzen Körper erlitten hatte, aus dem brennendenWagen riß, benachrichtigten Nachbarn die Feuerwehr. Die Sanitätsmannschaften der Feuerwehr legten dem lebensgefährlich verbrannten Kinde einenNothverband an. Ein schnell hinzugeholter Arzt ließ das Kind durch die Sanitätskolonne in das St. Georger Krankenhaus in der Lohmühlenstraße fahren. Das Feuer wurde in kurzer Zeit gelöscht. Bremen. Oberlelegraphensekretär Domeier, ein älterer Beamter, welcher übe: seine Verhältnisse gelebt hat, ist unter Mitnahme eines großeren Betrages amtlicher Gelder von hier verschwunden. Mit ihm hat die Frau eines hiesigen Staatsbeamten das Weite gesucht. Die Ehejubiläumsmedaille ist dem Ehepaar H. F. Scheile und Frau Hierselbst anläßlich seiner goldenen Hochzeit vom Kaiser verliehen und durch Pastor Schnackenberg überreicht worden. Lübeck. Der neue preußische Gesandte bei den Hansestädten und Mecklenburg Frhr. von Heyking überreichte dem Bürgermeister Dr. Eschenburg in feierlicher Senatssitzung sein Beglaubigungsschreiben. Es folgte sodann ein Festmahl in den oberen Sälen des Rathkauses. Beweis. Sergeant (der zu den Mannschaft von der Entferming der Fizsterne gesprochen hat): Was macht der Kerlür ein ungläubiges Gesicht? Wenn ich Ihnen das sage, Lehmann, können Sie's ruhig glauben ich war früher bei der Luftschifferabtheilung.

Julien;

Bon Lisa $. Lön. .Aber Mensch, Willens.- rief Amtsrichter Metzger lachend und breitete die Arme aus. Renne mich bloß nicht um. Wohin denn so eilig?" Der Angerufene fuhr zusammen und blickte auf. Ah so, Du bist es," sagte er verwirrt. Ja ich. Aber warum denn das wüthende Gesicht?" Ach, laß mich in Ruhe," erwiderte Willens ärgerlich und schüttelte die Hand des Freundes von seinem Aermel. Dann schickte er sich an, weiterzugehen, aber schon war der Amtsrichte? neben ihm Hub hielt ihn am Kragen des langen Peterinenmaniels. Oho, mein Lieber," rief er heiter, glaubst Du, ich lasse mir so bald den Anblick des siebenten Weltwunders entgehen. Der sanftmüthige Konrad und schlechte Laune, das reimt sich doch sonst nicht zusammen! Menschenkind, welches unglaubliche Ereigniß hat denn Dir die Milch der frommen Denkungsart einmal zum Ueberkochen bringen können?" Laß gefälligst den Spott," rief Willens in einem Tone, dessen Schärfe gewiß den gesammten Kegelklub in blasses Erstaunen versetzt hätte. Keiner hätte das von Konrad Willens mit dem Beinamen der Sanftmüthige" je erwartet. Himmelkreuzelement noch mal! Ich muß mir erst den Aerger vom Balg schütteln, muß laufen, rennen " Na, wenn's nicht ein gar zu scharfer Galopp wird, komme ich mit. Und nun losgeschossen, was war's denn? Aerger im Bureau?" Ach was! Mensch, ich sage Dir, ich habe ja nie viel von den Frauenzimmern gehalten aber jetzt ist es aus, rein aus. So etwas von Unvernunft, Dummheit, Zerfahrenheit, Albernheit " Er schnappte nach Luft, faßte den Stock fester und hieb damit den unschuldigen Ringelblumen und Mohnblüthen am Wegrande die Köpfe ab. Es rast der See und will sein Opfer haben," zitirte der Amtsrichter, ruhig nebenhertrottend. Allmählich schienen sich die Wogen des Zornes . bei seinem Begleiter etwas zu glätten. Das Tempo wurde gemäßigter und seine Züge verloren immer mehr von ihrem grimmigen Aussehen. Ja, was ich noch sagen wollte." bekann er nach einer Weile. Das war wirklich ein scheußlicher Nachmittag heute. Ich sitze in der Straßenbahn und fahre nach dem Bureau. Eben habe ich dem Schaffner bezahlt, als mir gegenüber eine Dame aufspringt. Sieht rechts, sieht links, rennt auf den Hinterperron und zurück. Fritzchen", ruft sie angstvoll. Fritzchen! Schaffner, haben Sie ihn denn nicht gesehen? Lassen Sie doch bloß halten", wimmerte sie. Ach Gott, mein Liebling, mein Herzchen, wie konnte ich Dich auch nur einen Moment aus den Augen lassen!" Am anderen Ende des Wagens kicherte es; es waren ein paar junge Mädchen und Studenten. Wird schon nicht unter die Räder kommen." meinte die eine. Ich war empört. Ich hatte ja auch im ersten Augenblicke etwas wie Zorn verspürt über das leichtsinnige Frauenzimmer, das jedenfalls besser auf die Hüte der Anderen geachtet hatte, als auf ihren Jungen, aber über ihre Angst zu lachen, das war doch eine Rohheit. Kaum hielt der Wagen, als sie auch schon draußen war und- rathlos die Straße hinauf und hinunter sah. Ich war ihr gefolgt und fragte, ob ich ihr behilflich sein könnte. Vier Augen sähen immerhin mehr wie zwei. Wie sieht er denn aus, was hatte er an und wie alt ist er?" frug ich natürlich zuerst. Und wann war er denn zuletzt noch bei Ihnen?" Mit Mühe und Noth bekam ich heraus, daß der Kleine nur wenig über zwei Jahre alt war, daß er langes lockiges Haar hatte und große braune Augen. Bei der letzten Haltestelle habe er noch neben ihr gesessen und ein paar Herren, die ausstiegen, hätten noch mit ihm Scherze gemacht. Ach Gott, das liebe. Kerlchen", jammerte sie dann wieder los. Die Vorübergehenden waren schon aufmerksam geworden und fahen sich nach uns um. Es war wirklich sehr peinlich. Ich , beruhigte sie, so gut ich konnte und versicherte, wir würden den Kleinen sicher finden, denn, so ein Knirps könne doch nicht weit'gekommen sein. ""Ein Auto!" schrie sie auf einmal auf und klammerte sich an meinen Arm, ein Auto! Wenn ich denken müßte, daß mein Fritzchen nein, es ist zu entsetzlich. Und er ist immer so unvorsichtig." Sie schluchzte laut. Na, ich sah schon, so ging das nicht weiter. Sie war viel zu aufgeregt, um überhaupt etwas auszurichten. In der Nähe war ein Caf6 und ich veranlaßte sie, dort zu warten und die Straße aufmerksam zu beobachten. Ich würde inzwischen mein Möglichstes thun, um das Fritzchen zu finden. Nach einigen erklärenden Worten meinerseits überließ ihr ein

Herr sofort seinen Fensterplatz und

nachdem ich eme Erfrischung für sie bestellt harte, eilte ich hinüber zum nächsten Schutzmannsposten. Er erinnerte sich aber nicht, einen kleinen Jungen gesehen zu haben, der allein gewesen wäre. Mein nächster Weg war zur Wache, wo ich die Beschreibung des Kindes aufgab. Durch Telephonanruf erfuhren wir, daß auch auf dem nächsten Polizeibureau kein Kind zugeführt sei, auf das die Beschreibung paßte. Aber auch ein Unglücksfall war glückcherweise nicht gemeldet. Das würde die Mutter doch wohl vorerst ein wenig beruhigen. Auf der Straße sah ich mir natürlich jedes Kind ant aber entweder hatten sie dunkle Haare oder unter den blonden Locken saßen blaue Augen. Da auf einmal vor einem Schaufenster sah ich eine kleine Gestalt in blauem Matrosenanzug. Mit einem Stöckchen klopfte das Kind an das Glasfenster und freute sich über den Klang. In der Nähe war Niemand. Fritzchen", rufe ich halblaut, .Fritzchen!" Das Kind blickte auf und ich sehe in zwei große braune Augen. Kein Zweifel, es war Fritzchen, das verlorene Fritzchen. Komm her. mein Kind", sage ich freundlich, wir wollen jetzt zur Mama gehen, die sich sehr um ihren kleinen Jungen ängstigt." Willig legte er die kleinen Finger in die meinen und trippelte neben mir her. Ein bischen lächerlich kam ich mir aber doch vor. als sich meine langen Gehstelzen seinen kurzen dicken Batterbeinchen anpassen mußten. Ich nahm ihn daher kurz entschlossen aus den Arm und schritt schnell aus; so würden wir eher an's Ziel kommen. Auf einmal höre ich hinter mir rufen und schreien, ohne im entferntesten daran zu denken, daß es mir gelten könme. Dem Jungen auf meinemArm gefiel es aber augenscheinlich nicht, denn er fing an zu weinen und strebte auf die Erde. Zum Glück kam eine Straßenbahn vorbei, und ich sprang hinein. Kaum hatte ich mich gesetzt, als sich draußen ein Lärm erhob, ein Radfahrer rief dem Schaffner zu, halten zu lassen, ein Automobilführer, der uns überholte, fetzte ihm mit erregter Stimme etwas auseinander. Von den nächsten Augenblicken weiß ich überhaupt nichts mehr genau. Es war ein großes Durcheinander. Ein Schutzmann zog mich aus dem Wagen und erkundigte sich in barschem Tone, wie ich zu dem Jungen komme. Eine alte Frau in Spreewäldertracht suchte ihn mir aus dem Arme zu reißen und schrie mir ein Schimpfwort nach dem andern zu. Der Junge heulte, als ob er am Spieße steckte, und immer mehr Publikum sammelte sich um uns. Todthauen sollte man solchen Kerl auf der Stelle!" rief es aus der Menge. Am hellichten Tage ist solch ein unschuldiges Wurm nicht mehr sicher vor den Hallunken." Es war ein Getöse, daß man sein eigenes Wort nicht t)ören konnte. Ich mußte mit der atten Frau und dem Schutzmann in einen Thorweg treten, zu dem ein zweiter Polizist dem Publikum den Zutritt wehrte. Die Fcuu zeterte, sie sei nur einen Augenblick in den Laden gegangen, etwas zu bestellen, und als sie herausgekommen wäre, sei ich gerade mit dem Jungen davongelaufen. Ich versicherte, daß mir nichts ferner gelegen habe, als ein Kind zu entführen, ich habe es lediglich seiner Mutter zu führen wollen, der es fortgelaufen sei. An meiner GlaubWürdigkeit wurde natürlich stark gezweifelt, zumal ich weder Namen noch Adresse der Eltern angeben konnte. Schließlich wurde beschlossen, daß der Schutzmann und die Frau mit zur Konditorei kämen, wohin ich die Darne gebracht. Daß das natürlich ein infames Spießruthenlaufen war, kannst Du Dir denken, aber was sollte ich sonst zu meiner Rechtfertiaung thun? An dem Platze, wo ich sie verlassen, saß die Dame noch und saugte in aller Gemüthsruhe durch einen StrohHalm ihre Eislimonade. Kaum waren wir in Sehweite, als sie schon aufsprang. Im nächsten Moment war sie die Treppenstufen heruntergelaufen. Fritzchen!" rief sie glückselig, da ist er ja!" Mit vorgestreckten Armen lief sie uns entgegen. Da. wenige Schritte vor uns, bückt sie sich, hebt einen kleinen langhaarigen gelben Pinscher in die Höhe, der gerade eingehend einen Laternenpfahl inspizirte. Ungeachtet ihres dunklen Tuchkleides nimmt sie das Vieh in die Arme, drückt es. liebtost es und küßt es mitten auf die schwarze Nase. Aber, Fritzchen, o Du schlechter Kerl, Du grundschlechter Kerl! Wie kannst Du Frauchen nur weglaufen Du, Du, Du!" Und während sie ihn unter Lachen und Weinen herzt, leckt der Köter ih, immer kreuz und quer das Gesicht. Na, was nun kommt, erXißt Du rnir wohl zu erzählen. Schön war'S nicht. Kurz und gut: ich legitiwirte michdem Schutzmann gegen' über, gab "meine Adresse auf unl stürzte davon.'

. Ueber das Gesicht, des Amtsrichters ging es wie Wettercken, vergebens versuchte er, dem Freunde ein paar iheilnehmende Worte über sein Pech zu sagen. Auf einmal platzt er los. und sein Gelächter tönte weit über di: dämmerige Chaussee. Mensch, wann gibst Du bloß 'mal Deine Gutmüthigkeit auf," rief er lachend. Und alles um so einen infamen Köter." Sag das nicht", meinte Willens fast ärgerlich. Es wgjc wirklich ein reizendes kleines Vieh! Und wie er sich freute! Weißt Du, ich möchte mir wohl auch einen anschaffen, ich höbe schon öfters daran gedacht. Nur Fritzchen würde ich ihn nicht gerade nennen, Fritzchen nicht!"

Schema F. Der Rentier Puseke ist ein sehr vergeßlicher Herr. Als früherer städtischer Beamter bezieht er neben seincm übrigen Einkommen von der Stadt eine kleine Pension, die er vierteljährlich abzuheben hat unter jeweiliger Vorlegung eines Lebensattestes, das heißt: einer schriftlichen Bescheinigung der Thatsache, daß Pensionsempfänger" bei Quartalsschluß noch am Leben war. Herr Puseke ist so vergeßlich, daß er die letzten beiden Quartale über gar nicht daran gedacht hat. seine Pension abzuliefen. Jetzt, am Schluß des dritten Quartals, erinnert ihn seine bessere Ehehälfte daran. Er läßt sich also ein Lebensattest ausstellen und wandert zur Pensionskasse des MaListrats. Dort ist inzwischen ein neuer Kassiccr angestellt, der Herrn Puseke noch nicht persönlich, kennt. Puseke legt seine Legitimation vor und bittet um Auszahlung der Pension für die letzten drei Vierteljahre. Lange prüft der neue Kassirer das Papier, dann legt er Herrn Puseke das Geld für ein Vierteljahr hin: Mehr kann ich Ihnen nicht auszahlen", sagt er dabei sehr energisch, in Ihrem Attest steht nur, daß Sie am Schluß dieses Quartals noch gelebt haben. Darüber, daß Sie am Schluß der beiden vorhergehenden Quartale auch noch gelebt haben, müssen Sie mir erst noch eine besondere Bestätigung bringen." Unbewußte Kritik. Dem Kanonier PrzLcki aus Alttomischl ist absolut nichts beizubringen. Vor der Jnspizirung wird ihm mit Mühe eingepaukt, daß er auf die Frage: Wie heißt der Kommandeur des 2. Bataillons?" antworten solle: Herr Major Maschke!" Endlich hat er begriffen. Unglücklicherweise erhielt die Abtheilung jedoch statt des erwarteten Themas Namen der Vorgesetzten" das Thema Abzeichen der Truppentheile", und Przycki bekommt die Frage vorgelegt: Und was für ein Troddel hat das 2. Bataillon?" Prompt antwortet er, im Bewußtsein seiner Schlauheit bis hinter die Ohrläppchsn grinsend: Majorr Maschke!" Nerven von Stahl besitzt offenbar ein Mrcrn Namens William Robert, ein Elettrlker aus Brooklyn. Robert war während der Nacht an der Kreuzung von Fulton und Willoughby Str. und Boerum Place mit feinem linken Fuß unter die Vorderräder eines Straßenbahnwagens der Croßtown" - Linie gerathen. Der herbeigeholte Ambulanzarzt bezeichnete eine sofortige Amputirung von vier Zehen als unerläßlich. Robert ward auf die Treppe der Borough Hall gelegt, wo er, nachdem man ihm auf seinen Wunsch eine Cigarette gereicht, rauchend und ohne mit der Wimper zu zucken zusah, wie ihm der Arzt die vier Zehen abschnitt. Nach der Operation ward der Elektriker nach dem Hospital transportirt. 'Im Juli des vorigen Iahres verlor der im städtischen LicenzBureau in New ?)orf angestellte Clerk Samuel Brook an Atlantic Avenue, nahe Vanderbilt Avenue, einen kostbaren Diamantring, den seine Gattin von einer Anverwandten nach der Welagerung von Lckdysmith im BurenKriege zum Geschenk erhalten hatte. Alle Nachforschungen über den Verbleib des Ringes blieben erfolglos, bis die Polizei dieser Tage ganz zufällig in Erfahrung brachte, daß ein griechischer Juwelenhändler Namens Chas. Volyantis einen werthvollen Ring am Finger trage, den er angeblich gefunden hatte. Dies führte schließlich zur Fest nähme des Griechen, der sich dann im Gericht bereit erklärte, den Schmuck feinem rechtmäßigen Besitzer zurückzuerstatten. Volyantis wurde daraufhin wieder aus der Haft entlassen. Der Ring soll etwa 51500 werth sein. Ein Mann Samens George Sensen in Paterson, N. I., war jüngst auf dem Heimwege unfreiwilliger Zeuge eines aufregenden Kampfes zwischen zwei großen Hunden, der zur Folge hatte, Laß er, kaum m seinem Hause angekommen, infolge der ausgestandcnen Aufregung leblos zu Boden stürzte. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte nur noch den. bereits eingetretenen Tod des Mannes konstati-ren.

. Liebe zu seiner Stieftochter hat George Varrett, einen 45 Jahre alten Mann von Washington Junction,. Md., in den Tod getrieben. Er starb an den Folgen einer zu großen Dosis Laudanum. Seine Stieftochter, ein Frl. Walker, an die er, mit ganzem Herzen hing, heirathete kürzlich, und Dieses nahm er sich so zu Herzen, daß er melancholisch wurde. Schließlich fing er an. Laudanum einzunehmen, und er fuhr damit fort, bis er 8 Unzen von dem Gift zu sich genommen. Er hinterließ einen Abschiedsbrief an seine Stieftochter. Die weite Strecke von 4000 Meilen war Frl. Anna Morki aus Finnland' nach Duluth, Minn., gereist auf Grund einer 'Heirathsanzeige, die ein gewisse: August Dagerman erlassen und die zu einer Correspondenz zwischen ihm und Anna geführt hatte. Er hatte ihr auch das Reisegeld gesandt; m Dulusth aber erwartete Frl. Morki eine große Enttäuschung. Dagerman war weder Junggeselle, noch entsprach er sonst den Angaben der Heirathsanzeige. Er ist Wittwer und soll auch sonst nicht besonders anziehend sein. Der Bräutigam" aber 'konnte trji durch die Polizei dazu gebracht werden, das Mädchen nicht weiter zu verfolgen. Große Geistesgegenwart legte die 14jährige Adelia Peterson in Carney, Wis., an den Tag. Sie befand sich mit ihren beiden kleinen Schwestern im Alter von 4 und 6 Jahren in der Wohnung, während die Eltern auf einem Claim wohnten. Sie goß beim Feuermachen Kerosin auf die Flammen und es erfolgte eine Explosion, durch die sie und auch die Küche in Brand gesetzt wurde. Das Mädchen rollte sich rasch in ein Tuch ein, konnte aber damit die Flammen nicht ersticken. Da gab sie rasch ihrer kleinen Schwester Anleitungen zur Löschung der Flammen und die Kleine führte diese ohne zu zögern mit der Umsicht und Kaltblütigkeit eines erwachsenen Menschen aus, bis die Flammen gelöscht waren. Adelia befindet sich mit schweren Brandwunden im Hospital. Gegen den Borkenkäfer, diesen ZeZrstörer der Waldungen, ist im Staate Süd-Dakota ein ernstlicher Kampf aufgenommen worden. Schon seit Jahren war davon die Rede, es ist aber nichts geschehen. Jetzt aber sind thatsächlich Arbeiten in Angriff genommen worden und das ForstBureau hofft, daß in der Forst-Re-serve dieses Uebel bald ausgemerzt werden kann. Nachdem die erkrank-c ten Bäume gefällt sind, wird die Rinde abgestreift und diese, sowie die Aeste verbrannt, um die Larven der Käfer, welche sich um diese Zeit immer in der Rinde vorfinden, zu vernichten. Die Stämme selbst können .leicht verkauft werden. Mehr als 60 Mann find in der Gegend von Custer und Hill City, wo diese Plage im vergangenen Jahre am ärgsten aufgetreten ist, mit diesen Arbeiten beschäftigt. . Die Kentuckier Anti-Sa-luhn-Liga hat unlängst durch ihren Präsidenten Adams und den Superintendenten Joung von Louisville, von Frankfort aus einen Aufruf an mein Volk" erlassen. In demselben wird die Temperenzgesetzgebung der. letzten Legislatur, und namentlich die County-Unit-Bill überschwänglichgelobt, und dann die Versicherung gegeben, daß die Liga nie stärker gewesen sei. als gerade jetzt. Besonderer Dank wird dem Gouverneur Veckham für fein mannhaftes Auftreten im Interesse der guten Sache" dargebracht, und dann dem Sprecher Lawrence vom Abgeordnetenhause, und dem Präsidenten pro temp. des Senates. Carmack, ein hoher Tributs gezollt. Von nun an will die Liga einen energischen Wahlkampf einleiten, um die nächste Legislatur ganz für Temperenz" zu bekommen, damit der Staat endlich ganz unter die Controlle der Anti-Saluhnleute gelange und dem Verkauf von Spirituosen in jeder Form allenthalben und überall im Staate permanent ein QnY: gemacht werden könne. Im vergangenen November waren es zwei Jahre her, seitdem Stephan Nichols aus Jshpheming, Mich., bei einem Jagdausflug verschwunden ist. Trotz aller Nachforschungen konnte keine Spur von ihm entdeckt werden. Man kam schließlich zu der Annahme, daß Nichols sich verirrt habe und verunglückt sei. Es sinö auch Gerüchte aufgetaucht, daß der junge Mann ermordet und in der Nähe des Thatortes begraben worden sei. Ein in einem Hospital in Chicago befindlicher Mann soll auf dem Sterbebett gestanden haben, daß er sah, wie Nichols erschossen wurde, daß er aber zum Stillschweigen verpflichtet worden sei. Ein Versuch, die betreffende Nummer der Zeitung, in welcher diese Geschichte veröffentlicht worden sein sollte, zu ermitteln, hat zu dem Ergebniß geführt, daß eine derartige Veröffentlichung nicht stattgefunden habe und daß die ganze Erzählung auf reiner Erfindung beruhte. Der Vruderschaftsorden, welchem Nichols angehört hatte, hat nun die Versicherungssumme ausbezahlt, mit der Bedingung, daß das Geld zurückersiattet werden müsse, wenn es sich herausstellen sollte, daß der junge Mann doch noch am Leben sei.