Indiana Tribüne, Volume 29, Number 270, Indianapolis, Marion County, 9 July 1906 — Page 5
JntcrurNn Zcit-Tadcllc. I. II. T. System. I, Kraft Sonntag, den 20. Mai 1906. Züge verlassen Indianapolis. Muncie & Marion Division. Lawrence, Fortville, Pendleton, Anderson, Forktown, Muncie, Middletoivn, Alexandria, Eummitville, Fairmount, Gas City, Jones ioro und Marion. 4 00 33m. 1 05 Nm. 5 05 Vm. 2 00 Nm. 6 00 Vm. 3 05 Nm. 7 05 Vm. - 4 00 Nm. 8 00 Vm. 5 00 Nm. 9 05 Vm. 5 05 Nm. 10 00 Vm. 6 00 Nrn. 11 00 Vm. 7 05 Nm. 11 05 Lm. 8 00 Nm. 12 00 MttgZ. 9I05 Nm. 11 30 Nm. Limited. Logansport & Peru Division. Carmel, Noblesville,; Cicero, Arcadia, Atlanta, Tipton, Kokomo, Galveston, Walton, Logansport, Miami, Bunker Hill,
Prru und Elwood. 5 00 Vm. 1 45 Nm. 5 45 Vm. 3 00 Nm. . 7 00 Vm. 3 45 Nm. 7 45 Vm. 5 00 Nm. 9 00 Vm. 5 45 Nm. 9 45 Vm. 7 00 Nm. 11 00 Vm. 7 45 Nm. 11 45 Vm. 9 00 Nm. 1 00 Nm. 11 30 Nm.
Limited. Der Zug um 11:30 AbendS der Jndiana roliz.Logan?port lDivision geht nach Peru 'nstatt LoganSport. Reue spezielle Bedienung nach Ft. Wahne. Züge verlassen Indianapolis um 7:00 und u:C0 Uhr Vormittags und 3:00 und 7:00 Uhr Nachmittags, machen die Fahrt nach Ft. Wayne in 4 Stunden und 40 Minuten. euer Zug Marion Flyer Verläßt Marion 7:55 Vormittags und 1:55 Nach mittags ; Verläßt Indianapolis 11:02 Vorittags und 5:00 Nachmittags ; hält blos in nderson und Alexandria an. Anschließende Linien erreichen Dayton, Ohio, Ft. Wahne, Huntington. Wabash, Lafontaine, Swayzee, Greentown, Hartford Kity, Montpellier, Blusston, Winchester, Union City, Greenville, O., und Zwischen Pationen. Fracht und Passagier-Osfice Terminal Wartezimmer. 'Telephon M 173. Indianapolis & Eastern. Limited Züge für Richmond und allen Punkten in Ohio, welche verbunden sind mit elektrischen Linien, um 8:10 und 11:10 Vor mittags, 2:10; und 5:10 Nachmittags und o:10 Abends. Locale zZüge für Richmond nb Zwischenstationen von 6:03 Uhr Vor mittags an und dann jede Stunde, ausge Kommen die LimitedZeit, bis:00 AbendS (7:00 Uhr Abends ausgelassen). Letzter Zug nach Greenfield um 11:30 Uhr Abends. Indianapolis & Martinsville. Erste Morgen-Car um 5:10 Uhr Morgens. Dann von 6:30 Uhr Morgen jede Stunde bis 11:30 Uhr Abends; ausgenommen die Stunden 8:30 und 10:30 Uhr Abends. Indianapolis Coal Traction Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis nach Plainsield von 6:00 Uhr Morgens bis 11:00 Uhr Abends ; ausgenommen die Stun den 8:00 und 10:00 Uhr Abends. Indianapolis & Northwestern. Züge laufen stündlich von 5:00 Uhr Mor gens bis 9:00 Uhr Abends. Anschluß in Lebanon fürThorntoronund Crawfordsville. Der Zug um 10:00 Uhr Abends fährt blos bis nach Lebanon. Der Zug um 11:30 Uhr Abends fahrt bis nach Franlfort, Anschluß in Lebanon für Crawfordöoille ; derselbe sährt in der Sonn tag Rächt blos bis nach Lafayette. Limited Züge für Lafahette fahren ab um 8:10 und 11:10 Uhr Morgens, und 2:10, 5:10 Nachmittags und 7:10 Abends. Für Crawfordsville um 10:45 Vormittags und 4:25 Nachmittags. Peter Scheib's Wirthschaft to 1' Ende der Brightwood Straßenbahn Lini?. Alle durstige Seelen sind uillkonimt Jcsserson Hotel 101-105 Ost Süd Str. VI tut Telephon 4107. Vollständig neu umgebaut und renovirt. ...Deutsches Gasthaus... Mit meinem Hotel list eine hübsche geräu mige Halle verbunden, die ich Vereinen und Logen zu maßigenPreisen vermiethe. "Wm. F. Matthias, Manager. Dr. L H. er Teutscher Thier.Arjt Ossi t w Schellhouse'SLelh-StaZ 38 Oft Dabcft U Telephone: Neu. U2 SÄIt, Main 11. Wohnung: 1731 CUtifon ve. Neuer Phone W8S.
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Der'Traumcrsranz. Novellette von B. Kusig In seiner Kmdrit hatte tt der Traumerfranz geheißen, weil er im Schlaf zum Fenster hinaus und auf den , Zäunen umhergeklettert war. Seine Mutter hatte t oft klagend den Nachbarinnen erzählt. Als sie und der Vater gestorben waren und der Franz allein in seinem kleinen Häuschen am Flusse wohnte, hatte man nichts mehr davon gehört. Neckte ihn noch einer, damit, so bekam er harte Fäuste zu fühlen, und allgemach schlief die Erzählung vom Traumerfranz ein. Der Name nur blieb heimlich erhalten. Er war ein großer stattlicher Vursche geworden, dem die Mädchen gern nachschauten. In seinen Augen lag ein stilles Nützen und Dämmern, das ihn von anderen unterschied. Als geschickter Fischer und Besitzer eines hübschen Grundstücks war er auch allgemein geachtet. Er that die reichsten Fischzüge und verkaufte die meisten Fische. Aber es war ihm einsam in der Hütte, und seine scharfen Augen hatten in Nest, der Tochter des Nachbars, diejenige erkannt, die am besten für seine Hausfrau paßte. Sie hatte nußbraune Augen und schwarzes Haar, Grübchen im Kinn und lachende rothe Lippen. Ihre Gestatt war voll und schlank, ' ihre Arme weiß und stark kurz ein Mädchen grad so zum Liebhaben, wie zur Arbeit geschaffen.' Seit ihrer Mutter Tode hielt sie ihr kleines Häuschen in musterhafter Ordnung. Und den Fischhandel verstand sie vorzüglich. Ihr Stand in der Markthalle war der besuchteste, der am schnellsten geleerte. Freilich wußte man nicht, ob das ihren Nußaugen, ihren Grübchen, ihrer Zungenfertigkeit oder der Güte ihrer Fische zu danken war. Franz hatte ihr auch einen Antrag gemacht; abei sie hatte sich Bedenkzeit ausgebeten. Sie müsse erst ihren Vater langsam vorbereiten, denn er wolle sie keinem Fischer zur Frau geben, hatte sie cntoegnet. In Wahrheit schwankte : sie" zwischen Franz Und einem Vauerssohn aus dem Nachbardorf. Franz war der hübschere, ihrem Herzen angenehmere, jener der reiche, als dessen Frau sie seidene Kleider tragen konnte. Da war die Sache doch sehr zu überlegen. Franz warb nur verstohlen um ste; aber sein H:rz hing mit heißer Gluth an ihr und ebenso seine Ehre. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, das hübscheste Mädchen auf zehn Meilen in der Nunde zur Frau zu kriegen, u. er mußte siegen, koste es. was es wolle. In diesem Willensdrang wurde er noch stattlicher; seine Gestalt reckte sich, den Kopf trug er hoch und die Augen blitzten. Das machte Resi die Entscheidung immer schwerer. Dazu war es rührend, wie er ihr Blumen und bunte Perlen, auch seidene Tücher heimlich aus's Fensterbrett schmuggelte. Früher wäre sie davon sehr befriedigt gewesen jetzt stachen diese Kleinigkeiten von den seidenen Kleidern, die die Schwestern ihres anderen Bewerbers neulich an der Kirchweih getragen, gar zu sehr ab. Und die Schale, die Franzens Liebe und Liebeszeichen trug, schnellte hoch in die Höhe. So lieb sie den keckenBurschen hatte sie zeigte sich ihm spröde und kalt. Das entfachte nur immer mehr sein Begehren nach ihr. Tag und Nacht sann er, wie sie zu erringen sei. Die Sehnsucht nach ihrem Besitz erfaßte ihn t:k ein Fieber. Er träumte, daß er den Nebenbuhler erdolcht habe und wachte in Schweiß gebadet auf. Seine Nerven waren auf das höchste gespannt und sein Kinderleiden trat wieder auf. Er fand sich öfter erwachend auf dem Fensterbrett sitzen. Das war doch eine verfluchte, eine tolle Geschichte! Da, als seine Lieb: zu Resi in hellsten, wenn auch heimlichen Flammen loderte, traf ihn ein bitterer Schlag, der ihm fast allen Lebensmuth nahm! Seit einigen Tagen fehlten in seinem Kasten allmorgendlich. wenn er ihn leeren wollte, um auf den Markt zu fahren, die" Fische! Unglaublich aber wahr! Dabei kein Loch im Kasten, durch das sie entschlüpfen konnten und das Schloß daran unversehrt! Offenbar war es ein Dieb, der einen Nachschlüssel besaß. Franz knirschte und schwur Rache dem, der dieses Verbrechen beging. Er hielt tapser Umschau, konnte aber niemand entdecken.' Plötzlich fiel es ihm auf. daß Resi mehr denn je Fische verkaufte. Und als er näher hinsah, glaubte er seine Fische zu erkennen. Es war ihm. als wenn ein Messer durch seine Kehle führe er konnte ihr nichts sagen. Nun zeich nete er seine Fische, indem er einen ganz, ganz feinen Draht um den Schwanz legte. Auch am nächsten Morgen war sein Kasten leer. Trotzdem fuhr er auf den Markt, trat an Rest's Stand und bot ihr seine Hülfe an, da sie gar so viele Fische habe. Resi nahm das Angebot mit befangenem Lächeln an; denn der reiche Freier nahte und wollte die schönsten Fische kaufen. Franz aber glaubte, sie habe ein schlechtes Gewissen. Er half ihr die Fische aus dem Wasser heben, und der schönste Lachs hatte richtig den Draht, um den Schwanz. Er hätte aufschreien mögen; aber er . unter drückte seine Erregung und reicht
Resi den Fisch mit einem tiefen Blick. Sie merkte nichts. Siehst du nichts, Resi?" fragte er heiser. ' Nein," sagte sie und erschrak vor seinem glühenden Blick. Da wies er auf den feinen Draht an dem Schwänze des zappelnden Ftsches, schleuderte ihn in das Wasser zurück und stürzte mit einem fürchterlichen Fluche davon. Die Resi stand erst versteinert, dann bekreuzte ste sich. . Was war dem Franz? Den leibhaftigen Teufel mußte er doch in dem Fische gesehen haben, anders war sein Benehmen nicht erklärlich. Sie suchte nach dem Lachs, dem größten Thier, und der Vauerssohn half ihr dabei. Endlich hatte sie ihn gepackt, beide betrachteten ihn von allen Seiten, Auch ander: Zuschauer hatten sich hinzugesellt. Einer von diesen entdeckte endlich den Draht um den Schwanz. Heilige Mutter Gottes, das ist auch seltsam!" rief Resi. Gestern noch hat der Fisch im Fluß geschwommen und kein Mensch hat ihn berührt, seit er gefangen wurde. Was kann das sein?" Und Resi fischte nach den anderen Lachsen, kleinen und großen einige hatten den Draht, einige nicht. Ihr Herz wurde centnerschwer. Hatte der Teufel seine Hand im Spiel? Trachtete er nach ihr, weil sie all' die Tage genau gewußt hatte, daß ihr Vater durchaus die Fische nicht alle selbst gefangen, daß ihr Kasten jeden Morgen wie durch ein Wunder übervoll war? Sie zitterte. Aber als sie all' das Wundern und Staunen der Menge bemerkte, schwor sie bei allen Heiligen, daß ihr Vater all' diese Fi sche gestern Abend ohne Draht in den Kasten gesetzt habe und dieser nur durch ein unerhörtes Wunder zu den Fischen gekommen sein müsse. Einige glaubten ihr; einige schüttelten den Kopf und entfernten stch. Witzbolde spöttelten und einer sagte: Der Beelzebub ist halt dein Liebster, Resi. Der hat dir die Fische in den Kasten gesetzt." Da stampfte die Resi mit dem Fuß auf und fing an zm weinen. Das schnitt dem Bauerssohn tief in's Herz, daß er sie himmelhoch bat. sich zu beruhigen; dazu stellte er sich mit seiner ganzen Schwere neben sie und ballte die Fäuste. Das vertrieb die Spötter. Rest aber sah so rührend und allerliebst in ihrer- Thränen aus, daß die Käufer stch nur so an ste herandrängten. Vornehme Damen und Frauen aus dem Volke rissen sich um ihre Fische, und in wenigen Minuten war ihr Behälter leer. Etwas unheimlich kam demVauernsöhn die Sache nun doch vor. Stand sie mit dem Bösen im Vunde? Verteufelt hübsch war sie. was man so nannte. Und er schlug sich unbemerkt durch die sich drängende Menge, während Resi freudestrahlend und getröstet ihr Geld zählte. Noch einmal sah der Bauernsohn .zurück. und als er die Freude Rests an dem Gold und Silber bemerkte, durch schauerte es ihn. Wenn sie Teufelsgeld zählte? Resi aber fuhr glücklich nach Hause. Sie hatte sich wohl nach i rem treuen Beschützer umgesehen, und als sie ihn nicht mehr gewahrte, gedacht, die vielen Käuferinnen hätten ihn verdrängt. Es beherrschte sie aber das beseligende Gefühl, sicher auf ihn zählen und seine ernste BeWerbung nach seinem heutigen Benehmen erwarten zu können. Sie hatte sich nun für ihn entschieden und Franz nach seinem unerhörten Handeln, ganz aufgegeben. Der war gewiß mit bösen Mächten im Bund, und er hatte ihr vielleicht selbst den Draht um die Fische gelegt, um ihr zu schaden. Aber mit einem glänzenden Siege war seine Absicht zurückgeschlagen worden. Triumphirend hob Resi das Köpfchen. als sie langsam am Wegrain entlang fuhr, und als ob ihre Gedanken Macht zu zaubern hätten, stand plötzlich der, an den sie gedacht, vor ihr Franz. Er sah nicht mehr so unheimlich aus wie heut' Morgen, aber so bleich, so traurig, so gebeugt vom Unglück, daß Resi das Mitleid anwandelte. Aber um aller Heiligen willen was hast denn, Franz?" rief sie ihm zu. Kannst diVl denn gar nicht denken, Rest?" fragte er traurig. Gar nicht, Franz ich schwör's dir bei allen .Heiligen." Er schüttelte den Kopf. War sie doch unschuldig, oder so verderbt? Aber Resi," begann er. wie sind denn meine Fische in deinen Kasten gekommen?" Deine Fische in mein . aber Franz, träumst du denn?" Und sie schüttelte ihn am Arm. Nein. Resi, ich bin ganz wach! Seit drei Tagen sind an jedem Morgen meine Fische verschwunden gewesen, da hab' ich sie gestern Abend mit Draht gezeichnet, und heute Morgen sind sie in deinem Kasten!" Heilige Mutter Gottes!" schrie Resi und ließ sich am Wegrain niedersinken, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Da hat der Teufel seine Hand im Spiel!" Sie hielt sich den Kopf, der " ganz schwer war vor Schreck. - Ja, Resi, bist du's denn wirklich nicht gewesen?" . .Ich ich sollt dir die Fische ge-
pchlen haben? Biß du denn ganz verrückt. Franz, oder bist du so schlecht r S war so ehrlich in rhrem Zorn, so schreckt und rechtschaffen empört, daß er ihr glaubte. Aber wer war denn dann der Dieb? Etwa der Vater? Er hatte mehr laut gedacht, als absichtlich laut gefragt. Resi wies auch diesen Verdacht weit zurück, und so empört war sie darüber, daß sie den frechen Burschen am liebsten hätte stehen lassen und fortgefahren wäre; aber der Gedanke, daß ste ihn ja doch, wenn auch, unfreiwillig, geschädigt, hielt sie zurück. Sie mußte ihm doch eigentlich die Hälfte ihrer Einnahme geben, und so weh es ihr that, schon zog sie die Geldtasche, um die Beute mit ihm zu theilen. Er ahnte, was in ihr vorging. Behalt nur. Resi," sagte er. ihren Arm festhaltend. ..du hattest ja die Mühe mit dem Fahren und Verkauf." Wenn's weiter nichts ist." und ste warf hochmüthig den Kopf zurück, schenken will ich mir von dir nichts lassen!" Hast recht, daß du so beleidigt bist, Resi! Hätt's ja gleich wissen müssen, daß du nichts davon weißt! Ach. ich bin schon arg gestraft dafür durch den Schmerz, den ich gelitten habe!" Um die paar Fische?" Stolz kräuselte sich ihre Lippe. Nein, daß du eine Diebin sein solltest. Resi." Na. das konnt' dir doch gleich sein!" sprach sie trotzig. Nein. Resi, du weißt doch, ich hab' dich lieb!" Das ist mir eine schöne Liebe, die solchen Verdacht hat." Darum hab' ich ja hier im Walde gelegen und bitterlich geschluchzt, Resi." Sie senkte den Kopf, verlegen, was sie sagen sollte. Ihn weiter zur Ausspräche reizen mochte sie nicht. Wenn ich nur wüßte, wie deine Fische in meinen Kasten gekommen sind." sagte sie endlich. Ja, das möcht' ich auch, und her ausbekommcn muß ich es. Weißt, Resi. ich kalkulire so: 's ist, ein Vereh rer von dir gewesen du hast ihrer ja an jedem Finger ein Dutzend. Der wollt' sich bei dir und deinem Vater einHeben. Dacht', daß. wenn er es euch nach einiger Zeit sagt, ihr blind euer Jawort gebt. Freilich hätt' er euch vorgelogen, daß er sie gefischt und nicht gestohlen hat." Rest sprang auf ihre Füße und that einen Jauchzer. Ihr Herz jubelte, der Franz hatte recht so verhielt sich's. Und niemand anders als der Bauernsöhn war der seltsame Werber. Der muß mich aber furchtbar lieb haben," sagte sie stolz. Daß er zum Dieb wird? Ich danke für solche Liebe!" 'Ich nicht! Je größer das Opfer, je' größer die Lieb'! Und ist daS nichts, seinen ehrlichen Namen aus's Spiel setzen?" , Franz sah sie lächelnd an. Wie solch' ein Frauenhirn doch rechnete! Sie war aber reizend dabei. Lebhaft, fast feurig fuhr sie fort: Ja, das ist keine pomadige Drahtpuppenlieb' sondern eine romantische! Und hier thue ich ein Gelübde: Der das für mich gethan hat. den heirath' ich, und wenn du ihn auch in's Gefängniß bringst dann erst recht ! Und Nest hob die Finger zum Schwur. Dabei hörte sie deutlich das Rauschen von seidenen Kleidern. Franz war ganz außer sich darüber und versuchte auf dem ganzen Weg nach Hause, ihr einen Abscheu vor dem Diebe einzuflößen. Vergeblich! Sie blieb bei ihrer Begeisterung und ihrem Gelübde. Am nächsten Tage fing Franz eine Menge Fische und steckte sie in seinen Fischkasten. An dem Deckel brachte er eine Falle an. die unweigerlich den Dieb an den Händen fangen mußte, wenn er hineingriff. Hochklopfenden Herzens stand Resi dabei. Nun mußte sich ja ihr Schicksal entscheiden. Es war ein heller, dllfteschwerer Morgen, als Resi sich früh erhob, um nach dem Fischkasten zu eilen. Sie wollte eher da sein als Franz, um den kühnen Verehrer zu befreien und ihm den Brautkuß zu geben.. So schnell sie konnte, lief sie mit bloßen Füßen durch das thauige Gras. Als sie am Thatorte anlangte, wäre sie vor Schreck beinahe in das Wasser gefallen. Denn der mit den Händen in der Falle saß, war niemand anders als Franz. Sie schrie laut auf, heeilte sich aber, ihn aus der unangenehmen' Lage zu befreien. Und dann lachte sie hell: Du, du selber. Franz?" Ich ich selber! Im Traume habe ich dir die Fische gebracht, Resi, und am nächsten Morgen nichts davon gewußt. Ist das nicht große Liebe, Mädel? Und dein Gelübde?" Das halt' ich!" jubelte sie und lag, beseligt über so viel Liebe, an seiner Brust. Der Wind rauschte in den Weiden am Ufer, während es Resi schien, als rausche Seide in weiter, weiter Ferne. Um diese Hoffnung ärmer, aber um taufend andere reicher, sagte sie ihm wieder und wieder, daß sie ihn lieb habe. Kaffeeschlacht. Haben Sie bemerkt, meine Damen, welch' reizende Zähne die Frau Kommerzienrath heute gehabt hat!"
Der letzte Zeuge der
sr s chlacht von Waterloo, eine Frau Therese Dupuis, geb. Rolant, die am 6. Juni ihren 115. Geburtstag feierte, ist in Varis gestorben. Sie wohnte in Ehapclle - les - Herlaimont in der Nähe von Eharleroy. Sie war 13 Jahre alt, als die Schlacht von Waterloo stattfand und half damals ihrer Mutter die Verletzten pflegen. Sie hinterläßt drei Söhne, die im Alter von achtzig Jahren stehen. E in interessanter Versuch zur Einführung afrikanischer Fische auf dem französischen Markt ist von Professor Grusel an der Universität Bordeaux unternommen worden und hat, wie es scheint, einen recht glücklichen Erfolg gehabt, denn infolgedessen wurden in Afrika gefangene Fische in Pariser Restaurants thatsächlich als frische" aufgetragen. Selbst Feinschmecker haben ohne Widerspruch frische" Sendungen gegessen, die von der Westküste Afrikas gekommen waren. Die Fische werden zuerst schwach gekocht und dann in Gefrierkammern untergebracht. Sie sollen wirklich ganz frisch und mit unverändertem Geschmack sehr weit befördert werden können. Der ungeheuer reiche Rajah von Nanpara, Mohammed Sidick Khan Bahadur', hat eine gerfahrt nach dem heiligen Felfcn bei der Omar-Moschee in Jerusalem angetreten. Er reiste mit allem Komfort der Neuzeit auf einem Dampfer Eoromandel", den er auf drei Monate für $100,000 gemiethet hatte; ihn begleiten seine vier Frauen und ein reiches Gefolge. Er landete in Jaffa in der Nacht und begab sich völliq unbeachtet im feierlichen Aufzug nach der Bahn; dann ging er nach Jerusalem, wo er beim heiligen Stein des Propheten ein langes Gebet verrichtete. 'Die kostbaren Wagn, in denen der Fürst mit seinen Frauen fuhr, waren durch dichte Schiein n Augen Neugieriger verhüllt. Vor der' Moschee stieg de? Rajah, der ein großgewachsener Mann mit dunklem Schnurrbart ist und ein rothes Gcwand trug, aus und ging barfüßig und barhäuptig hinein, die ein: Hand beständig am Drücker seines Revolvers, wie wenn er den Angriff eines geheimen Feindes fürchtete. In Paris kam dieser Tage in der ärmlichen Beyausung eines Lumpensammlers, Henri Mace, eines nahezu achtzigjährigen Greises, Feuer zum Ausbruch. Macö hatte seit mehr als vierzig Jahren in der Gg:nd de? Pantheon-Höfe und Straßen nach Lumpen und allerhand Uebkircsten durchsucht. Als er nun unlängst in betrunkenem Zustande nach Hause zurückkehrte, ließ er ein brennendes Streichholz auf die Lumpen , fallen, die ihm als Lagerstätte dienten, wodurch er diese in Brand setzte. Der Greis starb bald darauf an ren tz littenen Brandwunocn. Als die Po lizei die Wohnung des Verstorbenen durchsuchte, fand man unter Lumpen versteckt 1200 Frank in Papiergeld und 700 Frank baares Geld sowie einen Schein zur Berechtigung des Empfanges einer jährlichen Penston von 1000 Frank von der medizinischen Fakultät der Pauser Universität. Der alte Lumpensammler war zu dieser seltsamen Ehrung gekommen, weil er mit einer eigenartigen Krankheit behaftet war und sich von Zeit zu Zeit den Professoren und Studenten vorstellen mußte. Irgendwelche Anverwandte oder Erben haben sich bisher nicht gemeldet. Ein tüchtiger Geschäftsmann ist der Hochstapler Michel Rougier, der jüngst in Paris erwischt wurde.. Er ist ein üoeruus vielseitiger Mensch; nachdem er zwei Jahre lang Pharmazie studirt hatte, war er Laboratoriumsgehilse, Beamter, Taucher, Plakatinspektor, Journalist. Alle diese Berufe dienten aber nur dazu, seinen eigentlichen Beruf zu verdecken, der viel lukrativer war, den des Schwindlers. Seine Verhaftung ist einem Zufall zu danken. Er überbrachte einer chemischen Fabrik den großen Auftrag eines Pariser Apothekers und legitimirte sich als dessen Angestellter. Man bat ihn. in einer halben Stunde wiederzukommen und die Waaren dann abzuholen. Zuftilligerweise kam kurz darauf der Apotheker selbst in die Fabrik, und ' als Rougier seine erschwindelten pharmazeutischen Produkte abholen wollte, wurde er verhaftet. In seiner Tasche fand man ein Heft, das über die außerordentliche Vielseitigkeit dieses Menschen Aufschluß gab. Es fanden sich darin eine Anzahl von Prospekten und Cirkularen, die er an die Provinz verschickte. So bot er als Generaldirektor der Commerciale" bedrängten Kaufleuten Geld an. Leuten, die sich an ihn wandten, antwortete er, daß er einen Inspektor zur Prüfung seiner Finanzen an den Ort senden wolle, und bittet um 20 Francs Kostenvorschuß. Auf diese Weise nahm er 8000 Francs ein. So bot er goldene Damenuhren gegen Vorhereinsendung" von , 8 Frcs. an. Er heilte aber auch brieflich Krankheiten, vermittelte gratis Reifen von Paris nach New York für 100 Frcs. Auch als Thierarzt leistete er immer gegen Vorhereinsendung" Erstaunliches. Er verrieth sogar das Geheimniß, ohne Tinte schreiben zu können", für 3 Frcs. Nun ist sein Geschäft" für einige Zeit geschlossen. 7
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