Indiana Tribüne, Volume 29, Number 269, Indianapolis, Marion County, 7 July 1906 — Page 5
Jndlana Tribüne, 7. Juli WOGl
Jntcrurban Zcit-Tabcllc.
I. N. T. System. I, Kraft Sonntag, den 2. Mai 1906. Züge verlassen Indianapolis. Muncie & Marion Division. Lawrence, Fortville. Pendleton, Anderson, Yorttown, Muncie, Middletown, Alexandria, Summitville, Fairmount, Gas City, Jenes
boro und Marion. 4 00 Vm. 1 05 Nm. 5 05 Vm. 2 CO Nm. 6 00 Vm. 3 05 Nm. 7 05 Vm. 4 00 Nrn. 8 00 Vm. 5 00 Nm. y 05 Vm. 5 05 Nm. 10 00 Vm. 6 00 Nm. 11 00 Vm. 7 05 Nm. 11 05 Z?m. 8 00 Nm. 12 00 MttgZ. 9105 Nm. 11 30 Nm.
Limited. LogansportS: Peru Division. Carmel, Noblesville,? Cicero, Arcadia, Zltlanta, Tixton, Kokomo, Galveston, Walton, Logansvort, Miami, Bunker Hill,
Peru und Elwood. 5 00 Vm. 1 45 Nm. 5 45 Vm. 3 00 Nm. 7 03 Vm. 3 45 Nm. 7 45 Lm. 5 00 Nm. 9 CO Vm. 5 45 Nm. 9 45 Vm. 7 00 Nm. 11 00 Vm. 7 45 Nm. 11 45 Vm. 9 00 Nm. 1 00 Nm. 11 30 Nm.
Limited. Der Zug um 11:30 AbendS der Jndiana rolis-LoganZport IDivision geht nach Peru nstatt Logansport. eue spezielle Bedienung nach Ft. Wayne. Züge verlasftn Indianapolis um 7:00 und 11:00 Uhr Vormittags und 3:00 und 7:00 Nhr Nachmittags, machen die Fahrt nach Lt. Wayne in 4 Stunden und 40 Minuten. euer Zug Marion Flyer Verläßt Marion 7:35 Vormittags und 1:55 Nach mittags ; Verlaßt Indianapolis 11:00 Borittags und 5:00 Nachmittags ; hält blos in nderson und Alexandria an. Anschließende Linien erreichen Dayton, Ohio, Ft. Wayne, Huntington, Wadash, Lafontaine, Swayzee, Greentown, Hartford Eich, Montpellier, Blusston, Winchester, Union City, (Zreenville, O., und Zwischenpationen. Fracht und Passagier, Office Terminal Wartezimmer. Telephon M 175. Indianapolis & Eastern. Limited Züge für Richmond und allen Punkten in Ohio, welche verbunden sind mit elektrischen Linien, :rn 8:10 und 11:10 Vor mittags, 2:10 und 5:10 Nachmittags und :10 Abends. Locale ;Züge für Richmond nd Zwischenstationen von 6:0) Uhr Vor mittags an und dann jede Stunde, ausge ommen die Limited Zeit, bis.9:00 AbendS (7:00 Uhr Abends ausgelassen). Letzter Zug nach Greenfield um 11:30 Uhr Abends. JnUanapolis & Martinsville. Erste Morgen-Car um 5:10 Uhr MorgenS. Dann von 6:30 Uhr Morgens jede Stunde bis 11:30 Uhr Abends; ausgenommen die Swnden 8:30 und 10:30 Uhr Abends. Indianapolis Coal Traction Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis nach Plainsield von 5X0 Uhr MorgenS bis 11:00 Uhr Abends ; ausgenommen d:e tun den 8:00 und 10:00 Uhr AbendS. Indianapolis & Northwestern. Züge lausen stündlich von 5:00 Uhr Mor. gens bis 9:00 Uhr Abends. Anschluß in Lsbanon fürThorntonznund Cravfordsville. Der Zug um 1:V0 Uhr Abends fährt blos bis nach Lebanon. Der Zug um 11:30 Uhr AbendS fährt bis nach Frankfort, Anschluß in Lebanon für CrawfordSville ; derselbe fährt in der Sonw tag Nacht blos bis nach Lafayette. Limited Züge für Lafayette fahren ab um 8:10 und 11:10 Uhr Morgens, und 2:10, 5:10 Nachmittags und 7:10 Abends. Für Crawfordsville um 10:45 Vormittags und 4:25 Nachmittags. Peter Scheib's Wirthschaft to X Ende der Brighrwood Straßenbahn fiintt. Alle durstige Seelen sind uillkomme Zcsserson Kotcl 101-105 Ost Süd Otr. Reue Telephon 1107. Vollständig neu umgebaut und renovirt. ...Deutsches Gasthaus... Mit meinem Hotel 'ist eine hübsche gerä mige Halle verbunden, die ich Vereinen unfc Logen zu mäbigen.Preisen vermiethe. Wm. F. Matthias, Manager. Dr. A. H. Teutsch Thier.Lrit Osffce: w Echellhouse'iLeld-Sta! I 319 0 bsh t. Telephone: Ren, 828 Mlt,ZMl1. Mknna: 1133 diso Hoc
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Neuer 'Phone S5.
Nastloö. . Von G. Metscher.
(?tn rtefer Frieden deckt die Erde. GHII ist der Wald und üill das ftelb. Heim schon gcaangen ist die Herde, Im liefen Schlummer ncgr Die Weil. Ein kleiner Vacki nur rauschet ferne In düsterer Waldeinsamkeit. Wie möchte doch auch cr so gerne Auch schlafen einst zur Abendzeit. Doch ruhen kann er nimmer, nimmer, Sein Übend ließt noch gar zu weit. Er rauschet weiter, weiter immer, . Zu ruhen hat cr keine Zeit! Der Krcuzcrkluibcr. Tiroler Humoreske von Rudolf öretv. Lesen, konnte man auf dem .verwitterten Schild über der Kramerei des Cyprian Kratzer zwar keinen einzigen Buchstaben .mehr. Das machte aber nichts. Deswegen fand doch jeder aus dem Dorf und der ganzen Gegend ohne Mühe den Kra-, mer. Zudem war es auch noch die einzige Kramerei in dem kleinen Bergdörfl. Das wußte der Eyprian nur zu gut. Darum ersparte er sich wohlweislich ein neues Schild. Das hätt: nur Geld gekostet. Und das Geld behielt der Cyprian lieber in der Tasche oder trug es gelegentlich auf die Sparkasse. Er war als (Le:zrasen weit und breit bekannt. Man nannte ihn allgemein den Kreuzerkluiber . Das bedeutet einen Men chen. der am liebsten jeden Kreuzer, bevor er ihn ausgibt, noch mehrfach klulben oder spalten wurde da mit ja aus einem einzigen Kreuzer etliche neue würden. Wenn die kleinen Vuab'n oder Diandeln beim Kramer um erntn Kreuzer Früchtenzuckerln kauften. dann sprangen sie oft nach der VeZahlung der Waare aus dem Laden, reckten dem Cyprian die Zunge yeraus und sangen mit kreischender stimme einen alten Spottvers, den ras Volk unserer Berge auf die Kreuzerkluiber gedichtet hat: Kreuzerklmber, Kreuzerllmoer. Kluib'n Kreuzer, kluib'n Kreuzer. Kluib'n überzwerch, überöz', Kluib' aus oan Kreuzer fünf, so;! Der Cyprian konnte den kleinen Lausern dann wohl die Faust zeigen. Im Grunde genommen war es ihm aber gleichgültig. Das gute Geschäft machte doch schließlich er. Die Kramerei war ja eine Geldmühle. Der Cyprian war keiner von den Billigen. Konkurrenten hatte er keinen, und so schlug er sich seinen ordentlichen Profit heraus. Verheirathet war der Kramer m: gewesen. Er dachte sich wahrscheinlich, Mann und Weib seien zwar ein Leib, aber nicht ein Magen. Zwei und allenfalls noch mehr Magen zu füttern, war der Cyprian jedoch entschieden zu geizig. So war er ein alter Junggesell worden, ein dürres Manndl mit borstigem grauem Haar, einem immer glatt rasirten Gesicht, tmtz etwas verdächtigen rothen Nase. listigen stechenden grauen Aeuglern und einer hohen, keifenden Stimme. Zwei Leidenschaften hatte der Kreuzerklmber trotz seinem Geiz. Er trank von wegen der erforderlichen geistiaen Fortbildung nicht ungern ein Schnapsl und manchmal auch ein wenia zu viel. Mcm kann seine geifügen Bedürfnisse halt nicht immer genau abmessen. Dann schloß er leidenschastllch gern Wetten. Die Vorliebe für den Schnaps fand wohl dadurch eine erklärende Entschuldigung, weil der Cyprian in seiner Krämern -eine ziemlich reich liche Auslese von Schnäpsen führte und sich vielleicht im Interesse seiner Kunden für verpflichtet hielt, häufig Kostproben abzuhalten. Mit dem Wetten aber hatte der Kramer Cyprian ein ganz merkwürdiges Glück. Er gewann fast immer. Als wenn er den jeweiligen zweifelhaften Ausgang einer Sache gerochen hätte. Die Leute wetteten daher nicht mehr gern mit ihm, und der Cyprian mußte schon völlig darauf ausgehen, sich neue Wetter anzufangen. Im Juni eines jeden Jahres fand in unserm Bergdörfl ein sogenannter Stierlmarkt statt. Da wurden die jungen Stiere und zahrigen Stier kälber aus der Gegend aufgetrieben und fanden ihre Käufer, um dann mit der! Zeit da und dort zu dem cbenso wichtigen als nothwendigen Amt eines G'moanshers vorzurücken. Uußer den Stieren wurde auch noch allerhand Kleinvieh aufgetrieben, Schafe, Schweine, Ziegen, wie es sich gerad traf. An diesem Tage herrschte natürlich in dem einsamen Dörfl ein reges Leben und Treiben. Bauern aus der ganzen Gegend fanden sich ein, Viet, Händler, fremde Hausirer, Knechte und verschiedenes Volk. Die Hausirer ainaen dem Kramer Cyprian ganz besonders wider den Strich, denn die pfuschten ihm gewaltig in das Geschäft. Schon an gewöhnlichen Werkelta gen war der Cyprian mit den Hennen wach und aus den Federn. Seinen Laden öffnete er bereits in aller Frühe, damit ihm ja kein Mensch auskomme, der vielleicht wie er frühzeitig auf den Beinen wäre, ein Kirchqänger, ein Heumahder, der einen Schnaps wollte, oder sonst ein
Kunde. Am Markttag jedoch, da
kauerte der Cvprian von dem ersten Morgenlichte an in seinem Laden, damit er den verflixten Hausirern ja möglichst viel wegschnappe. Es war am Vorabend des Marktaaes. ?ln der rauchigen Stube beim Traubenwirth saßen auf den Banren die stämmigen Bergbauern mit ihren groben eckigen Knochen, breitspurig hingepflanzt vor ihrem Viertele Wein oder Glasl Schnaps. Die Knechte und Jungburschen bildeten wieder Gruppen für sich. Die ViehHändler mischten sich da und dort in die Gesellschaft. Es war getrommelt voll in der. Stube und ein Rauch wie schwere Novembernebel im Hochland. Ein Fenster zu öffnen und etwas von der lauen wurzigen Fruhsommerlust hereinzulassen, fiel keinem Menschen ein. Die einzige Lustquelle bildete die Stubenthür, durch die der dicke Traubenwirth und die Kellnerin fleißig ab und zu gingen. An dem kleinen Klapptisch beim Ofen saß der Cyprian mit zwei jüngeren Viehhändlern aus dem Oberinnthal, die getreulich den Stierlmarkt besuchten, dem Kunterer Michl und dem Tosten Tonl. Kramer. wia geht's Geschäft 'ö ganze Jahr?" fragte Itt Toni. Kann's mt loben!" seufzte der Cyprian. Er lobte nämlich sein Geschäft niemals. Morgen wirst wohl an damischen Schnitt machen!" meinte der Kunterer Michl. Wär' schon recht, wann do verfli?ten Hausirer nit wären, dö der Teuxl in der Luft srreißen soll!" ereiferte sich der Cyprian. Unsereins zahlt 's ganze Jahr feine Steuern und muß sich's beste G'schäft im Jahr verderben lassen!" Schau halt, daß D' morgen früh g'nua beim Zeug bist und nit am End den ärgsten Rummel verschläfst! sagte der Michl. Was? I verschlafen?" sprang der Kramer völlig in die Höhe. Da fangt eher der Kirchthurm zu tanzen an!" Passiren kann's Dir ja doch amal!" so mischte sich ein junger Bauernknecht, der wie zufällig an den Tisch getreten war, m das Gespräch. Grüaß Dich!" bot ihm der Tonl das volle Glas zum Abtrinken. Hock Dich a bissel zuaöer!" Der Sachsalber Seppl, so hieß der Knecht, holte sich einen Stuhl. Die drei am Klapptisch rückten noch mehr zusammen, und der Seppl schob seine kraftige Gestalt zwischen den Kramer und den Kunterer. A Ml?rdshetz' wär's, wenn der Kramer amal verschlafet!" lachte der Seppl und bestellte sich bei der Kellnerin a Viertele. I verschlaf' nit!" kreischte der Cyprian mit seiner hohen Stimme und schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser klirrten. Wett'n wir was, daß i morg'n schon um viere in der Fruah mein' Laden aufsperr'! Wer wird denn mit Dir wett'n! meinte der Seppl. Wett'n wir! Was gilt's? Um viere in der Fruah!" wurde der Cyprian ganz roth vor lauter Eifer. E war in seinem Element. Ah, mit dem Kramer wett'n wir nit!" sträubte sich der Kunterer. Du g'winnst einem ja die See! aus'm Leib ab!" sagte der Tosten Tonl. Der Cyprian aber war einmal beim Wetten. Da ließ er nicht mehr los. Alsdann wett'n wir!" drang er in seine drei Tischgenossen. Oes könnt's es riskiren! Setzt's jeder von enk drei an Gulden Einsatz beim Wirth! Und da habt's den Schlüssel von mei'm Laden! I brauch' ihn nit, i hab' noch an zweiten daheim, von innen aufzusperren!" Er hatte einen mächtigen Schlüssel aus dem Sack gezogen und legte ihn aus den Tisch. Was sollen wir denn mit dem Schlüssel anfangen?" fragte der Sachsalber Seppl. Den Schlüssel nehmt's mit!" er klärte der Kramer. Und wenn's mich morgen in der Fruah nit Punkt viere in um rn Laden trefft s, nachher dürft's aufsperren und in mei'm Laden verkaufen, was Oes wollt's und an wen Oes wollt's! So lang bis i daherkomm'! Verstanden! Dös is doch a Wett'! Drei Gulden Ein satz gegen meine ganze Kramerei! Wann's mich um viere nit seht's, verkauft's nur zua! Die Einnahm' a'hört enk, und nkre drei eina'setzten Gulden natürlich auch wieder! Gilt's?" Es gilt!" schlug der Sachsalber Seppl ein, und die anderen beiden waren mit dabei. Jeder der drei holte einen Gulden aus der Tasch'n. Der Traubenwirth nahm den Einsatz in Empfang, Die Wette war ge.schlössen. Der Cyprian schmunzelte vergnügt. Das waren einmal dre: leicht ver diente Gulden, dachte er sich. Er trank seinen Wein aus und machte sich dann aus dem Staub, während die zwei Viehhändler mit dem Seppl noch pumpfest hocken blieben und sich Spielkarten bringen ließen. Als der Cyprian' daheim war, gönnte er sich in der Vorfreude der sicher gewonnenen Wette noch ein
paar Stamprln starken, würzigen!
usseler" und kroch dann in's Bett.I Der Kramer schliß in einer engen Kammer des ersten und einzigen. Stockwerkes des Hauses. Das Kammerfenster ging nach rückwärts hin-! aus auf einen kleinen Anger. Der Cyprian dehnte sich behaglich in seinem Bett und schmunzelte schädenfroh vor sich hin. Da waren ihm wieder ein paar aufgesessen! Er und verschlafen! Wachte er schon im Winter so genau auf, als wenn er ein Uhrwerk im Leib gehabt hätte dann erst jetzt im Juni, wo einen schon die Tachliacht'n rechtzeitig weckte. Er gelangte schließlich zu der Ueöt.rzeugung, daß der Kunterer Michl, der Tosten Tonl und der Sachsalber Seppl alle drei schon halb bekneipt waren. Sonst wären sie ihm bei einer solchen Wette nicht so geschwind auf den Leim gegangen! Unter diesen Erwägungen schlief er ein und schnarchte bald wie eine Brettersäge. Es war knapp nach Mitternacht, als durch das Angerl des KramerHäusels drei Gestalten auf den Zehen schlichen. Es war der Kunterer, der Tonl und der Seppl. Die beiden Viehhändler trugen gemeinsam eine Leiter. Der Seppl hatte einen großen Sack aus brettdickem Nupfen über dem Rücken hängen. Die dre! tirelten" so vorsichtig, als wenn es sich um ein besonders heikles Fensterl bez einem sorgfältig bewachten sauberen Diandl handeln würde. Unter dem Kammerfenster des Cyprian lehnten sie leise die Leiter an. Dann legte der Seppl seinen Rupfensack mehrfach viereckig zusammen und stieg auf die Leiter, mt von dem Michl und Tonl unten festgehalten wurde. Der Seppl paßte das einemPolster gleichende rupfende Viereck gegen das Fenster. Es war wie angemessen. Dann zog er große spitzige Schusterzweck'n" hervor und heftete den Rupsensack auf allen vier Seiten an dem Fensterrahmen an. Das geschah völlig geräuschlos. Der Seppl druckte mit kräftigem Daumen die scharfen Zweck'n durch den Rupfen in das weiche mürbe Holz des Fensterraymens, einen nach dem anderen, bis der Sackpolster so angeschlossen saß wie ein eichener Fensterladen. Walzrend der Seppl wieder die Leiter herunterstieg, murmelte er halblaut vor sich' hin: So. iatz kannst aufwachen, verflixter Kreuzerklmber!" Ebenso lautlos wie sie gekommen waren, verschwanden die drei mit ihrer Leiter wieder aus dem Anger. - Es war schon beträchtlich nach drei Uhr Früh, als das Uhrwerk im Leib des Cyprian seinen Besitzer weckte. Äer' Kramer setzte sich im Bett auf. Es war stockfinster in der Kammer. Befriedigt drehte sich der Cyprian auf die andere Seite. Da konnte er ja noch a Eichtel" schlafen. Nicht einmal das allererste Morgengrauen. Bald darauf wachte der Cyprian wieder aus. Er glaubte ein Geräusch gehört zu haben. Es mußte ihn wohl getäuscht haben, dachte er sich. Vielleicht waren's die Mäuse am Dachboden. Er brachte sich neuerdings in eine bequeme Lage im Bett und schnarchte weiter. Ein drittes Mal fuhr der Cyprian empor. Noch immer stockdunkle Nacht. Heute dauerte die Nacht aber wirklich lang. Das mußte von der Aufregung herkommen wegen der Wette, daß er heute so schlecht schlief, simulirte der Cyprian und griff unter das Bett, wo er eine bauchige irdene Flasch'n mit einem rassigen Vierputzer" stehen hatte. Er that ern paar gehörige schlucke und streckte sich im Bett aus. Er schlief wieder tief ein. Schließlich träumte ihm, daß der Kunterer, der Tonl und der Seppl m seinem Laden eme Ver steigerung abhielten. Das ganze Dorf und alle Marktgäste waren versammelt und schleppten ihm seine Waaren davon. Er aber mußte, wie durch eine unerklärliche Macht gebannt, ruhig zusehen, konnte sich nicht rühren und wehren. Deutlich vernahm er die Stimme des 'Sachsalber Seppl, wie der die Waaren ausrief. Der Cyprian schreckte empor. Er war vor lauter Angst und Verzweis lung in kalten Schweiß gebadet. Immer noch kohlrabenfinster in der Kammer. Aber was war denn das? Wachte er oder träumte er? Jetzt hörte er ganz deutlich vom Laden herauf den Seppl ausrufen: A ganzer Zuckerhuat drei Sechser zum ersten!" und dann sich rasch überbietende Stimmen. Mit einem Schrei sprana der Kramer mit beiden Fü ßen zugleich aus dem Bett. Dö Malefusakra versteigern mich a nut ten in der Nacht! So haben wir nit g'wettet!" kreischte er und hatte dabei blitzschnell seme Hosen angezogen. Er sprang gegen die Kammerthür, hinaus auf den Gang. Den Cyprian hatte bei einem Haar der Schlag ge troffen. Es war hellichter Tag. Durch das Gangenster schien die Sonne. Vom Knchthurm schlug es gerade sieben Uhr. Der Cyprian stand eine Weile da wie gelähmt. War er denn verhext, oder was war sonst geschehen? Mit einem gewaltigen Satz wie ein wüthender Kater sprang er wieder in die Kammer zurück, riß das Fenster auf und wollte den Kopf hinausstecken. -Da vulina. er M in dem Rupfensack, der
sich durch den Anprall seines Scha
dels halb losgelöst hatte. Er suchte sich mit den Händen zu befreien, ver wurzelte sich aber in seiner Wuth und Verzweiflung nur noch mehr in dem Rupfen, so daß er ihn schließlich um den Kopf geschlungen hatte. A halbete Speckseit'n zwe? Secher!" hörte er den Seppl von unten ausrufen. Der Cyprian taumelte aus der Kammer hinaus, irni beiden Fäusten an dem tückischen Sack zerrend. Aufhören! Aufhören!" schrie er mit seiner chrmen Stimme unter dem Rupfen. Sehen konnte er augenblicklich gar nichts. Er fand die Stiege und purzelt: mehr herunter, als er ging. Endich gelang es ihm, den Rupfen vom Kopf zu reißen. Er stürmte in seinen Laden, der voller Leut' war. Noch vor der Thür draußen standen die Leut' haufenweis an. Die zuletzt ausgebotene Speckseit'n wurde soeben einem Käufer zugeschlagen. Dem Cyprian wurde es ganz grün und gelb und schwarz vor den Augen. Er mußte sich am ThürPfosten festhalten, um nicht umzufallen. Aufhören!" kreischte er, während es ihm die Kehle vor Entsetzen noch zuschnürte. So hab'n wir nit g'wettet!" Wüthend schleuderte er den Sack nach dem Seppl. Der fing ihn auf und rief kaltblütig aus: A alter Rupfensack drei Kreuzer zum ersten!" Der Kunterer und der Tonl hatten sich dem Kramer genähert. Schon ausg'schlasen? meinte der Tonl. An recht guat'n Morg'n!" wünschte ihm der Kunterer. Lautes Gelächter begrüßte ringsum den Cyprian. Außt aus mei'm Lad'n, infame Bagasch!" schrie der Kramer, was er aus dem Hals brachte. Iatz. kannst schon wieder selber verkaufn!" sagte der Sachsalber Seppl gleichmütig. Aber billig ein kauft habt's. Leut'?" wandte er sich an die den Laden bis in die letzte Eck: füllenden Parteien. Juchui, mei' - Zuckerhüatl!" schwang ein Väuerl sein Vesitzthum in die Hohe. Als der Cyprian am Abend des denkwürdigen Marktages dazu kam. eine oberflächliche Musterung seines Ladens vorzunehmen, da war er mehrmals in Gefahr, vom Schlag getroffen zu werden oder vor Wuth zu ersticken. Die drei Wetter hatten ordentlich aufgeräumt. Der Kramer brauchte lange Zeit, bis er sich von dem Schrecken wieder etwas erholte. Ganz erholt hat er sich freilich Nie; denn der entsetzliche Markttag frißt noch immer an dem Kreuzerkluiber. Er ist seitdem womöglich noch geiziger geworden. Das Wetten hat er sich gründlich abgewöhnt. Den Schnaps leider nicht. Irgend einen Trost muß ja schließlich und endlich der Mensch doch haben. Nero. Im Jahre 5468- nach Christo regierte in Rom ein Kaiser, der ganz wie unser Bernhardiner den Namen .Nero" führte. Er war sehr grausam, was unser Bernhardiner nicht ist, bis aus den Milchmann, den cr nicht leiden kann, und wofür mein Ueber Papa dreiDollars für dieHosen bezahlen mußte. Dafür war er aber sehr ausschweifend, trotzdem er einen Hauslehrer, Herrn Seneca, hatte. Well er nun so schrecklich gern sah, wenn Jemand gemordet wurde, ließ er zum Spaß seine Mama Agrippina und seme Ehegemahlin Octavia mor den, was ich gemein finde und über Haupt das vierte und das fünfte Gebot gar nicht 'mal erlaubt. Auch sonst war er sehr gebildet. Er machte nämlich Gedichte und sagte sie selbst in den römischen Kabaretts auf, wo dann das Volk immer Bravo klat schen mußte, und die Kritiker hinterher nicht schimpfen durften, weil sie dann auch gemordet wurden, was auch heute noch sehr schön wäre, wie mein lieber Onkel, der neulich das Stück geschrieben hatte, wofür er so schone Aepfel geschenkt bekam, zu me: nem Papa gesagt hat. Im Jahre 64 ließ er Rom anzünden, wahrscheinlich weil er sehr hoch gegen Feuer versi chert war. Als er immer grausamer und ein richtiges Ekel wurde, konnte ihn das Volk schließlich gar Nicht mehr ausstehen und wollte ihn nun auch 'mal morden. Da ließ er sich denn von einem Freigelassenen todt machen. Seine letzten Worte waren: Welch' ein Künstler stirbt in mir! was ich schrecklich eingebildet und dickethuerisch finde. Seitdem bedeutet der Name Nero den Inbegriff aller Scheußlichkeit, weswegen ich unsrrn Bernhardiner von heute m in .Minka" umtaufen werde, wo er doch überhaupt ern Weibchen ist und schon fünf lebende Junge geworfen hat, was Kaiser Nero nie gethan hat, weil er viel zu eingebildet und grausam oazu war. Die liebe Freundin .Denk' nur, meinem Bräutigam ge fällt meine neueste Photoaravbi, nicht!" .Und Du bist doch so gut getroffen! Selbstbewußt. J5ie schau en heute recht melancholisch aus, m m U (WY ljf I . . . $txi aron. .AVer mmi Ivaizh im mer mitten am 5!"
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