Indiana Tribüne, Volume 29, Number 269, Indianapolis, Marion County, 7 July 1906 — Page 4

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Judtana Tribüne, 7. Juli 1906

Indiana Tribüne. Hnaugtg,btn von Itx Etit Indianapolis, Ind.

6 an) O. Thndium Präsident. SeschäftSloealt fio, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. flntcred t the Pot Office ol Indianapolis a ccond clata matter. Die Welt wird eine andere gewor den sein; wenn der am 4. Juli geborene Enkel deS deutschen Kaisers Wil Helm zur Regierung kommen wird. Das bevußts freudige Ereigniß" Hat den Kaiser in seinem 47. Lebensjahre zum Großvater gemacht und ein Lieb ling'wunsch ift ihm dadurch ersüllt; die Nachkommenschaft bis in die dritte Generation ift gesichert. Grobe Vorbereitungen zum Deut schen Tage-, der am Sonntag, den 15. Juli im Germania Park abgehalten wird, erden getroffen, um. die nach Tausenden zählenden deutschen Be sucher in der angenehmsten Weise un terhalten zu können. Sämmtliche deut schen Vereine der Stadt werden bei der Feier deZ Deutschen TageS stark oder in corpore vertreten sein. Europäische Auswanderungsstatistik. Die Auswanderung aus den großen europäischen Ländern ift ungemein der schieden. Am wenigsten Auswanderer zählt Frankreich, was nicht weiter der wunderlich ift, denn da die natürliche Zunahme der Bevölkerung dieses Lan deS nahezu gleich Null ift, so ift eö de greiflich, daß auch der Abfluß gleich Null ift. Die Auswanderung aus Deutschland hat in den ersten Monaten dieses Jahres ein wenig zugenommen, aber eS ift mehr als wahrscheinlich, daß sie für daS Gesammtjahr die Ziffer von 40,000 noch nicht erreichen wird, mit hin noch nicht 5 Prozent der jährlichen Bevölkerungszunahme, die ungefähr 800,000 Seelen beträgt, ausmachen wird. . Damit ift die deutsche AuZwan derung um etwa die Hälfte geringer, als die spanische, obwohl Spanien.noch nicht der BevölkerungSziffer Deutsch. landZ aufroeisen kann. Unvergleichlich höher stellen ftch die Auswanderung?. Ziffern aus den drei großen Staaten Oesterreich Ungarn, Großbritannien (mit Irland) und Rußland; aus diesen Ländern wandern jährlich je etwa i Millionen Menschen auS; Verhältniß, mäßig gering ift dabei die russische AuSwanderungSziffer, weil in diesem Lande die BedölkerungSvermehrung ' viel größer ist, als in Großbritannien und Oesterreich. Weitaus am stärksten, sowohl relativ wie abjolut, ift die italienische AuS Wanderung. - Noch vor 7 Jahren be ,rrug die Zahl der Auswanderer nur etwa 300.000, in den Jahren von 19011903 waren eS schon mehr als 1 Million und im vorigen Jahre ift beinahe die Ziffer von l Million erreicht worden. Die Auswanderung aus Italien war mithin im letzten Jahre so groß wie sie britische, öfter reichisch'Ungarische und russische jasammengenommen. Allerdings ift in Italien auch die Rückkehr von Aus. Wanderern nach der alten Heimath ftär ker als in anderen Ländern, aber trotz dem bleibt doch immer ein starker Ueberschuß der Auswanderung über die Rückwanderung bestehen. Sonst würde nicht die italienische Kolonie Brasiliens schon mehr als eine Million, die Ar gentinienS ungefähr i Millionen See len zählen. Besonders in Argentinien nimmt die Zahl der Italiener stark zu. so daß eS nicht ausgeschlossen ift, daß in einem oder in zwei Menschenaltern das italienische'.iElement in diesem Lande daS spanische zurückgedrängt haben wird. Sind doch im letzten Jahre nach Brasilien und Argentinien etwa 100, 000 Italiener ausgewandert, wovon $ auf Argentinien kommen. Auch die spanische Auswanderung richtet sich begreiflicherweise hauptsäch lich nach Mittel, und Südamerika. Die übrige europäische Auswanderung aber hat vorwiegend Nord -Amerika zum Ziel. So find im Jahre 1905 von den 262.000 Auswanderern Groß britanniens und Irlands 122,000 nach den Ver. Staaten und 82,500 nach Britisch'Nordamerika gegangen, so daß auf alle übrigen AuLwanderungSlän der nur ungefähr ein Fünftel der brl tischen Auswanderung entfiel. Noch geringer ift der Prozentsatz der ich nach Nordamerika sich richtenden deut schen Auswanderung. Von den unge

fähr 23,000 Auswanderern aus Deutschland im Jahre 1904 gingen 26,000 nach den Ver. Staaten. Dort, hin richtet sich auch der Hauptftrom der russischen, der öftereichischungarischen

und der skandinavischen AuSwander. ung. Im Jahre 1905 sind über i Million österreichisch'vngarischer, nahezu 200.000 russischer und 60,000 skan dinavischer Emigranten nach den Ver. Staaten gegangen. Kein Wunder, daß im letzten Jahre die Gesammtein Wanderung nach den Ver. Staaten zum ersten Male die Million überschritten hat. Czar und Czarin. Unter der großen Zahl von Unglück ichen in Nußland find augenscheinlich der Czar und die Czarin die Bedauern?, werthesten. DaS Urtheil des Auslandes macht ge wöhnlich den Czaren. den vermeint ichen absoluten Herrfcher, verantwort ich für die gräßlichen Zustände und blutigen Vorgänge in Rußland. In Wahrheit aber ist seine Macht eine sehr beschränkte. Hinter ihm steht drohend die Reaktionspartei, die Großfürsten Clique und der Beamtenadel, die keinen Fortschritt und keine freiheitliche Neuerung wollen und den unglücklichen Czaren mit Gewaltmaßregeln oder gar mit dem Tode bedrohen, wenn er dem Druck auS den VolkSmassen zur Herbei führung neuzeltlicher und fortschrittlk cher Zustände nachgeben sollte. Ueber einstimmende Berichte geben an, daß der Czar sich am Rande deS Wahn finnS befinden soll. Von der Hofka bale ebenso hart bedrängt, wie von der Duma und dem Volke, ift er völlig zu ammengedrochen. Er windet sich, wie der St. Petersburger Korrespondent deS Berliner Lokala::zeiger" meldet. eit der Meuterei des PreobraschenSky Regiments beständig in Weinkrämpfen und hatte in den letzten drei Tagen mehrere OhnmachtSanfülle. Sein Zu stand ift so bedenklich, daß seine Leib ärzte kaum mehr von seiner Seite wei chen. Zu verwundern ift dieZ- wahrlich nicht, denn seine Lage gestaltet sich mit edem Tage verzweifelter. Er möchte sich, nur um Ruhe zu finden, dem Wil. en des Volkes beugen, aber die xtaU ionäre Sippe versucht ihn im Verein mit einem Theile des Ministerium zu zwingen, das Parlament zu sprengen. und droht ihm mit Absetzung, wenn er den EntscheidungSkamps nicht fofort wagt. ES ift in den eingeweihten St. Petersburger Kreisen ein offenes Geheimniß, daß die GroßfürflenClique alle Vorbereitungen zurEinfetzung einer Regentschaft getroffen hat und den in einem Elend bedauernswerthen Auto. kraten nach einem einsamen Schlosse schicken oder in ein Kloster stecken wird, falls er nachgiebt und eine konftitutio nelle Regierung bewilligt. Unter den in degradirten und nach Medjed in die Verbannung geschickten Offizieren des rebellischen ersten Bataillons deS Preo brafchenZky - Regiments befinden fich mehrere Sprossen des höchsten Adels, wie die Söhne der als liberale Führer bekannten Fürsten Trubetzkoi und Obo, lensky. Wie der unglückliche Czar, der fast erdrückt wird von der schweren Blutschuld, die seine Vorgänger auf fich geladen und ihm schließlich vererbt ha ben, so leidet anscheinend die Czarin schwer unter dem Unglück deS Landes und dem Unheil, das ihre eigene Famk lie bedroht. Von ihr ift bekannt, daß sie den Czaren beständig zu bereden sucht, durch liberale Zugeständnisse die gährende Unzufriedenheit im Volke zu beschwichtigen. Aber was vermag der Wille einer schwachen Frau gegen das ungestüme Drängen der Reaktionspar tei, die den Czaren gewaltsam von allen Reformen zurückhält? Unlängst ging ein Bild der Czarin durch die Zeitun gen, daS unwillkürlich beim Betrachten traurig stimmte. Wie ein versteinerter Schmerz lag es auf den sympathischen Zügen der jungen Frau, als habe sie längst alle Hoffnung auf eine Wendung zum Besseren endglltig aufgegeben. Und so geht daS große weltgeschichtliche Trauerspiel in Rußland unaufhaltsam seinen Gang. Niemand vermag zu sa gen, waS für neue Schreckensscene schon der nächste Tag dringen mag. Die grösjte unv pas stndsteUuSwahl von Schnitt blumen und SlumenstüSen für alle freudigen und trau rigen Ereignisse. Wir sind jederzeit gern bereit bei der Auswahl behülflich zu Uln. Oertermann OroS. (5o. 241 Clafj. Uve. 2tf. 5540.

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dagegen!" . ' . . . . . .

Tie tftcr Cöcntlcincr. 1 Einem neuen Trick internationaler Hochstapler ist die Pclizei in Paris auf die Spur gekommen, und zwar einem Trick, dem e5 nicht an einem kleinen amüsanten Beizeschmack fehlt. Seit mehreren Wcchen schzn beschwerten sich reiche in er französischen Hauptstadt mit den Erpreßzügen aus Calais ankommende Engländer darüber, daß ihen auf dem Bahnhöfe ihr Handzepäck und sogar ihre Brieftaschen, ihre Portemonnaies unö ihre Uhren auf die unerklärlichste Weise entwendet worden seien. Die Polizei nahm infolge dieser Anzeigen den Nordöahnhof unter besonders strenge Beobachtung, und endlich glückte es ihr, die Schuldigen auf frischer That zu ertappen. Ter Schnellzug mit den Passagieren aus London war gerade in die Bahnhofshalle eingerollt, und aus dem Schlafwagen erster Klasse stieg, nicht ohne Beschwerden, ein korpulenter Engländer heraus, dem man sofort von weitem ansehen konnte, daß er nicht zu den Unbemittelten gehörte, während der javiale Ausdruck seines lebensfrohenAntlitzes vermuthen ließ, daß er sich mit genügend Kleingeld vorgesehen haben würde, um die Freuden der schönen Seinestadt zu genießen. Während er noch auf der untersten Stufe des Wagentrittes stand, stürzte sich plötzlich aus einer nahen Gruppe von vier tadellos elegant und distinguirt aussehenden Herren eine? auf die Thür des SchlafWagens zu, um scheinbar in diesen hinein zu gelangen. Dabei gelangte er natürlich in heftige Berührung mit dem würdigen alten Herrn, dem der Handkoffer aus den Händen fiel, und der selbst bedenklich in's Schwanken gerieth. Sofort traten die drei anderen hinzu, stützten ihn. bürsteten ihn ab und leerten ihm gleichzeitig, ohne daß er es merkte, blitzartig schnell die Rocktaschen. Er bedankte sich eben noch höflich für ihre Hilfe bei ihnen, als ein Kriminalbcamter, der die Szene beobachtet hatte, die vier feinen Herren festnahm. Man fand bei ihnen außer

dem Portefeuille des Englanders große Summen Baargeldes, kostbare goldene Uhren und viel Schmuck. Keiner von den vier Gaunern, die äußerlich den Eindruck machten, der besten Gesellschaft anzugehören, verstand ein einziges Wort Französisch. Ter eine von ihnen gab sich für einen Ingenieur aus Dublin aus, der zweite berief sich darauf, englischer Unterthan zu sein, der dritte sprach nurRussisch und der vierte nur Rumänisch. Jetzt sitzt das vierblätterige Kleeblatt hinter Schloß und Riegel. ' Taö Gck??imtti?z o,r Gräfin Ducos. Es giebt kein Geheimniß, das nicht einmal verrathen würde. Die Jndiskretion ist eine Naturkraft geworden, und bestgehütete Geheimniß, das mit hinab ins 'Grab genommen wird, ist nur ein Samenkorn, das früher oder später keimen wird Mit diesen Worten kennzeichnet der vortreffliche Pariser. Journalist Henri Varcnnes einen Prozeß, der augenblicklich ein Pariser Gericht beschäftigt und ein Mysterium, das 75 Jahre lang ruhte, ans Tageslicht zerrt. Die Gräfin Ducos war die Wittwe eines verdienstvollen Staatsmanns, der im Anfang der Regierung Napoleons 3. eine große Rolle spielte. Nach dem Tode ihres Gatten im Jahre 1855 blieb die Gräfin in Paris, und ihr Salon war bis weit über den Sturz des Kaiserreichs' hinaus einer der vornehmsten Sammelpunkte der geistreichen Welt. Dort traf Renand mit dem Nunzius des Papstes zusammen, dort kreuzten sich die Wege des Prinzen Napoleon mit denen der bedeutendsten Persönlichkeiten der dritten Republik. Die Gräfin starb im Jahre 1893 und hinterließ ihren beiden Kindern einVerm'ögen von etwa lh Millio nen Frank. Sohn und Tochter theilten sich in geschwisterlicher Weise in die Erbschaft und respektierten auch die Legate .die von der Gräfin ausgesetzt waren. So erhielt eins ihrer Patenkinder, der Fregattenkapitän Edmond Hannecart. 25.000 Fr. Sieben Jahre vergingen völlig ruhig, da wurde der Fried: plötzlich gestört. Frau Colin, eine Tochter des inzwischen gleichfalls verstorbenen Kapitäns, trat mit der Veßauptunz hervor, daß ihr Vater ein vorehelicher, aber anerkannterSohn der Gräfin Ducos und eines Herrn Hannecart war. Zuerst wollte man es nicht glauben und veranlaßte Nachforschungen, und es stellte sich die Wahrheit dieser Behauptung heraus. Der Ministe? hatte von dem Fehltritt seiner Gattin nichts gewußt, und 65 Jahre lang war es gelungen, die Jugendsünde der Gräfin u verbergen. Der Kapitän selbst wule, wer seine Mutter war, aber auch er hatte pietätvoll geschwiegen. Die rechtmäßigen Kinder b;r Gräfin boten der Frau Colin einen Vqleich an, aber diese energische Dame rc'.I eine Rente von 80.000 Fr., i.nd sie fci ei nen Gerichtsbeschluß herbeigeführt, dem zufolge die Liegenschaften der Familie Tucos versiegelt wurden. Jetzt ist gecn diesen Gerichtsbeschluß Protest er.oben worden. V h i . Die unter de m Verdachte, einen Giftmord an der Schneidersfrau Briickner verübt zu haben, verhaftete Straßenwärtersfrau Feige in Grunau ist verdächtig, weitere vier Personen, darunter ihre Schwester und ihreStiefmutter. vergiftet zu haben. Als Urfache wird in allen Fällen Erbschleicherei angenommen. r . '

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Auch ein parlarn-ntarischer Clyiu ! tchts''Afall. In frischer Erinnerung ist der schwere Ohnmachtsanfall, den der deutsche Reichskanzler Äülow im deutschen Reichstag erlitt, weil er durch zu vieles Arbeiten geschwächt war. Ein ähnlicher Fall ist am 14. Juni im Aöaeordnetenhause des württembergischen Landtages vorgetommen. Es handelt sich dabei um einen der bedeutendsten schwäbischenParlamentarier, Friedrich Haußmann. dem außer seinem ihm täuschend ähnlich sehenden Zwillingsbruder Konrad Haußmann, mit dem er auch schon im Reichstag war. wenige im württembergischen Landtage gleichkommen. Er ist der maßvolle Führer der Volkspartei und der Hauptkämpe der Württemberg!schen Verfassungsreform, für die er als Berichterstatter der Verfassungscommission us's Hervorragendste thätig ist. Sein Anfall wird so beschrieben: - Ein t'Zgischer Zwischenfall hat die Sitzung der Abgeordnetenkammer unterbrocben. Dex Abgeordnete Rembold .polemisirte gerade aeaen die Volkspartci. als der Berichterstatter Friedrich Haußmann, der an einem der vor den Sitzreiben der Abgeordneten aufgestellten Verichterstattertische saß. von einer tiefen Ohnmacht befallen wurde und in feinen Sessel zurücksank. Als man sah. was vorgefallen, bemühten sich sofort mehrere Abqeordnete um den Erkrankten, indem sie ihm die Stirne mit Wasser befeuchteten. SeinBruder Konrad Haußmann suchte ihm ein Glas zu reichen und hielt ihm dann den Kopf. Auch Ministerpräsident Breitling kam an den Tisch und stellte ein Linderungsmittel zur Verfügung. Während dieser Vorgänge sprach der Abgeordnete Rembold weiter. Als eine erhebliche Besserung sich aber nicht einslellen wollte, unterbrach der Vorscher Bayer die Sitzung und der Erkrankte wurde von zwei Collegen hinausgetragen und auf einen Divan im Zimmer des Vorsitzers gebettet. Kurz nach Unterbrechung der Sitzung war auch Frau Haußmann, die sich mit ihrer Schwägerin auf. der Zuhörertribüne befand und den schlim men Anfall vielleicht zuerst bemerkt hatte, im Saal erschienen, um sich ih-res-Mannes anzunehmen. Bei dem Erkrankten stellte Sanitätsrath Dr. Wildermuth, der sofort telephonisch herbeigerufen worden war. im Vorsitzerzlmmer einen icnwcren ynmachtsanfall in Folge von Erschöpfung fest. Noch bevor der Arzt erschien, war Haußmann. dem sofort Umschläge um den Kopf gemacht wurden. aus seiner Ohnmacht erwacht. Es wurde ein Sanitätswagen geholt, der ihn nach seiner Wohnung verbrachte. Der Vorfall hat überall die lebhafteste Theilnahme hervorgerufen und um so mehr überrascht, als Haußmann noch kurz vorher in lebhafter und schlagfertiger Weise in die Debatte eingegriffen hatte. Wie man hört, handelte es sich bei dem Anfall um ernste Congestionserscheinunqen in Folge starker Ueberarbeitung in den letzten Wochen. Die Berichterstattung über dieVerfassungsreforrrr hatte ein eingehendes Studium nöthig gemacht und Friedrich Haußmann wollte sich hiebei keine Schonung auferlegen. Nach einer befriedigenden Nacht war der Zuband entschieden besser. Aber für die entscheidenden Schlußkämpfe zwischen zweiter und erster Kammer ist die unersetzliche Mitwirkung Friedrick Saußmann's wahrscheinlich nicht zu haben. Nach dem neuesten uns vorliegenden Berichte vom 15. Juni ist er zwar außer Lebensaefahr und bei ungetrübtem Bewußtsein, bedarf aber, wie Bülow, nach Aussaae der Aerzte eine längere und vollständige Ruhe. Die montenegrinische Regierung hat beschlossen, montenegrinische Scheidemünzen in Nickel und Bronze prägen zu lassen. Dieselben werden an Stelle der jetzt in Montenegro cirkulirenden österreichisch-un-garischen Scheidemünzen treten. '.

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