Indiana Tribüne, Volume 29, Number 268, Indianapolis, Marion County, 6 July 1906 — Page 6

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Europäische Nachrichten. Frovrnz Keffenassau. Kassel. Große Theilnahme hat das Hinscheiden des Lehrers an der hiesigen Vorschule Carl Vuchenau hervorgerufen. Frankfurt. In der Affäre des Eisenbahnbeamten Wendland, der eine größere Summe unterschlug und darauf mit seiner Familie in den Tod ging.ist nunmehr dieUntersuchung abgeschlossen. Es hat sich ergeben, daß die von Wendland unterschlagene Summe weit bedeutender ist, als zuerst angenommen wurde. Sie beträgt 45.000 Mark. G l a d e n b a ch. Bei Herborn wurde der Güterbodenarbeiter Ring aus Sinn überfahren und getödtet. H a n a u. Der in der Sternstraße wohnende etwa 55 Jahre alte Gastwirth Teile hat sich durch Einathmen von Leuchtgas in seiner Küche vergiftet. Als Motiv für die That wird ungünstige Geschäftslage angesehen. O st h e i m. Lehrer A. Elle dahier beging dieser Tage sein 25jähriges Dienstjubiläum. U s i n g e n. Vor einiger Zeit wurde im nahen Walde ein Treiben auf Hirsche veranstaltet. Bei dem Trieb durch den Wald blieb der 17 Jahre alte Treiber Gustav Eifert etwa 80 Meter hinter seinen Collegen zurück. Die Treiber sollen laut JagÄ-

vorschrut sich durch Rufe bemerkbar machen und den Treiberstock nach unten halten. Entgegen dieser Weisung hat der junge Mann, der noch wenig getrieben hatte, kernen Laut von sich gegeben und den Stock nach oben gehalten. Der Oekonom WilHelm Fifcher 3. aus Rödelheim hatte sich in einem Graben verdeckt vor dem Walde aufgestellt, das Gewehr täufc veren. Gr 'horte vas Gerau m tm Wald und sah jedenfalls den hochgehaltenen Treiberstock für ein Hirschgeweih an. Der unglückselige Schuß fiel. Die starke Schrotladung war dem jungen Treiber in Oberschenkel und Unterleib gegangen. Da er nicht zu transportiren war, wurde ärztliche Hilfe gerufen. Als aber der Arzt kam, war bereits der Tod eingetreten. Weimar. Der Gartenarbeiter Daniel Lederhose von hier feierte in voller körperlicher und geistiger Frische das seltene Fett seines 50iahrigen Jubiläums. Mlterdeulscye Staaten. Arolsen. Als Nachfolger des verstorbenen Obersten v. Apj?ell wurde der Oberstleutnant und Bezirks-Com-mandeur v. Behling hier zum Hosmarschall und Flügel - Adjutanten des Fürsten Friedrich ernannt. Bücke bürg. Fürst Georg zu Schaumburg - Lippe und seine Gemahlin feierten kürzlich das Fest der silbernen Hochzeit. Die Fürstin Marie Anna ist eine Tochter des Prinzen Moritz von Sachsen-Altenburg. Detmold. Hier hat sich eine Gesellschaft zur Errichtung eines Kurbades gebildet. Sie hat bereits das Schllrfrecht auf Termal- u. s. w. Quellen für die Stadt und Umgebung angemeldet. Eschenbergen. Kürzlich stürzte der bei dem Landwirth Lange beschäftigte Arbeiter Fritz Hoffmann vom Gerüst der Scheune auf einen Wagen. Eine Wagenleiste drang Hoffmann in den rechten Oberschenkel. Durch Dr. Blanke, Molschleben, wurde der Verunglückte in Behandlung genommen. Hildburghausen. Der Direktor des hiesigen Gymnasiums, Hofrath Dr. Heyn, der im 73. Lebensjähre steht, wird mit Beginn des Winterhalbjahres in den Ruhestand treten. M e i n i n g e n. Der Herzog hat denGeheimen Staatsrath Karl Schal, ler hier zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädikat Excellenz" ernannt. Auch Oberhofmarschall Otto von Schweder erhielt das Prädikat Excellenz." N e u st a d t. Vor einiger Zeit wurde das bedeutende Spielwaarenexporthaus Witthauer durch Feuer vollständig eingeäschert. Der Schaden ist bedeutend. Große Vorräthe sind vernichtet. R u d o l st a d t. Der durch seine Bilder und Klänge vom Marienthurm" und die Erbauung des Marienthurms weiteren Kreisen bekannt gewordene Brauereibesitzer Carl Becker ist nach längerem Leiden im 62. Lebensjahre gestorben. Triptrs. Weil sie als Zeugin vor Gericht erscheinen sollte, hat sich die 76jährige Wittwe Wilhelmine Grüner von hier im Schloßteiche ertränkt. Die Frau, die in guten VerHältnissen lebte, hatte vor dem Gericht eine unüberwindliche Furcht. Weimar. Natalie v. Milde, eine Tochter des Sängerpaares Feodor und Rosa v. Milde, ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Sie veroffentlichte mehrere Schriften, die für die Selbständigkeit des weiblichen Geschlechts und , eine Erweiterung der Frauenarbeit eintraten. Ein anderes Buch ihrer Feder behandelt die Beziehungen von Peter Cornelius zu ihren Eltern. Sachsen. Dresden. Anläßlich des 25jährigen Dienstjubiläums des Direktors Fritz Ehrig bei der Firma Robert Voigt, Brauerei- .und Kellerei-

Einrichtungen, hier, fand eine wür

dige Feier m dem Voigt schen Geschäftshause statt.L a u s i g k. Am Waldesrande in der Nähe hiesiger Stadt wurde der Referendar Dr. Dietze erschossen aufaefundeu. Der Nerstorbene war zuletzt am Landgericht Freiberg in Sachsen beschäftigt und hatte seinen Wohnsitz im benachbarten Friedeburz. Der Beweggrund ' zu der That ist darin zu suchen, daß Dr. Dietze, wie aus einem hinterlassenen Briefe hervorgeht, wegen ungenügender schriftlicher Arbeiten von der mündlichen Assessor - Prüfung zurückgewiesen worden war. Leipzig. Anläßlich des 50jährigen Bestehens der Allgemeinen DeutschenKreditanstalt wurden der Kommerzienrath Julius Favreau zum Geheimen Kommerzienrath und der Direktor Dr. Paul Harrwitz zum Justizrath ernannt. Der stellvertretende Direktor Franz und der Prokurist Graichen erhielten das Ritterkreuz zweiter Klasse zum Albrechtsorden. Diese und noch andere AusZeichnungen verkündete der sächsische Staatsministe: v. Metzsch persönlich, der mit den Spitzen der Staats-, Reichs- und städtischen Behörden an der Hauptfeier des Jubiläums theilnahm. Vor Kurzem beging die Firma Gustav Mittenentzwey, UhrenHandlung, Burgstraße 25, ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. Der Privatdozent für Geographie an der hiesigen Universität, Dr. Ernst Friedrich, ist zum außeretatsmäßigen außerordentlichen Professor ernannt worden. M i t t w e i d a. Ein schwerer Unglücksfall hat sich auf dem hiesigen Güterbahnhof ereignet. Der Geschirrführer Langhof gerieth unter einen Rangirwagen und wurde von diesem überfahren. Der Bedauernswerthe, der Familienvater ist, erlitt sehr schwere Verletzungen und wurde nach Anlegung von Nothverbänden nach seiner Wohnung gebracht, wo ihm der rechte Arm amputirt werden mußte. Mutzchen. Der König hat dem Oberlehrer und Kantor W, Winkle?, hier, das Verdienstlreuz verliehen. Die Auszeichnung wurde Oberlehrer Winkler vor versammelter Schulklasse und in Gegenwart des Vorsitzenden des Schulvorstandes, der Geistlichen und des Lehrerkollegiums durch Bezirksschulinspektor Dr. Michel-Grim-ma feierlich überreicht. Naundörfchen. Tödtlich überfahren wurde von einem Personenzuge der Dresden Leipziger Eisenbahnstrecke der auf dem hiesigen Remontedepot bedienstete Knecht Moritz Fischer aus Goltzscha. Es liegt Selbstmord vor. P l a u e n. Auf dem Oberen BalznHofe ist von einem Personenzuge der 33jährige Maurer August Thumstetter aus Brockau überfahren und getödtet worden. Der Körper wurde von der Maschine niedergeworfen und in zwei Theile getrennt. Wie sich der gräßliche Unglücksfall zugetragen hat, war nicht festzustellen. Ringenhain. Letztens wurde hier der frühere Gasthofsbesitzer und Fleischermeister August Stiebitz aus Oberneukirch, welcher schon längere Zeit von seiner Familie entfernt war, todt in der Waldung aufgefunden. Der Selbstmord des in guten VerHältnissen befindlichen Mannes ist aus Schwermuth begangen worden. Aessen'Darmlladi. D a r m st a d t. Bureaugehilfe Wilhelm Schäfer und Frau feierten das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Der Großherzog hat der InstitutsVorsteherin Marie Reineck Hierselbst die goldene Medaille des LudwigsOrdens verliehen. B r e n s b a ch. Letztens fand man den Schreiner Eutemüller von hier auf der Straße gegen Wallbach zu an einem Baume erhängt vor. Elberstadt. Beim Rangiren eines Güterzuges wurde hier dem in Frankfurt a. M. stationirten Bremser Sckeckhardt der linke Fuß abgefahren. Mainz. Kürzlich unternahm der 42 Jahre alte, zuletzt in Bessungen ein Aielier betreibende Phvtograph Franz auf dem Friedhose und zwar auf dem Grabe seiner Frau einen Selbstmordversuch, indem er sich eine Kugel in die Herzgegend schoß. Die Verzweiflungsthat geschah in einem Anfalle von Schwermuth, die sich nach dem vor kurzem erfolgten Tode feiner Frau bei dem sonst sehr lebenslustigen und mit gutem Humor begabten Manne eingestellt hatte. Vilbel. Dieser Tage feierte die hiesige Liqueurfabrik Gebr. Mühlschwein ihr 25jähriges GeschäftsJubiläum. Der Inhaber der Firma Franz Mühlschwein hat es verstanden, durch unermüdlichen Geschäftsfteiß und auf reeller Basis die Fabrik aus kleinem Anfang zu einem angesehenen Geschäft empor zu arbeiten. W o r m s. Unter dem Fußboden in dem nördlichen Seitenschiff des Domes wurde ein römischer Altar aufgefunden mit einem Bilde Neptuns, den Dreizack in der linken, einen Delpin in der rechten Hand. Ferner wurden mehrere unbekannte Steingräber aufgefunden. Es handelt sich um die Grabstätten der Eltern und Verwandten Kaiser Konrads H. Die Grabstätten sind in Stein gehauen und in schönem romantischen Stil ge-halten.

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von von Endeers. Wenn Ihr nur nicht zu spät zum Dampfer kommt," sagte Herr van Deeker bedenklich und zog die Uhr. Viertel nach sieben und vor halb 'acht fährt der Dampfer." Ach, das Boot hat ja mindestens dreiviertel Stunde Verspätung, meinte der Mann am Rheine unten." entgegnete seine hübsche Tochter mit Seelenruhe. Hier ist's so einzig schön und wir können Papa unmöglich mit der großen Bowle ganz allein lassen." Na. mir soll's ja recht sein, wenn Ihr mit mir den Zug benutzen wollt." meinte der Papa gelassen, indem er di: Gläser nochmals füllte. Prosit, Kinder Ihr ganz Spezielles. Herr Lindhausen sollst auch leben. Alfred Winnebrink! Daß wir noch manches Jahr Pfingsten in St. Goar und Boppard feiern." Die Gläser klangen fröhlich zusammen. Nur Mama van Deeker war aufgesprungen und protestirte heftig. Mit der Bahn fahren, warum nicht gar, ich weiß gar nicht, was Euch einfällt. Papa und Dir. Das Gedränge auf den Bahnhöfen, das Schiff nimmt doch wenigstens alle mit. wenn's auch mal ein bischen voll wird. Nein, nein, wir gehen gleich." Die dicke Dame im prallsitzenden schwarzen Seidenkleide eigenes Fabrikat von Winnebrink und van Deeker in Krefeld rannte wie elektrisirt herum. Meinen Sonnenschirm, mein Cape" rief sie in unverkennbarem niederrheinischen Dialekt. Ich habe den Umhang ja schon. Danke schön, Herr Winnebrink. Adieu, Papa!" Na. hoffentlich sehen wir uns heil in St. Goar wieder, Alte; vergiß nur Deinen Kopf nicht. Alfred, sorge afür, daß meine Frau nicht zu sehr ?ennt und keinen Schlag kriegt." Herr van Deeker war bis an das Gartenthor mitgegangen und schienderte nun behaglich nach seinem Platze zurück. Er hatte noch eine gute Stunde vor sich bis zum Abgang des Zuges; die meisten Gäste, die bei dem herrlichen Pfingstwette? mit dem Rheindampser auf- oder abwärts fuhren, hatten sick, schon lange entfernt. Eben verschwand auch seine Gattin um die nächste Viegung des Mühlenthales; sie hing am Arme Alfred Winnebrinks und segelte schwerfällig wie eine Fregatte dahin. Herrn van Deekers wegen 'konnte seine Adele machen, was sie wollte. Dafür hatte er nicht sein Leben lang geschafft und gearbeitet, daß sich seine hübsche Tochter nicht mal einen Mann nach ihrem Geschmack aussuchen sollte mochte sie sich einen Tanzhusaren anschaffen oder wer ihr sonst gefiel! Und während sich Papa van Deeker mit behaglichem Schmunzeln ein Glas Bowle nach dem andern eingoß und im Hochgefühl über die Stille ringsum leerte, dachte er bei sich, daß es ihm auch kein Vergnügen machen würde, Alfred Winnebrinks langweiliges, englisch rastrtes Gesicht als das seines Schwiegersohnes um sich zu sehen, war es ihm doch schon im Kontor und in der Fabrik oft zu viel. Und wenn seine Frau mit dem ein Spiel gemacht hatte und der Welt gegenüber ein fait accompli" schaffen wollte, mit dem gemeinschaftlichen Pfingstaufenthalt in St. Goar, von dem Adele augenschcinlich keine Ahnung gehabt, so geschah es ihr ganz recht, wenn das Mädel ihr einen Streich spielte und einfach davonlief. Und sie konnten ihr nachrennen, als wenn's um's Leben ginge. Adele van Deeker und Friedrich Theodor Lindhausen schritten unterdessen munter voran. Es war wunderbar schön im Mühlenthal; eine letzte Nachtigall begann in schmelzenden Tönen ihr Lied und trillerte dann wie ein Wasserfall. Von links sah oben auf schwindelnder Höhe der Tempel des Vierseenplatzes herab, wo sie heute gewesen. Hier ist es nun doch einzig schön, es gibt nur einen Rhein," sagte Lindhausen tiefaufathmend. Um das so ganz zu würdigen, muß man in der Ferne sein." Adele van Deeker zog die. Stirne ein wenig kraus. Ich kann es diesmal gar nicht so recht einsehen, es gefällt mir gar nicht wie sonst. Nun, worauf warten Sie denn?" Wäre es nicht unartig, sich nicht nach Ihrer Frau Mama umzusehen?" Ach. die hat ja Alfred Winnebrink. Gönnen Sie ihr den doch, wie ich es thue." Aber . . ." Adele van Deeker blieb stehen. Hören Sie mal, Herr Lindhausen, erinnern Sie sich noch der Zeit, wo Sie als großer Junge mit mir gespielt haben?" Ob ich mich dessen erinnere! Sie hatten lange braune Zöpfe und schlugen damit um sich, wenn man Sie neckte. O. ich habe es nicht vergessen, auch in den bösen Tagen nicht, die danach folgten." Adele van Deeker nickte. Nun, die sind ja nun glücklich vorbei, und Sie haben das Hochgefühl, sich selbst zu dem gemacht zu haben, wag Sie jetzt sind, aber ich wollte nur in der Ermnerung an jene Zeit eine Gewissenöfrage an Sie stellen." - . r ' -,

Fragen Sie, ich schwöre, nas bestem Gewissen zu antworten!" Hat Alfred Winnebrink Ihnen vielleicht nahegelegt, ihm bei mir zu helfen?" Friedrich Theodor Lindhausen schwiea betroffen. Aha, Diskretion ist Ehrensache. Sie brauchen mir gar nicht zu antworten. Ich will Ihnen nur eines sagen: wenn ein bischen von der alten Freundschafi von früher heute wieder aufgewacht ist. so geben Sie sich keine Mühe mit sc einer gütigen Unterstützung. Ich will ihn nicht, will ihn nicht, will ihn nicht!" Aber " Kein Aber. Alle Leute kommen mir mit .aber.' Ich sollte meinen, wenn ein Mädchen einen Mann so entschieden nicht will, so gäbe es kein Aber mehr." Sie war stehen geblieben und sah Friedrich Theodor Lindhausen mit funkelnden braunen Augen an. Ihre Wangen glühten wie Purpursammt. und sie kam dem Manne vor wie eine echte Tochter des Landes, dessen altberühmter Strom sich da am Ausgange des Thales bor ihnen ausbreitete, zauberschön wie in einem Märchenland. Sie mißverstehen mich," entgegnete er eifrig. Ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich niemand etwas rersprochen und mich zu nichts verpflichtet habe." Sie nickte befriedigt. Nun, so kommen Sie flink, flink. Sehen Sie da unten das kleine Wölkchen sich kräuseln? Das ist das Abendschiff. Wenn wir uns nicht sehr eilen, fährt es uns gerade vor der Nase davon." Aber Ihre Frau Mama?" Adele lachte übermüthig wie ein Kobold. Ganz ausgeschlossen, daß die arme Mama es noch kriegt. Ich kenne deren Marschtempo. Und das Schiff kommt viel, viel schneller als wir herauf, und ich will mit dem Schiff fahren, und wenn Sie nicht mitthun, thue ich's allein. Nun, wollen Sie mir das Odium bei Mama tragen helfen, denn sie wird schrecklich böse sein und es für sehr unpassend halten, ob ich's nun allein oder in Ihrer Gesellschaft thue, oder haben Sie auch Angst?" Da Sie zu solchen schlimmen Dingen unür allen Umständen entschlossen sind, wird mir nichts anderes übrig bleiben, als Sie wenigstens zu beschützen," sagte Friedrich Theodor Lindhausen lächelnd. Sie waren nun unten an den Rhein gekommen, wo man den Halbkreis von Boppard mit seinen Thürmen, alten Thoren und modernen Villen ausgebreitet sieht. Jetzt sah man schon deutlich das helle Rheinschiff auf der seeartig eingeschlossenen Wasserfläche; es schien langsam gegen den Strom anzukämpfen und kam doch unheimlich schnell herauf. Dieses Boppard hat eine unend'Uck Länae," sagte Adele ungeduldig. Da ist das Schiff, schon fast bei uns. Wenn nicht sehr viele Leute einund aussteiaen, bleiben wir ebenso gut sitzen, wie Mama. Und dann haben wir den ganzen Abend Alfredchen Winnebrink auf dem Halse. Kommen Sie, Fritz, wir laufen ein bischen. Können Sie noch? Ja? Wollen Sie mir Ihre Hand geben?" Die Leute am Rhcinkai blieben stehen und lachten über das hübsche Pärchen, das mit dem Schiffe um die Wette rannte, als ob es um's Leben ginge. Nun tauchten die Terrassen der eleganten Hotels auf. wo fröhliche Menschen saßen, und bei Gläserklang den herrlichen Pfingstmontag feierten. Das Schiff war schon vor ihnen. Mit der lief ich auch off und davon was meenste, Matthes?" rief einer der Rheinschnaken seinem Kollegen zu. Laufe Se doch nicht so, Fräuleinchen, auf Sie wartet's Schiff sicher noch." Und richtig, als letzte Passagiere kamen sie noch ganz athemlos über die Landungsbrücke. Gott sei Dank," sagte Adele. Das Schiff war wirklich seh? beisetzt. Es schien, als wenn kein freier Platz mehr aufzutreibcn wäre. Aber Friedrich Theodor Lindhausens Späherblick und höflicher Energie gelang es doch, eine ungeheuer dicke Dame zur Herausgabe eines Stuhles zu bewegen, den sie verbotenermaßen mit ihren Cepäckstücken belegt hatte, und einen Kellner auf räthselhafte Art in unglaub licher Geschwindigkeit mit einem zweiten herbeiuzaubern. Ehe noch Boppard außer Sicht kam. waren sie auf die denkbar behaglichste Art installirt. Adele hatte ein Vergnügen an ihrem Streich, wie ein Schulkind. Sie war närrisch. Endlich mal etwas anderes. Nun sehen Sie nur' einmal unsern Rhein an, wie sich die Abendschleier darüber legen, zu herrlich! Und diese Schifffahrt, das Schönste vom ganzen Pfingstmontag. Ach Fritz, das Leben scheint mir ja wieder schön." Ich dachte im Gegentheil. Sie hätten gar nicht mit dem Schiff fahren wollen und der Rhein käme Ihnen gar nicht so schön vor." Adele lachte hell auf. Nun. sagen Sie mal. alter Fritz, ist das denn nicht ein Unterschied! Wäre das denn nicht ein anderer Rhein und ein anderes Schiff, wenn ich hier mit Alfred Winnebrink säße? Oder wär's Ihnen egal?" Nein, es war ihm natürlich nicht

ganz rgai. uno als t oann mnernander anstießen, schien es ihm, als ob ihm Vldele van Deeker niemals egal geWesen oder geworden sei. Mama und Papa van Deeker empfingen die Ausreißer am Schiff. Alfred Winnebrink hatte sich schon schmollend zurückgezogen. Mama wollte doch den Gästen vom Hotel Schneider gegenüber wenigstens dik Dehors wahren, der halbe Niederrhein war ja da. Adele war ewig blamirt. wenn jemand in ihrer Vaterstadt da, von erfuhr, und Alfred Winnebrink würde sich aanz aewin nun zurück ziehen, und das Ende vom Liede war. daß ihre Tochter sitzen blieb, mit all ihrem Gelde und ihrer Schönheit. Und daran war nur ihr Vater schuld, der zu allen ihren Extravaganzen lachte. So hatte sie schon ihrem Manne in den Ohren gelegen, seit ihr der Mann an der Landungsbrücke in Boppard mitgetheilt, daß das hübsche Fräulein chen in dem weißen Kleide mit dem bunten Gürtel gerade noch zum Schiff gekommen sei. Es sei höchste Zeit gewesen und alle Leute hätten ihren Spaß gehabt, wie sie mit dem großen Herrn so Hand in Hand herangelaufen gekommen sei. Das kann doch nicht Adele geWesen sein aber natürlich, es war sik und Du " Nun laß mich aber mal in Frieden, da unten kommt nun das Schiff, da kannst Tu ja Deine Reden an der riehtigen Stelle anbringen. Aber mir ahnt, Deine Tochter gut, meine Tochter wird die Sache mit gewöhnter Energie schon ins Reine bringen." Majestätisch wie ein stolzer Schwan kam das Schiff den Rhein herauf. Es sah im Glänze der elektrischen Lichter prächtig aus. wie es in der Abenddämmerung die Wogen durchschnitt. Nun legte es an. Gar zu viele Fahrgäsie stiegen nicht aus. Und plötzlich stieß Mama van Deeker einen Schrei aus und faßte ihren Gatten am Arm. Mann Mann, sieh nur mal da kommen sie Arm in Arm was sagst Du nun " Ganz wie ich erwartet habe," lachte der. Den Sekt habe ich schon vorhin bei Schneider kalt stellen lassen, halte Du nur Deinen mütterlichen Segen warm... Ich sagte Dir schon, meine Tochter thut nichts umsonst. Und ich glaube, d i e Sache hat sie gut gemacht was 'ne richtige Rheinlandstochter ist, 'die weiß, was sie will sonst hätt'st ja Tu mich vor zwanzig Jahren auch nicht genommen, Mama!" ?- V 11

pt ,,riiungsirc!jcrl!l." fri nr: r. t.n. rr ili wiener vzencni nane ucu unlängst mit einer Klage der Privatiere Frl. Katharina Zeckl, einer älteren Dame, gegen den Kafetier Leopold Kniee wegen Ehrenbeleidigung zu befassen. Der letztere hatte das Fräulein zum Verlassen seines Kafes mit den Worten aufgefordert: Da hat der Zimmermann das Loch gelassen." Es entspann sich zwischen dem Richter, dem Angeklagten und der Klägerin das folgende Gespräch: Richter: Herr Kniee! Haben Sie diese Worte gebraucht?" Angeklagter: Ja, Herr Richter! Aber ich bitt', mich anzuhören! Die Fräul'n kommt, packt alle Zeitungen vom Lokal z'samm; a paar balt s' in der fiand. a vaar leat s' aus'n Schootz a paar unter'n Schoon und die Gäst' brummen alle, daß s' ka Zeitung kriegen." Richter: Da hätten Sie ihr das vorhalten sollen,' aber einen so anzufahren, ist halt verletzend!" Klägerin: Und ich bin dazu seit drei Jahren Stammgast bei Herrn Kniee!" Angeklagter: Das is ja das Unangenehme! Wegen aner Zeitungsfresserin kann i do nit so viel Zeitungen eztra abonniren, Herr Richter! I zahl' Zins, Steuern, und die Gäst' bleiben aus, weil's ka Zeitung stiegen! Halbe Täg' lang hat die Fräul'n bei an Kaffee g'sessen und hat als g'lesen und alle Blätter konfiszirt; wo soll da der Geschäftsmann hinkommen?" Richter: Fräulein Zeckl. Sie hören den Standpunkt des Angeklagten; die Beleidigung war auch keine gar so schreckliche: ich rathe Ihnen daher. eine Entschuldigung anzunehmen." Klägerin: Das geht prinzipiell nicht." Richter: Warum nicht?" Klägerin: Wo der Zimmermann das Loch gelassen hat; das war eine starke Blamage vor den Gäsien!" Richter: Dafür entschuldigt er sich ja eben." Klägerin: Das geht hier nicht; er soll die Entschuldigun? laut im Kaffeehaus vorbringen und vor denselben Gästen, die damals dabei waren." Richter: Ich kann doch nicht als Richter in's Kaffeehaus hingehen, um das zu kontrolliren. Aber Sie können von der Entschuldigung eine amtliche Abschrift haben und im Kaffeehause jedermann zeigen." Die Klägerin war damit einverstanden. zog. die Klage zurück, und Kniee wurde freigesprochen. grnmcv derselbe. Professor (beim Aussteigen auö dem Eisenbahnzug, die Kinder und die Gepäckstücke zählend): Mit den Kinde?? müssen es zusammen siebzehn Stück sein; es sind aber nur sechzehn ergo fehlt entweder ein Kind oder ein Koffer!" '