Indiana Tribüne, Volume 29, Number 263, Indianapolis, Marion County, 29 June 1906 — Page 7

"7. :. ,

jr - . - . r Jndiana Tribüne, 29. Juni 1906

00KKOK)CK0',J ö In drn Abgrund ö ? rt 1 0 m a n H I von A i h f A i

Ö iVUWiti ö q00,000X0'0000l O (Fortsetzung.) Ter Franz! schien ,von dem Erfolg semer Bemühungen sehr zufricdenzestellt und verfiel wieder in seine kec!e Art. indem er das Midei bat. ihm auch eine Kleinigkeit auszusuchen. TaZ schien aber diesmal gerade das zu sein,

was diese wollte, denn ohne Besinnung

drängte sich nun auch das Mädchen an

den Tisch und gab mit niedergeschlagn

nen Augen dem glücklich und stolz aussehenden Burschen ein anderes schönes Herz, auf dem zu lesen stand: Xa3 beNe ist vo:i allen amen Tmaen. Xefc dir und mir die Zeit wird Rosen brin. gen." Ta nickte sie dem Franzl freundlich zu. hängte sich rasch wieder in ihre Freundin ein und drängte so rasch von

der Lebkuchenbude fort, daß sich diese

endlich die qanz unnatürliche Elle ver

bat. Nun besann sich Midei. hatte aber

nicht eher Ruhe, bis sie das bewukte

Herz bei ihren anderen nach Garmisch mitgenommenen Habseligkeiten in Si-

cherheit brachte. Zeigen that sie es nie-mand.

Ter Fischhaber-Franzl stand einige Augenblicke wie angenagelt, dann steckte

er sein säßes Geschenk in die Brusttasche der Joppe und befühlte unausgesetzt den Fleck, von dem er meinte, es ginge ganz warm davon aus.

Nachmittags und Abends waren die

Tanzböden in den Wirthshausern ge-

drängt voll: unten die zechenden Bauern und Bäuerinnen, oben das junge.

hüpfende Volk.

Ter Husarenwirth hatte , sich, der Neuigkeit und des Absonderlichen wegen. die Zigeuner vom Eibsee bestellt

und erhielt deswegen einen Zuspruch

wie kaum zuvor. Die Bauern sagten

zwar, daß das fremde Volk ihre Länd-

ler und Dreher nicht richtig spiele'' könne: jede andere Dorfmusik sei tt-

ser. Ihre Söhne und Töchter machten

sich aber nichts daraus, denn sie hupf-

ten. schleiften und johlten nicht wegen

der Musik, sondern wegen dem Tanzen überhaupt. Für sie hätte es eine Maultrommel und eine Mundharmonika auch gethan, wenn sie nur laut genug

gewesen warcn. Der Jäger ging nicht auf den Tanz5oden, weil e? wußte, daß Mide: mit ihren Eltern schon gegen Dunkelwerden Garmifch verlassen hatte. Und mit den andern Dcandeln zu tanzen, dazu fehlte ihm jede Lust. Er blieb deshalb in der Unterstube des Husarenwirth bei einigen Forstleuten und Marktbürgern sitzen. Sein einziger Genuß dabei war, immer und immer tk.z das Lebkuchenherz in seiner Joppe zu befühlen, gab es ihm doch die Gewißheit, daß seine Liebe Gegenliebe gefunden hatte. Und inmitten all des erstickenden Taiakdampfes und des Stimmengewirres, gerade unter dem Saale, in welchem getanzt und gestampft wurde, daß der Fußboden zitterte, träumte er den süßesten Traum seines Lebens. 1 sah stch als Forstwart, öas schöne Midei als die Frau Forstwartin. und um sie herum purzelten und spielten ein halbes Dutzend braun- und blondlockizer Buben und Mädchen. Dann meinte er bei sich, eine solche Vorstellung sei doch zu verfrüht, denn außer dem biss'l geraubten Handkuß sei es noch zu gar nichts weiterem zwischen ihm und seinem Schatz gekommen. Natürlich betheiliate er sich sehr wenig an der allge-

meinen Unterhaltung und wurde er

zufällig m das Gesprach gezogen, so

?ab er ganz verkehrte Antworten. Ten

Forstg'hilfen hat's heut' a wenig!

meinten lächelnd seine Kameraden. Ist

auch kein Wund:r, dem Husarenwirth

sein Klrchweihbier ist damisch stark.

Und dann ließen sie ihn in Ruhe. Nun

konnte der Franzl wieder ungestört

fortspintisircn; aber auf einmal machte :r ein Gesicht, als ob er Galle verschluckt hätte. An die Hauptsache, an das, was der Gwandtner und seine Bäuerin zu

seinem Plane sagen wurden, daran

hatte er bis jetzt nicht gedacht. Und als

er die Sache weiter verfolgte, verhehlte er sich auch . die Schwierigkeiten nicht.

die erwachsen konnten.

Darauf litt.es ihn nicht mehr unter

der lustigen Gesellschaft, und er machte sich auf den Heimweg; ein glücklicher

und unglücklicher Mann zugleich.

Das Haus, in welchem er wohnte,

lag ziemlich weit draußen, an der Straße, die nach Grainau führt. In tiefen Sedanken ging der Jäger seines

Weges, plötzlich unsanft aufgeschreckt Milch Hilfeschrei aus weiblichen Kehlen, j Die Nacht war finster, und deswegen

i konnte er nur eine dunkle schwarze Masse auf der Straße, ungefähr achtzig

' c9 t v x r jr ix . r.x

CL yllliveii vurnux vui cucuucii.

Zwischen die Hilfeschreie schallte lautes

Gelächter aus männlichen Kehlen, so

daß Franzl sofort begriff, hier handle

es sich mcht um eine Schlägerei oder

eine der öfters vorkommenden derben

Auseinanderfetzungen zwischen Liebes-

leuten. sondern wahrscheinlich um Un

gezogenheiten betrunkener Mannsleute aeaen weibliche Wesen. Davon war

aber der Forstgehilfe kein Freund, und so eilte er. was er konnte, auf die sich auf der Straße bewegenden fünf bis sechs Menfchen zu. Ein einziger Blick

genügte ihm. um die Richtigkeit seiner

Voraussetzungen , zu erkennen.

Drei junge angetrunkene Burschen

hatten sich nach Kräften bemüht, zwei Frauen, wovon die eine die ZigeunerManisch! war. zu ängstigen und mit ihren Rohheiten rd belästigen. Das energische Eingreifen des jungen Forstmannes. dessen Kraft bekannt war und

der außcrdem einen kurzen Hirschsanger an der Seite trug, genügte, die

Wildlinge, die sich murrend und lachend

zurückzogen, zu verscheuchen. Marufchka saß zitternd und keines Wortes mächtig

am Straßengraben. Die sie begleitende

Zsursi bemühte sich um sie und ordnete deren herabgerissenes Haar. Aber wie könnt ihr Weiber so mitten in der Nacht ganz allein auf die Landstraß' gehen wollen?" rief der Jä-

ger verweisend. Da ist's doch ganz natürlich, daß man sich allen Ungezo-

genheiten aussetzt."

Vater und die anderen spielen; Ma-

ruschka wollte den Tanz sehen, der ihr fremd ist. Und da gab ich nach und be-

gleitete sie nach Garmisch erklärte

Zsursi.

Leichtsinnig, leichtsinnig!- sagte

kopfschüttelnd der Jäger. Und nun müß: ihr ganz allein noch nach dem

Eibsee!"

Naturlich. Wir sind schon andere

Wege bei finsterer Nacht gegangen. In

einer Stunde kommt der Mono.

Und da fürchtet Ihr Euch nicht?" Vor was? Nur die Menschen sind

zu fürchten und die Straße vor uns ist jetzt leer!"

Laßt Euch begleiten! Ich will vi5

Grainau mitgehen, wenn das junge

Ding überhaupt gehen kann vor

Schreck."

Mit einem Satze stand Maruschka

neben dem Jäger.

Nein, wie wir allein hergesunoen

haben, finden wir auch wieder zurück.

Vater und die anderen brauchen nichts

zu wissen."

cte wendete sia? zum Gehen und zog

Zsuru mit sich. Erstaunt blickte ihnen

der Jage? nach. Sie hatten sich ade?

noch keine vierzig Schritte entfernt, so

sah er :m Dunkel eine der Gestalten wied:r auf sich zukommen und, ehe er sich's versah, fühlte er sich heiß umschlungen und brennende Küsse auf

Mund und Augen.

3 war wie em Wirbelwind über

ihn gekommen; bis er recht zum Be-

tt;;: 3:1 ein gelangte, verschwand die

'chlanke Gestalt der Zigeunerin wieder

i.1 Uz Nacht.

iVrcr.js sendete sich seinem Hause zu

Büb mehrmals murmelte er bei sich: '

Dank schön bat's nti laz'n mög n.

r.rVfi aber das 5Zuri:cklaa:en und Ab-

rubeln noryig g'yav: yatt', öas steht

noch aus. Weh g'tban hat's net, ui.d das ist die Hauptsach'."

Tarauf fiel ihm e:n, was wohl die

Midei gesagt hätte, wenn sie zugesehen haben würde, und dann lachte er dar-

über, daß er sich so nach einem einzigen Kuß von seinem Mädchen gesehnt und

dafür eine Anzahl anderer, ebenfalls

von einem schönen Mund erhalten hätte.

Nun, daß das Zlgeunermädchen bild-

schon war, erkannte er damals am

Eibsee.

Das Lebkuchenberz, das er noch bei

sich trug, steckte er in eine Seitentasche.

Unwillkürlich entfernte er es von einer Stelle, an der er das Herz einer and?-

ren hoch schlagen und deren weichen

geschmeidigen Körper er gefühlt hatte.

3. Kapitel.

it dem ersten Oktober hatte

4B der Gwandtbauer seine

Jagd aufgeben müssen. Es

war ihm unangenehm ge-

Wesen, nach dem Berg zu sehen, nach

ihm zu hören, denn die Hirsche d:s

Waldes ließen jetzt ihre mächtigen

Stimmen hören, den rauhen Liebesruf

aus uberheißer Brust. In tiefen Ee-

danken ging der Mann umher. Auf

alle Fragen gab er verkehrte und zerstreute Antworten. Oft schrak er sicht-

lich zusammen und blickte dann scheu

um sich, als ob er irgend ein Unrecht gethan hätte, das die Entdeckung fürch-

tet. Manchmal schloß er sich m seine

Kammer ein, und man hörte ihn dort

mit eisernen Gegenständen Hantiren.

Midei ging aus Zufall eines Tages

nahe an dem Kammerfenster vorbei

und da bemerkte sie. daß ihr Vater

seine sämmtlichen Schießwaffen vor sich

auf dem Tische liegen habe und daran herumputze. Um die Wirthschaft in

Hof. Feld und Stall schien er sich gar

mcht mehr zu kummern, und als em

Händler vorsprach, der eine alte Kuh

kaufen wollte, war der Baue? mcht zu

bewegen, mit diesem zu verhandeln, sondern setzte seinem Widerstand noch

den Wunsch bei. der Jud' soll gleich das andere Viehzeug auch mitnehmen.

Die Bauerin war außer sich, aber der

Bauer blieb ganz gleichgiltig, sagte weiter nicktZ und als der Ansturm auf ibn stärke? wurde, ging er in seine

Kammer und schloß sich ein.

Nun war kein Zweifel mehr, der Bauer war krank, verrückt, nach der Ansicht seiner Frau und der Dienstbo-

ten. Nur das Mid:i machte eine Ausnähme und behauptete, die Sache werde

sich geben, wenn der Vater die Hirsch

nicht mehr schreien höre; man wisse ja

wie sehr er sich alle Jahre gerade au diese Jagdzeit freute. Daß er zu die

Jägerblut in sich habe, sei für ihn frei-

lich bedauerlich, was aber bis jetzt gar keinen Schaden gebracht hätte, dean der

Gwandtnerhof fei em-Muster vcn gu

ter Bewirthschaftung. Man braucke

nur das Vieh anzusehen, das so gesund

und schneckerlfett sei. daß kein Tropfen

Wasser aus ihm stehen bleibe.

Das war freilich wahr, aber das Midei hatte in ein schönes Wespennest

gestochen. Bis da, als sie von'VaterS

Jägerblut sprach, hörte ihr die Mutter

ruhig zu; als aber die Musterwirthschaft. die er führe, als Grund gebraucht wurde, fuhr diese auf und behauptete, an der sei nur sie und nicht

der Mann schuld. Das Midei hatte

also einen harten Stand. Einerseits wollte sie den Vater nicht fallen lassen,

anderseits die Mutter mcht verletzen, die wirklich in Haus und Hof tüchtig

arbeitete und regierte.

Die ruhige zufriedene Stimmung

schwand nach und nach aus einem Hause, das bis dahin nichts anderes gekannt hatte, und eine dumpfe Ver-

drossenheit zog dafür ein. Die Bäuerin war reizbar, der Bauer theilnams-

los. Nur wenn diese die jetziaen Ver-

Hältnisse der unglückseligen Jagdleiden-

schaft zuschrieb, konnte er ausbrausen und dann kam es zu so harten Worten.

wie sie bisher auf dem Gwandtner-Hof nicht gefallen waren.

Früher war der Bauer selten in den

Wirthshäusern zu sehen gewesen; jetzt

langweilte er sich und suchte nach Ka meraden. die ihm die leidig gewordene Zeit vertreiben halfen. Der sonst sehr nüchterne Mann kam deshalb oft in Zuständen nach Hause, die trotz der

nachsichtigen Auffassung, die aus dem Lande im allgemeinen gegen derartiges herrscht, das größte Entsetzen und den

Kummer seiner Familie bildeten.

Für Midei war aber trotz dieser tru-

ben Vorgänge eine glückliche Zeit ge-

kommen. Was auf den beiden Lebkuchenherzen stand, hatte sie und den

Franzl einer weiteren Aussprache über-

hoben. Die Sache war so wie sie war,

und was brauchte es dann weiter dar-

über vieles Reden. Es war deshalb

natürlich, daß Midei und der Jäger, als er Tags nach der Kirchweih am

Gartenzaun voruberkam, thaten, als

wenn sie sich schon lange kennen wür-

den, und jener sofort feine Absicht, aus

der Gwandtner-Tochter eme kunstige

Frau Forstwartin zu machen, in feste Worte kleidete. Auch der heikle Punkt,

die Einwilligung der Eltern, kam zur Sprache und wegen diesem, meinte der

Franzl, habe er sich ausgedacht, daß.

weil der Vater noch so jung und rüstig

sei, c:x den Hof fortfuhren möge, so

lange es gehe und es ihn freue. Später

soll er dann suchen, gut zu verkaufen, was sicher gelingen würde, und darauf zu ihnen ziehen. Ist im Forsihaus kein

Platz, so finde sich bestimmt ein anderes

passendes Unterkommen. Wurde der Vater statt einer Tochter einen Sohn haben, so mußte er sich doch über kurz

oder lang entschließenden Hof zu über geben und in Austrag zu gehen. Sc

wie es ist, scheine die Sachlage aber vieZ günstiger, denn ein Forstwart sei so gut gestellt, daß er wenig oder nichts dazu benöthige, um Frau und Kinder zu erhalten; der Bauer brauche deshalb sein Geld nicht herauszugeben und könne von seinen Renten leben. Diese Gründ: waren ja alle soweit richtig und prak-

tisch gedacht.

Je weiter nun der Jäger in seiner Auseinandeisetzung kam, desto mehr fühlte das Midei, daß etwas dazwi-

schen liegen könne, was alle schönen

Hoffnungen zu Wasser machen würde.

Für das erste fiel ihr die jetzige Inte

resselosigkeit ihres Vaters für dfc Wirthschaft schwer auf's Herz; denn aus allem war zu sehen, 'daß er den Hof lieber heute als morgen in andere Hände geben würde. Daß aus einer Heirathseinwilligunz nichts würde, sc

lange Franz nicht Forstwart war, stand klar vor ihren Augen. Nur die höhere

Stellung konnte einigermaßen alsAus-

gleich gelten für die verfehlte Hoffnung, sie als das Weib eines richtigen Bauern zu sehen. Freilich, später, das will sagen nach zwei oder drei Jahren, wenn ihr Bräutigam das erhoffte Ziel erreicht hatte, konnte es ja so gehen wic

dieser meinte. Ter Vater wäre dann auch in der Lage, sich eine Jagd, nach der sein ganzes Sehnen stand, zu pachten. aber bis dahin du lieber Himmel! Er hält es nicht aus in der Nähk seines Waldes, von dem die schreienden Hirsche bis an seinen Hof herunterkommen, und der ihm jetzt unwiderbringlich

verloren ist. Auch wenn er wollte.

konnte er auf 'stundenweite Entfernung

nicht zu einer anderen Jagd gelangen, denn ringsum war alles königliches

Lelbgehege.

Das war recht traurig, aber die beiden beschlossen trotzdem, die Entschei-

dung sobald als möglich herbeizufüh

ren. Liebende rechnen ja stets auf gutes Glück und fo glaubten sie, daß die Zeit die Rosen bringen würde, von de-

nen auf dem Lebkuchenherz gar,so schön

zu lesen stand.

Weniger gefiel es dem Franzl, daß ihm Midei in ganz bestimmter Weise

erklärte, bis alles m Ordnung sei.

müßten die langen Unterredungen am Gartenzaun aufhören; denn sie wolle weder ihn noch sich selbst in's Geschrei der Leute bringen. Franz könne na-

turlich diesen Weg so gut als einen an

deren machen, dagegen könne sie nichts thun; wenn sie ihm etwas zu sagen

habe, werde sie es schon darnach ein-

richten; vorläufig wolle sie eine gün stige Gelegenheit abwarten, um mit den

Eltern zu sprechen. Gen diese Ansicht half nun ga

kein Widerreden; so und nicht anders

durfte es sein. Als endlich der Jage

seinen Weg fortsetzte, hatte er wirklich den Kuß bekommen, um den er ziemlich lange hatte betteln müssen; er nahm

sich auch noch ernige dazu und betrach

tete diese nur als Abschlagszahlung für

die kommenden

Als er so den Waldweg emporstieg

hinauf zu den Matten und Latschen.

bei denen das Gemswild steht, das ganz besonders seiner Aufsicht unter-

stellt war, wirkte die Erinnerung in ihm

fort. Er mußte sich jedoch sagen, daß er sich die erste Begegnung mit seinem Schatz weit feuriger vorgestellt. Wohl

hatte sie der Gartenzaun getrennt

und so etwas ist immer mißlich aber

die ganze Unterredung bekam durch bu

mißllchenAussichteN'den Charakter einer geschäftlichen Unterhaltung. - Seinem Naturell hätte es viel mehr angestan-

den, das Midei in die Arme zu schlie-

ßen, recht nach Herzenslust zu küssen

und zu drücken und von gar nichts an-

derem zu reden, als daß er sie viel, viel

lieber habe, als irgend eine andere, nich! mehr ohne sie leben könne und todtun-

glucklich werde, wenn sie ihn nicht ebenso gern habe. Treu wolle er ihr sein, treu solle sie ihm sein. Nichts soll sie trennen als das Sterben und das eigentlich auch, nicht, denn im Himmel würden sie sich gewiß wieder zusam-

menfinden.

So aber waren sie gar nicht zu ernei ähnlichen Aussprache gekommen vor lauter Sorgen, daß ihr Glück auch nur zu einem Anfange gelangen könne. Auch mit dem Kuß, den er von ihr erhielt, war er eigentlich unzufrieden. Das ging so schnell, so vorübergehend, sc nüchtern, so kalt. Er muß"te fast Gewalt anwenden, um ibn wieder zurückzugeben. Was wäre es denn gewesen, wenn jemand dazu gekommen sein würde? Mit reineren und besseren Absichten kann kein Mann einem Mädchen entgegenkommen, als er. Vielleicht wäre auch eine Ueberrumpelung bei Eltern mit der frischenThatsache besser, als wenn, wie Midei es will, erst eir Tag abgewartet werden muß, an dem der Bauer und die Bäuerin bei guter Laune sind. Das ist doch keine Sache, die von einer Laune abhängt! Und immer wieder kam er auf dac Küssen zurück. Unwillkürlich stellte ei einen Vergleich an. wie Midei und du Zigeunerin ihn küßte. ..Das war dock etwas." meinte er, das hat Kraft. Ge fühl. Fleisch und Blut gehabt. Vielleicht hat sie sich nicht getraut? Ack was; nicht getraut; warum soll sich ein Madl dann nit trauen, ihren LiebHaber, der sie heirathen will, zu küssen? Hat sich doch die Zigeuner-Maruschko getraut, und das war nur ein Dank den sie mir in ihrer Art und Weis' gezeigt hat. Freilich, wenn's alle so machen thäten! Na. ich hoff', das MideWird'S noch lernen." Für diesmal schloß er damit seiner

Gedankengang, weil er ein Rudel Gemsen in einem Graben bemerkte und sein Glas hervorziehen mußte, um zu sehen.

ob vielleicht ein stärkerer Bock dabei

stehe.

Später kam er wieder darauf zurück;

suchte sich aber den Gedanken aus dem Kopfe zu schlagen, weil er ein Unrecht

darin fand, das Küssen beider Mad-

chen in einen Vergleich zu bringen.

Die Gelegenheit, auf welche Mid hoffte, fand sich früher als sie dachte, aber freilich in ganz anderer Art, als erwünscht war. Es konnte nämlich nach Weiberart die Bäuerin nicht lassen, immer und immer wieder in ibren Mann zu dringen, mehr der Wirthschaft nachzugehen. Für gewöhnlich

schwieg er, oder, wenn es ihm zu bunt wurde, sperrte er sich in seine Kammer

em. Endlich erschöpfte sich seine Ee

duld und als wieder die Bäuerin in gewohnter Weise anfing, erklärte er rund heraus, von dem Hofe nichts mehr wissen zu wollen; das Midei müsse heirathen; er wolle dann die bisherige Hcimath verlassen, damit er nicht sehen müsse, wie seine Hirsche und Rehe von

müßigen Tröpfen, die doch nur da wä-

ren, um einen ehrlichen Menschen zu

argern, zusammengeknallt wurden.

Das Midei hatte ein Gefühl, als wenn sie der Schlag treffen müßte, denn die Spitze der Rede ihres Vaters ging ja auf die Forstleute, welche den Abschuß besorgten. Und sie wollte

einen Forstmann heirathen! Die ersten Minuten wäre sie nicht fähig gewesen, auch nur ein Wort über die Lippen zu bringen; es würde ihr auch schon dadurch unmöglich geworden sein, weil die. sonst ihre Würde wohl bewahrende Bäuerin, wie eine Löwin auffuhr, der man ihr Junges rauben will. Nicht gegen die Verheirathung der Tochter stemmte sie sich, fondern gegen das beabsichtigte Fortziehen. Davon wollte sie nichts wissen. Auf dem Hofe sei sie.

auf dem Hofe bleibe sie. Wenn das

Midei heirathet, was noch gute Weil' und Wege habe, dann wolle sie sich in

den oberen Stock setzen, der von eh- und alterszcit der Raum sei, wo die Gwandtnerbauern nach harter Arbeit

ihr Leben beschlossen hatten.

Sie sprach erregt hin. er dawider.

Endlich kam der Bauer, um eine Aus-

rede zu haben, darauf, zu behaupten.

daß seine Tochter kein Stück Vieh sei. mit dem man thun und treiben könne was man wolle. Das Midei müsse vor allem gefragt werden, ob es heira-

then wolle oder mcht.

(Fortsetzung folgt.)

IT

Ein ocixter Goixnalo.

Ein bekannter Geizhals sitzt Abends

mit seiner Frau auf-der Veranda. Da bricht Plötzlich ein heftiges Gewitter los. Rasch flüchten sie in die Woh-

nun. Da läßt die Frau in der Eile

eine Stricknadel, zu Boden fallen. Sie will ein Zündholz anbrennen, um zu suchen, da meint der Geizhals: , So

wart' doch, bis es blitzt."

?ösMhMM - MtzWlKN,

vandalia Abgang

St. Louiö Spcl., tägl 6.. 1 50vm

Capital Expreß tägl , d.... 7 05 Im

St Louis Ac tägl 7 80V Efsingham Acc, nur Sonnt. . 7 30B

St Louis Lim täglich g ä & bl0 3033m Ch St L Elpreß täglich da. 12 20Xm

et Lomk Erpreß tag! ..8 15A

THä? Essingham Aec tägl. 4 00 Rm

Vt FaS Mail täglich... 8 10

St Louiö Special täglich g..H 3öNm

One. Vittöburg Spcl, täglich . Retr, gork Expreß täglich s. Schneller Mail täglich.. Terre Haute Sffing See tög

xeypoae Expreß täglich da. Atlantic Expreß täglich.. Pittöb Erp, tägl sä".... The m Limited tägl 4 b Piliöburg Spcl täglich s ä

An'unft 3 20V 6 60$ rn 8 003m 10 2533m

2 iOlln 4 46N 6 55Na 7 05 11 25?trn

VincenneS Division.

S,airo & Vimen täglich 8 05Vrn Vincen & grench Lick Exp tgl 10 00V Bineennes Erpreß tägl..12 30Rrn Cairo Erpreß täglichS 155?m A V Ss m m mm .

peneer greney uur e, rg! 4 öSNm VmeenneS Erpreß täglichio SbNo

Cleveland, Cinnnnati, Chicago & Su Tonis Railsay. Lleveland Didisicu.

Abgang

American Erpreß täglich . 4 20Bm 5! S k Lim täglich , d. 7 80Vm Clevland Acco . . . . . 10 4025m

Andersen E;p ...H45Vm

?lS d Lrrn, tägl dg.. 2 46?!m Winona Flyer, p 3 10Nm

Nt Wayne & Slkh Erp tägl 5 40Nrn

Kicknbockn Sv täal d & s. . 559crn Clev'l Tol & Detroit Exp tgl 6 25Nrn

Ot Loniß

Ein, 3ndpSäcStLErptgl,l2

New gork Ltd tägl s . . . 12

St Louis Accorn 7 Southweftern Lim tgl & i. . .11

St Louiö Erpreh, tägl d s.,11

Ct. Louiö Ltd tägläs.. 3 Tene Haute & Mat'n Aee. 5 American Expreß tagl .. 7

Ein

Sin & LouS Nachtexpreß tgl

St LouS & Ein scachterv tg

Cincinnati NachtSpezialtgls

Sineinnatt Exp tag

Cincinnati Flyer tägl p

Cüittnnatl L:m tagl p

SomLsme Expreß

Cincinnati Accorn

Eine & Wash F L tg d ä: p

.

0533m 20Vm 15Vm 06Vm 4523m 15Nm 005km 05Nm

einnat 3 4öVm 4 80Bm 4 45V 7 30vrn 1 OONrn 2 5SNrn 2 55Rrn 4 OONrn S20Nrn

Anknst New Sork Ltd tägl , d.. ..12 1033 Fort Wahne fc Elk Erp tägl 10 3CVm Southwekern Ltd tgl äs... .10 5033m Cleb, Tol & Det Exp tägld 11 30Vrn Anderson Expreß p 2 45Nrn St Louiö Ltd tgl ä s 3 OONrn American Expreß täglich.... 450 Wincna Flyer, p 6 OONrn BHck Union City Accorn. . . 8 !5Rrn Division American Expreß tgl 4 OOVm St L, Ein & Col N Exp tgl d 8 4 20Vm Ct. Louiö Expreß tägl ..... 7 löT'M Mat'n & T Haute Ace.....10 3öm N ö & BoSon Lim tägl d 2 4M Et Louiö Accorn 5 3öNm Washington Erp, tägl p d s. 6 05N nickerbockerSptägld.... S 45Nm i Division. Chicago Nacht Spezial tägl s 2 15Bm EineinnatiAee....10 ZOV Cinc u St L Ltd täg 10 55Vm Chic & St LExpreß tgdckps 11 26vm Lsuö St L & Chickgo Sxpreßll 35Vm White City Spezial tägl p.. 3 OöNm Indianapolis Acc, auög.StgS 6 40Nm Eine & LouiSo Najtekp tgl sll 503? Cine ZndS 4 St 2 Ex tg s..l OOMit

Chicago Divij ion.

Sbieago Nachtexpreß tägl 12 iSVm Chicago Nacht Special 8 tagl 2 2093m

Stanlalet uccora . 7 15Vm Chicago gast Expreß tgl d p 11 4Svm Wbite City Special tägl dp 3 20Rm

öagayette Accorn 5 Z6m

NieZigan

Venton Harboe Expreß.... 7 30Vrn Michigan Mai! Expreß .11 45Vrn

Winona Flyer, p 3 lONrn

Stthart Acc täglich S 40Nrn

Peoria Divi

Sine Nachtexvreß, tägl Cinc Nacht Special, 8 tägl Kankakee Aecorn.... Qttc gafi Erpreß tägl p d La Fayette Äceoni Eine & Wash F L., tägl p Division.? Elkhart Expreß tägl. Benton Harbor Expreß , Winona Flyer, p

Michigan Expreß sion w eftli chZ

3 5SV " 4 4033m ..10 303 z tonn 5 OCX tt 05N

10 3013m 2 45N . .6 OONrn

8 155t

Peoria Expreß täglich .12 1593m EolumduS & ine Exp tgl 3 50Lu Peorik Erpreß & Mall. 7 258m Champaign Accorn ...9 555B Western Expreß täglich p dll 6vm N S & Ohio Special 2 85Nm Champaign Aeeom 5 0051 Peoria Expreß täglich p fc d 6 088

Peoria Division ö ftli ch. Eolnmduö Erpreß tägl.. 6 2l)Vm Lynn Aeeom ,10 0013m Ohio Special tägl 2 50Nm ColumbuS Ezpreß tägl...H 202 Lynn Aeeom.. 8 15Rm-ColumbuS Expreß tägl 12 003211 pittsbnrgtz, Ctncinnatt, Chicago & SU ioms 2X'. Indianapolis Division. Abgang Äaknust PittSburg Special, tägl 3 3513m St Louis Spezial tögl.... .1 45VmColumbuS Aeeom tägl... 7 8vVrn Capital Expreß täglich ä.. . S 66? New Sork Expreß täg, d.. 8 lOVrn St Louis Lim täglich 8 ä d . . 10 ZOT Keyftone Expreß tägl ä & s. 3 06Rm Chic k St L Expreß tgl S .12 ION Atlantic Expreß täglich 5 OONrn Indianapolis Aeeom. .. 12 40Nm S Lim täglich s d 7 lORrn St Louis Expr tägl d & .. 3 OöR Vitteourg Expreß, tägl d.. 7 20N Nimmt keine Passagiere tgl- 053? Pittsburg Spcl tägl s 6.. ..11 80Nm Indianapolis Acc. täg 11 15Nt Chicago D i 0 i f i c n. Chicago Special, tglpd 113553m Southern Expr täglich 3 l5?m Logansport Spezialzug, tägl 7 25Nm Jndpls Mitternacht Sp täg s 6 OONrn Lon & Chi F Expr täglich 11 60Nm Loniöv Spezialzug tägl p d S 40N öonißville Division.

Southern Erpreß tägl 8 3513m Pittö & 2on F 8 tägl 7 20vm Mad Aee nur Sormt. 7 308m Lonisv & Madison Aeee. 8 20Vm Chicago k Song 3 täglich p d S 55m Madison Aeeom tägl 3 65Nm LouiSville Aeeom tägl 7 lONrn Madison Accorn, nur Sonnt 7 lONrn

LouiSv & Madison Aee tägl 10 105? Chic F L tägl p d.. . . . 11 30L LouiSville u. Madison Aee.. ö 405fo LouiSv & Pittöb F täglich 7 005? Madison Aeeomm Sonntags 9 15V Lon & ChiF Expr. täglich, 11.20Rchl

Cincinnati, Hamilton & Dayton R. R. Cincinnati Division. Abgang Anrnxkt Siminaatt Lest täglich. 4 22Cra Cincinnati Beftibnle täglich 2 38S ffaft Mail täglich 8 058m Fafi Mail täglich S 368 Cinc, Toledo, Det Exp p.. .10 4023m Cinc & Chic Exp täglich p.ll 46V Cincinnati & Dayt'n Expr p 3 OONrn Cincinnati VeS täglich d p 3 26N Sin S: Dayton Lim tägl d p 5 OONrn Cine & ZndplS Aeeom p.. 7 055? Ci & Detroit Expreß täglich 6 305?m Cine Spgfild & Dee Ex tg 10 465 Cpringfield (Jll.) Division. Sprwgfield Mall ck Expreß 7 OOVm Cin.ckSpringfield Ex. 8 tügl. 4 OOVm Decatur Accorn., nur Stg... 7 00V Decatur Accorn 103553m Chicago Expreß p ..11 5033m Decatur Accorn.. nur Stg...11 55Vm Decatur Accorn 330Nm Cincinnati Expreß p . 2 50Nm Decatur Accorn.. nur Stg.. . 7 OONrn SprZngfield Mall & Expreß 4 50N Cin.ckSpringfield Ex. tägl.11 OORm Decatur Accorn.. nur Stz.. .11 40Nm

Chicago, Indianapolis & konisville Ry. (Monon Route.) Abgang Antnnft Chit ight Erpreß tägl ... 2 43V Cincinnati Veft tägl s...... 4 12V ffafi Mail täglich s.. 7 008 gaS Matt täglich . 7 60V Sbi Expreß, nnr Sonn pd.. 11 608m Nonon Aee, 9 008 Ch: Sc Mich City Veft dp.. S 85Xm Cincinnati Veft täglich d p. 4 62ftm Moson Aee. . 5 15 So Oia C. H. v. N y., lWeft) nd Noechbale. Cbieago Sxpttß p ....11 605 Cincinnati Erpreß p.. 1 50H

Indianapolis & Southern R y. Temporärer Bahnhos: Wisconsin Straße und Senate Ave. JndianapoliS-Blocrnington. 7 OOArn Bloornington-IndianapoliS . 6 30Nrn

?,dt PiPttiCit. CCktlrCir k. P Dlolcf c