Indiana Tribüne, Volume 29, Number 241, Indianapolis, Marion County, 4 June 1906 — Page 5
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Die graue Kasse.
Roman von Tora Duncker. -m t Fortsetzung.) Vuchberg zuckte die Achseln, dann sagte er liebenswürdig: Aber nun nochmals Dank, Herr Sadus; ich muß ja wohl endlich hinein und an die Arbeit zurück. Dem Herrn Direktor darf ich wohl morgen meine Aufwartung machen? In der Mittagspause, so nach zwölf Uhr, ist die beste Zeit. Aber hier die Hauptsache, Sie haben ja noch immer nickt unterschrieben. Buchbera. Sadus schob dem jungen Zeichner die Papiere hin, die. er zuvor aus der Brieftasche gezogen hatte, gleichzeitig reichte er ihm seine englische Füllfeder. Vuchberg la mit leuchtenden Augen die wenigen Zeilen durch, die ihm die Freiheit gaben und zugleich die Zusicherung eines festen Einkommens von zwölfhundert Mark für eine ihm überaus gering erscheinendeArbeitsleistung. Dann schrieb er mit kräftigen Zügen seinen Namen an das Ende des Blaties. Wenige Augenblicke später saß er über seiner heutigen Aufgabe, die sich um nichts von der der Collegen unterschied, nur daß sie ihm dreimal so schnell von der Hand ging, trotzdem er die oft dürftigen Muster der Teppiche und Stoffe mit seiner blühendenPhantaste füllte und ausschmückte. In der großen gewölbten Küche zu ebener Erde, die einst zu den Vorrathsräumen des grauen Klosters gehört haben sollte, saß Kamilla Prätorius auf der niedern Fensterbank. Unweit von ihr auf einem etwas schadhaften Schemel am Herd hockte Lene Petersen und trug mit geläufiger Zunge ihre Vorschläge für die Sonntagsbewirihung vor. Es war im Städtchen kein Geheimniß, daß die Petersen nur im Nebenamt und nur in ihr besonders nahestehenden Familien kochte. Ihr eigentlicher Beruf bestand in Tafeldecken und Aufwarten, bei dem sie's, wie sie zu sagen pflegte, mit jedem Berliner Servierfritzen" aufnahm. Nicht mit Unrecht. . Die kleine vertrocknete Person mit dem schleppenden Gang und den unwahrscheinlich großen Händen und Füßen war eine hervorragend geschickte und geschmackvolle Bedienerin. Die ganze Stadt riß sich um sie. Bei keiner Hochzeit, bei keiner Kindtaufe, bei keinem Fest durfte Lene Petersen fehlen. Sie arrangirte, dirigirte und commandirte. Es war eine förmliche Lust zu sehen, wie all die tausend kleinen, scheinbar nebensächlichen Dinge, die einer Hausfrau die meiste Pein zu . bereiten pflegen, wie am Schnürchen fingen. Jetzt war todte Zeit. Das letzte Brautpaar des Städtchens war schon um Anfang Mai in der alten Marienkirche getraut worden, der letzte vorerst zu erwartende Täufling aus der Hautevolee" hatte bald nach Ostern sein Tauffest gefeiert, Gesellschaften gehörten um Ende Mai zu den Seltenheiten. so konnte Lene Petersen es durchaus verantworten, ihre kostbare Zeit dem Prätoriusschen Hause zu widmen. Sie hätte es im übrigen auch dann gethan. wenn das Geschäft flott im Gange ge Wesen wäre. Sobald Kamilla Prätorius mit einem Anliegen kam, gab es für die Petersen nichts Wichtigeres zu thun, als dieses Anliegen zu erfüllen. Die kleine, von der Natur so stiefmütterlich ausgestattete Person trieb einen förmlichen Kult mit dem schonen, eigenartigen Geschöpf. Hatte sie das einsame Kind bemitleidet, das in dem großen verlassenen Hause allein mit dem tollen, selbstsüchtigen Vater hQUsie, so betete sie das herangewachsene Madchen um seiner Schönheit und stillen Herzensgüte willen an. Es gab nichts auf der Welt, was Lene Peter sen nicht für Kamilla Prätorius zu thun imstande gewesen wäre. Hatte die gutherzige kleine Person nicht für ein paar Geschwister zu sorgen gehabt, sie würde zweifellos ihr einträgliches Gewerbe langst an den Nagel gehängt und Kamilla die Zügel der Prätoriusschen Wirthschaft sehr energlich aus den feinen, schlanken Händen entwunden haben. - . Wie immer, wen es Kamilla aalt. war sie auch heut besonders eifrig bei der Sache. Wahrend ste die bewun Bernden Augen auf dem Mädchen ru ben ließ, das sie in besonders beaeister ten Stunden mit einer Lilie verglich, t k r r iff"ti . t Die oem tounipf eniomyi in, wieoerholte sie noch einmal: Also so ein Awischendings zwischen Frühstück und Mittagbrot. Ganz recht, liebste Lene, aber ich fürchte, was Sie vsrgeschlagen haven,'wird zu theuer sein, viel zu theuer. Die Petersen schüttelte sehr ener aisch den kleinen Kopf mit dem leicht angegrauten fahlblonde Haar. Keine Spur, laßt sich großartig einrichten. Bouillon mit Mark in Tassen das Rindfleisch essen Sie Montag so und Dienstag als Bouletten . gefüllte Pastetchen kosten 'nen Pappenstiel, so wie ich s.e Ihnen zusammen besorge. Spargel Kamilla machte eine erschrockene Bewegung. Lene Petersen beschwichtigte. Da sein Sie man nicht vanae vor, Frauleinchen 'die stech ich binten in meinem (sarttn, uno wenn es venn tfi . ,'
sagte sie: Papa wnd zusrieoen ,e. - ich finde es viel zu üppig. - I wo denn, wenn der Herr aus.Berlin kommt was soll man denn für n Begriff von uns kriegen? Sie war aufgestanden und hatte sich vor Kamilla ganz nah an die Fensterbank gestellt. Natürlich, murmelte sie halblaut, wenn man was los werden will, ist es immer gut, dem Käufer ein bißchen 'Honig um den Mund zu schmieren, ihn bei guter Laune zu erhalten, und Männer werden stets bei Laune erhalten, wenn sie was Gutes zu essen kriegen. Glauben Sie der alten Petersen, die weiß Bescheid in der Welt. Und wie ist es mit dem Trinken? Den Wein nehmen wir wohl am besten aus dem Rathhauskeller?
Kamilla verneinte lächelnd. Gott sei Dank, sagte sie mit einem Seufzer der Erleichterung, Wein haben wir noch im. Keller. Bordeaux und Rhemwein. Ich habe ihn fest unter Schloß und Riegel gehalten. Er stammt noch noch vom alten Treskow her, der hak mal eine verlorene Wette an den Papa damit bezahlt. War em honoriger Mensch, oer alte Treskow, der letzte von der ganzen Bande hier herum, der was werth war.. Mitten in diese letzte Rede der Petersen hinein schlug es sieben vom Thurm der Marienkirche.' Ohne auf die Sprechende zu hören, war Kamilla förmlich erschreckt aufgesprungen. Sie legte beide Hände auf die etwas sichte sen Schultern der alten Freundin, und zu ihr hinabsehend, sagte sie bittend: Hatten Sie wohl noch em halbes Stündchen Zeit für mich, liebste Lene? Ich. nämlich ich erwarte Besuch ein helles Roth scheuer. Freude flog über das Gesicht des Mädchens. Lorenz Buchberg kommt, und der Papa sah's sicherlich nicht gern, wenn ich mit ihm allein im Hause wäre und dann Lachend ergänzte Lene, soll der Herr Bräutigam auch einen anständigen Happen zu essen kriegen, ist's nicht so? Kamilla nickte zustimmend. Ganz bescheiden natürlich ich dachte Das lassen Sie nur meine Sorge sein, Fräulein Prätorius. Wann soll denn gegessen werden? Zwischen acht und halb neun, liebe Lene wenn Sie das einrichten könnten. Sie müssen sich dann aber auch mit uns zu Tisch setzten, sonst kann ich Lorenz nicht bitten, bei mir zu speisen. D'e Kleine zierte sich nicht überflüssig. Sie hatte schon an manchem Herrentisch gesessen. Wohl, wohl, wenn Ihnen ein Gefallen damit ge schieht. Danke schön, ein sehr großer, ja. u. dann noch etwas, liebste Lene, wenn Sie mit dem Papa noch zusammentreffen sollten, bitte sprechen Sie von Lorenz Buchberg nicht als Bräutigam oder Schwiegersohn. Der Papa ist dann gleich so verstimmt und heftig. Er maa noch immer nichts von einer offiziellen Verlobung hören, setzte Kamilla gepreßt hinzu. Die Petersen bewegte Verständnißvoll den Kopf.' Obwohl sie für Mangold Prätorius nicht allzuviel übrig hatte, vermochte sie ihm in diesem Punkte nicht ganz unrecht zu geben. Nichts zu nichts gibt wieder nur nichts, und in ihrem praktischen Sinne wünschte sie ihrem Liebling vor allem ein sorgenfreies Leben und kein Dasein verdoppelter Sorge, denn den Vater würde Kamilla in der Ehe schwerlich los werden. Im übrigen versicherte sie dem jungen Mädchen, daß sie mit Herrn Prätorius sehr feierlich nur von Herrn Buchberg sprechen werde. Dabei nahm sie einen kleinen schwarzenSchul terkragen um, den sie trotz der noch im mer andauernden großen Wärme über dem braunen, weißgetupsten Merino leide trug. Während sie sich von Kamilla veraöschiedete.um noch ein paar Einkäufe für den Abendtisch zu machen, wurden in der Grauen Gasse dicht neben den dicken Elsenstaben vor Den u chenfenstern rasche, leichte Schritte laut. In Kamillas ernsten Augen leuch tete die Freude auf. Schnell, Lene, laß Herrn Buchberg herein, aber bitte ihn gleich in den Garten, dort hab' lch den Tlsch schon für uns drei ge deckt. Der Garten war ein rings von nie derm Gemäuer umgebenes Viereck in klosterlichem Stil. Er war zahrzehn telana vernachlässigt, ja' verwüstet ae wesen, und erst Kamillas Mutter hatte ihm in den zehn Jahren ihrer Ehe wie der Pflege und liebvolle Sorgfalt zu theil werden lassen. Kamillas früheste und liebste Kind heitserinnerungen knüpften sich an die sen Garten, in dem die Mutter sie auf dem Schoß gehalten und ihr Märchen erzählt hatte und wieder und immer wieder von den Nonnen, die im grauen Kloster am grauen See gehaust und von Jugend an ihr ganzes Leben dem Dienst des Herrn geweiht hatten. Spater hatte Kamilla aus dem , dichten Efeugewinde, das die Mauer überspann. Kränze flechten dürfen, und noch später war sie der Mutter beim Gießen der Beete oder beim Auspflu le! oder Huhner durchaus nicht sein soll, muß es eben beim Kalbsbraten bleiben und statt der süßen Speise oder Eis fn bißchen was zu knabbern , und Eingekochtes nach. Kamilla seufzte ein wema beklom men auf. Nach einer kleinen Pause
: ' r" ' - Jndiana Trwüne, Juni 190G,
blanken Blatter und die noch sestgeschlossenen Knospen der Wasserrosen an ihren langen schlauchartig?n Stielen. Ueber das Wasserbecken hinab hingen die noch lichtgrunen Zweige einer köstlichen Hängeesche. Rings unter den feuumzogenen Mauern blühten, in schmalen Rabatten sauber eingehegt, etwas blaßfarbene Frühlingsblumen, die emen femen, fußen Duft entsandten. In dem östlichsten Winkel deö Dreiecks stand sogar em kleiner Kirschbaum in Blüthe, unter den Kamilla das schmale gedeckte Tischchen und drei Stuhle geschoben haite. Ein paar aus Baumstämmen roh zusammengefügte Sitze standen versteckt unter ver Hangeesche am Wasserbecken. Dies war an warmen Tagen Kamillas Lieblingsplatz. Bei kühlem Wetter hatte Mangold Prätorius. feiner blassen, schmalwangigen Tochter den Ausenthalt m dem kleinen sonnenlosen Geviert aufs strengste verboten. Während Kamilla die Peterfen aus der Küche geschickt hatte, damit sie Lorenz Buchverg ins Haus lasse, war sie selbst auf dem schnellsten Weq über den Hof und durch die kleine KlostergartcnPforte, zu der sie den Schlüssel stets in der Tasche trug, noch vor dem Geliebten in den Garten gelangt. Einen Augenblick saß sie unter der Esche Nieder, ehe Buchberg vom Hause her eintreten konnte. Sie war jetzt öfters in den warmen Tagen leicht ermüdet und gliederschwer. Vielleicht kam-die Müdigkeit auch von dem angestrengten Denken her, mit dem sie sich den Kopf zerbrach über alles, was nun wohl kommen möge, wenn der Herr ausBerlin das alte Haus ihrer Voreltern wirklich kaufen sollte, oder von der geHeimen Angst, die ihr von Zeit zu Zeit die Kehle zusammenpreßte bei dem Gedanken, fortzumüssen aus der Grauen Gasse, in eine unbekannte Zutast, in der kein altes dickmaueriges Heimathhaus und kein Lorenz Buchberg war. Oben vom Hause her knarrte die alte Treppe, die zu dem Garten herunterführte. Da sprang sie auf. Leicht und elastisch, mit einem freudigen Leuchten im Gesicht, lief Buchberg die Stufen herunter und her bis zu ihr, die hart am Rand des Beckens stehen geblieben war. Er ergriff sie bei beiden Händen und drehte sich rasch und lustig mit ihr im Kreise. Milla. rief er, Milla, ich bin der Glücklichste der Sterblichen. " Und ohne auf ihre stumme, verwunderte Augenfrage Antwort zu geben, schloß er sie in den Arm und küßte sie, daß ihr die heiße Gluth in 'die Mangen stieg. Ein wenig befangen, machte sich Kamilla von Buchberg los. Du bist ja ganz toll, Lorenz. Was hat's denn gegeben? Er faßte sie um den Nacken und küßte sie zwischen Ohrläppchen und braunem Lockengekraus auf den blendendweißen Hals. Bin ich auch, Milla, ganz und gar toll. Er wirbelte sie noch einmal im Kreise herum. In zwei Wochen bin ich ein freier Mann, dann ade für immer Frohnarbeit und Musterzeichnerei, , Fabrikstunden und Kulidienst, Gewerbe und mechanische Druckerei. Ein freier Mann und bald ein freier Künstler. Milla, ach Milla, ach Milla! In überquellender Freude preßte er ihre Hände wie in einem Schraubstock zusammen. Sein Athem kam und ging wie ein Stöhnen aus übervoller Brust. Kamilla hatte halb entzückt, halb befremdet und mit einem leise wehmüthigen Gefühl, das sie nicht aufkommen lassen wollte, auf Vuchberg gehört. So hast du's erreicht, Lorenz, so schnell und für so bald! Gott sei Dank für dich! Sie lehnte sich einen Augenblick, wie erschöpft von einer unsichtbaren Anstrengung, an seiner Schulter. Dann zog er ihren Arm durch den seinen, und langsam in dem kleinen Geviert auf- und abwandernd, erzählte er der Geliebten, wie großherzig man seinen Wünschen entgegengekommen war. Fast wörtlich gab er in seiner muntern leichten Art die Unterredung mit Sadus wieder; nur daß er dem Geschäftsleiter ihr Bild überlassen hatte. das er bisher nicht einmal ihr selbst gezeigt, verschwieg er ihr. Er fühlte instinktiv, daß es gerade jetzt, wo das Scheiden, so nahe bevorstand, Kamilla verletzen müsse, daß er sich so ohne weiteres von ihrem Bilde getrennt habe. Oesters schon hatte die feine Seele deö Mädchens um Dinge gebebt und gezittert, die ihm, ehe er sie ausgesprochen und ihre Wirkung auf sie erprobt hatte, harmlos und selbstverständlich erschienen waren. Jetzt in den letzten Tagen vor der langen Trennung wollte er auf der Hut sein, ihr ganz gewiß nicht wehe thun. Ihr blieb für die nächste Zukunft ja der weitaus schwerere Theil: das thatenlose Warten auf cken trockn Blätter und' Zweige behülflich gewesen. Was die Mutter unvollendet gelassen, hatte Kamilla fortgeführt. So eng und klein der Raum war, so wenig Sonne ihm vergönnt war, wer ihn jetzt, zumal un einem warmen Sommerabend wie dem heutigen, betrat, mußte seine Freude daran haben. Mit murmelnden Geplätscher durchrauschte seine klösterliche Stille ein in Stein gefaßter Quell, der sich in ein rundes, tiefes Becken mit breitem Steinrand ergoß. Auf dem kleinen klaren Wasserspiegel wiegten sich die
ihn in tfern alten, arauen. einförmiges
Hause, während ihn die Arbeit und das bunte Leben rief. Langsam im Umherwandern waren sie auf den beiden Baumsesseln unter der Esche niedergesunken. Wunder voll frisch stieg .vie Wasserkühle zu ihnen auf. Fast dunkelte es schon unter dem hängenden Laubgewirr. Kamilla athmete auf. Halb abgewendet von ihm saß sie da. Das dichte, dunkelnde Gezweia versteckte sie vor seinen Blicken. Sie brauchte nicht mehr ZU lächeln über sein Glück, der Thr'ane nicht zu wehren, die langsam und icywer rn ihren Augen aufgestiegen war. Ohne auf ibr plötzliches Schweigen zu achten, erzählte Lorenz fort von seinen Zukunftsplänen. Nach München wollte er gehen und dort zu einem der ersten Meister in die Schule. Ganz ausleben wollte er sich ein paar Jahre und dann als fertiger Mann und Künstler vor ihren Vater treten. Dann. wenn er wieder m die Graue Gasse kam, würde Mangold Prätorius andere Augen zu seinem Werben machen, als er es heut zu thun beliebte. - Kamilla hatte sich wieder zu ihm gewandt, nachdem sie rasch mit der äußern Fingerfläche über die Augen gefahren war. Mit wehmüthigem Lächeln meinte sie: Wer weiß, ob du uns dann noch in der Grauen Gasse findest, Lorenz. Papa hat Herrn Schellbach zum Sonntag hergeladen. Kommt der Kauf zustande, so heißt es eine andere Statte suchen. Buchberg beugte sich durch die Zweige zu ihr herüber und fuhr mit der Hand liebkosend über ihr welches, köstliches Haar. Es geht dir nahe, Kamilla, heraus zu müssen aus dem alten grauen Kasten? Ich weiß es wohl. Doch wär's ein Glück für euch, wenn dieser Schellbach ihn kaufte. Gewiß wäre es das, erwiderte Ka milla ruhig. Vor allem muß der Vater Ruhe bekommen vor seinen Gläuoigern, wenn er sich selbst auch sträubt und es im letzten Augenblick Mühe kosten wird, ihn zu überreden. Dabei stand sie auf und trat aus der grünen Wildniß in den noch hellen Abend hinaus. Du wirst hungrig sein, Lorenz. Ich will gleich mal sehen, ob Lene Petersen mit ihrem Souper für uns fertig ist. Er sah ihr nach, wie sie zu der kleinen klösterlichen Pforte schritt. Sein Künstlerauge weidete sich an den weichen Linien der schlanken, biegsamen Gestalt, an der köstlichen Haarfülle, die ihr in dem feinen Nacken lag, an der r vornehmen Bildung des feinen Köpfchens. Ein leiser Seufzer stahl sich über seine Lippen. Aber es lag nichts Sehnendes, Begehrendes in diesem Seufzer, der eher einem Aufseufzen der Befreiung glich. Frei!" das war der Gedanke, der ihn ganz erfüllte. Frei sein auch von dem Weibe, das er liebte. Ganz seiner Kunst und sich selbst leben; heraus aus allem, was ihn hier beengt und bedrückt hatte. Ein neuer, ein ganzer Mensch! Er reckte die Arme ein wenig, dann schlang er sie im Rücken ineinander, und langsamen Schrittes in dem kleinen klösterlichen Garten auf- und niedergehend, träumte er eine Zukunft, in der nur Raum für seine ehrgeizigen Wünsche war. Schellbach hatte in einem zusagenden Telegramm die Aufforderung von Mangold Prätorius angenommen, die Bauten und das in Frage stehende Gelande am, Sonntag einer Besichtigung zu unterziehen. Mit dem Berliner Einuhrzug wollte er eintreffen. Kamilla. hatte ihrem Bater zugeredet. den ortsunkundigen Gast amBahnhos zu empfangen, aber er hatte nichts davon wissen wollen. Einstweilen geht mich der Kerl noch gar nichts an, hatte er grob geantwortet, sehr fraglich, ob ich mich überhaupt zu dem Geschäft entschließe. Dabei war's geblieben. Auch um die Anordnung des- Gabelfrühstücks hatte er sich nicht weiter gekümmert, nachdem er von Kamilla erfahren, daß Lene Peterfen die Sache in die Hand genommen habe. Er konnte die dmpelige alte Jungfer" zwar persönlich nicht.ausstehen, nachdem sie vor Jahren die Frechheit gehabt, ihm wegen seiner Vernachlässigung Kamillas gehörig die Meinung zu sagen, aber auf ihre Kochkunst u. sonstigen einschlägigen Fähigleiten verließ er sich durchaus. Sie würden im ganzen sechs Personen bei Tische sein, außer dem Hausherrn, Kamilla und dem Berliner Gast, Lorenz Buchberg, die alte Steuerräthin von Koppe, eine ganz entfernte Verwandte der Prätorius, die bei feierlichen Gelegenheiten für die Repräsentation zugezogen wurde, und Mangold Prätorius' augenblicklicher Intimus, Inspektor Drehse, der am vorigen Ersten in Groß-Dochow an die Luft gesetzt worden war. Zurzeit lief er stellenlos im Städtchen umher und that das Seine dazu, Mangold Prätorius in seinen verkehrten Anschauungen zu bestärken. (Fortsetzung folgt.) Nicht aus der yanung zu brinaen. Einheimischer (zum Kastellan, .der ihn in einem historischen Gebäude geführt): .Gern würde ich Ihnen ein Trinkgeld geben, wenn ich nicht wüßte, daß Sie Temperenzler sind!" Kastellan (die Hand hinhaltend): Das macht nichts meine Alte trinkt!' ' . - .
B o-m Rek to r -uwv von
der Unversität Rom wurde kürzlich das öOiäbriae Lebriubiläum des Physikers Professors ' Pietro Blaserna' gefeiert. Der Rektor Professor Tonelli . und der Unterrichtsminister Boselll ehrten . den Jubilar durch herzliche Ansprachen, m denen, sie seine Thätigkeit als Physiker rühmten. Unter den Glückwunsch-Depeschen befand sich auch eine der Königin Wargherita. Im physikalischen Institut wurde eine Bronzebüste des Gefeierten enthüllt. JnNizza hat man dieser Tage einen seit zehn Jahren gesuchten Cigarren- und Tabak-Schmugg-ler vornehmsten Stils auf frischer That ertappt und verhaftet. Sein Geschäfts - Umsatz soll 20,000 Kilo Tabak im Jahr betragen. Herr John,' auch Giaume (bald war er Engländer, bald Franzose), wie er .sich nannte, hatte mehrere Reisende", die von der Schweiz und Deutschland ununterbrochen Mit doppelbödigen Kosern reisten und auch oft ganz plombirte Kisten durch Bestechung unvisitirt abzuliefern verstanden. Ein schlecht bezahlter Gehilfe zeigte die Sache an, in die mehrere standtoekannte Persönlichkeiten verwickelt sind. Ein Abkommen z w ischenDeutschland und Norwegen ist in der Frage der Regelung der drahtlosen Telegraphie mit der Einschrankung getroffen, daß es so lange Geltung haben soll, bis die Frage durch eine internationale Conferenz endgültig geregelt wird. Danach ; sind alle Stationen für drahtlose Telegraphie an den Küsten oder auf Schiffen versuchtet, die telegraphischen Mittheilungen ohne Rücksicht auf das von ihnen zur Anwendung gelangende System auszuwechseln, gleichviel ob die Stationen vom Staat oder privaten Personen betrieben werden; die beiden Länder verflichten sich serner. in die an Private zu ertheilenden Concessionen die Bestimmung aufzunehmen, daß der Concessionsinhaber sich allen Regeln zu unterwerfen hat, welche von der internationalen Conferenz beschlossen und von dem betrefsenden Lande aufgenommen werden solltn. - . Daß ein ganz st ein ernes Wohnhaus gestohlen wird, ist in Amerika schor, vorgekommen, in Deutschland aber ist wohl die Stadt Halle die erste, in der sich ein solcher Fall ereignet hat. Das zweistöckige, massive Gebäude an der Wörmlitzerstraße, das zuletzt unvermiethet geblieben war, kam jüngst durch Erbschaft an einen Herrn aus Berlin. Dieser Tage langte er in Halle an, um Haus und Garten zu besichtigen; aber nur der Garten war noch da, das Haus blieb trotz allen Spähens .verschwun den. Nachforschungen ergaben, daß ein sogenannter Abbruchsunternehmer. Namens Franz Block, das Haus weggerissen hatte, nachdem er der .Polizei ordnungsgemäß Nachricht gegeben und die Aufstellung eines Bauzaunes bewirkt hatte. Freunde waren ihm, der schon mal mit dem Zuchthaus Bekanntschaft gemacht hat, in seinem neuen Geschäft als AbbruchUnternehmer behilflich gewesen, auch beim Versilbern der Thüren, Fenster, Oefen, Balken und Steine. Jetzt sitzt der originelle Spitzbube hinter Schloß U..V Riegel. Die russische Marineverwaltung hat einer französischen Werst in Havre den Austrag zum Bau einer Hochseetorpedobootserie gegeben, womit nun zum ersten Male in Frankreich für Rußland diese Art Kriegsfahrzeuge zum Baue gelangen. Bon dieser Serie sind bereits drei in der Elbmündung eingetroffen, die dann durch den Kaiser - Wilhelm - Kanal nach der Ostsee weiterfahren.' Diese drei Torpedoboote fuhren unter französtfcher Handelsflagge und hatten auch durchweg nur französische Werftmannschüften an Bord. Die Abnahme der Fahrzeuge seitens der russischen Marineverwaltung erfolgt erst bei der Ankunft im russischen Kriegshafen Libau. .Diese neuesten russischen Hochseetorpedoboote haben ein Deplacement von 330 Tonnen, sind also noch etwas kleiner als die ersten modernen Hochseetorpedoboote der deutschen Marine. Ihre Armirung besteht in fünf 4.7-Centimeter- und einer 7.5Centimeter - Schnellfeuerkanone. Im Uebngen fallen sie durch vier mächtige, hoch vom Deck emporragende Schornsteine sehr auf. : evirii m i ri il liaci (3 I U n O. fängnißdirektor: Drei Jahre haben Sie sich gut geführt und nun sind ie doch wieder hier, Huber? Straf-, ling: Ja, meine Schwiegermutter ist zum Besuch gekommen! Zweierlei. .Ihre Kritik deö gestrigen modernen Bühnenstückes habe ich gelesen. Sagen Sie mir nun auch. Herr Doktor, wie hat es Ihnen gefallen?" r .
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