Indiana Tribüne, Volume 29, Number 240, Indianapolis, Marion County, 2 June 1906 — Page 7

Indien Tribüne, 2 Juni 1000.

Verworrene Wege

lloman 5 VC1 Alfred Sassen J (Fortsetzung.) Durch Berthold Schönholzers umsichtige Vermittlung war ihr aber ein neues Heim geschenkt worden, still und abgeschieden wie das alte. In dem Häuschen, das gleichfalls ein Garten umhegte, wohnte nur noch ein älteres, kränkliches Ehepaar, das selten seine vier Wände verließ, und mit dem das junge Mädchen nur in so weit in einem gewissen Verkehr stand, als sie diesen Verkehr selbst suchte, wenn ihr mitfühlendes Herz sie einmal antrieb, nach dem Befinden der alten Leute zu fragen. Olga ging aufräumend in ihrem Zimmer umher, das angefüllt war von den alten, liebvertrauten, durch Mutierhand geheiligten Möbeln. Eben waren einige' Schülerinnen fortgegangen, die das junge Mädchen in ihrer feinen Kunst her Seidenstickerei unterrichtete. Nach der Entfernung der lebhaften, übermüthigen Dinger schuf sie in dem stillen Gemach die alte Ordnung. Die Fenster standen weit offen, da die September-Sonne noch sommerlich warm schien. Jetzig in ' der frühen Nachmittagsftunde, brach ihr Licht in breiten, goldenen Strömen herein in das trauliche Zimmer. Als Olga mit ihren anmuthigen Bewegungen an einem der beiden Fenster vmüberkam, ''schüttete die Sonne ihren Glanz auch über das junge Gesicht hin, und es sah hinreißend schön aus in dieser Beleuchtung, strahlend in voller, blühender Lebensschönheit. Ohne di: himmlische Lichtfülle freilich, machten die zarten, lieblichen Züge einen tiefernsten Eindruck doch nach den zurückgebliebenen, tief gegrabenen Cpuren einer übergroßen Verzweiflung suchte man vergebens darin. Und eine solche Verzweiflung mußte die holde Gestalt doch ohne Zweifel niedergeworfen haben, als sie aus Vertholds Munde den Bericht über das furchtbare Ende des Geliebten hatte cm hören müssen - Es war dem jungen Mädchen da mals seltsam ergangen. Sie hatte sich' und ihren Seelenzustand in der ersten Zeit selbst nicht begriffen. Wenn sie sich auch unmittelbar nach' der Schreckensbotschaft einen ganzen Tag in ihrem Zimmer eingeschlossen gehalten hatte, so war sie trotzdem keine Beute eines uferlosen Schmerzes gewesen. Sie hatte keine Thränen gefunden nicht im Anfang und auch später nicht. Nur eine große Starrheit hatte sich über ihre Seele hingebreitet eine Starrheit jedoch, unter der sie nicht so eigentlich litt, die ihr nicht das Blut in den Adern zu Eis gefrieren ließ und jede Lebensregung unterband. Erst später hatte sie sich über ihren Zustand Rechenschaft geben können: mit dem Tod des Geliebten war gleichsam der Zauber in sich selbst zusam mengesunken, den der Lebende mit seiner ungewöhnlichen Schönheit und seinen ungewöhnlichen Schicksalen so allmäliz auf sie ausgeübt. Ja, es mußte so sein, eine Art von Verzauberung war ihre Liebe zu ihm gewesen, und als Egon aus dem Leben geschieden war, erwachte sie aus dieser Verzaubering und fand sich langsam in die Wirklichkeit zurück. Gewiß versagte sie ihr heißestes Mitgefühl seinem tragischen Ende nicht, allein sie hatte zugleich die Empfindung, als habe er in Wahrheit jener anderen, die ihn an ihrer Seite in den Tod gerissen, mit viel größerem Rechte angehört, "als ihr und es war beinahe wie eine Verzichtleistung, zu der ihr Gerechtigkeitsgefühl sie antrieb, mit der sie ihre Seele löste von dem Schatten des einst so geliebten Mannes. Tapfer suchte sie sich dann mit ihrer Zukunft auseinander zu setzen. In der Arbeit das Leben überwinden darin mußte sie ihr Loos zu erblicken suchen, und sie schreckte nicht vor der Einförmigkeit zurück, die ihr auf dem Weg. den es einzuschlagen galt, zur Seite wandeln würde. Jener stille, selbstverständliche Lebensmuth, den ihre arme, viel' geprüfte Mutter so oft hatte erproben müssen, schien ihr als Erbtheil überkommen zu stin. Als sie heute nach dem Weggang ihrer Schülerinnen sich eben wieder zur eigenen . Arbeit niedergesetzt - hatte, klopfte es, und Frau Schönholzer überschritt die Schwelle. Olga ging ihr mit erhelltem Gesicht und ausgestreckten Handen entgegen ? . Sie stutzte jedoch, als sie den ernsten, bekümmerten Ausdruck in dem runden. blühenden Gesicht der mütterlichen Freundin bemerkte, und fragte hastig: Sfe kommen nicht mit guten Nachrichten ? Ich kann mir ünken Nun ja, di: schreckliche Streikangelegenheit," seufzte Frau Schönholzer und brachte ihre stattliche Fülle in der gewohnten Sofaecke unter. '.Es wird heute wahrscheinlich zu einer Entscheidung kommen. Berthold hat sämmtliche Arbeiter . auffordern lassen, sich heute in der fünften Nachmittagsstunde im Fabrikhof einzufinden. wo er ihnen noch einmal eine Rede halten und die endgiltigen Beschlüsse seines Chefs mittheilen will.., Der.Hev hält es. übrigens noch immer nicht für nöthig, aus

der Schweiz, wo er 'seiner angegriffenen Gesundheit halber umher reist, hierher zurück zu kehren. Er behauptet, mein Sohn vertrete ihn so gut, als ob er selbst anwesend sei. Na, da hat er ja wohl recht ? aber ich fürchte, daß es bei der heutigen Versammlung sehr ernst zugehen wird. Berthold hat mich nämlich von zu Hause fortgeschickt er sagte, der Gedanke, ich könne an's Fenster treten und zuhören, würde ihn befangen machen und aus seiner Ruhe bringen. Und nun muß ich hier in der Angst sitzen, es kann etwas Passiren und ich bin nicht da " Es wird ganz gewiß nichts geschehen beruhigte das junge Mädchen mit der weichen Stimme die bekümwerte .Frau. Die Arbeiter lieben ihren Direktor, und wenn sie auch dem Besitzer der Fabrik feindlich gesinnt sind, so werden sie das doch keinesfalls

Herrn Berthold entgelten lassen. Nein, nein, Sie brauchen sich nicht zu ängstigen Frau Schönholzer sah mit einem schwer zu beschreibenden Ausdruck starr an Olga vorüber, als sie nach emem kurzen Schweigen von neuem begann: Es ist ja auch nicht das allein, was mich so aus der Fassung gebracht hat. Verthold machte mir heute Morgen eine ganz überraschende Mittheilung er ist bei seinem Chef schon vor einiger Zeit um seine Entlassung eingekommen und will eine Stellung annehmen, die man ihm, weit von hier, im Westf'alischen angeboten hat " Die Sprechende hielt mne und blickte nun doch verstohlen auf das junge Mädchen, das langsam blaß geworden war und mit unsicherer Stimme fragte: Sie wollen von hier fortgehen ? Ich ganz gewiß nicht ereiferte sich Frau Schönholzer. Wenn es auf mich ankäme m alle Ewigkeit blieben wir da! Unsere schöne Wohnung, in der wir so ungenirt leben aber auch so vieles andere! Und nicht zuletzt, daß wir Sie, liebes Kind, im Stiche lassen müssen " Olga von Zernwitz machte eine unruhige Bewegung und sagte hastig: O, ich würde nie zugeben, daß Ihr Sohn auf mich irgend welche Rücksicht nähme, wenn er euch " sie brach in verlegenem Stocken ab. Wenn er auch gelobt hat, Ihnen stets freundschaftlich zur Seite zu stehen." vollendete die alte Frau solut den angefangenen Satz. Was diesen Punkt anbelangt, so hat Berthold darüber seine eigenen Ansichten, mit denen ich keineswegs so ganzund gar einverstanden bin. Er ist, wie er mir sagte, der Meinung, .Sie hätten , Ihr neues Leben mit so energischen Händen angefaßt, liebes Kind, daß Sie in Zukunft kaum noch eines Berathers bedürften oder auch, wenn er von hier fort gehe, halte er sich selbstverständlich für verpflichtet, auf jeden Ruf Ihrerseits sofort herbei zu eilen und " Ein solcher Ruf wird nichts an ihn ergehen niemals" fiel Olga rasch ein. Denn ich werde mich stets bemühen, wie Ihr Herr Sohn von mir ja auch erwartet, allein mit dem Leben fertig zu werden." Frau Schönholzer sah recht enttäuscht aus. Sie mochte auf eine andere Antwort gehofft haben. Nachdenklich senkte sie einen Augenblick den Kopf auf die Brust, dann legte sie mit einem plötzlichen Entschluß ihre breite Arbeitshand auf lie zarten Finger des jungen Mädchens, das sich neben sie auf das Sofa gesetzt hatte, und rief: Wir wollen nicht Bersteckens miteinander spielen. Mein Sohn hat das heute Morgen mit mir auch versucht aber es bat ihm nichts geholfen. Als Grund, weshalb er die neue Stellung annehmen wolle, hat er mir angegeben, er siehe sich in pekuniärer Hinsicht bes-ser.-Nun weiß ich aber ganz genau, daß er aus Verhältnissen, die ihm lieb geworden sind, nicht ohne weiteres fort geht, weil ihm anderswo eine Hand voll Geld mehr geboten wird. Und Sie. liebes Kind, kennen ihn auch von der Seite, nicht wahr? Der wahre Grund, weshalb er von hier fort will, ist also ein anderer. Ich hab' ihn bald genug errathen und ich meine, auch Sie, liebes Fräulein Olga, kennen ihn. wenn Sie aufrichtig gegen sich selbst sein wollen " Das junge Mädchen antwortete nicht. Ihr Gesicht war jetzt bis zur Farblosigkeit erblichen mit fest geschlossenen . Lippen blickte sie vor sich nieder. Frau Schönholzer wartete ein Weilchen. dann fuhr sie in gedämpftem Tone fort: Sie wissen es ganz gut! Mein srmer, großer Junge liebt Sie, hat Sie von jeher, geliebt, und nun wiÜ ihm diese Liebe, die er für hoffnungslos hält, wohl über den Kopf wachsen,,und darum will er fort fliehen will er ja, ja, so ist es! Und da kommt eine arme Mutter, die mit ihrem Jungen fühlt und leidet, zu Ihnen, liebes Kind, und fragt: ist seine Liebe witf lich so ganz, hoffnungslos ?" Das junge Mädchen machte sich sanft vörf den Händen der alten Frau los, erhob sich und schritt vom Sofa fort, hin zu einem der Fenster. Da stand sie eine Zeit lang regungslos und blickte in den herbstlichen -Garten hinunter. Als sie' sich endlich wieder in3 Zimmet zuräck wandte, sprai aus ihren Zügen eine stille Wehmuty. aber zugleich auch jene Festigkeit, die vor dem Aussprechen des ' nothwendigen Wortes nicht zurückkebt. Ich will ganz offen sein,- sagte sie mit leicht umflorter Stimme. .Als ick

mich vor einem, Jahr nach Egon Rüttenauers jähem Tode in die Lage versetzt sah, meine einstigen Zukunfts Hoffnungen endgiltig zu begraben, hat Mich die Furcht, allein durch das Leben gehen zu müssen, nicht niedergewarfen ich habe allem Kommenden gefaßt und muthig entgegen geblickt. Hindern konnte ich jedoch nicht, daß sich dann und wann Stimmungen einstellten. in denen ich in unwillkürlicher Selbstvergessenheit die Hand ausstreckte, wie um eine andere zu erfassen, die mich als kraftvolle Stütze und in sorgendem Behüten durch das Dasein geleiten möge und da ist wohl auch das Bild Ihres Sohnes, liebe Frau Schönholzer, manchmal vor meiner verträumten Seele erschienen. Aber eben weil ich um seine große, starke Liebe für mich wußte, habe ich das Bild stets verbannt. Ich vermöchte seine Empfindung nicht so zu erwidern, wie sie es verdient und ihm ein freundschaftliches Almosen darzureichen, das hielte ich seiner edlen Persönlichkeit gegenüber für ein Berbre-chen!-Das wäre es auch," stimmte die alte Frau in völlig verwandeltem Tone zu und setzte sich mit einem Ruck steif zurecht. Das Wort Almosen- in Berbindung mit ihrem Sohn hatte die einfache Frau aus dem Volk mit dem ungeschulten Denken in unbestimmter Weise tief gekränkt. Ein beinahe feindseliger Zug legte sich um ihren kräftigen Mund. ' Seien Sie mir nicht böse," bat Olga leise. Wenn Sie von hier fortgehen, bin ich es ja doch, die am meisten verliert " Frau Schönholzer kam nichts dazu, etwas zu entgegnen. Sie horchte plötzlich auf dann erhob sie sich rasch aus ihrer Polsterecke und eilte mit erstaunlicher Beweglichkeit hin u dem offenen Fenster. Drunten, dicht am Gartenzaun vorüber, zog ein starker Trupp Menschen die Straße entlang dem Anschein nach Arbeiter. Die alte Frau vergaß bei diesem Anblick, was ihre Seele eben noch so tief verletzt hatte. Sie rief dem jungen Mädchen erregt zu: Da ziehen sie nach dem Fabrikhof es sind angetrunkene Leute darunter und in ihrer Mitte hab' ich den Jgnaz Pollak bemerkt. Er ist vielleicht unter allen Arbeitern der' einzige, der ein wirklicher Feind meines Sohnes ist, weil er ihn, seiner Neigung zur Trunksucht halber, verschiedene Male hat in Strafe nehmen und schließlich entlassen müssen der Bursche sah ganz rabiat aus ! Wer weiß, was er im Schilde führt ! Nein, nein, ich kann nicht hier bleiben ich muß in der Nähe sein, wenn es etwaö gibt! Ich will Bertholds Gebot nicht direkt zuwider handeln und in unsere Wohnung zurückkehren aber in die Stube der Pförtnersleute werde ich mich setzen da kann er mich nicht sehen, und ich bin doch für alle Fälle bei der Hand " Und sie stülpte rasch ihren altmodischen Hut auf und hastete nach der Thür. Wollen Sie mir nicht, ehe Sie gehen, Ihre Hand geben ?" rief ihr Olga von Zernwitz nach mit dem vorigen leisen, ergreifenden Ton in der Stimme. Durch diesen Ton wurde Frau Schönholzer erst wieder zu der Unterredung zurückgeführt, die sie soeben mit dem jungen Mädchen gehabt, und durch deren Ausgang sie sich so tief gekränkt gefühlt hatte. Sofort nahm sie neuerdings die Steifheit von vorhin an und versetzte: Warum sollte ich Ihnen meine Hand nicht geben ? Natürlich geb' ich fr Ihnen wie sonst auch." Und in noch gesteigerter Zurückhaltung fügte sie hinzu: Wenn es zu unserer Uebersiedlung da da nach dem Westfälischen kommen sollte, sehen wir uns ja jedenfalls noch vorher." Damit ging sie, die in ihrem Besten. was sie besaß, in ihrem Mutterstolz so tief verwundete alte Frau. 12. N a p i t e l. p lga hatte ganz vergessen, den BeSj such wie gewöhnlich die Treppe hinunter zu geleiten. Mit . schmerzlich zusammengezogener Stirn war sie mitten in dem Zimmer stehen geblieben. Sie fühlte eine quälende Leere in sich. Ihr war. als sei da ein Band zerschnitten worden, das sich nie wieder anknüpfen lasse, und eben dieser Verlust ließ sie jene seltsame Leere empfinden. Verthold Schönholzer! Er hatte ihr in ihrem jungen Leben zuerst von Liebe gesprochen, sie hatte ihn damals zurückgewiesen, den großen, guten, treuen Menschen, und heute, da er durch den Mund seiner Mutter ihr abermals seine Liebe bekannt, hatte sie dasselbe gethan! Und nun es geschehen war woÄe sich , immer beängstigender das Gefühl m ihr empor ringen, sie habe sich mit ihren ablehnenden Worten um ein großes. köstliches Gut gebracht! Eine jähe Erkenntniß kam ihr. Daß sie sich nach Egons Tod so entschlossen und gefaßt noch weiter im Leben hatte zurechtfinden können es war wohl nur dadurch möglich gewesen, daß sie unbewußt die große, selbstverständliche Freundschaft des blonden Riesen als kraftvolle -Stütze empfunden hatte! - Und nun sollte diese Stütze fallen er ging fort! Ach. und schon jetzt, ehe sein Plan noch zur Ausführung gekom nun, meinte sie, ihr Fuß werde in Zu-

kunft oft und oft straucheln vor ihrem Blick wollte sich ihr Weg nicht mehr klar und eben dehnen voller

Hindernisse sah sie ihn und tückisch lauernder Gefahren. Und sie trug die Schuld daran, daß es so gekommen, weil sie das treueste Herz auf der Welt zurückgewiesen! Ja, wußte sie denn überhaupt, worin es im ureigensten bestand, das holde Wunder der Liebe? Wenn ihre leidenschaftliche Empfindung für Egon Rüttenauer nur eine Art von Verzauberung gewesen war dann wußte sie es nicht! Konnte dann die warme Freundschaft. die sie jetzt in wirklicher Angst, in wirklichem Schmerz zu Berthold Schönholzer hinzog, weil er von ihr gehen wollte konnte dann diese Freundschaft nicht im Grunde etwas ganz anderes sein, so daß es nur eines Anstoßes bedürfte, um reich und schön die Liebe daraus hervorblühen zu lassen? Nein, er sollte nicht von ihr gehen nein, nein! Sie war ja gar keine Heldin, wie sie manchmal geglaubt hatte, sie war nichts als ein zagendes undbangendes junges Mädchen, das im entscheidenden Äugenblick ihm tief erschrocken die Hände nachstrecken und flehen würde: Bleib, .Und sie that es wirklich schon jetzt in Gedanken, und ihr zarter Mund zuckte, als ob er weinen wolle! ' Da horchte sie plötzlich auf. wie vorhin Frau Schönholzer. und näherte sich rasch dem Fenster. Da unten zog abermals ein Trupp Arbeiter, vorüber und auch sie empfing jetzt den Eindruck, es seien betrunkene Leute darunter, und auch ihr schnürte ein unbestimmtes Bangen das Herz zusammen, es könne dem Fabrikdirektor eine Gefahr drohen von solch einem wüsten Gesellen! Und auf einmal setzte sie gleichfalls ihren Hut auf und lief hinunter auf die Straße, der Fabrik zu. Auch sie wollte sich dort irgendwo in einen Winkel drücken, um für alle Fälle bei der Hand zu sein." Sie konnte sich, von einer Streikversammlung kein rechtes Bild machen, obwohl sie sich erinnerte, öfters darüber gehört und gelesen zu haben. Sie war in ihrer augenblicklichen Erregung überzeugt, daß dabei stets Exzesse vor-' fielen, und so erreichte sie in ihrer Besorgniß fast laufend den Baumgang. der sich an der Fabrikmauer entlang Zog. Wenn sie sich auf die Zehen erhob. vermochte sie über die Mauer hinwegzusehen was sie erblickte, war ein Meer von Köpfen, die sich unruhig hin und her bewegten. Und gleich dem Geräusch einer Meeresbrandung schwoll ein dumpfes Stimmengewirr zu ihr herüber. Jetzt erst bemerkte sie den Fabrikdirektor. der etwas abseits auf den Stufen stand, die zu den Bureauräumlichkeiten hinaufführten. Allem Anschein nach sprach er lebhaft auf die Menge ein seine Worte wurden jedoch oft unterbrochen durch lärmende Zwischenrufe. Er befand sich sichtlich in einer hochgradigen Entrüstung, die den angetrunkenen' Schreiern galt. Es sah aus, als wolle er eben in einer plötzlichen zornigen Aufwallung die Stufen hinuntereilen, um die Aufwiegle? und Lärmmacher, wenn es sein mußte, mit den eigenen kraftvollen Fäusten vom Hofe zu treiben in diefern Augenblick sauste ein Stein durch die Luft und traf den mächtigen, bartumwallten, blonden Kopf. Verthold Schönholzer fuhr mit der Hand nach der tirn dann wankte er und bnch, ehe ihm jemand aus der entsetzensstarren Menge beispringen konnte, schwerfällig wie ein gefällter Baum auf der untersten Treppenstufe zusammen. Dem jungen Mädchen wurde es schwarz vor den Augen, sie mußte sich an dem Baum, neben dem sie stand, festhalten sonst wäre auch sie zu Boden gesunken. Ein wildes Schmerzgefühl in ihrer Brust ließ sie aber die ohnmachtähnliche Anwandlung rasch abschütteln. Diese wilde Schmerzempfindung riß den letzten Schleier fort von ihrer Seele. Sie hatte jetzt keinen, anderen Gedanken, als dort hinüber zu eilen, neben dem Gestürzten nieder zu knieen und ihren Odem in seine Brust zu hauchen, damit er wieder lebe lebe für sie! Ja. nur einen Platz gab es für sie noch in der ganzen Welt den an seiner Seite! ' Sie schlüpfte durch die nächste Mauerpforte und brach sich Bahn durch die Menschenanstauung so sehr auch die Leute durcheinander wogten in ihrer ehrlichen Empörung über das heimtückiscke Attentat man gab doch in rücksichtsvoller Bereitwilligkeit eine Gasse frei für das herbeihastende, todtenbleiche junge Mädchen. Als aber Olga am Ort ihrer schmerzensreichen Sehnsucht angelangt war. kam sie sich so überflüssig vor. Die arme Mutter, deren ahnungsvolles Herz nur zu sehr Recht behalten hatte, war schon vor ihr da. Si: kniete am Boden, über, den Leblosen hingebeugt, und wischte mit ihrem Tuch das 'Blut fort, das aus der tiefen Stirnwunde troff. (Schluß folgt.) Zälzlt Mir. Wir sind gerade zu dreizehn bei Tisch!" Wenn das nur nichts Schlimmes m bedeuten hat Woher Snn 2 f ? nitr hnrurthrl" W4t ii ji ii rvv .

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