Indiana Tribüne, Volume 29, Number 239, Indianapolis, Marion County, 1 June 1906 — Page 5
NegraueSajje.
Roman von Ton Duncker. Es Kar nur ein schmaler, unsicher tanzender Sonnenstrahl, der aus dem lichtblauen Maihimmel sich durch ein Iktoei, tief in dicke Mauern e:ngezwangtes Fenster auf das gesenkte Haupt eines jungen Mädchens stahl. Ab und zu hob das schlanke Geschöpf, das auf einem erhöhten Fenstersitz saß und schrieb, den Kopf mit den reichen kastanienbraunen Flechten von der Schreiberei auf dem alten Mahagonitisch auf. Dann blickten die Augen ein utm wenig schwermuthig zu dem kle:nen Fenster auf, durch das man nur eine schmale enge Gasse sah, und darüber hinaus auf ein paar rothe Fabrikschornsteine mitten auf dem flachen, unbebauten Acker. Es war Mittag, und tiefe Stille war in dem weiten, gewölbten, dickmauerigen Gemach, in dem das Mädchen schrieb. Auch drüben in der Tapetenfabrik herrschte die tiefe Ruhe der Mittagspause. Die Maschinen standen still. Auf den Arbeitstischen der Zeichner lagen Stifte und Farben unbenützt. Das Bureau war geschlossen. Ab und zu, in langen Zwischenpausen, trug ein leiser, auf- und abwellender Wind schwache Laute an das Ohr des sckreibenden Mädchens; ein leises Rauschen unten vom See her, auf den die Graue Gasse mündete, Stimmen, Kinderlachen und selten einmal das Rollen eines Wagens oben von dem grünen Plateau, auf dem sich der Haupttheil des Städtchens aufbaute. In immer kürzeren Pausen sah das Mädchen von seiner Arbeit, Rechnungsbüchern, Auszügen, Rechnungen und Papieren, auf. Ab und zu bewegten sich die feinen, schöngeschwuncenen Lippen und sprachen Zahlen vor sich hin. Dann schüttelte sie den Kopf. Durch die ganze feine Gestalt lief eine nervöse Unruhe. Etwas Verneinendes. Abwehrendes stieg in den weichen Zügen auf. Am Ende schob sie Bücher und Papiere weit von sich und seufzte gepreßt auf. Dana erhob sie sich und trat an's Fenster, durch das der Ausblick auch jetzt keinen viel weiteren Horizont bot, els sie von ihrem Arbeitstisch aus gehabt hatte. Graue, unscheinbare Häuser ihr gegenüber, ein Stückchen des farblosen Wassers, von graugrünen Schilfstauden umstanden, und der noch menschenleere Weg durch den Acker nach dem großen, ungefügen Fabrikbau. dessen rothe Ziegel der Gegend die einzige, roh und aufdringlich wirkende jarbe verliehen. Im Uebrigen war die Straße und die Landschaft, auf die sie auslief, dem blauen Maientage zum Trotz, wie in graue, spinnwebfarbene Schleier getaucht. Alles Todte und Lebendige schien hier nur eigens auf's Wehmüthige gestimmt zu sein. Man sah, falls die Straße sich überhaupt belebte, nur ernste, ruhige, ja sorgenvolle Gesichter, man hörte nichts wie leises, gedämpftes Sprechen. Hier unten wurden keine frohen Kinderstimmen laut, kein Hund schlug bellend an, selbst die Schwalben in den Dachfirsten, die über den See hinjagenden Möwen schienen ihr Zwitschern, ihren Schrei zu däm pfen. Hatte, wie die Chronik der Stadt erzählte, die Graue Gasse ihren Namen ursprünglich nach dem Frauenkloster am See erhalten und früher die Bezeichnung Graue Klostergasse" geführt, so war ihr, auch nachdem das Kloster längst vom Erdboden derschwunden war, jedenfalls der ursprüngliche Charakter erhalten geblieden. Richt nur in der klösterlichen Stimmung, die über der engen Gasse lag, nein, auch im Stil seiner Baulichleiten, die man geneigt war als Reste des Klosterbaues zu bezeichnen. In der That mochte dieser oder jener ungefüge Bau von denGreueln des siebenjährigen Kriec.es, die das eigentliche Kloster am See dem Erdboden gleich gemacht hatten, verschont geblieben sein, ja es war sogar unzweifelhaft nachzuweisen, daß das alte dickmauerige Haus am Ausgang der Gasse in's freie Feld dereinst das Oekonomiegeiäude des Klosters gewesen war. Später, im weiteren Verlauf des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, hatte das begüterte und waghalsige Kaufherrngeschlecht der Prätorius in dem alten grauen Gemäuer gehaust. Aber die geräumigen Speicher, die den größten Theil des Hauses ausmachten, hatten sich im Lauf derJahrHunderte immer mehr geleert. Einer oder der andere Prätorius der der Familie freilich nicht mehr vollwerthig galt war fortgezogen, um sein Glück anderswo zu versuchen, immer weniger waren ihrer in dem alten Hause geworden, bis um's Ende des neunzehnten Jahrhunderts nur einer noch übrig geblieben war, der letzte seines Geschlechtes.. Mangold Pratonus. Anfang und Ende! Auch der erste Prätorius, der das Geschlecht berühmt gemacht hatte, hatte den Namen Man gold geführt. Nun schloß sich der Rlna, denn nach diesem letzten Man gokd würde kein anderer mehr kommen. Die smone. zarte ffrau. mt er m das atiz HauZ in der Grauen Gasse geführt batte. hatte nur einem Kinde das Leben gegeben und sich dann einige Jahre später müde schlafen gelegt, etnem
stanienbraunen Zöpfen, das sich, auf dem erhöhten Fenstersitz. so. fruchtlos mit den Äechnungsbüchern ihres Vaters , abgemüht hatte.: Familla Prätorius stand noch immer am Fenster. Ihre Gedanken waren aufgeflogen von der Grauen Gasse fort, hinauf zu der oberen Stadt mit ihrem frohen, blühenden Leben, zu den Häufern, die den größten Theil des Jahres in fröhlichem .Grün, jetzt um die Maienzeit aber in ein farbiges Blüthenmeer gebettet lagen. Um das Mädchen hatte sich noch immer nichts gerührt. Jetzt plötzlich von einem heftigen Geräusch unsanft aus
ihren Gedanken aufgerüttelt, fuhr sie erschreckt zusammen. Eine Thür war geöffnet und dann heftig in's Schloß zurückgeschlagen worden. In das stille, halbdunkle Gemach trat ein großgewachsener, breitschulteriaer Mann mit dichtem grauen Haar und einem ein wenig in's RöthlichBlonde spielenden, spitz verschnittenen Vollbarr. Unter den buschigen Brauen blitzten herrisch cm Paar graue Augen hervor. Als er des schlanken Geschöpfes am Fenster gewahr wurde, veränderte sich der Ausdruck seines Gesichts, und mit einer Stimme,' die freudiger und reiner klang, als man sie dem Manne, seinem Aussehen nach, zutrauen mochte, fragte er: Nun. Milla, zustande gekommen? Das Mädchen zuckte ein wenia verlegen, mehr noch betrübt, mit den schmalen Schultern. Ach nein, Papa, ich glaube, es ist nicht möglich. Nicht möglich, lachhaft! Und Du willst eine Prätorius sein?! Da Du es selbst nicht ausrechnen kannst, Papa? Durch ihre Betrübniß zuckte so etwas wie eine kleine Schelmerei. Ich kann schon, aber ich will nicht, ich habe die Sache satt. Wenn man seit zwanzig Jahren nichts gethan hat als gerechnet und gehungert! Der Henker hol's. Mangold Prätorius hatte sich auf einen Stuhl am Tisch geworfen. Mit aufgestützten Armen, die Hände in dem dichten grauen Haar vergraben, saß er da. Kamilla trat zu ihm und legte ihm sanft die Hand auf die Schulter. Lieber Papa, bei dem Rechnen kommt am Ende auch nicht viel heraus. Wer weiß, ob uns überhaupt noch etwas an dem alten Hause gehört. Wenn Du einmal Lorenz Buchberg fragen wolltest. Mangold stampfte heftig mit dem Fuße auf. So'n Farbenkleckser, so'n Herr von Habenichts und noch weniger ein Zug grenzenloser Verachtung ging über das Gesicht des Mannes was der von den praktischen Dmgen des Lebens versteht! Kamilla war ein wenig blaß geworden. Um ihre Lippen zuckte es von mühsam bekämpfter Erregung, dann faßte sie sich rasch zusammen, und sich neben dem Vater niedersetzend, fuhr sie ihm mit der feinen, schmalen Hand besänftigend über den Arm. Ich meine ja nicht Lorenz Buchberg selbst, aber Du weißt. Lorenz steht sich sehr gut mit dem Bureauchef, der wird ihm gewiß den Gefallen thun In meine Bücher zu gucken das glaube ich gern, das könnte dem Sadus passen. Du vergißt wohl ganz, daß es Sadus war, der mich aus der Buchhaltern hinaus gelobt hat. Mangold schlug eine laute Lache auf. Was so ein weibliches Hühnergehirn nicht alles ausdenkt! Kamilla ließ eine neue Lachsalve über sich ergehen, ohne eine Miene zu verziehen. Sie war von Kindheit an so sehr daran gewohnt, den Prellbock für die wechselnden Stimmungen des Vaters abzugeben, daß es ihr selten mehr wehe that. Sie wußte ja auS. er hatte sie im Grunde von Herzen lieb, und es gab', uch gute, lichte Stunden rn dem Grauen Hause. Nachdem er ausgetobt hatte, sagte sie ganz ruhig: Lieber Papa, so war es doch wohl nicht ganz. Du konntest Dich in den Buchhalterposten nicht hintinfmden, und da Wiederum fuhr Mangold auf und wollte eine neue heftige Antwort ge ben. Aber als crjn die stillen Augen des jungen schönen Geschöpfes sah, besänftigte sich sein Zorn. Was wäre ohne dies Kind aus ihm geworden in all den langen elenden Jahren, die sie mit ihm getheilt in immer gleicherGüte und Sanftmuth. Was sollte aus ihm werden, wenn sie ihn eines Tages allein ließ es sei denn, sie ginge davon mit einem wohlhabenden Manne, der dem grauen Elend hinter den grauen Mauern ein Ende machte. Aber wer sollte da kommen n dem kleinen Neste! Also was meinst Du, Kamilla? Ich meine, Buchbera und Sadus würden Dir gern zu Diensten sein und rascher zum Ziel kommen als wir beide. Aber am Ende Was am Ende? Wenn Du den Herrn wie heißt er Doch gleich Schellbach, brummte Mangold, In aenieur Schellbach aus Berlin. Wenn Du den Herrn einmal bätest, zu kommen. Wenn ihm Haus und Terrain gefallt und er die Summe die tet, von der der Agent sprach Hippold ist ein Esel, fuhr Prätorius auf. Das Terrain hur dicht M Wasser hat sür tht elektrische Anlage mindestens .einen Werth von. 50.000 Mark. 'i ..- . '
Und wenn daZ Terrain mit.30,000
Mar! belastet ist fuhr . Kamilla.
klemlaut fort. Soviel hast Du also doch herausgerechnet! höhnte Prätorius. Und dazu die anderen, Schulden. Kamilla seufzte beklommen auf. Manaold wandte sich verdrossen ad. Ich sag's ja es hat keinen Zweck, den alten Kasten zu verlaufen, brummte er. Was haben wir danach? Nicht mal das Dach über'm Kopf. Er . l i . f i c r. v I !vno oas MUS meserreliZen uno wil können sehen, wo wir unterkriechen. Mangold machte eine heftig abwehrende Beweauna. Ich will nichts davon hören, es bleibt, wie's ist. Mit dem Pfennigfuchser unterhandeln. dazu bin ich mir denn doch zu gut. Kamilla hatte den Kopf des Vaters zwischen beide Hände genommen und ihm einen Kuß aich die gefurchte Stirn gedruckt. Lieber Papa, weshalb verstellst Du Dich vor mir? Ich weiß ;a doch, was Du fühlst und denkst! Der Abschied von dem alten Hause wird Dir schwer, darum willst Du Nichts von dem ganzen Handel wissen. Prätorii s bewegte kaum merklich den Kopf. Nach einer kleinen Weile murmelte er: In meinen Jahren von der Scholle fort in's Ungewisse hinaus wenn das nicht bitter ist. Dann fuhr er auf. Und Du wo willst Du bleiben? Du, eine Prätorius? Bei Deiner Freundin Lene Petersen vielleicht? Mit ihr zusammen kochen, tafeldecken und aufwarten be: fremden Leuten? Lene Petersen Ware ledenfalls die letzte, uns im Stich zu lassen, lieber Papa, aber von all dem ist ja doch nicht die Rede. Du hast ja noch gar nicht mit diesem Herrn Schellbach verhandelt. Vielleicht zahlt er viel mehr als Hippold meint, wenn er das Terrain gesehen hat. Laß ihn doch nur erst mal kommen, Papa! Denk mal an, wie schön, wenn alles glatt würde, wir keine Schulden mehr hätten und uns irgendwo oben in der Stadt ein paar nette Zimmer miethen könnten. Denk nur, wie hübsch und billig Frau Buchberg wohnt in dem kleinen Häuschen mit dem netten, freundlichen Garten in dem ist es jetzt ganz weiß und rosa von Kirsch- und Apfelblüthen. Mangold Prätorius hatte seiner Tochter mit offenem Munde verständnißlos zugehört. Endlich sagte er schwer und beklommen: Du, Kamilla Du willst raus aus der Grauen Gasse? Ich Nicht. Wer ein echter Prätorius war, ist hier geboren und gestorben, hier bleib' ich und hier sterb' ich auch. Mangold blickte auf seine Tochter, die blaß und still vor ihm stand' Du begreifst, das nicht, Milla? Werd' nur erst älter, lern' das Leben nur erst kennen, laß Dir nur erst seinen scharfen Wind um die Nase wehen, dann wirst Du begreifen lernen, daß man zähe auch an einer Grauen Gasse hängen kann, weil sie uns von je Heimath war. Ich begreife das schon heute, Papa, sagte das Mädchen leise. Aber Mangold hörte nicht auf sie. Mit langen Schritten ging er in dem weiten Gemach auf und nieder. Endlich blieb er vor Kamilla stehen. Ich werde dem HerrnSchellbach also schreiben, daß er Sonntag kommen kann. Ich will wenigstens Deinetwegen den Versuch machen, obwohl ich von vornherein davon überzeugt bin. daß die Dinge sich durch den Besuch in nichts ändern werden. Der Berliner Zug kommt um 1 Uhr. Du wirst für ein anständiges Frühstück oder ein Mittagbrot sorgen müssen. Lumpen lassen will ich mich nicht. Wenn Du nicht damit zustande kommst, bestell es im Löwen. ' Kamilla schüttelte energisch den Kopf. Nein. Papa, das ist viel zu theuer. Ich werde die Sache mit Lene Vetersen besprechen. Du sollst schon zufrieden sein. Prätorius nickte kurz und verließ das Zimmer. Gleich darauf nahm Kamilla den kleinen billigen Strohhut vom Regal auf der Diele und machte sich auf den Weg. Trotz des warmen Tages wehte eine kühle Luft in der Grauen Gasse. Erst nachdem Kamilla die enge Häuserreihe verlassen atte, empfand sie die Wirkung des warmen, fast heißen Maientages. Durch die hübschen neuen Anlagen, zwischen deren blühenden Büschen .die Kinder spielten, lief Kamilla rasch zurStadt hinauf und schritt über den Marktplatz und am Rathhaus vorüber, m eme kleine nach Suden ab zweigende Straße, die dicht mit vollblüherden Kirschbäumen bepflanzt war. Die weißen dustigen Kronen unter dem blaßblauen Maienhimmcl boten ein entzückendes Bild. Einen Augenblick blieb das schlanke Mädchen stehen und blickte mit frohen Augen m den Blutyenzauber hinaus; dann beschleunigte sie ihrenSchritt und eilte elastisch die Kirschallee bis zu einem ihrer kleinsten Häuser, ziemlich am Ende der Straße, hinab. Als'Kamilla dasHaus in der Kirschall auf ungefähr zehn Schritte Entfernung erreicht hatte, knarrte die Pforte in dem grünen Staketenzaun, der das kleine zierliche Anwesen umcab. (Fortsetzung folgt.) Genf. Im Alter von 90 Jahren starb Gabriel Oltramare, der 50 Jahre lang Honorarprofessor der Mathematik an der Universität Genf war.
Naöys. erste Zcrc.Weit.
Ä Vild aus dem Familienleben, vonS.'Sslter i . . .. . j Das Baby war schrecklich süß. 'es ! war sogar goldig. Das ließ sich dokumentarifch belegen; denn nicht nur Tanten und Basen, Onkel und Vettern, Nachbarn und Nachbarinnen versicherten's mündlich, es war auch tagtäglich in den rührendsten Briefen zu lesen, die von der auswärtigen Verwandtschaft. der man Babys erste Photographie geschickt hatte, eintrafen. Diese Jdealisirung der Begriffe mag begreiflicher erscheinen, wenn ich bemerke, daß besagtes Baby em mannliches Baby war und sich zufälliq in einer Familie eingestellt hatte, wo die Tochter die überwiegende Majorität bildeten. Der Prinz." wie Baby vom Großvater auch genannt wurde, nahm alle Huldigungen gleichmüthig hin und füllte lern junges Dasein mit Schlafen, Heulen und' Trinken wacker aus. Manchmal auch, wenn er so recht gut öinlrt hatte, lag er mit hellen, offenen Aeuglein da und ließ den erstaunten Blick bedächtig an der Zimmerdecke einherjpazieren. Es ist selbstverständlich, daß Baby. wie es einem rechten Prinzen zukommt, bestimmend auf die Hausordnung einwirkte. Dem Arbeitsplan wurde Abends noch eine Stunde angefügt, denn Baby fing mit programmmaßiger Pünktlichkeit erst um elf Uhr an, allmälig seine Heulmaschine außer Betrieb zu setzen. Statt um halb acht erschien seit seiner Ankunft Morgenkaffee schon um sieben auf dem Tisch, weil Baby um halb acht geruhte, sein zweites Frühstück herbeizubrllllen. Wenn er sich in seinem Wagen blos rührte, gerieth das ganze Haus in Aufrühr. Die Kinderfrau rannte in die Küche, die Köchin stürzte in's Wohnzimmer, und die Mama ließ alles stehen und liegen, den Gatten nicht ausgeschlossen, und eilte zu ihrem armen Mausi." Der Gatte war überhaupt eine bedauernswerthe Figur geworden. Er kam sich fast als Strohwittwer vor, für die liebe Gattin war er kaum noch vorHanden. Eine schlimme Stunde fand ihn sogar gramvoll gebeugt über das neue Beinkleid, dem er mit hochsteigenen Händen einen Knopf aufzunöthi gen versuchte. Und das schlimmste dabei war. daß er sich dazu Nadel und Faden selbst hatte zusammensuchen müssen, denn auch die mehr oder minder dienstbaren Hausgeister standen nur noch zur Verfügung Seiner Hoheit des Babys, und was immer auch der Herr des Hauses von ihnen ver langte, sie konnten ihm nie zu Diensten sein. Eines Abends sollte der Prinz" wie gewöhnlich in die Badewanne gesteckt werden. Mama zog ihm unter Sckier zen und Kosen die zierlichen Gewänder ab. und Baby erwiderte die zärtlichen Angriffe auf seine verschiedenen Stbx pertheile mit heftigem Gestrampel und lustigem Krähen. Da. als die letzte weiße Hülle nie dergesunken war und Mausi auf dem warmen, Frottirtuch saß, nackt und rundlich wie ein kleiner Liebesgott. fuhr Mama auf einmal kreidebleich in die Höhe: auf Babys dickem Aermchen leuchteten seltsame, hellrothe Flecken; leuchteten und flammten auf der zarten weißen Haut wie frisches Blut auf Morqenschnee. Und in der Mitte zeig ten sich feine Pünktchen. Das ganze kleine linke Aermchen bedeckten sie und fanden sich vereinzelt selbst auf dem linken Strampelbkinchen. Einer Ohnmacht nahe, starrte die Mutter auf die geratheten Stellen, sprachlos, wie hypnotisirt. Ihre Augen hefteten sich in tödtlicher Angst auf das zappelnde Korperchen, bis Baby. dieser langen reglosen Besichtigung un gewohnt, zu Keulen anfing. Da kam sie wieder zu sich. Mit einem heftigen Ruck schnellte sie in die Hohe. Schnell wurde das Kmd in warme Tücher eingehüllt, in sein Bettchen hineingesteckt, und im nächsten Augenblick schon stand sie am Tele phon. Doktor Scholz hatte es sich nach beendeter Sprechstunde gerade bequem ge macht, lehnte behäbig in seinem Schau kelstuhl, blies au'i einer, guten Cigarre blaue Rauchwölkchen in die Luft und überflog mit zufriedenen Augen das Abendblatt. Plötzlich schrillte die Telephonglocke, scharf, schneidend, nervenzerreißend. Mit einem Schwung wippt der so unsanft aus seiner Behaglichkeit aufgescheuchte Doktor aus dem Wiegesessel empor und eilt, so schnell es seme etwas zur Korpulenz neigende Korperversas sung zuläßt, an den Apparat, der un aufhörlich sein gellendes Geklingel hören laßt. Da ist sicher etwas passirt Auto Mobilunfall Eisenbahnunglück, dachte er und nahm den Hörer vom Haken. Hier Doktor Scholz...'n Abend. gnädige Frau . . . So o o? . . . Röthlich sind die Flecken?... Und wie sehen sie aus? . . . Sie meinen? . . . So . . . Wie gnädige Frau meinen ... In einer halben Stunde bin ich da. Gerade sehr erbaut war .Dr. med. Ottokar Scholz. mcht über die Unter brechung seiner abendlichen Siesta. Aber ; es schien dringend zu , sein, der armen Mutter angstgequälte Stimme hatte förmlich zittert durch's Tele Phon und so eigenthümlich feucht aellungen wie von mühsam unterdrückten Tbränen. Sckicksaleraeben klinoelte
er seinen dienstbaren Geist herbei und ließ eine Droschke holend ' -? Wollt Ihr wissen, . wie lange eine halbe Stunde währt? Fragt eine Mutter, die am Bettchen ihres erkrankten Lieblings sitzt und mit pochendem Herzen der Ankunft des Arztes harrt. cwnh beuat sie sich über das kleine Bübchen, lauscht seinen Athemzügen, befühlt die patschigen Händchen. Dann eilt sie an's Fenster, ob der Doktor denn immer noch nicht kommt. Jetzt geht sie beklommenen Herzens in's Arbeitszimmer des abwesenden Gatten
und greift sich den Band M des vielbändigen Allerweltslexikons heraus. Masern: rothe Flecken, Rothem. Morbilli rubeolae" die Buchstaben tanzen ihr vor den Augen eine ansteckende Krankheit, welche durch einen rothen fleckigen Hautausschlag gelennzeichnet ist die Aermste kämpft Mit einem Ohnmachtsanfall (vgl. Tafe! Hautkrankheiten" Fig. 8.) Sie droht umzusinken und schleppt sich nur mühselig zum Bücherschrank zurück, um den Band H zu befragen. Um's Himmels willen,' wenn das Kind die Masern bekommen hätte! Aber wo? Von wem? Sie zermartert ihr armes Hirn, und eine wahnsinnige Angst treibt sie wieder an das kleme Lager, wo sie grübelnd und sinnend sich niederkauert. Tausend Schwüre, ihr Kind nie mehr allein fort zu lassen, quellen aus ihrer verängstigten Seele. Tausend Dinge, die sie nie gethan, bittet sie dem kleinen Wesen ab, das ruhig und neblich schlummert, ahnungslos der furchtbaren Qualen, die Mama an seinem Bettchen erduldet. Endlich tönt die Korridorglocke, leise, zurückhaltend tönt sie. als käme jemand, der Schlimmes, Schweres zu finden fürchtet. Die Mutter springt empor. Das muß der Doktor fein! Feucht steigt es ihr in die geratheten Augen, als sie dem heiß ersehnten Helser entgegengeht. Sie läßt ihm kaum Zeit, Hut und Stock abzulegen, und zieht ihn, fiebernd von bangender Ungeduld, mit sich. Der kleine Knirps wurde nun aus seinem schönen Schlaf ausgeweckt. Man richtete ihn sanft empor: müde ließ er und lallend sein Köpfchen auf das Deckbett hinabsinken. Aber es half ihm nichts, er mußte es sich gefallen lassen, daß man ihm das lange Nachthemdchen abstreifte. Da wurde er denn allmälig wach, stemmte die dicken Faustchen geqen die Augen und wühlte damit energisch in ihnen herum. Dann blinzelte er verschlafen einige Sekunden in das helle Licht und ließ fragend seine Blicke von Makna auf den fremden Mann an seinem Lager wandern. Der hatte sein Aermchen ergriffen und prüft: mit forschenden Augen die rothen Flecken, die bereits etwas von ihrer ursprünglichen Schärfe verloren hatten und zum Theil blaßroth geworden waren. Die Mutter aber .stand daneben mit niedergeschlagenen Augen und tief geneigtem Haupt, wie jemand. der seinem Todesurtheil entgegenharrt. Doktor Scholz , sah und sah, prüfte und prüfte, betupfte mit leichtem, behutsamem Finger das kleine Aermchen. und sein Antlitz legte sich in ernste Falten. Meine liebe gnädige Frau," sagte er endlich, indem er die leis Erbebende ganz eigenthümlich durch seine blinkenden Brillengläser anblickte, treten Sie. bitte, etwas zurück es ist ansteckend Doch als er bemerkte, welche nieder schmetternde Wirkung seine Worte auf die blaß und zitternd dastehende Mutter ausübten, fügte er schnell hinzu: Aber Sie mögen sich beruhigen, es ist nichts Schlimmes; noch nie ist ein Kind daran gestorben. Da rannen plötzlich schwere, erlosende Thränen über die Wangen der Mutter; die Freude trieb eine zarte Nöthe auf ihre Wangen, und glücklich und dankerfüllten Herzens preßte sie die Hände des Arztes rn den ihrigen. Der aber ließ sich nicht lange aufhalten und führ gar eifrig in seiner Untersuchung fort, drehte das kleine, nun gänzlich munter gewordene Kerlchen, das fröhlich - mit den Händchen auf die Decke patschte, um und um. durchforschte sein Hemdchen, seine Kissen, lern Lager, und plötzlich sah die ob solch seltsamen Gebarens erstaunte Mutter den Doktor hurtig nach etwas haschen. Noch ehe sie fragen konnte, rief dieser, indem ein winziges schwarzes zap pelndes Etwas zwischen Daumen und Zeigefinger gegen das Licht hielt: Sehen Sie. meine liebe gnädige Frau, dieses kleine Thierchen, .Pulex irritans," ist der böse Krankheitserreger. Er zwickt ja sehr unangenehm, aber gefahrlich wird er nie. Und nun wollen wir ihm die Vorzuge und Annchmlichkeiten der . frischen Luft zu Gemüthe fuhren. . Damit schleuderte er den Unglücklichen Floh durch's Fenster. Dann bettete er den kleinen Mann sanft und sorglich xr'bit Kissen zurück und verließ mit vergnügtem Schmunzeln das Gemach, um die glückstrahlende Mutter allein zu lassen mit ihrem aus so schwerer Gefahr erretteten Baby. Die ß (ep hon ten in Indien werden täglich zweimal gefüttert. Zur bestimmten Stunde führt man sie nach einem Platze, wo ihr Futier in. Haufen liegt. Das Frühstück eines jeden Elephanten besteht in neun Pfund Reis in fünf Einzelpacketen. Der Reis ist in Blatt eZnaeschlagen ::nd diese sind durch Grasseile zusammen gehalten. ' ,
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