Indiana Tribüne, Volume 29, Number 233, Indianapolis, Marion County, 25 May 1906 — Page 7

Jndkuna Tribüne, 25. Mai 1906

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V ftf f f s k k M 1 V U W W (Fortsetzung.) Nichts, nichts," wehrte sie hastig ab. Aber wir sind noch nicht zu Ende. Ich kann mir denken, daß ein Ehrenmann, sobald er gehört hat, was ich ärmste Mutter soeben aussprechen mußte, ohne langes Ueberlegen von der Verlobung mit der Schwester eines solch unseligen Menschen zurücktritt." Ja? weiß nicht, theuerste Mama." versetzte Egon Rüttenauer in einem Ton, der in seiner vornehmen Gelassenheit ganz echt klang, was ein anderer in einem solchen Falle thun würde. Ich aber liebe meine Braut und es gibt nichts auf der,SZelt,.?sZ mich bewegen könnte, ihr die Zusage, die mich so unendlich glücklich macht, zurückzugeben. Außerdem würde -es mir nie einfallen, für die Verirrunz eines Menschen einen seiner Angehöri gen verantwortlich zu machen. Frau von Zernwitz sah ihn durchdringend, fast drohend an. Obwohl sie sich kaum von ihrem neuerlichen Schwächeanfall erholt hatte, quoll es plötzlich in einem wilden, zornigen Ungestüm in ihr auf. Einen Augenblick war ihr, als verliere sie den Kopf und müsse dem Menschen dort mit der ehernen Stirn zuschreien: Natürlich, Du nimmst keinen Anstoß daran, einen Ehrlosen Deinen Verwandten zu nennen, weil Du selbst auf der abschüssigen Bahn den letzten, den furchtbarsten Schritt qethan, weil Du Deine Hände mit Blut befleckt hast." Sie preßte ihr Tuch an den Mund, um die grauenvolle Anschuldigung zurückzuhalten. Wenn sie durch diese instinktive Vewegung auch zur Besinnung kam und ein wenig ruhiger wurde, so konnte sie in ihrer aufgewühlten Seele doch nicht widerstehen, augenblicklich fortzufahren in dem Kampfe gegen den Mann, durch den sie ihr einziges Kleinod, das sie noch auf der Welt besaß, bedroht sah. Es ist entsetzlich, was ich noch weite? zu sagen habe." quälten .sich die Worte hohl aus ihrer Brust, es mag unnatürlich klingen von einer Mutter, die sich bestreben sollte, ihren Sohn zu entschuldigen und für die Zukunft von ihm zu erhoffen, was er ihr in der Vergangenheit schuldig geblieben. Allein ich bin ohne Hoffnung und Glauben. Ich kenne meinen Sohn, ich weiß, daß in seiner Seele keine Keim? schlummern, die eine Besserung erwarw C r . IP I len liehen, xzx wlro sorli.cyreilcn aus den dunklen Pfaden, die er eingeschlagen hat und darum kann ich nicht zugeben, daß die Entwürdigung, die mir und meiner Tochter wohl noch bevorsteht, auch noch einen Dritten mittrifft ich kann und will dafür die Verantwortung nicht tragen." Was soll das heißen?" fragte Egon Rüttenauer langsam. Es soll heißen, daß ich Sie ersuche, sich mit dem Gedanken einer Lösung Ihres Verlöbnisses vertraut zu machen. Ich meinerseits werde mein Kind vorsichtig darauf vorbereiten." Das werden Sie nicht thun, gnadige Frau," sagte der junge Mann noch immer mit dem steinern unbeweglichen Gesicht und ohne die Stimme im aermasten zu erbeben. Sie vergessen, daß Olga mich ebenso sehr liebt, wie ich sie " Die bittere Nothwendigkeit " Die Nothwendigkeit, von der Sie sprechen, ist nur eine eingebildete. Uebrigens ist unsere Liebe so groß, daß wir uns keiner Nothwendigkeit der Welt ieuaen." In Frau von Zernwitz regte sich wieder die heiße Blutwelle. Das werden wir ja sehen," rief sie. Ja, das werden wir sehen," versetzte er und trat dicht zu ihr heran. Damit Sie aber über meinen unverrückbaren Standpunkt in dieser Angelegenheit nicht im Unklaren sind, so saae ich Ihnen gleich jetzt dies eine: sollte es Ihnen je gelingen. Olga von mir abwendig zu machen, so greife ich in derselben Stunde zum Revolver und zerschmettere mir das Haupt. Wenn Sie wollen, daß Ihr Kind in Ihnen den Mörder dessen erblickt, den sie einst so heiß geliebt hat gut, da.n führen Sie ?lbren Vorsatz aus. Nun flammte Frau von Zernwitz wirklicb auf. Es ist eines Mannes unwürdig, eine arme, kranke Frau mit solchen Drobunaen zu schrecken. Ich kämpfe um meine Liebe. Ohne diese Liebe bedeutet mir das Leben n ck s." Ein wirklicher Mann hat sich . ' - rr . . 1 Werthe im xjeoen zu icyassen, oxz mu dem aroßen Menschheitswohl in Ver bindunq stehen. Wenn Sie sich dieser Aufgabe aus irgend einem Grunde entziehen, so sind Sie ein Schwächling. Einem Schwächling aber vertraue ich mein Kind nicht an. Egon Rüttenauer sah starr auf die erregte, zitternde Frau nieder. Eine ' dumvfe Pause entstano. Endlich sagte der junge Mann ohne rrM der Minder zu zucken: Sie sind meine Hindin. Das babe - r rr CS U.iM xq zez: ?rranni. cy roiu wiun ' den nicht nachforschen. Aber ich wie btihoU. daß ich in demsttberi Augen blck. in dem Sie mich besiegt haben

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mein Lebm von mir' werfe.' Einer Verantwortung mir gegenüber entbinde ich Sie gleich jetzt, allein Ihre Tochter wird Ihnen diese Verantwortunz wohl kaum ersparen." Frau von Zernwitz sank in vollkommener Erschöpfung zurück. Einen Augenblick hatte sie die Empfindung, es stehe ihr das Herz still. Nein, sie war einem solchen Kampfe nicht gewachsen, sie mußte ihn in andere Hände legen, es war thöricht von ihr gewesen, daß sie mit ihren schwachen, versagenden Kräften überhaupt die Waffen aufgenommen hatte. Als ob nichts vorgefallen wäre, erklang in diese Erwägungen hinein h'öflich und ruhig Egon Rüttenauers Stimme:' Befehlen Sie. verehrte Frau Mama, daß ich jemand zu Ihnen schicke? Oder fühlen Sie sich stark genug, mit mir in die Halle zurückzukehren?" Ich" möchte so bald als möglich nach Hause fahren." Wäre es nicht besser, Sie verbringen die Nacht unter diesem Dach, das Ihnen ja nicht fremd ist?" Ich muß Sie schon um den Schlitten bitten. Ich fahre unter allen Um-

standen. Olga und mein Sohn wer.'zen mich bealeiten." lassen Sie mir wenigstens Herrn von Zernwitz hier. Er ist unvermuthet angekommen und Sie sind nicht auf ihn eingerichtet." Mein Sohn kommt mit mir. Sie zögerte einen Augenblick, dann etzte sie in bitterer Selbstüberwindung hinzu: Ich möchte in Bezug auf Georg auch gleich noch ein Ersuchen an Sie tellen. Er wird Nicht verfehlen, sich an den zukünftigen Herrn Schwager möglichst zu attachiren. Wollen Sie mir versprechen, ihm in keiner Weise entgegen zu kommen, namentlich seine Versuche. Geld von Ihnen zu erhalten, bestimmt und für immer abzuweisen?" Ich verspreche es Ihnen." Gut. Ich verlasse mich auf Ihr Wort. Und nun möchte ich. ehe ich fahre, noch ein paar Augenblicke allein sein." Egon Rüttenauer entfernte sich mit einer leichten Verbeugung und ohne auch nur noch eine Silbe zu sprechen. Wirklich fuhr schon eine Viertelstunde später der Schlitten mit Frau von Zernwitz, ihren beiden Kindern und der alten Kathrin aus dem GutsHof hinein in die klare Winternacht. die für die Insassen des Geführtes so gar keine segen- und friedenspendende Weihnacht geworden war. Der iunge Gutsherr saß nur noch eine kurze Weile mit den beiden zurückgebliebenen Gasten zusammen. Dann entfernte sich auch Berthold Schönholzer mit seiner Mutter. Sie fanden beide noch, ehe sie gingen, warme, herz liche Worte für Egon. Er aber hörte kaum darauf hin, nickte nur zerstreut mit dem Kopfe. Auch die gute Nacht." die ihm etwas später Fräulein Weltzien wünschte, erwiderte er ganz mechanisch, in halber Geistesabwesenheit. Als er dann allein war, durchmaß er rastlos me große Halle, Stunde um Stunde, bis zum Morgengrauen. Martha Weltzien saß in il)rem darüber gelegenen Zimmer und ging gleichfalls nicht zur Ruhe. Sie lauschte auf die unermüdlichen Schritte, ihr scharfes, energisches Gesicht nahm dabei einen weichen, trauervollen Schimmer an und ihre Stimme flüsterte voll hingebender Innigkeit: Wie gern käme ich Dir zu Hilfe allein ich darf nicht! In dieser Nacht der Nächte sollte wohl jeder Liebesthat die Thür offen stehen aber Du würbest mich dennoch von Dir stoßen, denn meine Zeit ist noch nicht gekommen." Es war zwei Tage später. Durch die entsetzlichen Aufregungen am Weihnachtsabend, die mit der friedvollen Bedeutung des wundersamen Tages in so grellem Widerspruch gestanden, war Frau von Zernwitz wieder einmal von einer lähmungsartigen Nervenereschöpfung an ihren Lehnstuhl gefesselt worden. Sie vermochte nicht aufzustehen, als jetzt Berthold Schönholzer es war in der Stunde nach Tisch eintrat. Um so herzlicher begrüßte ihn ihr Kopfnicken und die ausgestreckte Rechte. Das ist recht, meine liebe, gnädige Frau," begann der blonde Riese, daß Sie nach mir geschickt haben. Senden Sie nur. so oft eS Ihnen Bedürfniß ist ich werde immer bereit sein und möchte nur wünschen, daß ich Ihrem Vertrauen, das Sie auf mich setzen, auch stets durch die That zu entsprechen vermag. Also um eine sehr ernste Angelegenheit handelt es sich, wie Sie mir schrieben? Ich kann mir schon denken ja, ja " Ich glaube das kaum." unterbrach ihn Frau von Zernwitz mit einem mühsam niedergehaltenen Seufzer. Sie sind wahrscheinlich der, Meinung, daß ich in den Angelegenheiten meines Soh nes Ihren vortrefflichen Rath einholen möchte, nicht wahr? Aber dem ist nicht so daZ muß ruhen bis später. Es ist eine andere furchtbare Last, die ich mit mir herumtrage, die sich mir wie ein Felsblock auf me Scel gewalzt hat. so daß ich meine, dem mörderischen Gewicht erliegen zu müssen. In tiefster Bestürzung rief Berthold Scbonbolzer: juitlxi Gott, was kann oas lein? Sie sehen mich ahnungslos. Aber seien Sie überzeuat. daß ich mit allem, was ich vermag, zu Ihrer Verfügung stehe." L)as weiß ich das weiß ich! Und

deshalb wende ich mich auch an Sie und an niemand sonst in der Welt! Und doch wird es mir auch wieder so schwer, so unendlich schwer, gerade Ihnen davon zu sprechen denn die Angelegenheit geht Ihren besten Freund an, Ihren einzigen Freund, so viel ich weiß." Berthold Schönholzer ließ schweigend die Hand durch seinen blonden Bart gleiten. Seine Augen hafteten nachdenklich ein Weilchen am Boden, dann sagte er langsam: Ich weiß, liebe, gnädige Frau, daß es Egon Rüttenauer von Anfang an nicht vergönnt war, Ihre ungetheilte Gunst zu erringen. Ich habe mich damals halb und halb auf Ihre Seite gestellt und hätte gewiß mein möglichstes gethan. Egon in seinen unsicheren Lebensverhältnissen davon abzuhalten. Fräulein Olga näher zu treten. Als er dann aber Plötzlich zum reichen Mann wurde und sich zugleich Ihres Kindes Liebe zu ihm so stark und fest offenbarte " O, nicht an all das denke ich," sagte Frau von Zernwitz mit trübem Kopf schütteln. Ich weiß, es war damals wie ein stilles Uebereinkommen zwischen uns, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Und ich hätte mich ja wohl auch darein ergeben, mein Kind als Gattin an der Seite eines Mannes zu sehen, der immer von neuem auf mich einen so seitsam zwiespältigen Eindruck machte aber da geschah etwas " Sie hielt inne und rang die Hände. Mein Gott, mein Gott," murmelte sie, wie soll ich es aussprechen! Sie werden meine Worte als einen Schlag in's Gesicht empfinden, als eine tödtliche Beleidigung, die ich Ihrem Freund und damit auch Ihnen zufüge." .Berthold Schönholzer, dessen gesundheitstrotzendes Gesicht sich nicht leicht einem Farbenwechsel zugänglich zeigte, war jetzt doch erblaßt. Er zwang sich aber, ruhig zu bleiben. Liebe, gnädige Frau," sagte er, lassen wir diese Einleitungen. Sprechen Sie ungeschminkt aus, was Sie bedrückt und bekümmert. Ich werde mir alle Mühe geben, klar zu sehen." Frau von Zernwitz legte die Hand an die schmerzende Stirn und wandte den Blick ab. Mein Thun wird Ihnen feig und hinterrücks erscheinen denn ich habe keine Beweise für die grauenvolle Anschuldigung, mit der ich Egon Rüttenaue? treffen will. 5(ch kann Jljnen

nidjt einmal sagen, auf welchem Wege ich dahin gelangt bin, in ihm einen Schuldigen zu sehen. Ein Geheimniß bindet in dieser Beziehung meine Zunge. Sie dürfen mir nicht böse sein. Sie müssen Geduld mit mir haben weil ich eme Mutter bm. die so namen los für ihr Kind bangt und zittert." Was Sie auch aussprechen werden." beruhrgte Verthold die bedauernswerthe Frau, meine herzliche Hochachtung für Sie und meine treue Freundschaft werden mcht einen Augenblick wanken." Das ist gut. Ich danke Ihnen sehr, sehr! Uno nun sollen Sie alles hören. Ich deutete Ihnen schon an, daß ich dahin gelangt bin, in Egon Rüttenauer einen Menschen zu sehen, der eine Schuld mit sich herumträgt. Haben Sie nie von seinem unruhigen, seltsamen Wesen diesen Eindruck empfangen? Aber nein, ich will ja nicht fragen, sondern mittheilen. Ja, einer Schuld einer schweren, schweren Schuld halber möchte ich ihn vor den Richterstuhl rufen. Da ich jedoch eine schwache, kranke Frau bin, habe ich in meiner Herzensangst Ihnen die AufC Aä gaoe zugeoacyl. zu ergrunoen, oo Ich nehme die Aufgabe an. Nen nen Sie jene Schuld, mit der Sie mei ne: Freund belastet glauben." Es ist so entsetzlich, so unsagbar entsetzlich " Auch das Entsetzlichste läßt sich aussprechen. Und es muß ja doch sein." Ja, es muß fein. Sie setzte sich in ihrem Lehnstuhl gerade auf und raffte sich zu verzweiselter Entschlossenheit zusammen. Sie wissen, unter welch räthselhaften Umständen Egon Rüttenauers Wohlthäter. Herrn Bärndorf in Werlin verschieden ist und mit ihm sein alter Diener. Wissen Sie aber auch daß sich Ihr Freund genau zu derselben Zeit in, der Reichshauptstadt befand? Verthold Schönholzer sprang so hef tig auf, daß sein Stuhl hinter ihm polternd zu Boden fiel. Zitternd wie ein in Schrecken versetztes Kind stand der riesenhafte Mensch da mit abweh rend ausgestreckten Armen. Er wollte sprechen aber nur ein Lallen kam von seinen Lippen. - Es dauerte eine volle Mumie, ehe er hervorstoßen konnte: Mein armer, armer Junge fo etwas glaubt man von Dir Lieber Freund, stehen Sie mir bei dieses fürchterliche Dunkel zu durch dringen, vielleicht haftet doch eine schwere Blutschuld an ihm, ich muß den entsetzlichen Weg gehen, aber ich kann es nicht thun obne eine Stütze und Sie haben mir versprochen, mich zu stützen! Ich habe Ihr Wort." In wortloser Erschütterung drückte Verthold Schönholzer die Hände der Unglücklichen. Endlich sagte er leise. aber fest: Sie müssen sich schonen, versuchen Ste, tuyig zu sem meines :etucm des sind Sie sicher, ganz sicher. Wenn das unbegreiflich Furchtbare wirklich geschehen sein sollte, so muß nicht allein um Olgas willen der Schleier davon boben werden auck um Eaons

elbst willen um unserer aller wilen! Ueber das .Wie' freilich bin ich

mir augenblicklich noch nicht klar. Da Sie sagten, ein Geheimniß binde Ihre Zunge, wird es Ihnen also nicht mögich sein, Mir in Bezug auf den Ausgangspunkt des furchtbaren Verdachtes, der Egon belastet, einen Hinweis zu geben." Nein." Und Sie haben mir wirklich auch nichts, was uns als Beweis dienen onnte, mitzutheilen?" Nein. Nichts." Dann hat es einstweilen auch aar einen Zweck, daß ich Sie mit näheren Erörterungen über die einzuschlagenden Schritte quäle. Ich werde allein den nothwendigen Weg zu finden uchen. Den nothwendigen Weg." wiederholte er. in schmerzlichster Selbstvergessenheit starr durch das Fenster hinaus in den schneeverhüllten Garten blickend. Einen Menschen, den ich iebe, wie ich Egon liebe, soll ich bechlerchen und belauern gleich einem Wild, das durch die mörderische Kugel allen soll Er deckte ein Weilchen die Augen mit den Händen, dann sagte er voll rührender Weichheit: Wir wollen uns geloben, gnädige Frau, mit Liebe, mit sehr viel Liebe mit der liebevollsten Vorsicht will ich sagen, auf dem düsteren Wege vorwärts zu dringen. Denn sehen Sie, wenn Egon Rüttenauer unschuldig Ware und ich halte einstweilen noch an diesem Glauben fest, ich muß daran festbalten! so konnte er uns wohl nie vergeben, daß wir auf seiner reinen Stirn ein solches Brandmal zu erblicken vermeinten! Und ich glaube, chloß er Mit sinkender Stimme, es gibt jemand, der es uns noch weniger, als er selbst, vergeben würde." Frau von Zernwitz sagte feierlich: Gott im Himmel mag mir verzeihen, wenn ich irre! Er wird einer Mutter verzeihen, die nichts wollte, als ihrem Kind ein entsetzliches Schicksal ersparen!" 000 Eine Minute später befand sich Berthold draußen auf der Straße. Er schob mechanisch denHut in den Nacken, damit ihm die Winterluft die heiße Stirn kühle.. Erst wenige Schritte nocbte er gegangen sei? als er die Empfindung hatte, er schwanke und taumle. Straff richtete er sich nun auf und nahm seine gewöhnliche Gangart an. Seine Gedanken und Gefühle freilich konnte er nicht in die gewöhnliche ruhige Bahn zwingen. Um die breite Brust lag ihm noch immer ein Reif, und d;r Druck auf dem Kopf wollte auch mcht nachlassen. Egon Rüttenauer, der Gegenstand seiner freundschaftlichen Vergötterung seit vielen Jahren, dieser schone vornehme Mensch vielleicht ein Verbreeher! Vielleicht, Gott sei dank, nur vielleicht! Berthold Schönholzer eilte vorwärts, als ob er gejagt werde. Er wollte den gräßlichen Vorstellungen. die auf ihn eindrängten, entfliehen da stand er plötzlich mit einem Ruck still, wie an den Boden festgewurzelt. gleichsam gelähmt von der Wucht eines Gedankens, der ihn jäh durchzuckt hatte. Gab es einen greifbaren Grund, der Egon zu der schrecklichen That angespornt haben konnte? Ja, ja! Er wußte, daß Herr Barndors zu seinen Gunsten testirt hatte wenn er nun unter dem dämonischen Drang. das Geld vorzeitig an sich zu reißen und so die Gellebte heimfuhren zu lonnen. gehandelt hätte? Berthold stürmte abermals in voller Hast vorwärts. Er wollte diese Erwägung nicht weiter verfolgen nein. nein! Er wollte an seinem Glauben, der Freund müsse und werde unschuldig sem, unverbrüchlich se thauen. Wer konnte Frau von Zernwitz den furchtbaren Gedanken eingeblasen haben? Er schüttelte den Kopf. Da sie er klärt hatte, schweigen zu müssen, war es wohl zwecklos, darüber nachzugrübeln die Quelle schien sich in tiefem Dunkel zu befinden. Aber es konnte und durfte für ihn nicht unmöglich sein, heraus zu bekommen, wo Egon seine freie Zeit, als er sich damals im Auftrag des von Rinteln'schen EhePaares in d:r Reichshauptstadt befunden, zugebracht hatte. Dann mußte sich ja ohne weiteres seine Unschuld erweisen lassen. Berthold Schönholzer athmete tief auf um aber im nächsten Augenvilcr schon wieder rathlos den Kopf sinken zu lassen. Er fühlte nur zu gut, daß er mit seinem arglosen, geraden Kindergemüth wohl am wenigsten von allen Menschen in der Welt zum Tetektlv geschaffen war. Er war auf einmal entschlossen, sofort hinaus nach Weilern zu gehen. Ja, sehen wollte er Egon in seinen Mie nen lesen. Im Vorübergehen traf . er einige nothwendige Anordnungen in der Fabrik und fand sich . wenige Minuten spater auf dem schmalen Fußpfad, der die verschneiten Wiesenbretten durchschnitt. Mit weit ausholenden schrit ten kämpfte er erfolgreich gegen den Wind an und mäßigte erst kurz vor dem Gutshof seine Eile, um als ein barmloser Svzieraanaer zu erschei nen. Einen. schmerzhaften Stich gab es ihm, als er sich sagte, daß er nun beginnen müsse. Komödie zu spielen. In der Halle stieß er auf Egon, der . . j rvirr. jt. Mvn.Don einem uemen iiicwn

und Reitpeitsche nahm. 'Er wollte ausreiten. Als er jedoch hörte, daß

Verthold heute Nachmittag in der Faortk so gut wie nichts zu thun habe und ihn deshalb zu einem größeren Spaziergang abholen komme, ließ er das Pferd wieder absatteln und die beiden Freunde schritten bald darauf auf der Landstraße dahin. Berthold hatte vorhin selbst verwundert aufgehorcht bei dem leichten Ton, in dem ihm die Lüge, mit der er sich eingeführt hatte, von den Lippen aekommen war. Er fuhr nun tapfer fort n seiner Aerstellungsrolle. Da er Egon feit dem verunglückten Weihnachtsabend nicht wieder gesehen hatte, fehlte es ihm im Gespräch nicht an allerhand Anknüpfungspunkten. Dabei musterte er, so gut es sich unauffälig thun ließ, von oer Seite unausgeetzt das schöne Gesicht des Freundes. Egon erleichterte ihm dieie Musteung. Er sah meistens starr vor sich hin in die leere Luft und seine AntWorten fielen so einsilbig aus, daß unschwer zu erkennen war, wie seine Gedanken bei ganz anderen Dingen weilen. Aus der reinen Profillinie, die ganz unbeweglich blieb, vermochte nun Berthold freilich so gut wie gar keinen Schluß zu ziehen auf die Empfindungen, die den jungen Gutsbesitzer bewegten, allein daß diese Empfindungen keine fröhlichen waren, konnte ihm nicht verborgen bleiben und er sagte ich: Em Bräutigam, der von dem chönsten Mädchen geliebt wird, dem überdies das Schicksal die Wege so unvermuthet zu Reichthum und Ansehen geebnet hat, sollte anders, ganz, ganz anders aussehen er sollte strahlen vor Glück und Hoffnungsfreudigkeit. Und da dies hier nicht der Fall war. o mußte eine bestimmte Ursache dafür vorhanden sein. Das Herz wurde dem armen, grübelnden Menschen schwer, er seufzte laut aus. Da blieb Egon Rüttenauer stehen und wandte ihm das Gesicht voll zu. Was ist denn?" fragte er mit leicht gekräuselten Lippen. Fühlst Du Dich auch nicht recht wohl in Deiner Haut?" Bertholo Schönholzer griff insnnktiv die letzten Worte auf. Auch nicht recht wohl?" wiederholte er. Wu hattest ooch wahrlich allen Grund, Gott dafür zu danken, daß er Dich in die Deinige hineinsteckte." Egon zuckte die Achseln. Er versenkte die Hände noch tiefer in die Taschen seiner Joppe und schritt schweigend weiter. Sem Begleiter war nicht geübt genug, oen abgerissenen Faoen sofort wieder anzuknüpfen und schwieg deshalb auch, beinahe in einem Gefühl der Erleichterung, daß es zu kemerAuseinandersetzung gekommen war. Innerlich schalt er sich freilich dieser schwachmütigen Empfindung halber aus und seufzte schließlich abermals tief auf. Jetzt warf Egon mit einem zerstreuten Lächeln hin: Jedenfalls frierst Du, lieber Freund, weil Du gar so jämmerlich stöhnst. Es geht mir übrigens nicht besser. Komm, laß uns umkehren. Ich werde uns daheim einen Grog bereiten. der wird uns wieder zu Menschen machen. Es ist wirklich nicht gemüthlich aus der ungeschützten Landstraße." Eine halbe Stunde spater saßen sie in Egons Arbeitszimmer rnmer oen dampfenden Gläsern. Der Ausspruch des jungen Gutsherrn, daß der Grog sie wieder zu Menschen machen werde. wollte sich aber nicht bewahrheiten wenigstens machte er sie nicht zu froh lichen Menschen. 1 Das Gesprach, das ich um die Zustände des Gutes drehte, chleppte sich nur mühsam hin und ilötzlich stand Egon auf und schritt drüben an der Fensterseite des langgestreckten Gemaches in düsterem Schwei gen auf und nieder, als habe er ganz vergessen, daß er nicht allein sei. Berthold betrachtete den Ruhelosen, in feine finsteren Gedanken Versunke nen mit immer schwerer werdendem Herzen. Unwillkürlich rief er endlich über den Tisch hinüber: Egon, Du gefällst mir nicht Der Angeredete schreckte auf. - Was ist? Was sagtest Du?" Dein Aussehn, Deine ganze Art und Weise gefällt mir nicht." Man hat fo seine Stimmungen, meinte Egon ungeduldig. Aber es ist auch noch anderen Leuten aufgefallen, daß Du einem glücklichen Menschen recht wenig ahnlich stehst." Der junge Gutsherr stutzte. C Anoeren reuten v wteoeryotte er argwöhnisch. Nach kurzem Zaudern 2m er rasch herüber an den Tisch. Ein verbissener Zug hatte sich um seinen Mund gelegt. Sprichst Du vielleicht , !. en in r.tvon meiner zuiunsllgen i?rau scywie germama, von Frau' von Zernwitz?' kam es scharf von seinen Lippen. Berthold blickte verlegen auf fein GlaS nieder. Diese Wendung deö Ge fprächs überrumpelte ihn. Er fand nicht gleich eine ausweichende Antwort, wie sie von der Vorsicht geboten war. Dein betroffenes Schweigen ist mir Antwort genug," rief Egon in noch schärferem To. Wahrscheinlich kommst Du gerade von der ä)ame, bist ihr Abgesandter." (Fortsetzung folgt.) Das Dorf CamvianO am See von Lugano ist berühmt durch eine miereiiamen Freskogemälde auö 14.. iö. uns 16. ahrdunoer!.

Gras Kimsdorsss Nachfolger.

stet eue russische Minister deS leuiere ein Bewunderer Kaiser Wilhelms. Der im neuen russischen Kabinett Goremykin zum Minister des Aeußern ernannte Baron v. Jswolsky war sei! August 1902 als außerordentlicher Gesandte? und bevollmächtigter Minister n Kopenhagen akkreditirt. Baron v. A. P. d. Jswolsky. Jswolsky, der in letzter Zeit wiederholt als möglicher Nachfolger des Grafen Lamsdorff, des nunmehr zurückgehetenen langjährigen Leiters der aus wärtigen Politik des Zarenreiches, genannt wurde, zählt etwa 50 Jahre und ist einer der fähigsten Männer der jüngeren Schule der russischen Diplomatie. Er war sein ganzes Leben im diplomatischen Dienst thatig. Früher war er Gesandter beim Vatikan und in Japan, auch hat er ausgedehnte Reisen im Ausland gemacht. Er gilt als ein Bewunderer Kaiser Wilhelms, und vor Jahresfrist hieß es mit ziemlicher Bestimmtheit, er sei als künftiger Botschafter in Berlin in Aussicht genommen. Xitwt französische Uniform. versuchsweise bei einem Jnfauterie-Negi, ment in SiiUe eingeführt. Seit dem Burenkriege und mit zerstärkten Kräften seit dem ostasiatischen Kriege dauern die Versuche alle? Heere, die bisherige nationale Kriegertracht durch eine andere zu' ersetzen, die möglichst wenig sichtbar, möglichst bequem. im Sommer möglichst luftig und im Winter möglichst warm ist. Das eine immer im Widerspruch zum anderen. Aber wir leben ja in der Zeit der Kompromisse, und so wird schließlich auch dieses Sphinx -Räthsel gelöst werden. In unserem Bilde zeigen wir die neuesteProbe für die franz?inr je vr . iu.;c uuiicc, uic versuchsweise bei dem 43. Jnfanterie - Regiment in Lille eingeführt wurde und wahrscheinlich allgemein angenommen werden wird. Das CSauhtftitrf htr Infanterist. AcHt ist ein Waffenrock, welcher der deutschen Litewka zum Verwechseln ähnlich sieht, nur ein bischen länger als diese ist. Ueber die Farbe ist man sich noch nicht ganz klar. Die Wahl schwankt wie ur allen Heeren hauptsächlich zwischen grau und grünlich-grau und wirdwahrscheinlich auf letztere Tönung fallen. Die Khakifarbe, ferner braun und dunkelblau haben sich für europ'aische Luft- und Anbauverhältnisse als weniger günstig erwiesen. Die Knöpfe sind natürlich nicht blank, sondenrmatt gehalten. , Ein großer Widerstand hat sich gegen die Abschaffung der nationalen rothen Hofe erhoben; aber die unbedingte Nothwendigkeit, den Schützen dem umgebenden Gelände so ähnlich wie nur möglich zu machen, hat sich auch hier als ausschlaggebend erwiesen. Die Beinkleider, in der Form von Kniehosen, werden die gleiche Farbe wie der Waffenrock erhalten. Viele Kämpfe wurden auch über die Kopfbedeckung ausgefochten man war einen Augenblick nahe daran, den Helm der verhaßten prufsiens" einzuführen. Schließlich blieb man beim Käppi, dem man gleichfalls die Grundfarbe deS Wasfenrocks gab. Der rothe Pompon (das Büschel am oberen Rande) verschwindet natürlich im Kriege. Die Kleidung wird durch Schnürschuhe mit Gamaschen vervollständigt. Und so wird die neue Uniform fast wie Siegfrieds Tarnkappe wirken. Sehr zweckmäßig an der französischen Tracht ist der breite Klappkragen des Waffenrockes, zu dem man sich in Deutschland nock nickt so reckt entscklienen kann. Im großen ganzen werden im Verlaufe einiger Jahre alle Heere Europas eine im Grundschnitt und in der Farbe ziemlich ähnliche Kleidung und Ausrüstung zeigen. Nur in den Zuthaten, dem äußeren Aufputz auf unserem Bilde zum Beispiel die Epauletten werden sich die. nationalen Verschiedenheiten noch bemerkbar machen.

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