Indiana Tribüne, Volume 29, Number 232, Indianapolis, Marion County, 24 May 1906 — Page 7

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6. B0 X Alfred Sassen

OKHWHHH)00WWK (Fortsetzung.) Das freut mich ton Herzen. Ich komme als Abgesandter von FräuleinWeltzi?n. Sie läßt vor der Bescheerung zu einer Tasse Thee bitten." Ja. Mama, laß uns hinuntercehen," rief Olga fast übermüthig, ich habe vom Eis einen ganz respektablen Appetit mitgebracht wirklich ganz respektabel." Am Theetisch suchten die Augen der gepeinigten Mutter nicht, wie zu erwarten gewesen wäre. Egons Gesicht, um darin unter wildem Herzklopsen nach dem Mal der grauenvollen Blutschuld zu forschen nein, nein, sie hingen starr an den Zügen von Martha Weltzien. In dem scharfgeschnittenen Antlitz Prägte sich eine solch heitere Ruhe aus. so viel anmuthige Liebenswürdizkeit. daß Frau von ZernWitz sich ganz verwirrt fragen mußte, ob die fürchterliche Zwiesprache, die sie vor kurzem mit der Hausdame gehabt, nicht ein wüster Traum gewesen sei? Ganz unerwartet traf sie dann aber einmal ein funkelnder Blick aus den räthseltiefen Augen der dunkel gekleideten. hohen Gestalt, und dieser Blick mahnte:' Vergiß nicht! Da empfand di; arme Frau nur zu eindringlich wie- . der, daß alles schreckliche, herzzerschneidende Wirklichkeit gewesen sei. - 7. K a p i t 1 1.

er Thee wurde ziemlich hastig getrunken. Dann begab sich die Gesellschaft hinüber in die

Halle, wo inzwischen auf langen Tischen die Geschenke für die Gutsleute bereit gelegt worden waren. Ein Diener zündete die Lichter an der riesenhaften Tanne an, deren Zweige mit weißen Flocken und mattem Silberflimmer überstreut waren, so daß die Täuschung, der Baum sei schneeüberschüttet aus dem Wald herbeigeholt worden, beinahe eine vollkommcne war. Als die Wachskerzen alle in Brand gesetzt waren, floß auch in die entferntesten Winkel der Halle ein wundersam mildes Schimmern und Glanzen ein Klingelzeichen ertönte und aus einem großen Nebenzimmer, wo sie sich schon seit einiger Zeit versammelt hatten, traten die Gutsleute herein in den feierlich erhellten, weiten Raum. In einen Knauel zusammengedrängt, blieben sie mit verlegenen Gesichtern in der Nähe der Thür stehen. Egon hielt eine kurze Ansprache, in der er betonte, daß er zum erstenmal hier als Gutsherr stehe und um das volle Vertrauen der Leute bat. als Gegengeschenk verhieß er ein mildes und gerechtes Eingehen auf alle ihre Wünsche und Forderungen. Er bemühte sich mit Erfolg, schlichte und einfache Worte zu finden, und schüttelte, als er ausgesprochen hatte, alle die derben Arbeitshände, die sich ihm linkisch entgegenstreckten. Langsam schob sich dabei die ganze Gruppe näher zu den Tischen hin, hinter den Kindern her. die von Fräulein Weltzien zu ihren Plätzen geführt wurden und nach einigem Sträuben hastig in Taschen und Schürzen bargen, was ihnen zugedacht war. Einige der älteren Leute, die seit dielen Jahren schon auf dem Gut arbeit teten, waren indessen von Frau von Zernwitz und Olga begrüßt worden und es war rührend anzusehen, wie da aus den harttantigen Gesichtern alle Verlegenheit schwand und einem Aufleuchten echter, tiefer Freude Platz machte. Frau von Zernwitz behauptete tapfer ihre Fassung und sprach in gütigen Wortvr allerlei mit den Leuten nur davon sagte sie nichts, daß in einigen Monaten schon der Gutshof wieder ihre Heimath sein solle. Kaum hatten die großen und kleinen Beschenkten die Halle verlassen, als durch die zur Hälfte offen gebliebene Thür die Klänge des fchönen Weihnachtsliedes Stille Nacht, heilige Nacht" hereindranqen. Unter den Au-

gen der Herrschaft hatten die Kinder sich nicht das Herz fassen können, die alte, sinnige Weise anzustimmen sie schickten sie nun von draußen herein als Dankesgruß. Das Lied war verklungen. Egon Rüttenauer schritt zu einem seitwärts siehenden Tisch, der noch mit einem Tuch bedeckt war. das die Geschenke verhüllte, mit denen er seine Gäste überraschen wollte. Der Mutter seiner Braut reiche er die erste Gabe eine wundervolle illustrirte Prachtbibel. Frau von -Zernwitz. die sich eben noch so voll Inbrunst an ihren ' Gott geklammert hatte, wurde es gerade diesem Geschenk gegenüber nicht allzu schwer, ein paar Dankesworle zu finden. Sie dachte im ersten Augenblick gar nicht daran, welche Hände ihr die Bibel dargereicht hatten. Sie empfand das Geschenk des Buchs der Bücher gleichsam als ein Zeichen der Gottheit, an die sie sich kurz vorher gewandt und ohne weiter auf die anderen Gaben zu achten, die . Egon Rüttenauer dem Freund und dessen Mutter und zuletzt in überreicher Weise der Geliebten spendete, setzte f sich mit ihrer Bibel

ein?as abjeils nieder, schlug das schöne

Buch m ihrem Schooß auf und heftete

die durstigen Augen daraus, wie m der bestimmten Erwartuna. sie werde eine

Stelle aufgeblättert haben, die ihr. mit

himmlischem Trost m d gequälte

Seele leuchten müsse.

Da tauchte eine vermummte kleine Gestalt, deren Eintritt in die Halle

niemand gewahr geworden war, neben

ihr auf es war ihre treu ergebene alte Kathrin.

Man hatte die gute Seele aufgesordert, gleichfalls den Weihnachtsabend in Weilau zu verleben, allein sie war durch keinerlei Vorstellungen zu bewegen gewesen, mit zu kommen. Run war ihr dieser Entschluß wohl doch noch leid geworden, und sie hatte sich nachträglich eingefunden. Frau von Zernwitz streckte ihr erfreut die Hand entgegen. Zugleich las sie aber in dem eingeschrumpften Gesichtchcn eine zitternde Ausregung, und nun sprach die Alte mit wunderlichen Geberden allerlei auf sie ein. was sie jedoch, da es zur Hälfte verschluckt wurde, nicht verstand. Sie erhob sich, um mit Kathrin in eine entfernte Ecke der Halle zu gehen, damit die Alte, die jedenfalls verwirrt und bedrückt war von der Gruppe unter dem Weihnachtsbaum, deutlich und klar sprechen könne. Da streifte ihr Auge die Gestalt eines jungen Mannes, der, leicht von Schnee überstäubt, in der vom Hof hereinführenden Thür erschienen war

in jäher, erschrockener Abwehr streckte

sie beide Hände aus, ihr Gesicht wurde aschfahl und nahm einen herzzerreißenden Ausdruck an von Schmerz und Angst ein Schrei rang stch ihr aus weher Brust: Georg mein Sohn!" Dann brach ste ohnmächtig zusammen. In tiefster Bestürzung eilten alle hinzu nur der junge Mann im Thürrahmen dort verharrte regungslos. Er war schlank und gut gebaut, auch das Gesicht machte im ersten Augenblick durch die Regelmäßigkeit seiner Linien einen anziehenden Eindruck. Nur zu bald aber sah man, daß diesen gut geschnittenen Zügen der Stempel eines wüsten Lebens aufgedrückt war. häßliche Falten bogen die Mundwinkel nach unten, und in den dunklen Augen, über die die Lider wie müde zur Hälfte herabgesunken waren, ließ sich ein unruhiges Flackern unterscheiden, das plötzlich zu einem stechenden, fast schielenden Blick werden konnte. Ein fatales Lächeln zuckte um den nur von einem "leichten Schnurrbart beschatteten Mund, als der junge Mann angelegentlich die Gruppe der Menschen musterte, die um die Hingesunkene bemüht waren. Außer der Schwester erspähte er kein bekanntes Gesicht. Egon Rüttenauer und Berthold

Schönholzer trugen die Ohnmächtige in ein benachbartes Zimmer und leg ten sie dort auf ein Ruhebett nieder. Unter den Bemühungen der alten Kathrin und Frau Schönholzer schlug sie bald wieder die Augen auf. Wirr sah sie eine kurze Weile um sich dann sah man, daß ihr die Erinnerung an das Geschehene zurückkehrte. Sie richtete sich ein wenig auf und fragte tonlos: Wo ist er?" Olga, der ein paar große Thränen über das schneeweiß gewordene Gesicht rollten, sagte: Bitte, bitte, liebe, gute Mama, er hole Dich erst sprich jetzt nicht mit ihm." Frau von Zernwitz machte eine eigensinnige, ihr sonst ganz fremde Kopfbewegung. Ich will ihn sofort sprechen schicke ihn zu mir und allein will ich mit ihm sein." Olaa flehte: Du erträgst es nicht. Mama jetzt noch nicht warte bis morgen ja, ja. ' Ohne Rücksicht auf die anwesende Frau Schönholzer zu nehmen und in einem seltsam harten Ton erwiderte die Mutter: Glaubst Du wirklich, es fei mir möglich, eine lange, bange, schwere Nacht in der Ungewißheit hinzubrin gen? Gleich muß ich hören, welch neues Unheil auf mein armes, müdes Herz loshämmern will." Es muß ja kein Unheil sein."

mischte sich Frau Schönholzer mit ihre? guten, warmen Stimme ein. Ich meine, am Weihnachtsabend tritt niemand über eine Schwelle, um Leid und Schmerz zu bringen." Frau von Zernwitz drückte die Hand der alten Frau, dann flüsterte sie voll trostloser Bitterkeit vor sich hin: Es geschehen keine Wunder mehr, auch nicht am Weihnachtsabend." Ein Mutterherz sollte ni: aufhören. an Wunder zu glauben," sagte Frau Schönholzer in schlichter Eindringlichkeit. Mit erschütternder Geberde faltete Frau von Zernwitz die Hände. Dann laßt mich das Wunder erleben," rief sie in einem trockenen Aufschluchzen. Schickt meinen Sohn zu mir!" Frau Schönholzer winkte Olga und der. alten Dienerin, die ihr langsam folgten auf der Schwelle wandte sich Kathrin noch einmal um und huschte blitzgeschwind zu der geliebten Herrin zurück. Als der junge Herr heut Nachmittag so unerwartet ankam," stammelte sie weinend wollte ich es nicht zugeden, daß er hierher ging, aber er ließ sich nicht halten. Ich lief dann, vor-

aus, um die gnaoige Frau'.vorzuoerttten es war aber doch zu spät." Latz gut sein, Du liebe Getreue," antwortete Frau von Zernwitz in ihrem gütigsten Ton und streichelte das runzelige Gesichtchen. Du hast mehr als Deine Pflicht gethan wie stets." Die drei Frauen hatten das Zimmer verlassen. Bald darauf stand Georg von Zernwitz vor seiner Mutter. Die vielgeprüfte Mutter umfing seine Erscheinung mit' einem unbeschreiblichen Blick eine Welt voll schmerzensreicher Liebe sprach sich darin aus. Sie hob jedoch die Hand nicht, um sie ihm entgegen zu strecken, gewaltsam zwang sie das Mutterherz zur Ruhe und fragte nur leise: Wie kehrst Du zurück?" Der junge Mann schien einstweilen die Antwort vermeiden zu wollen. Mit einer heiser klingenden Stimme, die nur zu gut zu den verlebten Zügen seines GesichlZ stimmte, sagte er: Vor allem vergib, liebe Mutter, daß ich Dich so erschreckt habe. Wenn ich gewußt hätte " Die Mutter unterbrach ihn, indem sie ihre Frage wiederholte: Wie kehrst Du zurück?" Er zuckte die Achseln. Das ist in wenig Worten gesagt. Ich gehörte seit längerer Zeit einem Zirkus an, der Frankreich, Belgien und die Schweiz bereist?. In Zürich hatte ich das Unglück, mit meinem Pferd zu stürzen. Ich lag längere Zeit im Spital. und als man mich entließ, stellte stch heraus, daß mein linkes Bein doch noch zu schwach war, als daß ich meinem Beruf sofort wieder hätte nachgehen können. Da meine Geldmittel durch die Krankheit aufgezehrt waren, machte ich meine wenigen Werthsachen zu Geld und fuhr nach Hause." Nach Hause." fiel Frau von Zernwitz mit einer Strenge ein. die ihr fchwer genug fallen mochte. Weißt Du nicht, daß Du es verwirkt hast, ein .Zuhause' zu haben? Uebrigens gelobtest Du mir, als wir uns das letzte Mal sahen, nicht eher wieder heimzukehren, als bis Du Dir durch ein arbeitsames, tüchtiges Leben ein Anrecht darauf erworben hast Du Dein Wort gehalten?" Georg von Zernwitz biß sich ungeduldig auf die Lippen und senkte feine Augen, in denen ein böses Licht aufflackerte, vorsichtig zu Boden. Ich sagte Dir doch schon, ich bin zum Zirkus gegangen. 'Da ich als Soldat immer ein vortrefflicher Reiter war, lag mir dieser Weg. mein Brot zu verdienen, ziemlich nahe. Zirkusreiter Du lieber Gott, es ist schließlich ein Beruf, so ehrlich und anständig wie jeder andere, nur ein bischen gefahrvoller, wie ich das ja am eigenen Leibe habe erfahren müssen. Hätte ich

nicht das Malheur gehabt, zu stürzen, so stünde ich heute wahrhaftig nicht vor Dir. Wenn Tu mir die Thür weisen ioillst " Das habe iH nicht gesagt." Ich würde eö auch gar nicht schön finden, da es Euch ja, wie es den Anschein hat, recht gut geht. Ihr wohnt allerdings, so viel ich gesehen habe, in dem einstöckigen Gartenhaus etwas beschränkt. Aber dafür hat mein zukünftiger Herr Schwager, der ganz allein steht, auf unserem einstigen Stammgut um so mehr Platz. Er wird mir gewiß gern Gastfreundschaft gewähren, bis ich mich so weit erholt habe, um wieder meinen Beruf aufnehmen zu können." Frau von Zernwitz machte eine heftige Bewegung. Du wirst Dich nicht unterstehen, an Herrn Rüttenauer mit einem solchen Ersuchen heranzutreten. Unter unserem bescheidenen Dach wird wohl auch noch für Dich Raum sein." Der junge Mann lächelte in verbissenem Zorn. Wie Du befiehlst." Die bedauernswerthe Frau saß in einem plötzlichen, unruhigen Nachdenken ein Entschluß wollte sich in ihr empor arbeiten, ein Entschluß, der bitter schwer sein mußte, oenn auf ihrer Stirn zeigten sich kalte Schweißperlen. Sie wischte sie mit dem Handrücken weg ein kurzes Ringen noch in der gemarterten Brust dann hob sie mit entschiedenem Ausdruck den Kopf. Sie wandte sich zu ihrem Sohn. Du fühlst wohl selbst, daß es zwi schen uns noch vieles zu besprechen und zu klären gibt, ehe ich Dir so, wie es eine Mutter wohl sollte, die Hände zum Willkomm reichen kann. Aber zu einer erschöpfenden Aussprache ist augenblicklich weder Zeit noch Ort. Kehre in die Halle zurück und thue, was sich ja doch nicht vermeiden läßt mache Dich mit den Anwesenden bekannt, wenn es nicht schon geschehen ist. Und bann ersuche Herrn Rüttenauer, auf ein paar Minuten zu mir zu kommen." Nach Deinem Wunsch. Mutter." Er ging ruhig hinaus. Frau von Zernwitz legte die Hände an die Schläfen, die ihr springen wollten in unruhigem Hämmern. Ungeduldig blickte sie nach der Thür. Sie schien den Entschluß, den sie gefaßt hatte, nicht rasch genug zur Ausführung bringen zu können. Es währte kaum eine Minute, so trat Egon Rüttenauer ein. In feinem Gesicht spiegelte sich die aufrichtigste Besorgniß und wärmste Antheilnahme wider. Gott sei , Dank, verehrte Frau Mama." rief er. daß die Ohnmacht so rasch vorüber gegangen ist. Und wie ich,'öre, ist auch Ihr Befinden den Umständen nach befriedigend?"

Danke ja." erwiderte Frau von Zernwitz. Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen. Zuerst bitte ich um Verzeihung dafür, daß es an einem Abend, für den Sie sich zu einer frohen Feier Gäste geladen, zu einem folch störenden Auftritt gekommen ist." Aber, verehrte Frau Mama, von einem störenden Austritt kann doch gar nicht die Rede sein, sondern nur von einem bedauerlichen Schwächeanfall Ihrerseits, der sich ja Gottlob, rasch zum Besseren gewendet hat. Und wenn auch die fröhliche Harmonie einen Augenblick gestört worden ist. so tragen Sie doch nicht die Schuld daran." Richtig." nickte Frau von Zernwitz bitter, sondern ein Eindringling, der " Ein so hartes Wort wollen wir doch nicht brauchen. Der Bruder meiner lieben Braut wird in meinem Haus stets willkommen sein." Seien Sie nicht so rasch mit einer solchen Einladung," sagte , die Dame langsam und schwer. Sie wissen wohl nicht genau, wer der Bruder Ihrer Braut ist. Oder doch Sie haben natürlich von den Gerüchten gehört, die über den verlorenen Sohn des Hauses Zernwitz im Umlauf sind?" Egon machte eine ablehnende Bewegung. Ich bitte," fagte er zart, wir wollen doch nicht Dinge berühren, die Sie nothwendig von neuem erregen müfsen." Diese Dinge sollen und müssen endlich ausgesprochen werden." beharrte Frau von Zernwitz schwer athmend. Es war von mir sowohl, als auch von Olga ein Unrecht, daß sie nicht schon längst zur Sprache gekommen sind. Schon damals, als Sie um die Hand meiner Tochter baten, hätte es ;;eschehen sollen," sie blickte den junc.en Mann in einer Art fiebernder Erwartung scharf an. Sie hätten dann wohl kaum darauf bestanden, einem Glied unserer Familie Ihren Namen geben zu wollen." Aber beste Frau Mama." widersprach Egon Rüttenauer auf's lebhafteste,, wie können Sie denken " Frau von Zernwitz fuhr, ohne seine Einrede zu beachten, rasch fort: Denn es sind ehrenrührige Dinge, um die es sich handelt " Sagen wir nicht so," stieß Egon, dem der Athem plötzlich nicht mehr frei aus der Brust wollte, mühsam hervor. Gar viele Familien haben jugendliche Vcrirrungen eines Sohnes zu beklagen." Jugendliche Vcrirrungen," lachte Frau von Zernwitz hart auf. Ja, damit fing es an schon zur Zeit, als sich Georg noch im Kadettenhause befand." , Noch einmal, fchonen Sie sich, qu'älen Sie sich'nicht mit diesen Erinnerungen. die " Wenn Sie meine Qualen nicht verlängern wollen, so unterbrechen Sie mich nicht mehr! Sie sollen hören, was auf diese jugendlichen Vcrirrungen folgte. Meinetwegen rechnen wir zu ihnen auch noch die häßlichen Spielschulden, die mein Sohn als blutjunger Leutnant machte und endlich auch eine empörende Affäre mit einem weiblichen W:sen untergeordneter Gattung, wodurch er sich gezwungen sah, um seinen Abschied einzukommen. Nun aber hören Sie die Hauptsache. In dem großen, kaufmännischen Geschäft, in das er später eintrat, ließ er sich Unterschlagungen im größten Maßsiabe zuschulden kommen. Nur dadadurch, daß mtvin Gatte sich ohne Besinnen ruinirte und alles, was er besaß, hingab, blieben wir vor der Schmach bewahrt, einen Zernwitz hinter den Mauern des Gefängnisses zu wissen. Das ist mein Sohn, der sich schließlich auch noch anklagen muß, das Leben seines Vaters auf dem Gewissen zu haben! Denn mein Gatte erlag infolge der namenlosen Aufregungen einem Schlaganfall." Die unglückliche Mutter hatte ihre Kraft doch wohl überschätzt. Kaum war das letzte Wort der furchtbaren Enthüllungen über ihre Lippen gekoinmen, als sie mit geschlossenen Augen wie leblos in die Polster zurücksank, indeß ihre Hände in krampfhaft zuckenden Bewegungen um sich griffen. Seltsamerweise sprang Egon Rüttenauer nicht hinzu, um sie zu stützen oder aufzurichten. Es war beinahe, als komme ihm dieser Zwischenfall gelegen, weiler dadurch Zeit gewann, seine Haltung wieder zu erlangen, die ihn beim Anhören der erschütternden Schilderung eines verlorenen Menschendaseins verlassen hatte. Er stand ein wenig abgewandt, mit allen Kräften bemüht, seinen Zügen jene marmorne Ruhe aufzuprägen. die ihm sonst recht wohl zu Gebote stand. Und er erreichte, was er wollte. Als er sich dem Ruhebett wieder zukehrte, erschien sein schönes Gesicht in der That wie aus Stein aemei-

ßelt. Soll ich jemand zu Ihrem Beistand herbeirufen, verehrte Frau Mama," fragte er, oder Ihnen ein Glas Wein besorgen lassen?" Frau von Zernwitz hatte die Augen wieder geöffnet. Nun richtete sie auch den zurückgesunkenen Oberkörper langsam auf. . (Fortsetzung folgt.) Verschlucken. Wenn man sich beim Essen verschluckt, so hebe man den einen Arm in die Höhe, und der in die Luftröhre gedrungene Gegenstand wird herausfliegen. . . .

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