Indiana Tribüne, Volume 29, Number 230, Indianapolis, Marion County, 22 May 1906 — Page 5

Jndkana Tribüne, 2a Mai 1906

- Gerechtigkeit. LNzze von Gerd Harmstorf. . ' Steif und kerzengerade, wie wenn seine lange, hagere Gestalt aus Holz geschnij;t wäre, satz der Stadtrath Prätorws in dem Armsessel vor seinem Schreibtisch. Auf seinem scharf geschnittenen, eckigen Gesicht war ein Ausdruck unbeugsamer Entschiedenheit, und seine kalten grauen Augen blickten sireng, als er im Tone des Unwillens sagte: Es setzt mich wahrhaftig in Erstaunen, Friedrich, daß Du Dich zum Anwalt und Fürsprecher eines gemeineu Spitzbuben machen kannst. Denn ich werde ihm hinfort keinen anderen Namen mehr geben, ob er auch mein eigener Sohn ist. Er hat sich an dem Gelde seines Chefs dergriffen, um es an ein leichtfertiges Fraurnzimmer zu verschwenden. Dasür giebt es so wenig eine Entschuldigung als von irgend welcher Nachficht die Rede sein kann. Er soll die Strafe erleiden, die er verdient hat. Das ist für mich eine erledigte Sache, und es wäre mir lieb, wenn ich nichts mehr darüber hören müßtet Der kleine Mann mit dem gütigen und in diesem Augenblick tieftcaurigen Antlitz, an den diese Worte gerichtet waren, seufzte schwer und strich sich wohl schon zum zehnten Male mit dem bunten Taschentuch über die feuchte Stirn. Bei Gott, Du bist hart mit ihm. Christoph! Und wenn sein Bergehen hundertmal scblimmer wäre, die Aufrichtigkeit seiner Reue würde ihm einen Anspruch auf Dein Mitleid geben. Wenn man eS recht betrachtet, so bist Du doch vielleicht nicht ganz ohne Schuld daran, daß es so weit mit ihm kommen konnte!" Die dünnen .Brauen des Stadtraths zogen sich noch höher. Nicht ohne Schuld? Ich? Was für ein Gerede ist das? Ich habe den Jungen mit aller Gewissenbaftigkeit erzogen, die in Vater nur

immer aufwenden kann. Und er hat nie ein anderes Vorbild vor Augen aehabt, als das Vorbild strengster Rechtschaffenheit. Der soll aufstehen. der mir etwas nachsagen könnte, was auch nur den kleinsten Schatten auf meine Ehre würfe. Oder solltest Du etwa anderer Meinung sein Du, mein Bruder?" Der kleine Mann blickte vor sich nieder: .Es war nicht das, was ich meinte, Christoph! Ich weiß wohl, in wie hohem Grade Du das Vertrauen und die Achtung Deiner Mitbürger genießest. Aber man kann auch auf andere Weise an seinen Kindern sündigen als durch interessante Belehrung und man kann auch in der Strenge zu weit gehen, Christoph! Und ich meine',' daß' Du eZ gerade dann zuweilen versehen hast. Hermann hat das Unglück gehabt, seine Mutter sehr früh zu verlieren. Und es ist damit viel Wärme und viel Sonnenschein aus seinem Leben genommen worden. Du hast ihm allezeit nur den Zuchtmeister und den unbarmherzigen Richter seiner jugendlichen Verfehlungen gezeigt. Die Furcht vor Dir hat sein Vertrauen erstickt. Er hat sich gewöhnt, Heimlichkeiten vor Dir zu haben, weil er wußte, daß er niemals auf Nachsicht zu rechnen hatte für seine Sünden, auch wenn es nur die natürlichsten Irrthümer seines Alters waren. Seine Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit ist so lange ungestillt geblieben, daß es vielleicht nicht so ganz unbegreiflich ist, wenn er alles Maß für die Beurtheilung der Dinge verlor, als er jetzt endlich ein Wesen gefunden zu haben meinte, das dieser Sehnsucht Befriedigung gewährte. Er ist verführt und bethört worden, wie ungezählte Tausende vor ihm verführt und bethört worden sind. Hätte er einen Freund gehabt, der ihm rechtzeitig warnen konnte, so wäre wohl nicht geschehen, was 'sich jetzt zugetragen hat. Und mir ist. als hättest Du ein wenig die Pflicht gehabt, ihm dieser Freund zu sein. Der Stadtrath machte eine ungeduldige Bewegung. Nimnumir'3 nicht übel aber das ist alles nichts als thörichtes Geschwätz! Der Junge hat in mir immer einen Beschützer gehabt, wenn es galt, einen seiner üblen Streiche gebührend zu bestrafen. Und als er sah, daß bei mir nichts auszurichten war, hat er natürlich wieder versucht. Dich zu gewinnen. Ich halte es geradezu für ein Glück, daß Du nicht in der Lage bist, ihm die unterschlagenen sechstausend Mark zu, geben, mit deren Ersatz er die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft verhindern könnte. Denn ich will nicht, daß diese Anzeige unterbleibt. Würde er jetzt mit einem blauen Auge davon kommen, so könnte ich sicher sein, daß sich die Geschichte über kurz oder lang wiederholt. Mein Leben lang habe ich den Grund vertreten, daß jeder die Folgen seiner Handlungen tragen muß, und daß Gerechtigkeit sein muß ohne Ansehen der Person. Soll ich diesem Grundsatz untreu werden, nur weil es : sich nicht um einen Fremden handelt, sondern um meinen eigenen Sohn?" Und wenn Du damit sein ganzes Leben vernichtest? Wenn Du ihm durch den Makel, der ihm damit angeheftet wird, geradezu die Möglichkeit abschneidest-, sich einen seinen ähigkeiten angemessenen Platz in der

menschlichen Gesellschaft zu erringen? Dann hat er sich's selbst zuzuschreiben. Eine schöne Moral, wenn ein Dieb straflos bleiben soll, nur weil er das Glück hat, einen wohlhabenden Vater zu besitzenwährend der Sohn des armen Teufels ohne Gnade in's Gefängniß wandern muß. Ihn vor den Folgen seiner Handlungsweise zu schützen, hieße ein Unrecht begehen gegen die Allgemeinheit, der zu dienen ich mir zur Aufgäbe meines Lebens gemacht habe. Die Existenz, die er sich auf Grund seiner Unöescholtenheit aufbaute, wäre eine Lüge, und ich werde mich nicht zum Mitschuldigen solcher Lüge machen." Es ist also Dein fester, Dein unwiderruflicher Entschluß, Christoph, ihn seinem Schicksal 'zu überlassen?" Ja! Die Gerechtigkeit über alles. Da liegt der Brief, in n?elchem ich der bestohlenen Firma mittheile, daß ich mich nicht veranlaßt sehe, den durch meinen ehrvergessenen Sohn angerichteten Schaden zu ersetzen, und daß ich selbst die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wünsche. Noch in dieser Stunde wird das Schreiben an seinen Bestimmungsort abgehen." Da erhob sich der kleine Mann, der es nicht gleich seinem Bruder zum reichen Manne, sondern nur zum einfachen Privatlehrer gebracht hatte, von seinem Stuhl und legte die zitternde Hand auf die Schulter des Stadtraths. Nein. Christoph ich denke, es wird nicht abgehen! Denn noch habe ich Dir nicht alles gesagt, was sich zur Entschuldigung dieses armen unglücklichen Jungen geltend machen läßt. Ich hoffte, es würde mir erlassen bleiben. Aber Deine kurzsichtige Härte und Dein Rechtschaffenheitsdünkel zwingt mich zu meiner B:trübniß, davon zu reden." Heftig hatte der Stadtrath bei diesen letzten Worten des Bruders die beschwichtigende Hand von seiner Schulter abgeschüttelt. Wäge Deine. Worte etwas sorgf'altiger, wenn ich bitten darf. Niemand soll sich unterstehen, von meinem Rechtschaffenheitsdünkel zu reden. Ich denke doch, daß es einem Manne von makelloser Vergangenheit erlaubt ist, sich auf die Reinheit seines Ehrenschildes zu berufen." Einem Manne von makelloserVergangenheit vielleicht Du aber Du solltest es nicht thun, Chrisioph Du nicht!" Mit einem Ruck fuhr die lange Gestalt aus dem Schreibsessel empor. Du wagst es "

Bleibe ruhig ich bitte Dich! Ich sagte Dir ja, daß es nicht mein Wunsch und meine Absicht war, davon zu reden. Habe ich es dreißig Jahre lang in der Tiefe meines Herzens verschlossen gekalten', so' hätte es da auch wohl noch länger begraben bleiben können. Aber ich kann es nicht hören, daß Du hier, wo ein junges Menschenleben auf dem Spiele steht, hochtrabende Sentenzen verkündest von der Gerechtigkeit, die über alles gehen müsse, und von der Lüge einer Existenz, die auf unverdienter Unbescholtenheit aufgebaut sei. Denn wenn man es so betrachtet, Christoph, so ist ja auch Deine ehrenvolle Ezistenz. Deine geachtete Stellung nichts anderes als eine solche Lüge." Der Stadtrath stützte sich schwer auf die Platte seines Schreibtisches. In seinem Gesicht zuckte es seltsam. Ich verstehe Dich nicht. Du mußt von Sinnen sein, daß Du Dir heraus nimmst, jmr solche Dinge zu sagen." Nein, ich bin nicht von Sinnen. Christoph! Und mein Gedächtniß täuscht mich ebenso wenig, als mich meine Augen getäuscht haben in jener Nacht, da Du heimlicb den Schreibtisch des Vaters erbrachst, um Dir die Mittel zur Bezahlung einer leichtfertigen Schuld zu ' verschaffen. Die Nachforschungen nach dem Diebe sind damals erfolglos geblieben denn ich habe geschwiegen. Ich konnte es ja nicht wissen, daß Du so strenge Ansichten über die Sühne hegtest, die jeder Schuld unweigerlich nachfolgen müsse. Ich konnte ja nicht wissen, daß Du dreißig Jahre.später um geringeren Verschuldens 'willen Deinen eigenen Sohn zu Grunde gehen lassen würdest, nur um der Gerechtigkeit willen." Er hatte es in seinem gewöhnlichen milden Ton gesagt, ohne die Stimme zu erheben. Aber seine Worte mußten den Stadtrath nichtsdestoweniger wie Keulenschläge getroffen haben, denn er bedeckte die Augen mit der Hand und seine mageren Schultern bebten. Dann wandte er sich mit einer halb mechanischen Bewegung dem Schreibtisch zu und zerriß den Brief, von dem er vorher gesprochen, schweigend in kleine Stücke. Geh!" sagte er tonlos. Ich kann jetzt keinen Menschen sehen." . Aber ich darf Deinen 'Sohn zu Dir schicken, daß er sich Deine Verzeihung erbittet nicht wahr? Denn jetzt, nicht wahr jetzt scheint es Dir,' wie ich hoffe, nicht mehr so ganz unverzeihlich, was er gethan." Er soll kommen!" erwiderte der Stadt,ath, ohne aufzublicken. Aber als sich dann die Thür hinter seinem mit leisem Gruß hinausgegangenen Bruder geschlossen, fiel er in den Ses sel zurück und verbarg sein G:sicht .iy den. fanden.

Der erste Kuß. 'Eine Geschichte von Lothar Schmidt. Die Liebe datirte von der Tanzstunde her, doch sie kannten sich schon viel früher. Als Nachbarskinder waren sie mit einander aufgewachsen. Zu jener Zeit ahnten sie freilich noch nicht, was ihnen die Zukunft einst bringen würde, obgleich . . . nun, ja, es ist eben eine eigene Sache mit der Liebe. Beschrieben haben zwar das merkwürdige Ding schon viele, zu erklären, aber es hat noch keiner vermöcht. Also die ersten zarten Wurzeln lagen weit in der Vergangenheit zurück. Damals war er ein dummer Junge von dreizehn, sie ein kluges Mädel von zehn Jahren. Die Freundinnen seiner Schwester spielten gern mit ihm und er gern mit ihnen Käm,nerchen vermiethen", Versteck", Blinde-Kuh- usw. Seine Kameraden neckten ihn oft, bald mit der Elfe, bald mit der Liese, bald mit der Erna. bald mit der Grethe; besonders mit der Grethe. Dann Pfelgte er wüthend zu werden und sich tüchtig mit den übrigen Jungen zu raufen. Das konnte er nämlich absolut nicht vertragen, wenn sie riefen: Hans und Grethe . . . hihi, haha!" Wollte man ihm glauben, so mochte er die Mädels" alle nicht leiden, hauptsächlich nicht die Grethe'. Er bemühte sich auch, was er behauptete, durch die That zu beweisen. Wenn Grethe zu der Schwester in Vaters Garten kam, um Erdbeeren zu pflücken oder Pflaumen- und Apfelbäume zu plündern, dann erschien plötzlich Hans ganz unvermuthet wie ein deus ex machina" und schnautzte sie tüchtig an. Im Wiederholungsfalle faßte er auch wohl die schreiende Grethe beim Schlawittchen und warf sie zum Garten hinaus. Der kleine Kerl vindicirte sich ein gewisses Recht dazu, denn Papa hatte es ein .für alle Mal verboten, weder Himbeeren zu pflücken, noch Pflaumen und Aepfel ohne seine spezielle Erlaubniß. Solche Vorkommnisse störten aber die Freundschaft zwischen Hans und Grethe keineswegs. Sie kam recht oft wieder, ließ sich recht oft von ihm ausschimpfen und per Schub bis an die Grenze des Gartens bringen. Nun passirte es mitunter, daß Grethe sich tagelang nicht blicken ließ. Sie war entweder krank oder die Eltern hatten ihr das Herumtollen mit dem wilden Jungen untersagt oder eö war irgend ein anderer Grund vorHanden, weswegen sie ausblieb. Merkwsirdig! Dann konnte Hans ganze Stunden am Gartenzaun stehen und auf sie lauern. Es war ettvaS in feinem Wesen verändert, wovon er sich natürlich keine Rechenschaft gab, noch geben konnte. Wäre in solcher Zeit einer der 5 Kameraden ihm zufällig begegnet und hätte gerufen: Hans ...du wartest wohl auf die Grethe? ...haha, hihi." dann wäre er sicherlich sehr entrüstet gewesen und würde den Schreier durchgeprügelt haben oder würde von ihm durchgeprügelt worden sein, 'je nach dem . aber Streit hätte es auf alle Fälle gegeben, denn er mochte die Mädels" sammt und sonders nicht leiden, zumal die Grethe nicht. , Allmählich waren die übrigen Jun-

gen ebenfalls aus den Geschmack gekommen, will sagen zu der Einsicht: Kein Vergnügen ohne Damen!" Männlein und Weiblein spielten nunmehr gemeinsame Spiele. Eins der beliebtesten war Räuber und Gendarmen". Ursprunglich nur von den Knaben gepflegt, wurde dasselbe jetzt ein wenig abgeändert. Die Räuber blieben Räuber, aus den verfolgenden Gendarmen aber wurden galante Kavaliere gemacht, die mit ihren Damen harmlos promenirten, um plötz-, lich aus dem Hinterhalt von Rinaldo und seinem Gesindel überfallen zu werden. Einstmals machte Hans den Räuberhauptmann. Diese vielbegehrte Rolle wurde von den Knaben stets ausgeloost, damit bei der Vertheilung des. hohen Ehrenpostens ja keiner zu kurz käme. Den Ort der Handlung bildete eine inmitten der kleinen Stadt belegene Wiese, welche am Tage zuvor gemäht worden war. Singend zogen eine Anzahl. Knaben und Mädchen über ten grünen Teppich dahin, als auf einmal Rinaldo mit. der ganzen Räuberbande hinter einem Heuhaufen hervorbrach. Wer sich .nicht stark genug fühlte, ergriff eiligst die Flucht, wer aber Muth genug besaß. ' vertheidigte sein Leben und das des schwachen Geschlechts bis aufs äußerste. Einige von den Banditen wurden überwältigt und festge nommen, einige andere, unter ihnen der Hauptmann, waren siegreich. Sie machten drei Gefangene,. zwei Damen und einen Herrn. Im Lager, d. h. hinter dem Heuhaufen angekommen, entließ Rinaldo großmüthig ohne Lösegeld den Ritter und eine Schöne. die andere es war zufällig die vlondgezopste Gretye behielt er zurück. Grethe ergab sich heldenmllthZg Zn ihr Schicksal. Kein Laut der Klage kam über ihre frischen Lippen. Im Gegentheil, aus. ihren' großen blauen Augen blitzte eö wie Hoffnung und Sieg. Wnaldo schickte nun. seine Banditen wieder fort zur Befreiung der Genossen und wandte sich darauf mit einer artigen Ansprache, wie sie kürzlich in einer Räubergeschichte

cmö den Abruzzen gelesen hatte, an die Gefangene:

Mein schönes Fräulein, sagte er, haben Sie keine Angst vor mir; fürchten Sie nichts; es soll , Ihnen kein Haar Ihres vornehmen HaupteS gekrümmt werden. Zwar bin ich ein Räuber, doch bin ich nicht so furchtbar als ich aussehe. Auch weiß tch mit edlen Damen höflich umzugehen." Grethe hatte sich lm Heu mederaelassen und lauschte aufmerksam jedem seiner Worte. Haben Sie irgend einen Wunsch nach Speise. Wein oder sonst einem Trank? er soll Ihnen sofort erfüllt werden.' Ich . danke schön, lieber Herr Hauptmann, aber ich habe weder Hunger noch Durst," erwiderte sie sreundlich. Rinaldo schwreg, drehte ihr gravitätisch den Rücken und, die Arme über die Brust verschränkend, blickte er finster hinaus in die Ferne. In dieser Pose- verblieb er. bis Grethe ungeduldig rief: Weiter!" Was steht zu Diensien?" fragte sich umwendend ' der Räuberhauptmann. Nun, weiter doch!" wiederholte Grethe. Weiter! jetzt fängt ja die Geschichte eigentlich erst an. Was sür eine Geschichte?" Na, du mußt jetzt recht nett zu mir sein, Hans, mußt mir eine Liebeserklärung. machen und mich um emen uß bitten. Ach Unsinn!" entgegnete Hans barsch. Er drehte sich rasch -wieder um, damit Grethe nicht sähe, wie jäh ihm das Blut ins Gesicht schoß. Jawohl, du mußt mir eme Li:beserklärung machen und mich um einen Kuß bitten." wiederholte sie in weinerlichem Tone. Lacherlich! meinte kurz . der Hauptmann. Dann spiel ich nicht mehr mit! erklärte Grethe trotzig. Oho, das wollen wir doch mal sehen; du bist meine Gefangene." Wenn ich aber davonlaufe? So? ich lasse dich einfach nicht fort." Im Nu stand HanS neben ihr und hatte sie am Handgelenk gefaßt: Hiergeblieben!" befahl er. Mit resignirtem Achselzucken setzte sie sich abermals in'sHeu, um nach einer Weile bittend fortzufahren: Hans, sei doch nicht so! Du wirst doch kein Spielverderber sein Hans? Wenn du mich um keinen Kuß bitten willst, so kannst du mir doch wenigstens einen rauben! Wozu bist du denn ein Räuberhauptmann?" Was das für dummes Zeua ist!" Nein, das gehört aber mal zum Spiel." Ich küsse keine Mädels!" 's ist bloß zum Spaß. Hans! Die antuen. Jungens sehen's doch nicht!" . Ja, ja.'vas kenn' ich schon; naä' her erzählst du's ihnen." Wahrhaftig nicht, Hans; ich schwöre es dir." Betheuernd legte Grete die Hand auf das klopfende Herz. Hans stand da, zögernd und verle-gen.-Na!" ' ermunterte " Grethe und spitzte das Mäulchen. Wozu soll ich dir denn eigentlich einen Kuß geben?" So gerne!" Damit die .andern mich auslachen, nicht wahr?" Wenn ich's aber nicht weitersage!" Aber der Erna auch nicht?" Nein doch!" Und der Ella nicht und nicht der Liese...?" Nein doch, nein!" Hans trat dicht an sie heran. Grethe, die um einen Kopf kleiner war als er, stellte sich auf die Zehen. . Nein, ich thu's aber doch nicht!" Er machte wieder Kehrt. .Die kleine Eva war empört: In meinem ganzen Leben red' ich kein Wort mehr mit dir, so böse bin ich auf dich!" Dabei stampfte sie mit dem Fuße heftig auf. Hans machte ein sehr, sehr dummes Gesicht. - Also willst du? Ja. oder nein? Ich frag dich jetzt zum allerletzten Male." Der Junge schien einen schweren Kämjif mit sich zu kämpfen. Wie gern' gewollt hätte! Wenn, er sich nur nicht gar zu sehr geschämt hätte! Endlich faßte er einen verzweifelten Entschluß. Er kniff die Augen fest zusammen und gab ihr einen herzhaften Küß auf den Mund. Dann nahm er eiligst Reißaus. Grethe aber ging langsam nachdenklich hinterdrein. .Das : war der erste Kuß. Den zweiten gab er ihr fünf Jahre später. Doch -da hatte, umgekehrt, er lange, lange zu bitten, bis sie's ihm erlaubte. . . Schrecklich. A:... Was, Sie waren in München und haben dort kein Bier getrunken?! 'Erlauben Sie mir. das ist ja gerade so, wie Neapel sehen und dann nicht, sterben Ein feiner Kenner. Richter (zum Zeugen): ...Also, was wis sen Sie vom Exzeß? Zeuge: Ich sitz' im Wirthshaus und denk' , an nichts da krieg ich plötzlich von hinten nne Ohrfeige; die ist mir gleich bekannt vorgekommen! Ich. schau' muh um richtig ist'S der. Müller!

Der B ebauuna soll wieder

ein umfangreiches-'Forstterrain in der Umaebuna von Berlin erschlossen werden. Es. handelt sich um ein-Gebiet von mehreren hundert Morgen der Jungfernheide, das zwischen dem Berlin SpandLuer Schiffahrtskanal und dem Nonnendamm beleaen ist und an. Haselhorst grenzt. - Es wird gegenwarng vermenen uno ou einer Terrain- und Ballgesellschaft Lbertragen werden. Der lekte Svrlkenmann wird in absehbarer Zeit, vielleicht schon in 5abressrist. aus der Berliner Feuerwehr ausgeschieden r.? rr . T"-r . , . r r ' icin. jüm sruyere antet) ajeioung oer Feuerwehrmannfchaften in SpritzenMänner und Feuermänner ist schon vor einer Reihe von Jahren gründsätzlich aufgegeben worden. Damals wurden die iünaeren Svrikenmänner nachträglich als Feuermänner ausge!fl.l C t M.. iioer, uno es oueo nur nocy eine ;un zahl älterer Spritzenmänner übrig, die zur Ausbildung zum Feuermannsdienst nicht 'mehr geeignet erschienen. Durch Pensionirung ' verminderte sich das Häuflein dieser letzten Spritzenmänner von Jahr zu Jahr-immer weiter. Bis zum Friih iahr 1900 war es auf 54 Mann zusammengeschmolzen, in den folgenden Jahren verminderte es sich auf. nur noch .4. Auch diese vier, die sämmtlich auf eine Dienstzeit, von mehr als zwei Jahrzehnten zurückblicken, werden vermuthlich in nicht zu ferner Zeit das Bedürfniß fühlen, sich zur Ruhe zu setzen. Die Berliner Feuerwehr wird dann aus gleichartig vorgebilbeten Mannschaften einheitlich zusam.r.j.i r ' incngcießi jcin. Seit kurzem fäbrt in London der erste elektrische Omnibus oder Elektrobus", wie man ihn bereits getauft hat, auf offener Straße. Das gleiche Fuhrwerk, durch Petroleum getrieben, ist in neuester Aeit reichlich vertreten und erfreut sich lebhasten Zuspruchs. Doch hat' e manche Nachtheile, die zur heißen Jahreszeit vermuthlich ' noch schärfer zu Taae treten werden: in erster , Li nie dürfte der nackhaltiae Petroleumounst zu den Unannehmlichkeiten ge rechnet werden. Ganzlich geruchlos natürlich und weniger schwerfällig trotz Aufnahmefähigkeit für 34 Reisende ist der Elektrobus, sur eme Entfernung von 30 englischen Meilen geladen, während die bis jetzt geplante länaste Fahrt 22 Meilen nicht übersteigt. Ein Wagen soll im Laufe des Tages eme Strecke von 120 Meilen mit viermaliger Ladung zurückleaen. innerhalb der kommenden zwei Monate will die Omnibus-Ge-sellschaft zwischen dem Viktoria Bahnhöfe und dem zu King's Croß vierzia Fuhrwerke arbeiten lassen. Haben diese den erwarteten Erfolg, so sollen in einem Jahre 300 zur Verfügung deö - Londoner .Publikums stehen. - Zu welchen kaum glaublichen Zuständen das neue australische Gesetz betreffend das Schankgewerbe geführt hat und noch tagtäglich führt, zeigt folgender Vorfall. Ist da kürzlick eines Sonntags ein Herr, der andern Tags sich nach SanFrancisco einzuschiffen beabsichtigte, m Sydney eingetroffen und in dem ersten Hotel der Stadt abgestiegen. Er hatte sich zuvor mit dem japanischen Generalconsul, den er in Zesschäften zu sprechen hatte, verabredet, daß dieser ihn nach seiner Ankunft im Hotel besuchen sollte. Als jener aber das Hotel betreten wollte, ist ihm bedeutet worden, daß ihm des Sonntags wegen der Zutritt nicht gestattet werden könne. Da alle Auseinandersetzungen' nichts gefruchtet haben, ist dem fremden Herrn zuletzt nichts anderes übrig geblieben, als mit dem japanischen Generalconsul in. den boramschen Garten zu gehen und dort seine Geschäfte abzumachen. In einer geharnischten Zuschrift an die Blätter hat er indessen noch vor seiner Abreise tte Erklärung abgegeben, daß er zum letztenmale in. einem Lande gewesen sei, wo einem Hotelgast nicht gestattet werde, am Sonntag einen Besucher zu empfangen. - Die vielen Feinde, die sich der Ceremonienmeister des türkischen Sultans. Abdur Rezak.und dessen Onkel Schamil - Pascha, ' in Konstantinopel erworben hatten, fallen jetzt über die wehrlosen Exilirten her und haben den Sultan zu überzeugen gewußt, daß diese beiden einst so mächtigen Günstlinge die allerschrecklichsten Verbrechen gegen die Person des Herrschers und ähnliche Dinge mehr geplant hätten. Man beruhigt sich daher nicht mit der Ezilirung dieser Getreuen des Sultans, sondern man will die Nachkommen des gefürchteten Kurden - Chefs Bederhan - Pascha vollständig . vernichten. Auf Befehl des Sultans sind vor einigen Tagen der Oberstaatsanwalt des Appellgerichtshofes inStambul und zwei Untersuchungsrichter, in Begleitung von zwei türkischen Journalisten, nach Tripolis in Afrika abaereist, zur Untersuchung der dem Schamil Pascha nachgesagten verbrecherischen Pläne. Von Tripolis aus wird sich diese richterliche ComMission nach Jemen begeben, um dort Abdur - Rezak's Schicksal zu besie. geln. WaL aus diesen früheren Gunstlingen Abdul HamidS' nunmehr' wer den wird, weiß zwar Jeder, wird aber wohl niemals öffentlich . bekannt, gemackt, werd. .... . ,:

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