Indiana Tribüne, Volume 29, Number 228, Indianapolis, Marion County, 19 May 1906 — Page 5
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Jndiana Tribüne, ZS. Mai 1906, 5
3TCäsEcnöaiT im l)ntttcrs Rastlw.
FNilitZr-TiumorkKk, vsn E. Thun. TaS Xte Jnfanterie-Negiment hatte das Schicksal, mit seinen drei Bataillonen in drei verschiedenen und ziemlich weir ren einander entfernten kleinen Städtchm Z2 garnisoniren. Der larneradschaftliche Verkehr der Offiziere des Regiments erlitt durch diese Dreithcilung so manche Äeschränkung, was um so empfindlicher gefühlt wurde, als die gesellschaftlichen Verhältnisse der Garnisonöorte keinerlei Ersatz dafür boten. Der Krämergeist, welcher in den nur auf Erwerb sinnenden Familien der drei Städtchen herrschte, behagte den lebenslustigen Offizieren nicht, und vice versa, den Krämern behagten die Offiziere nicht. Es fand daher der Vorschlag des Herrn Obersten: die Zusammengehörigkeit deö OffizierkorpS durch gemeinschaftliche Feste zu fördern, bei allen Offizieren, namentlich den jungen Herren, lauten Beifall. Das ge wählte Vergnügungskomite beschloß, für den Winter an jedem der drei Orte einen Ball ;u arranairen und zum Schluzz der Maskenball Saison noch erlra einen am Orte des Regimentskommandos. Elne Hauptbedingung in letzteren war: durchaus Vezug auf strenges Geheimniß über die zu wählende Maöke. Der Jkegimentekommandeur, Oberst v. Greif-Greifenstein, ein jovialer, aber im Dienst ein über alle Begriffe strenger Herr, erklärte sich mit den getroffenen Arrangements einverstanden, nur sagte er: Daß mir die jungen Herren nicht dadurch den Dienst aus dem Kopfe verlieren! Wer mir am Tage nachdem Balle schlavp ist, der - Er schnitt ein Unheil drohendes Geficht, aber verrieth nicht weiter durch Worte, was mit dem Unglücklichen geschehen würde. Der erste Ball hatte einen glänzen den Verlauf. Die beiden Töchter deS Herrn Obersten, schöne, blühende Ge schürfe im jugendlichen Alter von achtzehn und zwanzig Jahren, waren die umworbensten der ohne Ausnahme erschienenen Offizierödamen. Frau Oberst v. GreisGreifenstein sah mit Stolz und innerer Befriedigung auf die Triumphe, welche ihre Töchter feierten, namentlich schien eö ihr nicht unangenehm, daß die jimgen Lieutenants v. Lettowund v. ßim del, Beide zukünftige Majoratsherren, jede Gelegenheit wahrnahmen, sich ihren Töchtern zu nähern und wiederholt dieselben zu Tänzen aufzufordern. Ihrem Mutterherzen that es wohl, wenn sie an die Möglichkeit dachte, in diesen beiden Herren ihre zukünftigen Schwiegersöhne zu erblicken. Was sie dazu thun konnte, sollte gewiß geschehen. Sie nahm daher auch die Bitte der beiden Lieutenants, den Damen Erfrischungen überbringen zu dürfen, mit verbindlichstem Kopfnicken entgegen und jubelte.im Inneren auf, als sie hörte, daß ihre Töchter mit den Helden ihrer Phantasie den Kotillon tanzen würden. Die Frau Oberst wußte es aus ihrer eigenen Vergangenheit, daß ein Kotillon mit all' den verführerischen Touren und dem süßen Geplauder in den Paufen mehr als jeder andere Tanz geeignet ist, Hymens Bande zu schmieden. War solches bei ihr doch auch der Fall gewesen, als der kleine Greif, wie man ihren Gemahl damals nannte, sie zum Kotillon auf ihrem ersten Ball geführt und in der dritten Pause gewonnen hatte.. Was die beiden Pärchen mit einander während des Kotillons geplaudert, erfuhr Niemand, auch selbst die Frau Mama nicht, nur die glückselig dreinschauenden Mädchen wußten es, und der Mond, den sie nach dem Ballfest viel sehnsüchtiger und Verständnißinniger als je zuvor anschauten. Den Herren Lieutenants v. Lettoro und v. Kimbel ging eS gerade so, ja sogar noch ärger, denn sie wachten träumend und träumten wachend, mit einem Worte, sie fühlten, daß bei Ihnen irgend etwas .nicht in Ordnung war. Die natürliche Folge dieses träumhaften Zustandes war, daß beide Herren am nächsten Morgen gerade in dem Augenblick zum Dienst erschienen, als der Herr Oberst zu dem Kommandeur deS aus dem Kasernenhof in Front aufmarschirten Bataillons herantrat. Die beiden Lieutenants meldeten sich pflichtschuldigst und stammelten lahme Entschuldigungen wegen der Werspätnng. Ra, da sind Sie ja!" sagte der Herr Oberst mit unnatürlicher Freundttchkeit; freut mich, daß die Herren endlich ausgeschlafen haben; hoffentlich sind Sie vom gestrigen Balle nicht zu sehr ermüdet, einen kleinen Uebungsmarsch mitzumachen!" Ein kurzer Gruß, die Lieutenants traten in das Bataillon ein. So sar kastisch hatte der Herr Oberst noch nie gesprochen; was steckte dahinter? Was dahinter steckte, sollten sie bald erfahren. Als sie todtmüde nach einigen' Stunden zurückkehrten, überbrachte ihnen der Regimentsadjutant den Befehl ihrer Versetzung in das im entferntesten Städtchen garnisonirende Bataillon. Diese Versetzung wirkte sehr ernüch. ternd auf die jungen Herren, wußten sie doch, daß der Kommandeur deö Bataillonö, Major v. SchablinSky. unter dessen Befehl sie nun kommen sollten, einer der brutalsten und rücksichtslosesten Vorgesetzten war. Mehr als
ciries aoer wurmte sie cer evanie, daß sie nun für lange Zeit nicht in die lieben Augen . blicken sollten, die so innig und glückverheißend während deS KotillonS sie angeschaut hatten. Ohne die jungen Damen noch einmal gesehen zu haben, reisten sie noch am selben Abend nach der neuen G?rnison ab. Als die RegimentSkommondeuse von diese? Versetzung und der Abreise der jungen Offiziere hörte, gab es im Hause deS Herrn Oberst v. Greif-Greifenstein zwischen den Ehegatten eine arge Szene. , Hugo!" rief die Frau Oberst entrüstet, sie nannte bei solchen Gelegew heilen ihren Gatten stets bei dem Vornamen, bist Tu bei Sinnen, daß Du mir den Lettow und den Kimbel gerade jetzt fortschickst, wo sich die Zukunft unserer Töchter entscheiden könnte? ES ist empörend und unverzeihlich, dax Dir der dumme Dienst sogar über das Wohl und Wehe Deiner Binder geht! Glaubst Du etwa, ich hätte Thekla und Wanda dazu erzogen, dermaleinst alö Erzieherinnen oder Repräsentantinnen fremder Hauchalte ein kümmerliches Dasein zu fristen? Dir wäre das ja gleichgiltig. aber mir nicht. .Und nun schickst Du die armen Kerle noch zu dem Schablinöky, von dem Du doch weißt, wie er seine Offiziere und Leute schin det! Hugo, ich sag' eö Dir, wenn Tu den Befehl nicht zurücknimmst, spreche ich mit Dir kein freundliches Wort mehr!" Frau v. Ercif-Greifcnstcin hielt erschöpft inne, die Erregung hatte ihr Gesicht stark geröthet. Sie warf sich schluchzend aus das Kanapee. Waö ich einmal befohlen habe," erwiderte der Oberst, seine kleine Gestalt mit einem energischen Ruck ein paar Zoll verlängernd, kann ich im nächsten Augenblick nicht rückgängig machen; die Versetzung ist im Interesse deö Dienstes geschehen. Ich, als Oberst, bin für mein Regiment verantwortlich und habe dafür zu sorgen, daß die verfluchte Schlappheit darin nicht Wurzel faßt. Schlappe Offiziere machen schlappe Leute, daher fort mit ihnen! SchablinSky wird den jungen Herren schon die Schlappheit üuS den Knochen treiben!" Das Vergnügen wird er nicht allzu lange genießen!" bemerkte Frau v. Greif-Grcifcnftcin höhnisch. Wie meinst Tu das?" Run, weil die Herren cS nicht nöthig haben, sich Brutalitäten gefallen zu lassen. Sie werden den Tienst, den Tu ihnen so angenehm machst, einfach quittiren, und dann haben wir Alle
Tu, ich und die Mädchen, sowie Dein Zuchtmeistc? Schablineky das Räch sehen. Denn die Herren Majorats Herren werden sich bedanken, ihre Gemahlinnen aus Kreisen zu wählen, in denen man sie so unter aller Kntu be handelt!" Frau Oberst v. Greif-Greifenstein erhob j:ch bei diesen Worten vom Ka napee, warf ihrem Gatten einen ver nichtcnden Blick zu und verließ schnell das Zimmer. Sie liebte es, das letzte Wort zu haben, und flüchtete daher stets vor der Widerrede des Eheherrn. Der Oberst sah seiner Frau mit dem unangenehmen Gefühl nach, daß nicht er, sondern sie siegreich aus dem Wort gefecht hervorgegangen. Die Zukunft seiner Frau und Töchter zeigte wahrlich kein sehr freundliches Bild, wenn cr einmal auö dem Dienst oder aus dem Leben schied. Heiratheten seine Töchter nicht, so lange sie jung und frisch waren, und er als aktiver Oberst ihnen den be vorzugten Platz in der Gesellschaft sicherte, dann ja was dann? Allerhand Gedanken kreuzten sich im Gehirn des gestrengen Herrn; aber daS Bewußtsein seiner Unfehlbarkeit ließ sie alle erklären. Erst der Dienst dann alle Weitere! Haben die jungen Leute ernstliche Absichten auf meine Töchter," so sagte er sich zum Schluß, dann wird ihnen ein strammer Dienst dies? Absichten nimt verladen. Punktum!" ES verblieb daher bei der Vcrban nung der beiden Lieutenants. Major v. Schablinsky, dem schon wiederholt junge dienstschwänzende Lieutenants ,n die Kur gegeben waren, hatte ganz eigene, von ihm selbst mit besonderem Raffinement erfundene Methoden, die ihm Uebcrwiesencn von der angeborenen oder erst später angeeigneten Krankheit der Dienitvernach lässigung zu heilen. Er übertrug ihnen die nächtlichen Revisionen der Mann schaftsräumc, die Vorführung der Mal propren vor dem Beginn des Taaeödiensteö, chikanirte sie auf alle mögliche Weise beim Ererziren, ließ sie du Aufficht führen über Diejenigen, die zum ytaajererjircn verurthellt waren, bestimmte sie zur Prüfung der Menage, zum Abhalten der Appelle, zu Jnstruk tionsstunden und dergleichen. In vier zehn Tagen, mitunter schon flüher. hatte er die Opfer seiner Methode so weit, daß sie aussahen, als ob sie eine energische Entfettungskur durchgemacht hatten. Man kann sich demnach den Schrecken und das Mitleid der jungen Oberstentöchr denken, als auf dem nächsten Balle die hohlwangigen Maiorals Herren vor sie hintraten und um einen Tan; baten. Mein Gott, wie sehen Sie auö! riefen Thekla und Wanda wie aus einem Munde. Finden Sie, daß sich unser Äussehen verändert hat?" fragte Lieutenant v. Lettow. Krank, abgehetzt sehen Sie aus. Sie müssen sich. mehr schonen!" erwi derte Thekla und blickte dabei flehend ri i . i n. -. in oie auileuanenoen Augen Lcttows.
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v. SchablinSky nicht!" rief Lieutenant v. Kimbel, einen wüthenden Blick nach der Ecke werfend, von wo aus der eben Gcsannte die verschiedenen Gruppen beobachtete. Schauen Sie nicht so wüthend aus, Herr v. Kimbel!" rief die achtzehnjährige Wanda. Der Ekel ist es ja gar nicht werth, daß Sie sich hier mit ihm beschäftigen!" Sie haben Recht, gnädigstes Fräulein, lassen wir den Vampyr! Den Kotillon haben Sie doch für mich verwahrt?" Run gewiß! Darauf habe ich mich ja schon drei Wochen larnj gefreut!" Und ick aua)!" Wirklich?" Sehen Sie es mir nicht an, wie glücklich eö mich macht, daß Sie an mich gedacht haben?" Das junge Mädchen sah lhrem Gegenüber tief in die Augen und crröthcte dabei bis in die Haarwurzeln. Wer weiß, wohin die gegenseitigen Geständnisse noch geführt hätten, aber da stand auf einmal der Ekel" zwischen Beiden, verbeugte sich siegesgewiß vor der wie vor einer Natter zurückprallenden Wanda und bat mit näselnder Stimme um die Ehre, seinen Namen in die Tanzkarte einzeichnen zu dürsen. Der Major streckte die Hand aus, um die Tanzkarte zu erhalten, aber Wanda barg dieselbe schnell hinter dem Rücken. Dies geschah mit solcher Hast, daß Lieutenant v. Kimbel ein Lächeln nicht unterdrücken konnte. Major v. Schablinsky warf einen giftigen Blick auf den Lieutenant und wiederholte seine Bitte. Ich habe keinen Tanz übrig, Herr Major!"' Auch nicht den Kotillon?" Den erst gar nicht! Um den hat mich soeben Lieutenant v. Kimbel gebeten!" Auf diesen Tänzer werden Sie, gnädiges Fräulein, leider verzichten müssen," bemerkte der Major, schadenfroh lächelnd. Herr Lieutenant v. Kimbel hat eö gewiß vergessen, daß er zu der Zeit, wo der Kotillon zu beginnen Pflegt, die Mannschaftsräume zu revidiren hat !" Auch heute, am Balltage?" Empört blickte die junge Dame den noch immer lächelnden Major an. Auch heute! Der Dienst verlangt seine Rechte auch an einem solchen Tage! Darf ich also aus den Kotillon rechnen?" Kurz, ohne auch nur ein Wort zu erwidern, drehte sich Wanda um und lief eiligen chritteS zu ihrer Mama, die, in Zukunftörläne versunken, erschrecken emporfuhr, als ihre Jüngste aufgeregt vor ihr stand und stammelnd das eben Vorgefallene berichtete. Mama, liebste, beste Mama, hilf uns, sprich mit dem Papa! Er soll befehlen, daß der arme Kimbel heute nicht in die Mannschuftsräume zu gehen braucht! Wenn der alte Ekel, der Major, eö für nöthig hält, so kann er ja selbst revidiren! Entweder tanze ich mit dem lieben Kimbel den Kotillon, oder ich laufe davon und weine mich todt!" Aber, Wanda!" sagte die Mutter beschwichtigend, daS erregte Gesicht der Tochter streichelnd. Vor allen Dingen beruhige Dich! Ich will ja gern mit dem Papa sprechen, aber Du weißt doch, wie streng er selbst über den Dienst denkt. Ich bezweifle, daß er Deinen Wunsch erfüllen wird. Vielleicht ist es dem Lieutenant v. Kimbel auch ganz gleichgiltig, ob er mit Dir den Kotillon tanzt oder nicht!" Mit der letzten Bemerkung wollte die kluge Frau Oberst nur erforschen, wie weit die jungen Leute mit einander gekommen waren; denn soviel wußte sie aus eigener Erfahrung, daß ein zungeS Mädchen erst dann für lhren Helden eine Lanze bricht, wenn es der Gegenliebe desselben sicher zu sein glaubt. Stückweise berichtete denn auch die Tochter den Inhalt der mit Lieutenant v. Kimbel geführten Unterhaltung. Frau v. Greif-Greifenstein fühlte aus dem Mitgetheilten heraus, daß lhre Pläne alle Aussicht hätten, sich zu verwirklichen. Sie sah bereits im Geiste ihre, Töchter als Majoratsherrinnen; jetzt war es Zeit, energisch zu handeln. Sie erhob sich, gab ihrem Gatten einen bedeutsamen Wink und trat Mit ihm in ein Nebenzimmer. Nach kaum zehn Minuten kehrte sie il ...i.t.! .....v ... lt. r?- r. i " uiuu.zujucuu ju u;tci regier zuru, sie hatte nach einem lebhaften Wortgefecht den schweren Kampf gegen ihren Gatten gewonnen. Du kannst Dich beruhigen, liebes Kind," sagte sie zu ihrer Tochter, Kimbel wird heute nicht die Mannschaftsräume revidiren!" O, Mama, gute Mama, wie soll ich Dir danken! Darf Lieutenant Kimbel auch zu Dir kommen und seinen 'anr av uautnr Das halte ich für überflüssig, mag er glauben, Major v. Schablinskr, nehme seinen Befehl aus eigenem Antriebe zurück." Das glaubt Lieutenant Kimbel nie und nimmermehr!" rief Wanda übermüthig und eilte zu ihrer Schweste, Thekla, die in einem traulichen tete-a-tetc neben dem glückstrahlenden Lieutenant v. Lettow stand. Major v. Schablinöky hatte ein scharfes Renkontre mit seinem Oberst, welches damit endigte, daß der Letztere ziemlich heftig ausrief: Herr Major, ich befehle eö !" . Der Bataillonsadjutant theilte bald darauf Lieutenant v. Kimbel mit, daß aus Befehl deö Majors die Revision der
Mannschaft am heutigen. Abend xu
unterbleiben hätte. Aas Befehl deS Majors?" fragte Lieutenant v. Kimbel, einen besonderen Aeeent auf das letzte Wort legend. Thun Sie doch nicht so, lieber Kimbel," erwiderte der Adjutant schmunzelnd, als ob Sie nicht auch wüßten, was bereits die ganze Kasinogesellschaft weiß. Der kleine Kobold hat dem Äajor eine eklige Niederlage bereitet; steckt viel Schneid in dem Mädel! Wenn wir Studenten wären, müßten wir ihr einen, Fackelzug bringen." Den Fackelzug würde sich Fräulein v. Greif-Greifenstein doch energisch verbitten!" erwiderte Herr v. Kimbel dem Adjutanten. Unsinn, lieber Kimbel, so weit ich sie kenne, würde ihr die Ovation sehr behagen: aber Scherz bei Seite, im Major können Sie von dieser Stunde an Ihren ärgsten Feind sehen. Wenn ich Ihnen rathen darf, suchen Sie o bald wie möglich wieder von uns fortzukommen sonst, na, ich will nichts weiter sagen amüsiren Sie sich, ich sehe, die Kleine guckt sich schon die Augen nach Ihnen aus." Und so war es auch. Als der Adju taut ihn verlassen, eilte v. Kimbel auf die ihn sehnsüchtig erwartende Wanda zu und drückte ihr seinen Dank in so überschwänglichen Worten aus, daß sie, vor Scham erglühend, sich die Ohren zuhielt und ihm zurief: Nun hören Sie aber endlich auf, Herr v. Kimbel ! Waö ich that, war ja nur Selbsthilfe und," sie zögerte etwas, bevor sie fortfuhr, eine kleine Revanche für Alles das, was der Ekel von Major Ihnen und Ihrem Freunde angethan hat." In der dritten Pause des Kotillons, ganz wie ehemals bei der Frau Oberst, fühlten vier glückliche Menschenkinder, daß sie liebten und wieder geliebt wurden. Die beiden Lieutenants beriethen mit einander am Tage nach dem Balle, ob es nicht ihre Pflicht wäre, sofort dem Oberst ihre Neigung zu seinen Töchtern zu gestehen und seine Einwilligung zu einer Verbindung mit denselben zu erbitten. v. Kimbel war dafür, v. Lettow dagegen; er meinte, so lange er hier unter der Fuchtel dieses Wütherichs von Major stände, wäre er absolut unfähig, Liebesbriefe zu schreiben, und solche würde seine Angebetete doch von ihm erwarten, v. Kimbel schloß sich diesem Argument seines Freundes an und dadurch vergällten Beide dem Major v. SchablinSky die Freude, ihnen Urlaub versagen zu können. In dem Kreise der Osfiziersfamilien des Xten JnfanterieRegimentS wurde die kleine Intrigue, welche Wanda v. Greif-Greifenstein mit Hilfe ihrer Mutter und ihres Vaters auf dem Balle so erfolgreich gegen den allgemein gehaßten Major v. SchablinSky gespielt hatte, vielfach besprochen und glossirt. Mütter heirathslustiger Töchter und deren war ein volles Dutzend im Regiment sprachen sich sehr abfällig über die Oberstentöchter aus. Zweimal hinter einander den Kotillon mit denselben Herren zu tanzen, hielten diese Kritiker gesellschaftlicher Vorgän'e für etwas Unerlaubtes, Unerhörtes. Ja, wäre eine Verlobung auf dem Fuße gefolgt, dann hätte man darüber fortgsehen, man hätte die Verlobungen zwar verdrießlich gefunden, oberes war dann eben etwas anderes. Von einer Verlobung verlautete aber absolut nichts, und als auf dem dritten Balle die beiden Majoratöherren nicht einmal erschienen, da war. man sich darüber einig, daß Thekla und Wanda v. Greif-Greifenstein vergeblich geangelt hatten. Ein Dutzend junger Mädchen war davon sehr vefrledigt, waren doch ihre Chancen dadurch besser geworden. Thekla und Wanda bewahrten auf dem Balle nur schwer ihre Fassung, sie vermochten sich die Abwesenheit der ihnen so theuren Lieutenants in keiner crn-:. - . err? Sin i?ciie zu cruurcii. -vuit.. ic uum, oder war sonst etwas Schreckliches mit ihnen passirt? Die Frau Oberst bemerkte mit einigem Mitleid die Niedergeschlagenheit ihrer Töchter, auch sie konnte sich daS Fortbleiben ihrer Schwiegersöhne in spe nicht zusammen reimen. Greifenstein," sagte sie zu ihrem Gatten, erkundige Dich doch bei dem SchablinSky, weshalb er den Lettow und Kimbel nicht mitgebracht hat !" Hab' es schon gethan. ES ist eine verdrießliche Geschichte, Major v. SchablinSky hat denselben wegen Dlenstvernachlässlgung einen zwei tägigen Stubenarrest zudiktiren müs sen." Das ist ia empörend ! DaS leidest Du? Und das sagst Du mir so sang froiil, Hugo?" rief die Gattin mit einer Stimme, die den XJmt an o manche Gardinenpredigt erinnerte. Nicht so laut, Theure, vergiß nicht, wo wir sind, zu Hause können wir ja weiter über die Sache sprechen !" Der Oberst drehte sich nach diesen Worten kurz ab und sandte sich zu einigen Olslzieren. Auch die Kommandeuse verließ ihren Platz, trat zu ihren betrübt dasitzenden r"jj l L.fv V ! koaliern uno verließ vaio cuiuuj ;uu denselben, rechts und links herablas send grüßend. daS Kasino. Der dritte Ball hatte in der Oberstenfamilie keine schönen Erinnerungen hlnterlas cn. Die Frau Oberst war verstimmt, die Töchter niedergeschlagen und der Herr Oberst beide. Er .hätte gern die, schlechte Stimmung, die im
Hause herrschte, verbessert, aber er wußte nicht, wie. Der Maskenball,- so sagte er schließlich, gibt ja die beste Gelegenheit, Alles wieder in Ordnung zu bringen. Ich zweifle nur,-raisonnirte er weiter, daß die beiden Windbeutel überhaupt daran denken, in'S Ehejoch zu kriechen! Was hindert sie, herzukommen und zu sagen: ,Herr Oberst, bitte, geben Sie uns Ihre Töchter!' Ich habe es vor fünfundzwanzig Iahren so gemacht!" Dann kam ihm plötzlich der Gedanke, daß die beiden Lieutenants am Ende in Folge der Strafversetzung Zweifel haben könnten, seine Einwilligung zu erhalten. (Schluß folgt.)
Jeitiebens im Jrrrenhans. Ein Mord in der Berliner Rückerstraße wird ungesühnt bleiben müssen. Am 26. September 1903 wurde die 31 Jahre alte Schlächterfrau Justine Grabowskt geborene Foberka in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Die Nachforschungen der Kriminalpolizn führten zur Verhaftung des EhemanneZ der Ermordeten. ds jetzt 33 Jahre alten Schlächters Theodor Grabowski aus Czarnowka im Kttlse Vromberg, dessen Alibibeweis mißlang, und der ohne Zweifel verurtheilt worden wäre, wenn man ihn nicht als geisteskrank erkannt hätte. Grabowski kam nach der Irrenanstalt Herzberge, von dort wurde er später als geheilt entlassen, auf Ersuchen de Volizeipräsidiums aber sofort wieder nach der Charits und dann nach der Irrenanstalt Dalldorf gebracht. Jetzt hat das Medizinalkollegium der Provinz Brandenbürg über sein Schicksal entschieden. Nach seinem Obergutachten ist Gra. bowski nie normal gewesen, epileptisch belastet, nicht zurechnungsfähig, und unheilbar. Er kann daher auch nicht aus der Irrenanstalt entlassen und in Pflege gegeben werden, sondern bleibt Zeit seines Lebens in Dalldorf. Ter neue Gouverneur von Teutsch Ostafrika. Zum Gouverneur von Deutsch-Ost-afrila ist, wie bereits kurz gemeldet wurde, der bisherige Generalkonsul in Warschau Freiherr v. Rechenberg ernannt worden. Freiherr Albrecht v. Rechenberg ist am 15. September 1859 aeboren und gehört seit 1889 dem Auswärtigen Amt an. Von 1893 bis 1895 wurde er im Kolonialdienst v:rwendet, und zwar als Richter und Bezirksamtmann in Deutsch-Ostafrika. Im Jahre 1896 übernahm er als Vizekonsul die Verwaltung des Konsulats von Sansibar. Von 1898 bis 1900 bekleidete er den dortigen Posten als etatmäßiger Konsul. Von Sansibar wurde Freiherr v. Rechenberg nach Moskau versetzt und von dort als Generalkonsul nach Warschau berufen. Man rühmt dem neuen Gouverneur eine genaue Kenntniß der deutsch-ost-afrikanischen Kolonie nach. Er wird jetzt seinen Ruf zu bewähren haben. :n riefiger Prozetz. Am schwarzen Brett des Berliner Landgericht 1 steht zu lesen: Der Theaterdirektor Theodor Rosenfeld. Behrenstraße 52 erhebb Klage gegen den Bauern Feodor Machnowitz (ge nannt Feodor Machnow)". Kläger behauptet, daß Machnow auf die Zeit vom 13. Dezember 1904 bis dahin 1905 als Objekt von Schaustellungen", als Riese Machnow" enga girt war und bei Richiinnehaltung feiner Verpflichtung eine Konveniioralstrafe von 10.000 Rubeln zu zah. len hatte. Am 22. Jli v. I. habe sich der beklagte Riese geweigert, weiter aufzutreten und sei von Berlin abgereist. Direktor Rosenseld verlangt nun von dem Kontraktbrüchigen 22. 728 Mark und 50 Pfennig. Die siebente Civilkammer Hai den Vertrags brüchigen Riesen auf den 19. September dieses Jahres geladen. Ob das Klageobjekt" erscheinen wird, ist eine andere Frage. Nenonrnzage. S t u d e n t (zum anderen): Komm, Fritz, trinken wir miteinander eine gute Flasche Wein... mein Onkel war da und hat mir wieder zweihundert Mark ansa.edrangt! Ans denr Snreaulrben. Wodurch hat sich d:nn der Buchhalter bei unserm Chef so unentbehrlich gemacht?" Sehr einfach! Er hat in seinen Büchern eine solche Schlamperei, daß sich, außer ihm. kein Mensch mehr drin auskennt!" Im Tragg'urt erhängt. In einem Stalle in Odenkirchen. Rheinprovinz, fand man einen elfjäh rigen Knaben an einem Haken erhängt vor. Der Knab? war von seiner Mutter zum Schuhputzen in den Stall geschickt worden. Da er vorher ganz dergnügt und ihm auch keinerlei Strafe angedroht war, so nahm man keinen Selbstmord, sondern emen Unglücksfall beim Spielen mit einem Traggurt an, aus dem der Knabe sich eine Schlinge gemacht hatte. Da die Regierung aber im Stande ist, jedem Aufstande zu begegnen, ist es doch gleichgiltig. ob er aus nationalen, sozialen oder wirthschaftlichen Gründen entstände. Die 'Hauptsache wäre doch erreicht durch die Beizeitizung der Ursache für die revolutionäre Stimmungs unter- den Juden!" ;
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