Indiana Tribüne, Volume 29, Number 227, Indianapolis, Marion County, 18 May 1906 — Page 7

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Jndiana Tribüne, 8 Mai l.

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KH0OKHX00000( Hcnuorrcnc Wege 1 0 xn rt xx DOS Alfred Sassen (Fortsetzung.) Nun überwältigte der Jammer doch

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das arme Kind von neuem. Sie legte ngen Mädchen sei plötzlich zum Bedie Arme auf die Lehne der Bank und wußtsein gekommen daß sie sich gepreßte in bitterlichem Aufweinen das ade am Grab des früh verstorbenen Gesicht hinein. und so innig betrauerten Vaters von Egon Rüttenauer stand neben ihr irer verschwiegenen Liebe habe überund biß die Zähne aufeinander. Er wältigen lassen, und aus Beschämung hatte vorhin dem jungen Mädchen tro- darüber sei sie so hastig davongestürzt. stend seinen Rath angetragen aber Gr sagte sich auch, daß er der eigentlich da konnte er nicht rathen und noch viel Schuldiae sei. denn an ihm wäre es weniger helfen er. der sich ja selbst gewesen, seine Selbstbeherrschung zu nicht ratheiz und helfen konnte. bewahren. Er fühlte sich jedoch wahrTas Gefübl seiner Nichtigkeit, das nicht in der Stimmunq. sich mit ihn gleichsam an Händen und Füßen Heiniichen Selbstvorwürfen herumzugebunden sfcin ließ, überkam ihn in die- schlagen. sem Augenblick in solch brennender m Olga hinter der grauen UmfrieScharfe und Scham, daß er vor keiner diqungsmauer des Kirchhofs seinen Verzweiflungsthat zuruckgelÄreckt wa- iidtn entschwunden war. kam es halb-

ic, Dduz er vavurq uk tacji, vzin süßen, weinenden Geschöpf da vor ihm helfen zu können. Da ging jäh ein Aufzucken durch seinen schlanken Körper er stand mit vorgebeugtem Haupt, wie hinhorchend auf eine Stimme die urplötzlich m seiner innersten Seele laut geworden war die großen Augen starrten über die Graber fort m den trubsinkenden herbstllchen Spätnachmittag hinein in die verschwimmende Leere m der aber für ihn eme Vorstellung Gestalt angenommen haben mochte eine Gestalt die in dämonischer Lockung immer klarer c li' r r- y r - ( s V u"d deutlicher sich Herausbob au der grauen Lust. , . . , .. -. . I yelnen. unregelmäßigen klonen empor. 10 mg, oay iym oer ur vom Kopf sie tz achtete nicht darauf, r . r , c i . I ÄUs ieie: n iini. uoer oer oie flammen des rothschimmernen Haares brannten, lag eine eiserne, verzwei-

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ciacg igni vzz aim von uen icu, Tienstag in der Mittagsstunde kehrte freundliche .Herein" hin trat Eaon wahrend er doch zugleich eine dumpfe. cr nach Weilau zurück. Er ließ sich so- Rüttenauer in das Zimmer. Sofort schwere Kalte um sein Herz fühlte. f0r4 cj rau t0n Rinteln melden. heiterte sich die mürrische Miene des Jetzt richtete er sich mit einem Ruck Die Dame sab ibm mit forschenden h, 55rikd!r?ktors auf. Mit

felte Entschlossenheit. Egon überhörte den unhöflichen Ton Als er endlich das Gesicht dem zun- in ret Stimme und erwiderte in kühgen Madchen wieder zuwandte, suhlte fer Sachlichkeiter selbst, daß er sie erschrecken könne mit sn sPr clx slttss;fl, rstl. babe

dem augenblicklichen Ausdruck seiner Züge. Unwillkürlich fuhr er mit der Hano wie Miivcrnv vazuuzx unu es gelangihm in der That, die starre Daraus nyaijin nur eme nervöse unruye vuev m oen Muskeln des blassen Gesichts zurück. Ueber Olga hingeneigt, flüsterte er gequält: Nicht weinen nicht weinen! Bis zum ersten Januar ist noch lange Zeit a wird sich in der Zwischenzeit schon circa nnwnwiicn ciuc uyuuuy, die die derjenigen die Sie und hre tftau a .u u uuiic FjUw 111 "?l lr JT11"' .fi noch schöner! Warum soll das nicht möglich iein5 5C-a3 junge 'jjiaoqcn iqutieue, nocy immer weinend, den Kopf. Rein. nein. Sie kennen das StadtMV C 0 chen nicht so genau wie wir einen m - r y s i I solch abgeschlagenen Zufluchtswmkel. von einem Garten eingehegt gibt es mau zum zrcenennrai uno nurin uiitui iujui iuuiu uuwi .Ich will aber Nicht, daß Sie noch weinen." stieß Egon zwischen den Zähnen hervor, ich kann es Nicht sehen! Und wie er vorhin ihre Hände gefaßt hatte, sie auf die Bank niederzudrücken, 3 " . . " 6 x1 V I ucn !e mai üciuuucu, uuf; es mir möglich sein wird," er brach wieder ab. wie wenn er furchte, zu viel

zu sagen. Dafür legte er als vergesse ten hatte und ihrem Schreibtisch zu- Verpflichtung unterziehen. Ihnen UNer m unwiderstehlichem .Impuls alles schütt, als ob sie dort zu arbeiten ge- ter der Adresse, die sich in den nach-

um stch yer. ai wolle er rm ron. fortgerissen von der Uebermacht semer leidenschaftllchen Empfindungen, alles um sich her vergessen, den Am um die zarten, jungen Mädchenschulte,. und wie gebannt neigte sie ihr Haupt langsam seiner Brust zu, um es mit geschlossenen Augen daran ruhen zu lassen. Einen Auaenblick zögerte er. dann aber beugte er sich rasch nieder und bedeckte das süße, verweinte Gesichtchen mn "un en einer n.a9nroiSig yeroorbrechenden Viere. Ohne die Augen zu offnen m volliger egung.,ig... Zernwitz die ersten Kusse hingenommen . flxis O liii. nur cm iciaji o iyren icymnlen erper ging, icg Zeugniß davon ab. daß Leben in der jungen Brust war. ein Leben, das den ersten Frühlingssturm der Seligkeit willenlos über sich hinbrausen ließ. , ,r. Ct f 0 f ' I Rein. Nicht willenlos, fexe zuckte empor mit einer ganz unerwarteten Stärke in den zarten Handen drängte sie den jungen Mann von sich fort todtenblaß war sie geworden, eine Ermnerung, vzx kdiwuiz an cm ui Begevmtz yatte )t mn orennenoem UJOXwui eins utyqitytcai uu iicm Taumel. An dem leidenschaftüberglühten. schönen Antlitz Egons sah sie vorüber in ein anderes, das sich auf einmal in tiefschmerzlich fragendem Ausdruck vor ihr erhoben hatte. Und als sich der junge Mann ihr von neuem nähern wollte, da rief sie mit flehend aufgehobenen Händen: Rein nein! Bleiben Sie dort ich muß geben, sogleich, und Sie sollen mir nicht folgen! Hören Sie? Ich

Kill es nicht! Ich muß allem sein ganz allein! Sie würden meine Bitte ehren j x ich weiß es " Und ohne dem Grab des Vaters noch einen Blick ZU schenken, eilte sie wie gescheucht davon. Egon Rüttenauer sah ihr mit dem heißen Ausdruck seines Gesichts nach, den er nicht gleich zur Ruhe zwingen konnte. Er rührte sich jedoch nicht von der Stelle, mit keinem Wort dersuchte er. die Enteilende zurückzuhalten.

Da er keine andere Erklärung für diese Gluckt batte. nakim er an. dem Tmi sn f. tTi lsamen Art. in oer man ein isemooe ipriHt, von seinen Lippen: Sei still, mein armes, heimathloses, htrfflinhZ trf Mfe ir yssl5 f,fc irfl sslr,n nir 11f 5,1?. tecnn es mir jedoch nicht gelingen sollte, dann er sprach nicht weiter. Die Linien eines räthselhaft tiefen Schmers gruben sich um seine Lippen-einen Augenblick nur. dann reckte er seine Gestalt empor, und die eiserne, verzweifeltc Entschlossenheit von vorhin legte wieder in kalter, blasser Marmor- ... ,-;s, s,:. - - - vj O In fcr Sonntagnacht war Egon Rüttenauer in Anaeleaenbeiten des - .-- I Gutsverkaufs nach Berlin abaerelst. . ' . ' ' . I Jlen entgegen und rief, ehe er noch sprechen konnte, in scharfem, ungeduldig spöttischem Ausdruck: Mir scheint. Sie bringen nichts Gutes." snfn mhnhtUrr kih .(Serr 9?sich gezwungen sieht, vorläufig seine m ane. den Ankauf des Gutes betrefrcnb llen zu lassen. Als Grund hat m r ana'eben.dan km künl d) NOÄ einer Generaluntersuchunq semes in- ' J - I J - f f i neren Menschen von einer hervorragenden medizinischen Autorität dringend angeratyen woroen lemer angegrisc r p P I fenen Gesundheit zu Liebe den komroirnh'm 9D?n?r in finprn südlichen I rort zu verleben. Bon dem Erfolg scne Aufenthaltes im Süden will er a dann im Frühjahr abhängig machen, ob er siÄ als Gutsbesitzer in Deutschland niederlassen oder für immer unter tlntm milderen Himmel leben und ansudeln wird, jedenfalls" scklok der junge Mann, hat mich Herr Weber beauftragt. Ihnen, gnädige Frau, für Ihr so überraschend liebenswürdiges ftninpntrtlnnxmen seinen veTfiinMitf)fi?n 7 I 7, 5,i,s..n." ie gnädige Frau" machte eine sehr ungnädige Bewegung mit den Schultern und en aeane e s eif und kalt: in n.. c,. snft vnrP Mühewaltung zu keinem' Erfolg get;Uri ,rti S. wnbl Mehnmhrii fanden. Ihnen trotzdem dafür in irgend iner Art meine Anerkennung auszudrücken. " .Das ist n ckt nötbla. anädiae au." lehnte Egon Rüttenauer ab. sst z. 5)amt sick vom Sofa erboenke. emvfabl er sich mit einer kurzen Verbeugung. Drauken im Korridor kam ib.m Frau von Rlntelns Gesellschafterin, - ' Fräulein Martha Weltzien. entgegen, Sie begrüßte ihn und that eme Frage nach dem Erfolg seiner Reise, auf die er so knapp als möglich antwortete, Dann schritt er sofort' weiter, um sein immer mihuiu&n. mariha Melkien bin sich auf die Lippen und sah ihm mit einem funkelnden Blick nach. . Seit Egons Eintritt in das Haus ac fie unter dem sie immer mehr beherrschenden Eindruck semer PersonIi($fct mit berschiednenen Mitteln ver- - - - m - . . sucht, eine Annäherung zwischen sich unö ihm herbeizuführen, allein sie mußte sich eingestehen, daß alle ihre Bemühungen bisher gescheitert waren, Der schone Rothkopf." wie sie ihn m ifimn zarnia leidensckaftlicken .(Serien I .-7-""- O O " " I ' I " U manckmal nannte, bielt im Umaana eine kühle Zurückhaltung fest, die nicht hutAfirfien sckien. Wie ein Zischen kam es von ihren Lippen, als sie ihm nachblickte: Und ich erreiche doch noch mem ZZel! Wie ein Räthsel kam er ihr nicht sei ten vor. und sie wollte wissen, wer er eigentlich war. Wie hatte er jetzt wieder ausgeiehen: Jawohl, erst nun, nachdem er sich fast brüsk von ihr abgewandt hatte, kam es ihr so recht zum Bewußtsein, daß sein seltsames Gesicht heute noch mehr als sonst von einem ganz seltsamen Reiz gewesen war. Von einem unheimlichen Reiz meinte sie. Auf einmal hätte sie. die sich nicht mit it -jt i r." . tm.r je. . unicci jui ciuc 2,icniuicilicttiirt.

hielt, darauf schwören mögen, unter seiner kühlen Außenseite seien Abgründe und Untiefen verborgen. Die hohe, geschmeidige Frauengestalt huschte plötzlich lautlos hinter dem jungen Manne drein. Er schritt schon die Treppe zur Halle hinab, an die sich rechts sein Zimmer anschloß. Was war das?! Jetzt, da er sich unbeobachtet glaubte, war sein Gang ehne eine Spur der gewohnten Elastizität, tastend beinahe setzte er die Füße vorwärts. So geht man mit geschlossenen Augen oder mit Augen, vor die sich ein dichter Nebel gebreitet. Und da mitten auf der Treppe blieb er stehen und legte mit müder, schwerer Eeberde beide Hände an die Stirn, als !obe dahinter eine unerträgliche Qual.

Und war das nicht ein stöhnen, ein Stöhnen wie aus angstgefolterter Brust, das jetzt zu ihr, der Lauschenden. emvordrang?! Nein, Auge und Ohr mußten sie doch wohl getäuscht haben. Es war ihr von ihrer lebhaften Einbildungskraft ein Streich gespielt worden. Egon Rüttenauer stieg die letzten Stufen der Treppe in ungezwungener und unbekümmerter Haltung hinunter von seinen Lippen tönte sogar ein leises Pfeifen und als er jetzt an einem Diener vorbeikam, der eben quer durch die Halle schritt, ersuchte er ihn in völlig ruhigem und gleichziltigem Tone: Wollen Sie mir. bitte, eine halbe Flasche Wein von dem leichten Grenzacher auf mein Zimmer bringen, damit ich den Reisestaub hinunterspülen kann." Berthold Schönholzer hatte sich nach dem Abendessen auf sein Arbeitszimmer zurückgezogen. Eben breitete er auf der Schreibtischplatte eine Äeichnuna aus. in deren vtuui iitiv iv.icwuviu uuw. v v Studium er sich vertiisen wollte, als es fsnhffo ""f I'" Ans das nickt aerade übermänia ftnfirifhirpftßrs auf :) . . . ausgestreckten Händen ging er dem Freund entgegen und wollte ihn nack der herzlichen Begrüßung zu sich auf einen Stubl in unmittelbarer Näbe des Schreibtisches ziehen. Egon wehrte zedoch ab. Laß." sagte er. ..ich setze mich ein wenig in die Sofaecke." er deutete nach dem bebäbiaen Polstermobel in der 'rrft Qimrnpra di? in rimm unsstimmten Halbdun'kel lag. indessen maast Du dort am Sckre bt sck d efen Brief lesen sein Inhalt ist nun. ,11 trnrft ist feben. lck seke m ck ftc war angreifend, die Lektüre des Brie- - " -i 1 l fes. wirklich recht angreifend." Ein leichtes Beben klang in semer stimme, arer oie mpsmoung. oer e c . p c c , entsprang, ließ sich schwer feststellen. ff 2 f rmnt yXtrit fifiTnnnm? Spott und ganz anderes sein. Während er sich schwerfällig, als habe er den schlanken Körper nicht voll in der Gewalt, in eine Sofaecke fallen ließ. schloß er: Der Neuaebauer in Berlin kommt, bat mick erst auf dem Gut der ffrau von Rottach gesucht. Ueber Berlin ist er mir dann nach Weilau nachgesandt worden. Der I "nfinTf trifft .fiprrn fl?nhnTf 5Rnrn 1 V w , , Berthold Schönholzer begann gewis senhaft den ihm von Egon überreichten Brief zu s ud ren. mstrr rrt" ins r mnr. scheinlich dringt in die ländliche EinsrnWt in c?;? mtanfTirfTirfi UUn keine Berliner Zeitung sonst würden Sie ja von einem tragischen Vorfall. der Sie nahe angeht, unterrichtet und kerbe iamlt fern m der Stätte, an der er sich abgespielt hat. Da dies nicht htr nTT ist mnfc irf mi d?r ernten lassenen Navieren des 5,errn Rudolf Bärndorf vorgefunden hat. folgende Mittbeilunaen zu macken. die Sie wonl o u ' - tief erschüttern werden. Ihr Verwand ter. Herr Rudolf Bärndorf in Friedenau bei Berlin, ist. wie ich 5lhnen schon angedeutet habe, zur ewigen Ruhe emaegangen. und leider sind d:e Um stände, unter denen sein Tod erfolgt ist. recht betrübende und in ihrer aebennnißvoll tragischen Bedeutung nicht vollständig aufgeklärt. Wie Sie ja wohl wissen werden. lebte Herr Bärndorf in einer beinahe ängstlichen Zurückgezogenheit, die allerdinqs durch seine Kränklichkeit, ein tiefliegendes Nervenleiden, bedingt I ' ro wurde. Er verließ, namentlich in d lekten 5Zeit. febr fetten sein 5aus und den aroßkn, stillen Garten, in dem die ses Haus gelegen ist. Ein alter, ihm seit Jahren ergebener Diener theilte I folm s?infftTnf(it itnh TfirtfsrTniTnf? I V...V W V.. V..?WJ..Hkl-. i,s,? ?i,n,? Krfnmh all? vM nmcnhi. gen Gange und Einkäufe, das Frühstück wfnhfon für sinn &rrr, reitete er selbst, die Mittagsmablzeiten dagegen holte er aus einem nahe gelegenen Restaurant. Es fiel dem Inhaber des Restaurants auf. daß der Diener sich seit drei Tagen nicht gezeigt hatte. Ter Wirth nahm an. seine Küche habe es vielleicht m irgend etwas versehen, und als em um seine Kundschaft besorgter Mann entschloß er sich, selbst m Herrn Barn dorf zu gehen und ihn zu fragen, ob er schlecht bedient worden sei. Er fand den Garten, der die Villa umgibt, verschlossen, und auf sein 'mehrmaliges Läuten erfolgte nicht das r genngue Mcnsznozen im Haus.

Der Wirth redete einen vorüber-

henden Schutzmann an und sprach zugleich die Vermuthung aus, daß die beiden einsamen Villenbewohner erkrankt sein konnten, er verhehlte aber auch nicht, die Möglichkeit sei vorhanden. noch Schlimmeres habe sich ereianet. Der Schutzmann überstieg die Umfriedigung des Gartens und versuchte an der Hausthür selbst Einlaß zu erhalten. Allein alles Klingeln war umsonst es blieb todtenstill in dem Gebäude. Kurz entschlossen kletterte der Beamte nun zu einem der hochgelegenen Parterresenster empor, drückte eme Scheibe ein. wirbelte das Fenster auf und verschaffte sich auf diese Weise Einoang. Nach wenigen Augenblicken schon kehrte er blaß und erregt zum Fenster zurück und berichtete dem draußen harrenden Wirth, daß er in einem der Zimmer Herrn und Diener todt vorgefunden habe und zwar unter Umständen, die den Schluß auf ein Verbrechen zuließen. Die gerichtlicheAufnahme dcsThatbestandes ergab später folgendes: Herr Bärndorf wurde am Boden seines Arbeitszimmer entseelt aufgefunden, eine Kugel war ihm durch das linke Auge in das Gehirn eingedrungen und hatte wohl seinen sofortigen Tod herbeigeführt. Der Revolver, mit dem die That vollbracht worden war, fand sich neben der Leiche vor, und über diese hingestreckt lag der gleichsam entseelte Körper des alten Dieners Jordan. Die ärztliche Untersuchung stellte fest, daß Ernst Jordan einem Schlaganfall erlegen war. Run stand man vor der Frage, wie die Vorgänge beim Tod der beiden Männer zu erklären seien? Der Gedanke an ein Verbrechen eines Dritten mußte aus verschiedenen Gründen ausgeschaltet werden. Richt die geringste Spur deutete darauf hin, daß ein Raub oder Einbruch versucht worden sei. Keiner der Schränke und sonstigen Behälter wies ein Zeichen von Gewaltthätigkei auf, nichts von dem Inhalt zeigte sich angetastet. Vor allem aber fanden sich die Fen ster und die Hausthür verschlossen vor. der Schlüssel zu der letzteren hing an der Innenseite unberührt an einem Ragel. Es blieben deshalb nur zwei Annahmen zur Erklärung des Geschehenen übrig. Erstens: Der alte Diener konnte I den Plan gefaßt haben, senten Herrn zu todten, um ihn zu berauben. Nach vollbrachter That war er dann aber derartig vom Entsetzen über sein Verbrechen gepackt worden, daß ein Schlaganfall seinem Leben wahrscheinlich zugleich mit dem seines Herrn ein Ende gemacht hatte. Entseelt war der Mörder über den Gemordeten hingesunken. Zweitens: Herr Bärndorf hatte vielleicht in einem Anfall von Geistesstörung versucht, sich zu erschießen. Der Diener war herbeigeeilt, um ihm die Waffe zu entreißen, dabei war der Schuß losgegangen und hatte doch sein vorherbestimmtes Ziel erreicht. Auch in diesem Fall hatten dann Schreck und Aufregung den Diener zum Opfer eines Schlaganfalles gemacht. Natürlich konnte auch eine dritte Lösung, die sich aber der menschlichen Berechnung entzog, die richtige sein. Für die Kriminalpolizei lag jedoch keine Veranlassung vor. spürend in ein unbekanntes Dunkel hineinzuleuchten. Die Leichen mußten übrigens schleumgst der Erde übergeben werden, da sich an beiden Körpern schon starke Verwesungserscheinungen zeigten. Nachdem ich. sehr verehrter Herr, diese Schilderung des traurigen Vorfalls zu Ihrer Orientirung vorausschickt habe, gehe ich zu den Mmheihm gen über, die den Nachlaß des Verewig ten betreffen. Schon seit Jahren wa? ich sein Vertreter in allen rechtlichen Angelegenheiten, und so hatte er vor längerer Aeit auch durch meine Ver Mittelung sein Testament aufgesetzt und durch mich an amtlicher Stelle niederlegen lassen. Ich wußte, daß Herr Bärndorf keine direkten Leibeserben besaß, sondern nur eine entfernte Verwandte, die aber semem Herzen einst sehr nahe gestanden. Ich spreche von Ihrer Mutter, mein Herr. Der Verstorbene hat in dem Testament angedeutet, daß die Dame seiner zeit seinen Antrag zurückgewiesen habe, um einen Offizier zu heirathen. Trotzdem aber habe er ihr in seinem Herzen eine Stelle bewahrt, und sie wäre seine Erbin aeworden. wenn sie nach dem frühen Tod des Gatten nicht unheilba rer Geisteskrankbeit verfallen sei. Er habe nach dieser Katastrophe sich ihres emzigen Kindes angenommen und es auch für seine Pflicht gehalten, den Sohn der ehemals so Heißgeliebten zu semem Erben einzusetzen. Diese Erbschaft ist nun früher, als der Erblasser wohl gedacht hat, für Sie frei geworden, sehr verehrter Herr. Sie beträgt rund 250.000 Mark, unge rechnet den schuldenfreien Grundbesitz in Friedenau. Ich sende diesen Brief nach F., wo Sie, wie ich von dem Heimgegangenen weiß, sich . auf dem Gut einer Frau von Rottach als Verwalter aufhalten. Ich hoffe, daß das Schreiben Sie sicher erreicht, und schließe mit dem höflichen Ersuchen, sich baldigst bei mir einfinden zu wollen, damit die Erbschaftsllbernahme vor sich gehen kann. Hochachwnasvoll ergeben Neu a ebauer, Justizrath. Berlin, Mohrenstraße 17."

Berthold Schönholzer hatte während her 0ffitr tn immer mehr rmmrrrfifVn I

Vki ivttUkV UV iilMtV 4iv7 utvijnr der Erregung sich einigemal nach dem Freund umgewandt und ihm dies und jenes Wort der Theilnahme zugerufen, ohne daß aber Egon Rüttenauer aus der schweigenden Regungslosigkeit sich hatte aufrütteln lassen, mit der er, den Kops ln die Hand gestutzt, so daß seine juge nicht iichtvar waren, xn oer sosaecke ' verharrte. Er blieb auch noch sitzen, als Berthold Schönholzer, der nach den einleitenden Worten des Briefes unwillkürlich laut zu lesen begonnen hatte, mn dem Inhalt des Schreivcu ;ju viiiuc yciurnrncii iuuc ct IWMA A V i A A h I junge Riese, der sich erschüttert und erfreut zugleich zeigte, mußte zu ihm kommen und sich in dem Halbdunkel, das den Sofawinkel füllte, neben ihn setzen. Ein trauriges, em tieftrauriges Ereigniß." begann er. und wirklich ein ganz seltsames. Wie ist Deine Meinung. oan jich oer leuame Vorfall abgespielt haben mag? Da Egon, auch jetzt noch schwieg. griff er nach der Rechten des Freundes und streichelte sie behutsam. Ja. ja." sagte er nach einer Weile, die Sache hat Dich angegriffen, mein Junge ich kann mir denken, wie es in Dir aussieht. Du hast nicht gerade i r r" ! v m . I rntt übergroß Zartl.chle.t an dem BenAio.nSVni.Ihtn AihAnAin 7 SV I

r I r n a v 4 y ' s a . m. ten ihn, obwohl er 300 Pfund wiegt, durch sem Testament nun doch em Be- ie Kirche war erst vor Kurzem weis seiner verborgen gehaltenen Liebe st m . ' ö zutheil geworden ist, machst Du Dir Te9 Qttüt rö.CII stille Vorwürfe über Dein Verhalten. Freche s R a u b e r st u ck ch e n. Allein es geht wohl gewöhnlich so. daß Em 1000 Pfund schwerer Kassenderlei absonderliche Menschen, wie der schrank wurde jüngst rn Columbus.O., arme Herr Bärndorf einer war. falsch auf den Bahngelelsen gefunden Wie beurtheilt werden. Sie verstecken ab- sich herausstellte, hatten Einbrecher sichtlich ihr wahres Innere, und man einem in der Nahe der Bahn gelegenen gibt sich nicht die Mühe, unter der rau- Laden einen Besuch abgestattet den hen Außenseite einem tieferen Gehalt Geldschrank auf die Straße geschafft, nachzuforschen. Ich glaube jetzt auch etwa drei Blocks weit vor sich hergezu verstehen, weshalb der Unglückliche schoben und erst auf dem Bahndamm Dich durchaus nicht hat Soldat werden erbrochen. Sie erbeuteten $500 lassen. Ein Soldat war es. ein schmu- Baar und einen zertifizirten Check für cker Offizier, den Deine Mutter ihm $2000. vorqezogen. und da mag er in seiner Zug in die Luft geGrillenhaftigkeit vielleicht geglaubt ha- sprengt. Ein Güterzug der Lehigh ben. die glänzende Uniform habe den Valley-Bahn wurde unlängst bei WilSieg über sein schlichtes Kleid davon- kesbarre. Pa., durch Dynamit theilgetragen, und hat den Rock des Kaisers weise zerstört. Als die Lokomotive auf gehaßt. Dich selbst aber es kann das Dynamit stieß, wurde sie hoch über nicht anders sein hat er, in seiner die Geleise gehoben und dann auf die Weise natürlich, gewiß geliebt, und Seite geworfen, während der Tender darum losgerissen und mit drei beladenen ent svrana Eaon plötzlich auf und Frachtwagen eine Böschung hinunter-

trat, dem Freund den Rücken kehrend,

an ein Fenster. Fest preßte er die Stirn und Heizer entgingen dem Tode, wurgegen die Scheibe. den aber schwer verletzt. Die Thäter

Berthold ließ ihn gewähren und schalt sich indessen innerlich aus, weil er seine Worte nicht vorsichtiger gewählt. Er hatte seiner letzen Bemerkung hinzufügen wollen. Egon dürfe. eben weil ihn Rudolf Bärndorf aus seine Weise geliebt, ohne jede Selbstquälerei das große, hinterlassene Vermögen antreten allein solche Erörterungen waren wohl augenblicklich noch verfrüht. Schon jetzt mit dem Wort an das seltsame Verhältniß zu rühren, das zwischen den beiden Männern bestanden, hieß m Egon eine etwa vorhandene Wunde eher noch erweitern, anstatt sie zu schließen. Mit emer Bewegung gutmüthiger Abbitte trat Berthold zu dem Freund heran und legte ihm beide Hände aus oie .cyullern. Langsam wandte sich Egon um. Sein Gesicht hatte einen ganz ruhigen Ausdruck, sogar der Schatten eines blassen Lächelns lag um den schönen, bartlosen Mund. Die Geschichte hat mich nervös gemacht." sagte er. Hab' Geduld mit mir. alter Junge. Ich weiß.wie treu und gut Deine Worte gemeint sind, aber es ist wohl am besten, ich suche allein mit dem fertig zu werden, was durchgekämpft sein muß. Morgen reise ich nach Berlin wenn ich zurückgekehrt bin. werde ich gewiß mein seelisches Gleichgewicht wiedergefunden haben. Uebngens was wollen wir denn? . I cn'- 'VM i? wie ein Malheur, eme große Erbschaft zu machen em Dritter wurde uns u??S . . r . , r r, . Und dabel huschte ihm selbst em wf&M1 h)"ischer ?"9 ?"rch das Gesicht der aber so rasch wieder verschwand, daß Berthold Schönholzer. der unwillkürlich betroffen zuruckgefahren war, sich gleich hinterher einredete, er müsse sich getauscht haben. Egon verabschiedete sich von dem Freund, nachdem er den Brief wieder zu sich gesteckt hatte. ?.lILmd&t "st..n"t zu Demei Mutter hmuber grüße sie von mir, bitte. Und wenn Du Gelegenheit hast, lem von zernwitz. . u . ! Trotz dem rauhen, wenig nladenden Wetter und ungeachtet semer Barhauptigkeit begann Berthold Schonholzer plötzlich rn den schmalen, fmsteren Gangen des artchens, in dessen Mitte das Haus lag. auf- und niederzuschreiten. Er spurte einen dumpfen Druck in semer Brust. Dabn dachte er aber gar mcht mehr an das schreckllche Erngmß. das vorhin aus dem Bnef des Justizraths zu lhm gesproyzn qaiic jqr Ilangcn !ym vic lekten Worte des Freundes nack sein Auftrag, Frau und Fräulein von Zernwitz zu grüßen. (Fortsetzung folgt.) Gottlieb Lcukhardt, Die gemüthliche Qät Ecke Noble und Narket Str.

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Inland .M4? Ein kleiner Reisender. Ein fünfjähriger Knabe Namens Ar thur Hanson hat jüngst die Reise von New Iork nach Milwaukee, Wls., mutterseelenallein qemacht. Äls er am dortigen Union-Bahnhof anlangte, war niemand da. um ihn abzuholen. Bahn hofsangestellte nahmen sich des kleinen Weltreiscnden an. bis er abgeholt wurde. 4 Ver qrone und oer k l e i n e D i e b. Ein in Lumven aebüllter .unae. der fünf Cents aessoblen hatte, um seinen Hunger stillen zu können, wurde dieser Tage in Chicago zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt, und dieselbe Strafe erkielt auck ein elegant aekleideter Mann zudiktirt. der sich des Diebstahls von Z8000 schuldig bekannte. Origineller Dieb stahl. In Nord-Pasadena, Kal., stahlen Diebe nächtlicher Weile den Eckstein der neuen Methodistenkirche. Die Spitzbuben wollten jedenfalls die Münzen erlangen, die in den Stein eingelassen worden waren und einen Werth von VrY C1 n Xrt lln C.a X-t mvu tpj.v iiuiiwtu vvuujlü iswt i juä der Mauer aus und schleppgeschleudert wurde. Lokomotivführer wurden Nicht enrnneu. Einbrecher unterm Bett, Als sich dieser Tage eine Frau Earl Lindsay in Kokomo, Ind.. in ihr Schlafzimmer zurückzog, bemerkte sie, daß sich jemand unter dem Bett versteckt hatte. Sie griff darauf sofort zu der Flinte ihres abwesenden Mannes und befahl dem Fremden, sich zu ergeben. Der Kerl fprang in Todesangst durch eine offene Thür auf die Straße, wurde aber von der Frau verfolgt und schließlich durch einen Schrotschuß zum Stehen gebracht. Die Polizei nahm den Mann dann fest, in dem sie einen vielgesuchten Verbrecher erkannte. c-, L flicke N o l i t i. Der Cincinnatier Polizeichef hat ein neuartiges Verfahren eingeschlagen, um den Leuten. die das Ausspucken aus den Straßen und in den Straßenbahnwagen nicht lassen können, gehörige Verwarnung zu geben. Jeder Polizist ist angewiesen, einem Manne, den er bei dieer unreinlichen Gewohnheit abfaßt. eine Karte mit der folgenden Aufschrift einzuhändigen: Spucken auf der Straße, in Straßenbahnwagen oder auf öffentlichen Plätzen mag Krankheit verbreiten. Nur nicht spucken." Auf der anderen Seite der Karte steht ein Abdruck der städtischen Verodnung gegen das Spucken. ' VUters Meisterwerk z e r st ä u b t. Ein Häuflein Staub nd einige Bruchstücke sind Alles, was von derJoliet-Statue übrig ist. die nach htm Schluß der Weltausstellung in St. Louis am Eingang des dortigen O'Fallon-Parks aufgestellt wurde. Neulich brach die in heroischer Größe ausgeführte Figur plötzlich zusammen d fie( in Trümmer. Erst drei Tage ö0t seinem Verfall war das Monument aufgestellt worden. Die zertrümmerte Statue war von dem Bildhauer Karl Siitet für die Weltausstellung angefertigt worden. Als sie auf ihren neuen Platz gebracht wurde, hatte der Bildhauer gutachtlich erklärt, die Statue würde noch mindestens zehn Jahre Wind und Wetter trotzen, Wächter im Kampfe mit Einbrechern. Der Nachtwächter ationalbank in Asbury Park. N. I.. in deren Gebäude sich das Postamt von Spring Lake befindet, merkte drei Männer, die im Postamte anscheinend Vorbereitungen zum Aufsprengen des Geldschrankes trafen. Er rief sie an. und einer der Geldspindknacker griff nach seiner Pistole. Der Wächter aber war flinker und feuerte inen Revolver auf die Leute ab. die hter den Geldschrank retirirten. Nachforn der Wächter alle Kammern seines Revolvers entleert hatte, ohne jemand m treffen, lief er nack, semer naben Wohnung und kehrte ? alsbald wieder mit einer geladenen 'S!hrotflinte zuruck. Die Gauner waren,ndch im Postamte, als sie aber die Schrotkörner um ihre dhren pfeifen hörten, da fanden sie es doch gerathen, sich zurückzuziehen und flohen durch ein Hinterfenster, ohne irgend welche Beute gemacht zu YU0?tI.