Indiana Tribüne, Volume 29, Number 225, Indianapolis, Marion County, 16 May 1906 — Page 5
Jndlana Tribüne, 16. Mai 1906
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3n Jtarijt uiiö lUmlics.
Erzählung von Ad. Kleinkr. (Schluß.) Ich schlug freudig ein und verabschiedete mich dann, um noch ein wenig zu gehen und meinen Gedanken nachhängen zu können. Unausgesetzt mußte ich an Lilly denken. Eigentlich war eö auch sonderbar, daß ich mich nicht schon längst in sie verliebt hatte, um so mehr, als ich ihre vortrefflichen Ligenschafttn noch weit besser kannte, als die all' die Anderen. Und hübsch war sie auch, Steffens hatte ganz recht! Wenn sie mich ansah mit ihren dunklen seelenvollen Äugen, kam es stets wie ein heiliger Friede über mich. Und dann ihr fröhliches Aachen, wenn sie so recht vergnügt war, das that einem wohl, da ging einem das Herz auf! Turch das Geräusch zweier Vorübergehender wurde ich in meinen Betracht tungen gestört. Zu meinem Schrecken erkannte ich Mathilda und Bill, die wahrscheinlich von ihrem Ausflüge zurüäkehrten. Mathilda schien mich gar nicht zu sehen und ritt vorüber, ohne von mir Notiz zu nehmen. Merkwür diger Weise ärgerte ich mich nicht einmal dariitu. Der einzige Gedanke, den ich bei ihrem Anblick hatte, war. daß sie allerdings sehr schön sei, daß mir aber Lillys reizendes Köpfchen mit den kastanienbraunen locken viel besser gefalle. Und jetzt siel eö plötzlich wie Schuppen von meinen Augen. Ja, ich liebte Lilln, hatte sie eigentlich schon immer geliebt, :srr daß es mir nicht zum Bewußtsein gekommen war ! Und die Geschichte mit dieser Mathilda nun, das war eben ein dummer Streich, an dem Eitelkeit und Phantasterei mehr Antheil hatten als die Liebe. Diese Nacht schlief ich wieder nicht gut, und am Tage darauf befand ich mich in so wechselnder Stimmung, daß der Onkel seinen ganzen Schatz von Sprichwörtern erschöpfte, um mir anzudeuten, daß er nicht mit mir zufrieden sei. Die nächste Zeit brachte Gutes und Schlechtes. Das Gute bestand darin, daß John meinen Streit mit Äill ganz vortrefflich geordnet hatte. In seiner ruhigen, überzeugenden Weise hatte er ihm nämlich die Versicherung gegeben, daß ich Bill bei erster Gelegenheit öffentlich ohrfeigen würde, wenn er nicht seine Beleidigungen zuwcknähme, und dieses Mittel hatte bei iem Prahlhans seine Wirkung nicht verfehlt. Unter der Zusage, daß weder Mathilda noch Jemand vom Klub eö erfahre, erklärte er sich bereit, mich um Entschuldigung zu bitten. Wie mir John sagte, lag meinem Gegner haupt sächlich daran, bei Mathilda im günstigen Lichte zu erscheinen, da er unverkennbar die Absicht hatte, sie zu heirathen, was schon längst der Wunsch der Sennora Saltcs war. Nun, meinetwegen! Ich war von meiner thörichten Leidenschaft geheilt. Waö mir dahingegen Kummer verursachte, war die Wahrnehmung, daß Lilly sich geflissentlich von mir zurückzog. Als ick ihr die Beilegung meines Streites mittheilte, war sie allerdings über die friedliche Läsung erfreut, aber das war auch Alles! Keine Frage, wie eö denn jetzt zwischen mir und Malhilda stände, keine Bemerkung über mein schlechtes Aussehen. Und ich sah sicherlich sehr elend aus! Denn wenn man, anstatt zu sclsiafen, die Nächte mit Zweifeln und morgen verbringt, ist das kein Wunder ! Endlich entschloß ich mich, ihr ungefragt zu sagen, daß ich jetzt gar nicht mehr an Mathilda denke, und daß ich eö kaum noch begreife, wie ich je auf den Gedanken gekommen sei, in ihr eine passende Lebensgefährtin für mich zu erblicken. Darüber hätte sie sich doch eigentlich auch freuen sollen, vorausgesetzt, daß sie mich ein wenig lieb hatte. Statt dessen erwiderte sie, sie begreise es ihrerseits nicht, wie man so schnell seine Liebe verschmerzen könne. .Aber das ist eS ja gerade!" rief ich aus; ich habe sie gar nicht geliebt das war nur eine Verblendung von mir; mein Herz gehört schon seit langer Zeit einer Anderen, freilich ohne daß ich mir selbst recht klar darüber war." b sie diese Anspielung nicht ver stand? Die Männer sind doch recht unbeständig," war Alles, was sie darauf sagte, und dann brach sie das Ecspräch ab. . Von da an war ich wirklich Unglücklich. Mir war zu Muthe, als ob ich einen Schatz besessen und dessen Werth erst dann erkannt, als er für mich unwiederbringlich verloren war; denn davon war ich noch immer überzeugt: wäre mir meine Liebe nur früher zum Bewußtsein gekommen, dann lägen die Dinge heute ganz anders. Tages haben pal.? Monate nach San Francisco zu schicken. Sle gesaut mir schon seit Langem nicht, und der Arzt meint, die Seeluft werde ihr gut thun." Das hatte noch gefehlt! Ein paar Monate von ihr getrennt, jetzt, wo mir ihre Gegenwart von Tag zu Tag unent behrlicher wurde! Außerdem kannte ich die Familie, bei der sie wohnen sollte. Da war ein junger Mann im Hause, der ihr schon früher einmal ziemlich stark den Hof gemacht hatte; das müßte ja ein Stoc.'fisch sein, wenn er sich im täglichen Verkehr mit ityc nicht auf'S
Ein Unglück kommt nie allein. Eines
sagte nur der Omel: tr uns entschlossen, Lilly aus ein
Neue verlieben roürde. Ueberhaupt war mir diese Reise sehr verdächtig. Lilly, unser kleines Hausmütterchen, das sonst so ungern vom Hause fortging, war diesmal auffallend schnell bereit, den Wunsch ihrer Eltern zu erfüllen. Ob sie nicht etwa ihrHcrz nach San Francisco zog? Einen schwachen Trost aewährte es mir, daß ich sie dorthin begleiten sollte; es war nämlich schon längst die Absicht des Onkelö gewesen, mich auf ein paar Tage nach der Hafenstadt zu schicken, um eine geschäftliche Angelegenhcir zu ordnen. Zwei Tage später standen wir auf dem Bahnhof, um unsere Reise anzutreten. Der Zug hatte sich fast ganz entleert, so daß wir uns in einem der großen Wagen ganz allein befanden. TaS kam mir sehr gelegen, denn ich war fest entschlossen, ihr vor unserer Ankunft meine Liebe zu gestehen. DaS Signal zur Abfahrt war schon gegeben, als im letzten Augenblick noch zwei Personcn in größter Eile hcrbeistürzten, und gleich darauf stiegen Mathilda und Bill in unseren Wagen. Ich war vernichtet. Die einzige, letzte Hoffnung, an die ich mich gcklammcrt hatte, war gescheitert. Was nützte eS mir, daß die Beiden am entgegengesetzten Ende des Wagens Platz nahmen und uns überhaupt nicht zu bcachten schienen? Ich konnte doch Lilly nicht von meiner Liebe sprechen, wäh rend ich Mathilda, den lebendigen Beweis meiner Unbeständigkeit, in unse rer nächsten Nähe wußte ! Wie ein Schuljunge saß ich da; ich hatte nicht den Muth, auch nur das gleichgiltigste Gespräch zu beginnen. Lilly sah schweigend zum Fenster hinaus; sie schien gleichfalls unangenehm berührt zu sein. So verging eine geräume Zeit. Endlich hielt ich es nicht mehr aus, ich wollte das Schicksal zwingen ja oder nein, nur heraus aus dieser tödtlichen Ungewißheit! Ich räusperte mich energisch und wollte gerade beginnen, als die Lokomotive einen höhniscken Pfiff aussließ und cö plötzlich dunkel um uns her wurde: wir fuhren in den San Fcrnando-Tunnel ein. Dieser an sich so geringfügige Umstand brachte mich so außer Fassung, daß eS
mtt meinem heroischen Entschluß vorbei war. Nesignir senkte ich den Kopf auf die Brust das Schicksal war Sieger geblieben. Auf einmal sprangen wir alle gleich zeitig von unseren Sitzen empor. Was war daö gewejcn. inRuck, ein Krach, der den ganzen Wagen erschütterte. Waren wir entgleist? Nein, denn jetzt fuhr der Wagen wieder sanft und geräuschlos weiter, aber sehr langsam. wie es mir schien. Und richtig, nun stand er still ! 0:s mutzte an der Ma schine etwas in Unordnung sein, daß man mitten im Tunnel hielt. Ich sah zum Fenster hinaus, konnte aber keinen Gegenstand unterscheiden; wie aus weiter zcrne hörte ich das stampfen der Lokomotive, daö aber immer schwä chcr wurde und dann ganz aufhörte. Was bedeutete daö Alles? In diesem Augenblick rief Bill, der sich ebenfalls zum Fenster hinausgebeugt hatte, mit dem Ausdruck todt lichcn Schreckens : Hin Gottes willen ! Unser Wagen hat sich losgekoppelt! Der Zug ist fort !" Einen Augenblick herrschte bei uns eine beisvieilose Verwirrung. Mathilda schrie laut auf. Bill rannte wie ein Besessener im Wagen umher und schien völlig den ops verloren zu haben, während Lilly schreckensbleich auf mich zueilte und mich mit ihren großen Augen flehend ansah, als ob ich es in der Macht hätte, sie zu retten. Entschlossen ging ich auf Bill zu und machte seinem zwecklosen Laufen ein Ende, anen icc steh," sagte ich; vielleicht gelingt es uns, aus dem Tunnel hinauszukommen, ehe der nächste Zug einlernst. Ja, ja, Sie habenrecht," erwiderte er verhört, wir wollen hinaus. Ich hielt ihn am Arme fest. So seien le doch vernünftig : or Allem müssen wir doch wissen, wie viel Zeit uns bleibt. Haben sie einen ayrpla: bei sich?" . Er zog ein Heft aus der Tasche, aber seine Hand zitterte derartig, daß er nicht im Stande war, die Seiten umzublättern. Ich nahm es ihm fort und fand alsbald das Gewünschte es blieb uns noch eine halbe stunde, dann mußte der Zug oon Norden den Tunnel Passiren. Ich überlegte. Die Länge des Tunnels betrug beinahe zwciund einhalb Kilometer; nach meiner Schätzung konnten wir uns etwa in der Mitte befinden, wir hatten also min bestens ein Kilometer zu gehen ganz aussichtslos war unsere Lage demnach .richt. Ich theilte Lilly mit, wie die Sachen standen, und stieg mit Bill aus dem Wagen, um Mich von der Beschaf fenheit des Weges zu überzeugen. Schon nach wenigen Schritten sah ich, daß meine Hoffnung eine vergebliche gewesen sei. Ueberall war ein Geroll von zwischen den Schienen auf geschütteten Steinen, so daß man nur mit der größten Vorsicht Schritt für Schritt sich weitertasten konnte; dabe eine Finsterniß, sobald man aus dem Vereich des Wagens kam, wie ich sie me zuvor für möglich gehalten hatte. Im Uebrigcn verhielt sich Alles so. wie ' eS zu vermuthen war. Unser Wagen, der letzte des Zuges, mußte sich durch irgend ein schadhaftes .Glied an der Berbindungskctte losgelöst haben. Einsam stand er aus demSchienenstrang, von Nacht und Schweigen umgeben. Während ich rathlos stehen' blieb, hörte ich die beiden Mädchen aus dem Wagen steigen; aber gleich beim
ersten Schritt stieß Lilly einen scbwachen Schrei aus. Sie war auf einen
spitzigen Stern getreten, ausgeglltten und hatte sich den Fuß vertreten. Auch Bill, der zuerst in kopfloser Angst fortgestürmt war, kam gleich daraus völlig gebrochen zurück und meinte mit schwacher Stimme, daß wir in einer halben Stunde nie den Ausgang gewinnen würden. Was nun? Eine kurze Strecke dem Zug entgegengehen und dann schreien, damit er halte und uns mitnehme? Das wäre allerdings das Einfachste gewcsen, wenn nicht sämmtliche Pacisicbahnen nur ein Geleise satten oder doch wenigstens an der Seite des Echtenenweges so viel Platz gewesen wäre, um den Zug vorbeizulassen. DaS war aber unglücklicher Weise nicht der Fall : hart am Fetzen führte der sträng vorbei, nur das)!othwendigste war bei der schwierigen Anlage des Tunnels herausgesprengt worden. Jetzt blieb uns nur noch ein Weg zur Rettung: ich wußte, daß sich an verschiedenen Stellen Vertlesungen in der Wand des Tunnels befanden: auf einer früheren Fahrt hatte ich Arbeiter mit Fackeln in diesen Nischen stehe sehen, tue cigenö zu diesem Zwecke in den Felsen hineingehauen waren; damals war eine Reparatur des Bahnkörpers vorgenommen worden, und tch erinnerte mich deutlich zweier solcher Zufluchtsorte am nöib lichcn Ende des Tunnels, die ziemlich iicht neben einander waren. Wenn es uns gelang, dieselben zu finden, waren wir außer Gefahr. Langsam, mit der Hand an der Fel senmauer tastend, schritten wir alle Vier dem gefürchteten Zuge entgegen. Ich stützte Lilly, die nur mit größter Mühe Schritt hielt; ihr Fuß schmerzte sie so heftig, daß sie mich bat, sie ihrem Schicksale zu überlassen. Ich preßte sie fest an mich und hieß sie ihre Arme um meine Schultern legen, so daß ich sie fast trug, und wenn ich auch fast unter ihrer Last erlag, so gelang es mir doch, mit Aufbietung aller Kräfte in der Nähe der Anderen zu bleiben. Die Zeit ging mit erschreckender Ge schwindigkeit dahin; ich benutzte einen Augenblick des - Ausruhenö, um ' ein Streichholz zu entzünden und nach der Uhr zu sehen. Roch zehn Minuten! Aber gerade jetzt rief auch Mathilda: Gefunden! Hierher!" und mit frisch belebtem Muthe schleppte ich Lilly weiter. Es war die höchste Zeit, das arme Kind war fast besinnungslos vor Schmerz. Gleich darauf rief Mathüd, aber diesmal ziemlich muthloö : Es ist nur Vlatz für zwei vorhanden!" Das macht nichts," erwiderte ich, dicht daneben muß noch eine Nische sein; wir Männer können sie leicht erreichen. Damit wollte ich Lilly in Sicherheit bringen, aber ich fand den Raum besetzt. Bill hatte sich hinein gedrängt und weigerte sich aus daSEntschiedcnste, ihn zu verlassen. Mensch!" schrie ich außer mir ver Wuth, das Mädchen kann keinen Schritt weiter, während es uns Manncrn ein Kleines ist, die andere Nische zu erreichen seien Sie keine Memme und folgen Sie mir!" Auch Mathilda empörte sich bei die ser Erbärmlichkeit. Geh, Bill!" herrschte sie ihn an; wenn Dir an meiner Achtung liegt, so gib den Platz frei." Zum Teufel mit aller Achtung!" rief Bill, hier handelt eS sich um'S Leben! Wenn wir die Nische nicht sinden, nützt mir weder Achtung noch Liebe hiervinich sichcr,und hier bleibe ich !" Fritz," bat jetzt Lilly mit matter Stimme, bringe Dich in Sicherheit, ehe es zu spät ist, und laß mich hier ich kann doch Nicht weiter fort." Dich soll ich hier einem gewissen Tode uocrlassen." lies ich leidcnschast' lich, Dich, Lilly, die ich mehr liebe als mein Leben?" . Auch ich liebe Dich, Fritz und deshalb flehe ich Dich an, rette Dich!" Bei diesem unerwarteten Geständniß suhlte ich mich von neuer Kraft eriüllt. Entschlossen hob ich sie auf, um mit ihr vereint den belchwerlichen Weg fortzusetzen. Vielleicht war das Schicksal barmherzig, vielleicht hatte der Zug Verspätung Ein dumpfer Pfiff machte meiner letzten Hoffnung ein jähes Ende; aus der Nacht des Tunnels tauchten zwei feurige Punkte hervor. Es war zu spät. Eine Sekunde war ich wie vom Schrecken gelähmt, dann ließ ich Lilly vorsichtig auf den Boden nieder und stützte auf Bill zu, der solch' plötzlichen Angriff nicht vorhcrgcsehcn hatte. Ich riß ihn aus seinem Verstecke heraus, schob Lilly in die schützende Nische und wandte Mich um. Ein Ausleuchten dicht ri 3, 4 vor meinen Augen, ein naii oann daö klatschende Geräusch der cinschla genden Kugel, die dicht an meinem Kopfe vorbei gegen den Felsen gefahren war! Bet dem Blitze des abqeschosse ncn Revolvers sah ich Bill in meiner unmittelbaren Nähe. Ich warf mich aus ihn und entrang hm die Waffe. Jetzt aber erhob sich ein Lärmen um uns her, daß ich ganz verwirrt auf blickte. Ein wildes Durcheinander schreien, anhaltendes schrilles Pfeisen der Lokomotive, die Hllseruse der bei den Mädchen, das Kreischen des brem sende Zuges Alles das, von dem unheimlichen Echo des Tunnels ver vielfältig!, vereinigte sich zu einem slnnbetaubenden Lärm. Die glühenden Augen der Maschine kamen Mit erschreckender Geschwindlg keit näher und beleuchteten schon unsere Gruppe da blieb der Zug stehen. . Wir waren gerettet. Bills Schuß hatte die Ausmcrksamkelt des Maschi
nisten erregt; es war ihm gelungen, den Zug zum Stillstehen zu bringen. Ich trug Lilly in einen Waaen. dann
half ich Mathilda, die mir bewegt die Hand drückte, über die Steine hinweg, und erst als ich die beiden Mädchen in Sicherheit .rußte, sah ich mich nach Bill um. Von mehreren Passagieren gestützt, humpelte dieser herein und etzte sich, ziemlich niedergeschlagen und beschämt, neben Mathilda, die ihn aber eines Blickes würdigte. Der Zug fuhr nach kurzem Aufenthalte wieder nach der nächsten Station zurück, wo wir eine ziemlich lange Zeit warten mußten, da unser Wagen erst aus dem Wege geschafft werden mußte. Von dort aus dcpe chirte ich den Eltern Lillys in Kürze das Vorgefallene und bereitete sie aus unsere Rückkehr vor. Lilly hatte sich, bis auf den kranken Fus?, bald gänzlich wieder erholt, und ein paar Slundcn später fuhren wir, glücklich inunscrcr jungen Liebe, der peimath zu, wo uns die beiden Alten unter Thränen der Rührung und der Freude ihren egen zu unserem Herzensbunde gaben. fcnoa ein halbes Jahr ipäter verlobte sich Mathilda mit einem reichen V?cinbcrgbesit-er in Los Angeles. Bill hatte sich seit unserer denkwürdigen ahrt auf seine Farm in Ncwhall zu. rückgezogen und vermied es, nach Lo Angeles zu kommen : er mochte wohl fühlen, daß er jeden Nimbus bei seiner schönen Base für immer eingebüßt habe. Heute unmöalich ! Im Jahre 1779 erschien in London folgende Parlamentsakte: Alle Frauen ohne Unterschied des Alters, der Stellung und des Vermögens, ob Mädchen oder Wittwen, die sich wieder vcrheirathcn und um einen Mann zu gewinnen, sich die Wangen oder die Lippen schminken oder Toilcttcnscifcn, künstliche Zähne oder )aare, Korscts, Knnolincn, -chuhc mit hohen Hacken gebrauchen, werden wegen Zauberei angeklagt; auch wird eine solche Ehe für null und nichtig erklärt, wenn es gelingt, die betreffende Person des Verbrechens zu ubttsichren. Annonce. Ein Laufbursche, der auch gut schreiben kann, wird verlangt. Meldungen mit Schriftprobe. I. G. Fischcr als Bräutigam. Eine artige, in mehr als einer Hinsicht bezeichnende Geschichte wird im Stuttgarter )!cucn Tageblatt" aus den Jugcndlagcn des kürzlich gestorbcncn schwäbischen Dichter I. G. Fischers erzählt. Um die Erwählte seincö Herzens, Auguste Seubert aus dem Pfarrhause in Acrnstadt, zu erringen, hatte der junge Volksschullchrer I. G. Fischcr eingesehen, daß er noch für ein höheres Lehramt sich auöbilden und deshalb die Universität Tübingen besuchen müsse. Er bezog dort ein so bescheidenes Zimmer, daß ihm die Wohlthat eines wärmenden Ofens versagt blieb. Run kam das Weihnachtsfcst heran und Fischer wollte seiner Verlobten ein sinniges und zugleich seinen Mitteln entsprechendes Geschenk machen. Er war immer ein großer Blumenfreund und das Geschenk sollte denn auch in blühenden Hyazinthen bestehen, die ja umliefe Jahres, zeit etwas Schönes und seltenes sind. Er kaufte bei Zeiten die Zwiebeln und brachte sie in Töpfe. Wie aber sie in gehöriger Wärme antreiben? In seiner Stube gab eö ja kein Feuer. Zwar genehmigte feine freundliche Wirthin, daß unter TagcS die paar Töpfe auf den Rand ihres Ofens gefetzt würden, aber dcö Nachts ging dieser aus, wußte man damals doch nichts von dauernd brennenden Amerikanern" und die Hausfrau hätte sich doch auch wohl niemals einen solchen Lu;uS gewähren können. Fehlte jedoch den Blumen des NachtS die Wärme, so war auch nicht daran zu denken, sie bis zu den herannahenden Feiertagen in's Blühen zu bringen. Auf was kommt nun unser findiger junger Dichter und Zimmermannösohn auS Großsüßen? Er kreuzt über den Töpfen drei Stäbchen, daß sie oben zusmmcnlaufcn, und nimmt sie dann Nachts, wenn er sich zu Bette legt, Zwischen seine Füße derart, daß sie dort die nöthige Wärme haben; animalische" Wärme soll ja für dergleichen Fälle besonders gut sein. Es läßt sich kaum ausdenken, wie'unbeau cm diese Lage für den Dichter gewesen sein muß, denn er mußte fabelhaft aufpassen und nicht etwa in wilde Träume sich verlieren, sonst hatte er zu gewärtigen, daß das ganze Werk mißlang und die Blumen beschädigt wurden. Und richtig, er brachte es fertig, was er sich vorgenommen hatte, brachie es durch seine Sorgsamkeit und Ausdauer fertig. Wie groß war die Freude seiner geliebten Auguste, als sie schon zur Weihnachtszeit die blühenden Blumen empfing, die sonst erst der Friliug entfaltet! Ob er ihr sein stilles kleines Treibhaus" verrathen hat, darüber schweigt der Erzähler. Da er aber niemals ein Blatt vor den Mund zu nehmen pflegte, am wenigstcn, wenn es sich um einen gelungenen Witz handelte, ist eö wahrscheinlich, daß das Aräutchen die ganze Sache erfuhr. Der Schlag eines USwen mit der Pranke steht an Gewalt erst in der dritten Reihe in der Thierwett. Der stärkste ist der Schlag des Walfischschwanzes, der nächststarke der ffußtritt der Giraffe.
Moskauer TachtaMe. Die Zahl der Obdachlosen, welche allnächtlich in den Moskauer Nachtasylen Zuflucht suchen müssen, oeträgt etwa 10,000. Zum großen Theile sind die Nachtgäste der Asyle höchst ehrenwerthe Leute, Schwarzarbeiter, stadtfremde Elemente, die nicht mehr als 5 bis 6 Kopeken für ihr Nachtlager ausgeben können. Wenn man einmal Gelegenheit gehabt hat, die Moskauer Nachtasyle persönlich in Augenschein zu nehmen, so beschleicht einen die Erinnerung am häufigsten nr Form eines Albdrucks. Ein Besuch der Nachtasyle zu Besichtigungszwecken bedeutet aber ein Wagestück, das ohne Schutzmannschaften Niemandem anzurathen wäre. Denn es liegt in der Natur der Sache, daß die Nachtasyle außer den erwähnten Arbeiter - Elementen auch alles hergelaufene Gesindel beherbergen müssen, das fünf Kopeken für einen Schlafplatz bezahlen kann. Nach Stand und Gewerbe wird man in den Nachtasylen nicht gefragt; es sind dies die einzigen Nachtquartiere, in denen sich ein Paß als überflüssig weist. Nur einmal im Monat unternimmt die Polizei eine Razzia, um eine Filtration" der Nachtfyl - Besucher zu bewerkstelligen. Da die Nachtasyle die Möglichkeit des paßlosen Aufenthaltes bieten, so dienen sie natürlich allen Dieben, Näubern, Mördern, besonders aber, den rückfälligen Verbrechern als beliebtester Aufenthaltsort. Die Moskauer Nachtasyle sind fast alle am Chitrow Rynok gelegen, ein Umstand, der dieses Fleckchen Erde trotz der unmittelbaren Nähe eines vornehmen Villen - Viertels zur verrufensten Gegend der ganzen Stadt gemacht hat. Von 11 Uhr Abends an scheinen die Straßen dort völlig ausgestorben zu sein. Nur hin und wieder schleicht eine zweifelhafte Gestalt die Wände entlang oder schwanken ein paar Trunkenbolde die Straße hinab. Alles strebt dem einen Ziele zu den Nachtasylen. Wenn man einen der Höfe betritt,, um den sich diese Stätten des Elends gruppiren, so schallt Einem meist ein wüster Lärm entgegen, und man geräth in ein Gewimmel abscheuerregender Gestalten. Halb nackt, fast durchweg sinnlos betrunken, torkeln sie durcheinander. Hier, das sieht man sofort, hat man den Abschaum des Abschaumes vor sich. Unter den Wirthen der Nachtasyle gibt es einige höchst charakterfeste Perfönlichkeiten, die sich bei ihrer gesammten Kundfchaft der größten Hochachtung erfreuen. Ihnen vertrauen die Besucher all' ihr Hab und Gut, sowie alle etwa
noch vorhandenen Kleidungsstücke zur Nacht an; es werden Quittungen ausgefertigt, und am nächsten Morgen erhält ein Jeder das Seinige pünktlich zurück. Dieselben Wirthe werden auch bei Streitigkeiten zu Ehrenrichtern ernannt und hin und wieder treten sie sogar, mit Erfolg als Berussprediger auf. Andererseits gibt es freilich unter den Wirthen auch Subjekte, die jeder Verbrecherkammer zur Zier gereichen würden. Um das Geschäft zu höchster Blüthe zu bringen, unternehmen sie einen geheimen Alkoholvertrieb und ruhen nicht eher, als bis der ganze Vaarbestand aus den Taschen der Asylgäste in die ihren hinübergewandert ist. Ein Petersburger Berichterstatter erzählt folgende köstliche Szene: Als wir eines der am übelsten berüchtigten Asyle durchwanderten, wobei die Wirthin, ein schlampiges Frauenzimmer, mit hündischer Unterwürfigkeit die Honneurs machte, bemerkte der Pristow, der uns begleitete, daß die eigenen Gemächer" dieser Person, die aus einem elenden Bretterverschläge bestanden, verschlossen waren. Natürlich waren die Schlüssel verloren, doch genügte der kräftige Tritt eines fußfesten Gorodswois, um das schwache Schloß zu sprengen. Der Raum, dessen Möblirung ein besonderes Feuilleton verdiente, schien nichts Verdächtiges zu enthalten. Allein die SchutzMannschaften wußten Bescheid. Der eine öffnete ein Ofenrohr und förderte ein ganzes Arsenal von Whiskeyflafchen zu Tage, während ein anderer eine Bettdecke emporhob und unter der Lagerstatt der würdigen Frau nicht weniger als sechs wedrogroße Ungethüme hervorholte. Doch verlor die alte Dame keineswegs die Geistesgegenwart. Mit großer Zungenfertigkeit behauptete sie, daß dieser Schnappsozean ihren eigenen Bedarf" vorstellte, und .daß sie die Absicht habe, ihn in höchsteigener Person in ihre Gurgel zu befördern. Obwohl das aufgeschwemmte Frauenzimmer in Bezug auf Trinkfestigkeit großes Vertrauen einflößte, schentte der Pristaw dieser dreisten Prahler keinen Glauben. Der ganze Vorrath des tröst- und freudenbringenden LebensWassers wurde confiszirt. In der Großstadt des Frauenwahlrechtsstaates Colorado, also in Denver, bilden für die diesmaligen Frühjahrswahlcn die Frauen achtundsechzig Prozent der registrirten Wah ler. Das kommt daher, weil WahlAssessoren auf Grund eines neuen Gesetzes von Haus zu Haus gehen und die Wähler aufschreiben müssen. Das thun sie aber zur Tageszeit, wenn die Mänmr meistens abwesend, die Frauen aber daheim sind. Folglich werden diese beinahe alle aufgeschriefccn. '
Geschäfts-Kalender.
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