Indiana Tribüne, Volume 29, Number 224, Indianapolis, Marion County, 15 May 1906 — Page 7

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Alfred Sassen

(Fortsetzung.) In tiefster Ergriffenheit ließ Frau Schönholzer den Bericht eines Lebens an sich vorübergehen, fik das in ihrem einfachen Herzen ein unendlich feines Verständniß war. Ms sie sich eine halbe Stunde später auf den Heimweg begab, klang dankbar die Empfindung in ihr wider, sie habe einen seltenen Nachmittag verlebt. Und sie freute sich fchon darauf, ihrem Sohn davon Bericht zu erstatten. Er sollte stch wundern wie die wirklich vornehmen Leute so gar nicht vornehm seien." Es fiel weder Berthold Schönholzer, noch semer Mutter ein, den Vorgängen' im früheren Leben der Familie von Zernwitz ausdrücklich nachzuforschen. Aber nun man sah, daß die beiden im Haus der Frauen verkehrten, die sonst von jeder Verkehr abgeschlossen gelebt hatten, 'trug man ihnen von selbst dies und jenes zu. - . Es war allerdings wenig genug. Auch in Weilau auf dem Gute mußte die Familie eine strenge Zurückgezogenheit eingehalten haben. Man wußte eigentlich nur zu erzählen, Herr von Zernwitz sei durch einen Schlaganfall ganz plötzlich aus dem Lefon geschieden und seine Frau habe dann das Gut verkauft, wahrscheinlich aus zwingenden Gründen, da sie nun in Verhältmssen lebte, di: beinahe an Dürftigkeit streiften. Dunkel und unklar, aber doch in einem häßlichen Lichte, erschien hinter diesen Vorgängen die Gestalt eines auswärts lebenden Sohnes, als dessen Verschulden sich der Niedergang der Familie darstellte. Jedenfalls mußten aber die Betheiligten verstanden haben, jedes fremde Auge von einem sicheren Einblick in die wirklichen Geschehnisse fernzuhalten. Berthold Schönholzer und seine Mutter ließen nach ihren ersten Befuchen eine beträchtliche Zeit verstreichen, ehe sie die Schwelle des versteckten Gartenhauses wieder überschritten. Es war Olga von Fernwitz, die sie erst dazu auffordern mußte im Auftrag ihrer armen Mama, die sich leider in Folge ihres schlechten Gesungheitszu standes verhindert sah. auszugehen. Nun aber zeigte sich der Weg aus der Fabrik hinüber zu dem grünen Schlupfwinkel der beiden Edelfrauen für die Dauer gebahnt. Zwei- bis dreimal in der Woche erschienen Mutter und Sohn als hochwillkommene Theegäsie bei den Damen. Beinahe mütterlich zärtliche Blicke waren es, mit denen die Kranke oft verstöhlen die mächtige Gestalt Berthold Schönholzers umfing und sich an seinem offenen Gesicht weidete. Der Gang seines Lebens, die große Energie und der unerschüterliche Fleiß, die ihn zum Siege geführt hatten, nöthigten ihr eine unbedingte Hochachtung ab. Sie mochte wohl im Stillen gar manchmal diese eiserne bürgerliche Tüchtigkeit mit der durch verkehrte und verrottete Anschauungen hervorgerufenen, absterbenden Kraft vergleichen, die in ihren Kreisen so vielfach unheilvoll zutage trat. UNO oann zeigte v:eue:cvt :yr

selbst unbewußt, in ihren Zügen nicht

selten ein Ausdruck, der in Berthold

Schönholzer eme Empfindung hervor-

rief, die ihn um alle seine Selbstbeherr-

schung zu bnngeu drohte. Es uber-

fluthete ihn in solchen Augenblicken ein Meer von Glückseligkeit und er sagte sich: diese Frau würde kein Nein spre-

chen. wenn Du kamst, sie um das

Liebste und theuerste zu bitten, das

sie auf Erden besitzt!-

Oft und oft schwebte ihm diese Bitte auf den Lippe.' Immer und immer wieder trieb ihn sein übervolles Herz

dazu an. Aber dann fiel ihm die Zeit

em, da er als Schlonergesell am Am

bos gestanden und vor seinen Augen dehnte sich eine Kluft, über die er nie-

mals meinte fortgelangen zu können

hin zu dem schönen Krnd aus jener

Welt der Vornehmheit, für die er tm

mer eine so scheue und unbegrenzte' Be-

wunderuna gehegt!

Und eines Abends sprach er doch.

hingerissen von dem allmachtigen Au genblick. Er hatte der kranken Edel

frau einige Bücher gebracht. Olga von

Zernwitz begleitete ihn beim Fortgehen hinaus in den Garten. Sie bat ihn, noch einen- Augenblick zu verweilen, da

sie ihm einige Bluwen für seine Mut-

ter mitqeben wolle.

Es war ein Abend zu Ende Juli -voll köstlicher, heiterer Frische. Die

Sonne war schon untergegangen, hatt

aber am Himmel einen wundervollen

Rosenschein zurückgelassen, der wie eine

Aufforderung zu Glück und Freude auf.

die Erde herniederglanzte.

Und nun trat das schöne. Mädchen .im ! hellen Kleid vor den m tiefster - rm ' . . ' " i ff ' .

Seele erregten luiann yin mir iyrem stillen, lieblichen Lächeln bot sie ihm

die Blumen, und da griff er nicht nur nach dem Strauß, fondern zugleich

nach ihrer and.

Er hielt die zarten Finger fest, fest in seiner bebenden Rechten, er deckte die

Linke darüber und mit einer Stimme

die wie erstickt klana von der aewalti-

gen Erregung seines Innern, sagte er

ihr, daß er sie liebe, ganz unbeschreib-

lich liebe, und ob sie sich jemals mit dem Gedanken vertraut machen könne,

nne Frau zu werden. Mit einer jähen Bewegung, wie aus

einem Traum erwachend, gleichsam er-

schrocken über seine Kühnheit, trat er

dann von ihr zurück tn- den tiefen

Schatten, der unter den Kastanienbäum??i lagerte.

Sie blieb draußen in dem rosigen

Abendschein stehen, in einem leisen Zit-

tern ihres ganzen Korpers, die Augen geradeaus gerichtet mit einem unsäglich rührenden Ausdruck von Ver-

wirrung und Hilflosigkeit.

Berthold Schönholzer deutete sich

diesen Ausdruck, wie er ihn sich deuten mußte. Und obwohl er die Empfindung hatte, ejn wild schmerzlicher Krampf werde sein Herz still stehen lassen, trat er rasch wieder einen

Schritt vor und sagte in scheinbar ganz

ruhigem Ton: .

Verzeihen Sie mir, Fraulem Olga.

Was. ich sagte, geschah in der Uebereilung.' Vergessen Sie meine Worte.

Es soll sein, als waren sie Nie zwischen

uns gesprochen."

Er wußte qar nicht, wie groß er in

diesem Augenblick war, welch ein Bei-

spiel tapferster Selbstüberwindung er.

gab. Der schlichte Mann aus dem

Volk sprach so vornehm, wie der Vor-

nehmsten einer. Ohne ein Zucken der Wimpern begrub , er seinen liebsten Wunsch.

Olga von Zernwitz mochte vielleicht

instinktiv fühlen, daß ihr soeben ein

großer, schöner Schatz dargeboten wor-

den sei, und daß sein seltener Glanz

ihr schon wieder auf immer entschwin-

den wolle. Sie raffte sich aus ihrer

Verwirrung auf und rief in unwillkür-

licher Hast:

Mißverstehen Sie mich nicht, Herr

Schönholzer. Ich möchte Sie nur bitten, mir eine Bedenkzeit zu geben. Ich

bin noch so iung. fühle mich oft noch

fo kindisch in meinem Thun und Den-

ken. Sie sollen mir Zeit lassen, mir

erst klar zu werden über die Pflichten und das Leben an Ihrer Seite. Ich

habe Sie gewiß gern bitte, bitte, glauben Sie mir das. Ich kenne keinen Mann, den ich Ihnen vorziehen

möchte. Aber ich bin noch unsicher, ob eine Bedenkzeit, ja. ich muß Sie

darum bitten. Und Sie dürfen mir deshalb nicht böse sein."

Berthold Schönholzer schöpfte tief.

tief Atbem. Es war. als rinae sich

riwas in lym, Das ei a)un wvi glaubt, in scheuer Seligkeit zu neuem tastenden Leben empor.

Und doch umzuckte em seltsam weh-

müthjges Lächeln seine Lippen, als er nun antwortete:

Eine Bedenkzeit wollen Sie. Fräu-

lein Olga? Ich möchte und sollte wohl

auch Nein sagen. Verurtheilen sollte

ich mich, daß ich Sie mit meinen Wor-

ten überfallen habe. Ich hatte erst warten und forschen sollen, ob Sie je imstande sein würden, meine Zunei-

gung ich will kem anderes Wort mehr brauchen zu erwidern, und

ohne sichere Anzeichen hätte ich nie, niemals sprechen dürfen. Aber es ist nun

einmal gescyehen. Und darum mag mir nun auch Ihre Bitte einen neuen, stillen Hoffnungsschimmer bedeuten

ja. ich gebe Ihnen eine Bedenkzeit in

einem Jahr will ich meine Frage wie-

derbolen."

Es schien sich dem jungen Mädchen der Ruf auf die Lippen drängen zu wollen: Rein, nein, einer so langen Zeit Bedarf es nicht ganz gewiß

nicht! Nach einem kurzen Zögern neigte

sie aber doch in oemhendem Emverständniß das Haupt. Sie reichte ihm die Hand und wollte sich dann dem Haus' zuwenden. Er hielt sie zurück.

Noch eins, Fräulein Olga. Lassen

Sie das, was heute zwischen uns ge sprachen wurde, unser Geheimniß blei

ben. Nicht wahr, wir werden beide imstande, sein, den früheren, unbefangenen Verkehr zwischen uns aufrecht

zu erhalten? Dann bleiben auch Ihre Frau Mama, und meine Mutter unbefangen. Und das wünschen wir doch beide. Im anderen Fall würden sie mehr oder weniger Partei werden. Das aber möchte ich so gern vermieden

sehen. Wenn ich in einem Jahr mit meiner Frage wiederkomme, soll die Antwort ganz Ihr innerstes Eigenthum sein, kein. Einfluß, von welcher Seite er auch komme, soll darin mit-

sprechen. Erbitte ich mit dieser For derung zuviel?"

Ganz gewiß nicht," erwiderte sie

leise.

Sie verstand ihn. Zum zweitenmal

reichte sie ihm die Hand. Gute Nacht."

Ganz langsam, gesenkten Hauptes,

schritt sie in das Haus.

Er aber verließ in seiner gewöhnten, aufrechten Haltung den Garten. Draußen freilich, als ihn der Baumwall der kleinen Besitzung deckte, sank er jäh in sich zusammen. Die breiten

Schultern schienen auf einmal eine schwere, schwere Last zu tragen. . Obwohl es aussah, als verursache ihm jeder einzelne Schritt Anstrengung, irrte er doch noch bis tief in die Nacht hinein in den Wiesen umher, in denen er sie zum erstenmal gesehen hatte, sie, die dann von all seinen Gedanken und Gefühlen Besitz ergriffen und der er nun soeben eine Bedenkzeit von einem Jahr hatte geben müssen, damit sie sich darüber klar werde, ob sie ihm wohl jemals ein 'bescheidenes Mitleidsgeschenk ihrer Neigung werde zuwenden können! Er biß die Zähne zusammen und

preßte die geballten Fäuste aus Die

Brust, um das wilde Stöhnen zurück-

zuhalten, das daraus hervorbrechen wollte. ,

Die Mutter war längst zur Ruhe

gegangen, als er heimkehrte. In sei-

nem Zimmer brannte hell und freundlich die Lampe. Das Licht that seinen

Augen weh. er hatte es am liebsten gleich verlöscht, um im Dunkeln zu

Bett zu gehen. In dem gelblich wei-

ßen Schein lag jedoch das ziemlich große Viereck eines Briefes. Fast

widerwillig griff er danach.

Als er aber die Handschrift erkannt

hatte, die die Adresse aufwies, flog unwillkürlich ein weiches Lächeln um sei-

nen Mund. Er mußte denken: Du hast heute in jene Welt der Vornehm-

heit eindringen wollen, der Du Deiner

Herkunft nach fo unendlich fern stehst

der Versuch ist mißglückt, so- gut wie mißglückt! Und nun hältst Du. da einen Brief in der Hand, der Dir aus

der gleichen Welt freundschaftliche

Grüße bringt! Ein linderndes, ver

söhnendes Gefühl schmeichelte sich in

seine schmerzzerrissene Seele.

Der Bnef kam von demienigen. dem

er in seinem einfachen, begeisterungs-

fähigen Innern ein unzerstörbares

Freizndschastsdenkmal errichtet hatte.

Egon Ruttenauer! Auf dem Tech-

nikum hatte er ihn kennen aelernt, den

etwa um sechs Jahre jüngeren .Kamera-

den, den Sohn eines verstorbenen Offl-

ziers.-'Vom ersten Augenblick an hatte

ihn tn unwiderstehliches Gefühl der

Bewunderung für den blutjungen, selt-

sam schonen Menschen erfüllt, er hatte langsam seine Scheu überwunden und

ein beharrliches Werben begonnen um

die Gunst des vornehmen Mitschülers.

Und endlich hatte Egon Ruttenauer

seine kühle Zurückhaltung fallen lassen und dem jungen Riesen gestattet, ihm aus nächster Nähe den Zoll feiner schwärmerischen Verehrung darzubrin-

gen. Aus dieser Verehrung war eine

große, echte, theilnahmsvolle Liebe geworden, als Berthold Schönholzer allmälig erfuhr, wie der jüngere Freund

so bettelarm an Liebe war.

Ten Vater hatte er durch einen

frühen Tod verloren, hinter der Mutter, die er über alles geliebt, hatten sich seit kurzem die Pforten des Jrrenhau-

fes geschlossen für immer, sie war

unheilbar krank. Geschwister besaß

der so traurig Beraubte nicht, in sei-

ner fürchterlichen Vereinsamung fehlten ihm sogar die Mittel, die gemeinen

Sorgen des Lebens von sich fernzuhalten. Er war ganz und gar auf die Gnade eines reichen Verwandten seiner Mutter angewiesen. Die Unterstützungen dieses Mannes, der Rudolf Bärndorf hieß und ein alternder Junggeselle war, mußte er in seiner hilflosen Lage hinnehmen, aber er sprach höchst selten von ihm und dann nur in einem so bitter höhnischen Tone, als rede er, statt von seinem Wohlthäter, von seinem Feinde. Egon hätte über alles gern die militärische Laufbahn eingeschlagen derjenige aber, von dessen Bestimmungen sein Schicksal abhing, setzte diesen Wünschen einen verächtlichen Widerstand entgegen. Er war. bevor er sich als kränkelnder Sonderling in die Einsamkeit zurückgezogen hatte, an einem großen industriellen Unternehmen betheiligt gewesen, und so entschied er. daß Egon das Technikum zu besuchen habe, ohne viel danach zu fragen, ob diesen irgend eine hervorsiechende Bt-

fähigung auf den verfügten Beruf hin-

weise. Das war in der That nicht der Fall. So wenig sogar, daß schließlich der

Direktor des Technikums selbst an

Herrn Rudolf Bärndorf schrieb und ihn ersuchte, seinen Schützling eine Laufbahn einschlagen zu lassen, die seinen Gaben und Neigungen mehr entspreche. Allein auch jetzt weigerte sich der anscheinend bis zur Bösartigkeit grillenhafte Sonderling wieder.' Egon

Soldat werden zu lassen, sondern

schickte ihn auf eine landwlrthschaft liche Schule.

So wurde Berthold Schönholzer

-von dem vergötterten jungen Genossen getrennt. Allein er ließ die angebahnte Freundschaft nicht einschlafen. Wieder

und wieder schrieb er 'dem entschwun-

denen Kameraden und seine Briefe wa-

ren so echt in ihrer Sprache, so treumeinend in Rath und That, daß Egon Rüttenauer auch ab und zu antwortete,

wenn diese Antworten auch knapp qe

nug aussielen und gewöhnlich nur bit-

tere Glossen enthielten über sein Le

ben, das er immer wieder verpfuscht und eine aussichtslose Sklaverei nannte

m der Abhängigkeit von dem Hochher

zigen und hochverdienten H:rrn Barn-

dors.

Die Verbindung' zwischen den

Freunden vestano auch noch, als Bert

hold Schönholzer schim seinen Aufstieg begonnen hatte.. . Egon 'weilte rst als m 1 ! C . ... .',. m

zou?niar uno van rrs. jüngerer ustx Walter auf norddeutschen Gütern.

Seit längerer Zeit . hatte er nicht

mehr geschrieben.

Darum that Berthold. Schönholzer

das Lebenszeichen, das er zetzt von dem

Wortkargen in Händen hielt, doppelt wohl in der swmmen, tiefen Trauer seiner Seele. Er setzte sich mit dem Brief an den Schreittisch. - rückte die

Lampe naher und begann zu lesen.

'In einer krausen, ungleichen,-ner'-vösen Handschrift stand da geschrieben:

.Mein Ueber, alter Junae!

Du hast .Dir durch-Deine treue Freundschaft ein Recht erworben, von dem tief in mein Leben einschneidenden

Entschluß zu hören, den ich aefaß

habe. Wenn ich nicht irre. habe, ich

Dir in meinem letzten Briefe, der aller

dings weit genug zurück liegt, angedeutet, .daß mich hier auf dem Gute der verwiitweten Freifrau von Rottach gewisse Hoffnungen zu umgaukeln begannen. Der junge und höchst interessante Verwalter wurde von seiner noch

recht pajsavlen Herrm so behandelt, daß er sich allerlei Erwartungen in Be-

zug aus eine alanzende Äukunftsstel-

lung im Kreis der deutschen Gutsbesitzer hingeben durfte. Allein der Herr Verwalter muß doch wohl nichts an-

oeres als ein ernaebildeter Narr gewe

sen sein vor kurzem bat sich die

Freifrau mit einem Grafen Gernsheim

verlobt. Naturlich habe ich da sofort nach einem Grund -gesucht, aus meiner Stellung ausscheiden zu dürfen, in der ich wahrscheinlich fernerhin

eine etwas lächerliche Rolle gespielt ha-

oen wurde, und om vorlaufla nach

Berlin gegangen.

In dem Berliner Vorort Friedenau

lebt seit einiger Aeit der vortreffliche

Herr Bärndorf. Da er meinem Herzen nun einmal über alles thuer ist. suchte ich ihn natürlich aeleaentlich auf

und theilte ihm in beweglichen Worten mit, daß ich wieder einmal auf dem Trockenen sitze. . So nebenbei fragte ich

auch an, ob er Nicht Lust habe, mich

durch Hergäbe eines runden Summ-

chens fo zu situiren. baft ich mich als

Landwirth einer bescheidenen Selbst-

stanoigkelt' erfreuen dürfe. Nem, er hatte keine Lust dazu aanz und aar

nicht. Mit liebenswürdigem Lächeln versicherte er mir, daß ich als der einzige ihm näher siehende Mensch einmal

sein Erbe sein wurde, er habe auch

schon ein diesbezügliches Testament ge-

macht, aber so lange er lebe, falle es

ihm nicht ein. eine größere Summe aus den Händen zu geben.

Also trollte ick mich wieder von

dannen aus der kleinen Villa, in die er

sich veraraben hat. machte im schönen

Berlin einen Spaziergang durch allerHand Nachtlokale und überlegte dabei: waö nun? Es ist mir in dieser glorreichen Nacht wirklich etwas eingefallen. Höre denn. Ich kehre dem geliebten Deutschland den Rücken, ich ache

über das große Wasser. Eine täglich und stündlich mich demüthigende Lum-

penexistenz im .Schutz der vielgepnesenen, europäischen, Kultur habe ich satt. Drilben tauche ich in die Wildniß unter, werde Goldgräber, fische, jage oder helfe den Ixwald ausroden je nach

dem.

Vor allem muß ich aber erst drüben

sein, und dazu, alter Junge, sollst Du

mir verhelfen. In Deiner Stellung

als Fabrikdirektor kannst Du Dir Hof-

fentlich den Luxus gestatten. Mir bit Ueberfahrtssumme und noch ein paar

Groschen darüber hinaus vorzustrecken.

Ich verspreche Dir feierlichst, daß Du das Geld dereinst in Gestalt eines Goldklumpens, mehrerer ungeschliffener Diamanten oder einer Sendung von Büffelhäuten wieder erhältst! Bist Du also geneigt, Dich anpumpen zu lassen? Dann schicke mir mit dem Geld zugleich Deinen Segen. In Liebe Dein getreuer Egon Rüttenauer." Unter den widerstreitendsten Empfindungen hatte Berthold Schönholzer den langen Brief zu Ende gelesen. Befreiung von dem Druck in seiner Brust brachte ihm der Inhalt des Schreibens wahrhaftig nicht, wie er gehofft hatte. Er fühlte sich nun erst recht in eine quälende Trauer hineingescheucht. Wie weh ihm die bittern, spottgetränkten Worte des Freundes thaten! Eins stand augenblicklich in ihm fest daß er Egon unter allen Umständen das Wort abringen müsse, seinen abenteucrlichen Entschluß aufzugeben. Er setzte stch auch sogleich hin und schrieb einen Brief nach Berlin, der kaum minder umfangreich war. als der erhaltene. Schlichte, goldwarme Worte fand er. Ein treusorgender älterer Bruder beschwört so den jüngeren, seine blühende. zukunftsreiche Jugend nicht in

Verbitterung und Trotz auf das Spiel

zu fetzen!

Vor allem forderte tzAm Namen der

sie verbindenden Freundschaft. Detfc Egon sofort zu ihm kommen möge, als

ein lange ersehnter, willkommener Gast auf unbestimmte Zeit. Da wollten sie

dann zusammen berathschlagen, erwa

gen und so lange suchen, bis das Rich-

"ge gefunden sei.

Jetzt, nachdem der Brief geschrieben war. weitete, endlich doch ein befreiender

Athemzug Berthold Schönholzer bit

gepreßte Brust. (Fortsetzung folgt.)

. 'Ein.e Postkarte, die fast ' m .

neun Jahre gebrauchte, um von icic f,sd fnL 5iim sfmhfHtvir trt Köln ZU

qmiii vj - - - u gelangen, dürfte zu den Seltenheiten cr M, , ' m ? '

im Ponverleyr geyoren. nor einigen Tagen wurde in Köln eine Post. fntU finrrf KZ, Ylufabestemvel

WVU, viv - jj Bielefeld 22. 7. 97, den Ankunftssiempel Köln 23. 7. 97 und zwei weiter:

Stempel Köln 4. 4. 06 tragt. . Wo rnsirr hio (Tvirt in Yut. QmtfAempii ae

"jj VV l 4. V 1 IV steckt haben? Jedenfalls beweist auch diese sehr verspätete Ablieferun.i die m . . . . V nv - V

orgmkeit. Mit oer me vouocnorcc

auch in verzwickten Fallen die ihr anvertrauten Sachen an den Mann zu bringen sucht. Besonderer Schaden ist fiorn s?tnhfrtttrttr YPT unterdes

w.t vitiyungv; " " , mehrfach die Wohnung gewechselt hat, auö der Nichtablieferung nicht er wachsen. Es war eine Ansichtskarts

mit den dazu gehörigen ruLen:

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