Indiana Tribüne, Volume 29, Number 224, Indianapolis, Marion County, 15 May 1906 — Page 6

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Vogeler's KlettenWurzel Oel zur Beförderung des Haarwuchses, und zur Verschöuemng,Erhaltuug uud Wlederherstelluug der Haare. s y : o.k,rta in fct.r& r h )UtyHHVV4VII I probte und bewahrte Natur Mittel rühmlichst bekannt. Die von vielen Aerzten ausgestellten Gin pfehlungen über dessen Güte, Kraft und Wirkung überheben uns allen ferneren Anpreisungen. TaS Klettenwurzel Oel reizt die Kopfhaut zu neuer und gefunder Tha tigkeit an, reinigt sie von Schorf und Schuppen, verhindert das Ausfallen und frühe Grau werden der Saare, heilt die Krankheiten, die oft auf dem Kopfe erscheinen und erzeugt einen schönen und neuen Haarwuchs. Auch giebt es dem Haar ein üppiges, glän zendes Ansehen wie es noch durch kein anderes Mittel diestr Art geschehen ist. PrelS, 50c die Flafche.Z In allen Apotheken oder direkt von St. Jacobs 0iI,Limitcd, Battimore.Md. Zesserson Hotel 101-105 Ost Söd Str. Staut Teltphi-L 4107. Zimmer 51.25 bis Zl.75 pro Woöe. Europaischer Plan. Vollständig neu umgebaut und renovirt In Verbindung mit dem neuen Hotel habe eine hübsche Halle, die ich zu einem sehr mäßigen Preife an Logen und Gefellfchatt venniethm werde. FRED. ESCOTT, 3Igr. Wrn. Stoeifle SeileoKL. K 202 Nord Noble Stra. Neue Telephon 2001 Möller's Halle (früher Reichwein'sHalle.) Hcniian Moollcr, Eigenthum SüdmestEcke Noble und Market Str. Reine vollständig neu renodi?t Hallt fatoie Clubzimmer stehen Vereinen, Loge und Gesellschaften zur Verfügung. Dr. 1 H. facter Teutscher Thier.Arjt Offs: Schellhouse'LLeih-Stall 338 Sft bsh Zt. Telephone: eu. 32 Alt. Main ilu. Wohnung: 173 Zdtso Neuer 'Phone 9685. Qerzte. Dr. LEO HERBERT Wiener Arzt. Haut-, Geschlechts u. Nervenlrankheiten 10 Oft Ohi, Straze tk, Floor. Neue Ikl. 44. Svrechftundeu, 9 11, 24. 7 S bend. fv. 3. A. Sutcliffe, Wund.Arzt, Lchlechts., Urin. nnt:c!nni Krankheiten. iQnit : 155 OS VkarketStt. Tel. 54J ,r, 'bk,:, 11 10 tu?,.: II1I4 rh. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. ha'elt ll akut ndZ chronische KraukheUe. ?veziell Rheumatismus, Rectnm und Frauen'Kranlheiten. Office : 14 weft Ghio Straße. OfffceSrundm : 10-11 Vm. 3-4 Nm. Sonntaas : 9.30 10.30 A. Tel. neu 43. LJchAnug: 1250Nadlso Uvenue Telephone : Alt. 2025. Neu, 9282. Dr. Paul F, Martin, praktischer Arzt und Chirurg. Eprechstndeu: 11.00 i.ss .SO 4.00 täglich Sonntag :IAufLerabredung. WNlsughby Gebäude,' MIZtoxt vkerldl träfe Tel., Maln 4414. O,hg: i NdIeZJersey Str. ltlephon: Maw 859; Ne tsss.

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3 n Nacht und Dunsics. Erzählung ton Ad. Kleiner. Ich war in der denkbar schlechtesten Stimmung. Die qan;e Nacht hatte ich kein Auge geschlossen, und jetzt, da die Sonne hell zu mir in's Zimmer schien und unter meinem Fenster die sonntäglich geschmückten Bewohner der schönen kalifornischen Stadt 5!os Angeles in Schaoren vorbeizogen, um den herrlichen Frühlingstag in der freien Natur zu genießen, kam mir mein Elend erst recht zum Bewußtsein. Wie hatte ich mich auf diesen Tag gefreut! Allen Anzeichen nach hätte er einer der glück lichsten meines Lebens, werde müsfen. Man stelle sich nur vor: ein Ausflug zu Pferde an der Seite eines gellebten Wesens, das der Jnbegrisf aller Schönheit und Liebenswürdigkeit ist, und von dem man sich wiedergeliebt wein! Natürlich sollten noch verschiedene andere Personen an diefem Ausfluge theilnehmen, vor Allem Sennora Saltes, die Mutter meiner angebeteten Mathilda, dann 'An junger Farmer auö Newhall, ein Nefse des verjtorbenen Seunor Saltes, der mir wegen seiner ewigen Prahlereien sehr unsym pathisch war, und dann noch einige Freunde uud Freundinnen des Hauses. Aber Liebende sind ja immer allein! Wie viele Gelegenheiten gab es da nicht, sich mit einem Lächeln, mit einem heimlich getauschten Händedruck immer wieder von Neuem sein süßes Geheimniß zu offenbaren! Dann der Wald in seiner jungen Frühlingspracht, mit seinen verjchlungenen Wegen, fernen einsamen Plätzen: dazu die würzige Morgenluft, der Vogelgesang, der blaue Himmel kann es für einen 5ei liebten etwas geben, das diesem Bilde gleicht? Und jetzt? Kein Ausflug, kein beglückendes Alleinfein, kein verstohlener Hände druck nichts, gar nichts! Nur das Wetter, wie zum Höhne, noch schöner, als man es sich nur hatte wünschen können. Wenn eS wenigstens geregnet hätte in Strömen geregnet! Aber nein keine Wolke war am Himmel zu fchen! Während ich unter solchen Vetrachtnngen meine Toilette beendete, klopfte es an meine Thür. Ich hielt in meiner Beschädigung inne und horchte. Das war sicher mein Väschen Lilly, die sich ängstigte, weil ich nicht zum Frühstück gekommen war.. Nichtig! Jetzt hörte im einen unterdrückten Seufzer, und gleich daraus entfernten sich die Schritte wieder. Das arme Ding! Ich hätte wetten mögen, daß sie die Nacht nicht mehr geschlafen hatte qI3 ich. Einen Augenblick war es mir, als ob ich sie zurückrufen sollte, aber der Trotz behielt die Oberhand in mir ich hatte in memer zetzigen Stimmung das graukäme Bedürfniß, Anderen wehzuthun. UeLerdieS war ich nicht zu langen Gesprächen ausgelegt ; ich war ein Mann, ich wollte meinen Schmerz allein auskämpfen. War eS etwa meine Schuld, daß sie sich meinetwegen Sorgen machte Hatte ,cü sie um ihr Mitleid gebeten? Was ging sie überhaupt die ganze Sache an? Bei dieser Frage, die tu3 höchste Maß von Undankbarkeit und Ungerech tigkeit in sich schloß, regte sich ein Gcsuhl der Scham in mir. Die gute Lilly, die wie eine Schwester an mir hing, die meinen Liebesroman mit durchlebt hatte, vom Tage der ersten leimenden Neigung an bis zur gestrigen Katastrophe, wie hatte sie Mich getröttet und ermuthigt, als ich ihr vor noch nicht zwei Monaten meine hosfnungs lose Liebe gebeichtet! Denn daß Ma thilda, die reiche Erbin, die von sammt lichen jungen Leuten, unserer Stadt umschwärmt war, gerade mir, dem eingewanderten Deutschen, ihr Herz zuwenden könne, das war la ganz un denkbar. Und als sich dann meine kühnsten Hofsnungen doch erfüllten. als ich Lilly mittheilen konnte, daß Mathilda mich liebe welch' innigen Antheil hatt? sie an meinem Glücke genommen ! Der Onkel freilich und die Tante, bei denen ich im Hause wohnte, waren gar nicht zufrieden mit meiner Wahl. Besonders der Onkel in seiner derben Manier meinte, daß er sich kein unpas sendereS Paar denken könne als mich und diese kokette, verwöhnte Amerika nenn z -im Anfange schien er sogar nicht übel Lust zu haben, seine Beziehungen mit mir abzubrechen, und das wäre für mich, der sein Geschäft später übernehmen sollte, ein harter Schlag gewesen. Da war eö denn wieder Lilly gewesen, die vermittelnd dazwischen trat, die Mathilda dem Alten gegenüber vertheidigte 'und es endlich dahin brachte, daß der Onkel, wenn auch immer noch brummend, seine'Cinwilligung gab. Und schließlich gestern Abend, als ich nach Hause kam und ihr in meiner namenlosen Berzweislung nur die Worte sagte: Es ist Alles aus zwischen Mathilda und mir!" wie hatte sie mich da gebeten, keinen unüberlegten Schritt zu thun und mich nicht von meiner heftigen Natur hinreißen zulassen. Wir sprechen morgen darüber," hatte sie gesagt, wenn Du erst ruhiger geworden bist. Sie liel't Dich ja, und eines geringfügigen Streites wegen wird sie ihr eigenes Lebensglück nicht verscherzen. Du wirst sehen, eö kommt illes wieder in's alte Geleise, nur ruhig mußt Du erst werden. Von den widerstrebendsten Empfindüngen geqr.ilt, entschloß ich mich endlich, in'S Wohnzimmer zu gehen, wo

Jndiana Trwüne, SS. 3Rat 1906

ich die Tante und Lilly im eifrigen leisen Gespräch fand, während der Onkel mit seiner . Pfeife auf dem Sopha saß und die Zeitung studirte. Er sah mich Ziemlich verwundert an. Du noch mir fragte er; ich dachte, Du wolltest heute einen Ausflug macben!" . , Ich murmelte etwas von man wohl fein" und lieber zu Haufe bleiben." Er legte die Zeitung auf den Tisch, nahm die Brille ab und sah mich prüfend an. Nun," meinte er, Du siehst auch schlecht aus, gar nicht wie ein glücklicher Bräutigam. Mich geht die 'Geschichte ja gar nichts an aber das sag' ich Dir, ein gutes Ende nimmt'S nicht." Aber, Alter!" warf die Tante ein. Du wolltest doch die Sache ruhen lassen. Ach was!" pollene der Oheim. Hch habe den Fritz immer wie meinen Jungen gehalten; wenn ich ihm nicht 'mal ein Wort sagen darf, wer soll's denn? Wahrheit geht vor Höflichkeit." .Wenn es Dir Vergnügen macht," brummte ich trotzig, nur los!" Vergnügen macht's Mir nicht, aber meine Pflicht ist es, deshalb spreche ich. Tu bist ein guter Kerl, im Geschäft tüchtig, aber ein großes Licht bist Tu nicht. Ich möchte blos wissen, wovon Ihr Beide Euch unterhaltet, wenn Ihr allein seid. So ein verzärteltes, überspanntes, eigenwilliges Fauenzimmer, daö dichtet,' musizirt, malt, reitet, radelt, rudert, Romane liest und so weiter, ist nichts für Dich. Auöfrau ist keine Hausfrau. Und nun thu, was Dich freut jeder it i. eines Glückes Schmied." Ich erhob mich; wenn der Onkel mit feinen Sprichwörtern anfing, war kein Auskommen mit ihm. Du scheinst schlechter Stimmung zu sein," sagte ich; eö ist besser, ich räume das Feld." Damit ging ich zur Thür hin aus. Wer Butter im Kopfe hat, scheut die Sonne," hörte ich den Alten mir noch nachrufen. Acrgerllch schritt ich meinem ZlM. mer zu, als Lilly mir eilig nachgclau. sen kam. Sei nicht böse!" bat sie, Du kennst ja den Bater! Komm, laß uns bei dem schönen Wetter nach dem Parke gehen. Unterwegs erzahlst Du mir, was eigentlich vorgefallen ist, und dann wollen wir schon ein Mittel finden, um Alles wieder in Ordnung zu bringen." Ehe ich etwas erwidern konnte, hatte sie mir meinen Hut gebracht und sich selbst ihr leichtes Strohhütchen aufgefetzt. Was sollte ich thun? Zum Dank für all' ihre Güte auch noch unliebenswürdig sein? 'Ich ging also mit ihr fort. Aeußerlich spielte ich zwar noch immer den Berschloffenen, aber im Inneren sehnte ich mich darnach, in ein mitfühlendes Herz meinen Kummer ausschütten zu können. Ich begann also aus ihre Bitte mcinen Bericht. Ich sing damit an, ihr zu erzählen, daß ich schon seit mehreren Tagen in steter Ausregung gewesen sei. Meine Bitte, mit ihrer Mutter sprechen zu dürfen, hatte Mathilda als versrüht bezeichnet, sie müßte sie noch erst darauf vorbereiten, und außerdem ließ sie sich in letzter Zeit von ihrem Vetter in auffälliger Weise den Hof machen. Dieser Vetter war mir überhaupt ein Dorn im Auge ein eingebildeter, großthuerischer Patron, der immer mit seinen Heldenthaten prahlte und sich darin gefiel, die Deutschen und ihre Sitten lächerlich zu machen, während er Amerika als den Inbegriff aller Vollkommenheit pries. Wenn man ihn sprechen hörte, konnte man glauben, daS er nächst dem Präsidenten die wich tigste Persönlichkeit in den Ver. Staaten sei. Dabei bestand sein einziges Verdienst darin, daß er von seinem Vater ein beträchtliches Vermögen geerbt hatte. Gestern Abend war ich nun wie ge wöhnlich nach dem Hause Mathildas gegangen, um noch ein paar Stunden m ihrer Gesellschaft zuzubringen. Ich traf dort den unvermeidlichen Vetter an. Er las ihr einen Zeitungsartikel vor, und sie hatte dabei ihren Arm um die Lehne seines Stuhles gelegt; es r . t r ' r. . 5 k , lay oeiuaye aus, aisov jie iyn umarmt hielte. Die Begrüßung war kühl. Bill ließ sich in seinem Lesen nicht stören. und Mathilda nickte auch nur ganz fluchtig. Ich hatte Muhe, mernen Aer ger zu verbeißen, und hörte nur mit halbem Ohre zu: nachdem er seine Lektüre beendet, die von einem Duell zwischen zwei Redakteuren handelte, gab er eine ähnliche Episode aus seinem eigenen Leben zum Besten, in der er natürlich eine hervorragende Rolle aespielt hatte. Auf einmal wandte er sich spöttlfch an mich und fragte: Nun, Sie sagen ja kein Wort Sie haben wohl noch me einen Ehrenhandel ge habt?" Nun bin ich allerdings im Prinzip gegen das Duell, aber selbst wenn da Gegentheil der Fall wäre, hätte ich es in meiner gereizten Stimmung nicht über mich gebracht, ihm recht zu geben. 3b erwiderte deshalb ' kurz: Nein, ich werde auch nie einen sogenannten Ehreichandel haben, weil irf) es für blitzdumm halte, mich von irgend einem Lassen erst beleidigen . und dann noch todtschieken zu lassen. Sie würden also die Beleidigung auf sich sitzen la sen?" fragte Bill. Es gibt noch andere Mittel, um einen Belerdiaer zu strafen. Das Duell würden Sie 'aber unter allen Umständen ausschlagen?" .Ja, natürlich!" Muth gehört allerdings dazu, einte Bill mit einem nichtswürdigen

Lächeln. Jetzt hielt ich mich nicht läw ger. Wenn das eine Anspielung sein soll, rief ich. .so kann ick fthntn

darauf nur erwidern, daß ich auch ohne fchon Gelegenheit gehabt habe, meinen Muth zu bethätigen, wenn rck. auch nicht wie Andere fortwährend mit meinen Erlebnissen prahle!" ' Sie sind ein unverschämter Ge seile," sagte Bitt mit empörender Ruhe. Ich würde' Sie fordern, wenn Sie nicht eben erklärt hätten, daß Sie keine Herausforderung annehmen." Da hatte er mich richtig in der Falle. Nachdem er sich erst vorsichtig davon überzeugt hatt? hn er nirf , fig, fürchten habe, ruckte er mit seiner bru. talen Beleidigung heraus. Ich war außer mir und stand im Begriff, ihm zu entgegnen, daß es mir trotz meiner Prinzipien ein Vergnügen sein werde, ihm mit der Pistole in der Hand gegen überzustehen, aber er kam mir wohl weislich zuvor. Es ist ein eigenes Ding um Grundsätze," sagte er, immer mit derselben Ruhe. Um ihnen treu zu bleiben, bedarf man ebenfalls des Muthes, und zwar des moralischen Muthes. Daö ist aber auch nicht Jedermanns Sache!" Diese unerwartete Wendung zeigte mir erst recht klar, in welcher Klemme ich mich befand. Leider war es von jeher ein Fehler von mir, zur rechten Zeit nie das richtige Wort finden zu können; ich war auch jetzt so starr, daß ich einen Augenblick hilflos um mich blickte und nichts zu erwidern wußte. Vielleicht wäre ich noch aus irgend einen Ausweg gekommen, wenn eine Bemerkung Mathildas mir nicht vollends die Fassung geraubt hätte. Ohne mich anzublicken, meinte sie nämlich, sie wisse nicht, was eigentlich verächtlicher sei: ein Feigling oder ein Mann ohne Grundsätze. Ich fühlte den Boden unter mir wanken; mit Auf bietung aller Kräfte erhob ich mich und erklärte: eö scheine mir, daß man es darauf abgesehen habe, mich zu belei digen, und da mir sowohl meine Erziehung wie meine Eigenschaft als Gast des Hauses es verbiete, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, hielte ich es für daö Beste, mich zurückzuziehen. Damit war ich fortgegangen. Lilly war meiner Erzählung 'mit gespannter Ausmerksamkeit gefolgt. Jetzt, da ich geendet hatte, ließ sie ihrem Zorne freien Lauf. Empörend rief sie: Hast Du ihm denn nicht gesagt, daß Du erst vor einem Jahre bei dem Brande von WilkenS Hause mit eigener Lebensgefahr die alte Negerin gerettet hast, die unterm Dach schlief und schon sür verloren galt? Und dann, damals in den Minen von Mohave ! Pedros Frau hat mir noch vorige Woche erzählt, daß sie ohne Dich heute Wittwe wäre, und daß sie es Dir nie vergessen würde, wie Du ohne Besinnen in den eingestürzten Schacht hinuntergestiegen seiest, trotzdem alle Anderen Dir davon abriethen. Gehört dazu etwa kein Muth?" Mir wurde ganz warm bei dieser Aufzählung meiner Heldenthaten; daran hatte ich gestern freilich nicht gedacht. Ja," gab ich kleinlaut zu; das ist es gerade, was mich am meisten ärgert ; bei solchen Gelegenheiten bin ich wie auf den Mund geschlagen. Dein Vater hat ganz recht ein großes Licht bin ich nicht." Nein, nein, das kommt nur von Deiner Bescheidenheit. Wenn man mich beleidigen würde, bin ich sicher, daß eS Dir nicht an Worten fehlen würde, mich zu vertheidigen!" Nein, ganz gewiß nicht!" versicherte ich aufrichtig. DaS sollte nur Jemand wagen !" Der bloße Gedanke, daß Jemand mein kleines gutes Väschen beleidigen könnte, regte mich derart auf, daß ich wüthend in die Höhe sprang. Siehst Du wohl?" rief sie trium phirend. Du weißt selbst gar nicht, a .'.. ! .iiIa. s).t fitftl" ii'ux 4ju iu uu yuiti oi tu Sie war einfach entzückend.- Wie sie immer den Nagel auf den Kopf traf! Und dabei sah sie so lieb aus mit den vor Aufregung gerötheten Wangen und den blitzenden Augen ich hätte sie umarmen mögen! Aber trotzdem wir doch wie Bruder und Schwester zu einander standen, hielt mich eine unerklär liche Scheu davon ab, ihr zu zeigen, wie lieb ich sie hatte und wie dankbar ich ihr für ihre gute Meinung war. Aus einmal wurde sie nachdenklich. Weißt Du," sagte sie zögernd, Du willst doch, daß ich ganz aufrichtig zu Dir spreche?" Natürlich, ich verlange es sogar von Dir!" Ich denke eben, daß eö von Mathilda eigentlich nicht hübsch war, Dir nicht beizustehen aber vielleicht war sie auch im Augenblick verwirrt, wie Du es warst," fügte fie schnell hinzu. DaS finde ich durchaus nicht," versetzte ich. Sie nahm sehr offen die Partei ihres Vetters.'' Und bei der Erinnerung an ihre kränkende Bemerkung stieg der Zorn von Neuem in mir auf. Ja, das wohl," beschwichtigte Lilly, aber hinterher hat eö ihr gewiß leid gethan. Weun Du wieder zu ihr gehst, wird sie Dich, sicher um Verzeihung bil ten. - Ich richtete mich mit der ganzen Würde eines ManneS auf, der in seinem Heiligsten verletzt ist. Du tzlaubst doch nicht etwa, daß ich ihr HauS wieder betrete, wenn sie nicht den ersten Schritt zur Versöhnung thut?" rief ich aus. Wenn ich Mathilda auch von ganzem Herzen geliebt habe, meine Ehre werde ich nie darüber vergeben! Sie hat mich zu tief ge-

kränkt. Wenn man Jemanden liebt, kann man nicht so handeln. Wie würbest Du in solchem Falle zu mir gestanden haben! . Und Du bist doch nur eine Verwandle von mir. Stelle Dir einmal vor, wir Beide wären mit einander verlobt, uud Dn liebtest imdy Ich vollendete den Satz nicht. Lilly war über und über roth geworden und ruckte etwas von mir fort. Mir war so warm um's Herz, und doch hatte ich das Gefühl, etwas Ungeschicktes gesagt zu haben aber was denn eigentlich? Nach einer Weile sagte Lilly unvermittelt: Wir müssen wohl wieder nach Hause gehen; die Eltern wissen ja gar nicht, wo wir so lange bleiben." Am Nachmittage ging ich zu meinem Freunde John Steffens, dem Vorstände unseres Klubs, dessen praktische Lebenöanschauung ich kannte, und der jedenfalls die geeignetste Persönlichkeit war, nm mir in meiner Angelegenheit mit Bill Rath zu ertheilen. Als ich ihm meinen Streit erzählt hatte natürlich mit Weglassung aller auf Mathilda bezüglichen Punkte lachte er in seiner ruhigen Art und meinte: DaS sieht Bill ähnlich; wenn er nichts dabei wagt, springt er sogar in's Wasser, um als ein Held zu gelten." Was würdest Tu aber jetzt an meiner Stelle thun?" fragte ich gespannt. Nichts," erwiderte er. Bill wird fies) hüten, mit Jemandem darüber zu reden; ich war gestern Abend noch mit ihm im Klub zusammen, und er erwähnte kein Sterbenswörtchen davon. Er weiß, daß man ihn kennt. Na, und was Sennoritä Saltes davon denkt, das kann Dir doch gleichgiltig sein!" Bist Du dessen so gewiß?" Aber natürlich!" lachte John. Du willst doch dieses überspannte Frauenzimmer nicht etwa heirathen? Ich rathe Dir, laß die Sache ruhen, sonst, könnte es heißen, Ihr hättet Euch um Mathildas willen entzweit, und das darf nicht geschehen, schon Lillys wegen nicht."

Weshalb Lillys wegen?" fragte ich eiNigermazzen erstaunt." So thu doch nicht so harmlos! lachte John. Wir wissen's ja doch schon alle, daß Ihr so gut wie verlobt seid, und leder beneidet Dich darum. Wahrhastig, Du hast mehr Gluck als Verstand, nimm'ö mir nicht übel ! So ein entzückendes Mädchen, schön, aus guter Familie, Mit elnem Herzen, wie Gold und verliebt in Dich bis über dle Ohren! Junge, wenn ich solche. Glück hätte!" Ich war sprachlos. Also für Braut leute hielt man uns! Nun ja, das war am Ende begreiflich; wir verkehrten wie Bruder und Schwester mit einander, und die böse Welt, die niemals an solch' unschuldiges Verhältniß glauben will, deutete unsere Freundschaft eben auf ihre Art. Aber daß Lilly in mich verliebt fein sollte, das war denn doch zu toll. Ich denke, davon hätte ich als Hauptbethelllgter auch etwas mer ken müssen. Im Uebrigen konnte ich Steffens natürlich nur beistimmen. wenn er Lillys güte Eigenschaften pries. Ja, sogar seine Parallele zwl schen meinem Glück und meinem Verstand verzieh ich ihm (nebenbei bemerkt, heute schon das zweite Mal, daß meine Intelligenz einer Kritik unterzogen wurde), denn wahrhaftig, der Mann, der Lilly einst besitzen würde, durste sich glücklich schätzen. Nun," unterbrach mich John in meinem Grübeln, bist Du zu einem Entschlüsse gelangt? Wenn nicht, so schlage ich Dir vor, die Sache in meine Hände zu legen ; ich habe einigen Einfluß auf Bill und glaube, daß ich sie zu Deiner Zufriedenheit erledigen werde." L (Schluß folgt.) Durch Operation v o m Irrsinn geheilt wurde ein junger Mann Namens Konrad König in Tamaqua, Pa. Vor zwei Jahren glitt König an einem Wintermorgen auf der Straße aus und schlug mit dem Kopfe auf. Er erholte sich aber wieder und erst nach einigen Wochen stellte sich zuerst Eedächinißschwäche und danu Irrsinn ein. Jüngst wurde an dem Pa!i:::ten eine Trepanation vorgenommen. wobei man fand, dast an einer Stelle der Schädel um Zoll eingedrückt war und so auf das Gehirn wirkte, - daß König irrsinnig wurde. Nach der Operation verfiel König ir einen tiefen Schlaf, aus dem er mit der vollen Erinnerung an Alles, was ihm vor seinem Unfall vor zwei Jahren begegmt war, erwachte, 'von der Zwischenzeit aber nichts wußte. Wunderbares Entkomm e n. Ein neun Jahre alter Knabe Namens James Schwan wurde kürzlich unweit Appleton, Wis., von einem mit einer Schnelligkeit von 40 Meilen per Stunde dahinrasenden Zuge getroffen. Er wurde eine Strecke entlang gewirbelt und überschlug sich mehrmals ohne, abgesehen von leichten Schrammen, nennenswerthe Verletzungen zu erleiden. Der Knabe ging nach Ehilton zurück, wo er dem Beamten den Vorfall erzählte und sagte, daß ihn eine Frau vom Zuge gestoßen habe. Er wurde auf den nächsten Zug gebracht und nach seiner Heimath in Seymour befördert. . . Vom Feuer zerstörte Stadt. Die Stadt Luang-Pra-bang,. Siam, ist von einem Brande völlig zerstört worden. Das Schulgebäude, ein chinesisches Magazin und 500 Häuser sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Menschen sind zum Glück nicht um's Leben gekommen. . '

Französischrs in Straßburg.

Neberkpmmene Sprache, JolksbräuSze s Ttuentengkpslogknlieit. Ueber die Merkmale der fast 200 Jahre bestandenen französischen Herrschast in der 1871 dem deutschen Reiche wieder einverleibten Stadt Straßburg im Elsaß schreibt ein Reisender unter Anderem Folgendes: Unter den besser siturrten erngesessenen Familien Strcchburgs wird noch immer viel Französisch gesprochen. Ganz französisch obwohl das Straßburger Adreßbuch schon vor 20 Jahren nur noch sieben Prozent französischer Namen enthielt sind auch noch eine Menge anderer Dinge in Straßburg. so die metallglitzernden Helme der' Feuerwehr und die große Popularität, ihrer Musikkapelle; französisch ist die kurze Rothholz- oder Thonpfeife, aus der selbst der alte Straßburger Spießbürger mit seinem Napoleonbart. Steckelburger" oder Meisenlockergenannt, noch raucht, wenn er in seinem Stammlokal, der Alten Taverne" auf dem Kornmarkt, feine Flüt" Bier trinkt und sein Tärterle" dazu spielt. Französischer Brauch sind die Schneckcn, die man in den Restaurants bekommt, obwohl diese wackeren Thiere vom schwäbischen Donaustrande kommen, von wo aus sie sonst meistens nach Paris gehen. Französisch ist es, wenn der Kellner seine Prinzipalin mit Madame" anredet. Französisch sind sehr viele Zeitungen, die in den Kiosken verkauft werden. Französisch ist es. wenn sich auf dem Bahnhof die von einander Abschiednehmenden nicht auf den Mund, sondern auf beide Wangen küssen. Franz'ösischen Ursprungs sind die massenhaft im Straßburger Deutsch vernehmbaren fremden Sprachfloskeln wie etwa daZ merkwürdige, aus eh bi:n" herrührende abbäh" geht man übrigens der auffallenden Thatsache, warum so viel Straßburger, die der deutschen Sprache mächtig sind, doch mit dem Fremden lieber Französisch reden, auf den. Grund, so findet man. daß dabei eine Art Genirtheit mitspielt wegen des harten Dialekts, den der Straßburger im Deutschen oft nicht überwinden kann, während er hingegen das Französische fast ohne jedes Idiom spricht. Französisch oder doch wenigstens Welsch ist es, wenn der eingesessene Straßburger den zugewanderten Altdeutschen als Schwoob" bezeichnet, wofür der Schwoob" ihn zum Entgelt allerdings Wackes" nennt; doch scheint man diefes Wort neuerdings in Straßburg nur mit einiger Vorsicht benutzen zu dürfen, da es etwa die Bedeutung des norddeutschen Kümmelbruders" ängenommen hat. Französisch sind noch so manche Kafes mit ihren ungemllthlichen langen, eckigen Marmortischen, den langen rothen Plüschbänkcn und den vielen Spiegeln an der Wand, der Unsauber-keit-und dem Mangel an Zeitungen. Französisch sind in der Altstadt die hohen, engen, unkomfortablen Häuser mit den stilgemäß glatten Fassaden und den weißen Fensterjalousien. Franzö-sisch-rücksiändig ist es, daß die Stadt noch bis zum Jahre 1930 kontraktlich an Gasbeleuchtung gebunden ist, und französischen Geistes ist auch noch ein Theil der Studentenschaft, für den der deutsche Paukboden ein Ding der UnVerständlichkeit ist. Auch ein eigenthümlicher. akademischer Brauch der elsaß-lothringischen Studenten ist bei dieser Gelegenheit zu erwähnen, das sogenannte Monome." ein nächtlicher schweigsamer Umzug im Gänsemarsch, den diese Musensöhne alljährlich im Februar nach stattgefundenem Jahresbankett um das auf dem Kleberplatz siehende Denkmal des französischen Generals Kleber vollziehen. Auktion auf einem Friedbofe. Auf dem alten Militarkirchhof in Breslau wurden dieser Tage eine beträchtliche Menge verwaister Grabsteine versteigert. Nur solche Grabsteine wurden versteigert, um die sich seit Jahrzehnten kein Mensch gekümmert hatte und bezüglich deren die öffentliche Bekanntmachung, daß der Verkauf erfolgen würde, falls sich kein Einwand erhebe, fruchtlos blieb. Der FriedhofsVerwaltung kommt es darauf an, ein wenig Ordnung zu schaffen, vergessene und verwahrloste Gräber zu beseitigen und Raum zu gewinnen für die Gedeine der Todten, die des ClausewitzDenkmals wegen aus der Erde gehoben werden mußten. Auf viele Gräber hatte die Komman dantur ihre schützende Hand gelegt, so zum Beispiel auf daS Grab des im Jahre 1849 verstorbenen Generalmajors v. Glam und auf das Grab des Generalleutnants Georg v. Hühnerbein (gest. 1819). Dieser Offizier, der eine geraume Zeit hindurch in Schlesien daS Generalkommando führte, war der Großvater des Generalobersten Grafen Waldersee. Während der Aultion erschien ein freiherrliches Ehepaar -auS denr fchlesifchen Gebirge in Begleitung zweier Männer. Ein Stein, der das Grab eines fernen Vorfahren, der in jungen Jahren als Leutnant und Referendar verschied, wurde sorgsam vLm $?abe abgehoben und fortgetragen. Er sollte als kostbares Familiengut im heimathlichen Schloßpark aufgestellt wer-' den. Ein junger Adelshcrr hatte versäumt, gegen die Versteigerung eines Grabsteines Einspruch zu heben; er kam herbei, als ,eö zu spät war. Doch' der Stein wurde ihm von den Käufern bereittvillig überlassen.

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