Indiana Tribüne, Volume 29, Number 224, Indianapolis, Marion County, 15 May 1906 — Page 3
Jndlana Tlbüne, IS. Mai I906
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Explosion. Bier Pulvermagazine flicgen in die Lust. Tochter erschießt Vater. Der Frankfurter Mörder Meyer. Mord und Todtschlag. Schlimmer Unfall m Fabrik. Miß glückte Volksjustiz. - Neunköpsige Familie erordet. Kurzer Prozeß mit schwarzer Bestie.
Gewaltige Explosion. Bridgeport, Conn., 14. Mai. Vier Pulvermagazine der Union Me tallic Cartridge Co." östlich der Stadt wurden heute in aller Frühe durch eine Exploston in die Lust geblasen. So weit bekannt, ist Niemand um's Leben gekommen oder verletzt worden. Die Gewalt der Explosion war eine unglaubliche. Ganz Bridgeport erzit terte, die Bewohner flöhen, ein Erdbe ben befürchtend, in ihren Nachtkleidern auf die Straßen, um geängstigt zu fliehen. ES nahm geraume Zeit, ehe die erste, furchtbare Aufregung vorüber war und man den Grund der Erschütterung er fahren hatte. Nur zögernd kehrten die erschreckten Bürger, die theilveise ihre Habe mit sich schleppten, nach ihren Wohnungen zurück. ' In der ganzen Stadt ist thatsächlich kaum eine einzige Fensterscheibe hell geblieben; die Patronensabrik halbe reitS bekannt gegeben, daß sie für den entstandenen Sachschaden auskommen werde. Äle die Explosion entstanden, ist nicht bekannt, kann vielleicht auch nie malS festgestellt werden. Von Tochter erschossen. I a ck s o n v i l l e, Fla., 14.Mai. C. E. HookS,-ein bekannter Kaufmann, wurde heute Nachmittag von seiner 17 Jahre alten Tochter erschossen. HookS war heute nach einwöchentlicher Abwe senheit nach Hause zurückgekehrt und mit seiner Frau in hestigen Streit ge rathen. Seine Tochter giebt an, sie habe des Vaters Revolver an jtch ge nommen, um diesen am Schießen zu verhindern, und -als der Vater ihr die Waffe zu entreißen suchte, sei sie loSge gangen und die Kugel hätte den Vater n die Brust getroffen. Die Frau des Getödteten und zwei Töchter waren die einzigen Zeugen des Vorkommnisses. Mörder Meyer. New York. 14. Mai. Wilhelm Meyer, Itt angeklagt ist, seine Tante, Frau Vogel, ermordet und die Leiche n einem Koffer in Frankfurt am Main gelassen zu haben, plaidirte heute nicht schuldig; er erklärte sich bereit, nach Deutschland zurückzukehren und sich dem Gerichte zu stellen. ES find Vorbereitungen getroffen worden, sowohl Meyer als auch seine Begleiterin, Sophie Christian!, nach Deutschland zu tranSpoortiren; die Letztere scheint an dem Verbrechen völ lig unschuldig zu sein. Eine Spur der Wick. l i f s e s. Vinita.J. T.. 14. Mal. Ein indianischer Eilbote ist heute Nacht hier angekommen mit der Nachricht, daß die berüchtigten Gebrüder Wickliffe, die Indianer Desperados, iu einem Ge hölz, fünf Meilen von SadinaoS ent fernt, ausgespült worden find. Marshall Darrough sandte sofort Bluthunde auf die Spur und wird am frühen Morgen mit einem großen Auf gebot aufbrechen. Ein Kampf auf Le ben und Tod dürste bevorstehen. Kurzer Prozeß. . Eastman, Ga., 14. Mai. Frau Pope, eine ungefähr sechs Meilen nörd lich von Eastman allein lebende Witt we, wur!e Freitag Nacht von einem Neger mit Namen Will Wommock ver gewaltigt. Das Scheusal drohte der Frau mit dem Tode, wenn sie Etwas von seiner That verlauten ließe, und sagte, er werde am nächsten Abend wie der kommen. Als er Samstag Nacht in der That wieder erschien, eröffnete die beherzte Frau Feuer auf ihn, eine der Kugeln drang dem Neger in den Unterleib. Er schleppte sich Helm und legte, sich zu Bett. Bald darauf erschienen Nachbarn der Frau Pope bei Wommock, holten den erst läugnenden, schließlich jedoch ge ständigen Schwarzen aus dem Bett. knüpften ihn auf und durchlöcherten seinen Körper mit Kugeln.
Mord und Todschlag. Lincoln, Nebr., 14. Mai. Ar-
thur Moose, ein Nacht.Sp?zialpolizist in Crawford. Nebr., wurde letzte Nacht von einem farbigen Soldaten von Fort Robinson ermordet. Jameö Moose, ein Bruder des Getödteten erschlug den Soldaten, und ein Freund des Letzte n griff JameS Moose an und schlug deffen Arm entzwei. Die Behörden haben eine strenge Untersuchung deS Falles eingeleitet, der in einem allgemeinen Aufruhr auszuarten droht. Großfeuer. Racine. WiS., 14. Mai. Die ganze Anlage der HigglnS Spring & Axle Co.", wurde heute Nacht durch Feuer zerstört. Der Schaden betrügt über eine viertel Million Dollars. Schlimmer Unfall. Chicago, 14. Mai. Infolge Berstens eines Kessels, der fünfzig Ton nen geschmolzenen Metalls enthielt, wurden heute in den Anlagen der Jlli nois Stahlwerke in SüdChicago fünfzehn Mann, darunter zwei lebenSge sührlich, verletzt. MißglückteVolkSjustiz. M e m p h i S, Tenn., 14. Mai. Frau Hattie McZntosh, eine weiße Frau, die kürzlich unter dem Verdachte, an der Ermordung ihres Mannes be thelligt gewesen zu sein, verhaftet und unter Bürgschaft auf freiem Fuß be lassen worden war, stattete der Polizei in Okolona den folgenden schrecklichen Bericht ab: Letzte Nacht drang eine Anzahl Män ner in ihr HauS ein, führte sie in'S Freie unter einen Bäum und drohte, sie aufzuhängen, wenn sie nicht ihre angebliche That bekenne. AIS fie dies nicht that, wurde sie an einem Strick in die Höhe gezogen, wo man fie mehrere Sekunden hängen ließ. Wieder zur Erde herabgelassen, betheuerte fie wie der ihre Unschuld, und noch zwei Male wiederholte sich diese schauerliche Proze dur. Das dritte Mal hielt man sic, da fie völlig apathisch geworden, für todt, trug fie in den Wald und ließ sie daliegen. Als fie sich genügend erholt hatte, ging sie sofort hierher, um Anzeige von dem Vorgefallenen zu erstatten. Gedüchtnißfeier für Karl Schurz. N e w B o r k, 14. Mai. Während die Beerdigung der irdischen Hülle Karl Schurz'S privater Natur sein wird. werden heute schon Vorbereitungen ge troffen für eine große, in der Carnegie Halle zu veranstaltende Gedüchtnißfeier. Eduard PretoriuS sagte heute Abend, daß in einer ganzen Anzahl westlicher Städte mit großer deutscher Bevölke rung ähnliche Arrangements getroffen werden. Ein heute Abend aus St. Louis elngetroffeneS Telegramm mel det, oaß dortselbst eine ungeheure Mas senversammlung wird abgehalten wer den. Aehnliche Versammlunaen sollen in Cinclnnati, Cleveland, Milwaukee, Chicago und Detroit geplant sein. . Ganze Familie ermordet. P e n s a c o l a, Fla., 14. Mai. DaS schrecklichste Verbrechen in der Ge schichte deS Staates, vielleicht des gern zen Südens, ist l'.tzte Nacht in Santa Rosa County, zehn Meilen nördlich von Milton, verübt worden: ein Wander Prediger namens Ackermann, seine Frau und sieben Kinder das älteste derselben war 14 Jahre, alt sind er mordet, ihre Leichen in ihrem Hause versteckt und dieses in Brand gesteckt worden. DS Verbrechen wurde heute Morgen von Vorübergehendrn entdeckt; Diese fanden das. HauS in Asche und die neun halbverkohlten Leichen darin. Aerzte ftelltm fest, daß die Schädel sämmtlicher Glieder der Familie mit ftumpsen Instrumenten eingeschlagen waren. Die Bürger Milton'S haben über $1000 als Belohnung für die Ent deckung der Mörder aufgebracht, von denen man soweit keine Spur hat. ES ist nicht bekannt, daß Ackermann, der als äußerst friedlich und ruhig galt. irgendwelche Feinde hatte. CüillSnagriSten. Plymouth: Kronprinz Wilhelm" von New York. New York: .Citta dl Milans" von Neapel: .Ethiopia nach GlaS gow. Glasgow: Caledonia" von New Nork. Gibraltar:' .Hohenzollern" von. New York für Neapel. Southampton: St. Louis von New Vorl. New York: .Blücher" . von Hamburg. Marseilles: .Callia" von New York. London: .TelemachuS" von Tacoma via Vokonama etc.. .1
Ein Unglücklicher. kminnvZMsck CUm. c,,r:a m.
-...v.iimiv Vl'jjt vvu oH"H vvs . cvt .: : ir: je r:: jir:..- ! wu viu ciycmuu (in uugiuuuujct Mensch", sagte mein Freund Ewald oft. aber es alaubte ibm trokdem Niemand. Wie sollte man auch wohl auf den Gedanken kommen, da er immer heiter und stets zu übermüthigen Streichen aufgelegt war; schien er doch für gewöhnlich selbst' nicht recht an sein Unglück zu glauben! Seine Frau lachte ihn aus, wenn er davon sprach, .und wollte er ihr dann' mit ernster Miene auseinandersetzen, wieso und warum er unglücklich sei, so lachte sie erst recht und dann dann lachte er mit. Wer hätte aber auch nicht mitlachen sollen, wenn sie lachte? Jeder Mensch mußte es, und wär' es auch der größte Griesgram gewesen. Aber Griesgrame kamen überhaupt nicht in ihre Nähe. Was sollten die wohl jn einem Hause, wo vom Morgen bis zum Abend gelacht wurde. Dafür verkehrten aute und fröhliche Menschen gren mit dem jungen Paar und ließen sich von Ewald Werden allerlei lustige Geschichten und Schwanke erzählen oder auch wohl Bären aufbinden und von seiner fröhlichen Hausfrau Margarete tüchtig auslachen, wenn es ihnen etwa einfallen sollte, sich über seine lspaße argern zu wollen. Wie nett sie, aber lachen konnte, und wie gut ihr das stand! Man detrachtete li dann mit Vergnügen, obgleich sie eigentlich gar nicht hübsch war. Sie selbst wollte sogar, wie sie sagte, bildhäßlich" sein. In der That, wer die sommersprüßige Blondine mit den breiten Backenknochen, dem großen Munde und dem winzigen Naschen erblickte, ohne sie sprechen und lachen zu hören. mochte sie wohl für häßlich halten. Als Ewald sie das erstemal sah, war er nicht allzu entzückt von lhr; als aber dies kecke Näschen anfing, so lusiig auf und ab zu tanzen, und das muntere und herzliche Lachen ertönte, fand er, daß sie das netteste und her.lichste Mädchen von der Welt sei, reizcnd lachen könne und dabei wirklich allerliebst aussähe. Er legte sich die Frage vor, ob ein Humorist und Satiriker, den die Schlechtigkeit und Thorheüen dieser Welt nur zu lächerlichen Vergleichen und Bemerkungen veranlassen könnten, nicht am besten thue, sich eine Frau zu nehmen, die diese Vergleiche und Bemerkungen komisch fände und darüber lache. Er bejahte diese Frage, stellte seine Ideale in die Ecke und heirathete sie. t Damals gehörte er nämlich zu den wenigen Leuten unserer Zeit, die nvch Ideale haben. Er hatte drei Ideale. Das erste war ein märchenhaft schönes, wunderbares Weib, welches er mit aller Kraft und Innigkeit lieben wollte. Das zweite ein wirkliches, wahrHaftes Kunstwerk, das er als Maler aus Liebe zu. jenem Weibe herstellen wollte. Und das dritte war ein großes, poetisches Werk, das er seinem Ideale zum Ruhme schaffen wollte. Ewald hatte von der Natur eine ungewöhnliche künstlerische und Poetische Begabung erhalten; daneben aber besaß er auch das Talent zum Müßiggang in noch bedeutenderem Maße. Schon auf der Schule war das zutage getreten, und nur in zwel Lehrgegenständen schien er seine Pflicht zu erfüllen. Er zeichnete nämlich in der Deut schen Stunde und dichtete in der Zei. chenstunde. Nach beendigter Schulzeit ließ er sich auf der Universität immatrikuliren, malte und zeichnet: aber bei einem Kunstakademie -Pro-sessor, und als er einsah, daß dies für die Dauer nicht gehen würde, bewirkte er seine Einschreibung bei Uz Kunstakademie, horte aver nun bei den Universitäts -Professoren Kollegien. Aus diesem unstäten Lebenswandel resultirte sein Müßiggang. Er behauptete freilich, seinenZweck. Studien zu machen, dabei nie aus den Augen zu verlieren, aber th war von dem Erfolg dieser Studien niemals etwas zu sehen, eö sei denn, ba5 er gelegentlich seinen Freunden von dem großen Romane, den er unter der Kder habe, erzählte. Diese Konfidenzen machte er jedoch nur seinen intimen Freunden, dagegen bekamen auch andere Leute hin und wieder etwas von seinen Studien zu emem bumoristischen Album zu se hen, an dem er ebenfalls zu arbeiten vorgab. Traf er irgendwo auf ein interessantes Gesicht, so zeichnete er es mit großer Geschwindigkeit und einer gewissen gewandten Keckheit; von diesen Skizzen aber brachte. nie etwas naK Hause, denn die Bildchen fanden bei den Friunden im Caf6 oder beim Biere schnelles Unterkommen. Der Major Ewald oder der' '.Herr Doktor", wie er überall genannt wurde, war - in den verschiedensten Lokalen infolge' seiner persönlichen Beliebtheit und seiner gesellschaftli chen Talente ein gern gesehener Gast, bis er sich plötzlich, ohne daß jemand eine Veranlassung dazu gekannt hätte. aus diesen Kreisen zurückzog. . Da tauchte er eines -Tages mit Frack und weißer' Kravatte in den
Salons und auf den Ballen wiedei auf und erklärte seinen alten Freun den lachend, daß er jetzt seine Stu dien für ziemlich abgeschlossen halte und nur noch die Objekte der guten Gesellschaft ftudiren wollte, um dann
einen Roman oder sein Älbum her auszugeben. Plötzlich überraschte tt die Welt durch die Nachricht von seiner Verlobung, der auch seine baldige Verheirathung folgte. Seine Freunde schüttelten böcbst erstaunt die Köpfe, wovon wollte er Nlit seiner Frau leben? Ich erlaubte mir ihm über unsere Bedenken Vorstellungen zu machen. .Lieber Freund," sagte er seh? ernst, du weißt, daß es mir mit meinen Reden von dem .Schaffen eines Kunstwerkes doch stets insofern ernst gewesen ist, als ich die Sehnsucht danach immer im Herzen trug. Ich ha be leider meine schönste Zeit und Schaffenskraft vertrödelt, sie ist unwiederbringlich verloren. Soll ich aber nun, weil ich das Glück, mein Ideal verwirklicht zu sehen, verscherzt habe, auch aus zedes andere Glück verzichten? Verzichten auf das Glück, an der Seite eines liebenswürdigen, mich liebenden Wesens zu leben, zu leben wie tausend andere obne Ideale? Vorläufig benutze ich meine Studien freilich m anderer Weise, als ich ursprünglich dachte, ich schlachte sie aus zu Erzählungen; meine Arbeiten fangen bereits an, beachtet zu werden. Davon kann ich noch lange Zeit leben." Dabei zeigte er mir eine ganze Reihe von kleineren Artikeln, Erzählungen und Novellen, die er für die Zeitungen geliefert. Meine Malerei," fuhr er fort, habe ich an den Nagel hängt, da die Nachfrage nach schlechten Schriftstellern immer noch bedeutender ist als nach schlechten Malern, fcnd dann sind ja auch die Auslagen beim Schreiben geringer. Eine ffeder und ein Blatt Papier!" Dieser Tage wollte ich ihn besu chen, traf ihn aber nicht zu Hause. Ich erkundigte mich scherzend, wo denn der Bummler stecke? Sie nennen ihn noch Bummler, nx r -if. n ,;,.., , c . V wie er liiuiiil, uno wie i ihn auch wohl neckend rufe," sagte seine Frau fröhlich; aber sehen Sie hier, eigentlich ist er doch kein Vummler mehr", und sie zeigte mir die Ardenen des letzten Jahres. Ich war erstaunt über die Fülle des von ihm Geschriebenen. Sie sind erne Zauberin," sagte ich; denn nur einer solchen konnte es gelingen, ihn an diesen Arbeiten festzuhalten. Ach, es ist nicht so schlimm," wehrte sie fröhlich lachend ab; aber er liebt mich und macht mir gern eine Freude. Sein schönstes Vergnügen ist, für ferne Ueberschusse Mir einen Wunsch zu erfüllen. Er legt übrigens auf feine Schreibereien so wenig Werth, daß er selbst immer noch glaubt, er bummele, wenn e? täglich mehrere Stunden am Schreibtisch bei seinen Arbeiten sitzt. Ich lasse ihn auch dabei und necke ihn damit. Aber ich denke, da er sich, so an die Arbeit gewöhnt und diese ihm Freude macht, auch alle von seiner Begabung überzeugt sind, so wird es ihm auch einst gelingen, etwas von ' bleibendem Werthe zu schaffen.- - Ich küßte der kleinen Frau die Hand und sagte ihr ein Wort der Bewunderung, wie es mir just von Herzen kam. Sie aber ließ ihr bezauberndes Lachen ertönen, und mir war es nun nicht, mehr zweifelhaft, daß unser Unglücklicher" doch unsagbar glücklich ist. Der gewissenhafte Stadtdiener. n einem Städtchen unweit der lieblichen Mosel konnte man den Gang der Uhren am Ktrchtyurm und am Rathhause nicht in Uebereinstimmung bringen, wie das erforderlich ist, wenn die Einwohner genau wissen sollen, was die Glocke geschlagen hat. Mit dem Aufziehen und Richtigstellen der Zeitmesser war der im Dienste ergraute Stadtdiener betraut, der aber leider an einem Gehörfehler litt, was ihm die erwünschte peinliche Regelung der Uhren ungemcin erschwerte. Das Stadtoberhaupt, das Muster eines gewissenhasten und in Sachen der Pünktlichkeit besonders strengen Vorgesetzten, machte ihm wegen dieser Unzuverlässigkeit. des öfter in energischer Weise Vorhaltungen, so daß der gute Mann nicht aus' noch ein wußte. Als nun beim Abendschopv.en auch noch festgestellt wurde, daß die Stadtuhr bereits eine volle Viertelstunde der Kirchenuhr vorgehe, war das dem Gestrengen denn doch zu viel. Scho'l längst war es bei ihm Brauch geworden, .um wegen der Schwerhö rigkeit möglichen Mißverständnissen vorzubeugen, alle Anordnungen dem Untergebenen auf kleinen Zetteln zu übermitteln. So fand denn am andn'Moraen der Siöwerboriae auf seinem Schreib- und Arbeitsbrett einen größeren. Zettel mit der Lavi darschrift: Die - Stadtuhr soll eme viertel Stunde vorgehen." Sofort machte sich der gzite Diener voll Eifer auf, um fernes Amtes zu walten, und scbon Mittaas konnte man sich über zeugen, daß die Stadtuhr nunmehr eine halbe Stunde vorging.
Europäische Nachrichten.
Frovinz Weltfaren. Münster. Verliehen wurde den Metteuren Bernhard Götze und Friedrich Göcke, beide hier, dem Tischlermeisier Joseph Schünemann und dem Klempnermeister Franz Friedrich Tensi zu Brakel, den Faktoren Ferdinand Knüpp und Gustav Stodt, dem Glasstrecer Wilhelm Schürmann, sämmtlich zu Langendreer, und dem Materialienverwalter Wilhelm Pohlmann zu Heven das Allgemeine Ehrenzeichen. Bochum. Der Bergmann Fritz Litmann gerieth vor einiger Zeit mit einem Arbeitskameraden in einen Wortwechsel. Es kam zu THAlichkeiten, in deren Verlauf Litmann einen Messerstich in den Rücken erhielt. Er schenkte der Wunde keine besondere Beachtung, verfuhr auch in gewohnter Weife feine Schicht, mußte sich aber bald darauf zu Bett legen und starb binnen kurzer Zeit an Blutvergiftung. Litmann hinterläßt eine Wittwe mit sieben unversorgten Kindern. Dortmund. Zur Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares stiftete der hiesige Landskreis 10.000 Mark zur Unterstützung von Kriegsveteranen. F ü r st e n b e r g. Letztens ertönte in unserem Orte die Feuerglocke, aus dem Hause des Ackerwirths I. Röllcken schlugen die hellen Flammen, die an den Futtervorräthen reichlich Nahrung fanden und das Haus, in Asche legten. Vieh und etwas Korn und Möbel wurden gerettet. Das Inventar war nicht versichert. H a m m. Ein gräßliches Unglück ereignete sich an der Münsterstraße. Der Güterzug ab Bielefeld war eben vom Bahnwärter vorbeigelassen wor den, und der Bahnwärter hatte die Schranke wieder geöffnet, um die Menschenmenge durchzulassen. In demselben Augenblicke brauste ein Schnellzug heran und fuhr in die Menschenmenge hinein. Die Frau des Arbeiters Wiegmann nebst ihren bei den sieben- und achtjährigen Kindern wurden von dem Zuge erfaßt und zermalmt. Die Schuld . trifst den Bahnwärter. Jltzeinprovinz. Köln. Ueber den Mörder Jttenbach, der im Juli v. I. vom hiesigen Schwurgericht zum Toder verurtheilt worden war, wurde vom Reichsgericht wegen Beschränkung der Vertheidigung nochmals die Verhandlung vor dem hiesigen Schwurgericht angeordnet. Nach längerer Verhandlung wurde wiederum das Todesurtheil ausgesprochen. Jttenbach hatte in der Nähe von Venlo eine Ehefrau aus Viersen, mit der er ein unerlaubtes Verhältniß unterhielt, auf offener Landstraße ermordet. Die von der Vertheidigung, vorgeladenen Zeugen wußten nichts Entlastendes auszusagen. Barmen. Vor kurzem stürzte' die 57 Jahre alte Ehefrau Bandwir ker Friedrich Krefting beim Fensterputzen im Hause Tütersburgstraße 25 aus der 1. Etage. Die Unglückliche erlitt außer Arm- und Beinbrüchen noch einen Schädelbruch und ist infolge dieser Verletzung bald darauf gestorben. B r u h l. Em schwerer Unglücksfall trug sich auf der Gewerkschaft Roddergrube zu. Drei Strecken-Ar-beiter, die auf der Strecke beschäftigt waren, wurden verschüttet. Der Streckenhauer Vöhmer ist todt, er hinterläßt seine Frau und sünf Kinder, von den beiden anderen wurde der eine? schwer verletzt. Düsseldorf. Der .bei dem Gerüsteinsturze am Mllhlenneubau im städtischen Hafen schwer verletzte Polier Zimmermann ist an den Folgen der Verletzungen gestorben. Im hohen Alter ist hier die Wittwe des früheren Ministerresidenten Dr. Heckscher gestorben. Op laden. Ein bed'auerlichee Unfall ereignete' sich am hiesige Bahnhofe. Der Heizer 1. Klasse. Kirchner, wurde beim Ueberschreite der Geleise von einem abgestoßenen Güterwagen ersaßt und gegen einen dicht am Bahnkörper siehenden Neubau geschleudert, wobei er eine Quetschung des rechten Armes und Verleuna am Kopfe erlitt. Ermahnung. Vagabund (zu seinem Sohn): Wenn Du beim Vetteln so faul bleibst, Sepperl, wirst später amal . noch arbeiten müssen, damit Du leben kannst!" , Klatschbasen. Haben Sie schon das Neueste über die Räthin Müller gehört?" Nein, aber da sieht man wieder, was die für ein schlechtes Frauenzimmer ist!" In Indien giebt es beinahe 20,000,000 Hindu - Wittwen. v?n denen etwa 400.000 nicht einmal 13 Jahre alt sind. Bei Farbigen sind Ober- und Unterarm, gleich lang, bei Weißen ist der Oberarr. Centimeter lan ger als Lnierar'? v D i e (5 trtf u h V... C an a da'S wies letztes Jahr eine: Zunahme von 57,600.000 auf, doch nahm die Aus. fuhr um 1000,000 ab. .Frankreich importirte letztes Jahr für 24.496241 Kohlen, wovon die Hälfte 'aus England und ein Drittel auS Belgien' kam.
