Indiana Tribüne, Volume 29, Number 223, Indianapolis, Marion County, 14 May 1906 — Page 5

Jndkana Tribüne, 1. Mai 1906

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Jas höchste Gesetz. Novellette von C. Gerhard. Hell erleuchtet ist' der Saal der Ressource in der schlesischn Bergstadt; die Geigen jauchzen, und zu ihren feurigen Rhythmen fliegen die Paare dahin im Tanz. Die Augen leuchten, die Lippen lächeln, die Blurnen duften im Haar und an der Brusi der anmuthigen, elegant gekleidesen jungen Damen. Den Herren hat der kleine Ort. über den wenige hinausgekommen, sein Gepräge ausgedrückt. Nur einer zeichnet sich vor ihnen aus. Wie stattlich und gefchmeidiz ist seine schlanke Gestalt, 'wie hoch trägt er den Kopf mit dem kühn geschnittenen Gesicht, wie froh blitzten seine Augen, wie hell klingt sein Lachen, das Lachen des Siegers! Die Schönste im ganzen Saal holt er immer wieder und wieder zum Tanz. Hertha Dewitz, des BürgerMeisters Töchterlein. Entzückt ruht sein Auge auf ihrer graziösen Gestatt; interessirt lauscht er ihren AntWorten. Sie ist ja die Einzige hier, die .ihn versteht, sein unermüdetes Streben, seine hohen Ziele, die Einzlge, die, reich an Kenntnissen und feinem Verständniß, seine Vewundetimg für alles Schöne und Erhabene in Natur und Kunst theilt, die ihn unwiderstehlich in ihren Bann gezogen, bezaubrt hat, die er liebt, die sein werden muß! Er führt sie zu Tisch; er stehi nicht das hochmüthige Lächeln, mit dem sie den ehrerbietigen Gruß 'des zu ihrer Rechten sitzenden Klavierlehrers beantwortet; er sieht nicht den gelangweilten Zug um ihren Äund, als er auf ihres Vaters Frage begeistert von dem bald beendeten Grubenbau, den er mit allen Mitteln der modernen Technik ausführt, erzählt. Doch als er sich ihr wieder zuwendet, auf ihr Wohl sein Glas leertda wird der Ausdruck ihres Gesichtes der weiche, echt weibliche, den er so liebt; da tauchen ihre Wangen in lichies Roth, da glänzt in ihren Augen eine süße Verheißung. Die Verlobung wird in den nachsien Tagen veröffentlicht. Die jungen Mädchen beneiden Hertha; die Herren gönnen sie dem Fremden nicht. Er ist anziehend, vermögend, in guter Stellung, nun nimmt er ihnen noch die beste Partie in der Stadt!Ahnungslos über diese Stimmungen genießt Herbert seine junge Seligkeit. Nur betrübt es ihn, daß die beiden Frauen, die ihm so theuer sind, in kein inniges Verhältniß kommen. Doch lächelnd erklärt er sich's: Die Mutter ist eifersüchtig auf sein bloniesLieb, und auch dieses mag nicht theilen. Ueber alles die Pflicht! sagt er ihr eines Tages. Sie thut dir sei ncn Abbruch, Herzlieb, denn stets dentt ich dein. Und du sollst auch Grund haben, stolz, zu sein auf deinen zukünftigen Gatten." Du hast recht", erwiderte sie strahlend, du mußt Karriere machen, eine hohe Stellung gewinnen." Ein Schatten überfliegt sein Gesicht. So meinte ich es freilich nicht.

Das Bewußtsein, eine gelungene Arbeit nach 'besten Kräften geleistet zu haben, genügt mir. Ehren wurden mich um deinetwillen nur erfreuen, du meine holdselige Herrin! Da lächelte sie befriedigt. , Bald hat sie Gelegenheit stolz auf ihn zu sein. ' Der Bau der Grube ist beendet, wird von ihren Besitzern als Meisterwerk gepriesen; sie verpflichtn Dr. Römer zu weiterer Thätigkeit. Abends geben sie ihm, 'den anderen Leamten und den Arbeitern ein Fest. In gewandten und in schlichten Reden wird der von allen geliebten Oberingenieur gefeiert. Die Stim münz steigert sich zum Jubel, als ine Equipage Frau Römer, den Bürgermeister und seine Tochter herausbringt. Hertha sieht berückend aus, und im schnellen Impulse ruft einer der Besitzer: Wir wollen das neue Werk Grube Hertha nennen. Stoßt an, ihr Leute, auf das Wohl der Dame, die ihr den Namen gibt! An ihres Verlobten Arm geht daS schöne Mädchen um die Tafel herum nnt ihrem Glase, und dre Hochrufe wollen kein Ende nehmen. Nach diesem Feiertage sieht Herbert seine Braut seltener. Eine zweite, entfernter liegende Grube wird gebaut und nimmt ihn stark in Anspruch Kommt er aber zu Hertha, so findet er sie aanz erfüllt vom Gedanken an ihre Aussteuer. Sie haben eine hübsche Villa vor der Stadt gemiethet; sobald sie renovirt ist, soll die Hochzeit stattfinden.. Im März fährt Hertha zum Kauf der Möbel mit ihrem Vater nach Berlin. Die wenigen Tage vergehen Römer schneckengleich; denn auch seine Mutter rst verreist zu ihrer verheiratheten Tochter, die erkrankt ist. Müde kommt er eines Tages nach Hause; beim schwindenden Tageslicht liest er am Fenster eine Karte seiner Braut.' Da sallt ihm ein unruhiges Treiben auf der sonst stillen Straße auf. Zugleich erschallt die elektrische Glocke an seiner Thur: em Bote meldet ihm, daß sich in der Grube Heriha ein großes Unglück ereignet habe. c . jca r.: : nr. i ..it.

UH eine Menge von Begleuien . ver-

schüttet. Ihm steht das Herz still vor Schreck. Doch er schüttelt den lähmenden Bann ab, schwingt sich aufs Rad, und hinaus geht's in Windes eile zur Unglücksstätte. Eine unbesckreiblickie Aufreauna trifft er bier: überall verstörte Gesichter, weinende Frauen, schreiende Kinder. Mit ei nem Stäbe bewährter Arbeiter fährt er selbst in die Tiefe. Eine mit Miasmen erfüllte Stickluft dringt ihnen entgegen; ein grausames Bild der Zerstörung schauen sie. Durch Ezplosionen sind Schächte eingerissen, zahlreiche Menschen vom Gestein erschlagen oder dem Feuer zum Opser gefallen. Nun beginnt eine furchtbare Arbeit. Immer von neuem holen die Wackeren mit . eigener Lebensgefahr Gesunde, Verwundete, Todte heraus. Allen voran Herbert Römer.' Mit einem wie aus Erz gegossenen Gesicht gibt er seine Befehle, läßt Wände errichten, um das Feuer einzudämmen. Wasser herunterleiten, legt selbst Hand an zur Rettung der noch Leienden. Als Herbert Römer nach zehnstünbiger, unermüdlicher Arbeit in der vergifteten Atmosphäre herauffährt, begegnen ihm grollende Blicke, hört er harte Anklagen. Die Grube wäre mangelhaft gebaut, er trüge Schuld an dem unermeßlichen Unheil. Wie ein Blitz durchzuckt es ihn. Bei Gott, Ihr irrt! Vermuthlich haben sich Theile der Kohlenflöze selbst entzündet. Nicht mein ist die Schuld!" Aber die Menge läßt sich nicht be. schwichiigen; die ihn vor kurzem gefeiert, verdammen ihn nun. Die Erfahrung thut ihm sehr weh; doch er sagt sich, daß das Unglück die Gemüther der Betroffenen erhitzt, ihr Urtheil getrübt.' Besonnene Männer werden anders denken. Aber auch die Besitzer des Bergwerkes behandeln ihn kühl, und als er nach Tagen zum ersten Male sein Heim aufsucht, wenden sich Bekannte, die ihm begegnen, ab oder weichen ihm aus. Auch sie halten ihn für schuldigt Eine Sehnsucht ergreift ihn. die Geliebte zu sehen, aus ihren Augen, ihrem Lächeln Trost zu schöpfen, und trotz seiner Müdigkeit eilt er zum Hause des Bürgermeisters. Das gnädige Fräulein sei ausgegangen, wird ihm nach langem Warten gesagt, und doch glaubt er, ihre helle Stimme' gehört zu haben. Aber er ist zu erschöpft, um über dieses Räthsel nachzudenken. Heimgekehrt, fällt er in 'bleiernen Schlaf. Als er erwacht, empfängt er einen Brief Herthas. Erfreut öffnet er ihn. Klirrend fällt ein goldener Reif zu Boden. Nach dem Vorgefallenen kann ' ich nicht mehr Dein sein. ' Leb' wohl! Hertha." Ein Stöhnen bricht o.us seinem Munde; seine bebenden Hände zerknittern das Blatt mit den herzlosen Worten. Der große Schmerz macht ihn unempfindlich gegen den von seinem Neidern geschürten Groll der Leute, den Undank der Wittwen, denen er einen beträchtlichen Theil seines Ver mögens hingibt, das beleidigende Mißtrauen der Bergwerksbesitzer. Freiwillig legt er um Amt nieder. Auch dieses wird zu seinen Ungunsten gedeutet. Um das Maß voll zu machen, wird er -der Fahrlässigkeit angellagt, wenn ' auch in Freiheit belassen. Herbert Römer athmet auf. Gottlob. die gerichtliche Untersuchung muß Klarheit schaffen, daß er gerechtfertigt dastehen kann vor aller Welt. Wohl zieht er sich in die Einsamkeit zurück; aber er trägt den Kopf hoch im Bewußtsein seiner Unschuld. Nur die Wunde brennt, die Hertha seinem Herzen geschlagen. Die Vorverhandlungen an Ort und Stelle sind .beendet; der Tag der öffentlichen Gerichtssitzung ist da. Ruhig rüstet er sich dazu. Da kommt seine Mutter an. Wie sie ihn erblickt mit weißen Fäden im dunkeln Haar, mit farblosem Antlitz, rinnen ihre Thränen. Sie breitet d Arme aus. Herbert, mein Sohn!" Nühre mich nicht an. Mutter! Ich bin angeklagt, den Tod von 350 Menschen verschuldet zu haben! ant wortet er in erschütterndem Ton. Alles weiß ich, leider erst seit ge siern. Sonst wäre ich längst bei dir. Mein Herbert, mögen dich alle ttrdämmen, mögen sie dich heute verurtheilen, ins. Gefängniß bringen ich will stolz mich rühmen, die Mut ter dessen zu sein, der unschuldig lei det!" Mutter, du eine, einzige, die an mich glaubt!" Er stürzt zu ihren Füßen nieder, und alles zurllckgedrängte Weh bricht sich in Schluchzen Bahn. Mit bebenden, Händen liebkost sie ihn. Die Verhandlungen vor einem ro ßen Publikum cndiaen mit einer glänzenden Freisprechung Römers. Sein eigenes Urtheil ist von einer Sachverständigen - Kommission be statigt worden, kein Schatten ruht aus lym. Da strecken sich ihm Hände zur Gratulation entgegen jene,, die sich vor kurzem ' drohend gegen ihn erhoden, oa ertönen lobpreisendem Strm

men jene, die ihn verdammt, :ba

bieten ihm die Chefs ein hohes (3t

halt, wenn er nur bliebe. Er schuttelt den Kopf hier hält ihn nichts mehr. Und da tritt ihm eine versuyrerische Mädchenaestalt in den Weg; ein wunderschönes Gesicht neigt sich ihm zu, eine klare Stimme bittet: Verzeih mx, Herbert, meinen Irrthum und laß mich wieder die Deine sein!" Er sieht sie an, die er so heiß ge liebt, und deren Unwerth er erkannt. Ein tönend Erz, eine klingende Schelle! Schwer liegt ihm das Herz in der Brust. , Wir haben nichts mehr miteinander zu schaffen", sagt er kalt und geht an ihr vorüber. Heim zu jener, deren Treue ohne Wanken, die stets in ihrem Leben bewiesen, daß die Liebe das höchste Gesetz ist. Aus den grauen Mauern schreite; er hinein in den Frühlingsglanz. Da fallt von ihm ab, was ihn gequält, er weiß, auch, in ihm wird neues Glück erblühen. Froh schaut er der Sonne ins leuchtende Antlitz und grÄßt sie als Sinnbild seiner Zukunft. Der Zeitungskrieg. Humoreske von Rudolf Hirschberg-Jura. Jimmy Smart war schon der vierte o'der fünfte muthige Mann, der das Wagniß unternahm, die Bürger von Neverytown mit dem Segen eines Lokalblattes zu beglücken, und wie so mancher Segenbringer ward er um seines Mutheh willen verspottet. Denn bisher war jeder Zeitunassegen, der die dicken Hinterwäldlersadel von Ne verytown zu erhellen versucht hatte, machtlos am Hirnkasten der Bürger abgeglitten und ihnen den Buckel hinunter gerutscht. Jimmy Smart hatte dennoch den Muth. Er war ein Gesalzener". Bei all' seinen Geschäften hatte ihn der Ehrgeiz beseelt, gerade da eine dreifache Ernte zu schneiden, wo Andere nicht einmal mehr zu säen wagten, und kaltblütig begab er sich zum Druckereibesitze? Samuel Blackwhite. Der ernährte und tränkte sich gewöhnlich idurch den Druck von Rechnungsformularen, Liebesbriefstellern, Stnierzetieln, Verlobungsanzeigen und ähnlichen melancholischen Sachen, war jedoch durch die verunglückten Vorgänger Jimmy Smarts auch auf Zeitungen eingerichtet. Außerdem war er ein grundehrlicher Kerl, der Niemandes Schaden wollte, auch seinen eigenen nicht. Deshalb erzählte er ihm, daß der letzte Herausgeber einer Zeitung unter Hinterlassung vieler unbezahlter Schulden und eines einzigen ungewascheuen. HemdeS heimlich aus dem Weichbilde der Stadt geflohen sei. und begehrte Vorausbezahlung aller Druckkosten für ein volles halbes Jahr. Denn er war der Meinung, daß sich Jimmy Smart spätestens nach einem Monat bereits einer Luftveränderung unterzigen haben . würde. ,Als ihm aber Jimmy die Kosten für die ersten vierzehn Tage erlegte, hieß er mit heiterer Miene seine Gesellen den Druck beginnen. Die erste Nummer der neuen Times" wurde unentgeltlich in alle Häuser vertheilt uird in allen Wirthschaften ausgelegt. Sie enthielt viel Lobenöwerthes über die Stadt selbst und viel Schmeichelhastes für die hervorragendsten Bürger der Stadt, deren allerdings keiner mit Namen genannt war. Es waren nur so im Allgemeinen die Wackersten und Besten gepriesen. Jeder einzelne las das Blatt mit Schmunzeln und -urtheilte für sich wohlwollend: Der Kerl scheint ein tüchtiger, kluger Kopf zu sein.. Aber das hab' ich schon längst gewußt, daß ich das hervorragendste Mitglied der ganzen Bürgerschaft bin. Es braucht kein Zeitungsschreiber zu kommen, um das zu sagen. Zum Abonnement fängt er mich damit nicht." So waren die Times" schon dreimal,, am Montag. Mittwoch und Freitag, erschienen, ohne daß sich ein einziger Aöonneni dafür gesunden hätte. Da geschah am Sonnabend etwas Unerwartetes. Es erschien nämlich noch ein zweites Lokalblatt, der Herald", der als Leitartikel folgende Erklärung seines HercmsgeberS brachte: Ich werde, um der schamlosen Speichelleckerei der Times" einen lauieren Wettbewerb zu bieten, dieses mein Blatt im Dienste der Aufklärung und Wahrheit dreimal wöchentlich, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend erscheinen lassen, an welchen Tagen die Druckerei nicht von den erbärmlichen Sudeleien meines nichtswürdigen Kollegen, in Anspruch genommen ist. Um den verächtlichen Lügen dieses tramigen Burschen entgegen zu treten, beHaupte ich zunächst, daß gerade diejenigen hiesigen Bürger, die die Times" in elender Liebedienerei als solch' wackere Mustermenschen hinstellen, die armseligsten Tröpfe und widerwärtigsten Schufte sind, die jemals an diesem ebenso langweiligen wie lasterhaften Neste auf den Beginn ihrer ewigen Verdammung gewartet haben. Das Nähere bitte ich die inielligenten und mit Recht wißbegierigen Leser au $ den einzelne Artikeln des Herald" zu ersehen, nachdem sie entweder den Won nementöbtirag oder den PrnS für bi eiru5llu Vklmmer in unserer OMun

UV Herrn Druckereibesitzer Samuel

Wlactwhlte erlegt haben. Mit großer Ächtung vor den zahlenden Lesern T. Rains, Herausgeber des Herald". Diese Stelle des Herald" war blau angestrichen, und das ganze Blatt hing derartig zusammengebrochen in einem Fenster der Druckerei zur Ansicht aus, daß nichts weiter von seinem Inhalt zu lesen war, als eben der viel versprechende kleine Leitartikel. Nachdem sich über einige Neugierige das Blatt gekauft hatten, wurde es offenbar, daß darin sämmtliche Skandalgeschichten der Stadt in behaglicher und anschaulicher Weise erzählt waren, und zwar nicht nur die wirklich geschehenen, son dern auch die an den Bars und in den Thcegesellschaften der Sonntagsschullehrerinnen besprochenen. Kurz, es enthielt alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Schandthaten der Bürgerschaft von Neverytown in schöner Vollzähligkeit und Ausführlichkeit. Ein Sturm der Entrüstung erhob sich, und binnen zwei Stunden war-die erste Nummer des verruchten Herald" ausverkauft. Am Montag brachten die Times" eine Widerlegung der niederträchtigen Behauptungen des Herald" und fertigten den elenden Sudelschreiber in so kraftvoller Weise ab, daß jetzt auch davon eine hübsche Anzahl Exemplare verkauft wurde. Als aber die Dienstazsnummer des ..Herald" jetzt ihren ganzen Zorn und ihre ganze Kunst gegen Jimmy Smart kehrte, ihn einen Schafskopf und ungebildeten Lümmel nannte und behauptete, daß er wegen Bigamie, Straßenraubs und Möisektion bereits im Zuchthause gesessen habe, da war die Bürgerschaft auch nach dem Herald" wieder von eitel Wißbegier und Kauflust erfüllt. In dem wilden Kriege, der sich nun zwischen beiden Zeitungen entspann, standen auf Jimmys Seite die Gutgesinnten der Bürgerschaft, während die Freisinnigen und Mißvergnügten die Partei des Herald" bildeten. Gelesen aber, und zwar sehr eifrig, wurden beide Zeitungen von beiden Parteien, und es herrschte immer großer Jubel, besonders "unter den Philologen der Stadt, wenn sich mit jeder neuen Numwer die amerikanisch: Literatur um ein paar- ungeahnte Schimpfwörter bereichert hatte. Niemals verklagten sich übrigens die beiden Zeitungsschreiber wegen ihrer gegenseitigen Beleidigungen. Nach etwa einem halben Jahre erschien es dem wackeren Jimmy eines Tages doch zu bunt zu werden. Mit den Gebärden der Wuth kam er in die Offizin Samuel Blackwhite's und fragte nach der Wohnung seines Gegners. : Die kenne ich nicht," sagte Samuel. Ich kenne überhaupt Herrn T. Rams nicht persönlich. Wir verhandeln nur schriftlich mit einander, und sein Nigger - Boy bringt die Manuskripte und holt die Bürstenabzüge." Ich ertrage eine solche Gegnerschaft nicht mehr. Wollen Sie mir meine Times" abkaufen?" Mr. Blackwhite fchlug mit Freuden ein und erwarb das jetzt gut eingeführte Blatt sür 1200 Dollars, um es schön mit der laufenden Nummer zu übernehmen, imd rechnete auch sogleich mit Jintmy Smart ab. In der Nummer desselbigen Tages aber las er in seinem eigenen, neu gekauften Blatte die Anzeige: Ich übergebe hiermit die Times" dem ehrenwerthen Herrn Samuel Blackwhite und schenke ihm zugleich den von mir unter meinem umgekehrten Namen herausgegebenen Herald" Mit Vergnügen Smart." Sofort nahm Blackwhite Boxerstellung ein und lief in dieser Stellung dahin, wo Jimmy Smart gewöhnlich zu treffen gewesen war. Er war jedoch zufällig soeben abgereist, und Samuel konnte seinen Gefühlen keinen Ausdruck geben. Allen schien Jimmy Smart unersetzlich und um sein Andenken zu ehren, bestellten sämmtliche Leser beider Zeitungen an einem und demselben Tage ihre Abonnements sür ewige Zeiten ab. Eine traurige olle. Das Interesse für den Automobilspart nimmt immer mehr zu. Selbst die Kinder auf der Straße spielen jetzt Automobil". ' Ein Herr, dem das Spielen 'der Kinder nicht ganz verständlich war, wandte sich an einen der betheiligten Knaben mit der Bitte um Aufklärung. Sehen Sie, mein Herr, ich bin der Chauffeur," informirte ihn der kleine Bursche. Jawohl, und die Anderen?" fragte der Herr. - Der hier ist daS Horn, diese beiden sind Passagiere, das ist der Motorkasten." Und er beschrieb die mechanischen Funktionen, die die einzelnen Knaben auszuführen hatten. Lächelnd ging der Herr weiter, als er ungefähr zehn Schritte entfernt auf einen kleinen Jungen stieß, der trübselig am Straßenrande saß. Nun, kleiner Mann," fragte ihn der Herr' mitleidig, warum spielst Dü'denn nicht mit den andern?" Oh, ich spiele ja mit.- gab der Kleine zur Antwort. .Du spielst mit? -Waö stellst Du denn vor?" bin nur der schlechte 8uaV

Zweiter oeutscher Nöntgenkong'reß. Berlin, -2.' April. Im Hörsaale, des Langenbeckhauses in der Ziegelstraße trat heute früh die im vorigen Jahre anläßlich der großen Rötgenausstellung gegründete deutsche Nöntgcngesellschaft zu ihrer ersten Hauptversammlung zusammen. In der der Tagung vorausgeschickten Geschäftssttzung berichtete der Vorsitzende Professor Dr. Eherlein-Verlin über die Entwickelung der Gesellschaft im ersten Jahre ihres Bestehens. Zu Ehrenmitgliedern hat die Gesellschaft ernannt Geheimrath Professor Exzellenz fr Bergmann-Berlin und Geheimrath Professor Dr. Roentgen - München. Beide Gelehrte haben die Ehrenmitgliedschaft angenommen. Beschlossen wurde die Bildung von Kommissionen einmal zur Festsetzung vonNormen für die Messung von Nötgenstrahlen und zweitens zur Untersuchung der sozialen Verhältnisse in der Röntgenologie. Die Vortragsreihe eröffnete Dr. Walter-Hamburg mit einer Vetrachtung über die Vorgänge in der Nöntgenröhre. Der Vortragende weist nach, daß die Phosphoreszierung der Röntgenröhre nicht von den Röntgenstrahlen, sondern von sekundären Kathodenstrahlen verursacht werde. Das ergebe sich daraus, daß in der Röntgenröhre elektrisch geladene und magnetisch ablenkbare Strahlen vorHanden sind, während dieRöntgenstrahlen diese Eigenschaften nicht besitzen. Ebenso wie diePhosphoresziriLng führt der Vortragende auch die Erwärmung der Röntgenröhre auf sekundäre Kathoden?shlen zurück I der D'slus sion wurde dem Vortragenden nur bezüglich der Erwärmung vollkommen zugestimmt,- während bezüglich der Phosphoreszirung eingewendet wurde, daß die Rötgenstrahlen nicht ernheitlicher Natur seien, sondern daß die RöntgenröhreRöntgensirahlen' verschiedener Spannungen entbalte. Es spra-

chen dann Dr. Levy-Dorn-Berlin über die Dosirung der Röntgenstrahlen in der Praxis und D?; Jirotka-Berlin über die Dosirung von Röntgenstrahlen für therapeutische und röntgenographische Zwccke.-fowie im Anschluß daran Dr. Cowl-Berlin über die JntensitätsMessung. In längerer Besprechung wurde erörtert, in welchem Umfange die Röntgenstrahlen beim Patienten anzuwenden seien. Gegen die Förderung einheitlicher Jntensitätsnormen wurde u. a. auf die 'verschiedenartige Einwirkung der Bestrahlung beim einze.lnen Patienten verwiesen. JirotkaBerlm will die Dosirung der Röntgenstrahlen mittels objektiver Ablesung von Meßinstrumenten. Prof. Dr. Grunmach. Leiter der Röntgenabtheilung der Berliner Universität, leitete die weitere Folge diagnostisch-medizini-sch"r Vortrüge ein mit der Schilderung seltener Leiden des Oberkiefers. Er hat bei der Untersuchung mit Röntgenstrahlen sehr oft wucherische Knochenverdickungen des Oberkiefers als Folgeerscheinung von Verletzungen festgestellt. Noch einige weitere Redner folgten. Den Beginn mit den therapeutischen Vorträgen machte Dr. Schmidt-Berliu, der mehrere Patienten vorstellte, die durch Nöntgenbestrahlungen von Hautund Drüsenschwellunaen ianz oder theilweise geheilt worden sind. Professor Ros enberger-Würzburg machte ebenfalls sehr interessante Mittheilungen über den therapeutischen Werth der Röntgenstrahlen in der Chirurgie. Er nahm dabei wiederholt auf die Erfahrungen Bezüg, die er w seiner Klinik mit Patienten gemacht' hat. Professor Eberlein-Berlin berichtete über seine Erfolge mit dcr RöntgenTherapie bei Hausthieren, insbesondere bei Pferden. DenAbschluß des'Kongresses bildeten ewe große Anzahl-tech-nischer Vorträge, die rein fachwissenschaftliches Interesse haben. Im großen und ganzen, behandelten sie neue vervollkommnete Röntgen - Apparate, über die Herstellung auch plastischer Bilder und über ein neues RöntgenPapier. Sodann wurden in später Abendstunde die Veryanoiungen geschlössen. Der' Mörder Vincke auZ Herford, der am 31. März eine nrn und drei Kinder erschlug, ist in Salz ilflen verhaftet worden. UcbcrdicThätigkeitder Missionare auf den Hercrosammelslcl. len Omburo und Otjihaenena hat der kaiserliche Gouverneur von TeutschSüdwestafrika einen Bericht erstattet, dem wir folgendes entnehmen: $c gen Mitte Dezember v. I. gingen die Missionare Tiehl und Kuhlmann m das Hcrcroland, um die noch im Fel dc sitzciidcnEingcborcncn zu sammeln. In kurzer Zeit, bis zum 2. März, huden sich in den Sammclstcllcn -1,250 Hercro gestellt. Auf Befragen. w.i nun sie nicht schon früher. gekommen wären sagten die Herero, man hatte ihnen von der Behandlung und Be schäftiaung in Windhuk. Okahandja und Karibik so schreckliche Schilderungen gemacht, daß sie lieber im Felde geblieben wären. Auch gäbe es, besonders im Sandfeld, eine ganZc Reihe von feindlichen Werften, die die friedlichen daran zu hindern ww ten) sich zu ergeben. Es ist aber uicht ausgeschlossen, daß auch die seind Ziehen Werften bald dem guten Bei spiel der. übrigen folgen werden. Die Herero werden in den Sammet. stellen zumeist mit Gartenarbeiten beschasngt.

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