Indiana Tribüne, Volume 29, Number 222, Indianapolis, Marion County, 12 May 1906 — Page 5
Jndisna Trwüne, 12. tat 1906
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Bas ZZild ol)no fliiiiöc.
psVtllrtte von A. Joel. fd6tu&.) Mußem Provinzler sein flüsterte der Civilist dem Offizier zu. Der Zauber unten intercsjirt ihn ja jo'gewallig, als ob er zum ersten Mal fto mödic spielen sälie." Darnach fielit er denn doch nicht aus cntc;egnete der Offizier, dem die jiranrne Haltung und die markige Gestalt des Unbekannten gefielen. Wohl ein Theatelsreund." Einmal darüber beruhigt, daß er ein Fremder und mit den lokalen Berhältnissen unbekannt war, ließen sie ihren Zunaen freien Vcuf. Beide schienen im Thcaterklatsch gründlich bewandert zu sein, und wenn der Fremde ihrem Gespräch lauschte es hatte allerdings nicht den AuscKcin so konnte er binnen einer Viertelstunde so ziemlich ringe wcit sein, besonders in die Vcziehungen der beiden Hauptdalstellcrincn zu ihren Rollen. Hat rech!, dcrDornbcrg," sagte der Offizier nach dem zweiten Diese Hell ist das richtige ,Vild ohne Gnade.' Da könnte man ja ebenso gut eine Figur aus Steinsalz anschmachten." Und sie thut ihm nicht einmal den Gefallen, sich im dritten Akt zu beleben." j!ann auch nicht,- versicherte der Offizier, kann nicht! V?erdcn gleich sehen, kann absolut nicht!" Sie rückten sich auf ihren Sitzen zurecht, denn der dritte Akt begann, und der Unbekannte, der seinen Platz bis jetzt in der äußersten Ecke der Loge, halb hinter dem Vorhang verborgen, gehabt hatte, stand aus und setzte sich aus den Fauteuil, der die Mitte der cge einnahm. Nun faß er, genau der Äühne gegenüber und konnte diese ungehindert übersehen. Renate erschien, unmuthiger denn je in einem weißen Gewand, das sich eng und gleichsam liebkosend an ihre Glieder schmiegte und in "weichen Falten demüthig an ihr zur Erde sank. Sie sah so schön aus, daß ein Murmeln durch alle Reihen ging und aller Augen in Itarrer Verzückung an ihr hingen, be sonders an dem wundervollen aschblon den Haar, daö ihr Gesicht umrahmte und aufgelöst in langen Wellen niederfloß, ein Hintergrund, von dem sich das weiße Bild noch einmal so lieb reizend abhob. Berückend: Gletscher haft schön!" murmelte der Offizier in der zrcmdcnloge. zu widerstehen ! Der arme Eckhardt ! Wenn es nicht in seiner Rolle. stünde, er brächte cS sicher nicht zu Stande." Gletscherhaft schön! DaS ist die richtige Bezeichnung für solchen Eis zapfen!" versetzte sein Begleiter mit grollender Bewunderung. Aber so oder so, zur Bewunderung zwang die tadel lose J)!ädchenerscyeinung alle, die Widerstrebendsten sogar. Nur einer im ganzen Saal blickte mit finsteren Brauen und einer unmuthigen Falte auf der Stirn nach der schönen Schau spielerin hinunter. Es war der Fremde in der Mittelloge. Ein Bild der Verdrossenheit und schweigenden Enmms, san er da. Die große Szene zwischen Erich und Hermine nahm ihren Anfang. Schon sollte sich die Umkehr oer letzteren. wenn auch noch Nicht in deutlichen Wor ten, so doch im Ton kennzeichnen. Doch dies konnten die Zuschauer nur ahnen, denn die Darstellerin blieb so kalt wie bisher. Sie schien sogar noch gleichgiltiger, denn in den ersten Akten hatte sie sich wenigstens nicht im Hause umgesehen, jetzt aber, gerade bei den Worten, wo durch Innigkeit des Tons und des Blickes sich ihre innere Wand lung zu verrathen beginnen sollte, jetzt hob sie den Blick und sandte ihn nach lässig im Saal umher, während sie die Worte ihrer Rolle mit beleidigender Gelassenheit von den stolz auzgeworse nen Kippen fallen ließ. Sie rächt sich an Dornberg,- flüsterte man hier und da, und eö gab lächelnde Gesichter genug im Saale, denen das absichtlich schlechte Spiel besser gefiel, als ihnen das gute gefal len haben würde. Plötzlich blieb Renatens schweifender Blick sekundenlang an einer Stelle haften. Sie zuckte zusammen und raffte sich mit einer unwillkürlichen Ve weaung zu strammerer Haltung empor. wie zur Vertheidigung. Sie war dem Blick des fremden jungen Mannes be aegnel und glaubte gesehen zu haben, wie ein spöttisches oder gar verächtliches Lächeln über seine Lippen huschte, wäh rend seine Augen unverwandt und mit strengem Ausdruck aus ihr ruhten. Eberhard hier im Saale? , Nein, jetzt konnte sie die entscheidende Szene des Stückes nicht mehr durch widerspenstige Glcickailtiakeit zu Tode spielen, wie sie theils aus Bequemlichkeit, theils ' r. L um Vornderg zu lra en, ocaoiicyilgl hatte. Was lag ihr auch an dem, an seiner Liebe, an seinem Abfall? An einem Menschen, der einem nichts ist. räch: man sich nicht. Aber der da fcrii ben durfte nicht über sie die Achsel zucken. War er es doch gewesen, der ehedem ihren sich sträubenden Eltern den Rath gegeben hatte: Laßt sie nur zur Bühne gehen, sie kommt bald von selbst wieder zurück. Sie hat ja kein Talent!Der Marni, der ihr so entschieden. so 'von oben herab die Eignung zur Bühne abgesprochen hatte, sollte heute Nickt recht beyalten. Alle Welt hielt sie für kalt, während sie blos zu stolz war, die Schätze ihres Innern zur Schau zu stellen Aussprache ist ia
schon Entweihung sür ein reines Herz und darin hatte Dornberg rechr ge rathen, daß es nur die Scheu des sitt
samen Aüraerkindes war, was ihr Talent an der Entfaltung hinderte. Doch jetzt half der Wunsch, vor zwei kiitijchen Augen iljrm Beruf kundzuthun, ihr aus der gewohnten Zurückhaltung hinaus. Gewaltsam riß sie ihr lang verftl)lcencs Hcrz auf und lies, die erillckte Gluth. den heimlich brennenden Schmerz desselben zur Flamme auflocern vor aller Augen und Zehren. Und so vollzog sich hier im geeigneten Moment wirtlich die Wandlung, auf die Renate bis letzt vergebens hatte warten lassen. Die Zuschauer horchten auf, gebannt von etwas Unerwartetem. WaS war das? Solche Töne waren noch nie von den Lippen des jungen Mädchens gekommen! Wie schmolzen sie hin in 'Reue und Zärtlichkeit, in Innigkeit und schmerzlicher Sehnsucht! DaS war wahrhaftig die Sprachc des zu spät erwachten Herzen?, das verzweif lungövcll erkennt, tan cö lein Gluck von sich gestoßen hat; das war reuige Liebe und Hingebung und echtes, warmes Gesühl, das an alle herzen klopfte und in jedem einen Widerhall weckte. Athemlos hing nun das ganze Haus an Renatens Lippen und trank jeden dieser rührenden Herzenslaute in sich ein, hingerissen von der heiß emporquellenden Empfindung und von dem Wohllaut dieser süßen, bebenden Mädchenstimme. Und als ihre Rede zu Ende war da brach ein Beifall aus. wie ihn Renate noch nie gcerntet hatte. Beinahe keine Hand blieb müßig im Schooe liegen, und mitten in diesem Beifallswirbcl sah sie den Fremden gegenüber langsam und gelassen applaudircn. Da schwankte sie, wie aus einem Taumel erwachend. Was hatte sie gethan? Das Allcrheiligste ihres Herzens geöffnet und die neugierige Mene eingelassen, die ihr Geheimstes, die zuckende- Qual ihres Innern, beklatschte, wie sie gestern die Späße des LustigmacherS beklatscht hatte. Ausgesprechen hatte sie es, hinausgeruscn wie aus offenem Markt, was sie sich iclbit noch nicht hatte geliehen wollen. Es war ihr wohl geworden dabei, cö war wonnig, den Druck abzuwerfen, der seit Monaten auf ihr lastete, eö in alle Winde zu fchrcien, was so lange schon in ihr wogte und wühlte. Aber letzt, nachdem sie die Erleichterung ausgekostet hatte, jetzt schlug sie in bitterer cham die iände vor ö Gesicht. Zufällig paßte die Gebcrdc vortrefflich zu dem Augenblick, da Erich kalt ihre Reue verwart, und so erfchien dies nur wie eine besonders geglückte Nuance ihres Spiels. Wie vernichtet Härte Renate nun ihrem Partner zu, oder vielmehr sie hörte ihn kaum. Allein auch diese Haltung war so sehr im Geist ihrer Rolle, da, als te jetzt nach Erichs Ab gang wie dcsinnungloS auf das Sopha fiel, der donnernde Applaus von vorhin noch einmal in verstärktem Maße losbrach. Hinter der zene wußte es Renate mit Mühe zu vcrbergen,daß sie that?äch!lch einer Ohnmacht nahe war. Ein langer Zwischenakt, von hastigem Umkleiden ausgefüllt, gab ihr die as suna halbwcaö zurück, allein die Aus regung war doch zu groß gewesen, als daß sie ihre Ruhe gleich wiedergcfunden hätte, und eS vcrurfachte ihr dies mal keine geringe Anstrengung, die eisige Zcälte der letzten zenen zu tres fen, was ihr sonst immer mühelos ge lunqcn war. Zum Glück ging eS bald zu Ende, und in fluchtähnlicher Eile verließ Renate ihre Garderobe und begab sich ans den He?mweg. ie wählte einen Ausgang, der nur von wenigen gekannt war, und es gelang ihr auch, völlig unbeachtet das Theater zu verlassen und ihre Wohnung zu erreichen. Am anderen Morgen rüstete sie zur Abreise. In ihrem Schlafzimmer standen offene Koffer, über den tulillelv nen hingen Schleppen, Schärpen und Shawls, und allerlei schachteln und Futterale zeigten, . halbgeöffnet, ihren Inhalt. Jmalon sah cS weit ordent lichcr aus, doch erkannte man auch hier unschwer die Rclsevorbereltungen. Renate, im Hauskleid, war im Schlafzimmer mit Einpacken beschäs tigt, als die Magd ihrer Wirthin ciw trat und flüsternd meldete, eS sei ein Herr da. Wer?" fragte Renate auffahrend und lautcr alö eS nöthig war. Eberhard," lief; sich eine tiefe Mäw nerfllmme aus dem 'Nebenzimmer vernehmen. Ich komme gleich," antwortete sie matten Tones und winkte dem Mädchen, zugehen. Als dieses verschwunden war, richtete sie sich auf, blickte dann in den Ankleidespiegel und fand sich so unnatürlich bleich, daß sie mit beiden Handrücken ihre Wangen neb, um diese ausfallende Bläfse zu verscheuchen. Erst als ihr dies, wenigstens für den Augen. blick, gelungen war, öffnete sie die Thur zum -alon und trat über dlc -chwelle. Sie war nun doch wieder sehr blaß, a!S sie den jungen Mann erblickte, der ln vem engen Zimmer noch breitschultcriger und mannhafter aussah als sonst und mit der, Stirn beinahe den kleinen gläsernen Kronleuchter berührte. Ein wenig derb und schwerfällig schien diese Gestalt wohl ln dem nicht sür sie pas senden Nahmen, dafür aber machte sie auch den Eindruck des Festen, Unerschütterlichen. Die Züge deö Gesichtes waren regelmäßig, aber keineswegs. feingeschnitten ; man hätte glauben sollen, sie wären aus gutbchauenem, aber nicht genügend geglättetem Stein gemeißelt. Ihr Auedruck war der schlich' ten Ernstes, und der unvarlenscke Be
obachter konnte unter der etwas rauhen
Obcrsläche die Mild? nicht verkennen, die um die vom Bart beschatteten Lipren schwebte und auch aus den grauen Augen ees Ankömmlings leuchtete. Ebendarum hätte es einem solchen Beobachtcr auch auffallen müssen, daiz Renate '.ich sichtlich mit Schroffheit wappnete und dem Besuch mit einem steinernen Gesicht entgegentrat. .Grüsz' Gott, Renate,- sagte dieser mit seiner Hefen klimme, cie gleich falls rauher klang, als sie gemeint sein mochte. - Sie gab den Gruß zurück, aber ohne Freude, ohne Wärme, und nur für einen Augenblick legte sie ihre eiskalte Hand in die feine. Die unter Verwandten üblichen prägen nach dem Befinden der Abwesenden wurden nun gestellt und beantwortet. Deine Eltern sind wohl, die meinigen gleichfalls," berichtete Eberhard, der sich in einem Sessel niedergelassen hatte. Emilie blüht wie eine Nose, setzte er lächelnd hinzu. Bei der Rennung ihrer Schwester flog ein Erblassen über Jkenatcns ohnehin bereits entfärbte Züge. Sie fühlte es widerwillig, konnte eö aber nicht hindern. Wie eine Rofe," wiederholte Eberhard, sie fest anblickend; Dir wäre ein Theil ihrer Farbe zu wünschen," fügte er hinzu. ES lag etwas in diesen Worten und in seinem Ton, was sie zornig machte. Bei Leibe nicht!" rief sie mit gerciztcm Lachen. Roth verunstaltet mich." Und daö ist die Hauptsache?" fragte er vorwurfsvoll. Sie beachtete es nicht. Was führt Dich hierher, wenn man fragen darf?" Ich lehre von meiner gewöhnlichen Ges'chäsre'se aus Paris zurück. Dein jetzigerAufenthaltsort lag aus meinem Wege, und auf den Wunsch Deiner Mama will ich Dich hier abholen, um Dich heimzugeleiten.Helmgeleiten?" wiederholte sie sinnend. Plötzlich aber lachte sie so schrill auf, als ihre wohlklingende stimme nur immer, gestattete. Man will also das räudige Schaf im alten Patnzierhause der Herborn dulden?" Ihr Ton miszsiel ihm: er sah sie streng an, aber seine Antwort klang doch gelassen. Man will Du hast Dich doch nicht etwa schon für den Sommer gebunden?" Rein, das Nicht." Und für den Herbst?" Auch noch nicht. Tort liegt der Kontrakt. An das Hoftheater zu Schwe rin, für drei Jahre. Die Bedingungen sind glänzend, das Engagement sehr günstig" Sie legte keinen Nachdruck aus ihre Worte, jedoch für ihn schienen diese einen versteckten Borwurs zu enthalten. Die Bedingungen sind glänzend, wiederholte er leise. ,Qch kenne noch gianzenocre, ein nom aunsilgeres enga gement. Renate, weißt Du, daß Deine Äwtter bald keine Tochter mehr zu Hause haben wird." Es flammte auf in ihren' Augen, nicht auf ihren noch immer todtblassen Wangen, aber sie senkte die Lider und schloß die Augen fest, beinahe gemalt sam. - ' Emilie geht nicht weit fort," sagte sie fast höhnisch. UebrigenS gratulire ich." . Wem?" . Beiden Theilen." Er neigte das Haupt. Dazu wirst Du wohl noch Zeit haben. Aufrichtig gestanden, Renate," fuhr er fort, kam ich mit der Hoffnung, Dich für die Dauer den Deinigen zurückzuführen. Ich meinte, in einem Jahr würdest Du die Buhne satt bekommen haben. und wenn Du einmal ganz sicher wün test, daß Tu von mir nichts mehr zu fürchten hast. 'Und dessen kannst Du jetzt gewiß sein." Natürlich kann ich dessen jetzt sicher fein," sagte sie gezwungen lachend. Aber zu Hause bleibe ich doch nicht! rief sie trotzig und richtete sich fast r . c r rr M ' seino eng in tnrem e ei auf. Eberhard nickte langsam. Seit gestern Abend wußte ich das. Du hast . -. r- M . . mich vleiiclHl im yearer oemerll " . cit befähle stumm. Deshalb wohl Dein schleuniger Auf bruch. Run ja, ich bin es nicht anders gewohnt, hatte e nur ein wenig verges sen. Ich wollte Dich noch gestern sprechen. Dich nach Hause begleiten; so viel halte einem ahverwandten, bei nahe einem Bruder, wohl gestattet sein dürfen. Allein Du entzogst Dich mir, wie immer. Es war thöricht, zu alau ben, daß sich darin etwas ändern könnte. Doch ich .will Dir ja keine vorwürfe machen. Im Gegentheil. Ich habe Dir abzubltten " Renate hatte sich von ihm abgekehrt. Jetzt wandte sie sich mit fragender Be wegung zu ihm. Ich sprach Dir ehemals das Talent zur Schauspielkunst ab. Dieses Urtheil war falsch. Mit Bedauern sehe ich es ein. Deine gestrige Leistung bewies mir, daß ich Dich gar nicht gekannt habe . Tieses Zugestandn! ß' von Dir," cntgegnete Renate mit herbem Spott, wiegt daö eines Dutzend von Kunst lennern auf." Du 'hast recht," sagte er ernst. denn ich ringe es mir ab. Was meinen früheren Irrthum betrifft, so is er begreiflich. Das Talent, das Du gestern zeigtest, l,t erst in Dir erwacht. Denn noch eins ist mir gestern klar ae worden. Dieses Talent, es ist die Liebe." Das letzte Wort grollte in Eberhards Mund dumpf wie ferner Donner; und als habe ein unerwünschter Blitz in i ihrer Seele elngechlagen, blleo Renate
erst starr, hob dann abwehrend die Hände und rief beschwörend: Rein, nein, nein!" Vor wem willst Du eö leugnen?" fragte Eberhard. Vor mir? Vor Dir?" Er stand auf, als dulde es ihn nicht auf dem weichen, niederen Sitz. Mich täuschest Tu' nicht, Renate, und auch Dich selbst wirst Du nicht lange
mehr tauschen können. Du liebst!" E' stand setzt beim Fenster, ihr len Nucken kehrend, die Stirn an die Jentcrschcibe gelehnt. Renate schwieg, sie leugnete nicht uchr. Trotzig starrte sie vor sich hin. Erst als er sich fragend nach ihr umwandte, sagte sie, ohne aufzusehen: uno wenn es wäre?" Es ist," betonte er mit Nachdruck. Wenn Dein Herz noch so unberührt wäre wie früher. Du hättest diese Töne nicht gesunden, nicht diesen Ausdruck in Deine Stimme legen können." Damit leugnest Du das Talent Nein. Denn nicht jedem, wenn er auch liebt, ist die Fähigkeit solchen Ausdruckes verliehen, das weiß ich nur zu gut. Auch das weiß ich : der Erfolg vird Dir nicht schlen. Und deshalb sehe kl) es ein. Du wirst nicht zu Hause bleiben. Wem der Erfolg winkt, der kelrt nicht um auf seinem Wege. Ja, Du hast Talent, Renate, aber leider, armes Äind, kein Talent zum Glück." Weshalb?- fuhr sie aus. Weöhalb?" fragte er ln erregtem Tone zurück. Weil Du leidest. " Ich will nicht bedauert werden, von Dir nicht !" rief sie heftig. Von mir nicht?" Er sah sie gclassen und traurig zugleich an. Du kannst aber nicht hindern," fuhr er plötzlich auf, daß ich mit empfinde, was Dich trifft! Ich bedaurc Dich trotz Deines Verbots, beklage eö, daß Deine Neigung sich gerade einem Viann zuwenden mußte, der die scinige durch unedlere Empfindüngen besiegen ließ, einem, in dessen Seele die wahre, tiefe, rechtschaffene Viebe keinen Boden fand." Kerzengerade fuhr sie von ihrem itz empor. Wen meinst 'AM? iüien soll ich lieben?" Entschuldige, wenn ich indiskret bin," antwortete Eberhard mit trübem fächeln, aber meine Nachbarn im Theater sprachen so Vieles. Ich bin nun fast so eingeweiht wie alle Anderen. Herzcnsgcheimnisse wurden da ohne Scheu verhandelt. Und als Deut 2picl mir verrieth, daß Dein Herz ge sprachen hat, da wußte ich auch sogleich, für wen." Renne ihn!" rief Renate gebieterisch. Wen liebe ich?" Den Verfasser deö gestrigen Stückes," erwiderte Eberhard grollend. Diesmal lachte Renate ganz natür lich. Du würdest, es ohne Zweifel gern sehen, wenn ich dergestalt der Nemesis anheimgefallen wäre. Leider kann ich Dir diese Genugthuung nicht gönnen, denn Dornberg ist mir so gleichgll'tl'g wie der Pflasterstein auf der Straße." Sein forschender Blick las, in ihren Zügen die Wahrheit dieser Bchauptung. Einen Augenblick erhellte sich der Ausdruck seines Gesichts, dann erlosch der lichtere Schimmer wieder. ...So ist es. ein Anderer," murmelte cr, -hoffentlich ein besserer, dessen Liebe echt ist. Den wirst Tu nicht von Dir stoßen, und wenn auch, er fiele nicht von Dir ab, denn eine solche Liebe wankt nicht, wägt nicht, vergleicht nicht und verkauft sich 'auch nicht einmal um Gegenliebe. Und sie verändert sich nicht. Liebe und Treue sind im tiefen Grunde nur eins." Hatte die Delmar gestern Abend nicht dasselbe gesagt? Freilich nicht in solchem Tone. Renate aber hörte nicht auf den Ton, oder derselbe reizt sie nur noch mehr. Und das sagst Du?" rief sie, sich zornig gegen ihn wendend, Du? Du?Jhr Blick hing an ihm mit durchbohrender Verachtung und glühendem Haß. Dieses fragende Du?" war im Tone ein Pfeil, der ihm spitz in die Brust dringen sollte. Und warum nicht ich?" fragte er mit ruhiaer Bitterkeit. Warum?" Renate brach in ein höhnisches Lachen aus und fiel dann wie erschöpft in den ehnstuhl zurück. Du! Du!" stieß sie unter diesem Lachen hervor. Verzeih, es ist zu komisch. Dich als den Anwalt unwandelbarer Treue zu hören, Dich." Mich?" fragte er verwundert. Der Du es so gut verstanden hast, Deine sogenannte felsenfeste Liebe von einem Gegenstand auf dctt anderen zu übertragen." Er sah sie befremdet an. DaS bedarf einer Erklärung. Ich hätte meine Neigung übertragen? Ich? Wer Dir das gesagt hat, soll mir die Lüge in's Ge icht hinein wiederholen. Was würde wohl Emilie zu diesen Worten sagen?" .Emilie? Was soll hier Emilie?" Er trat hart auf sie zu. Weich mir nicht aus! Sage mir, woher Tu das hast!" , Renate hob mit verwirrter Geberde beide Hände an ihre Schläfen. Jetzt wird es mir zu viel, Eberhard!" rief sie zürnend. Hast Du die Stirn, Emilie zu heirathen, aus bloßem Geschäftsinteresse? Besser wäre es noch. Du gäbst wenigstens vor, sie zu lieben, wie Du es vorgabst, als ich die Beglückte sein sollte." ' Mit heftigem Griff faßte Eberhard ihr Handgelenk, ließ eö aber gleich wieder los und sagte, sich, gewaltsam oeMnaend. mit au anender viw : Also ich heirathe Emilie?. Wer sagt daö.'"
Mama hat es doch geschrieben," versetzte Renate bestürzt und ganz aus dem Geleise gebracht durch daS Lächeln, das um seinen bärtigen Mund spielte. Laß sehen!" Sie stand auf, blickte suchend umher und in ihrer Bestürzung überall hin, wo ein Brief nicht zu liegen pflegt, und erst zulebt auf den Schreibtisch, wo sie nach einigem Suchen das Mlesblatt entdeckte. Sie reichte es von fern, mit ausgestrecktem Arm, dem Vetter hin, der es ergriff, die Seiten überflog und endlich halblaut murmelnd zu lesen begann: Noch ein halbes Geheimniß theile ich Dir mit: Emiliens Verlobung steht bevor. Mit wem, sage ich nicht, allein Tu brauchst den Zukünftigen nicht weit, besonders nicht außerhalb unseres Hauses zu suchen." Nun?" Ganz richtig." bestätigte Eberhard, den Brief bei Seite legend. Nur daß eö sich nicht um mich handelt, sondern um Ernst Frey, unseren Prokuristen, der, wie Du weißt, schon den Backfisch Emilie verehrte. Im Herbst wollen unsere Väter sich zur Ruhe setzen, dann tritt Frey in die Firma ein und wird mit mir zusammen, die Fabrik leiten. Als mein Associe darf er wohl um Emilie werben. Einen Korb zu befürchten, , bleibt dem Glücklichen erspart, denn Emiliens Neigung kommt der seinen gleich." Er brach ab und sah schweigend hinaus, wo der launige April zur Abwechselung den staunenden Blicken einen Schneeflockcntanz vorführte. Tiefe nach dem lauen Wetter unerwartete Erscheinung schien seinen Blick lange, lange zu fesseln. Er sah deshalb auch nicht, wie auf Renatens Gesicht eine Erregung die andere jagte und die Farbe in jähem Wechsel kam und verging. Sie stand da, die Arme über der Brust verschränkt, fast erstickt vom Klopfen ihres Herzens, das sich erst allmälig beruhigte. Ich habe mich also geirrt," sagte sie nach einer endlosen Pause.
Es scheint, Tante hatte es darauf abgesehen," sagte Eberhard, sich umwendend, sonst würde sie schwerlich so unklar geschrieben haben. Es ist ihre Art nicht. Allein sie dachte wohl, D.u kämest vielleicht eher nach. Hause in dem Wahn, mich gebunden zu sehen. Ist es so? Wartest Du darauf mit Deiner Heimkehr?" Als Ühef der Firma wirst Du Dich ohne Zivelscl bald entschließen, 'Emiliens Beispiel zu folgen," cntgegnete Renate ausweichend, ohne ihn anzusehen. Deine Prophezeiung klingt wie ein Wunsch," cntgegnete Eberhard, aber verstehen wir uns recht. Ich kann, Dir aus dem Wege gehen, soweit es irgend möglich ist, aber diesen Gefallen kann ich Dir mcht thun. Was liegt Dir auch daran?" fragte er, die Hände in den Rocktaschen vergrabend, damit sie nicht heftig in der Luft herumfahren konnte, wie seine kaum beherrschte Aufregung sie antrieb. Ick verspreche es Dir, kein Wort soll über meine Lippen lommen, Dich mit der allen, längst begrabenen Hoffnung zu quälen. Aber laß es ein für allemal zwischen uns ausgesprochen werden : Vergessen kann ich nicht. Dafür kann ich schweigen." Schweigen trat auch jetzt ein. Genügt Dir das nicht?" fragte er,, alö sie stumm blieb. Genügen? Wenn Tu so glücklos dahinlebst?" sagte sie mit ganz schwacher Stimme, fast verzagend. Es soll Dir kein Vorwurf sein," beschwichtigte er mild. Du kannst nichts dafür, es war mein Schicksal. Quäle Dich nicht darum. Nimm Dein Glück, wo Du es findest." Er stockte. Nach einer Pause sprach er weiter: Du warst ja im Recht, Renate, mich auszuschlagen, mußtest Deine Hand für denjenigen aufsparen, den Du dereinst lieben würdest. Noch einmal: Fürchte nichts; auch die Ellern haben ihren Wunsch aufgegeben, und dieser gescheiterte Plan soll mit keinem Wort wieder erwähnt werden. Kehr' darum unbesorgt ln's Vaterhaus zurück. Aber das Eine verlange nicht, daß ich einer Anderen das Gefühl zuwenden soll, das Dich blos belästigt hat. Da? kann ich nicht. Du mnßt cö hören und wissen: Ich werde mich nie verheirathen." Er endigte mit männlicher Entschlossenheit, die immer wieder die aussleigende Bewegung tapfer zurückdrängte. Nie?" fragte Renate, aus deren Gesicht nach manchem wechselnden Ausdruck nun ein eigenes Lächeln ausgegangen war wie der Schimmer eines fer nen, aber sich allgemach nähernden Lichtes. Nie," klang es ernst zurück, und da Lächeln lag letzt wie lichter Mondschein aus Renatens Antlitz. Näher und näher kam sie, mit klei nen Schritten. Nun stand sie dicht vor ihm. Auch mit mir nicht?" fragte sie leise, noch mit Zagen, aber doch auch mit der ganzen Süße, die ihrer Stimme eigen war, und legte die Hände auf seine Schultern. Renate!" fuhr er auf, als er die geliebten Augen so nahe erblickt die mit nie gesehenem Ausdruck die seinen suchten: Renate, was thust Du?" Ich nehme mein Glück, wo ich cö finde," antwortete sie leise, schon von seinem Arm umschlossen, Du hattest Recht, Eberhard. Mem ganzes Talent war gestern die Uebersülle meines Her zens, das sich endlich Luft machen mußte. Nachdem dies geschehen, bin ich talentlos wie zuvor. Willst Du die Talentlose heimführen? Vielleicht entdeckst Du doch ein Talent zum Glück in mir." EivS iM Glück! ichmachen , weyja
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