Indiana Tribüne, Volume 29, Number 221, Indianapolis, Marion County, 11 May 1906 — Page 7

Jndians Tribüne, 11 Mai 1006

er jüngste

Bruder

CtjUIrr tlsmtn da Gruß Wlchert. (Schluß.) Er zog sie dicht an sich heran und hielt sie so fest, als wollte er sie niemals mehr loslassen. Ihm war sehr wohlig zu Muth : so nachgiebig war Friederikc za noch nie gewesen. Er hatte darüber so viel zu denken, das; er in den ersten Minuten ganz das Sprechen vergaß. Sie selbst griff wiederholt mit der rechtcn Hand hinter sich, um ihre Röcke zu heben, und schien von dieser Sorge aus reichend in Anspruch genommen zn sein. Mit der linken, die aus seinem Arm lag, hatte sie daö Äuch gefaßt. Von ihrem Gesicht konnte er unter dem Tuck wenig sehen, oll ich'ö Ihnen tragen?fragte er endlich. 23a3?" .TaS Buch." .Ach, cö ist so leicht. Da kann noch viel eingeschrieben werden, und c? wird doch nicht schwerer. Wissen Sie, Herr Äcrkcn, Sie müssen sich jefct auch so ein Buch anlegen lassen..Das will ich auch." .Sie sind rasch mit Ihren Schulden fettig geworden ; jetzt können Sie ansangen, für sich selbst zu sparen." .Für mich? Was soll ich mit dem Gelde?.?ia ?" Er fühlte einen Ruck seincs Armes. Sie werden es doch nicht wieder verjubeln wollen?" .'jfern, Nickchcn, da sind Sie ganz sicher." .Wer weiß ?" .Wahrhastig, Niekchcn. Aber mei ncn Sie nicht, daß man das Geld vielleicht noch viel besser anlegen könnte ?" .Noch besser? Wie das?" .Sehen Sie 'mal Hm ! Jawohl Angerstein verdient nicht einmal so viel wie ich und erhält davon eine ganze Familie." ici, die Frau ist auch sehr sparsam." 2o eine sparsame Frau könnt' ich doch auch haben. Und die Binder, Wenn'S einem so bestimmt ist " ic faßte mit einem kräftigen Griff in ihre iKötfe, so daß er einen kleinen toß erhielt. Ach, reden Sie doch nicht so." .Warum nicht, Niekchcn ? Man muß doch nun einmal ernstlich darüber reden. Und heute gerade. . . . Ich denk', da ist aus mehreren Gründen gute Gelegenheit. Daß wir beide uns hcirathen, dagegen haben Sie doch Nichts." - .Das sag' ich auch nicht. Wie nun 2llcö so gekommen ist " .Nicht wahr ? Ich bin nun iu die rechte Ordnung gekommen, und in der bleib' ich. Ein Arbeiter hat aus mir werden sollen, und ein Arbeiter ist auö mir geworden. Darüber streb' ich gar nicht hinaus, nachdem ich gemerkt habe, was mau in meinem Fall d'ransetzen mnß, wenn man etwas sein will und soll. daS man doch nicht von Grund auS ist. Zu einem Arbeiter gehört aber auch eine Arbeiterfrau, und da können Sie ganz ruhig fein, 3!ickchen, daß ich Ihretwegen von der putsche abgesprungen bin und mich auf die eigenen Äcinc gestellt habe. Es fahrt sich da für unscreincn verdammt unbequem, und es liegen da so viel Steine tni Wege. . . . umkippen mun man dom so oder so. Es ist ein Glück, daß i.l. Sie zu rechter Zeit geieycn hatte, vuzl ältn, und darum frag' ich nichts als wann machen wir Hechzeit?" io icdncll acbt das nicht." antracr tete sie. Erstens sind Sie nech nicht fest gcnua. in Ihrer Stellung, und dann ich bin a doch auch in meinem Ticnst und muß meine Zeit ausblciven. Herr Ncsiclblatt wird 8ic loslassen. 2vcnn ein Mädchen yclratycn irtll - .Ich mag ihm das adcr nicht anthun, weil er' ein so braver Herr ist und auch Ihnen auf meine Bitten Gutes gethan I . a i f . 1 -i yal. Alö jcci vaoen o ueiiug gear teuer, um yre cchuio gegen mich los zu werden; nun drängt Sie das nicht mehr. und es kann lein, daö cie wieder nach lanen " Nein, gewiß nicht, Niekchcn.Ich will'S auch gern glauben, aber Herr Ncnclblatt mun wissen, was er an Ihnen hat. Und er wll mich auch nicht lur leicht sinnig baltcn. Beim lcytcn Termin hab' ich mich nieder auf ein Jahr vcrmictbct. und das Iah? bleibt fest. Tauert's Ihnen zu lange. o können cie ja thun, was t-c wollen." Davon ließ sie sich denn auch nicht ab bringen. In dem Jahr könnten sie ja Beide noch hübsch sparen, meinte sie, damit sie ihre Wirthschaft hinterher besser einzurichten vermöchten. 3o wie es bei Ihnen ausgesehen hat. au feie die -ujch. lerei hatten, so kann es bei uns auch aussehen. Es hat Ihnen gefallen, und mir nicht minder. Nur daß uns dann alles ehrlich gehört ! Jbre Verwandten sollen sich unserer nicht zu schämen brauchen." Sie waren an das .paus gelangt. Ter Regen hatte nachgelassen, aber sie gingen noch immer Arm in Arm unter dem Schirm. Arnold hatte ihn vorn so tief es:senkt, da man vom Hof her nicht bemer ken konnte, was dahinter vorging. Er beuate feinen tos zur Seite und flüsterte Ich will alles thun, was Sie wollen. Riek. chen aber einen Kuß wenigstens muß ich dafür haben." , .Was Ihnen auch alles einfällt !- schalt sie. Na weil wir doch einig stnd . . . Sie wendete ihm das Gesicht zu und hielt ihm den Mund hin. Tann aber herzhaft. Tas lieh er sich nicht zweimal sagen. 15. Kapitel. In diesem Jahr es fehlte nur ein knapper Monat, daran änderte sich in dem Verhältniß dieser beiden Mensche wenig. Es blieb ganz so kleinbürgerlich ehrbar, wie Friederike es nach ihrem (3c schmack und auch nach ihrem Herzen fand Sie war Arnold sehr gut, aber gar nicht verliebt in ihn, wenigstens gab sie nch c Mühe, das nicht merken zu lassen. ( änastiate sie mehr, als es sie freute, wenn er selbst einmal leidenschaftlich erregt wurde w :t -n . . . Zk .-. : : i. s.: . cn II no iyi uuzu uuuuiju; cu;c -ociuct'ivi zu erkennen gab. Tas sei doch nur j

von oben her" oder von auswendia,

meinte sie, und verfliege bald." ie wolle mit sich nicht Spaß machen" lassen. Er fügte sich denn auch meist gutwillig. M, warte nur," pflegte er zu drehen, wenn wir erst verheirathet sind ! Tann nehm' ich's für voll." Dagegen hatte sie gar nichts einzuwenden. Sie duzten sich nun, das hatte er durchgeseyt. Tie Eeusine fand es auch in der Ordnung. Bei ihr sahen sie einander nach wie vor an den Sonntagen, die riederike ein paar Freistunden ließen, in ihrer und ihres Mannes Gesellschaft gingen sie spazieren. Sonst kamen sie nicht zusam men. Beim iuten-ag und i'lbieu erhielt er einen iüiß, aber dazwischen selten. Allenfalls durste er, wenn sie am Kaffee tisch faßen, seine Hand aus die ihre legen oder sich ein Weilchen an ihre Schulter stützen. Sie wußte es schon so einzurich. ten, das; er nicht zu keck wurde. Dabei war sie immer heiter und erhielt auch ihn bei guter aune. Arnold arbeitete indessen mit unvcr mindcrtcm Fleiß. Er war geschickter und umsichtiger, als seine Genossen in der Tischlerei, ausdauernder in der Vcsiegung von Schwierigkeiten. Herr Rcsselblatt war ?-..? - . i. ...... i . i.eyr mn iyin zusricocn, oconocro rccu cr auch leicht auffaßte, wenn es sich um ein neues Projekt handelte, mit dem noch ex. xcrimcntirt werden mußte. So ein Mann hatte ihm an dieser Stelle gefehlt; der !ohn wuchs mit den Leistungen; Arnold gehörte nach einem halben Jahre bereits zu den bcstbczahltcn Arbeitern der großen iicnwcrkc. Viel langsamer gewann er sich das Bcr trauen seiner Mitarbeiter. Es ist wahr, die Nessclblatt'sche Fabrik bildete eine Art von Arbetterkolome für sich selbfl. Tie sich zu ihr gehörig wußten, wohnten auch nicht nur in demselben Etadtthcil im CUen, Indern nach Möglichkeit, auch in denselben Straßen und Häusern zusam. men. Mau erfreute sich besonderer Bor theile und hielt diese für erheblich genug, die Erfüllung der Gegenbedingung wenn auch nicht zu einer Aufgabe der Tankbar keit, so doch zu einer caepe der .Klugheit zu machen. Viele von den älteren Ar bcitcrn waren ihrem Lohnhcrrn auch wirk, lich mit wärmerer Ergebenheit zugethan, als das Bcrtragsvcrhältniß bedingte ; ihr eigener Wunsch war es, den unruhigen Geist fernzuhalten und den sozialen Frie. den an dieser Arbeitsstelle wenigstens zu bewahren. Wir sind weit voraus, mein ten sie, haben bereits ein gut Theil von dem erreicht, um das die anderen tämp. fcn. Welche Veranlassung haben wir.' uns ln ihren Streit einzumachen? Wir können dabei nur verlieren. Tie Junge ren verkannten keineswegs die Gunst der Umstände und waren durchaus nicht ge willt, sie leichtsinnig auf's Spiel zu setzen ; aber sie waren doch empfänglicher für den Vorwurf der Traußenstehcnden. daß die Nessclblatt'schcn sich abschlössen und den gemeinsamen Bestrebungen abwendeten, weil es ihnen zufällig ein wenig besser gebe als den andern. Sie waren der Ansicht, daß man Fühlung halten müsse und die allgemeinen Grundsäye nicht vcrleug nen dürfe. So war der Verkehr zwischen den Gleichgesinnten hier und dort nicht ganz aufgehoben, und jede Berührung veranlaßte einen Austauich von Mcinungen und Erfahrungen. Es war den timmführcrn der großen Partei nicht unbemerkt geblieben, daß der Tischler Berkcn sich da einzuschmuggeln" vcrstanden hatte. Er kroch unter." wie sie es nannten, und wies die Anknüpfung der alten Verbindungen sehr entschieden ab. Sie warnten deshalb vor ihm. Nehmt Euch in Acht, der hat ein doppeltes Gcsicht, man weiß nicht, welches das wabre ist l" Dergleichen Reden blieben nicht ohne Wirkung. Obgleich Angerstein, der im besten Liufc stand, für ihn eintrat, wurde er doch längere Zeit mit argwöhnischen Blicken von allen Seiten beobachtet. Man sprach nicht gern mit ihm und ließ ihn beim Nct.hauscgebcn allein. Es siel auf, daß Nest-lblatt ihn begünstigte, und man zischelte deshalb sogar, cr sei als Spion angestellt. All das konnte 'Arnold nicht kranken ; cr sagte sich, daß das Mißtrauen der Kameraden berechtigt sei. Mit Versicherungen und Versprechungen war da nichts auszurichten, das wußte cr ; was illcin'helfcn konnte war ein stets gleich mäßiges Verhalten und offenes Entgegen kommen ohne alle Zudringlichkeit. 'Im Ucbrigcn, meinte er, würde seine Arbeit für ihn zeugen. Ede Blank und seine Genossen machten sich noch einmal' an ihn. Tie Sondernd lung, welche die in der Ncsselblatt'schcn Fabrik bei jedem Streik und sonstigen Gc legcnhcitcn einnahmen und zum Schaden der Bewegung behaupteten, war ihnen sehr verdrießlich. Sie versuchten Berkcn anzustiften, für sie zu agitircn. Sie mein, ten ihn als .Heil benutzen zu können, um diese geschlossene Masse auseinander zu treiben. Ta sie ihn ganz unzugänglich fanden, warfen sie einen heftigen Groll auf ihn. Wir wissen wohl, wie.es steht," hökntc Blank. ..Herr Ncssclblalt hat ein Fräulein bei sich, das cr verhctrathcn möchte dcn Mann hat er gefunden." Tas nahm Arnold nicht geduldig hin. Er warf sich auf den Gegner und bearbeitete ihn fo grimmig mieden Fäusten, daß cr auf der Straße liegen blieb. Tafür nah. men dio Maurer Rache, indem sie ihm eines Abends, als c? mit Angcrstein aus der Fabrik nach Hause ging, auflauerten und' lyn arg verhauten." Er hielt sich dabei aber so tapfer, daß ciikige Zeit vcraing. bis sie ihn unter hatten, und mehrere Ar beiter aus der Fabrik auf Angcrstcins Anrufen zur Hilfe heraneilten. Es kam zu einer großen Schlägerei, beider es dcn Maurern schlecht erging. Sie mußten das Feld räumen. Arnold war tüchtig zer bläut und konnte sich einige Tage lang nicht außer seiner Schlafstelle blicken las. sen ; aber man wußte in der Fabrik, was von ihm zu halten sei. und ließ in der oi .. i?vlge icincrici ermumoungen und .Hetzreden mehr an sich heran. Friederike. die-von der Cousine erfuhr. was den Anlaß zum Streit gegeben, war so stolz aus den Vertheidiger ihrer Ehre, wie es nur irgend eine Dame aussen rit terlichen Anbeter hätte sein können, der sich für sie auf Leben und Tod geschlagen. Kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist sagte sie Herrn Nesselblatt. da sie den r...r. , , . e. . ... ... . icnu iua;i irrigen rönne, da )t i;eira theil wolle. Eigentlich sagte sie, sie müsse," womit angedeutet sein sollte, daß sie ihn ungern und nur einem Zwange folguid verlasse. Er hatte diese ündiauna vorausgesehen, kannte auch sehr gut den Mann, dem er weichen mußte, seufzend fügte er sich. Es ist nur natürlich," lagte er, daß Sie Ihr Glück in einer Heirath suchen und damit nicht bis nach meinem Tode warten möaen. Werken ist ein tüch. tiger Mensch ' ich kann ihm nicht entgegen sein. Ich selbst werde michnun nach einem

Ersatz umsehen müssen. Ter wird freilich schwer zu haben sein: eine so thätige, zu verlässige und geduldige Pflegerin führt ... ........... .. , . 5...'

mir ein gunnigcr ö"iaii nian wieoer zu.Vielleicht doch.Hcrr ce?jcib!att. meinte Friederike tröstend. Wissen Sie, was ich mir auögedacht habe? Ich habe noch ane iunaerc icsljroc ter, die m zu wv. c teils. Bruder uno soll auch ein paar Jahre unter fremde Leute. Ich habe schon längst im Sinn, sie mir nachkommen zu lassen. Und wenn ich nun verheirathet bin, hat sie auch bei mir einen guten Halt. Sie ist ganz von demselben Schlage wie ich, und sieht auch fast genau so aus wie ich. Die 'Nachbarn sagten immer, es sei lächerlich, wie ähnlich wir waren, nur daß die Lette damals noch nicht recht ausgewachsen war. Aber sonst dieselbe Figur und dasselbe Haar und dieselben Augen. Wenn Sie nun wollen. Herr Nesselblatt, schreib' ich an sie, daß sie an meine Stelle treten lann. Sie können ihr ja meinetwegen anfangs weniger Lohn geben, das ist ganz in der Ordnung, llnd wenn es Ihnen Siecht ist. lassen wir die Lotte noch vor meinem Ab zug kommen, damit ich sie gehörig anler nen lann. Guten Willen hat sie gewiß. aber es will rech alles gelernt fein." Mit diesem Vorschlag war der Fabrik. Herr ganj einverstanden. ..Tie Lotte hat ja dann auch Zeit zu prüfen," sagte er. ob es ihr bei dem alten kranken Manne gefallen kann. Ich möchte so ein junge Tina nicht quälen." . . Ach, was das betrifft, da können Sie ganz ruhig sein. versicherte Friederike. Mit einer gnädigen Frau und mindern ist viel schwerer auszukommen, ich Hab's er fahren, und einen so guten, nachsichtigen Herrn kann sie lange suchen. Ich will ihr schon den Standpunkt klar machen. An's Hcirathen dars sie so bald nicht denken, und darum haben Sie auch nicht zu fürck ten, daß Sie wieder wechseln münen. Tie bleibt Ihnen, so lang Sie der liebe Gott am Leben erhält. Ter Brief wurde geschrieben, das Reise, geld geschickt und Lotte eines Tages von der Eisenbahn abgeholt. Friederike hatte wirklich nicht zu viel versprochen: ihre Schwester war von demselben Schlage wie sie, ebenso gutmüthig, heiter und ar beitsam. wenn auch anfangs noch etwas bäurisch in ihrem Wesen. Sie wurde in einigen Monaten trefflich angelernt." Tas war auch gut, denn in letzter Zeit hatte Friederike viel außer dem Hause zu thun. Sie lief mit der Eousine herum, eine hübsche kleine Wohnung für eine er schwingliche Miethe zu ermitteln, und zeigte sich sehr wählerisch. In die Stube dürfte kein Bett hinein, sagte sie; zum Schlafen müßte sie ein besonderes Stübchen haben, wenn's auch nur klein wäre. Sie wünschte, daß Arnold sich nicht zu be schränkt fühlen sollte. Er hatte ihr sein Sparkassenbuch ausgehändigt, und sie be. schasste nun von seinem und ihrem Gelde eine hübsche Ausstattung, wie sie ihm ge fallen könnte, indem sie durch die halbe Stadt von Laden zu Laden ging, überall nach den Preisen sragte, das Hübscheste und Billigste zugleich aussuchte und zusammenstellte. Ter Eousine wurde es schon zu viel. Du thust immer so, aI5 rd Tu den ganzen Laden auskaufen möch. test," spöttelte sie, und nimmst nachher dcch nichts." Ader man kann's ja noch besser antreffen." meinte Friederite. Taö kauft man sich doch sür's ganze Leben." Erst einige Tage vor der Hochzeit, die bei Angcrstcins ganz einfach gefeiert werdcn sollte, durste Arnold die nun ganz fcr. tige Wohnung besehen. Er glaubte seinen Augcn nicht zu trauen: Friederike mußte gehext haben. Wie hatte das Geld nur zu der schönen Einrichtung gereicht? Alles so hühsch und so solide! Ta stand ein Eopha mit rothem Plüschbezug, ein Lehnstuhl und noch 'ein Lchnstuhl, ein Tisch mit bunter Teckc dazwischen auf einem gar nicht ganz kleinen Teppich, ein Eckschrank mit einer Lmpe darauf, ein Klcidcrsvind mit einer Gypsfigur, an dem einen Feil, ster unter d?n schneeweißen Gardinen ih Tischchen mit Nähmaschine,' dem andern auf einem Ständer von Weidengeflecht ein Blumentopf. Mi: einem Blick ließ sich gar nicht alles gleich übersehen, llnd dann das Schlafsiübchcn mit dem Matravenbctt und die Müche mit dem blanken Geschirr! So hübsch sind ja meine Eltern nicht ein. mal eingerichtet gewesen, als sie hcirathctcn," rief cr. Friederike war sehr glücklich, führte ihn von dem einen zum anderen Gegenstande herum, ließ ihn jedes Stück bewundern und den Preis rathen, und gab ihm rege! mäßig einen Kuß, wenn seine Schätzung viel zu gering aussic!. Tas stärkte denn noch seinen Eifer. Festhalten oder auch nur zu einem Probesitzen auf dem Sopha vermögen ließ sie sich freilich nicht. Tazu war sie viel zu geschäftig. Habe nur keine Angst," sagte sie, daß uns die Miethe zu hoch kommt. Ein Tritte! davon nehm' ich Tir ab. Ich habe ja doch hier in der kleinen Wirthschaft zu viel freie Zeit. Tie Stuben sind bald reingcmacht, und an dem Mittag koch' ich auch nicht lange, da muß ich doch vom Morgen bis zum Abend eine Beschäftigung haben, wenn ich nicht trübsinnig werden, oder sonst auf dumme (sk danken kommen soll. Tie anderen Arbei tcrfraucn u?u;V .ch mir erst genau darauf ansehen, ob mit ihnen ein Umgar.g anzu. knüpfen ist. Es wohnen hier zum Glück mehr kleine Beamte, ein Briefträger, ein asscnbotc, ein ilanzlist, im ersten Stock sogar ein Sekretär. Tie Frauen halten schon mehr auf Anstand und lassen auch die Binder mchl q zerlumpt aus die Straße. Kurz, was ich Tir sagen wollte : ich werde für Fremde Wasche nähen da steht schon die. Maschine auch feine Plättarbeit übernehmen. Viel ist damit nicht zu verdienen, aber es hilft doch mit. Und sonst wär' ich ja doch ganz unnütz." I Tu !" rief cr, unnütz ! Pah! Du !! Na ja das glaubst Tu wohl gar selbst? llnd wegen der Miithe itf es schon gar nicht nöthig, Nickchen, die bedrück' ich nech ganz gut." Zu brauchen ist Has Geld immer," meinte sie. ..Wir müssen auch, wenn wir Sonntags ausgehen, etwas 'anzuziehen haben. Man kann diesem und dem bcgcg nen, wo cö einem doch darauf ankommt, für einen Menschen angesehen zu werden. Und Tu willst doch auch keine Frau haben, die auf dem Sopha sitzt und sich cinfault. Nicht wahr?" Richt's nur cin, wie Du willst. sagte er, ihre Schulte? klopfend. Du wirst wohl wissen, wie cs für uns am besten ist. Aber wenn ich Abends nach Hause komme .... Tas versteht sich' doch von selbst. Riekchen." Er verschluckte eine ganze Reihe von Zwischensätzen, aber sie wußte doch, was sich von selbst verstehen sollte, gab ibm einen leichten Schlag mit der Hand und neckte : Ach ! Es wird Dir -rasch gc. nug langweilig werden." Das konnte er natürlich nicht zugeben. Als Friederike ihn schon hinaus lassen

wollte, um die Thür abzufchlielzen, zögerte

cr nocy. ur war ernst geworden und hatte offenbar noch iraend etwas Bkdenklickes im Rückhalt. Riekchen," begann er, da lic iyu iiaijcnp an,ay, icy wollte da noch was mit Tir besprechen. ..." Nur zu! ermunterte sie ihn. ich höre. Sie machte die Thür wieder zu. die sie schon in der Hand hatte. Wenn man heirathet, " druckste er. das ist doch so eine Sacke. Es aebt eini. ermaßen auch die amilic an. Mnt) tnrmi man Brüder hat, und dazu an demselben Tie willst Tu doch nickt im .SoAirit einladen? siel sie lachend cin. .'ian, Gleichen, das nicht. Sie möch. ten auch nicht kommen. KÄher auxetaen muß man ihnen doch .a, anzeigen das wob!. Tu balt Recht. TaS dacht' ick beinah an. ?IhrTiiin weiß ich Nicht, ob ich ihnen schreiben soll. oder ov wir eine klarte drucken lauen as tonet auch nicht viel." Friederike backte nach. ..Es ist ziemlich egal. meinte sie. Nur muß die Anzeige erst abgehen, wenn wir schon verheirathet lind, oder meinetwegen an demselben -ilUlC. CO J Ja wohl. Sonst denken sie am Ende gar noch, daß wir was zur Hochzeit ge ichcnkt haben wollen. Ich danke." Er schlug sich an die Stirn. Tas ist auch wahr! Ich bm ganz troh, daß ich war., was ich zu thun habe. Es hat mich schon alle die Tage bedrückt." ..llnd ich denke, Tu schreibst ganz kurz : Hcrzlicbcr Bruder, so und so. Ich theil' Tir s und Tcincr Frau Gemahlin nur mit. damit Ihr's wißt und weil es sich so schi.lt. Mit schuldiger Achtung Tein Bruder Arnold oder so ungefähr." ..Wir werden es schon zusammen fertig bekommen." rief cr vergnügt. Tas Aufgebot war beim Standesamt bcfcrgt worden. Wäre Arnolds Meinung allein maßgebend gewesen, so hätte man sich auch mit dem Eheschluß vor dieser Be hördc begnügt. Aber Friederike verlangte die kirchliche Trauung. Es mag ja auch so halten," sagte sie, aber eine ganz richtige Ehe gibt das doch nicht. Geht's noch zo glatt man kann immer nicht wis scn. wozu man dcn licbcn Gott noch ein. mal braucht. Es ist auch gar keine Hoch, zeit, wenn man nicht in die Kirche fährt und die Orge! spielen hört." .,(3ib nach."'rieth Angcrstein. die Wci. ber hätten nun mal daran. Mei.: Himmel, es kommt mir nicht so groß d'raus an. versicherte Arnold. Ich meinte nur, weil wir's doch nicht so für uns allein haben können, wie die reichen Leute, sondern im Tutzcnd antreten müs. scn" Von der Predigt behalt' ich doch wenig. bemerkte Friederike, und dcn Segen kriegt jedes Paar für sich extra. Ich hab' mir's angesehen." &i dem angesagten Tage war dann eine Glaokutsche bestellt, in der sich ein Baron nicht u fahren geschämt hätte. Auf dem Vock saß neben dem Kutscher ein Lohndle ner in schwarzem Frack und wcißbaum. wollenen Handschuhen. Ein zweiter Wa gen holte den anderen guten Mann ab; Angcrstein setzte sich dann zu ihm. In der Kulfchc nahm neben Arnold FrauAngcr stein Platz. Sie fuhren zum Ncnelbla:tscheu Hause. Tort stieg Arnold aus, um kic Braut und deren Schwester abzuholen. Friederike hatte cin neues schwarzes Kleid angezogen und über den langen weißen Schleier cin Myrthcnkränzckcn gesetzt. Tas blonde Haar trug sie ganz so einfach ge scheitelt wie. immer. ie sah allerliebst aus. Herr Nesselblatt hatte gewünscht, daß sich das Paar von ihm verabschieden komme. Ehe sie zu ihm gingen, steckte Friederike Arnold etwas in die Westentasche Er griff mit der Hand darnach und bekam eine Kette zu fassen. Sie mußte an etwas Schwerem befestigt sein, das wohl eine Uhr sein konnte. )la nu !" rief er. was ist denn das? Tas Geld hat gerade noch dazu g reicht, sagte Friederike, verschämt mit den Augen blinzelnd. Eine Uhr mußt Tu doch haben. Aber denke nur nicht, daß die Kette von Gold ist! Vielleicht später einmal, wenn wir so übermüthig sein tön. nen." Er brachte vor Verwunderung und Freude gar kein Wort heraus, drückte ihr nur immer wieder die Hände und schüttelte den Kopf. Nun komm aber," mahnte sie, die Pferde dürfen nicht so lange stehen. Herr Nesselblatt entließ sie mit einem warmen Glückwunsch. Es ist mir gar nicht bange, lieber Berkcn,"' sagjc cr. daß es Ihnen gut gehen wird. Sie haben eine sehr tüchtige Frau. .Tas will ich meinen," rief Arnold' und ich hab' sie mir redlich verdient! Tie Förmlichkeit auf dem Standesamt war schon am Tage zuvor erfüllt. Man fuhr gleich zur Trauung in die Kirche und dann zu Angcrsteins, wo der Hochzcits. tisch gedeckt war. Tie beiden Kinder hat ten im zweiten Wagen Platz gefunden und waren in die Kirche mitgenommen. Eine freundliche Nachbarin besorgte die Mahl, zeit: eine slcischsuppe mit gequollenem Reis, eine süße Speise und einen Gänse braten. Mitten auf der Tafel stand cin großer runder Konditorkuchcn, zu jeder öcitc eine Flasche deutscher Schaumwein. Tiese Herrlichkeiten kamen auf Rechnung der Angersteins : sie hatten sich dcn Kuchen und Wein zur Hochzeit nicht nehmen lassen. Als man beim Essen war, kam Nesselblatts alte Köchin, steckte dcn Kopf durch die Thür unö reichte ein Päckchen cin. Ter Herr schicke das. Sie mußte natür. lich eintreten und ein Stück Kuchen essen. Indessen löste die junge Frau dcn Bind fadcn und wickelte das graue Papier ab. Herr lLott. das ist ja 10 schwer." bemerkte sie wiederholt, die Einlage auf der Hand wiegend. Es kamen sechs große silberne Eßlöffel und zwölf Theelöffel zum Vorschein. Aus den Stielen war I. B. und die Iahrcszabl eingravirt. Jricdcrikc Berkcn." erklärte die Eousine. Ach ja wahrhaftig." sagte sie ganz gerührt. Der gute Herr.... Es ist ja viel zu viel ; und von massivem Silber ! Herr Gott, wenn wir dcch nur immer zu essen haben möchten l Na, für gewöhnlich kommen die nicht in Gebrauch. Man wird nur immer Angst haben, daß sie einem gestohlen werden." So was ist für den Nothfall immer gut," scherzte die Alte, darauf gibt jeder Jude was. Man that ihr den Gefallen, kräftig zu lachen. Ta ist auch noch ein Brief bei uns abgegeben," setzte sie hinzu. Hier an Herrn und Frau Berkcn. Es war eine Dame da. die fragte, ob die Hochzeit schon gewesen sei. Sie hätte das Aulaevvltn der SeumSL flcten uuv nar

so ungefähr ausgerechnet. Tann ließ 'sie den Brief zurück." Arnold öffnete etwas zaghaft und zu gleich neugierig. Im Eouvcrt lag eine Karte mit Goldrand und einem ckbld chen, das ein Füllhorn voll Blumen und Früchten darstellte. Es stand darauf ge schrieben: Besten Glückwunsch sür's ganze Leben aus aufrichtigem Herzen Ulrike." Arnold brauchte sehr lange Zeit, die zwei kurzen Zeilen zu lefen. Er lächelte verlegen, da cr merkte, daß alle Blicke cr wartungsvoll auf ihn gerichtet waren. Endlich lehnte sich Friederike auf seine Schulter und sah ihm auf die Hand. Was haben wir denn da bekommen?" fraate sie. Er hielt ihr das Alättchcn hin. Sie stutzte. Ach, die !- Und aus aufrichtigem Herze fügte er hinzu. Friederike dachte einen Augenblick nach. Es kann doch fein," sagte sie dann. Gc gen das Fräulein war sonst gar nichts zu sagen, nur daß sie für Dich Sie hat's gewiß auch schon selbst längst eingesehen. Und cs ist doch recht hübsch und anständig, daß sie uns gratulirt. Jede thäte das nicht." Er wendete dcn Kopf nach ihr zurück und gab ihr einen herzhaften Kuß. Und jede nähm'S nicht fo freundlich an," sagte er. Es hatte geschienen, als ob einWolken schatten über die sonnige Landschaft huschte, etzt war cr schon wieder verschwunden. Man blieb bis zum Abend in heiterem Gespräch zusammen. Dann wurde Lotte nach Hause geschickt, da Herr Nellelblatt sie doch vermissen könnte, und der gute Mann begleitete sie. weil sie sich in der fremden Stadt noch nicht allein zurccht fand. TaS junge Ehepaar erlaubte sich etwas später eine Droschke. Der Schleier und das Kränzchen waren in einen Karton gepackt, die Gratulationskarte dazugelegt. Arnold bekam ihn zu tragen. Tas Päckchen mit den silbernen Lösscln behielt Friederike selbst in der Hand. Du könntest es am Ende im Wagen liegen lassen," meinte sie; Du hast auch noch die Briefe in den Ka stcn zu werfen." So fuhren sie nach ihrer hübschen Woh nung. In demselben Jahre noch wurde Arnold Berkcn Werkmeister in der Tischlerei der Ncsselblatt'fchen Fabrik. Er bewährte sich in dieser Stellung aus's Beste. Es ist bekannt, daß Nesselblatt kürzlich verstorben ist und cin schr merkwürdiges Testament hinterlassen hat. Er hat darin eine Stiftung zur Erbin eingesetzt. Diese Stiftung ist die Fabrik, in welcher stets die Gesammtheit ihrer Arbeiter nach einem vorgeschriebenen Etatut als Unternehmer gelten und den Gewinn, soweit er nicht dem Reservekapital zufließt, im Verhältniß der verdienten Löhne theilen soll. Ein Euratorium, in welchem gewählte Vcrtre ter der Arbeiterschaft Sitze und Stimme haben, führt unter der obersten Aufsicht einer richterlichen Behörde die Verwaltung. Der Werkmeister Arnold Berkcn nimmt darin eine angesehene Stellung ein. Ende.

Neue Nuinenstadt. In der indischen Grenzstadt Peschatvar'sind auf afghanischem Gebiet einige Bauern bei der Bestellung ihrer Felder auf Trümmer gestoßen, die sich bei näherer Prüfung als Mauerreste einer verfallenen Stadt erwiesen haben. Der Gouverneur des Bezirkes besichtigt den Platz und fand die Ruinen einer großen Siadt; außerdem wurden einige Goldmünzen zutage gefördert, deren Inschriften bisher jedoch noch niemand zu entziffern vermochte. Bejahrte Leute der Umgegend berichteten, daß nach der Ueberlieferung in der Nähe eine große Stadt von Kafiren (Ungläubigen) bestanden habe, die schon seit langer Zeit zerstört sein soll. Der Sage nach wäre in den Ruinen der Schatz der Kafirenkönige vergraben. Die gefundenen Goldmünzen befinden sich vorläufig im Besitz des Emirs vsn Afghanistan. H Preisboxer im Parlament. In Moutecitorio geht es, wie aus Rom gemeldet wird, im allgemeinen viel gesitteter zu als in gewissen hohen Häusern am schönen blauen Donaustrand. Immerhin fehlt es auch hier nichb an gelegentlicher Abwechselung. Jüngst zum Beispiel spielte sich im Postraum des, Parlaments eine Szene ab, die an den historischen Hahnenkämpf des Gickerich und Gackerich erinnerte. Die Abgeordneten Fulci und Arigo. beides feurige Siziliancr, begegneten 'sich und, da sie sich schon längst gegenseitig am Zeug flicken wollten, entspann sich sofort eine gewaltige Keilerei, die mit Bozen be gann und mit einem allgemeinen Ringkampf endigie. Schließlich wälzten sich die edlen Kämpfer sammt dem stämmigen Pförtner, der sie zu trennen versuchte, zappelnd auf dem Boden. Beide Onorevoli haben blaue Augen, geschwollene Nasen und sehen aus wie geschundene Raubritter. Die schönen Römerinnen, für die der Ono evoli Fulci seinerzeit als UtiterStaarssektttär so heftig inklinirte, wer'den an ihrem Frauenlob unter so tanen Umständen wenig Freude haben. Vier Tage hilflos allein. Der in der Nähe von Edcn. Minn.. ansässige Farmer Ole T. Lund zog sich aus oem Felde infolge, eines Sturzes einen Beinbruch zu. Er konnte noch in sein Haus kommer. und sich zu Bett legen. ' Dort ist er vier Tage lang, ohne Hilfe und ohne Nahrung unter großen Schmerzen und von Durst und Hunger geplagt, gelegen, bis zwei Knaben aus der Nachbarschaft zufällig in die Nähe des einfam gelegenen Hauses kamen und den armen Mann in seiner schrecklichen Lage fanden. Die Knaben verschafften ihm sofort Hilfe von den Nachbarn. Sei der Trelbsagd. .San denn dös so guete Schützen, Sirgl, daß D' glei' mit 'm Leiterwagen nachfahren mußt, um 'S Wild aüfzupacken?" A woher, da kommen die angeschossenen Treiber 'tfl

Ein kostbares Spitze nhäubchen ist in Wien nach einer Be kanntmachung der dortigen PolizeiDirektion gestohlen worden. Es ist eine alte, venezianische Arbeit aus dem 16. Jahrhundert, 17 Centimeter. hoch, 16 Centimeter breit. QUs wei ßem Garn und Goldfäden genäht mit unregzlmäßigemMuster aus stilisirten Blumenranken, in der unteren Abschlußbordüre eine Wellenranke mit größeren Blumen. Wie werthvoll das Häubchen ist, geht daraushervor, daß auf seine Herbeischaffunz. eine Belohnung von 500 Kronen ausgesetzt wurde. --JmZuchthaus zuRatibor wurde der Strafgefangene Masur, 'der im Zuchthause mit GemüseTodtschlags verbüßt, wegen renitenten Benehmens dem Anstaltsdirektov vom Oberaufseher Sauer vorgeführt. Im Zimmer des Direktors zog Masur, der eine 15jährige Strafe wegen putzen beschäftigt ist, plötzlich das Schälmesser aus dem Aermel seiner Anstaltsjacke, warf sich auf Sauer und versetzte ihm mehrere Stiche. Sauer und der gleichfalls im Zimmer anwesende Hausvater Haja zogen so--fort blank und machten Masur kampfunfähig. Er wurde hierbei schwer verlejt.' , Ein schwerer Unfall ereignete ' sich dieser Tage im Stadttheater zu Thorn. Als der Maschinenmeister Wolff gelegentlich der Probe zu Eine tolle Nacht" nochmals den Kanonenschuß, die Glanznummer in dem Stück. Probiren wollte und sich selbst aus -dem Ge' schütz schießen lieH, riß die Leine, an der er in die Höhe gezogen wurde. Er stürzte aus beträchtlicher Höhe in das Orchester hinab. Der Verunglückte, der kurze Zeit besinnungslos war, trug bei dem Sturze außer' einer Gehirnerschütterung schwere , Berletzungen am Kopf davon und mußte sofort in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Ein merkwürdiger Unfall ist vor einigen Tagen einem Staar in Mörs, Rheinprövinz. zugestoßen. Oben auf dem Schornsieine eines Schulhauses zankten sich mehrere Staarenmännchen um ein Weibchen, wobei eins in den dunklen Schlund des Schornsteins hinabfiel, aus dem es sich nicht wieder erheben konnte. Eine in einem Zimmer des Hauses unterrichtende Lehrerin vernahm kurz darauf ein Geräusch in der Ofenwand, das dann auch in der Ofenröhre und im Ofen auftrat. Als die Dame behutsam die Thür, zur Feuerung öffnete, flatterte zum nicht geringen Erstaunen der Schüler ein fast völlig erschöpfter Staar heraus, der ohne weiteren Schaden zu nehmen die Reise vom Schornstein durch die Ofenröhren gemacht hatte. Nicht um einen Mord, sondern um eine grobe Fahrlässigkeit, handelt es sich bei einem Vorfalle in Eisenach, dem der Bauarbeiter Gro zum Opfer fiel. Drei junge Leute von dort, unter denen sich der 23jährige Forstakademiker Johann Eggert. aus Bremen befand, wollten sich im Garten einer Villa mit einem Revolver im Schießen üben. Eggert nahm die geladene Waffe in die Hand und feuerte nach der Thür einer für die Bauarbeiter errichteten Retirade einen Schuß ab. In demselben Augenblick ertönte aus dem betreffenden? Raum ein lauter Aufschrei. Als die jungen Leute hinzueilten, fanden sie den Bauarbeiter Groß, in einer großen Blutlache liegend, sterbend auf. Er befand sich in der Retirade bei der Arbeit und war durch den Revolverschuß tödtlich verletzt worden. Als', der sofort herbeigerufene Arzt eintraf,, war der Unglückliche bereits verschi:--den. Der leichtsinnige Schütze konnte nur mit Mühe von einem Selbstmord zurückgehalten werden; er wurde verhaftet und wird sich wegen fahrlässiger Tödtung vor Gericht zu verantWorten haben. Ein sehr hübsches Erlebniß. wobei auch der gesunde VolksHumor zu seinem Rechte kam. hatte ein Straßenbahnschaffner in Hannover. Beim Bahnhof stiegen Morgens 6 Uhr zwei 'ältere, anscheinend sehr erregte Damen ein und verpflichteten den Schaffner mit großer Wichiigkeit, er möge sie- doch ja benachrichtigen, wenn sie bei der Thierärztlichen Hochschule seien. Bei der Thierärztlichen Hochschule angekommen, ließ der Schaffner halten und zeigte den Damen die Hochschule. Beide sprängen wie .elektrisirt auf und schauten ' unverwandt nach den Gebäuden. Als der Schaffner schließlich fragte, ob die Damen denn nicht aussteigen wollten, antwortete die eine seufzend mik bekümmerter Miene: Ach nein, jetzt ist es genug! Und die andere erklärt mit thränenerstickter Stimme: Nein! In diesem Gebäude ist gestern unser Liebling, unser süßes Hündchen, gestorben, und wir wollten nur das Haus sehen". Gleich darauf ließ sich die Baßstimme eines mr im Wagen anwesenden Maurers hören, der, zu den Damen gewandt, äußerte: Un dabie hebbet Sei noch nich emal Swart antrecket?Dieser Ausspruch rief, ein schallendes Gelächter der übrigen Fahrgäfte hervor. Die beiden Damen aber stiegen an der nächsten Haltestelle aus.