Indiana Tribüne, Volume 29, Number 220, Indianapolis, Marion County, 10 May 1906 — Page 5
Jnvkcma Tribüne, 10. Mai 1906.
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Sie dTudjt nach lüorpsrocöc. Humoristische C .Zhlung, von W. Pcrgrr. ' (Schluß.) . H Und nach dem nächsten Gange erwiderte Schimmel darauf in Numxels Namen geradezu musterhaft, nämlich tiefbewegt- und mit der Versicherung, daß er und seine liebe ZZrau den heu tigen Tag als den Höhepunkt ihres Lebens in ihren Herzen roth anstreichen würden.- Und als er dann am Schlüsse Frau Rumpel umarmte, und ihr, die nicht wußte, wie ihr geschah und aus Höflichkeit stillhielt, einen Ku aus kie Lippen drückte, da brach ein Jubel aus, wie er in WorpSwede seit Gründüng des Torfes im Jahre 1597 nicht gehört worden war. Bis dahin hatte Murken sich bei der Bedienung mit mäßigem Eifer bctheiligt, eigentlich nur dadurch, daß er halbleere Weinflaschen mit großer Geschicklichkeit verschwinden ließ und sie durch volle ersetzte. Jetzt aber, angcsteckt von der auflodernden Begeiste rung, ergriff er seine alte Trompete wieder und blies aus vollen Backen das Kavalleriesignal Zur Attacke," als ob er sich noch auf dem Felde der Ehre bei Gravelotte befände. Der Schlaf Friedemann Numpelö war nicht mehr lief genug, als daß er diesem Weckrufe hätte widerstehen können. Erschrocken fuhr der Nendant empor und besann sich, wo er sei und was um ihn her vorgehe. Allmälig wurde ihm klar, daß man unten im ""Hause seine silberne Hochzeit feiere. Da legte er sich beruhigt wieder zurück. Aber in den Nebeln, die noch seinen Kopf erfüllten, arbeitete diese Erkennt
'riß . weiter und erzeugte die Borste!lung, daß er doch eigentlich mit dabei sein müsse. Ein dunkles Pflichtgefühl trieb ihn aS dem Bett. Noch taumelte er, als er auf den Füßen stand, und mußte sich festhallen. Er sah nach der Uhr, die auf dem Nachttischchen lag; eö war nach sechs. Unmöglich! Lorsichtig schritt er zur Thüre und öffnete sie. Nun hörte er deutlich den Lärm der Tischgesellschaft. Eine Erinnerung dämmerte in ihm auf, als ob er vor kurzer Zeit seinen Schwager und seine Schwägerin gesehen habe. Auch seine Kinder. Er stieg die Treppe hinab, ohne gewahr zu werden, daß er in einem Malerkittel steckte und Vantofsein an den Füßen trug. Und so er schien er eine Minute später in der Thüre des SpeiscsaalS mit ungeordneten Haaren und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf das Schauspiel, das sich ihm darbot. Eornelia erblickte ihn zuerst und schrie aus, als ob sie eines (Feistes ansichtig geworden wäre. Dann stürzte sie auf :u: Mein Gott, Friedemann, lehft Du aus!" und begann, iht. die Haare zurecht zu strelchen. Noch war sie damit beschäftigt, als ihn mit lautem Halloh die ganze Gesellschaft umringte. Im Nu hatte man ihn zu dem Ehrenplatze geschleppt, der bis dahin von Schimmel so würdig ausgefüllt worden war. Wie er sich befinde? Was er essen, was er trinken wolle? So stürmten von allen Seiten die Fragen auf ihn ein. Friedemann Rumpelndem der Kopf noch brummte, kam sich vor, als sei er in ein Tollhaus gerathen. Selbst Frau und Kinder erschienen ihm in fremder Gestalt. Endlich heftete sich sein Blick auf seinen Schwager Blankenspeck, der, im Vollgefühle der Sättigung phlegmatisch auf seinem Stuhle verharrend, den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht darstellte. Besorge mir Selterswasser, Johann," bat er. Wenn ein Mensch, dem das graue Elend eines Katzenjammers aus allen Poren ltrahlt, jn . eine Gesellschaft hineinschneit, die sich in der Nachtischstimmung befindet, dann wirkt er gar leicht wie ein dämpfendes memento mori. In einem solchen Falle ist es immer am Besten, wenn man sich den unbequemen Mahner an die Vergänglichkeit irdischer Freuden so rasch als möglich aus den Augen rückt. So'thzten denn auch die in der Kunst des Lebensgenusses erfahrenen Maler. Ein Festgenosse nach dem anderen stahl sich hinaus ; sogar die Numpel'schen 5!ln der machten, sich . nach , kurzer Zeit unsichtbar. Ihr Weizen blühte anderswo. Lerse war die Parole aus gegeben worden: Zum Kaffee in den Garten des Silbernen Nejhers. Und dort fand sich die Schaar der Entwiche nen bald zu fernerem löblichen Thun zusammen. ' Stille und leer war es um Friede mann Numpel geworden, als er die zweite Flasche Selterswasser anbrach. Mit heimlichem Acrger erkannte er die Situation, worin er sich befand. Erimmia wies er seine Frau zurück, die von Fragen nach seinem Befinden überfloß. War sie doch diejenige gewesen, die ihm den Portwein aufgenöthigt hatte! Schaffe mir meine . c ? t I r. i ieioer iroaen zurucr, cauiu iaj riiuji langer aussehe wie ein Anstreicher(melier Herr chte er sie an. Und Eor nelia eilte diensteifrig von bannen. mit der. schlimmen Ahnung, daß für die Kleider noch nichts gethan worden sei. Eine unüberwindliche Sehnsucht nach tause ergriff den bedauernswerthen ilberbräuligam. Wann fahrt Ihr zurück?" fragte er seinen Schwager. Aber Johann Blankenspeck gab keine Antwort : er war sitzend eingeschlafen. Friedemann nahm Selterswafser und Glas und pflanzte sich vor der HauSthüre auf. Murken. um strich ihn
lauernd in einiger Entfernung; er spckulirte auf den Nachdurst des PaHeuten. Doch keine Bestellung lohnte seine Ausdauer. Numpel brütet' giftig vor sich hin. Was hatte er sich dicht Alles von diesem Ausfluge versprochen! Und nichts, aber auch gar nichts davon war eingetroffen. Auch hier hatte er sich dem Belieben Fremder fügen müs sen; keinen Augenblick war ihm die Freiheit geblieben, zu thun und zu lasjen, waser wollte. Ja, wird denn überhaupt in der klettenartig zusammenhängenden Gesellschaft, in die wir modernen Menschen hineingewachsen sind, Jemand erlaubt, seine eigenen Feste zu feiern? Sind es nicht immer Ändere, dle natürlich in des, er Absicht den Jubilar frühmorgens beim Schöpfe nehmen und ihn unter einem fortwährenden Geknatter von Ehrensalvcn durch den festlichen Tag Hetzen, bis ihm endlich der Krampf des verkindlichen Lächelns von den Lippen weichen und er seinen eigenen Menschen wieder anziehen darf? Und es gibt noch immer harmlose Seelen,' denen solche Vergewaltigung Genuß bereitet Menschen, die der schlechteste Weihrauch in cinc süße Betäubung versetzt große Kinder, di: auch in der konventionellsten Phrase den warmen Pulsschlag spontanen Gefühls zu hören meinen ! Diese Betrachtungen, die Apamantus, dem Hausphilosophen des Timon von Athen, Ehre gemacht haben würden, hatten zur Folge, daß .Friedemann Numpel sich seinen Hut holen ließ, ilm schräg aas den Kopf setzte, eine Eigarre ansteckte und, die Hände in den Taschen, davonschlenderte. In seinem sarbenbeschmierten Malerkitte! fühlte er. sich so sicher vor standcs-
gemäßer Behandlung, wie weiland der Kalis Harun al öcaschld, wenn er ,n Derwischlumpen die Gassen Bagdads beschritt. Er brauchte nicht zu fürchten. daß ein Worpswcdcr ihn als den Mann erkannte, der gekommen war, um rm Moor seine silberne Hochzeit zu feiern und bei diesem Unternehmen Fiasko erlitten hatte. UeberdieS schlug er sich bald seitwärts in die Felder, wo er allein mit der ?!atur war der Natur, die noch niemals einem Menschen widersprochen hat, der seine Empfindungen in ihr zu sindcn glaubt. Immer schräger fielen die Strahlen der Sonne auf Gerechte und Ungerechte in Worpswede. Und endlich empfahl sie sich gänzlich, mit' einer Verspätung von vicrundzwanzig Minuten nach mitteleuropäischer Zeit. Da erwachte Joharm Blankenspeck mit steifen Halsmuskcln, und sah sich vor einem kahlen Tische. Alle Spuren des Banketts waren verschwunden; Frau Murken, unterstützt von ihren Mägden, hatte, unbekümmert um das nickende Haupt des Schlafenden, im Saale die gewöhnliche Ordnung wieder hergestellt. Woabcr befanden sich die Festgenossen? Alle r mit einander im Silbernen Reiher," berichtete Murken, der dieses abgesprengte.Küchlein nicht aus den Augen verloren hatte und jetzt plötzlich den struppigen Gnomenkopf durch das offene Fenster hineinsteckte. Die Gesellschaft trieb im Garten die wildesten Spiele, als. der Fleischermeiste? dort anlangte. Es war ein Lachen, Rufen und Kreischen ein Ueberschäumen der reinsten Lebensfreude, als ob alle die brennenden Zeitfragcn, die nach der täglichen Versicherung der Presse lähmend auf allen deutschen Seelen lasten, in das Paradies des Silbernen Reihers .nicht hineinkönnten. Siegfried Zorn neckte sich mit Polly, und die Augen der beiden jungen Leute verriethen, daß sie Wohlgefallen aneinander fanden. Und Hans Numpel wußte immer noch nicht, cb die Klara im blauen oder die Laura im rosa Kleide seinem Ideale einer Volksschullehrerfrau am nächsten käme, und haschte abwechselnd nach Beiden, wenn er Blindekuh war und unter der Binde hinweg eine der Farben schimmern sah. Nur die beiden Frauen saßen abseits in einer Laube. Biet zu sagen hatten sie sich nicht. Sie sahen daö junge Volk umhertollen und begriffen nicht, wie man in dieser .. Welt voll Sorgen noch so lustig sein könnte. Ach Gott! die sollten 'mal erst fünfundzwanzig Jahre lang in der Tretmühlc täglicher Arbeit sich abgerackert haben, dann würde ihnen auch das Springen vergangen sei. ! So meinte Frau Blankenspeck und ihr Seufzer wurde zum Gähnen, da der entbehrte Mittagsschlaf ihr immer noch schwer in den Gliedern lag. Johann Blankenspeck trieb zum Ausbruch ; für ihn hatte Worpswede keinen Reiz mehr. Aber wo war Friedemann Numpel? Mit einem Wolfshunger, sonst aber seelenvergnügt, war er in das Mur ken'sche Gasthaus zurückgekehrt. Wäh. rend er seine inzwischen getrockneten Kleider wieder anzog, wurde ein kalter Imbiß für ihn aufgetragen. Glücklich war er, daß er das Nest gänzlich leer fand. Er fragte auch nicht, wo die Festgenossen weilten, sondern knotete sich eine der' riesengroßen Servietten aus dem geschnitzten Leinenschrank der Frau Murken um den Hals und begann mit einer behaglichen Sammlung zu speisen, wie sie dem schwergeprüften Manne wohl zu gönnen war. Und zu Murkens Freude ließ er sich auch eine halbe F'.asche Rheinwein kommen und genoß mit Augen, Nase und Zunge bedächtig die edle Gottesgabe, wie es sich für einen knapp besoldeten Beamten geziemte, der sie sich nur selten gönnen kann. So- traf ihn sein Schwager,, der mit
den beiden Frauen ausgezogen war, ihn zu suchen. Als Friedemann hörte, daß der Braune angespannt werden und dem heimischen Stalle zugetrieben werden sollte, erklärteer, daß Eornelia und er die Plätze seiner Kinder einnehmen würden. Wie Ihr wollt," erwiderte Blankenspeck uttd gab Murken den Auftrag, den Wagen vorzuführen. 'Ihm war eö einerlei, wer mitfuhr, wenn er nur rechtzeitig in's Bett kam. Eornelia indessen machte Schwierig leiten. Die Kinder allein lassen unter dem leichtsinnigen Malcrvolk, das schien ihr doch bedenklich. Waren sie doch jetzt schon aus Rand und Band und namentlich der Hans kaum wiederzuerkennen. Und dann: die Schule! Wie sollte HanS es anstellen, morgen früh um acht Uhr am Platze zu sein? Den werde ich rechtzeitig abmclden," sagte Friedemann. Sein Borsicher ist kein Unmensch. Mach' Dich nur fertig. Alte; es hilft Dir nichts: Du mußt mit. Und vergiß Deinen Korb nicht! Als Numpel auf den Wagen kletterte und sich'S neben seiner Frau bcqucm machte, befand er sich in rosenfarbener Stimmung. Er lachte vor sich hin und stieß Eornelia an: Was blies der Postillon gestern Abend, als wir ein fuhren? Dieser ahnungsvolle Postknccht!" Und während er im Abfahren den' Hut schwenkte, dem Ehepaare Murken den letzten Gruß zuwinkend, begann er zu singen: Wer niemals einen Rausch gehabt." Vergebens ergriff Eornelia seinen Arm und rüttelte ihn. Aber, Friedemann, was werden die Leute von Dir denken!" Der Mann war nicht zum Schweigen zu kriegen. Und vor jedem Worxswcdcr, der am Wege stand, lüftete er den Hut wie ein Fürst, der sich von seinen loyalen Unterthanen nach genossenen Ehren verabschiedet. Der Wagen hielt vor dem Silbernen Reiher" und die Gesellschaft strömte auö dem Garten herbei und schaarte sich um die Abreisenden. Da ermannte sich Friedemann zu einem Abschiedswort. Er erhob sich und entblößte daö nunmehr wohlfrisirte Haupt. Meine Herren Malers!" begann er, und alle die plappernden Schnäbel schlössen sich. ES war mir eine unvergeßliche Feier, die Sie uns bereitet haben. Meine Frau und ich danken Ihnen herzlich. Und wir bitten Sie allcsammt, uns am Sonntag über acht Tage die Ehre Ihres Besuchs zu schenken Hier zog Frau Eornelia den Redner so heftig am Rocke, daß er auf den Sitz zurückfiel. Eine Sekunde fpäter war er jedoch wieder emporgeschnellt und wiederholte: Die Ehre Ihres Bcsuchs zu schenken. Kommen Sie möglichst früh und bleiben Sie möglichst lange mehr kann ich nicht sagen. Für daä Ucbrige wird meine grau sorgen. Auf ein fröhliches Wiedersehen!" Johann Blankenspeck schnalzte mit der Zunge, der Gaul zog an, Friedemann wurde nochmals auf den Rücksitz geschleudert, und Hochrufe der rasch zusammengeströmten Menge begleiteten den davonrollenden'Wagcn... Langsam senkte sich die Nacht herab und löschte den Tag vollends von der Rolle ohne Ende, auf der die Zeit über
ihre Schritte Auch fuhrt. Die Luft war voll von Dunst, nur die .Sterne erster und zweiter Größe brachten noch mühsam einige Strahlen . hindurch. Die matt blinkenden schmalen Gräben, die an, beiden Seiten die Landstrane säumten, zeichneten den Weg in daö Dunkel, der zur fernen Stadt führte. In die tiefste Einsamkeit waren die Reisenden getaucht. Wie vom Leben losgelöst und auf sich zurückgewiesen. Keiner sprach, nicht einmal Eornelia, die doch noch eine Menge auf dem Herzen hatte. Aber die geheimnißvoll webenden Schauer der Nacht schlössen ihr die. Lippen. Nach einer halben Stunde sing sie an, zu frösteln. Da rückte sie dichter an ihren Mann heran und flüsterte: Mich friert so, Friedemann." Und er legte den Arm um sie und zog sie an sich. Es war Alles, was er für sie thun konnte. Weiter, immer weiter trabte der Braune. Mechanisch, wie im Sblafe. Noch eine halbe Stunde verging. Da erschien am östlichen Horizont ein bleicher weißlicher Schimmernder Erde und Himmel schied. Gleich darauf wuchs das Silberhorn des abnehmenden Mondes in die Helle hinauf und nach einigen Minuten hing es scharf umrissen im unendlichen Raume und erzählte mit seinem blassen Lichte von der nächtlichen Wanderung der verschwundenen Sonne. Der alte Trabant unserer Mutter Gäa er ist unser Reiscgenosse, unser Freund, unser Tröster.. Durch ihn ruft uns in der Nacht die Sonne zu: ängstigt Euch nicht, ich scheine noch und komme wieder. Nur hat der Mond ihr goldenes Licht in Silber umgewechselt und .mir müssen mit der geringeren Münze vor lieb nehmen, für die wir keine Wärme einkaufen können. Friedemann Numpel neigte sich zu seiner Frau hinab und agte leise: Ist es nicht merkwürdig? Am Abende unseres Hochzeitstages, als wir von Goslar in die Berge fuhren, überraschte uns , der Mond gerade so wie heute. Und nichts hat sich seitdem an ihm verändert, während wir Eornelchen, wie närrisch glücklich waren wir doch damals!" Ja, das waren wir," kam die Antwort. Wie kann man so etwas nur vergessen! Du wolltest halten lassen und mich in den Wald tragen, um mich ganz allein zuhaben weißt Du noch?" Wollte ich? Für einen iunaen
Uyemann war der Einsall nicht übel. Und Du? was sagtest Du zu dem Borschlage?" Ach Friedemann, ich hätt' . es liebend, gerne gethan. Ich war auch gar nicht bange vor dem pechschwarzen Dunkel, das hinter den rothen Baumstämmen lag. Aber ich schämte mich" . Seltsame Dinge geschehen zu Wasscr und zu Lande, sogar in einem Wagen, worin ein schlafender Fuhrmann neben seiner gleichfalls schlafenden Gattin die Zügel führt! Friedemann 3!umpel suchte und fand die Lippen seiner Frau. War der Mond' daran schuld? Wahrscheinlich. Viel. leicht hätte er gelächelt, wenn sein Gesicht nicht gerade so arg verstümmelt gewesen wäre. An Grund dazu fehlte es ihm wahrlich nicht, dem erfahrenen Beobachter des nächtlichen Treibens der Menschen ans Erden. So Mancher besinnt sich auf sich selbst, den der alte Mond freundlich anblickt, wenn der Thätigkeitsdrang des Tages von ihm gewichen ist, und beugt das Knie vor vergessenen Göttern. Und wenn dann einmal zwei abgekühlte Herzen wieder warm werden und sich .mit dem Seligkeitsgefühl vergangener schöner Tage zu einander neigen, warum sollte da der Mond nicht zufrieden lächeln? Gewiß ist, daß Friedemann Numpel, wenn er, wie er am heutigen Tage noch gerne thut, von seiner Flucht nach Worpswede erzählt, mit der lakonischen Belsicherung zu schließen pflegt ; Aber am schönsten war doch die Rückfahrt." Und dann blickt er zu Eornelia hinüber, rccr.n sie dabei ist, und die beiden alten Leute nicken sich einander zu. Denn einige Jahre sind schon wieder überö Land gegangen, seit Eornelia den Proviantkorb für Worpswede packte. Die alte Postlutsche ist endlich ausrangirt worden und wartet in irgend einer Trödlerremise des gänzlichen Verfalls. Wenn Rumpels jetzt hinausfahren, sind sie bei einem etwaigen Schläfchen vor Stößen und Püffen ganz sicher. Und seit Hans sich aus dem Silbernen Reiher- seine Frau geholt hat das blaue Kleid hat doch gesiegt, wie Eornelia von Anfang an vorhersagte ist im Sommer der Verkehr der Familie Numpel mit Worpswede ein sehr lebhafter. Zuweilen stellt sich dann auch Siegsried Zorn, der inzwischen akademischer Lehrer geworden ist, mit seiner Frau Polly ein, meist mit einem ganz funkelnagelneuen Baby, und wenn der Platz im Silber, nen Reiher" nicht ausreicht, dann ist Murken noch immer bereit, auszuhclsen und zu se'jcr Zeit, Tag und 'Nacht, das'vorhandcne Getränk mit möglichst großem Nutzen zu verschänken. Aber der Schornstein des Murken'schen GastHauses hat seit dem Tage von Rumpels silberner Hochzeit nicht wieder sc hcstig geraucht, obgleich es an Zuzug von Malers" noch immer nicht fehlt. Der größte . Lobredner der Kochkunst von. Frau ivwrken ist JohannBlankenspeck, 'eine Freunde wissen längst, daß keine Suppe, kein Ragout, kein Braten, kein 'Pudding ihm mehr impv' nirt. Er ißt sich zwar immer rcchtschaffen satt, von Allem, was ihm vorgesetzt wird; wenn er aber dann die Serviette aus den Tisch legt, verfehlt er nieinalö, zu. sagen: Es hat -mir ja recht gur geschmeckt, Kinder, aber nehmt mir's nicht übel : am besten ißl man doch bei Frau Murken in Worpswede!" .. . . . Ein Gcwaltmittcl.
In den ersten Jahrzehnten der Dampfschifffahrt waren begreiflicher Weise alle mit ihr verbundenen Kon struktionen, die Schiffe selbst nicht weniger als die Häfen, Docks und sc weiter, von recht mäßigen,' noch unentwickelten Dimensionen. Die Schiffe selbst wuchsen nun von Jahr zu Jahr an Umfang mächtig heran, aber schwer war cs, die einmal auf die Verhältnisse einer früheren Periode zugeschnit tenen Hafenbauwerke gleichzeitig mit wachsen zu lassen, und so lagen denn in den vierziger Jahren alle Rheder, deren Schiffe in Bristol gebessert werden mußten, den dortigen Hafenbehör den in den Ohren, doch endlich die Thore des Bristoler Trockendocks weiter bauen zu lassen. Vergeblich bis einst, es war im Jahre 1844, hinter diesen Mauern , ein nahezu vollendetes Schisf auf dem Stapel lag, wie die Welt noch keins gesehen hatte. -ES war Jsonnbart BrunelS Great Western." Einige der Unteringenieure und Eleven des großen Meisters tarnen nun eines TageS von einer Inspektion des Ricsenschisscs erschrocken und niedergeschlagen nach London zurück, um zu melden, daß das, nach des Meistere eigenen Angaben gebaute Schiff zu breit sei, um die Thore des Docks zu passiren. ES lag hinter den gewaltigen Quadermauern desselben gefangen wie die Maus in der Falle. Brunel nahm die Schreckensmeldung sehr ruhig aus und cntgegnete seinen Jüngern lächelnd': Glaubt Ihr Narren wirklich, daß mir daö eu ist? Die ganz Schifffahrt liegt ja den Perrückcn in Bristol seit Jahren wegen breitere! Tocklyore in den Ohren! Ich gebe Euch mein Wort: jetzt wird man sie breiter machen, denn mein-Schifs wer' den sie nicht dahinter verfaulen las' sen!" Der kühne Spekulant behielt Recht. ES entstand ein großer Lärm, als die Sache laut wurde, die Dock' behördcn sowohl als. die Nheder deö Great Western" wollten Brunel an Hals undKragen, aber die Hauptsache blieb: die Thore des Bristoler Docke wurden schleunig erweitert, und der Koloß schwamm, auf den Tag rechtzeitig, im Wasser.
Allerlei sür's HanS. ' . Mittel gegen Ohren schmerzen. Ohrenschmerzen heilt man durch folgendes Mittel:' Auf eine flocke Baumwolle werden fünf Tropfen Chloroform geträufelt, dieselben in den Kopf einer neuen Thonpfeife gethan und der Dunst durch das Rohr in das Ohr geblasen Enge anbf chiihr weiter Z u machen. Man wickelt die zu engen Glacehandschuhe in ein mit Wasser befeuchtetes weißes Tuch und läßt sie einige Stunden darin liegen. Nachher zieht man sie über die Hände und wird finden, daß sie dehnbarer geworden , sind. Um der Farbe des Leders nicht zu schaden, darf das Tuch nicht zu stark befeuchtet werden. Rußige Töpfe sind mit fettigem Papier auszureiben; man wird über den Erfolg der einfachen Prözedur freichig überrascht sein. Das Salz alSPutz- und Reinigungsmittel ständig zu brauchen, würde nicht rathsam sein, da es dazu zu kostspielig wäre. Im Nothfall aber lassen sich Fettränder aus Kochgeschirr oder der trotz täglicher sorgfältiger Reinigung mit Seifenwasser sich leicht im Waschbecken bildende kaum sichtbare Rand am besten mit Kochsalz enifernen. Man taucht ein feuchtes Läppchen in das Salz und reibt die Ränder damit kräftig ab, spült nach und trocknet ab. Fensterscheiben im Winter. Wenn man im Winter die Fensterscheiben schnell und ohne Anwendung von Wasser oder Schlemmkreide reinigen will, so bediurt man sich 'vortheilhaft des Benzins. Man nimmt davon auf einen reinen Leinenlappen, reibt, von der Mitte der Scheibe ausgehend, das Glas stets, rund und die Rundung immer vergrößernd ab, bis die ganze Scheibe klar ist, und putzt die Ecken und später die ganze Scheibe mit einem ' reinen weichen Tuch 'nach. Die Scheiben werden ganz sauber und blank, und das häßliche Gefrieren" des Wassers fällt fort. Auch Spiegel werden mit Benzin schön blank und sauber. Um Kochkäse anzufertigen, läßt man den abgelaufenen Quark (weißer Käse) einige Tage stehen, bis
er schimmeln will. Dann gibt man ihn mit einem Stück Butter, Salz, Pfeffer, etwas schwarzen Kümmelkörnern und wohl auch gehackter Zwiebel zum Feuer und kocht ihn unter flottem Rühren (er brennt gern an) auf. Je älter dieser Käse wird, um so mehr Wohlgeschmack entwickelt er. FeineSommerschuheaufzube wahren. Der Ort muß völlig trocken fein, damit keine Möglichkeit zum Schimmeln vorhanden ist. Will man dies dem Leder schädliche Schimmeln einerseits und das Sprödewerden des 'Leders andererseits verhindern, zumal man wohl in den feltensten Fällen einen allen Forderungen genügenden Aufbewahrungsort hat, so reibt man das Schuhwerk erst mit Eiweiß ein, läßt es gut eindringen und reibt dann mit Terpentin nach. Die Schuhe bleiben dann tadellos. Kleister für Applikationsarbeiten. Die gute Herstellung des Kleisters ist für das Gelingen einer tadellosen Arbeit vvn besondererWichtigkeit, denn durch schlecht gekochten Kleister können nicht nu, der Auflegestofs, fondern auch alle theuern Zuthaten kerdorhen werden. Man giebt Weizenstärke (nicht Reisstärke) in einen Topf, gießt nur soviel Wasser darauf, als zum Auflösen der Stärke nothwendig ist, und verrührt diese Masse, bis keine Stückchen mehr, vorHanden sind. Diesen Brei. 'gießt man unter beständigem Umrühren internes kochendes Wasser, läßt die Mischung einige Male aufkochen, zieht sie , dann vom Feuer weg und rührt so lange, bis sie vollständig erkaltet ist. Wird da Rühren vor dem Erkalten unterbrochen, so bilden sich kleine-Knöllchen, die später zwischen Papier und Stoff zu liegen kommen und die Arbeit vollständig ruiniren. Gummi soll zu solchen Arbeiten nie verwendet werden, da der damit bearbeitete Theil so ha;t wird, daß man nur mit der aÄergrößten Mühe die Nadel durchstechen kann, und weil der im Gummi enthaltene Zuckerstoff Flecke zurückläßt.Zur Beseitigung von g a l s,s ch m e r z e n trinke man ausgepreßten, klaren Citronensaft. Es ist dies ein einfaches und wirksames Mittel. das infolge seiner unschädlichen ätzenden Eigenschaft selbst in ernsthasten Fällen seine Schuldigkeit thut. Fleckwasser für alle Stoffe, durch dessen Anwendung selbst die zartesten Farben nicht verändert werden, bereitet man auf folgende Weisen 1 Unze gereinigtes Terpentinöl,' 1-10 Unze höchst fein rektifizirter Alkohol und ebensoviel Schwefeläther werden mit 15 Tropfen Citronenöl ' gut zusammengeschüttet und dann in einer verschlossenen Flasche aufbewahrt. Bei Anwendung des Fleckwassers befeuchtet man die Flecke damit, ebenso auch ein Löfchpapier und reibt mit letzterem diese aus. Oder: man nehme .4 Eßlöffel Salmiakgeist, 4 Eßlöffel Alkohol und 1 Eßlöffel Salz, schütte das Ganz in einem Glase tüchtig durcheinander und wende eö mit einem Schwämme oder wollenen Lappen an. vttt dieser Flüssigkeit kann man alle ksett- oder Oelflecken .'s. v. cru2aschen. Flke von Harz und Tfret attf Auch müssen erst mit Butt ertast werden. ....
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