Indiana Tribüne, Volume 29, Number 218, Indianapolis, Marion County, 8 May 1906 — Page 6

Vogcler's KlettenWurzel Oel - zur Beförderung des Haarwuchses, und zur Verschönerung,Erhaltung uud Wiederherstellung der Haare.

c,,r,,,avt ist Vtifrcl fin vit uikuitvvttvii - probte und bewährte Natur Mittel rühmlichst bekannt. Die von vielen Aerzten ausgestellten Gut pfehlungen über dessen Güte. Kraft und Wirkung überheben uns allen ferneren Anpreisungen. Tas Klettenvurzel Del reizt die Kopshaut zu neuer und gesunder Thatigkeit an, reinigt sie von Cchors und Schuppen, verhindert das Ausfallen und frühe Grau werden der Haare, heilt die Krankheiten, die oft auf dem Kopfe erscheinen und erzeugt einen schönen und neuen Haarwuchs. Auch giebt es dem Haar ein üppiges, alän zendes Ansehen wie es noch durch kein' anderes Mittel dieser Art geschehen ist. PrelS, Lvcdie Flasche.1 Sn allen Apotheken oder direkt von 8t. Jacobs OiljLirnited, Baltimore, Md. New York Denti&ts 07 1 D. Wash. Str., zwischen Saks und New I? York Laden, über Wörner-GehringS. Keine!Furcht vor Schmerzen Nervöse Leute können ihre Arbeit schmerzlos mit unserem elektrischen Patent und Somnoforme machen lassen. Für Zähneausziehen, güllungen und anbringen einer ttrove ohne Schmerzen stnd dieselben ohnegleichen. Ob ei sich um die Fällung eine Zahne? oder um die Ausziehung von zwanzig handelt, der Preis ist im Bereich vo Jedermann, der gute Arbeit zu würdigen weiß. Treiundvierzig Ofsicen in den Ber. Staaten. Be, un bezahlen Sie für Jbre Arbeit nnr einmal. Eine schriftliche Garantie für ?ehn Jahre. Schlechte ZSdne verursachen Unverdauichkett und Maaenbeschmerdcn. Ter Preis für gute Zähne ist: M,chinknrbeit 5Z : Hndi,rdit;5; müsse pssn odex kein Bezablung; Kronen und Brück,nrbei,. I 4 , 3 ; 19 k, ; 3t , $5: Gold Füllung. ?5e ufmärt ; Silber öve. Sprechen Sie vor und wir werden Ihre ZZdne unentgeltlich untersuchen und Ihnen im Borau jagen wa die Arbeit kostet. Ofsice-Stunden von 8 bis s Uhr ; Sonntag? von 10 bis 3 Uhr. Eisenbahn-Fahrgelder werden für 25 Meilen erlaubt. Wir warnen gegen abnär,te die Unmöglichkeiten anzeigen. Gold ist Geld. Neuer Phone 5987. LEO LANDO, 142 ST Pennsylvania Str. Hauptquartier für Brillen Operngläser Drillen werden nach den besten Methoden den Augen azepaßt. festliche Augen werden schmerzlos ei, gesetzt. Qerzre. Dr. LEO EEßBERT Wiener Arzt. ; Haut-,Geschlechts'U.Nervell!raNkielteo 10 OZt Ohi Strabe-,ter Floor. NeutS Tel. 444. vrechflundeu. i-4. 7-SZlbendl. Dr. Paul F. Martin, vraktischer klrzt und hlrnrg. Sprechstunden: 11.00 .so t.30 4.00 täglich Snntag : of.Berabredung. WNloughby Gebäude, ord Meridian traße. Tel., Main 4414. Wohnung: 1205 Rrd RewZJersey Str. Telephon: Maln 59; New SU. Ht. j. A. Sutcliffe, Wundarzt, ' HUsch!echts, Urin nnl&eclnn Arankheiten. Vtttt : 155 Unkt Gtu Tel. S4I 0tfxntii norit Er.:ini4 nt Dr. Carl Q. Winter Deutsche? Arzt. ehaeU alle akute nd'chronischIraytUe. GtnitU NbtNOattsnuS, Nectur: und Franen'ttrankh eiten. Office: 14N)eft Ghio Straße. MRceCfambcn : 1011 Vm. 34 N. Ccssfc;i: 9.30--10.30 Sm. Tel. neu. Oeusg: 1250 Nadise Vveuue Zdt: nt,2023. Neu, 9282.

O

Optiker

Neich gefreit.

von M. öton. (Schluß.) ''es Abends wurde in der ersten $ci stets mujizirt, das heißt Schübcll sang, und seine Frau begleitete ihn. Doch ihr Interesse für diese ästhetischen $e nüsse begann bald ;u erlahmen. Sie suchte Ausflüchte. Am liebsten häkelte sie. Sie konnte dann stundenlang gan; still dasitzen, den endlosen Streifen vor sich. Ihre friedensvollen Gesichtszüge verriethen, daß ihre Gedanken nicht abirrten in gefährliche Gefilde. So gab sie ein erquickendes Äild häuslicher Tugend. Daß eine Tugend, aus die Spitze getrieben, zum Uebel werden könne, diese Erkenntniß sollte Schubert erst später gewinnen. Amalie und Gertrud lernten einander kennen, doch begegneten sie sich mit einem gewissen Mißtrauen. Sie hats ten zu viel Gutes von einander gehört, und das verstimmte sie. Wohl lam man an manchen Abenden zusammen; es wurde abzi da weder gelacht noch gescherzt un) am allerwenigsten geküßt. Nur bei einem blieb es: beim G.'sang. Amalie fand das ewige Begleiten recht langweilig und spielte manchmal mangelhaft, worüber Schüberl sich ärgerte, was dann wieder zur Erheiterung des anderen Paares beitrug. Man konnte aber nicht sagen, daß diese Symposien besonders erbaulich gewesen wären. Ich begreife nicht, was Ihr an dieser Amalie findet!" pflegte Frau Gertrud nach der Trennung von dem Freundespaar zu ihrem Gatten zu sagen. Es ljt reln nichts an ihr! Zum Auswachsen ist sie mit ihren ewigen frauengeschlchten!Amalie eiferte indessen in ähnlicher Weise. Es ist wahrhaftig ein schwaches Vergnügen für mich, zu FlunkS zu gehen und die Ueppigkeit und Verschwendung zu sehen, in der sie leben. Ich kann mir keine solchen Toiletten kaufen wie die Flunk; ich kann auch nicht den ganzen Tag müßig sitzen wie sie. Bei. mir heißt es: tüchtig nach Allem sehen und sparen! Ich bin nun einmal so und nicht anders." Schüberl seufzte. Ja, das merkte er; so war sie und nicht anders. Aber er wollte nicht schmälen; er wollte dem lieben Himmel dafür danken, daß er ihm so ein tüchtiges, braves Weibchen geschenkt. Die allsonntäglichen Zusammen fünfte am Mittagstisch des Einen oder des Anderen begannen auch für die Freunde allmäliq an Reiz einzubüßen. ES war erstaunlich, wie wenig sie ein ander jetzt mitzutheilen hatten. Glücklicher Weise trat die von ihnen längst vorhergesehene Unterbrechung der geselligen Freuden endlich ein. Die beiden Frauen sahen einander seltener und nur in Empiretoiletten. Ich möchte nicht in AmalienSHaut stecken! sagte Gertrud zu ihrem Manne. Die Arme sieht zu elend aus." Gott sei Dank, so jämmerlich wie die Flunk bin ich nicht!" rief Amalie. Sie dauert mich eigentlich," So bemitleideten sie einander in sich selbst erhebender Meise. Mit Spannung sah ganz Schmettau den ' freudigen Ereignissen entgegen. Eines Tages durcheilte die Stadt die Kunde, daß Frau Flunk Mutter eines Knaben geworden sei. Wenige Wochen später ward Herr Schuber! Vater eines Mädchens. Gertrud war stolz auf ihren Sohn ; Amalie ärgerte sich, daß sie nur" eine Tochter hatte. Sie fand nun noch mehr auszusetzen an der Freundin. Der Ver kehr zwischen ihnen wurde immer förm licher und kälter. grau Schüberl ging gan; aus in der Kinderstube. Ihr Mann schien ihr gleichgiltig geworden zu sein. Nur wie eine Fliege summte sie noch manchmal um ihn herum und suchte ihn zu stechen. .Wir müssen nun ernstlich an das Sparen denken, Männchen!" szgte sie, als ihre Tochter ackt Wochen alt war. Ja, liebes Kind, dara". denken wir doch immer, glaub ich " Nicht so sehr, wie ich eö wünschen würde. Dn rauchst noch immer so gute, theure Eigarren, Liebling!" zartelte sie sich an ihn heran. Ich kann doch keine Lustcigarrer, rauchen!" Zwei neue Kravatlen hast Du Dir auch wieder gekauft, eine recht tiberslüs sige Ausgabe! So konntest Du alt Junggeselle leben, vielleicht auch noch als kinderloser Ehemann. Aber nun, da Tu Familie hast " .Du thust gerade, als ob wir Bett ler wären! Ich denke. Du hast dort auch - Er stockte. Vermögen, willst Du sagen? Hast Du vielleicht an mein Vermögen ge dacht, als Du Deinen eigenen Herd gegründet hast? Hast Du mich am Ende gar des Geldes wegen gehe, rathet?" .Amalie! Wie kannst Du so etwaö denken! Du beleidigst mich!" Ein edler Zorn flammte aus seinen Augen. Gut, weil schon einmal daS Wort gefallen ist, will ich Dir gleich meine Meinung sagen. Die Zinsen meiner Mitgift will ich dem Haushalt theil weise zum Opfer bringen, aber daö Kapital wird als nichtbestehend ange sehen. Verstehst Du mich? 'Nie, daö merke Dir, nie werd' ich einen Heller von dem Gelde anrühren, daS meine Eltern für mich unter tausend Entbeh rungen zusammengespart haben. meine guten braveu Eltern! Wenn sie

daS wüßten!"

- Sie brach in Thränen aus. Aber so beruhige Dich doch! Ich habe ja nichts gethan, nichts gesagt." Meine braven Eltern!" Sie that, als ob er ihnen an's Leben gegangen wäre. Heute noch denken Sie nur an mein Wohl und sparen für mich. Und wir leben so in den Tag hinein!" Daö fand er gar nicht. . Ein Beispiel solltenSie uns sein! Sie haben mich schon gefragt, ob wn denn nichts zurücklegten!" Auch das noch! Er gerieth in Wuth. Tas laß Du meine Sorge sein!" rief er. .Die Alten sollen sich um ihr eigenes Geld kümmern und froh sein, wenn ich keines von ihnen verlange. Uebrigens kann auch ich sparen, und ich werde eö Dir beweisen! Von heute an lege ich zurück." Dröhnend schlug er die Thür hinter sich in's Schloß. Wie ein glotzendes Ungeheuer erschien ihm der Reichthum, wenn er kcinem anderen Zweck diente, als gemästet zu werden in liebevoller Andacht und C . 1 1. .i

elojieniautzerung. Einige Zeit später zeigte er seiner Frau zwei Tausendguldenscheine. Sie lächelte ihm glücklich zu. Wie wär's, Liebling," hauchte sie. wenn Du Deine Ersparnisse bei Papachen anlegen wolltest?" Kurze Zeit später begab es sich, das. Flunk und Schüberl, ihrer ehelicheli Freuden herzlich müde, einen Plan faßten. Der Advokat hatte ihn ausgcheckt, der Nathssckretär ihm nicht ohne Bangen, aber eifrig zugestimmt. Schüberl liett im Kreise seiner Familie dann und wann ein Wort fallen von einem fatalen Prozeß, der ihn be schastlge und die unangenehmsten Folgen nach sich ziehen könne. Es wäre sogar nimt ausge chlosien, daß eine dringende Reise mit ihm in Zusam menhana stünde. .Eine Reise?- fragte Amalie, argwöhnisch aufhorchend. elbstveniändlich auf Gerichts kosten!" erwiderte er. Eine ganz ähnliche Geschichte erzählte Flunk. Und wohin würdest Du reisen?" fragte Gertrud, ihn mit ihren großen Augen anblickend. Wohin? Nach einem elenden Nest in der Bukowina. Eine Fahrt, mit den größten Strapazen verbunden. Uebernachten in Dorfwirthöhäusern und fo weiter. Ich würde unter' keinen Umständen erlauben, daß Tu mich be gleitest, aus Rücksicht für Deine Gcsundheit'" Gertrud schwieg. An den geschäftlichen Grund dieser Reise glaubte sie nicht. Dahinter steckte etwas. Vor kurzer Zeit erst hatte Flunk ihr liebe voll zugesprochen, eine Badereise an;utreten, und der heimliche Zweck, den er verfolgen mochte, war nur an ihrem energischen Widerstand gejcheilert. ie wollte nicht von ihm gehen, auch nicht auf Wochen. Schon lange hatte sie den Verdacht geschöpft, in seinem Liebeslcben handle es sich nicht nur um die Vergangen heit, sondern auch um die Gegenwart, und es ezistire irgendwo ein Weib, dem er bei jeder passenden Gelegenheit all' die Schwüre leiste, auf die sie vergeblich warrete. Nun schien ihr der Zeitpunkt gekommen, sein Geheimniß zu ergründen. Einest Morgens überraschten beide Männer ihre Frauen mit der Mlttha lung, daß sie in wenigen Stunden ver reisen mußten; die drohende Fahrt sei unabwendbar geworden. Amalie packte in fliegender Eile SchüberlS Koffer. Wohin fährst Du denn eigentlich? Ich möchte es nur für den Fall wissen, daß ich Dir wichtige Nachrichten zu sen den hätte." Ach, liebes Herz, das laß Du nur bleiben! Die Postverbindung ist zu erbärmlich. In acht Tagen bin ich ohnehin wieder zurück. Hoffentlich wird in dieser Zeit nichts geschehen. (Es geschah ja nie etwas.) Amalie gab sich zufrieden. Du hast gar keine Ahnung, welche ungeheuren Strecken ich zurückzulegen habe!" fuhr, er recht red ellg fort. Heute reise ich zum Beispiel die ganze Nacht hindurch. Ich werde kein Auge schllenen. daö weiß ich schon. Dafür will ich recht fleißig an Dich denken und an unser Mauser! !" Er war gar so zärtlich. ES schien ihr Nicht recht aeheuer. Die Reise wird Dich doch sicher sein Geld kosten, nicht wahr?" Im Gegentheil, ich verdiene noch eine Menge, denn ich verrechne dann mehr, als ich ausgegeben habe. Das nennt man Diäten, mein Engel r Er saß schon im Wagen. Noch ein zärtlicher Kuß, ein Winken mit dem Taschentuch, und wea war er. WaS er nur hatte? Er schien so verändert. Kopfschüttelnd ging Amalie zu ihrem .Mausert." Es dauerte nicht lange, da pochte eS an ihre Thür. Frau Flunk trat in's Zimmer, sehr . r . oieim, ieyr erregr. .Gertrud, Du? WaS führt Dich her?" rief Amalie er chrocken. Seit Wochen hatte sie die Freundin nicht gesehen, sie waren um einer gering H.f .X. ki!f f. 3m ff 1 o . i. (wyiycu uiuujc uiiiku iu ycticr zzeiN0' schaft auseinander gegangen. Still! Ist kein Lauscher in der Nähe?" fragte Gertrud. Vor Allem laß uns Alles vergessen, was uns getrennt hat ! Wir müssen uns versöhnen, verstehst Du? Wir müssen!" Um GotteS willen, was ist denn aefchehen?" . Amalie bei der Hand fassend, sagte Gertrud langsam, beinahe feierlich: Unsere Männer betrügen uns!"

Was?" schrie Amalie auf. Sie betrügen uns!" benarrte Ger

trud mit der gleichen Entschlossenheit. .Ich hab' cS schon lange gemerkt, daß etwas nicht in Ordnnna ist mit meinem Mann. Daß auch der Deine ein er barmliches piel mit Dir treibt, hab' ich nicht gewußt. Aber es ist so und nickt anders, und hör' mich an: hat er Tir nicht schon vor Wochen von einer dringenden Geschäftsreise gesprochen?" W ja Hat er Dir nicht gesagt, daß er in unwegsame Gegenden reist, in Gegenden ohne PostVerbindung? Hat er sich nicht Deine Briefe verbeten, Alles unter dem Vorwand jener Wüsteneien, in welche die Pflicht ihn führe?" Ja, das stimmt Alles Alles Nun siehst Du, mein Mann hat mir dasselbe erzählt, und schändlich angelogen haben uns Beide ! Sie sind in kein elendes Nest gereist und noch viel weniger in Geschäften, sondern einzig und allein zu geheimem, verbreche rischem Vergnügen!" Zum Vergnügen?" kreischte Amalie. .Heute sind sie nach Wien gefahren, von dort gehen sie nach Pest und weiß Gott wohin. Ach, Amalie, ich bin zu unglücklich! Was sollen wir thun?" Weißt Du nicht, wo sie absteigen?" Das weiß ich." Und da fragst Du noch? Da gibt es nur ein Mittel: ihnen nach mit dem nächsten Zug. Wir wollen ihnen die Maske vom Gesicht reißen. In ihrer ganzen Erbärmlichkeit sollen sie vor uns stehen !" Ja, Tu hast Recht,' wir wollen ihnen nach! Nur so können wir hintei ihr Geheimniß kommen!" Aber wie hast Du ihre Schliche entdeckt?" rief Amette, bei der die Neu gier die natürliche Oberhand gewann. Frag' mich jetzt nicht! Der nächste Zug geht in zwei Stunden. Wir tref' sen uns auf dem Bahnhof, und unterwegs erzähl' ich Dir Alles!" Die Reisevorbereitungen waren rasch beendet. Bald darauf saßen beide Frauen in einem Koupe der ersten Klasse, so innig befreundet wie nie in ."-t r v? l ? c ihrem 'eoen, inoen oie oompsenot Lokomotive sie der Aufklärung oder einer möglichen Verwickelunz immer näher führte. Gertrud erzählte, auf welche Weise sie hinter die Lüge ihres Mannes gekommen war. Von ihrem quälenden Argwohn geleitet, hatte sie ihn seit Wochen nicht aus den Augen uelazsen. Eine wachsende Fröhlichkeit in seinen Wesen schien ihr zu bestätigen, daß ein längst ausgeheckter Plan seiner Ver wirklichung entgegenreife. Gestern kündigte Flunk ihr seine Abreise an. Nun war sie mehr denn je auf ihre: Hut und ließ ihn auch nicht rnehr aui. dem Bereich ihrer Ohren. So war e ihr heute früh gelungen, ganz deutlich die Weisungen zu hören, die er sei' nem Beamten in seinem Zimmer er theilte. Wichtige Nachrichten telegraphier Sie mir vor der Hand nach Wien, Hotel Excelsior. Später nach Pest. Ich werde Ihnen darüber noch ver traulich schreiben." .Sehr wohl," hatte die Bedienten seele erwidert. .Ich reise mit Herrn Schüberl. Alsc vor der Hand Hotel Ecelsior, wie ge wohnlich !" wiederholte ihr Mann. Diese Worte erregten einen Sturw von Empfindungen in Gertrud. Flun! war als Bräutigam nie dort abgestie' gen, des wußte sie. Jene Bemerkung bezog sich offenbar auf eine frühere Zeit. Daß Schüberl seinen Freund be gleitete, war ein gramrendeS Ver' dachtsmoment gegen den Nathssckretär. Einer wie der Andere!" sagtk Amalie empört. ES dämmerte bereits, als der Zuc in Wien eintraf. . Die große Stadt öffnete ihre Augen. Den beiden Frauen ward es recht bang und schüchtern zv Muthe; ihre anfängliche Energie hatte einer gewissen Beklommenheit Platz gemacht. Sie kamen sich so verlassen vor, so eleno, so betrogen. Gleichgiltig liefen die Menschen an ihnen vorbei. Gertrud schwankte einem Fiaker zu, Amalie folgte wie gebrochen. Hote! Efceisior," sagten sie schüch tern, Eine nach der Anderen. . Der Portier schellte, als ihr Wagen vorfuhr. Die elegante Gertrud mit ! l . r. rs. i t.L. lyrem oorneqmen Panogepaa mamie einen vortrefflichen Eindruck auf der Zimmerkellner. Auralke hielt er für ihre Kammeriungfer. Befiehlt die Dame ein oder zwei Zimmer?" Ein Zimmer,- erwiderte Amalie. Der Kellner dachte : Eine Künstlerin Mit ihrer Ge ellfchaftsdame. Wünschen die Damen auf ihrem Zimmer zu soupiren?" Ja da heißt nein!" nahm nuv Gertrud das Wort. Ach bitte, können Sie uns nicht sagen, ob heute Nach mittag zwei Herren hier angekommen lnd, zwei Herren Ml! blonden Schnurr harten, kahlköpfig?" (SU vermied den Ausorua Matze.) Gewiß! Doktor Flunk und Raths sekretär Schüberl. Die Herren sinc stets un ere Gäste." Eine galante Bekanntschaft, sagte er sich und lächelte in sich hinein. Äeußer lich erlaubt sich ein gebildeter Zimmer kellner nie zu lächeln. Amalie und Gertrud sahen ihn be deutungsvoll an. Sind die Herren, jetzt auf ihrem Zimmer?" forschte Gertrud zögernd. - .Die Herren bewohnen Nr. 42 und Nr. 43," erlaubte sich der geschulte Kellner zu bemerken. .Sie sino jetzt allerdings nicht anwesend!" Nicht? Wie schade ! Sie erwarten

uns freilich erst morgen," sagte AmaUe und fügte hinzu: Es sind unsere Vrüder!" Der Oberkellner lächelte nicht. Er wußte Alles. Können Sie uns nicht sagen, wo sie sich augenblicklich befinden?" Gewiß konnte er das. Er zögerte nur ein Weilchen; er wußte nicht, ob er plaudern durfte. Doch ein Blick auf die beiden reizenden Tamen genügte. Kein Zweifel zu sprechen war hier flicht. Sie soupiren jetzt jedenfalls im

Mugdalenenhof." Gertrud dankte; sie wunte qenua. Sie soupirten! Offenbar soupirten sie nicht allein. Es galt, sie bei d?r That zu ertappen. Ter Kellner verließ mit einer Verbeugung das Zimmer. Bitte, rufen ,e uns einen Fiaker!" rief Gertrud ihm nach. Er nickte, vor sich hin. Da sehe 'mal Einer die Herren aus der Provinz! Lange hatten sie sich nicht blicken lassen, die beiden Lebemänner, aber die alten waren sie geblieben. Gertrud kleidete sich rasch um. So elegant, so schön wie möglich wollte sie sein; in den Grund bohren wollte sie die Nebenbuhlerin. Amalie blieb einfach, wie sie war. Eine halbe Stunde später fuhren beide grauen durch die beleuchteten Straßen. Sie hatten keine Ahnung, wo das Restaurant mit dem vielsagcn. den Namen sich befinden mochte.. Daß es in zweideutigem Ruf stehen mußte, war ihnen klar. .Hier gilt es, keck aufzutreten!" sagte Gertrud. Mit Schüchternheit erreicht man nichts !" Endlich hielt der Wagen in einer abgelegenen Gasse. Die ganze Beleuchtung schien sich vor einem Palast zu konzenlriren, neben dessen rasfinirter Eleganz die einfachen grauen Häuser ringsum wie. griesgrämliche Tanten aussahen, die sich um eine schöne, geputzte Frau drängen. Mil hochklopfendem Herzen betraten die Freundinnen ein Vestibül von blendendcr Pracht. Ein großer, breiter Korridor lag vor ihnen, in !en zahllose Thüren mündeten wie die Zellenpfortcn in den Klostcrgang. In diesen Zellen jedoch schienen keine Trappisten zu wohnen, fröhliches Gelächter, Scherz Worte, auch flüsternde Stimmen klangen aus ihnen hervor. Schwarzbefrackle Kellner liefen akschäftia bin und ber und öffneten belmtsam die eine oder andere der Thüren. Dann blickte noch hellerer Glanz durch die Spalten, man sah Gold und Farbenpracht, bunte Genien an der Decke und rothen Plüsch an den Wänden. Unschlüssig standen beide Frauen ein Wellchen da; sie wußten nicht, wohin, nicht, an wen sie sich wenden sollten. Ein Kellner mit den Gesichtszügen eines verschwiegenen Diplomaten erblickte sie endlich. Haben die Damen vielleicht ein Zimmer bestellt?" fragte er. Nein," sagte Gertrud muthig. .Aber es sind Bekannte von uns hier zwei Herren" und wieder gab sie die Personenbeschreibung. Und auch dieser Mensch nannte ihre Namen! Amalie gab eö einen. Stich, Hier, an diesem kostspieligen Ort war Schuber! wie zu Hause! Hätte der Kellner eine Ahnung ge habt, wen er vor sich sähe, nur über seine Leiche wäre der Weg in rene cdämdrö z)anioullere gegangen, in der soeben die beiden Gatten ahnungslos wie in guter alter Zeit Austern aßen und Champagner tranken, überglücklich. allen Freuden der Häuslichkeit entronnen zu sein. Welche Pläne sie nicht schmiedeten! Mas sie am nächsten Tage, an demselben Abend noch Alle anfangen wollten! Wie sie sich zu vergnügen gedachten mit ihren alten Freunden in dieser famosen Stadt. Der Besuch der Hofmuseen stand nicht zu oberst auf ihrem Festprogramm. Frei wollten sie wieder einmal sein, selig frei, so, wie sie es jene ganzen unvergeßlichen Jahre hindurch gewesen, ehe Flunk sich in daS Beobachtungszimmer versetzt sah, und Schüberl für seine Schwiegereltern zu sparen begon nen hatte. Wie trefflich hatte ihr gelungener Streich sie den ganzen Nachmittag unterhalten! Wahrhaftig, sie hatten die Vergnügungsreise brillant lnzene s.csetzt,.mit der sie sich für alle Ehestandssorgen belohnen wollten. Zwei Tage gedachten sie in Wien zu bleiben und dann nach Pest zu gehen, nach dem schönen, heileren Pest. Dort war eben die Millenniumsausstellung, einGrund mehr, um auf tausendfache Vergnügungen zu hoffen. Schon klang eö wie Zigeunermusik in iyren Ohren. In Pest wollten sie bleiben, so lange es sie freute, und dann auf einem kleinen Umweg über die Bäder der Hohen Tatra in Gottes Namen heimkehren zu den liebenden Gattinnen. ES war ganz ausgeschlossen, daß diese jemals hinter das Geheimniß der Geschäftsreise" kämen. Sie wußten nicht einmal, daß ihre Männer Schmettau zu gleicher Zeit verlassen harten, denn sie verkehrten nicht mit einander. . .Ein Hoch auf ihre Freundschaft! Wir wollen sie warm halten !fc lachte Flunk und trank Schüberl zu. Namenlos vergnügt waren Beide. Schüberl fühlte sich genau so glücklich, wie er es als Bräutigam gewesen, nur aus dem entgegengesetzten Grunde, und Flunk seliger als je im Leben; denn die gniheil, die er sich heute errungen, hatte er früher als etwa Selbstver stündliches hingenommen. Sie waren eben beim vierten Dutzend Austern arzgelangt, als der

Kellner, in dem Glauben, den heiteren Junggesellen eine ungeheure Freude zu

bereiten, die Thür weit öffnete. Wie eine Geutererscheinuna starrten die b:idcn Männer Amalie und Gertrud an, die in schwesterlicher Vercinigung vor ihnen standen. .Amalie sah mit Augen, in welchen der Zorn glühte, auf die Auslern. Gertrud hatte keinen Blick für das. was aus dem Tische stand. Auch sie war erstarrt, aber über anderes. Als dtt Kellner die Thür aufriß, halte noch ehe Flunk sie erblickt ein Ausdruck von Seligkeit auf seinen Zügen gelegen, den sie noch nie bei ihm erschaut. Kein Weib war hier, keine Geliebte, und doch dieses verhimmelte Glück! Was war das nur? Endlich fanden die Männer ihre Sprache wieder. Gertrud! Wie reizend! Welcher liebenswürdige Einfall!" Amalie, mein Engel ! Tas ist aber wahrhaftig zu nett von Tir!" Die beiden netten, liebenswürdigen Frauen ließen sich schweigend wie die Nonnen an dem Tisch dr Männer nie' der. Denen war aller Appetit vergällgen. Das bestellte Souper wurde fast unberührt vorbeigetragen. Ihr bleibt Mi Tage in Wien?" fragte Amalie, wie einem plötzlichen Einfall gehorchend. .Wenn Ihr es wünscht!" sagte schüberl galant. Und geht dann nach Pest?" fügte Gertrud hinzu. Allerdings," bestätigte Flunk, durch diese gründliche Kenntniß überrascht. Wir hatten die Absicht" Ueber das Antlitz der beiden Frauen glitt ein eigenthümlicher Ausdruck. Schüberl ahnte nichts Gutes. - .Wir werden Euch selbstverständlich begleiten!" rief Amalie. Wirfehnen uns ohnehin schon lange nach einer kleineu Reise, nicht wahr, Gertrud?" .Gewiß!" Nun, dann ist ja Alles in schönster Ordnung !" rief Schüberl und heuchelte Freude. Auf silberner Platte brachte der Kellner die Rechnung. Die beiden Männer zahlten; dann erhob man sich und ging nach Haufe. Mit seinem innerlichen Lächeln sar. der Oberkellner im Hotel die. zwei Paare ankommen. Wie sehr aber erschrak er, als er in den Damen die rechtmäßig angetrauten Gattinnen der vermeintlichen Hagestolze anerkennen mußte. Es war ein schwerer Schlag sül ihn, und er hatte das dunkle. Gefühl, eine große Dummheit gemacht zu haben. Kaum war hinter dem Paar Schüberl die Thür Nr. 42 in's Schloß gefallen, als es zu der Auseinandersetzung kam, die der Nalhösekrelär vorausgesehen. Doch Amalie halte sich getäuscht, wenn sie einen überführten, kleinmüthigen Mann vor sich zu sehen ge hofft. In beleidigtem Stolz hob sich der Gatie vor ihr empor. Schämst Du Dich nicht?" rief er. Nachspionirt hast Du mir es ist eine wahre Schande! Hast Tu so wenig Vertrauen zu mir? Weißt Du nicht, daß es Berufsgeheimnisse gibt, die um nichts in der Welt, nicht einmal dem eigenen Weibe preisgegeben werden dürfen? Ein solches Geheimniß hat mich hierher geführt, mich und Flunk. Wir haben hier wichtige Nachrichten vorgefunden, die unsere Weiterreise unnöthig erscheinen ließen.- So wollten wir nur ein Glas Ehampagner auf Euer Wohl leeren und morgen nach Hause zurückkehren. Wenn wir trotzdem mit Euch nach Pest fahren, so bringen wir Euch ein großes Opfer, das könnt Ihr uns glauben!" Auf Nr. 43 gab es keine Vorwürfe. Gertrud schwieg. Nur ihr ernster Blick ruhte auf dem Gatten. Und dieser Blick sagte: O, Flunk, in Deiner Seele gibt es fürchterliche Geheimnisse! Wann werd' ich sie ergründen?" Eines war ihr klar geworden: das Glück in ihm lag außerhalb des Weibes. Am nächsten Tage besuchte Schüberl mit Amalie seine Schwiegereltern, und Flunk führte seine Frau in die Hofmuseen. Auch mit dem trefflichen Onlel traf er zusammen. Junge!" rief dieser, hielt ihn weit von sich und blickte ihn durchdringend an. Wie ausgewechselt bist Dn. Schad' um Dich! Ich hab'S jagesagt!" . In .FlunkS Auge stahl sich eine Thräne. Der Ausflug. nach Pest ließ viel zu wünschen übrig. Die beiden Freunde athmeten auf, als sie endlich nach Schmettau zurückkehrten. Sie dachten an keine neuen Vergnügungsreisen mehr. Ihre Frauen waren selbstständig und reich genug, -ihnen bis an's Ende der Welt folgen zu können. pftwo. Bürgermeister: ...Und was für Verdachtsgcünde haben Sie denn eigentlich, daß der Eingelieferte der gesuchte Morder ist? P.o l iz e i b x t n t r : '.Ja hauptsächlich, weil er leugnet daS ist immer verdächtig!

M -