Indiana Tribüne, Volume 29, Number 217, Indianapolis, Marion County, 7 May 1906 — Page 6

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Reich gefreit.

von M. Ston. Flunk und Schüberl waren d!e best. Freunde. Sie lebten in der kleinen Stadt Schmettau, Schubert als Rathssekretar, Flunk als Advokat. -Sie lebten schon ein wenig lange und traten eben in die besten Jahre.- In ihren Er lebmssen herrschte ein seltenes Ueber einstimmen, sogar ihre Glatzen hatten sie zü gleicher Zelt bekommen. Beide befanden steh in geordneten Äerhatlnljseit; Beide liebten Austern und Ehablis und fuhren von Zeit zu Zeit nach Wien, um sich dieser Genüsse aus bester Quelle zu versichern. Flunl war Mlt seinem vooS jrnne den. Seine Kanzlei galt als eine der besten, sein Einkommen mehrte sich, und sein freundliches Gesicht rundete sich voller mit icdem Jahr. (sr sah aus wie Einer, der keine Sehnsucht kannte. Da er Vorliebe für den Sport hatte, hielt er zwei Reitpferde. Diesen LuruS gestattete Schüberl sich nicht. allein auch er war dem Freunde in etwas über: er besaß einen schönen Tenor, und den ritt er bet ieber passen den Gelegenheit in Gesellschaftskreisen vor. So oft er sang, sehnte er sich nach Siebe. Er konnte sich dann einbilden, daß sein Herz einer großen, gewaltigen Leidenschaft fähig sei, cr selber im Stande, ein Weib namenlos zu be glücken. Aber wo sollte er diese Frau finden? In Schmettau lebte sie nicht, das war sicher. Ehrlich gestanden, fragte er außerhalb seiner musika tischen Stunden herzlich wenig nach ihr. Da geschah eines Tages, das Unerhörte: Schuber! verliebte Ztch. Bet einer Soiree in Wien, während die dunkle Sehnsuckt aus seinen Augen und auö seiner Stimme flammte, sah er sich einem reizenden Mädchen gegen über, und dieses wie gebannt ihm lau schen. Daß eine wohlmeinende Tante sie an jenen Platz gewiesen, ahnte er mcht. Er sah nur den ernsten, leuchten den Blick, die rosigen Lippen, die volle. hohe Gestalt. Dieser ganze Zauber der Jugend, mllten in sein Lied gestellt, verfehlte seine Wirkung nicht. Als er spater wie zufällig hörte, welche vnl lante Partie Amalie Strohschneider fei, war es um ihn geschehen. Von Soiree zu Soiree folgte er ihren Spu ren und sang sich allmälig in ihr Herz. Ihre Eltern hatten nichts dagegen ein zuwenden. Sein Glück artete in Parorismus aus, als er eines Tage das Jawort der Gellebten erhielt. Er vergaß voll kommen, daß er sich genau nach ihten Vermögensverhältnissen erkundigt, ehe er sein Herz mit seinem Verstände hatt? durgehen lassen; er vergaß sogar, bafc sie auner zweihunderttau send Gulden österreichische Wahrung noch einen Erbonkel besaß, so ganz erkullt und durchdrungen war er von seinen heiligsten Gesühlen." r umarmte lesen zveenimen in Schmettau, wenn sein Bekanntschafts grad ihm halbwegs das Recht dazu gab. und sang eS immerfort in alle Lüfte: Dein ist mein Herz und soll eS ewig e wlg bleiben ! Am empfindlichsten litt Flunk unter diesen ZärtlichkeitsauSbrüchen. Aus die diskrete Frage nach dem praktischen Slnn dleser Verlobung halle Schüberl nur einen zum Himmel gewandten, ver lorenen Blick. . Ob sie Geld hat? Darnach frag' ich nicht." Natürlich, denn er weiß eS längst! sagte sich Flunk. Die Verlobung des Freundes gab ihm zu denken. Er heuchelte Freude und empfand Aerger. Am melsten ver stimmten ihn Schuberts verzückte Aus rufe: Und wie sie -mich liebt! Wie sie mich liebt!-. Ich möchte wissen, was sie an dem alten Kerl hat!" sagte er sich und ahnte nicht, daß der Neid ihn verzehrte. Er blickte in den Spiegel. Eigentlich sehe Ich viel lunger aus als er! Er nahm einen Handspiegel und be leuchtete seinen Hinlerkops. Mine Glatze lst, wenn man genau zusieht, im RadiuS kleiner als die seine. Jedenfalls hab' ich mich besser kouser virt und könnte eher als er an'S Hei rathen denken.7 Flunk war ein gesuchter Mann. Längst halten alle Mütter von Schmet tau ihre Augen auf ihn geworfen. Er aber liebte seinen Junggesellenstand viel zu sehr, als daß er ie hätte daran denken wollen, jenen Ring sich an den Finger streiken zu lassen, der eine unNchlbare schwere eile nach sich chlcppt. Frei wollte er bleiben sein Leben lang. Doch das plötzlich erwachte Glück des Rathöekretars störte seinen Frieden. Er malte sich die Zukunft aus. Schi, berl sollte in einem warmen Nest sitzerf, verhätschelt von einer zärtlichen Frau. durfte am Ende gar Kinder auf den Knien wiegen und die ganze Familie in Schlaf singen, indessen er, Dr. Felix Flnnk, zeitlebens ein einsamer Hagestolz blieb, an Festtagen gedulde im Hause. deZ Freundes, notabene. wenn er viele Geschenke brachte. E mußte sich plagen Tag für Tag ohne andere Belohnung als emen Ritt in früher Morgenstunde oder einen ein jamen Ausslug nach Wien. Und für wen plagte er sich? Fü irgend welche Verwandte, die irgendwo lebten. Wehmüthig begann er über den un natürlichen Mangel an natürlichen Erben nachzudenken.

.Wie war's, wenn auch ich ?" sagte

er sich. Aber u4 Schmettau und Um gcbung nahm' ich Keine, das steht bombenseit. Jit la well und breit Nlchts Gcscheidtcs!" Darunter verstand er nlcht etwa hervorragende Gelstesgaben, sondern lediglich äußere, auch klingende Voriüae. Vor einem Jahre hatte er bei Be kannten eine junge, sehr reiche Wienerin kennen gelernt; man sprach -ihm damals zu, sich um sie zu bewerben, aber ihm ftel'S natürlich nicht ein. Jetzt erinnerte er sich an sie. Drei Tage spater war er aus dem Wege nach Wien. Bei einer befreundeten Familie trat er Fräulein v. Transki und wurde deren Mutter vorgestellt. Diese, eine rei zende, pikante Frau, geslel ihm Vorzuglich, allein er konnte unmöglich der Mutter den Hof machen. So schwenkte er .noch zur rechten Zeit zur jüngeren Generation hinüber. Gertrud erinnerte sich seiner sehr gut. Er hätte sie nie wiedererkannt, tiat aber, als ob sie ihm unvergeßlich geblieben, und gab ihr zu verstehen, daß es der Zweck seiner Reise gewesen sei, sie wiederzusehen. Es that ihm förmlich wohl, damit die Wahrheit zu sagen. Gertrud war zwanzig Jahre -alt. nachdenklich und überlegend. Sie gehörte zu ienen ihrem Alter stets vorausfliegenden Gejchopsen, die das Erziehunasresultat allzu kindlicher Mutter sind. Unter den Freiern, die ihr bisher den Hos gemacht, hatte kein einziger ihr imponirt. Sie bildete sich stets ein, ihres Geldes wegen begehrt zu werden. Flunk aber war selbst reich, das wußte sie. Es freute sie, auf den vielumworbenen Mann einen unauslöschlichen Eindruck gemacht zu aben. Ihn in den Fesseln der Liebe schmachten zu sehen, erschien ihr versührerisch., Flunk kämpfte indessen einen inneren Kampf. Der Junggeselle wollte sich nicht ergeben und schob von Zeit zu Zeit den sehnsüchtigen Ehemann zur Seite. In solchen Momenten wurde er zurückhaltend, kalt gegen Fräulein v. Tränski und sprach von seiner Abreise. Doch der Gedanke an Schuberts Glück beschwingte wieder den zurückgeschlagenen Ehemann,-, und dieser drängte den Junggesellen in den'Hintergrund. Die Unentschlossenheit in ihrem Belverber ließ Gertrud immer entschlossener werden. Diesen oder Keinen!" sagte sie sich. Eines Tages, um dem peinlichen Doppelspiel In seinem Inneren ein Ende zu:machen, erklärte sich Dr. Flunk. Gertrud legte erröthend und vertrauenövoll ihre Hand in die seine.' Da er seinen Wunsch so widerstandslos ersülll sah, erschrak er. Es tst ein ernster und wichtiger Entschluß, .UM den eS sich handelt, mein Fräulein!" Er hielt eS für seine Pflicht, das unschuldige Mädchen auf den Ernst deS Augenblicks aufmerksam zu machen. Ueberlegen Sie sich ihn wohl!" Ich habe mir Alles genau überlegt!" lispelte Gertrud, ein wenig enttäuscht, daß er sie nicht an's Herz zog. Schon überlegt ! Ich danke. Sie war schneller mit sich einig als ich," sagte sich Flunk. Der SÄritt, den Sie den wir," verbesserte er sich, zuthun im Begriff stehen, ist von schwerwiegender Bede tung für das ganze Leben !" (Er fand es unbegreiflich, wie er so leichtsinnig sein konnte, einen solchen Schritt zu wagen!) .Ader, Herr Flunk, da weiß ich ja Alles!" erwiderte' etwas ungeduldig Fräulein Gertrud. Ich bitte Sie, mein Fräulein, prüfen Sie sich genau! Sic kennen mich noch zu wenig! Sie schmücken mich vielleicht nach sinniger Mädchenart mit Eigenschaften aus, die ich nicht besitze. Ich bin ein nüchterner, pro. falscher Mann." Das gefällt mir gerade!" (Da hat man's!) Das Leben an meiner Seite wird Sie gewiß enttäuschen. Sie müssen wissen, daß ich den ganzen Tag arbeite, denn nur durch meinen gleiß kann ich die Stellung behaupten, die ich mir errungen habe. Ich sire den ganzen Tag in der Kanzlei." Sie bückte begeistert zu ihm auf. Endli ein Mann, der die Zeit nicht todt schlug ! Ich bin oft. halbe Rächte am Schreibtisch " Immer noch die gleiche Begeistcrung. Die Stadt, in der ich lebe, ist ganz unbedeutend. Sie werden keinen gesclligen Verkehr finden, der Ihnen Anregung bieten würde. Die Men schcn sind kleinlich, tratschsüchtig, da Theater miserabel." Es schien ihr Alle gleichgiltig. Richt einmal die Wohnungsverhälinisse werden Sie befriedigen!" Er wußte nicht mehr, was er sagen sollte, sie blickte ihn immer leuchtender an. v Darum beschwött ich Sie, überlegen Sie sich Alle genau ! Ich gebe Ihnen drei acht Tage Bt-dentzeiti-" (nur erst glücklich wieder weg sein)! Sie' aber merkte schon lange, daß er abermals schwankend gewi.rden. Ich brauche keine Bedenkzeit. In drei Tagen, in drei Jahren immer werde ich dasselbe sagen, denn ich liebe Sie!"' ' Der Würfel war gefallen. Gertrud hing an seinem Halse. Mamacher ' überglücklich, daß die

ernste Tochter endlich einen ernsten

Mann gefunden, gab freudig ihren Segen.. Als anerkannter Bräutigam kehrte Dr. Flunk nach Haufe zurück. Die neue - Verlobung machte in Schmettau nicht geringes Aufsehen. Schüberl benutzte die Gelegenheit, den Freund gerührt in seine Arme zu schließen. Na, siehst Du, jetzt bin ich gerade so glücklich wie Du!" sagte der Advokat. Das ärgerte bei aller Freundschaft Schüberl ein wenig. Glücklich sollte ja Flunk sein, aber genauso glücklich, wie er selbst, das war doch gerade nicht nöthig. Flunks Vorzüge schienen ihm nicht darnach. y Ob sie ihn lieben mag?" fragte er sich heimlich. Er sieht eigentlich zu wohlgenährt puS, um Leidenschaften zu entfesseln." Bald erfuhr er selbstverständlich durch Fremde wie steinreich Fräulein v. Transk! sei. Wenn er sich nur nicht durch den Glanz des GoldeS verblenden ließ!" sagte er besorgt. Daß seine Braut ihn vor Allem durch ihre Zisfernsprache gewonnen, war seinem Ge dächtniß vollkommen entschwunden. Diese, sie hieß Amalie, zu Hause wurde sie Mallschi genannt, war seit früher Jugend zu allen häuslichen Tugenden angehalten worden. Ihre Eltern, biedere Fabrikanten, hatten nur einen Lebenszweck: zu sparen, um ihre Tochter dereinst ein stattliches ' Ver mögen zu hinterlassen. Schüberl fühlte sich überglücklich, eine Gattin zu bekommen, die so durch und durch Hausfrau war. Dabei fehle eS ihr durchaus nicht an Verständniß für das Höhere," sagte er sich. Wie lauschte sie seinen Liedern! Einem Paradies ging er entgegen. Er wurde nicht müde, Flunk mit begeisterten Worten die Zukunft aus;u malen. Unsere Frauen werden die besten Freundinnen sein. Des Morgens gehen sie zusammen auf den Markt einkaufen." Das Körbchen kann ihnen vom Mädchen nachgetragen werden. Gertrud lit doch auch häuslich, nicht wahr?" Selbstverständlich," ' versicherte Flunk, obwohl ihm diese Eigenschaft noch nie an seiner Braut aufgefallen war. Die schleppt Körbe!" Na also! Sonntags wird nur in einem Hause gekocht. Kochen Flunks, so sind Schüberlö bei ihnen zu Gaste, und umgekehrt. Zweimal wöchentlich haben wir unsere gemüthlichen Abende, abwechselnd bei dem Einen oder bei dem Anderen. Da wird gelacht, ge scherzt, meinetwegen auch geküßt,' vor Allem aber musizitt werden. Flunk nickte resignirt. Und das geht natürlich so fort, so lange eS geht !" Er blickte den Freund verschmitzt an. Ä0 lange eS geht," bestätigte Flunk. Ihm war nicht so rosig zu Muthe wie Schüberl. Cr. hatte Sorgen, die ihm von Zeit zu Zeit einen Seufzer auspreßten. Wenn er des Abends in feine stille, schöne Wohnung trat, da schnürte ihm ein Gedanke die Kehle zu: Wie lange noch, sagte er sich, und mit dieser herrlichen Einsamkeit wird es vorbei sein! Eine Frau wird auf jeden Deiner Schritte horchen, wird die Stunde Deiner Heimkehr ausfpioniren und am Ende gar vermessen genug sein, Dich mit Vorwürfen zu überhäufen. wenn Du länger ausbleibst, als ihr lieb ist! Doch nein, das wollte er ihr bei Zeiten abgewöhnen. Er war entschlos sen, nicht . ein Jtipfelchen seiner Junggesellenrechte an Frau Gertrud abzugeben. Es sollte eine moderne Ehe werden. Sie durfte thun, was sie wollte, vorausgefetzt, da sie ihm alle Freiheit gewährte, an die er gewohnt war, deren er bedürfte wie der Luft. Dafür wollte er ihr Wagen und Pferde halten, und sie konnten sie munter in dle Umgebung von Schmettau rollen. indeß er aus seinem Fuchs an ihrer Seite oder auchnicht an ihrer Seite hlnauögalopvirte in dle Welt. Wenn nur diese Berlobungszeit end lich vorbei wäre! Er begriff nicht, was Schuveil Entzückendes an lhr fand. Schon das ewige Briefschreiben war ihm eine Last. Nle wollte lhm eine zärtliche Wendung einfallen. Mit den Besuchen bei seiner Braut ging es ihm auch nicht besser. Er suhlte die moralische Verpflichtung, sich von der schönsten, liebenswürdigsten Selte zu zeigen, den Galanten zu spie len, und empfand daher das Verlobtsein wie cine unaushörliche feine Verfiel lung. Seine Braut sah ihn oft so son dcrbar an, als traue sie ihm nicht recht. Sein einziger Trost w.u Mamachen. Mit der ließ es sich gar so heiter plau dern. ' Ihm zu Ehren gab Frau v. Transk einmal eine' kleine Gesellschaft. Aus Flunks Bitten wurden keine Damen eingeladen, nur mehrere Junggesellen und Gertruds Onkel, ein. alter Hagcucit. , v ; - Der Rechtsanwalt fühlte? sich zum ersten Male wohl in dem Hause seiner Zukünftigen; er vergaß beinahe, daß er verlobt war. Sein künftiger Oheim schloß ihn ganz in sein Herz. Daß Flunk in das Joch der Ehe gespannt werden sollte, that dem Alten im'tiefsten Innern weh. Schad' um ihn!" 'rief er beim Abschied. Ewig schad' um ihn!" echote der Chor der Junggesellen, und Flun stimmte ihnen heimlich bei. Während Schüberl immerfort neue herrliche Eigenschaften an seiner Brau entdeckte, suchte Flllnk mit derselben Emsigkeit die Fehler Fräulein, n

Transkiö Charakter zu ergründen. Mit

den Vorzügen, so sagte er sich, lst leicht auszukommen, nicht so mit den Schwachen und Mängeln. Gertrud verrieth eine gewisse Selbst' ständigkeit. Das war ihm ganz recht. Sie wird hoffentlich keine ewige An. lehnung an mich suchen, dachte er.' Unleugbar war ihre Vorliebe für gediegene Eleganz. Sie kleidete sich reich und schön. ' Das war kein Fehler in Flunks Augen. Einen entschiedenen Vorzug jedoch hatte sie: sie malte leidenschast' lich'gern. Mit Vergnügen sah Flun! voran?, daß die Kunst ihr die Einsamseil mancher Stunden verkürzen würde. Es ist immer angenehm, wenn ein künstlerischer Tri:b welcher 5Neman dem schadet, der Einem nahe stünde der Gattin die Zeit des Alleinseins versüßt. , Gertrud hatte sogar schon Bilder verkauft. Das erfüllte ihn mit Stolz. Wenn meine Kanzlei nichts mehr trägt, kann meine Frau durch ihre Malerei Geld verdienen," sagte er zu Schüberl. Sie hat ein Vermögen in den Fingerspitzen!" Das andere, das sie in Staatspapieren besaß, hatte er, in diesem Punkte ebenso zartfühlend wie der Rathssekretär, noch mit keinem Worte gestreift. Schüberlö Hochzeit war ergreifend. Alles weinte, Amalie, der Vater, die Mutter; Schüberl weinte endlich auch. Es war ihm so weh zu Muth wie nie in seinem Leben. Die Eltern legten ihm mlt feierlicher Anrede ihr Einziges an's Herz. Er fühlte die Verpflichtung, die ganze Familie glücklich zu machen. Von der Mitgift wurde aus lauter Rührung gar nicht gesprochen. FlunkSEhrentag war nicht so feier lich und erhebend wieder des Freundes. Mamachen schien aus lauter Freude darüber, daß ihre Tochter einen so trefp lichen Mann bekam, ihre Thränen sieg; reich niederzukämpfen. Da Gertruds Vater längst gestorben war, wollte der Onkel die feierliche Anrede halten, aber sie mißglückte. Es that nichts. Schließlich wußte ja Jeder, um was es sich handelte. Gertrud-sprach ihr Ja mit volltönender Stimme, eine heilige Entschlossenheit in den Zügen. Flunk hätte air liebsten noch vor dem Altar Reißaus genommen, aber es war unmöglich. Hinter ihm bildeten die Hochzeitsgäslk eine dlchtgeschlossene Phalanx. So waren denn beide Freunde glück lich verheirathet. Daß es noch etwas . zu wünscher geben würde, wenn einmal die Kirchenthür sich hinter ihm geschlossen,' hatte Flunk sich nicht träumen lassen. IM doch war es so: das Ende der FlitterWochen sehnte cr herbei. Er konnte sich nicht helfen. Er wai noch immer nicht dazu gekommen, du Maske abzulegen und den nüchternen Geschäftsmann hervorzukehren. Eö galt, immerfort Rücksicht auf seink Frau zu nehmen, und diese ewige Rücksichtnahme war ihm schon in der Seelt verhaßl. Allein, was blieb ihm übrig? Als Gertrud an seiner Seite ir Schmettau eingefahren war, verbarg sie das heimliche Erschrecken, das die kleim Stadt ihr einflößte. Doch ein BlicZ auf diese elegante Frau neben ihm lie ihn den Kontrast erkennen, in dem sie zu ihrer Umgebung stand. Ihm wurdk himmelangst. Cr machte Besuche mit ihr. Sie klagte nicht, aber er sah es ihr an, das es sie langweilte. So beschloß er denn, selbst den Versuch zu machen, sie zv unterhalten, bis sie sich eingelebt haben würde." Das brachte ihn um eiv gutes Stück zurück anstatt vorwärts. ' ES war merkwürdig, wie der Gedanke an sie ihn beunruhigte. Kein t-Pünkt chen wollte er von seiner Freiheit aufgeben UM ihretwillen, und nun be' schäftigte sie ihn den ganzen Tag. Wollte er in seiner Kanzlei länger ali gewöhnlich arbeiten, so brauchte er siä nur vorzustellen, wie sie einsam in ihrem großen Zimmer saß, und um seine gute Stimmung war eS geschehen. Äergerlich klappte er die Akten zu um ging nach Hause. Das Malen schien sie ganz ausgeben zu wollen. Vergebens sprach er ihr zu, rühmte ihr Talent, nannte sie eine Künstlerin. Es wäre ihm eine große Beruhigung gewesen, wenn sie täglich mehrere Stunden lang an der Staf' felei gesessen hätte. Aber sie wollte nichts davon wissen. ES interesfirt mich nicht," sagte sie und fügte geheimnißvoll hinzu: Mich' interessirt anderes." Sie war ihm beinahe unheimlich. Mit ihren großen klugen, ruhiger Klugen sah sie ihn oft unverwandt an. Und in jeder Stube war sie; lautlos trat sie hinter ihn. Wenn er sich umwandte, stand sie ' da, freundlich, lächelnd, und' immer sah er ihren forschenden Blick auf sich gerichtet. Sie schien- nur ein Studium zu haben: ihn und immer wieder ihn! ES kaw ihm vor, als vb er sich in seiner eige nen Wohnung auf einem BeobachtungSzimmer besände. ' - ' Zinst wollte er seine Junggesellen Gewohnheiten aufnehmen und blieb biö in die Nacht in der Weinstube. El hoffte' Gertrud in tiefem Schlafe Ale er nach Hause'kam, fand er sie in seinem Zimmer auf einem Fauteuil sitzen, ohne Buch, ohne Handarbeit. Sie hatte offenbar die ganze Nacht über ihn nachgedacht es war fürchter lich! Er suchte sein Ausbleiben zu eutschuldigen.' :: " ES steht Dir doch frei, so lange wegzubleiben, wie Du willst," sagte sie gütig. ' Hätte sie ihm Vorwürfe gemacht, ti

wäre am nächsten Abend noch spater gekommen, aber ihre Ruhe verwirrte ihn. Er fühlte sich wie in einem Bann. EineS Nachmittags rauchte er eine Cigaire auf seinem Sopha. Diese Stunde war ihm stets die liebste geWesen. So dazuliegen, die blauen Ringe vor sich hinzublasen und nicht Über sie hinauszudenken wie süßerschien ihm das! Und nun hielt seine Frau daraus, ihm za folgen. Sie setzte sich ihm gegenüber und sah ihn an. Das war ihm äußerst lästig. Willst Du nicht ein wenig lesen?" fragte er. Nein, danke. Ich ziehe cS vor, mit Dir zu plaudern." Cr seufzte. Erzähl' mir.doch etwas aus Deinem Leben!" bat sie. - Mein Gott, was soll ich Dlrerzählen!" Er wußte wahrhaftig nicht, welcher Stoff sich für sie eigne. Sag' mir, warst Du ost verliebt?" Was fällt Dir ein!" Erzähl' mir doch die Geschichte Deiner ersten Liebe!" Die war zum Glück sehr kurz. Cr

entschloß sich, sie zum Besten zu geben. Mit dreizehn Jahren verliebte ich mich in die alte Köchin meiner Mutter. Ich versprach ihr die Ehe. Leider kam mein Vater hinter dieses zarte Verhältniß, haute mich durch und jagte die Köchin weg. Das war das Ende." Aber hast Du denn nichts Poetisches erlebt? Ich meine, ob Du nicht auch einmal geschmachtet hast und Dich gesehnt nach irgend einem Ideal?" Kann schon sein. Jedenfalls hab' ich'S vergessen." Sie war ihm recht fade mit diesen Fragen. Ich hab' irgendwo gelesen, daß jeder Mensch einmal in seinem Leben eine große, gewaltige Leidenschaft kennen lernt." So?" Er gähnte. Argwöhnisch sah sie ihn an. Ob diese gewaltige Leidenschast nicht in seiner Vergangenheit lag? Ob er sie nicht täuschen wollte mit der immer währenden Ruhe, die er zur Schau trug? Sie erinnerte sich an die Zaghastigkeit seiner Werbung, und der Verdacht, daß hier fremder Einfluß im Spiele gewesen, der ihn stets auf's Neue von ihr wegziehen wollte, erwachte in ihr, In einer müßigen Stunde durchsuchte sie seinen Schreibtisch, nur um den Schüssel zu dem Räthsel seines Wesens zu finden. Es wäre ihr bei-' nahe eine Genugthuung gewesen, verblaßte Bänder, eine Haarlocke oder vergilbte Briefe zu entdecken. Aber nichts von alledem. Außer einer alten Schnurrbartbinde und einigen NasirMessern enthielt der Schreibtisch keinen Gegenstand von Interesse. Er war ein origineller Mann, ihr Felix. Sein Bücherschrank enthielt eine Sammlung seiner alten Hüte. Einige abgegriffene Romane feine ganze Bibliothek lagen in einer Kiste aus dem Boden. Doch gerade diese markirte Leere in seiner Vergangenheit gab ihr zudenken. Es schien ihr, als ob auf dem Grunde seines Wesens ein tiefes Geheimniß schlummere, und dieses Geheimniß zu ergründen, machte sie sich zur Lebensaufgäbe. Indessen fragte sich , der Rechtsanmalt vergebens, worin eigentlich der Vortheil dieser Ehe für ihn bestünde. Von dem großen Vermögen seiner Frau bekam er nichts zu sehen. Ihr Onkel verwaltete eS und schickte ihr die Zinsen, die sie für ihre Luxusbedürfnisse ausgab. ' Mit der Summe, die er ihr für die Haushaltung zur ' Verfügung stellte, kam sie nie aus. Nach seinen Einnahmen fragte sie ebenso wenig wie nach seinen Ausgaben. Materielle Dinge waren ihr gleichgiltig. Von Schüberlö Himmel lachte indessen die Sonne nieder. Der junge Ehemann entdeckte, noch immer neue Vorzüge an Amalie, als sie schon ansing, über seine Fehler nachzudenken und den mannigfachen Unannehmlichkeiten des Lebens ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Seine Verliebtheit wurde ihr allmälig lästig. Du denkst doch immer an Dummheiten!" sagte sie ihm einmal, als er in die Küche trat und sie küssen wollte. - Verletzt zog er sich zurück. Sie folgte ihm, aber nicht, um ihn um Verzeihung zu bitten, sondern, um ihm zu sagen, daß die Wasserleitung verdorben sei. Das 'war ihm in diesem Augenblick recht gleichgiltig. . Sie muß aber hergerichtet werden!" rief Amalie. ' Soll ich sie vielleicht herrichten?" fragte cr bitter. Darauf zog sie sich schmollend zurück. Er batte wahrhaftig nicht zu viel ge agt, als er Flunk den häuslichen Sinn einer Amalie geschildert. Ihr Sparystem war entzückend. In ihrem Hause, das merkte man auf den ersten Blick, ging nicht das Endchen eines Bindfadens verloren. Kein Brodrestchen, kein Stückchen Zucker durfte außerhalb der verschlossenen Schränke herumliegen, genäschigen Dienstboten eine willkommene Beute. Und wie prächtig wußte sie ihre Zeit einzutheilen ! Sie beschäftigte sich den ganzen Tag. ' . (Schluß folgt.) Mütterttctzer Tochter: WaZ. Herrn Reichhm, dieses alte Scheusal soll ich heirathen? Niemals! Ich hasse ihn. ich verabscheue ihn!? M u t t e r : .Aber. Kind, daö kannst Du ihm ja 'al5 sagen, wenn Du mit ihm verheirathet im .......

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