Indiana Tribüne, Volume 29, Number 216, Indianapolis, Marion County, 5 May 1906 — Page 5
Jndkana Tribüne, Ä Mai IBÖßi
Dio Padrona von Hörgo.
Erzählung vzn Christine Thäler. Inmitten der weiten adriatischcn Lagunen, ico einst die Herrlichkeit der alten' Patriarchcnstädte von Aquileja und Grado in'S Meer versank, liegt eine grüne Insel, Gorgo genannt. Dort erheben sich zahlreiche Obstbäume über Mais und Gurkenfeldern, und dichte Weinranken schlingen sich gleich sam festlich von Stamm zu Stamm. Nur ein einziges Haus steht auf der Insel, ein wetterfestes Gebäude aus Bruchsteinen, doch verwahrlost, wie alle landlichen Behausungen kleiner italienischer Grundbesitzer, derenWohn gebäude allezeit und überall eine mehr malerische als reine Wirkung erzielen. Solch einen Anblick bat auch die Frau, die an einem schönen Herbstabend aus jenern Hause trat und in den zwischen Nebenranken hinlaufenden Weg nach dem Strande einbog. Jtir schwarzes, struppiges Haar hing wirr um das von Wind und Wetter gebräunte, aber merkwürdig schöne Geficht und war am Hintcrkopf zu einem unordentlichen Knoten aufgesteckt. Das graue wollene Tuch, das über das oliJengrüne Kleid' geschlungen war, zeigte mehrere Nisse und nur noch wenige Fransenreste. Indeß trug das Weib an einem abgenutzten Riemen über der linken Schulter ein langläu. figes, mit Elfenbein eingelegtes, prächtiges Naschloßgewehr, ein Erbstück aus alter Zeit. Wenn sonst die Padrona oder Herrin von Gorgo durch ihre Besitzungen schritt, pflegte sie öfter stehen zu blei den, um nach dem Rechten zu sehen. Hier bedürfte ein zartes Väumchen der Ltütze, dort mußte eine allzu tief herabhängende 3!ebenranke um den nächsten Baum geschlungen werden; bald gab es Ungeziefer zu' beseitigen oder ein abgefallenes schönes Stück Obst aufzulesen, bald forderte ein großer Maiskolben oder eine Riesengurke zu liebevoller Betrachtung auf. Heute aber ging Frau Menega achtlos ihres Weges, ganz versunken in frohe, hoffnungsvolle Gedanken. Gestern m ihr alter Bekannter Srego Canon aus Grado mit der Freu , denbotschajt herübergekommen, daß die wFenice," das Schiff, auf dem just vor einem Jahr ihr einziger Sohn Matteo seine erste Seereise angetreten hatte, im T. bester Hafen eingelaufen sei. Und heutet noch vor Sonnenuntergang, mußte er kommen, der treue, brave, geliebte Junge. Canon hatte ihr versprochen, daß er Matteo in feinem Boot nach Gorgo rudern würde, sobald er aus Triest in Grado anlangte. Das konnte erst jetzt sein, da der Triester Dampfer immer spät am Nachmittag im Hasen von Grado einlief. - : " -Wie langsam war der harrenden Mutter der Tag vergangen ! Nun war er endlich da, der ersehnte Abend. Da stand sie nun festgebannt auf dem Ufersteg, den Aufruhr der Erwartung im Herzen und blickte unverwandt nach der Richtung von Grado. Bor ihr breitete sich die weite Lagune mit ihrem tiefen Frieden, ihrem schwer müthigen Reize aus. Jenseits schim merten zur Linken die hohen Pinien von Belvedere, gegenüber dunkelte der schattige Hain auf der Wallfayrtsinsel Barbana und zur Rechten die gegen den goldig strahlenden westlichen Himmel scharf abgezeichneten Umrisse von Grado mit dem hohen, ehrwürdigen Domthurm aus alten großen Zeiten. Bon dorther sollte der ungeduldig erwartete Liebling kommen. Indeß wollte sich auf der ganzen Wasserstrecke kein Fahrzeug zeigen. Spähend stand Frau Menega eine ganze Weile, dann zog sie das alte Boot, das mittelst einer eisernen Kette am Stegpfosten befestigt war, an sich heran und setzte sich hinein. Minute um Minute verrann, und noch immer wollte sich das ersehnte Boot nicht zeigen. Da stemmte die Frau seufzend ihre Gllen bogen auf die Knie, stützte ihr Gesicht mit den Händen und versank, die Augen zu Boden gerichtet in tiefes Nachdenken. Wie viel Schmerz, Angst und Sorge hatte sie doch um ihren Liebling schon ausgestanden! Seine wilde Natur verleitete ihn stets zu tollkühnen Abenteuern. Da er sie alle glücklich bestand, fühlte er sich dazu berechtigt, sie aufzusuchen.. Ganz anderer Meinung war der alte örivai gewesen, der für das im Grunde gutmüthige, aber doch eigenwillige, stolze Naturell seines Sohnes nie das geringste Verständniß gehabt hatte. 'Des Baters'Herrfchfucht forderte unbedingten, blinden Gehörsam, des Sohnes Trotz lehnte sich dagegen auf, und daraus entstand ein unheilbarer Zwiespalt, der dem Knaben das BaterhauS verleidete. Ungestüm trieb eö ihn hinaus,- und die Mutter Ueß ihn ziehen, freilich nur schweren Herzens, aber die Hoffnung, daß eine zeitweilige Trennung von Bater und Sohn die gereizten Gemüther befanftigen würde, erleichterte die bitterc Abschiedsstunde. Indeß sollten sich die Beiden ln dickem Leben nicht versoh nen, denn der alte Crivai starb kurz nach ier Abreise seines Sohnes am Herzschlag und nahm seinen Groll J .... v a- rv a gegen cen ungeoanoiglen Zungen mir in's Jenseits. Was diesen betraf, so hatte er, genau, wie er versprochen, seiner geliebten Mutter regelmäßig geschrieben, aber nur elf Monate lang. In' den letzten vier Wochen war kern Brief mehr von ihm angekommen. .
Dieses unerklärliche Schweigen er höhte jet die Unruhe, der harrender Mutter.. Matteo meinte wohl, es, sei nun. da man sich so bald wiedersehe: sollte, nicht mehr nöthig, zu schreiben. Indeß vermochte diese Vermuthunc die Mutter nur auf Augenblicke zu trö sten und "i berubiaen. mmer wicde: tauchte in ihrer Seele der quälende Verdacht auf, Matteo liege irgendwc krank darnieder. Aber der Kapitän dei 'Fernee hatte ihr hoch und theue: versprochen,, ihren Sohn gleich seinenAugapfel zu hüten. Ware Matteo erkrankt, Cavitano Moreto hätte es ihi ohne Zweifel mitgetheilt. So verrannen zwischen Angst vmt Hoffnung, Trauer und Freude die Minuten. Frau Menega blickte vor, Zeit zu Zeit nach Grado hin. und nur
endlich, endlich zeigte nch aus der spiegelhellen Wasserfläche ein dunkler, be! weglichcr Punkt. lir näherte sich, wurde immer größer. Es war ein Boot, war Canons Boot! Immer deutlicher nahm eö Menega mit ihren zalkcnaugen wahr, doch als das Fahrzeug näher kam, krampfte sich ihr freudig klopfendes Herz schmerzhaft zusammen. Warum saß in dem Boote nur Grcgc Canon? Wo war Matteo geblieben? Heiß stieg ihr das Blut zu Kopfe, es wurde dunkel vor ihren Augen, und ihr Oberkörper wankte hin und her. Sie mußte sich an dem Bootrand krampfhaft anklammern, um nicht umzusinken. Als sich die 'Blutwellen wieder ge. legt hallen, verrictn ihr die Nähe bei Nuderschlages, daß Canon schon, an ihrer cite war. Sie öffnete die .Äugen,' doch nm sekundenlang. Ihr wtld fragender Blick hatte in der ticstraurigen, fast feierlichen Miene des Schiffers eine furchtbare Antwort gelesen. tumm. zog sie ihre schwarzen, buschigen Brauen ' zusammen, schloß ihre Augen und preßte die Linke darauf, o saß sie eine ganze Weile. Canon war an's Ufer gesprungen, um sein Boot heranzuziehen. Jetzt sprang er wieder hinein, setzte sich und betrachtete mitleidsvoll die arme Me. nega. . war feierlich still um sie her, weit und breit kein Ton als -das kaum vernebmlicke Gurgeln und Klatschen des Wassers am Kiel der Boote. Endlich nahm Menega die Hand von den Augen und fragte tonlos:' Ist er krank?" Canon schwieg und sah zu Boden. Menega fragte mit starrem Blick: Ist er todt?" Der Schiffer schüttelte den Kopf. Nein, liebe Äenega hoffentlich nicht," verbesserte er, da er in dem Herzen der armen Mutter falsche Hoff nungen zu erwecken fürchtete. Sagt, was Ihr wißt," befahl Me neqa kalt und rauh, sagt Alles!ianon ciöcr schwieg. 4ja eryov t . t fich, riß ihr Gewehr von der Schulter und rief mit dröhnender timme : . Redet ! Sagt sofort Alles, sonst schieße ich Cuch nieder. Versteht Ihr denn nlcht, dazz ich diese Ungewißheit keinen Augenblick länger ertrage?" Ihr seid immer gleich so aewalt thätig, Menega,- sagte er gutmüthig und furchtlos. Ich wollte Cuch doch nur lchonen.Jch will keine Sckrnunz!- schrie sie mit bebender Stimme. Ich will nur wissen, gleich , wissen, was mit Matteo ist.Je nun," sagte Canon seufzend, ..Euer Wille geschehe' Matteo ist in Trieft nicht angekommen." . . Weshalb nicht?" herrschte sie ihn an. . Weil er verschwunden ist." ' Verschwunden? Das verstehe ich nicht." Ich auch nicht, aber eö ist dennoch so. Cuer armer Matteo ist während der Reise verloren gegangen." ; Unsinn! 'Wer hat Cuch dieses Märchen erzählt? Der Kapitän?" Nein der wollte mir nicht Rede steben. Cr sagte nur, der Knabe sei nicht mehr da, er habe keine Zeit, mir Näheres zu berichtend Damit drehte er mir den Rücken und ging." Und damit habt Ihr Cuch zufrieden gegeben?" Achselzuckcnd erwiderte Canon: Was hätte ich thun können?" Ihm' nachspringen, ihn zu Boden werfen, ihn würgen, bis er Cuch Rede stand! Das hättet Ihr thun sollen. Aber Ihr wäret von jeher ein friedfertiger Tropf, den man an der Nase herumführen konnte, wie man wollte." Und Ihr wäret von jeher maßlos und wild, Ihr habt von jeher nur das Unbändige, Zügellose geliebt zu Cuerm Verderben. Cs hätte Cuch desser gefrommt, wenn Ihr das Weib des friedfertigen Grcgo Canon geworden wäret. Der wilde Mann auf Gorgo und Cuer noch wilderer Sohn lebten nur Cuch zum Unglück." hebten?" schrie sie auf. Matteo lebt also auch nicht mehr? Mein Herzensjungc ist wirklich todt?" Bei diesem weichen Wort, das ihr wider Willen entschlüpft war, schmolz die Härte ihres Wesens. Große Thränen stürzten ihr plötzlich aus den Augen, und krampfhaftes Schluchzen erstickte ihre Stimme. Arme Menega, - sagte Canon theilnahmsvoll, Gott weiß eö, ich hätte Luch den Jungen so gern zugeführt, denn daß Ihr den Viiigi von Gorgo statt meiner nahmt, das trage ich Cuch heute nicht mehr nach. Ich habe es Cuch verziehen, seit ich weiß, daß Ihr durch den Luigi ein unglückliches Weib geworden seid. Wenn wir den Jungen
hätten, könnte vielleicht auch für mich noch Alles gut werden, aber fo " ,. Betrübt ließ er das Haupt auf die Brust sinken. Menega schluchzte unbeirrt weiter. Plötzlich hielt sie inne,' nahm die Hände von dem verwitterten Gesicht, warf den Kopf zurück, alö olle sie ihren Schmerz abschütteln, uud sagte gefaßt und kalt : Noch darf ich nicht weinen. Crst dic Gewißheit, dann die Rache, zuletzt die Thtäncn." . Aber, .Menega," warf Canon vorwursövoll ein.' Wie könnt Ihr von Rache sprechen, da Ihr von keine: Schuld miß:?Laßt das gut sein," sagte sie mit abwehrender Handbewegung, bitter lächelnd. Der Capitano versprach mir. über meinen Jungen zu wachen ; hat cr das versäumt, so soll er es schwer büßen." Mit schauerlicher Ruhe nahm sie die Flinte von der Schulter und zielte, Mortale? im Auge, nach einem vorüberstreichenden Wasscrvogel. Trotz der großen Cntfcrnung fiel der Vogel getroffen in die Lagune. Ihr schießt gut," sagte Canon mit geheimem Schauder. Besser, als dem Capitano lieb sein wild," erwiderte sie kalt. Menega, Menega, bedenkt, was Ihr redet," warf Canon ein. doch sie fiel ihm mit sämeidcnder Stimme inM Wert. Schweigt! Sagt mir lieber, von wem Ihr erfahren habt, daß Matteo unterwegs verloren gegangen ist." Von Vianchini." . Dem alten Matrofen auf Grado?" Demselben. " Wo weilt der jetzt?- , In Grado bei den Scinigen.". . o geht zu ihm,- befahl Menega und zog dabei ihren abgenutzten Geld.bcukel aus der Tasche. Hicr sind zwei antike Goldstücke," fuhr sie ' fort, indem sie zwei seltene Münzen aus dem Täschchen nahm, ich fand sie neulich beim .Umgraben auf dem Acker. Für derlei Münzen geben sie im Mu-
scum von Aquileja ein hübsches Stück Geld. Bianchini soll sie haben, wenn er noch heute zu nur komntt und mir die Wahrheit berichtet." Gut, ich bringe ihn Cuch her," sagte Canon, indem er an's Vanb stieg. Cr machte sein Boot flott und sprang mit einem gewandten :atz hinein. Merkt wohl, rief Menega dem Tavonrudernden nach, er muß noch heute kommen. Ich will nicht warten ! Canon nickte nur und ruderte lüstig weiter. ... Menega sah ihm eine Weile düsteren Auges nach, dann schlug ie mit gesenk sein Haupt den Weg nack ihrem Hause ein. Sie blickte auch nicht ein einziges Mal auf und ichritt wie geistesabwesend bis dicht vor das Haus, wo ihre Unechte und Mägde' in Festtagökleidern versammelt waren. Als Frau Menega ihre ' Leute "rr ' r . - r . . r ouaic, inzrar jie iay zusammen, 'cr Anblick der festlich geschmückten Menge zermalmte ihr Herz. Ach, wo war er zur Stunde, der fröhlich Crwartcte? Aus dem Meeresgrund?. In der kühlen Kixuf der aus dem Zirankenlager? Nur mit übermenschlicher Anstren.' gung konnte die unglückliche . Mutter ihre Fassung bewahren. . Aengstlich wich sie den fragenden Blicken ihrer eute aus und sagte kalt: Der junge Herr kommt heute mcht. Das Frcudenfaß wird heute nicht geleert. 3h? geht wie alle Tage nach dem 'Abendbrod zur u .IIUIJC. Damit trat sie in das Haus, ohne auf das Flüstern und Murmeln um sich her zu achten.Wie allabendlich, ging sie, den zmdlsz ihrer eute. zu bereiten. Der Herd, eine erhöhte große Stein platte, befand sich landesüblich in der Mltte des Crkerö unter dem hochaufragenden Schornstein.- Ringsherum, iangs oer orel zensier ocs orvaus, lief eine steinerne Bank, der Lieblingsplatz aller Hausgenossen, wo man sich wärmt und zugleich das Meer beobachtet und nach' den heimkehrenden Lieben ausspäht. Aus dem Herd hatte die Magd ein lichterloheö Feuer entzündet. Darüber hing an einer starken, rauchgeschwärzten ette der dampfende eisel. Schweigend und mit starrer Ruhe nahm Frau Menega daö Polentamchl aus dem Schrank und trat an den Herd. Sie ließ es langsam in das lochende Wasser rieseln und rührte dann tranig, bis der Brei gar war. Die dampfende Polcnta wurde aus den Tisch gestellt, der in der Mitte der gliche stand, worauf die Leute zum issen gcrusen wurden. Alle kamen herein, erst die Knechte. dann die Mägde, und setzten sich an den Tisch. Schweigend verzehrten sie ihr einfaches Abenovrcd und blickten von Zeit zu Zeit kopfschüttelnd nach der Padrona, die rastlos vor dem Hause aus und ab ging. Doch Niemand wagte eine Bemerkung zu machen, denn alle hatten vor der gestrengen Herrin einen hfltl f n Utftnef ijiiiiViii . (Schluß folgt.) - - . . Das Mchtigste. In Kunzendorf gerieth die Villa des Dr. Zaunhappel in Bruno. Als sie am yeutten brannte, kam . die Feuerwehr, und als -die letzten Trümmer sanken, stand Dr. Zaunhappel mit strahlender Miene da und schwang ein Papier. Haben 5' denn aar nichts retten können?" fragte man ihn. 'Oh ja. Gott sei Dank." rief er. däö Cyrenoiplom vom Feuerwehr-Berein
' Zeifcnblafen. Humoreske von Kara Kysyl. In dem Pensionat der ehrwürdigen
Wittwe Clementine Bückling in Weimar war große . Aufregung; ein männliches" Wesen hatte sich sur nächsten Sonntag zu einem Besuch angemeldet. Es war ein Schriftsteller Doltor Andree, den Josefa, die. schon etwas angejahrte Tochter des Hauses, vor ewiger Zeit der emem vekannten Maler in der Reichshäuptstadt kennen gelernt hatte. Auf Josefa hatte der hübsche, geistreiche Doktor einen leicht begreiflichen, tiefen Eindruck qemacht. und als er aesprächsweife die Absicht kundgab, die klassische Stätte Goethe's kennen zu lernen, mußte er Josefa versprechen, sie und ihre Mutter aufzusuchen. rau Clementlne war naturlich riesig erfreut, denn man kann ja nicht wissen, wie solch ein Besuch endet, und im Geheimen war sie fest davon überzeugt, daß der junge Mann ein tiefergehendes Interesse für ihre talentvolle Tochter empfinde. Dre Aufreauna. die Mutter und Tochter, befallen hatte, theilte sich allmählich allen Damen im Pensionat mit. Das war ein Tuscheln, ein Rathen und Vermuthen, was wohl der Besuch zu bedeuten habe, wie es' selten in dem sonst so stillen Hause vorkam. Und Fräulein Ella von Marwitz, eine 24jährige, temperamentvolle, vermögende Deutsch - Russin, behauptete fest und sicher: Das wird eine Verlobung!", was von den anderen Damen nach einem bedeutungsvollen Seitenbllck auf Josefa-mit einemAchselzucken beantwortet wurde. Mit äußeren Vorzügen war Josefa nämlich leider nicht bedacht. Im Gegentheil. Die mehr als dreißig Lenze, auf die sie zurückblicken konnte, hatten viele Falten und Faltchen auf ihrem Antliy zurückgelassen. Dabei schielte sie nicht wemg und eme brennend rothe Narbe von einer Drüsen - Operation wirkte auch nicht gerade wie tm Schönheits pflästerchen. Erna von Marwitz war eme Waise. Seit mehreren Jahren wohnte sie in Weimar im Pensionat der Frau BückIlNF und beschäftigte sich aus Liedhaberei mit Goethe- und SchillerStudien. Trotz der Lebhaftigkeit ihxtl Temperaments und der mitunter durchbrechenden Spottsucht war fie ein tiefangelegtes Gemüth.' Ihr Vermögen gestattete ihr,- einigemale im Jahr größere Reisen, zu machen. . So war sie erst vor einigen Tagen von einem längeren Aufenthalt in ihrer Heimath zurückgekehrt. . Der Sonntag, der verheißungsvolle Tag war angebrochen. Frau' Clementinel'saß schon in frühester Morgenstunde und nähte und garnirte an ihrem Schwarzseidenen. Ja,, was sonst" nie. vorkam, sogar das Haar hatte sie sich brennen lassen. Die Pensionsdamen waren alle von diesem Vutzfieber angesteckt worden. Jede suchte das Kleid hervor, das ihr am vortheilbaftesten-' zu Gesicht stand: warum, wußten sie wohl selber nicht. Josefa war al5 . Langschlaserm vetännt. aber auch sie stand schon seit 11 Uhr in Gala und schaute sehnsllchtia zum Fenster ' hinaus. Sie hatte ein modefarbenes Reformkleid angezogen. In diesem Klerd hatte sie ihn" kennen gelernt, auch hatte ihr die Schneiderin aesaat. sie habe drei Maschinennadeln beim Näher zerbroaen und ttde sei m drei Swcle ge gangen das bedeutet bekanntlich eine Verlobung. Jedesmal, wenn die Corridorglocke ertönte, zuckte Josefa nervös zusammen und vcnaym iq wie em ungezol qenes Kind, wenn man ihr nicht so. fort meldete, wer da eben geklingelt hatte. ' Es war bereits 1 Uhr. Andree war noch rmmer mcht oa. Jo sefa wurde immer unruhiger, ja fast zornig.. Um halb zwei Uhr sah sie schon ganz verstört aus. '.Ich alaube aar. Fräulein Josefa, Sie weinen." spottete nun gar noch rr . nm . , . r.Ir. V i izrna von Marwin, vie 4cic in vis Wohnzimmer getreten war. Warten Sie nur, er wird schon kommen. . In dem Augenblick erschien auch schon das Stubenmädchen unter der Thür mit zwei Karten auf einem Teller. Josefa entschlüpfte ein leises Gott s-i Dank!" Wie konnte es nur kommen, daß sie das Heranrollen,, der Droschke und das Klingeln überhört hatte. , 'Auguste, haben Sie den Herrn in den Salon geführt; ihn auch meiner Mutter gemeldet?" Jawobl. anädiaes Fräulein!" Nun noch einen prüfenden Blick m den Spiegel, ein Zurechtzupfen der Frisur und Josefa verschwand in den anstoßenden Salon. Lebhafte. Begrüßung. Ein Durcheinanderwirren von Stimmen drang durch die Thür in 2 ? : i oa Zimmer, in oem mu uciyuuuum Lächetn auf dem hübschen Gesicht, Erna von Marwitz. fertig zum Ausgehen, am Fenster stand. Nach etwa zehn Minuten entfernte , sich Doktor Andree. .Also auf Wiedersehen, heute Abend." flötete ??rau Clementine an der Thür des Salons und Josefa rief ihm auch noch ein Aber bitte Herr Doktor, pünktlich um 8 Uhr' nach. Gewiß, gnädiges Fräulein!" nochmalige. Verbeugung und fort war er. Gleich darauf verließ auch Erna von Marwitz das Haus. Sie hatte noch durch das Mädchen bestellen lassen, sie käm -nicht zrun Mittagessen, sie wolle auswärts speisen.
Frau BückNna und Josefa waren
rn bester Stimmung. -Doktor Andree war von ausgesuchtester-Lrebenswur-digkeit namentlich zu Josefa gewesen. Er hatte sich noch der unbedeutendsten Einzelheiten ihres beiderseitigen Zusammentreffens in Berlin erinnert. woraus Fraü Bückling' natürlich die kühnsten Schlüsse zog, und um .das Eisen zu schmieden, so lange es warm ist hatte sie den Doktor zum Abendessen eingeladen. Josefa war selig; wohl zehnmal frug sie ihre Mutter: Hast Du auch, gesehen, wie er mir lange und tief in die Augen sab?" Und die Mutter nickte ihr hoffnungstrunken 'lächelnd zu. , Am Nachmittage waren Mutter und Tochter emsig geschäftig. Josefa deckte selbst den Tisch; schon um vier hatte sie begonnen. .Das beste Service, das beste Linnen wurde herausgegeben. Mit Buchsbaum wurde in zierlichen Guirlanden-die Tafel bekränzt, und um das ganze Arrangement recht stimmungsvoll erscheinen zu lassen, sollte auf Josefa's Wunsch das Eßzimmer mit Tafellichtern erleuüiet werden. Rührend wer Frau Clementine um ibr Töchterchen besorgt: Josefa, mein Liebling. Du mußt Dich schonen und etwas schlafen, damit Du heute Abend frisch aussiehst. Gehe in Dein Zimmer, mahnte sie Deme Toilette werde ich. besorgen. Du .-ziehst Dein weißes Neformkleid an. -Mache. Dir einen rech tiefen. Scheitel und den griechischen Goldreifen stecke in's Haar." . ' Josefa folgte. Cüronensaft . und Milch zum Waschen-brachte die Mut- , -r t v r r i ier tzeroel, uno zum qmn.muie Josefa das Gesicht mit Eau de Cologne abreiben damit, die Krähensüße", aus einige Zeit verschwänden. ffuns Minuten vor der bestimmten Zeit, wie es der gute, Ton vorschreibt. war Andree mit einem Bouquet für Mutter und Tochter erschienen. Man plauderte noch ein' Weilchen im SaIon, dann ging es zu Tisch. Frau Clementine nöthigte den Gast so sehr, zuzulangen, daß es fast peinlich berührte; noch öfter ueß sie sem Glas füllen, wohl des Verses' gedenkend: Im Wein, erwächst ihm kecker Muth! Die Stimmung war etwas gekünstelt. Nur Erna von Marwitz war von natürlicher Lustigkeit. Die Tafel wurde aufgehoben. Die Damen zogen sich unter nichtigen Vorwänden auf ' ihre Zimmer zurück, nur Erna blieb, zum nicht germgenAerger von Mutter und .ocyter, uno oegao na) mir in oen Salon. : Jetzt wurde die Unterhaltung lebhafter und anregender. Die lustigen Einfälle, die Erna, zum Besten gab, riefen witzige Controversen hervor-. wobei sich Josefa krampfhaft bemühte,' so geistreich wie möglich gu sun. Die Mutter wurde allmählich, unruhig. Viertelstunde auf Viertelstunde verging, und Erna machte noch keine Miene, sich zurückzuziehen. Die kleine Anspielung, ob sie ihr nicht ihre reizende Stickereiarbeit zeigen wolle, schien Erna aar nicht zu verstehen. Sie lehnte lachend ab; das hätte ja bis morqen Zeit: Josefa war einfach' wüthend. Sollte der so schön arrangirte Abend ergebnißlos verlaufen, nur weil die Person sich hier festquasselte?" Es war doch zu schrecklich, besonders, da esso augenscheinlich war. daß der Doktor etwas aus dem Herzen hatte. - Der Gast schien nervös zu werden. Da nach emem langen Blick zu Erna erhob sich Andree und wandte sich mit' einer Verbeugung an Frau Clementine: Gnädige Frau, Sie gestatten, daß ich Ihnen nach dem so fröhlichen Plauderstündchen eine ernste Mittheilung mache !" . Frau Clementine horchte . mit ' gut geheuchelter Neugier auf. Endlich kam der Antrag.. Sie legte sich schon die Worte für einen recht innig klingenden Segenswunsch zurecht. . Josefa zuckte nervös an den Franzen des grünseidenen Tischläufers. Erna, war aufgestanden und hatte sich mit dem Rücken gegen das Fenster gelehnt. Gnädige Frau." fuhr Doktor Andree fort, Ihre mir heut' erwiessnen Liebenswürdigkeiten machen es mir zur Pflicht. Ihnen zuerst mein Gehcimniß anzuvertrauen. Ich hatte diesen Sommer das Vergnügezr" hier wurde Josesa schamig - roth und klappte die Augen nieder Frau lein von Marwitz kennen, zu lernen und meine heutige Anwesenheit in Weimar hat den Zweck, meine bisher geheim gehalteneVerlobung mit Fräulein von Marwitz zu publiziren. Sie gestatten also," damit trat er auf Erna zu. sie leise".an sich ziehend, daß ich Ihnen in aller Form meine Bram vorstelle. . Josefa war bei den letzten Worten im Gesicht grün-gelb vor Aerger geworden. Frau Bückling saß einige Sekunden wie entgeistert da, dann sprang sie mit affektirter Lebhaftigkeit auf: . Aber .meine' herzlichste Gratula tion, ach, wie reizend, eme Braut .im Hause zu haben. Das ist ja entzückend! Komm, Josefa, mein Kind, jetzt wollen wir uns aber zurückziehen. damit das liebe Brautpaar sich, noch einige Minuten allein unterhalten kann." Guten Abend, Herr Doktor, guten Abend, mem. Fraulem!" und die Thür schloß, sich . hinter Mutier ' und
Tomter. '' . . -
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