Indiana Tribüne, Volume 29, Number 215, Indianapolis, Marion County, 4 May 1906 — Page 5
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Sr5z!ung von Gcrtrud FranKk-Schicoeldkin, Seid Ihr endlich einig?" N?ch nicht. Ich habe doch so meine Bedenken." Er hat Bedenken!" rief der alte Herr grimmig. Erlaube! Und zwar sehr gerechtertigte. 2o ein Großstadtlind in den Wald verpflanzen ob sie'S aus hält?" .Das findet sich," meinte der Geheimrath trocken. .Und wenn' sick's nicht findet? Wenn sie sich unglücklich fühlt in der Einsamkeit? Wenn sie das rauhe Klima nicht verträgt, Theater, Konzerte, Gesellschaften vermißt und" .Was nicht noch?" schrie der Ge'lzeirnrath aufgebracht. .Ich könnte Tir noch so Berschiedeneö - .Äehalt' eS für Dich !" wcbrte der alte Herr ab. 'cge mir nur ein, klipp und klar: liebst Tu das Madchen?" .Gerade weil ich sie liebe " Tie wortlose Empörung deS alten Herrn, der offenkundige "Hohn, mit dem er seinen ldoptifohn betrachtete. ließ diesen mitten im Satz verstummen. So! Ta haben wir also richtig wieder den verfluchten .Sicherheit?kommissarius,' und in vollkommenster, tadellosester Auebildung!" lachte der Gclzeimrath. , .Immer hübsch vor sichtig! Immer hübsch , vernünftig!' Und besonders bei so einer , Lebensfrage was?" .Allerdings," meinte der Oberförster und nahm einen Anlauf, seine Bedächtigkeit zu vertheidigen. .Was stecken nicht olles für Möglichkeiten in so unfertigen Geschöpfen, wie unsere ,heirathsfähigen' jungen Damen sind. Ein Engel, ein Gänschen, ein Drache, das sieht Alles gleich reizend aus, wenn's jung ist " Aber er kam nicht weit. .Eben deshalb," rief der Geheim rath triumphirend, .ist's unsere Sache, uns in die Rechte zu verlieben!" Jetzt lochte der junge Oberförster überlegen. .Lieber Papa, die Liebe fällt nicht immer auf ein Nosenblatt." '.Das muß sie," sagte der alte Herr entschieden. .Oder 'S ist, nicht die rechte. Das fühlt man. Das ist nicht jene flatterige Verliebtheit. Das ist was Heiliges, Ernstes. Dazu haben wir unser sogenanntes ,Herz DaS zeigt so minutiös wie ein genau regnlirter Ehronometer. Und wenn sich daS gemeldet hat nicht etwa der leere Geldbeutel oder die Sehnsucht nach einem einflußreichen Schwiegerpapa oder andere praktische Gefühle dann: loö! Nicht .so viel,, bedacht! .Nicht so lange überlegt! Junge, das rächt sich, rächt sich bitter! Das hat schon Man. chen um das Beste vom Leben gebracht. Sieh 'mal, ich säß' auch nicht so allein in meiner Bude" .Bude? Dein Museum, Dein Schlößchen, Papa!" Der Geheimrath seufzte tief. .Na ja. Etwas muß der Mensch doch haben. Uebrigens meinen neuen ,Böctlin' hast Du noch nicht gesehen. Da spitz Dich drauf. Das ist was! Aber da -ich 'mal im Luge bin erst null ich Tlr zu lehrreichem Erempel berichten, wie's gekommen ist, daß ich Bilder habe statt leiblicher Kinder, und ein stilvolles Haus statt einer lieben Hausfrau. Denn siehst . Du, genau so ein ,Sicherheitskommissius so einZorsichtiger wie Du bin ich auch gewesen und bin's noch heute. Zzür meine Wissenschaft ist'S gut aber für die Liebe ? Ich sage Dir, mein Sohn: der Instinkt ! Der nackte, pure, unschuldige Instinkt! Die Natur weiß schon das Reckte, weiß es besser, als wir superklugen, durch Ueberkullur verdummten Kunstprodukte. Also ich war in Deiner glücklichen Lage: ich konnte mich umsehen unter den Töchtern des Landes. Meines VaterS Praxis hatte ich in jungen Jahren übernommen. Mam mon hatte der gute Alte mir auch reichlich Hinterlagen. Nun kam's drauf an, die Rechte zu finden. Zuerst machte mir'S riesigen Spaß, jedes Mädel, das mir in's Gehege kam. darauf anzusehen: bist Tu's? Aber auf den Rausch folgte nur zu bald der Katzeniammer. Nach einem Jahr hatt' ich mir formlich den Magen verdorben an all' den Süßigkeiten, die mir gesagt worden waren, und die ich hatte erwidern müssen. Und die Gesuchte? Tie schwebte noch ,über den Wassern' unerreichbar ; ia. ick zweifelte, daß der Spirit unter der. siebenten Nippe, der zu klopfen anfangen soll, wenn der rechte yjio ment gekommen ist, mir jemals den Gefallen thun wurde. Desto vorlauter benahm sich dagegen mein Kops. Der- mußte sich überall hineinmischen und das große Wort suh ren. Und das bischen Medizinauark, das sie mir einaetrichlert hatten, das that nun gar'S Maul aus ! Sah ich ein schönes Kind mit einet aar zu fernen Tallle lieber Himmel ! gleich dachte ich an die Schnürleiber drunter, die zusammengepreßten viip pen, die verkrüppelten Brustorgane. Da half alle Schönheit nicht das ftrüulein mußte von der. Liste. ' Kam mir eine Denna in den Weg, mit ent-
' zückenden Jüpchen, die ln noch viel ent
zückenderen Stöckelschuhen steckten, so
sah ich im Geiste schaudernd die leibliche Deformation, die die natürliche jolae solcher wahnsinnigen Mode ist. Reizte eine Andere meinen Schönheitssinn durch eine zarte, interessante Blässe, so einen Elfcnbeinton, wie er die Maler närrisch machen kann so stand auch gleich das Gespenst der Bleichsucht vor meinen Augen. ' Ein räulein, das mir sonst recht gut gefiel. beging nur' einmal das Verbrechen, in Ohnmacht zu fallen, aus Schreck über einen wlldgewordenen Ochsen. Siegerieth dadurch bei mir in so dringenden Verdacht hochgradiger Nervosität, daß ich alle Heiratsabsichten schnurstracks aufgab aus Eewlssenhaftlgkelt gegen meine Nachkommen und aus Furcht, mir mein schönes, behagliches Leben durch Kränklichkeit verderben zu lassen. Endlich, als ick schon gar nicht mehr an's .Ewigweibliche' dachte, schlug doch die Stunde, wo der Klcpfaeist unter der Weste sich meldete, so laut und vernehmlich, daß ich mich gar nicht vor ihm retten konnte. Ein suneS lunges Geschöpf. Noch so träum- und knospenhast halb Kind, und doch mit so tiefen, ahnenden Augen. Ich wute es sofort : die ist's. Und auch sie ich sehe noch, wie sie die schönen, schweren Lider niederschlug, als ich in der ersten Uebcrraschung sie anstarrte. Wir sahen uns oft. Ihr Vater, ein alter Haudegen, hatte noch von Anno 6 her eine Kugel im Leibe stecken, die sich ab und zu meldete und ihm böse Tage machte. Da lernte ich sie also ganz genau kennen. Nicht wie die Anderen im Vallsaal oder bei ähnlichem Vergnügen, im Putz, kokettirend, seichtes Zeug schwatzend. Nein, bei der Arbeit, im Hause, in all' ihrer Herzensangst um den alten Herrn. Und wenn ich um Mitternacht kam, immer war sie ruhig und gefaxt und hilfsbereit. Und wie bang ihr auch selber um S Herz sein mochte, wenn der Alte in seinen schmerzen fluchte und donnerwetterte, Niemand merkte etwas davon; so lieb und freundlich verstand sie zu trösten. Da sagte ich mir: die halte fest. Du findest keine, die Dir größeres Glück in'S Haus-bringen könnte. Daß mich 1 selbst in diesem Falle meine verfluchte Vorsicht nicht im Stich ließ, kannst Du Dir nach Deinen eigenen Erfahrungen wohl . den ken. Ich erkundigte mich nach der Krankheit, an der die Mutter gestorben war. Ein Scharlachfieber. Nun, das war unbedenklich. Die Kugel, an der der Vater laborirte, ioar auch nicht vererbungsfähig. Blieb nur noch das Augenleiden des Alten, eine langwierige Entzündung, die ihn lichtscheu machte und ihm daS Lesen und Schreiben verbot. Aber ich fand bei einer Untersuchung daS innere Auge ganz gesund, und beruhigte mich auch darüber. . . So fing ich denn an, heimlich mein Hauö zu- schmücken. Ich wußte, sie war mir gut und ich dem Alten als Sohn willkommen. Warum ich noch zögerte,' mir ihr Jawort zu holen ich weiß es nicht. Vielleicht, weil diese Zeit so wunderschön war in ihrer freu digen Erwartung und weil sie mir so gut gefiel in ihrer verschämten und doch so durchsichtigen 'Neigung für mich. Eines Tages, wie sie mich begrüßt, sehe ich, daß ihr die blauen Augen thränen. .Was haben Sie, Fräulein Elisabeth?" . .Oh nichts! Es ist vom Lesen. Ich habe eln paar Stunden vorlesen müssen.- , . ' DaS war - ja ganz natürlich. Das Zimmer des alten Herrn war immer verdunkelt. Ich hatte mich, schon gewundert, daß sie'ö fertig brachie, nur eine Zeile zu entziffern. Aber mein Verbot hatte nicht viel genützt. Jetzt nahm ich sie ernstlich in's Gebet. .Sie dürfen nie wieder so leichtsinnig sein, Elisabeth!" sagte ich und versuchte streng auszusehen. .Leichtsinnig?" fragte sie erstaunt und unschuldig. .Was soll denn der arme Papa den lieben langen Tag anfangen, wenn ihm Keiner vorliest?" .Meinetwegen sich langweilen ctzt sich jemand Anderes dazu miethen. Sie dürfen sich nicht auch noch trank machen." .Oh" sagte sie leise, .das war' doch kein Unglück!" Und als das Wort heraus ist. wird sie dunkclroth. . Es war ja auch so durchsichtig, daß sie sich wünschte, krank zu sein des Arztes wegen meinetwegen. In dem Augen blick hatt' ich die größte Lust, die berühmte Frage zu thun. Aber der Papa rief ungeduldig aus dem Nebenzimmer. Der Zauber verflog. Als eö in einigen Tagen nicht besser stand mit ihren lieben blauen Guckern, dacht' ich eine kleine Untersuchung vorzunehmen. Aber, Tod und Teufel! schwerer ist mir nie etwas geworden! Ich sah einfach gar nichts, weil ich zu viel sah weil ich wie in einem blauen See versank. Und jic alö ich ihr nur nahe kam und das Lid hob dieses heiße Erröthcn. Nein, ich gab es auf, und wir gingen zu ihrem Vater hinein. Aber cs ließ mir doch keine Ruhe. Ich wurde ungeduldig, schule mich darnach in's Reine zu komnien. Und nun dieser Querstrich, diese Ungewißheit ! Wenn es ein tieferes Leiden war? Wenn sie auch einmal so hilflos dasitzen mußte im dunklen Zimmer, wie ihr Vater? Wenn sie Pflege brauchte, statt zu pflegen, Erheiterunz, statt zu erheitern? Was-soll ein Arzt, der draußen nichts zu sehen und zu hören kriegt, als
menschliche Leiden, mit einer kranken Frau im Haus? Nein. Ich durste mich nicht binden ohne die weitgehendsten Bürgschaften für eine glückliche Ehe. Und so bat ich endlich Elisabeth, unseren berühmtesten Augenarzt aufzusuchen. Sie lachte mich aus. Das wäre ja nichts, ginge von selbst vorüber. Es sei so entsetzlich, dort im überfüllten Wartezimmer sitzen zu müssen, stundenlang .Sie sind schon dort gewesen?" fragte ich mit einem tiefen Schrecken. .Als Kind einmal," sagte sie unbefangen. . , Nun bestand ich darauf, mit einem Ernst und einer Festigkeit, die sie befremdeten. Sie wehrte sich mit allen Kräften. Zum ersten Mal wurde ich heftig, sie trotzig. Ich sah, daß ich zu weit gegangen war, lenkte ein bat sie und sie willigte ein. . An diesem Tage hing eö nur an einem Faden, daß ich nicht als ,Bräutigam' nach - Hause ging. Aber ich bracht' eS noch einmal zu Stande, zu verschweigen, was sich mir mit Gewalt aus die Lippen drängen wollte. Und kam mir wunder wie heroisch vor. Morgen! dacht' ich, morgen! Ich zweifelte keinen Augenblick, daß sie mit den besten Nachrichten heimkommen würde. Der Spezialist sollte mir ja im Grunde nur bestätigen, was meine eigene, wenn auch oberflächliche Untersuchung ergeben hatte. . Ich gab ihr meine Kurte mit. Der berühmte Mann war mir zwar persön-
lich nicht bekannt. Doch bat ich ihn mit ein paar Zeilen nm die Gefälligkeit, mir das' Resultat der Untersuchung kurz mitzutheilen. Meine Begleitung, die ich ihrangeboten, hatte sie mit einer mir unver ständlichen Heftigkeit abgelehnt. Allmälig begriff ich ihr weibliches Feingesüyl und ehrte es. . Ich hatte ja auch eigentlich nichts dabei zu suchen. Mit Hilfe meiner Karte wurde sie sofort Audienz erlangen. Das lästige Warten blieb ihr erspart. Ich hatte trotz alledem eine unruhige Nacht. Und als -ich am nächsten Nachmittag die Treppen in dem alten ge. müthlichen Hause des Oberstlieutenants hinaufstieg, dachte ich:, wie wird Dir'S zu Muthe sein, wenn Du wieder gehst? Aber als sie mir entgegenkam strahlend in unschuldigem Triumph, voll Spott und Neckerei für meine Pedanterie : Alles gut ! Blos ein 'unschuldiges Wässerchen hätte ihr der berühmte Mann verschrieben in ein paar Tagen wäre die Nöthung Der schwundcn da! Herrgott ! Ich hätt' jauchzen mögen vor Glückseligkeit. Aber leider saß Besuch da. Eine würdige Tante. Ich nahm mich höllisch zusammen, fragte, wie's gewesen wär: .Hat das ,Sesam öffne Dich' seine Schuldigkeit gethan?" . Ganz zufrieden war sie nicht mit dem Erfolge gewesen. Sie hatte dem Diener die Karte übergeben, der sie dem Geheimrath sofort einzuhändigen versprach, wenn der .Patient, der sich gerade im Zimmer befände, abgefertigt wäre. Das müsse aber ein sehr schwerer Fall gewesen sein, denn sie habe noch beinahe eine Stunde im Wartezimmer sitzen müssen. Zudem hätte wieder ein Haufen Hilfesuchender dagesessen der arme berühmte Mann habe ihr leid gelyan. Es wäre auch Alles so flink und geschäftsmäßig gegangen. Nun, Gott sei Dank, daß sie's hinter sich habe! . Ich muß wohl ein sehr vergnügtes Gesicht gemacht haben diesen Nachmittag. Meine Kranken schienen mir alle so hoffnungsvoll ! Zu Hvse lag ein Brief von dem Gehcimrath. Ich öffnete ihn ahnungslos, dachte, die gute Nachricht bestätigt zu finden. . Aber die Zeilen flimmerten mir vor den Augen'. Was ich da las, war ja einfach unmöglich. Die Ueberbringerin der Karte, hieß es, sei leider schwer gefährdet. Es folgte ein ausführliches Krankheitsbild. Der Befund war tröstlos. In einigen Jahren würde die Dame erblindet sein. Er habe ihr natürlich nichts davon gesagt. Warum auch? Zu machen sei gar nichts. Die Sache würde sich lang süm entwickeln. Später möge sie wieder zu ihm kommen. Siehst Du, mein Junge, so was macht man einmal durch. Nachher wundert man sich, daß einem nach dem Sturz auö allen Himmeln nicht sammtliche Knochen zerschmettert sind, oder der. Schädel in die Brüche oeqanqen. Ich brauchte ein paar Tage, ehe ich'S nur ganz kapirt hatte, und bis die Hofs nungen, die unvermuthct immer wieder empor wol'lten, wie junge Vögel aus dem Nest, endlich maufetodt waren. Ich that meine Arbeit, von früh bis spat., ijaz au deS Oberstlieutenants aber vermied ich, als gäb'S dort Fangeisen oder Fallgruben. WaS sollt' ich dort noch? Dem Mädchen, dem Alten das furchtbare Verhängn! ß verrathen, daS über ihnen lag? Lieber, doch ! Oder sie hei rathen trotz alledem? .Ja!" sagte -a. a '- . ! Tu k . , . erwas in nur. lajne immer lamer. Half ihm nickt. Man hat seine Ver pflichtungen gegen sich selbst, gegen das Menschengeschlecht. Als Arzt, als Wissender, darf man nicht' das Verbrechen begehen, eine elende Rasse fort zupslanzen. Nein, und dreimal nein! So war'S am Besten, ich blieb ganz .... r' . .f. 1 lori. ivuroen fcqvn wlszen, was oas ZU bedeuten hatte. Vor meinem Verstände, vor meinem Gewissen war ich vollständig gerecht fertiat. Indessen
Ich will Dir solche Seiten nicht
wünschen, Junge. Nach vier Wochen unaefähr schickte der Oberstlieutenant. Es ginge ihm wieder schlechter. Ich sollt' doch ein-, mal vorkommen. Gut. Ich ging. Wie zu meiner Hinrichtung. Und als ich Elisabeth wiedersah blaß uno still eine ganz Andere scheu, ängstlich ie verließ unS auch gleich. Ich blieb mit dem Alten allein. Ich merkte, die Sorge um das Kind hatte ihn heruntergebracht. Ko'rperlichging's ihm leider gut. ur fragte mich nur so nebenher. warum ich so lange nicht gekommen wäre? Stolz, der Mann und so rüh rend, diese heimliche Angst, und die Bitte in seinen Augen: mach' mein Kind nicht unglücklich! Wie ein Verbrecher kam ich mir vor. Ich sagte zwar, daß ich sehr beschäftiat gewesen sei. dazu abgespannt, nervös. Er that, als glaube er mtr's. Aber ich wußte: er hat begriffen. Wir spielten noch eine Weile Komödie vor einander wie das unter gebildeten Menschen so Sitte ist. Er sagte nicht: Konnt' rch Dich umbrinaen, Räuber! Er dankte mir beim Abschied noch für meinen Besuch. Ich sagte, ich würde nach einiger Zeit wieder vorsprechen, und dachte dabei : nie, nie wieder! Gniabdh begleitete mich nicht hin-. aus der Diener that's. Mir sie! ein Stein vom Herzen. Dann bin ich ihr noch ein paar Mal auf der Straße begegnet, in längeren Zwlschcnräumen. Aber ich hätte sie kaum wieder erkannt. Das letzte Mal bin ich richtig an ihr vorüber gegangen. Nachher erst siel's mir ein, daß sie's gewesen war. Aber grausam ver ändert. Alt geworden mit ihren zwanzig Jahren schmal, Ränder unter den Äugen, hohlwangig. ' Sre muß krank gewesen sein, sagte ich mir. Nie hatte ich an einem Menfchen eine solche Zerstörtheit gesehen, höchstens nach schweren Körperleiden. Es war der Winter, in dem die Influenza zum ersten Mal wieder ihren Beutezug durch Europa machte. Sie wurde damals , Grippe' genannt. Man hatte noch keine rechte Ahnung von ihrer Gemeingefährlichkeit. In vielen gällen trat sie mörderisch auf. Besonders da, wo einer schon einen Knax weg hatte, räumte sie mit spielender Leich tigkeit auf. Ich konnte mich nicht retten vor Patienten. Tag und Nacht keine Ruhe. Aber ich wünschte mir nichts Besseres. Ich' dachte nicht , gern an das blasse Wchengesicht, das so stolz und so traürig ausgesehen hatte und an das, wa, ihrer warete Und doch konnte ich sie nicht ver gessen ! Es . war im Februar. Da kommt eines Abends der Diener des OberstlieüttnantS. Eine Empfehlung vom Herrn. Und das gnädige Fräulein wäre so krank. Ob der Herr Doktor nicht so freundlich :c. Sie wohnten am anderen Ende der Stadt. Äbcr ich war in einer Viertelfijrndc dort. ES hat mich beinahe meine Trakehner gekostet. -Gott ! was fragte ich darnach. Nun es war schon zu spät. Sie kannte keinen mehr, erzählte immerfort mit alänzendcn Augen vor sich hin. Mein Name kam auch in ihren Phantasien vor und wunderbar kein Hß, kein Fluch blos unendliche Sehnsucht. Nun wußt' ich auch, warum der alte Eisenkopf sich dazu verstanden hatte, seinen Stolz bei Seite zu thun. Vielleicht hat er noch auf eine Art Wunder gehofft. In der Noth glauben wir ja an so allerhand Mumpitz. Aber ich hätte nicht helfen können auch wenn der Alte nicht so lange gewartet hätte. Ich sah ihr Händchen an zum Staunen zart und schmal die durchsichtigen, eingesunkenen Schläfen. Hier hatte einer wacker vorgearbeitet, langsam, Jahr und Tag. Alle Wurzeln waren gelockert, und beim ersten Sturm mußte das Väumchen zu Boden stürzen mit seiner weißen, zitternden Blüthenkrone. Einen Tag und eine Nacht hat sie noch gelebt. Ich bin kaum nach Hause gekommen. Einmal wachte sie aus und erkannte mich. Und war gar nicht verwundert, mich dort zu finden. Ich habe von Dir geträumt," sagte sie lächelnd. Wie ein Kind, daö eben aus dem Schlaf kommt. Tu warst so lange fort." Nun bleibe ich bei Dir," sagte ich. Und küßte sie. Und sie küßte mich wieder. Sie lächelte und nickte und hielt meine Hand fest. Die andere hielt ihr Vater. So ist sie denn sacht hinübergefchlummert. Was half mir'S, daß ich jetzt dachte: und wenn's nur ein paar glückliche Jahre gewesen wären! Du hättest sie doch gehabt. Auch blind noch die süßeste, liedenswertheste'Frau! Ja, was half mir das?' Dem Alten, der ganz niedergebrochen war, hab' ich den Grund gesagt, weshalb ich sie nicht zu meinem Weibe hatte machen können. Er hat aus tiefster Brust Gott Lob!- gerufen. Lieber todt als blind!. Als die ewige Abhängigkeit und UnbeHöflichkeit, die auch ihm seine alten Tage zur Last machten. Wir sind dann gute Freunde geblieben. Alle Abende bin ich zu ihm gegangen, habe ihm vorgelesen, oder wir haben zusammen kindliche Spiele ge-
spielt. Poch und Dame , und 'mal eine Partie Schach.. Er ist recht alt geworden. Aber jetzt werden'S auch schon zehn Jahre, daß er ihr nachgegangen ist. Und nun, mein Junge, kommt noch ein Nachspiel der Geschichte. Ja, eigentlich ist's die Hauptsache, und ihretwegen hab' ich sie zum ersten Mal seit dreißig Jahren wieder an's Tageslicht geholt. Siehst Du, mein lieber Junge, da bauen wir uns nun unser Lebensglück so recht sicher und behutsam auf, wie die Kinder mit ihren Klötzchen die wunderschönen Gebäude. Je höher, desto besser. Und da rechnen wir und überlegen wir, ob wir hier noch einen Stein, oder ein Säulchen, oder ein Ornament anbringen können. Wir wagen kaum zu Athmen, so vorsichtig fügen wir ein, bauen wir höher und höher. Alles klappt und stimmt und sieht herrlich aus. Und auf einmal, kommt so ein winziges, luftiges Ding, ein Zufall, etwas, an das wir absolut nicht gedacht haben und krach ! da liegt die ganze Ehose ein wüster Trümmerhaufen. Höre weiter: Auf dem ärztlichen Kongreß in Wiesbaden treffe ich einmal mit dem berühmten Auaenarzt zusammen. Ich war selber inzwischen eine ,Ko ryphäe' geworden. Wir werden einander vorgestellt, und der große Mann erinnert sich mit bewunderungswürdiger Gedächtnißschärfe meines Namens. , Mit meiner Diagnose hab' ich damals doch recht gehabt,- sagteer nach den ersten einleitenden Worten. Mit welcher Diagnose?" frag' ich halb lächelnd, halb bestürzt, und ein unheimliches Gefühl überkommt mich. Nun, die Dame, die Sie damals zu mir schickten, ist wirklich erblindet. Ich habe sie jetzt in meiner Privatklinik. Aus ihren Wunsch will ich noch eine Operation vornehmen obgleich sie meiner Ueberzeugung nach aussichtSlos ist." Mir kroch eS kalt und feucht über den Leib. Die Dame,- die ich zu Ihnen sandte, ist todt," brachte ich heiser heraus. Unmöglich!" rief er. Fräulein Elara von Bork lebt!" Ich schüttelte den Kopf. Nein, daS war nicht ihr Name." Wie die Sache eigentlich zusammenhing? Ob ein Irrthum des Dieners vorlag, oder eine Mogelei ob er sich durch ein Trinkgeld hatte bestechen lassen, eine später gekommene Dame an Elisa bcthS Statt bei seinem Herrn einzuschmuggeln? Damals hab' ich mir fast den Kopf zergrübelt über all' die wahnsinnigen, zufälligen kleinen Möglichkeiten, die dabei eine Rolle gespielt haben konnten. Aber es war ja nun einmal geschehen. Das ,Wie' war jetzt am Ende überflüssig. Du siehst, lieber Junge, wir machen unser Schicksal nicht allein. Die höllischen Mächte des Zufalls helfen dabei. Und je klüger wir ab- und erwägen, desto geschäftiger. Bei großen Dingen heißt ''S: etwas wagen! . ' DaS hat Dein Vater nicht verstanden. Gehe Du hin und mach's besser!" Hat ein vcrhcirathctcr Mann noch irgend welche Rechte? Höre, alter Freund, Du hast schon eine rtiche Erfahrung hinter Dir. Ich habe erst unlängst geheiratyet und sinde mich nicht recht aus, oh ein Mann noch irgend welche Rechte hat, wenn er einmal die
ehelichen Verpflichtungen auf sich nahm." Rechte? Oh, eine ganze Menge. Er hat daS Recht, alle Rechnungen zu bezahlen, ferner Nein, ich meine daS anders. Ich will Dir ein Beispiel geben. . Jede Kisten und Kasten, jedes Kleidergestell, kurz, jeder Behälter irgend welcher Art ist mit den Habscligkeiten meiner Frau vollgestopft, und wenn ich' Paar Manschetten oder einen Kragen weglegen will "Halt ein, junger Ehemann, und höre mich! Wenn Dein Schlafzimmer zweihundert Schritte lang und- vom Fußboden bis zur Decke mit Schubkästen ausgestattet wäre und Du wolltest einen Halskragen weg legen, so fandest Du doch kein Fleckchen, daö nicht voller Haarnadeln, Frisirquasten, Haarunterlagen, Riechfläschchen, alter Handschuhe, Puderbüchsen, Ringe und voll anderer Dinge wäre. So süge Dich eben in das Un vermeidliche. Wickle Deine eigenen Sachen in ein altes Zeitungsblatt oder einen Bogen Packpapier und schiebe das Packet unter Dein Bett!" Der junge Eheherr lachte heimlich und ging-ein weiserer wenn auch kein be serer Mann seines Weges. cr Ehering Luthers befindet sich gegenwärtig im Besitz der Wittwe des BaronS Hartwig Seemann in New Aork. Der Baron Seemann hatte denselben 1867 von einem schwedischen Diamantenhändler gekäust, der ihn seiner Zeit auf der öffentlichen Bersleigerung der Juwelen einer ohne Erben verstorbenen reichen polnischen Dame erstanden halte. Bekanntlich hatte Dr. Martin Luther zwei voll kommen gleiche Eheringe, den einen für sich, den anderen für seine Gattin anfertigen lassen z jeder derselben enthielt einen Rubin, als Sinnbild des Blutes Ehristi und verschiedene ein gravirte Symbole des Lebens und des Leidens .des Heilands.
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