Indiana Tribüne, Volume 29, Number 214, Indianapolis, Marion County, 3 May 1906 — Page 7
Jndkana Tribüne, S. Mai 1000.
Der jüngste Bruder
Loyaler kksmin von QtuÜ Wlchert. lFortfetzung.) 10. ctdp.it c Der WaMusruf stand in allenLci tungen, ec neble an allen Anschlagesaniert. Arnold Werken. Bautischlers war ziemlich obenan unter den alphabctisch geordneten N'amen zu lesen. Er hatte seinen Platz sogar dicht vor dem seines Bruders. Ein Bautischler bedeutete in diesem Fall mehr als ein gchcimcr Natl'.' Zu der Wcrkstättc wurde natürlidi viel darüber gesprochen. Nicht nur in Abwesenheit des Meisters, sondern auch , in seiner Gegenwart, wenn schon dann weniger bissig. (5s fielen Bemerkungen, die ihn nicht darüber im Zweifel lassen konnten, daß man fortan zu einer sehr vorsichtigen Haltung Grund zu haben glaube. Mitunter brach daö Gcsprach so ausfallend ab, wenn er an eine Gruppe herantrat, oder cö wurde wohl auch ein Zeichen gegeben, sobald er in der Thür erschien, lir ärgerte sich darüber. Sie könnten dir wohl trotzdem Vertrauen schenken, dachte er bei sich. Eine Weile that er, als ob er nichts merkte. Gelegentlich brachte er selbst die Nedc auf di: Wahl und meinte, die Arbeiter würden ja doch wieder stramm zusammenstehen. (5s war aber, als ob man sich verabredet hätte, ihm auszuweichen. Ter eine pfiff, der andere fang, der dritte rasselte mit dein Hobel, der vierte speiste ihn mit einigen nichtssagenden Worten ab. .WaS ist denn hier loö?" machte er sich endlich Lilst. ,Jhr thut ja, als ob Ihr einen Spitzel unter Euch hättet. " .Das brauchen Sie so nicht anzusehen," meinte Haber, aber wie wir denken, wissen Sie c ; nnd wie Sie denken, wisjen wir nun auch." .So? Wißt Ihr das?" eiferte er. Wohl wegen des Aufrufs? Pah! daö ist nichts." .Na. Herr Bcrken .Das ist nichts, daS ist rein nichts!" .Na...." ES gelang ihm nicht, den früheren vertraulichen Verkehr wiederherzustellen. In weiteren Kreisen mußte aber wohl davon gesprochen sein, daß er'S nicht wahr haben wolle, ins andere Lager übergegangen zu sein. EincS Tages kurz vor Feierabend fanden sich die Maurer Edc Blank und Heinrich Brande? in seiner Wcrkstättc ein, zeigten den Gesellen eine Versammlung an und fragten auch nach Bcrken. Er hatte sie von seinem Fenster auS über den Hof gehen sehen und begab sich nach einer kleinen Viertelstunde in die Wcrkstättc, um ihnen zu beweisen, daß er sich gar nicht scheue, ihnen zu begegnen. Als er hörte, daß sie auch ihm einen Besuch zugedacht gehabt, nahm er sie in seineStube nnd setzte ihnen eine Flasche Liqucur vor. Den ließen sie sich gut schmecken. .Na, wie steht'S denn eigene lich mit Ihnen?" fragte Blank, sich den Mund wischend. .Wieso?" .Ja wieso" -v sagte Vrander. .ie müssen schon erlauben, daß wir uns darnach erkundigen." .jlommt Ihr von euch selbst ?" .Nicht so ganz. Die anderen möchten auch wissen Kreuzschwerenoty, das erklärt sich.doch .WaS erklärt sich ?" .Ja. so dumm dürfen Sie sich doch nicht anstellen. Wenn'S an allen Straßeneeken zu lesen it. meinen wir " .Ach daS !" .Ja das. Sie 'haben sich bei den Herren uuterschrieben. ES geht gegen UNS." .Mein Name steht da das ist wahr." .Von selbst ist er doch auch nicht hingekommen." .DaS ist so eine Sache." .Was für eine Sache? Wenn einer sich nnterzchreibt " Arnold murmelte einige unverständliche Worte nnd überlegte indessen, wie er sich ausreden solle. Eigentlich überlegte er mehr, ob er sich ausreden solle. Er hatte nicht vergessen, was ihm von Siegfried dringend anempfohlen war : nun auch fest zn stehen, nachdem er öffentlich Stellung genommen hatte. Aber er schämte sich vor den Kameraden, die über ihn gut Bescheid wußten, und hatte nicht den Muth, sie abzustoßen. .Ihr wißt ja doch, waö ich für Verwandte habe," sagte er entschuldigend. .Ist'S etwa ohne Ihre Einwilligung geschehen, daß der Name daruntergesetzt ist?" .TaS will ich gerade nicht behaupten." .Na also ! Sie sind also nuu gegen uns." Arnold schwankte. Jetzt noch konnte er mit einem muthigen Ja sich die Leute vom Halse schaffen. Es war ganz un. sinnig, daß er unterschrieben hatte. wenn er nicht seine Unterschrift zu ver. treten beabsichtigte. Und doch ließ er sich' lieber aus ein gefährliches Spiel ein. .Daß ich unterschrieben habe, kann ich nicht leugnen," sagte er pfiffig lachend, .aber gegen Euch bin ich des halb doch nicht ganz und &ar nicht nun erst recht nicht." Er. schlug zur Bekräftigung mit der Hand aus den Tifch. Jhr habt leicht Euch über mich zn verwundern, kriecht doch einmal erst in meine Haut. Kamt ich mit dem Kopf durch die Wand ? ie haben mir die Pistole auf die Brust gesetzt. Wenn man so ein Geschäft betreibt, wie ich jetzt und immer mit den Bchörd! zu thun hat und mit den Brüdern nicht Verdrießlichkeit haben will Zum Teufel ! Da nimmt ma'S mit einer Unterschrift nicht so genau. Sand in die Augen ! Man kennt mich doch auch lange genug und kann wissen, waö man an mir hat." '
c&e kratzte sich den Kops. .ES ist doch immer ein starkes Stück," grunzte er. . .Es gibt so schuftiges Volk, das überläuft, wenn sie ihm auf der anderen Seite Vortheile bieten. Das hat man schon oft erfahren. Und hier ist die Lockung groß genug. Ich will nicht sagen Aber man muß doch wissen. woran man eigentlich mit seinen Freunden ist." .Nun wißt ihr'ö" sagte Verken. .Und das dürften wir den Kameraden so mittheilen?" .Versteht sich. Vorsichtig natürlich. Macht kein Geschrei davon. Wem kann das nützen? Den Arbeitern gewiß nicht. Jetzt habm sie unter den Ar beitgcbcrn einen, der'S mit ihnen gut meint. Er kann noch wachsen und mit der Zeit ES hat schon mancher klein angefangen und groß aufgehört. Wenn sie mich aber jetzt zu Schanden machen, ist'S überhaupt aus mit mir. Die da oben müssen glauben, ich sei ganz ihr Mann geworden. Laßt mich nur erst festsitzen!" Edc Blank harkte mit seinen dicken Fingern durch den struppigen Bart. .Na ja allenfalls man kann es so ansehen,- sagte er, die Nase krauS ziehend. .So blos mit Redensarten freilich " .Wer macht Redensarten ?" .DaS wird sich zeigen. ES können 3!cdcnSarten fein und es können nicht LkedurSarten sein. Die Frage ist immer, was Sie für uns thun wollen." .Was kann ich thun?" .Uns im Stillen unterstützen." .Wenn ihr Geld braucht " .Das auch. Viel Geld. Aber Geld thut nicht alles. Die Hauptsache ist hier Soll'S denn dabei bleiben, daß wir. die wir an der Spitze stehen, uns in Ihrer Werkstätte versammeln können, so oft es uns beliebt ? Wenn Sie uns das zusagten, Meister Ber ken Aber da ziehen zk schon ein schiefes Gesicht." .Ach äh! das freilich Die Geschichte kann unangenehm werden. Ist'S denn durchaus nöthig, daß bei mir? Ach äh!" .Na Durchaus ? So steht's gerade nicht. Man wird sich auch anders hclfcn können. Aber am sichersten sind wir hier, weil ie doch Ihre Unter schrist gegeben haben und die Polizei Ihnen deshalb nicht aufpassen wird. So haben wir den Nutzen davon." . .DaS kann stimmen. Aber" .Wenn ic bedenklich sind, dann nicht." .Zum Teufel, nein! Thut, was ihr wollt. Der Haber hat den Schlüssel. Wenn der einmal abzuschließen vergißt was geht es mich an? Nicht wahr? Ich bin nicht, zu Hause. Ich brauche ja nicht zu Hause zn sein. Macht, daß ich von nichts weiß." .Das ist doch ein Wort," meinte Vrander. Er goß noch ein Schnaps chen herunter und stülpte den Hut auf. .Komm, Ede, wir wissen jetzt Bcscheid." .Und daö Geld? Soll ich noch einmal darnach kommen? Wie wär's wenn Sie uns gleich wenigstens Ihren guten Willen zeigten?" Bcrken zog seine Geldtasche vor, öff. ncte sie und sah hinein. .Das lohnt nicht. Hat'S denn keine Zeit, bis. . . . Na. wartet einmal, ich will nachsehen, ob der Buchhalter noch da ist. Viellei at kann ich doch gleich " Er ging iVS Eomptoir. Herr von Kranich stand noch an seinem Pult und schrieb Briefe. .Kann ich ctwaS Geld bekommen?" fragte Arnold nicht ganz frei. .Sie haben zu befehlen." antwortete zcranlcy, den ops in die Schultern steckend. .Ach Gott, nein ! Ich frage nur. . Es war freilich erst gestern " .Ganz richtig. Und wir haben heute ungewöhnlich große Ausgaben gehabt." .Wenn's also nicht geht Ich wollte nur die Kerls loswerden. Sie kommen doch wieder." .Welche Kerls?" .Ach ! daS hängt so an einem. Die alte Freundschaft...." .Wie viel denn?" .Ich dachte, hundert Mark. Um sie wegen der Unterschrift ganz zu beruh!gen. Aber cS läßt sich allenfalls auch mit fünfzig machen. Fünfzig! Das ist für'S Erste wirklich genug. IMcincn Sie nicht?" .Wie soll ich?" Er legte ihm zwei Fünfzigmarkscheine hin. Ich bitte." Arnold nahm sie nun doch beide. Unterweas steckte er aber den einen in
die Westentasche. Den andern gab er .Blank, der wenig befriedigt schien. '.Wir sind gerade nicht bei Kasse." sagte er entschuldigend. .Ein andermal mehr." . ; . .Lnmpige Fünfzig," bemerkte Brander beim Weggehen. .DaS muß besser kommen." .Das muß besser kommeu," bestätigte Ede Blank. .Wir haben ihn fest.- . Arnold war recht schlecht - zu Much. Er schluckte krampfhaft ; die Kehle schien ihm zugeschnürt. ES ärgert? ihn., daß er sich nicht tapferer gehalten hatte gerade wie damals, als er seinem Brn der nicht widerstand. Das war Falschhcit. JencS ja ! So gegen feine Ueberzeugung Aber dies nicht weniger. Oder vielmehr Jetzt war'S erst Falschheit geworden. Jämmerlich, jämmerlich ! Und waS sollte weiter geschchcn? ES blieb nicht bei diesem einen Mal. Daö Vcrstcckspicl mußte fortgesetzt werden. Und Jedem etwas Anderes in die Augen, und hinter dem Nucken. ... Eine sehr unbequeme Lage! Kranich klopfte an und steckte gleich darauf den Kopf durch die Thürspalte. .Gehen wir nach des TageS Last und Hitze noch ein GlaS Bier trinken?" Arnold riß sich auS seiner Verdrießlich, kcit gewaltsam aus. .DaS kann nicht schaden." .Vorher aber bitte ich Sie, ' mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen jchmun zelte der Lieutenant.
.Recht gern, wenn ich .Ach. es handelt sich nur um eine Unterschrift." Arnold znckte mit den Schultern. .Eine Unterschrift? Hören Sie mal ich hab' mir damit schon die Finger verbrannt. Sind Sie auch bei der Wahl bcthciligt?" Kranich lachte. .Sie dürfen ganz ruhig sein, die Politik ist nicht meine Sache. Aufrichtig gesagt, ich halte es für dcu größten Blödsinn für unsereinen, in Politik zu machen. Wir in Deutschland. ... Du lieber Gott, wir haben ja eine Verfassung und wählen von Zeit zu Zeit einmal, wenn wir uus eiu paar Minuten wichtig thun wollen. Aber was weiter? Zn sagen haben wir doch nichkö. Bei unö macht nicht die Majorität das Ministerium, sondem da) Ministerium schafft sich eine Majorität. DaS ist so im großen Ganzcn das Prinzlp. In der Praxis geht's nicht ganz so glatt. Da müssen die Kompromisse helfen. ES wird nämlich in der Mitte der tausend Meter langen Bahn gehandelt und gefeilscht, ob zwei Schritte vor oder zurück. Darüber gibt es unendliche Debatten, die Tagesblättcr verschwenden ihr Papier, man wirft sich Grobheiten an den Kops, zankt darüber, wer so liebenswürdig angefangen, schlagt an seine Brust und redet von Sieg oder 'Niederlage im Ton eines Helden, der um die Welt gekämpst hat. Au fond bleibt alles beim Alten. Man führt ein Schauspiel für politische Kinder auf und läßt ihnen daS harmlose Vergnügen, zu klatschen oder zu zizchcn. Ja. wcm'S Spaß macht ! Mir macht's keinen paß. Der einzig reelle Grundsatz iti benutze die Konjunktur. DaS thaten ic, indem Sie den Wahlaufruf unterschrieben. Meine Unterschrist " Er zuckte die Achseln. Ar. nold seufzte. .Und hinterher kommen die anderen " .Und wollen auch ihr Geschäft dabei machen." fiel Kranich lachend ein. .Ich sah die Leute über den Hof gehen und kann mir ungefähr denken, mit wem Sie'S zu thun hatten. Ich in Ihrer Stelle hätte nichts gegeben." .Das ist leicht gesagt." .Waö nützt es Ihnen? Sie finden sich so nicht ab. man wird mehr haben wollen. Und endlich müssen Sie doch aus den Punkt kommen, wo es heißt : halt, weiter geht'S nicht. Dann ist das fortgeworfen. Schade darum ! Warum bcrufcu Sie sich nicht auf mich?" .Aus Sie?" .Ja. Jlli habe ja doch den Kassenschlüsscl. agcn Sie, ich gebe nichts heraus. Wenn Sie wollen, gebe ich wirklich nichts heraus." .Das ist ein guter Vorschlag. Ja wohl Sie geben nichts heraus." .Wir Beide müssen einander überha:pt freundschaftlich unterstützen, Herr Bcrken das ist unsere Konjunktur.
Tle io jetzt abhängig von Ihren Brudcrn. von Herrn Hirschcl. DaS kann Ihnen auf die Dauer nicht gefallen. ES gefällt Ihnen schon . jetzt nickt. Selbstständig können Sie sich aber nur machen, wenn Sie sich fest an mich au schließen. Denn ich bin Ihnen unentbehrlich. Mein Streben geht aus dasselbe Ziel hin : selbstständig zu werden. Ich kann es Hand in Hans mit Ihnen erreichen. Deshalb dürfen Sie sich auf mich verlassen, wie auf keinen andern. ES ist möglich, daß mich Herr Hirschcl Ihnen zum Aufpasser setzen wollte ; ich verstehe meine Aufgabe anders, betracht mich als Ihren Kompagnon. Voraussetzung ist, daß ich das erforderliche tfa vilal zur Verfügung habe. Herrn Hirfchel wegen seiner Vorschüsse abu'sinden. Daran arbeite ich, wie ich Ihnen verrathen will, unausgesetzt an der Börse. Sie glauben nicht, was ein ge schickte? Mensch da im Handumdrehen gewinnen kann. ES versteht sich von jclbst. daß ich mit der größten Vorsicht verfahre. stctS für ausreichende Deckung sorge. WaS ist natürlicher, als daß ich bei Ihnen anfrage, ob ich mich auf Ihre Schulter stützen darf?" Bcrken nickte immer zustimmend, begriff aber doch nicht, woraus er cigcntlich hinaus wollte. .Jawohl allerdings ? sagte er. selbstverständlich Aber ich weiß wirklich nicht " .ES handelt sich um kleine Gefälligkeilen gegenseitige Gefälligkeiten, die weiter gar nichts kosten. Ich bin Ihnen schon manchmal gefällig gewesen, und immer gern. Eine vicoc ist der andern werth. Ich rechne nun auch auf eine (Gefälligkeit von Ihrer cite wie gefügt, aus eine, die nichts kostet." .Nicht mehr wie billig." .Nicht wahr ? Sehen Sie, ich branchc bei den Geschäften, die ich für mich selbst betreibe, eine Unterlage. Die kann ich nur in Wechseln schaffen." .In Wechseln?" .Dabei ist gar nichts zu erschrecken. Die Wechsel werden hingelegt, kommen gar nicht in Umlauf. Nach Ablauf der Frist werden sie cingezoacn nnd durch andere Wechsel ersetzt. Sie sind nicht Zahlungsmittel, sondern Unterlagen, auf Grund deren ich mir einen lanfenden Kredit verschaffe. Solche Wechsel brauchen drei Unterschriften " .Unterschriften !' fiel Arnold ganz verwirrt ein. .Und ich soll " .Den Namen daraus setzen, nichts weiter." .Das thu' ich nicht." rief er mit citoßer Entschiedenheit, das auf seinen Fall." .Aber weshalb nicht ?" .Weshalb weshalb ? Herr Hir fchel hat'S streng verboten." .Was hat er verboten? Für das eigene Geschäft sollen Sie keine WechselVerbindlichkeiten eingehen. ' Natürlich ! Er gibt Ihnen ja. soviel Sie brauchen. Hier ist ja aber von Ihrem Geschäft gar nicht die Rede. Auch nicht von Ihren Verbindlichkeiten. Halten Sie das doch auseinander, lieber Freund." .a. aber. ..." .Haben Sie mal etwas von einem GcfülligkcitSaccept gehött? Nicht? DaS
ist so eine Unterschrift aus Gefälligkeit, lediglich aus Gefälligkeit. Sie erbtencn gar nichts dabei. Wie gesagt, der Wechsel braucht drei Unterschriften, und eine kann man doch selbst nur geben. Da muß man sich wegen der andern an gute Freunde wenden. Es ist Ver traucnssachc. Ich denke. Sie schenken mir volles Vertrauen." Versteht sich -das schon ! Ich verstehe nur nicht, waö das füV einen Werth haben kann, wenn ich. .Das verstehen Sie nicht. Ich nchm'S Ihnen gar nicht übel. Wenn ich 'S nur verstehe. Verlassen Sie sich ganz aus mich das können Sie mit gutem Gewissen Er warf einige Formulare auf den Tisch. .Sehen Sie. das sind ganz unschuldige Papiere. ES steht vorläufig nichts darauf, als mein Name hier seitwärts. Nun schreiben Sie den Ihrigen da unten hin. Der dritte kommt aus die Jtückscite, der geht Sie gar nichts an." Arnold besah den Streifen mit einigcr N'cugicr. .Und das ist wirklich Alles?" Das ist alles. Ich setze dann je nach Bedarf eine Zahl und ein Datum hinein und benutze das Papier als Untcrlagc. Sie brauchen sich weiter gar nicht darum zu bekümmern ; ich lege es Ihnen spater zerrissen wieder vor. Eine bloße Gefälligkeit." .Wenn nur " .Aber ich habe doch gewiß das lcbhafteste Jutcrcsse dabei, lieber Freund, daß Sie keinen Schaden nehmen. Ich spe kulirc ja gerade darauf, in Ihr Gcschäft fest einzutreten. Es wäre atin Unsinn sondergleichen, wenn ich 'ic schädigen wollte.- Ich würde mich zuerst schädigen mich doppelt. Also hrcibcn Sie getrost, schreiben. Sie. ' Ich bin Ihnen ein andermal gefällig. Wenn die Leute wiederkommen, die heut' bei Ihnen waren schicken Sie sie nur zu mir, ich will mit ihnen reden." .Wenn die Sache so steht. . Er sah ihm scharf in'S Gesicht; Herr von Kranich zuckte nicht mit den' Wimpcrn. Arnold Werken unterschrieb dreimal seinen Namen. .Schönen Dank. 'Und nun trinken wir ein GlaS Wein darauf." .Meinetwegen." Er war im Au genbllck beruhigt. Später wollte es ihm doch nicht aus den Kopf, daß er wahrscheinlich einen recht dummen Streich gemacht hätte. Wenn nicht wahrscheinlich, so doch möglicher Weise. Es gelang ihm nicht, sich völlig darüber klar zu werden, wo die Gefahr steckte. Das Wort .Wechsel" schon hatte sür ihn einen unheimlichen Klang. Er kam nicht loS von dem Gedanken, daß Herr
v:rjchel stch in Kranich tauschte, er sah keine Möglichkeit mehr, ihn jemals ablchüttcln zu können. Vielleicht hatte er sich mit dcu Wechseln eine neue Zectre geschmiedet ! Wiederholt war er draus und dran, zu Herrn Hirschcl zu gehen und sich ihm zu eröffnen. Aber die Folgen ! Nach acht Tagen, sagte er Herrn von Kranich, daß er sich' überlegt habe und doch lieber unbctheiligt sein wolle ; er möchte ihm seine Unterschrift zurückgeben. .Sie sind komisch." antwortete der mit hellem Lachen. .Bilden Sie sich denn ein, daß man so etwas in der Ta,che behält? Ich sagte Ihnen ja, wozu ich dcu Wechsel, gebrauchen wolle. Beunruhigen Sie sich doch aber gar nicht. Sie sind keinem Räuber in die Hände gefallen." .Ich meinte nur. wenn'S Ihnen sonst glelchgllttg wäre" ciuifyuiotgtc der Tischler. Er. sah ein, daß er den Dingen ihren Lauf lassen müsse. Bildete er sich's nur ein, daß der gute Freund jetzt in viel dreisterem Ton mit ihm verhandelte? Mit seiner Bnntf zu. sammcn zu treffen vermied er, so viel er irgend konntc. In ihrer Wohnung durfte er sie nicht besuchen. Sie hatte bei fremden Leuten ein Stübchen gemiethet, in dem auch ihr Bett stand. Nur dort hätte sie ihn empfangen können. Die Cousine verbot cS ausdrücklich. Mitunter gingen sie ein Stündchen spazieren, aber die Unterhaltung wurde auch dann selten vertraulicher. Ulrike setzte idre liebevollen Bemühun gen fort nm so borstiger zeigte er sich. Er argwöhnte, sie habe cS darauf abgesehen, ihn in sich verliebt zu ma. chen, und wehrte sich dagegen mit aller Kraft. Dann sei cS mit seiner Freiheit ganz zu Ende, meinte er. Die Schwär gerin Sarah, die sie beide einmal zu sich gebeten hatte, konnte aus ihren Verhältnisfcn nicht klug werden nnd hielt damit auch nicht hinter dem Berge. .Ein so närrisches Brautpaar habe ich noch im Leben nicht gesehen," sagte sie. Ich glaube, einen Kuß habt Ihr euch noch gar nicht gegeben. Versucht'S doch einmal. Ich will mir die Augen zuhalten." 'Und durch die Finger sehen," scherzte daS Fräulein, bis zur Stirn hinauf er. röthend und Arnold mit einem schwärmenschen Blick zu dem Wagniß herausfordernd. Er rührte sich nicht. .Das kommt mit der Zeit," brummte er in den Bart, wir sind uns noch zu fremd. Und überhaupt. ." Ulrike unterdrückte einen Seufzer. So ein schüchterner Joseph!" spät, tclte die Majorin. Eines Abends, als Arnold in verdrießlichstcr Stimmung nach Haufe zurückkehrte, fand er in seinem Zimmer einen Mann, der schon mehrere Stun den auf ihn gewartet hatte. Er rauchte aus einer kurzen Pfeife ein Kraut, das die Luft bis in den Flur hinaus verpestete, und streckte sich auf dem Sopha aus, an dessen Bezug er sich die schmutzig,en Stieseln abgewischt zu haben schien. Seine Kleidung war nicht in bestem Stande, der scfivarze Rock abgeschabt und daö Beinkleid über den Knieen blank. Von Wäsche wurde am, Halje wenig sichtbar, der Weste fehlten einige Knöpfe. , Spärliches rothblon-
des aar legte sich über die kahle Stirn und zottelte unter dem knochigen Kinn vor. Auf dem Tische lag ein Bündel mit Bindfaden zusammengeschnürt, da neben ein breitkrämpigcr, bestaubter Filzhut und ein Knüttel mit eisenbcschlagcncr Spitze. Der Fremde nahm die Pfeife in die Hand, richtete sich halb auf, spie auf den Tcppich und öffnete den breiten Mund mit den schadhaften Zähnen zu der Frage : . 3ia kommst Du endlich ?" Arnold schien, sobald er den Besuch erkannte, bestürzt zu werden. .Herr Gott, bist Du'S. Fritze?" fragte er zurück. .Was thust Du hier?" .Dn kcnnnst also den Fritz Neichelt doch noch," antwortete jener spöttisch. .DaS ist doch hübsch von so einem großen Herrn Ja. ja ja! Hab'S übrigens von Dir auch nicht anders crwartct, mein Jungchen, trotz allem, was ich so hier nnd dort gehört habe. Es sieht manches anders auS, als eS ist, und manches ist anders, als es aussieht. Wir Beide na, wir Beide kennen einander, mein' ich, und daran halt' ich fest, bis ich'S von Dir selbst höre, daß ich ein Einfaltspinsel gewesen bin. Wir haben so manches zusammen durchgcmacht waS? Solche Brüderschaft hält fester, als die von Vater und Mutter her." .Hast Du schon gegessen?" fragte Arnold ausweichend. Der Gast hob die Beine vom opha, fetzte sich aufrecht und probirtc. ob seine Pfeife noch Feuer hätte. .Ach etwas!" erwidcrtc er ; .aus dem Bahnhof, als ich ankam. Aber nicht viel. Es stand da ein Schutzmann nicht weit von der Thür des Wartcsaals der machte sich das Vergnügen, mir sehr aufmerksam zuzusehen. Da schmeckte mir's nicht. Sehr begreiflich hm ? Und ich dachte auch öci Dir den Tisch gedeckt zu finden. Du ißt jetzt doch wohl mit dem großen Löffel?" .Aber warum schriebst Du nicht? Wenn Du Dich angemeldet hättest " .DaS wollt' ich nicht. Man thut manchmal gut, seine alten Freunde zu überraschen. Der Teufel kann wissen, lvaS mit ihnen inzwischen vorgegangen ist. Aber wenn Du waS bei der Hand
ha,t -" Arnold öffnete einen Schrank. .Da ist Brod und Butter auch noch ein tück Käse. Wenn Du einen Schnaps trinken willst " .Gib nur her. Ist, was ist. Ich bin kein Kostverächter." Er schob sein Nciscbündel zur Seite und legte die Pfeife aus den Hut. Dann zog er sein Taschenmesser heraus, kerbte Stücke von dem Brod ab, soviel jedesmal zu einem Bissen erforderlich, lud aus dem Napf nicht gerade sparsam Butter auf, zertheilte den Käse, um zwischendurch eine Schnitte aufzuspießen und vachzuschicken, und trank von Zeit zu Zeit einen Schluck ans der Flasche, ohne das GlaS zu beachten, das Arnold daneben gestellt hatte. .Also eö geht Dir gut," sagte er kauend. .Ja. so weit Und Dir?" .Immer beim Alten. UnsereineS muß abwarten, bis der große TheilungStag kommt." .Wer hat Dir denn die Lampe angesteckt ?" .Die Frau Haber. Sie brachte, gerade das Schlafzimmer in Ordnung, als ich anlangte. Ein ganz nettes Weibchen für ihre Jahre. Mit der hast Du wohl was " .Ach, bewahre!" .Na, ver Mann vrauchl's ja nlchr zu wissen. Wir haben ein Ende mit einander geredet wie das Geschäft geht und was für Leute Du beschäftigst und waS sonst hier passirt. Man erfährt dabei so manches, worans man auf so manches schließen kann." Er kniff das linke Auge zu und blinzelte ihn mtt dem anderen listig an. .Die Kameraden kommen bei Dir zusammen. Da hab' ich'S nicht weit." .Ich weiß von nichts." .Verstehe, verstehe. Es hat mich doch gefreut, das zu hören. Wenn man mit Einem Jahre lana durch Dick und Dünn gegangen ist und verläßt sich auf ihn. wie aus einen Bruder, und dann hat'S den Anschein, als ob er abspringt, und behält doch alles seine Nichtigkeit Verstehe, verstehe." Er blickte im Zimmer umher und zeigte auf eine Photographie im Goldrahmcn unter dem Spiegel. .Was ist dcnn das da für ein Frauenzimmer?" .DaS ist meine Braut." .Deine Brant! Sich mal, Du Schwerenöther hast Dir gleich waö zugclcgt!" Er ging nach dem Spiegel und nahm das Bild auf. .Donnerwetter ! eine ganz forsche Person. Sicht aber verdammt vornehm 'aus. Ist das auch was für Dich?" Arnold zuckte die Achseln. .Eö kann fein und cS kann auch nicht sein. Wenn'S nach mir allein gegangen wäre " .Sie hat wohl Geld?" , Nein, keinen gebogenen Heller." .Nicht? Du, nimm Dlck in Acht, so eine kostet mehr, als sie -einbringt. Aber Dir kommt's vielleicht nicht drauf an. Das haben wohl auch so Deine Brüder zusammengebracht?" .Die Schwägerinnen mehr. Es kann aber noch immer fein " .Was?" Na, lassen wir'ö. Die Hochzeit ist ja noch nicht gewesen." Fntze machte, Anstalt, seine Pfeife auszuklopfen. Arnold reichte ihm die Eigarrcntafche hin. .Rauch' lieber eine davon; Du vcrqualmst mir zur Nacht daö ganze Zimmer." (Fortsetzung folgt.) Die älteste Schweizerin ist jüngst in der Person der 1l)6j'ahrigen Wittwe . Teresma Bertina im Kanton Tessin aus dem Leben geschieden. Nun ist die älteste Schweizerin Frau Margret Munzinger in Basel, geboren 1804.
Achwimmenc Zlcflaurants.
1t uöftattung dcS neuen Tampferö der Hamburg:merika-Linie. Es war im Oktober vorigen Jahres, als das erste schwimmende CarltonRestaurant auf 'dem Atlantischen Ozean erschien: an Bord des RiesenKampfers .Amerika" der Hamburg-Amerika-Linie. Jetzt steht das Erschsinen eines zweiten Ozeanrestaurants gleichen Schlages bevor, und zwar an Bord des Schwesterschiffes der .Amerika." der .Kaiserin Auguste Viktoria." Die beiden Bordrestaurants stehen unter der gleichen Leitung, die den Weltruf des Londoner Carlton-Re-ftaurants und des Pariser Ritz-Re-staurants geschaffen hat. Die Herstellung des Restaurationsraumes aus der .Kaiserin Auguste Viktoria" ist der französischen Firma Sormani & Remon übertragen. Die Entwürfe stammen von dem Architekten Charles Mewes, der als einer der besten Kenner des Louis Seize-Stils gilt. Aehnlich wie auf der .Amerika" arbeiten die namhaftesten Dekorateure dreier Völker an der Ausstattung dieses Schis fes; vier deutsch: Firmen, eine enzlische, ei?e französische. Daß 7?.an sich an die französische Firma wandte, bat seinen Grund darin, daß ein französischer Stil sür die Ausstattung des Restaurants gewählt worden ist. und zwar einer der seltensten, der des Direktoire; es handelt 'sich um einen Ueöergangsstil, dessen Blüthezeit zwischen 1795 und 1799 liegt und der Znfolge dieser kurzen Zeit seines- Vestehens wenige vollkommene Beispiele hinterlassen hat. Der prachtvolle Raum ist hell und heiter, die Wände aus Citronenholz mit Vogelahorn- und Palisanderholz-Jn-tarsien. vergoldete Bronzezieraten mit gemalten Porzellanplaketten als reicher ornamentaler Schmuck der Täfelungen, Büfette, Etageren. Lorbeerzweige. Epheugewinde. Fruchtschalen. Genien sind die leicht bewegten, anmuthigen Motive dieser Ornamentik. Auch die Sessel sind aus lichten Holzarten, ihre Bezüge sind Roßhaargewebe, wie man sie zur Zeit des Direktoire besonders liebte; den Boden bedeckt ein Teppich nach Kaschmirart. einem alten Persermuster nachgebildet. Man speist aus echtem gemalten Porzellan und mit vergoldetem Tafelgeräth. Natürlich wird auch auf der .Kaiserin Auguste Viktoria" für eine behagliche Anordnung der Tische gesorgt; die Tische sind rund und verschieden groß, so daß kleine und größere Gesellschaften Platz nach Wunsch finden. Die elektrische Tischlampe wird, wie auf der .Amerika," Behaglichkeit verbreiten, und wie dort wird eine Kunstlerkapelle Abends die schmausenden, plaudernden, lachenden Gruppen mit guter Musik unterhalten. Victor-Metall. Ein neues Metall wird jetzt unter dem Namen Victor-Metall von England auf den Markt gebracht; es wird für Sandgießerei benutzt und soll sich namentlich für Benutzung an Schiffen außergewöhnlich eignen, da es der Einwirkung des Seewassers trefflich widersteht Es ist noch etwas weißer als Neusilber und besteht zu etwa der Hälfte aus Kupfer, ferner zu rund 35 v. H. aus Zink, zu 15 v. H. aus Nickelund in ganz geringen Beimischungen aus Aluminium und Eisen. Der starke Gehalt an Zink ermöglicht die billige Herstellung des Metalls. Bei der Ausführung der Mischung, kommt es namentlich darauf an. daß: der Bestand an Aluminium nicht zu hoch wird, weil er sonst eine Brüchigkeit des Metalls herbeiführt. Auf 100 Pfund des Metalls sind nur etwa 50 Gramm Aluminium nothwendig. Die Gewinnung geschieht derart, daß zunächst das Kupfer und das Nickel zu--sammen unter Borax geschmolzen und' dann das Aluminium, später das Zint zugesetzt wird. Das Victor-Metall wird in Barren gegossen. Zu Blech kann es nicht gerollt werden, weil es dazu zu hart ist. ' y Professor alö Eemeiudescbreibc?. ' Wohl nur wenige Gelehrte sind in Bezug auf ihre Erholungsbedürfnisse so anspruchslos wie der jüngst vcrstorbene Germanist Professor Moritz Heyne, der die großen akademischen Ferien .in seiner Heimath . Leisnig sei Weißenfels i. Thür, zu verbringen pflegte, wo er ein Häuschen erworben hatte. Die Einwohner des Ortes freuten sich stets lebhaft auf seine Wiederkehr. Die einfachen Leure wagten indessen gewöhnlich nicht, sofort mit ihrem berühmten Landsmann in der gemüthlichen Weise zu verkehren, die er liebte. Erst allmälig trat die Befanenheit zurück, dann aber wurde Heyne auch als Kegel- und Skatbruder gern .in die Reihe" gezogen. Seine schönsten Erfolge in der Heimath aber erzielte Heyne als Gemeindeschreiber. Das Gemeindeoberhaupt pflegte die Aufnahme der Protokolle über vie Gemeinderathssitzungen zu verschieben, bis Heyne zu den Sommerferien eintraf. Dann mußte der berühmte Germanist die Sekretariatsgeschäfte der abgelaufenen Zeit erledigen. Mit dem ihm eigenen Humor unterzog Heyne sich auch dieser seltsamen .Aufgabe." Ein vielbeamteter Mann ist ein George Roß in Hancock,.Tex. . Der Biedere ist Postmeister. County - Kommissär. Friedensrichter und Schultrultee alles in einer Person.
