Indiana Tribüne, Volume 29, Number 214, Indianapolis, Marion County, 3 May 1906 — Page 6
Jndiana Tribüne, 3. Mai 1906
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Ein ZZcrlincr Ouuqc. ( Erinnerungen eines Wcltreisendcn.
von (5. ren Vacr. (Schluß.) Die Goldgewinnung war nicht leicht. Es handelte sich nicht etwa um Gold fand, aus dem man, wie einst in Califormen, das Gold leicht äuswaschen konnte, sondern um goldhaltigen Quarz, also um ein sehr hartes Ge' stein. Dieser bläulichgraue, goldführende Quar; war eingebettet in Sandstein, den er in Schichten durchsetzte, und mühsam mußte Stück auf Stück des harten Gesteins mit der Hacke abge, schlagen, dann zerkleinert und zu fei' nem Pulver zerstampft werden. Aus diesem Pulver wurde schließlich das Gold auf chemischem Wege gewonnen. (53 gab besondere Unternehmer, welche Pochwerke angelegt hatten und das Gold aus dem Gesteinpulver ausschieden; aber daS Verfahren dieser Leute brachte nur einen Theil des Goldes heraus, viel blieb zurück, und außerdem waren die Goldgräber ganz und gar aus die Ctjrlichkeit dieser Unternehmer angewiesen. 'Die Lebensmittel und auch die geiltigen Getränke waren in den Minenlagern fabelhaft theuer, die ganze Goldzräberei marterst in der Entwickelung begriffen. öS wurden hin und wieder überraschende Goldfunde gemacht, aber diese blieben vereinzelt. Für die Goldgröber mit ihrer primitiven Art der Arbeit war hier nicht viel zu holen, die Sache konnte erst gewinnbringend werden, wenn eine kapitalkräftige Gesell schast kam, welche berg und Hüttenmännisch die Minen ausbeutete. Ich war den ganzen Tag mit einigen sachchverständigen Begleitern in den Minen herumgestreift und kam Abends recht ermüdet in eines der sogenannten LagcrholelS, in welchem ich wenigstens ein nothdürftiges Unterkommen für die Nacht finden konnte. Ich verzehrte mein Abendbrod in der einzigen Gaststube, die es gab, und wo sich jetzt Hundcrte von Goldgräbern aus aller Herren Länder tummelten. Plötzlich that sich die Thür auf, und eine sonderbare Ge stalt betrat das Lokal. Es war ein amerikanischer Wanderprediger, ich er kannte ihn sofort an seiner Kleidung und seinem salbungsvollen Aeußeren. Diese Leute sehen sich alle sehr ähnlich. Er bestieg ohne Weiteres einen Tisch und ließ eine Rede gegen die Trunksucht vom Stapel. Er warnte vor dem Trinken, weil dasselbe vom Teufel stamme, nannte den Wirth einen Genossen des Teufels, der seinen Lohn finden werde, und erzählte dann eine Menge von Beispielen von den traurigen Folgen der Trunksucht. Für einen Europäer, vor Allem für einen Deutschen, war es interessant, das Benehmen des Wirthes nnd seiner Gäste zu beobachten. In Deutschland hätte der Wirth, der in gröbster Weise beschimpft wurde, den Redner hinausgeworfen, aber auch die Gäste hätten den Mann in Deutschland nicht ruhig reden lassen, sondern ihn derartig verhöhnt, daß eö ihm nicht möglich ge wesen wäre, seine Rede zu vollenden. Hier hörten Wirth und Gäste lächelnd und achselzuckend, aber ohne ein Zeichen des Mißfallens die ziemlich lange Rede an. Engländer und Amerikaner besitzen in Folge ihrer freieren Verfassung eine viel größere politische und soziale Schulung. Man läßt meist jeden seine Meinung vortragen, ohne ihn niederzuschreien, und besonders Apostel der verschiedenen christlichen Sekten und Missionsgesellschaftcn haben die weiteste Freiheit der Mei nungsäußerung. Die Rede des Mäßigkeitöavostels war auch den leisten der Anwesenden interessant, weil sie doch eine Abwechselung, eine Unterhaltung bot. Der Mäßigkeitsapostel, ein echter Aankce, hatte sich ganz in Eiser geredet. Endlich war er fertig, sprang vom Tisch und eilte zur Thür hinauf um in einer anderen Kneipe seinen Bortrag zu wiederholen. Wurde er doch jedenfalls von irgend einer amen konischen MissionSgcsellschaft bezahlt, um diese Reden allabendlich in sämmtlichen Trinklokalen des Goldgräber lagerö zu halten. Der Wanderer war kaum zchnMinu' len fort, als ein anderer Mann erschien, welcher ebenfalls den Tisch bestieg, aber nicht sofort zu reden anfanaer. konnte, weil er mit jubelndem Zuruf begrubt würd?. Endlich verschaffte er sich Ruhe und begann eine Rede, ir welcher er ebenfalls die Genossen zur Mäßigkeit aufforderte, aber darauf hinwies, daß jeder Mensch, insbesondere derjenige, der seine Pflicht thue, auä ein Anrecht auf. die Freuden dieses Lebens habe. Auch das Trinken sei mcht gänzlich verwerflich, wenn mar es nur nicht übertreibe. Besonders abel empfehle es )ich, bei einem Bieder mann, wie dem Wirthe dieses Lokales, zu kneipen. Tann folgte eine urdrolligi Aufzählung aller Borzüge des Wirthct und seines Lotales sowie komisch? Anekdoten von Leuten, welche durcl einen guten Schluck ihr Glück gemachl hatten. Die witzige Rede war von durch schlagender Wirkung und wurde vor allen Seiten bejubelt. Der Wirth machte bei dieser Rede entschieden ein glänzendes Geschäft, denn sie animirte außerordentlich zum Trinken. Dieser Redner war Hjrzel, der ver bummelte Berliner Referendar. Ich traute zuerst meinen Augen, kaum, aber
er war es. Er stieg vom Tisch, leert!
ein Glas, das ihm der Wirth als An erkennung spendete, und ging dann hin aus. wahrscheinlich um dem Missionspredige: aus seinen Spuren durch dir Lagerkneipen zu folgen. ch eilte ihm nach und erwischte ihr nom im Vausslur. er fay nun? nur einen Augenblick prüfend an, dann cr kannte er mich, eine Freude wai groß und aufrichtig. Ich begleitete ihr durch die verschiedenen Kneipen dcZ Golögräberlagers, und in den Zwischenpauscn, wenn er nicht redete, tx--zählte er mir, was ich wissen wollte. Ich habe mir in Amerika redliche Mühe gegeben," sagte er, und es is. mir auch geglückt, mich durchzubringen. Das hat mein Selbstvertrauen, meinc Selbstachtung gestärkt, das hat mick wieder moralisch heraufgebracht. Sie haben Recht gehabt, mein Humor hat mir gute Dienste geleistet; ich tuen als Ausrufer in verschiedenen Schaubudcn, aber auch als Hausirer thätig. Run wissen Sie ja wohl selbst, wie ei in Amerika ist. Zu Wohlstand kanr dort nur der geschickt overirende Kapitalist, der Erfinder, Spekulant ode, Betrüger kommen. Der Farmer kommt nur noch aus einen grünen Zweig, wenn er wirklich etwas von der Land' wirthschaft versteht, wie ein Pfett arbeitet und eine zahlreiche Familü und dadurch billige Arbeitskräfte hat. Also das war nichts für mich. Einiges Geld, das ich erübrigen konnte, habe ich dazu verwendet, um meine Schult bei Aanes ab;utraacn?" Brav von Ihnen!" konnte ich mich nicht enthalten, einzuwerfen. Das gute Mädchen," erzählte Hirzel weiter, ist mir immer noch treu und wartet darauf, daß ich einmal in die Lage komme, sie zu heirathen. Als nun die Nachricht aus Transvaal nach New Nork kam, daß hier Gold gefunden würde, glaubte ich, das wäre eine Gelegenheit, um zu Gelde zu kommen. Ich nahm meine Ersparnisse und reiste hierher. Ich habe redlich gearbeitet und bearbeite meinen Elaim heute noch, aber man muß Glück haben, und das Erwerben von Schätzen ist durchaus vom Zufall abhängig. Das Leben ist hier zu theuer. Wie mir, geht es den meisten Goldgräbern: was sie verdienen, verbrauchen sie auch. Da kam nun vor einiger Zeit dieser Wanderredner.. Eines Abends trat ich im Scherz gegen ihn auf und erzielte einen großen Erfolg. Die Gaftwirthe hier sind schlau und wissen jeden Vortheil auszunützen. Sie cngagirten mich heimlich als Gegenredncr gegen den Amerikaner, gaben mir freie Station und noch baareö Geld dazu, und so kann ich, waS ich durch Goldgraben verdiene, sparen. Sie seyen, ich thue nichts Böseö. Ich preise auch die Mäßigkeit, allerdings in humoristischer Weise, und dadurch unterhalte ich die Leute, die hier so wie so Abends kein Theater oder Konzert haben. Ich bin gewissermaßen die humoristische Ehronik des Ortes, rede jeden Abend in allen Lokalen und bin allgemein beliebt. So hat mir gestern erst einer der Inhaber eines Ladens den Vorschlag gemacht, als sein Kompagnon einzutretcn, denn wo ich verkaufe und meine Witze mache, geht das Geschäft. Ich habe aber noch nicht genug gespart, um die Einzahlung als Theilhaber leisten zu können, ich schlachte also vorläufig noch den Wandcrprediger aus." Wenn der Mann nun aber das Reden aufgibt, weil er doch wahr, scheinlich nicht gegen Sie aufkommt?" Das thut er nicht ! Unter uns gesagt, wir spielen unter einer Decke. Die Gastwirthe zahlen ihm selbst heimlich Geld, damit er hier bleibt und mir Gelegenheit zu meinen Witzen gibt; Es ist ein echter Jankee. der jedes (5eschäft mitnimmt, und ich bin ein echter Berliner Junge, der sich überall mit Witz und Laune durchzuschlagen weiß." Ja, wahrhaftig!" lachte ich. Aber mir scheint, die Sache müsse sich doch einmal abnützen?" Selbstverständlich! Aber eine Weile hält sie noch vor, und dann habe ich so viel Geld zusammen, um Theil. Haber des Kaufmanns werden zu können. Tann schwadronire ich für'ö Geschäft, und dann wird in ganz andere? Weise Geld verdient, denn die Minen hier haben eine riesige Zukunft!" Damit trennten wir uns. n O. Abermals verflossen Jahre, und ich befand mich auf einer Reise nach Kleinasien. Das Land ist reich an mincralifchcn Schätzen. Schon die alten Giicchen trieben hier Silberbergbau, spater die Römer, die Byzantiner., die Bene tianer. die Türken. Die Silbcrgruben Kleinasiens sind noch lange nicht genügend ausgebeutet, selbst die Bergwerke, die in früherer Zeit als abgebaut verlassen wurden. geben für den modernen Bergbau r;och eine werthvolle Ausbeute. Viire deutsche Gesellschaft hatte sich einen Firma des ultanS erwirkt, der ihr gestattete, die alten Silbcrgruben in Kleinasien wieder zu eröffnen, und ich wurde au die Spitze einer Expedition geilem, die im Auftrage des deutschen Bank. konsortiumS, das die Sache finanziren sollte, hinausging, um die Verhältnisse zu prüfen. Wir brachen von Konstantinopel im Selbst 1892 aus und gingen über Brussa nach Süden. Wir besuchten zahlreiche verlassene Bergwerke und entdeckten in der That, daß sie noch viel Silber enthielten, nur mußte mit der Ausbeutung gewaltet werden, bis der auch heute noch sehr niedrige Preis deö Qimxßjojmt semegen sei.
Wir bestanden manches kleine Aben. teuer, lernten viel Interessantes kennen, machten Studien an Land und Leuten. Endlich kamen wir nach Smyrna, und hier löste sich die Erpedition auf. t Ich selbst beschloß, in Smyrna noch einige Zeit auszuruhen, und nahm natürlich im Frankenviertel Wohnung, denn im Türken-und Judenviertel ist's fürchterlich. Ich hatte verschiedene Empfehlung briefe an Dcutfche in Smyrna und fand bald Bekanntschaft. Am zweiten Tage sagte einer der neuen Bekannten aus Smyrna zu mir: Heute gehen wir zu Hirzel ! Heute hat er seinen Redetag." Ich horchte natürlich auf und erfuhr, daß seit Jahresfrist im Jrankenviertel sich ein deutscher Vierwirth niedergelassen habe, der aber nicht nur die Deutschen, sondern auch alle anderen Europäer zu seinen Gästen zähle. Er habe nicht nur gutes deutsches Bier und gute Küche, sondern sei auch durch und durch ein Original. Er halte jeden Abend einen humoristischen Vortrag, in welchem er lokase und politische Verhältnisse ironisch und humoristisch verwerthe, Anekdoten aus seinem vielbewegten Leben erzähle und seine Gäste vortrefflich amüfire. An zwei Tagen in der. Woche halte er deutsche, an zwei Tagen englische und an zwei Tagen französifche Vortrüge. Dieselben seien jedesmal von den betreffenden RatioNÄttttien Mrr oefucyl, sonntags aver sei das Lokal von Hirzel knüppelvoll." Der Mann mache ein glänzendes Geschäft und werde in einigen Jahren reich sein. Ich täuschte mich nicht: eö war mein alter Freund Hirzel, der jetzt in Kleinasien i)!eden hielt, wie er sie in Europa, Amerika und Afrika schon gehalten hatte. Immer noch derselbe schnoddrige Berliner wie damals auf der Kaiserparade. Seine Freude über unser Wiedersehen war groß. . Er schleppte mich sofort zu seiner Frau Agnes, mit der er seit Jahressrist verheirathet war. Wie ich erfuhr, hatte er noch drei Jahre in Transvaal ausgehalten und fich ein kleines Kapital erübrigt, das ihm gestattete, nach Europa zurückzukehren und seine Agnes zu heirathen. Mit Rücksicht auf seine Vergangenheit wollte, er nicht in der Heimath bleiben. Er ging zuerst nach Konstantinopel und gelangte schließlich nach. Smyrna, wo er sich festgesetzt hatte. Und wenn er nicht gestorben ist, redel er heute noch. Man ersieht daraus, daß Korpsburschen und verkrachte Studenten nicht so unnütz sind, als man gewohnlich meint. Es kommt nur darauf an, daß sie ihren wahren Beruf entdecken, wie mein Freund Hirzel, dieser Typus eines echten Berliner Jungen." Verschlief den Tod. Auf dem Amtsbureau in Erkner. Brandenbürg, erschien eine junge Dame und theilte mit, öaß ihr Bräutigam, ein Schriftsetzer, nach einem zurückgelassenen Schreiben sich in der Nähe einer Schleuse erhängen wolle. Sofort wurde die Geqend durch Beamte abgesucht. Nach langem Bemühen konnte der Vermißte im Schleusenwärterhaus aufgefunden werden. Der Schleusenmeister hatte den Lebensmüden schlasend im Walde entdeckt und den fast völlig Erstarrten mit nach dem Sa):eusenhaus genommen,' wo der Schriftsetze? am warmen Ofen den Schlaf fortsetzte. Der Lebensmüde wurde geweckt und von der Ankunft seiner Braut benachrichtigt, worauf er seine Selbstmordgedanken fallen ließ und sich bereit erklärte, mit der Geliebten nach Berlin zurückzukehren. Die Veranlassung zu dem verschlafenen Selbstmord war auf Zwistigkeiten zwischen ihm und seiner Braut zurückzuführen. Die Wohnung der Sprachl e h r e r i n. Aus einem Hause in 3raz, Steiermark, mußte neulich eine 75jährige Sprachlehrerin, eine geborene Engländerin, ausziehen, weil sie den immer theurer werdenden Mieth-Zins nicht mehr erschwingen konnte. Beim Räumen der Wohnung machte man nun die überraschende Wahrnehmung, daß sich eine riesige Menge Schmutz darinnen befand, zu dessen Wegschaffung nicht weniger als sieben volle Fuhren städtischer Mistwägen nöthig waren. An den Wangen der alten Dame glänzten Thränen des Schmerzes, als sie die ihr so, lieb gewordene Wohnung, die sie nicht weniger als 30 Jahre ununterbrochen innegehabt. v:rlassen mußte. In der Stadt Graz weilte sie bereits seit 48 Jahren. Alnlitiös. Dieser Sammthnt, liebe Freundin, ist wohl ein theueres Andenken, weil Sie ihn so in Ehren halten?" Sei Ncnticrs. ' Ich muh nur meinem Sohn 's Dichten abgewöhnen, der Junge schmiert mir alle Hundertmarkscheine voll Verse!" Kein St:ldpinl?t. Sie: Sag'. Aron. ist so ä Eisenbahnunglück nicht geradezu schrecklich?" E r: Freilich. Sara, besonders wenn mer is Aktionär!" . Zöliere HsrizkunN. L a n d w i r t h (zur Köchin): Da ist g'rad', ein Gast gekommen der will einen Rehschlegel. Schau' halt, Kathi. was D' z'samm'bringst!"
Stürmt als Hochllapler. Seltsam Versuch eweS Russe ,ur Vetrü, gung eines Berliner Juweliers. Die Berliner Kriminalpolizei hat jüngsthin einen Hochstapler verhaftet, der in seltsamer Weise einen Juwelier zu beschwindeln versuchte. Er nannte sich Fürst v. Margarin aus Rußland," trat sehr fein und sicher auf und bewohnte in einem Hotel der Friedrichstadt einen Salon und ein Schlafzimmer. Von dem Juwelier, dem er sich an einem Vormittage vorgestellt hatte, ließ er sich Brillanten zeigen, und schließlich gab er ihm den Auftrag, ihm eine Anzahl der Schmucksachen in's Hotel zu schicken, damit sich die Fürstin selbst sie ansehen und die Entscheidung treffe. Ein Angestellter des Geschäfts packte für 16.000 Mark Brillanten ein und ging mit. Er war etwas überrascht, als ihm der Fürst im Salon sagte, die Fürstin könne augenblicklich nicht wählen, da sie noch schlafe, er möge daher die Vrilkanten einstweilen dalassen und später wiederkommen. Um den Mann sicher zu machen, öffnete der Fürst ein wenig die Thür des Schlafzimmers ganz behutsam, gestattete dem Angestellten einen Blick durch den Thürspalt und wies mit einer Handbeweoung auf das Bett hin. Dort sah der Mißtrauische ein ziemlich hoch liegendes Deckbett und auf dem Kissen dunkles Kopfhaar. Das überzeugte ihn aber immer noch nicht von der Anwesenheit einer Fürstin. Die Sache kam ihm nicht geheuer vor, und er nahm seine Brillanten wieder mit sich. Das Hotelpersonal war erstaunt, als er nach der Fürstin fragte. Alle wußten .nur, daß der Fürst allein gekommen war. Die Kriminalpolizei wurde aufmerksam gemacht und beobachtete den Fürsien, als er bald darauf ausging und sich nach d:r Wilhelmstraße begab. Dann sah man sich in den Fürstenzimmern etwas genauer um und lüftete auch den Schleier von der geheimnißvollen Fürstin, die immer noch schlief und durch kein Geräusch zu wecken war. Sie bestand aus einem Koffer mit Zeitungspapier, einer Uniform und einem Stiefelknecht, auf dem eine Frauenperücke aufgezogen war. Jetzt holte sich die Kriminalpolizei den Fürsten aus der Wilhelmstraße. stellte ihn als einen 20 Jahre alten Studenten Rubschuski aus Petersburg fest und brachte ihn wegen versuchten Betruges nach dem UntersuchungsgefänZ'' niß. Tcr Schncllläufcr von Altenburg. In dem Herzoglich Sachsen-Lllten-burgischen Amts- und Nachrichtsblat! vom 8. Mai 1838 also zu einer Zeit, wo es weder Eisenbahnen noch andere Kraftfahrzeuge gab befindet sich eine Anzeige folgenden Wortlauts: Ich unterzeichneter Altenburger Schnellläufer empfehle mich dem verehrten Publikum zur schnellsten und billigsten Ausführung jedes expressen Wegs als Eilbote in die Nähe und ??erne. Ich laufe in der längsten
Tour 13 Meilen täglich, mache 2 Stunden Wegs in der Umgegend AItenburgs in 50 Minuten hin und zurück, gehe in 3 Stunden nach Leipzig, in 7 Stunden hin und zurück, in 8 Stunden nach Dresden, ja. wenn es nöthig sein sollte, in einem Tage hin und zurück, selbst wenn dieser Weg den andern Tag müßte wiederholt werden; in 3 Stunden nach Chemnitz, in 1 Stunde nach Penig, in Z Stunde nach Borna, nach Weimar in 9 Stunden. Ueber alle diese und noch mehrere gemachte Eilwege habe ich die richtigsten Attestate aufzuweisen und werde bei geneigter Bestellung zeigen, daß ich wirklich ein schneller Läufer bin. Karl Hebenstreit jun., auf der Kehriggrube bei meinen Eltern wohnhaft." Vor den Leistungen des Hebenstrci! muß man auch heute noch alle Achtung haben. Auf Nosten deS MtaateS. Die große norwegische ' Zeitung Aftenpo'sten" hat sich veranlaßt gefunden, in sehr scharfer Tonart gegen eine Unsitte zu Protestiren, welche in norwegischen Parlamentskreisen sehr verbreitet ist. Die erwähnte Zeitung weiß zu berichten, daß die StorthingZMitglieder, welche Diäten in der H'ofc von 12 Kronen (etwa $3.20) täglich erhalten, dazu im Krankheitsfall kostenfreie ärztliche Behandlung und Medizin, in wenig ansprechender Weise diese Vergünstigungen ausnützen. So ist es gang und gäbe, daß die Abgeordneten sich sofort beim Zusammentritt des Storthings recht erhebliche Vorschüsse auszahlen lassen; ferner daß sie sich auf Staatskosten mit Malertralt. Kognak und ähnlichem versehen, ja. sich gratis künstliche Zähne einsetzen lassen! Der Finanzminister hat erklärt, er finde zum Einschreiten seine Veranlassung er bestreitet aber nicht die Richtigkeit der von der Zeitung angege benen Thatsachen. H e r c f o r d , ein Dorf in Texas, holt sich sein Wasser aus einer Tiefe .von 400 Fuß, und jede Familie in dem Orte besitzt ihre eigene Wasserzufuhr. Für Pumpzwecke werden nicht weniger als 600 Windmühlen verwendet. Seit 36 Jahren träoi ein Mann in Burlington. Vt.. eine Roöbenfellmütze Winter für Winter, aber trotz diesem respektablen Alter zeigt die Kopfbedeckung noch keine Spur von Abnützung. ' .
Ein Heldenstück aus schwerer Zeit bringt die vierte Lieferung des illustrirten Prachtmerkes Deutsche Helden aus der Zeit Wilhelms des Großen." ES betrifft die Vertheidigung Kol bergs, Pommern, durch Gneisenau nnd Nettelbeck im Jahre 1807. GneisenanS VertheidigungStattik ging dahin, die belagernden Franzosen so weit als nur möglich von den Festungswerken entfernt zu halten. Zu diesem Zwecke wurde auf einem nahen Hügel, dem Wolfsberg, eine leichte Schanze gebaut, die den Feind derart belästigte, daß er alsbald beschloß, sie wegzuneh men. Beim ersten Ansturm am 17. Mai gelang dies auch, aber schon nach wenigen Stunden rückte das tapfere Grenadierbataillon v. Waldenfelö zur Rückeroberung aus. Ohne einen Schuß zu thun,, drangen die Braven bis zu den Pallisaden vor, warfen die erste Linie der Vertheidigermit wuchtigen Kolbenschlagen zurück und drangen trotz des rasenden Gewehr- und Geschützseuers, das ihnen entgegenprasselle, zugleich mit den Franzosen in die Schanze ein, die von diesem Tage ab den Ehrentitel GrenadierSchanze" führte. Von den Welschen ward vorerst kein neuer Ver such zur Wegnahme des Außenwerks gewagt, sie begannen vielmehr eine regelrechte Belagerung und beschossen volle fünfundzwanzig Tage den Mangelhaften befestigten Sandhügel; am Ende dieses Heldenkampfes" gewährten sie der Besatzung dann noch freien Abzug mit Waffen und Gepäck. Der zum zweiten Mal französisch gewordene Wolfsberg wurde nun wieder befestigt, aber bald darauf auch wiederum von den Grenadieren mit Erfolg bestürmt. Einer der Ersten, die an die Schanze gelangten, war der Hauptmann v. Zülich. der tollkühn durch eine Schießscharte eindringen wollte; doch im gleichen Augenblick, in dem er sich in die Oeffnung schwang, zerschmetterte ein sranzöfischeö Geschütz den Heldenmüthigen Mann. Seine Kameraden drangen mit verdoppelter Tapferkeit vor, und endlich gelang eö ihnen auch, sich einen Weg in'S Innere zu bahnen. Allen voran eilte der Unteroffizier Staak, der sich auf den französischen Divisionsgeneral Teulie stürzte und ihn mit den Händen erwürgte. Vom König erhielt er für seine Tapferkeit später den Orden pour le rnerite und ward, obwohl er seine Laufbahn als Trommler begonnen hatte, zum Ossi zier befördert. Gneisenau selbst stand an Tapferkeit hinter seinen braven Truppen nicht zurück. Als er an einem Mittag auf Bastion Neumark wie gewohnlich die Parole ausgab, sausten zwei Kanonenkugeln mit großem Lärm über die Köpfe der versammelten Ossiziere hinweg; da die Adjutanten, denen der Kommandant seine Befehle gab, sich erschrocken bückten, rief dieser kalt und ruhig: Meine 'Herren, ich bitte hier auf weiter nichts zu hören, als auf das, was ich Ihnen diktire." Fast fünfzig Tage hatte der Kampf um den Wolssberg die Belagerer aufgehalten, dann erst konnten sie gegen die Hauptveste vordringen. In den ersten Julitagen überschütteten sie die schwergeprüfte Stadt mit taufenden von Geschössen, um sie zur Uebergabe zu zwin gen ; schon war die Kunde vom Abschluß des Waffenstillstandes zu ihnen gelangt und jeder Tag konnte den Befehl bringen, die Feindseligkeiten einzustellen, zur Eroberung der Stadt blieb also nur noch eine kurze Spanne Zeit. Aber Bürger und Besatzung ertrugen auch diese letzte Prüfung, obwohl die Munition fast, völlig verbraucht war und die Mehrzahl der Ge schütze in Trümmern lag. Als endlich der Bote aus Tilsit mit der 7iedens künde kam, tonnte Gneijenau um gerechtem Stolze ihm sagen, daß er Kolber'g trotz aller Noth dem König erhalten habe. In München starb im 78. Lebensjahre Oberst a. D. Edmund Rhomberg, der mehrere Jahre an der Spitze des bayerischen 1. schweren Rei-ter-Regiments gestanden hat.
ZessersonHotel 101-105 Ost Süd Str. Neuer Telephons 07. Zimmer $1.25 fts $1.75 pro Woäe. EuropaischerMan. Vollständig neu umgebaut und renodiri In Verbindung mit dem neuen Hotel habe eine hübsche Halle, die ich zu emenl sehr mäßigen Preise an Logen und Gesellschaft vermiethen werde. E8COTl Mffr. Mer's Halle (früher Reichwein'slHalle.) Serman Zlveller, Eigenthümer Südmest'Ecke Noble und Market Str. Meine vollständig neu renodin $aa sowie Clubzimmer stehen Vereinen, Loge und Gesellschaften zur Verfügung. Wm. Stocif ler Seil lfl. No. 202 Nord Noble StraZ Neues Telephon 2001.
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