Indiana Tribüne, Volume 29, Number 214, Indianapolis, Marion County, 3 May 1906 — Page 5

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HumorrsKe van Mary Mis?h-Kasiner. D!e Verdien schmetterten ihi Früh, konzert, der Thau blitzte auf den Sträu chern und Wiesen wie Diamanten, die Sonne sandte milde Strahlen herab und durchwärmte die frische Morgen luft. Auf den Feldern ringsum war's schon lebendig von fleißigen Arbeitern. Alles stand gut, gedieh, wurde toitresslich gehalten. Auf der Bandstraße, vie sich zwischen den Feldern und Wiesen wie ein roeißer Streifen hinzog, hielt ein Reiter, der sich vergnüglich umschaute. Jetzt noch 'nc gute tarnte und die Sache ist gemacht,- murmelte er. Schwer hat's gehalten, aber jetzt jetzt ist's überstanden! Durch bin ich! Liesel, durch sind wir! Und wer weiß, wir endigen vielleicht, wenn Tante Karoline ein Einsehen hat, noch als Rittergutsbesitzer! He, holla, kleine Krabbe, was machst Du denn da?" Das Pferd wurde einem kleinen, etwa hundert Schritte links von der Landstraße entfernt liegenden Weiher ZUgelcnkt. .Was zum Kuckuck machst Du denn j da?" Ich wasch' das Ferkel." Mir scheint, Du bist selbst- ein Ferkel und brauchtest daö Waschen nöthiger. Komm 'mal heraus!" Ueber den Rand des WeiherS, in des sen Schlamm eS bis über die Knie gcstanden hatte, kletterte ein Bübchen von ungefähr fünf Jahren. Im Arm hielt es ein schneeweiß gescheuertes fettes Ferkelchen. Wie sagt man, wenn man mich sieht?" Gut Mor'n, Herr Hinrichsen! .Wem gehört.daö Ferkel?" Ihnen." ' Warum wäscht Du's?" Weil's dreckig war.- ' Warum hast Du'S nicht im Stall gelassen?" Weil ich mit 'm spielen wollt." Das hat Dir aber Niemand tu laubt!" Nee!" Na also! Wenn Dir's Niemand erlaubt hat" Das thut nir. Die Sau war 'mal dreckig." Vielleicht thut's Dir aber was, wenn ich Dir eine Tracht Prügel gebe. Tu kleiner Lagabund, Du!" Der Kleine verzog das breite Mäulchen bis zu den Ohren. Sie thun mir nizc! Gelt, nee?" jagte er und wischte sich mit der schlammbedeckten Hand über das noch schmutzigere Stumpsnäschen. Herr Hinrichsen schaute ihm schau dernd zu und wandte sein Pferd, um weiter zu reiten. Die Sonne stand schon hoch, als er seine Inspektion beendet hatte und heimritt. Er war sein eigener Jnspek tor und, er selbst konnte sich'S mit Stolz sagen, kein schlechter. Da schimmerte es durch die Bäume, das stattliche weiße Haus mit den gro ßen Nebengebäuden, den gefüllten Stäl len und Scheunen. Und Alles ver dankte er sich selbst. Seiner Arbeit und Umsicht und Herrn Hinrichsens hübsches, gebräuntes Gesicht wurde plötzlich dunkelroth. Die verwünschte Geschichte! Wenn er doch nur die aus der Welt hätte schaf fen können! Sonst war Alles in aus gezeichnetster Ordnung, bis auf das. Reicht war's für Herrn Hinrichsen nicht gcwesen, das Umsatteln. Vom schneidigen Dragonerlieutenant plötzlich ein Bauer, ein richtiger Bauer zu werden, dazu gehört etwas. Der Liesel wegen hatte er es gethan. Sie hätten sich nicht heirathen können trotz aller Liebe, denn ihr Vermögen reichte kaum zur Kaution, und das seine reichte kaum für ihn allein. Da blieb also nichts übrig als Entsagen oder Ab gehen. Glücklicher Weise hatte er eine große Freude an der Landwirthschaft, und er wußte, wenn er etwas wollte, dann konnte er's auch. An Energie sollte eS nicht fehlen. Er zsg den Waffenrock .aus und vertauschte ihn mit der Joppe. Liesels Vermögen 'wurde als kleine Anzahlung zum Kauf, eines verschuldeten Gütchens verwendet. Als sie dann, eben verheirathet, in ihr neues Heim einzogen, meinten sie, die ganze Welt gehörte ihnen, so reich fühlten sie sich. Wie im Paradies! Leider aber waren auf diesem Pa radies" tüchtige Hypotheken, die ihnen allzuchnell die nackte Wukuchkelt vor die Augen brachten. Erich Hinrichsen verlor Schulden gegenüber nicht die Fassurlg, er hatte sich während seiner Lieutenantszeit darin eine überaus große Kaltblütigkeit angeeignet. Aber den Hypotheken war er nicht gewachsen. Und in seiner heil losen Verlegenheit, in seiner Angst um Liesel, die ganz den Kopf verloren hatte, that er etwas, daö Wieder wurde Herr Hinrichsen dunkelroty bei der bloßen Erinnerung. Er hate eine Tante, eine gute Frau, die ihm aber gram war. Sie hatte ge wünscht, daß er eine von ihr vorgeschlagen reiche Heirath mache und schmollte nun, seitdem er Liesel genommen hatte. Diese Tante anzupumpen, so ohne Weiteres, wäre absolut vergeblich ge wesen. Als ihm aber daS Wasser bis an die Kehle stieg, als die Hypothek das Gütchen, Liesel und ihn zu derschlingen drohte, warf er seine ganze ueugebackene GutsbesitzerSwürde über

ren Haufen und beging einen, richtigen Dummenjungenstreich. Sie waren damals gerade ein.Jshr verheirathet. Herr Hinrichsen': hatte sich nun ohne seiner Llescl, die daS niemals geduldet . hätte, etwas zu sagen, an den Schreibtisch gesetzt und an die Tante geschrieben, ihr seine Lage auseinandergesetzt, ihr die Ankunft eines Erben, eines ersten Sprößlings angezeigt und sie in dessen Namen um eine größere Geldsumme gebeten. Daß der Knabe nach der Tante sie hieß Karoline Karl getauft werde, sei selbstverständlich. Der Brief . hatte gewirkt. Die Tante sandte daö Geld ihrem Pathen kinde und bedauerte, nicht selbst kom men zu können, da die Reise für ihren

leidenden Zustand gefährlich sei. Nun, auf ihr Kommen halte Hinrichsen auch keineswegs gerechnet, da er wußte, daß sie leidend war. Als Frau Liesel von dem Streiche ihres Herrn Gemahls erfuhr, war sie außer sich. Daö Schlimmste aber war, daß der angezeigte Erbe auch nachträg lich nicht kommen wollte, und daß die Tante trotz aller ablehnenden Briefe deö unglücklichen Elternpaares nicht aufhörte, ihrem Karl Geld zu schicken. Jede dlezer Sendungen war eine Schachtel glühender Kohlen auf Herrn Hinrichsens Haupt. Aber das auf so schlechte Weise erhaltene Geld trug durch seinen Fleiß glänzende Früchte. Das Gut war in den letzten Jahren beinahe schuldenfrei geworden. Herrn Hinrichsens Mienen heiterten sich auf, da seine Gedanken bei diesem Punkt angekommen waren. Ach was! Die Tante war ja weit fort, warum sich das Leben schwer machen ! Da stand sein Haus, so schmuck und nett, und oben auf der Terrasse stand die Liesel, frisch wie eine Rose, und winkte ihm. Welch eine Gluckönummer hatte er mit diesem Frauchen gezogen! Wie lieb und nett war sie, allen brummigen Tanten zum Trotz! Ich hab' einen bärenhaften Hunger, Liesel," rief er hinauf und warf ihr eine Kußhand zu. Ja komm nur herauf, dann wird er Dir schon vergehen," schrie Frau Liesel herunter. Mit zwei Sprüngen war er oben. Liesel, was ist Dir? Tu hast ja geweint?" Ja, das hab' ich," stieß die junge Frau hervor, aber das kommt von Deinem Leichtsinn, Erich. Nun sind wir ernfach 'verloren."' ; So rede doch, Liesel, waö ist denn?Die Tante kommt!" .Waaas?" Sie ist schon unterwegs. Zwei Tage bleibt sie nur. Sie reist nach Berlin, um dort den Professor B. zu konsultiren. Da ist die Depesche. Was thun wir nun?" Herr Erich drückte die Hände gegen die Stirn und rannte auf und ab., Wie wär'S, Liesel, wenn wir sagten, der Junge sei krank und in einer Heil anstatt?" Aber, Erich, sie würde außer sich sein und hinreisen wollen. Wir haben den Jungen ja bisher immer als ein Muster von Gesundheit hingestellt." -Ach so!" stöhnte der verzweifelte Vater. Aber vielleicht könnten wir sagen" Frau Liesel fing zu weinen an. Nichts, gar nichts können wir thun." Halt, ich hab's!" schrie Herr Hin richsen plötzlich. Die Sache ist ja ganz einfach. Wir nehmen eben irgend einen Vengel und stellen ihn als unse ren Karl vor." Aber, Erich" Liesel, mach keine Geschichten. Wenn Du der Tante den Schwindel eingestehst, schäme ich mich so, daß und außerdem werden wir enterbt." Aber, Erich" Schaff mir einen Buben her, Lie sei ! Wer im Dorf hat einen von fünf Jahren? Besinn Dich, Liesel!" Der Pastor drüben in Oberndorf." Nichts du ! Den Pastor können wir in diese ache nicht einweihen, aufzcr' dem ist der Jrnge zu groß. Hat nicht der Wirth drunten Kinder?" Zu klein!" Na, wer sonst?" Frau Liesel rang die Hände. Ich weiß nicht! Da wäre nur aber das geht doch nicht da wäre der Märtens " Der Schweinehüter?" - Märtenö' Junge, der Rolk, ist ge rade fünf Jahre alt." Vor Herrn Hinrichsens Geist tauchte der kleine erkelwafcher von heute Morgen auf. Es wurde ihm einen Augenblick schlimm. Aber zum Gruseln war jetzt keine Zeit, die Schwäche mute abgeschüttelt werden. Wo ist er, der Bursche?" sagte der Gutsherr entschlossen. Uebrigens Roll ist Dasselbe wie Karl, das trifft sich gut. Schafs ihn her, Liesel. Er entspricht nicht ganz dem Ideal, das ich mir von meinem ohne mache, aber gleich viel. Herm,t ihm! Zuerst, als daö Wichtigste, besorge einen Scheuerlappen und grüne Seife. Man muß sein Gesicht, besonders seine Nase in Ordnung bringen, ehe man ihn mir zur Ablichtung zuführt. Ver giß das ja nicht ! Was zieht man ihm oenn an.'" Frau Liesel sann nach. Bauern kleider geht nicht und vom Pastor " Können wir keine leihen. Natürlich mcht. Al o - .Ich Hab'S, Erich. Wir legen ihn in'S Bett, sagen er fei plötzlich eriranll. T!ann braucht der überhaupt lotn G1 Wo ' tut. ttllVt-l. Herr Hinrichsen umarmte seine Gat tin stürmisch. : Dich hab' ich 'unter

schätzt Liesel ! Aber nun vorwärts den Jungengesucht, die Zeit drängt! DaS Verhängniß gehe seinen Gang!" - Um sechs Uhr Abends kam die Tante an. Herr Hinrichsen bolte sie in sei nem Einspänner vom Bahnhof ab. Ale sie ausstieg) war ihre erste Frage, waö Bubi mache, und ob er sich recht auf sie freue. Als sie hörte, daß Bubi krank zu Bett läge, erfreute sie ihren lieben Neffen durch die tröstliche Mittheilung, daß sie sämmtliche Kinderkrankheiten zu kuriren verstehe. Herr Hinrichsen hatte seine Tante seil sechs fahren nicht mein aeseken. aber er. bemerkte sofort, daß sie sich trotz ihres asthmatischen Leidens ga: nicht verändert hatte. Sie war nocli

immer tletn und rund, der graue Scheitel glatt und glänzend, und besondere die Äugen waren noch genau so wie damals, groß und blau. Und einen Blick hatten sie einfach gräßlich fiii schuldige Gemüther ! Forschend und durchdringend bis in's tiefste Innerste, wie die X-Strahlcn. Bubi lag in PapaS Vett und schlief, als die Tante ihn zum ersten Malc sah. Sie war freudig erstaunt übe: sein blühendes Aussehen, und wunderte sich, daß er in eine von Mamas spitzenbesetzten Morgenjacken gehüllt war. Welch ein Segen ist ein qntel Schlaf! Wie dankte der glückliche Vater dem Himmel, als Bubi den ganzen ersten Abend verschlief. So oft die Tante auch hineinschlich, sie mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Aber freilich, morgen würde Bubi um so munterer erwachen! Karlchen! Bubi !Guten Morgen! Ja, schau Dich nur um ! Tante Karo line ist da! Hat Dir was mitgebracht. Sieh, eine Eisenbahn, die von selbst läuft. Einen Baukasten, eine Schachtel Soldaten. Freust Du Dich, Karlchen?" Ich heeß' Rolk!" versetzte 's Bubi. Hast Du schon einen Baukasten?" Nee! Aber mei'Supp' möcht' ich." Er hat Hunger, er will essen!wandte ich Tante Karoline an Frau Liesel, die, ihres Gatten Hand krampf haft drückend, neben dem Krankenbett stand. Geh, Elise," wandte sich nun Herr Hinrichsen würdevoll an seine Gemaw lin, sorge, daß Bubi gesättigt wiro. Aber halte Dich an die Vorschriftev des Arztes. Und dann wollen wir ihm Ruhe gönnen. Ruhe, absolute Ruhe ist ihm am nöthigsten! Komm, liebe Tante!" Tante Karoline warf ihrem Neffen einen erstaunten Blick zu. So ein junger Vater hatte doch etwas sehr Komisches. Als ob sie nicht wüßte, was einem Kinde am dienlichsten wäre; als ob sie nicht sofort gesehen hätte, daß die ganze Krankheit Bubis nur in der übertriebenen Aengstlichkeit seiner Eltern bestehe? Nichts fehlte dem Jungen, gar nichts! ' Zeig mir mal Dein Züngelchen, Herzenskind!" schmeichelte sie. Hehehe!" Na, so komm, zeig daS Züngel chen!" Bubi riß den Mund weit auf und streckte seine rothe Zunge endlos vor. .. Beim Herr Lehrer gibt'S Tatzen, wenn mer das thun," meinte er, Tante Karoline bedenklich musternd. .So?" Er zieht uns die Hose stramm." .So?" Karlchcn hatte einen strengen Papa. Als er in seinem Bericht über den noch strengeren -Lehrer fortfahren wollte, bekam er einen kräftigen Stoß in die Seite. Hab' ich Dir nicht gesagt, daß Du Ruhe brauchst!" zifchle der zornige Vater. Halt Deinen Mund und schlaf! Und Du, Elise, gib ihm seinen Schlaftrunk wollte sagen, sein Früh stück. Komm, Tante." Im weiteren Verlauf dieses ersten Besuchstages benübte Sinricklen ein Alleinsein mit der Tante, um ihr diplomatisch klar zu machen, daß ihm Geldsendungen für Karl nicht wünschenswerty erschienen, wahrend solche an ihn persönlich stets willkommen seien. Nachmittags wollte Tante Karoline einen Spaziergang machen, um die Dorfbewohner kennen zu lernen, aber Herr Hinrichsen schlug eine Spazier fahrt zu Dreien vor. Er fand dieselbe dann so amüsant, daß er sie bis in die sinkende Nacht ausdehnte und erst heimwärts lenkte, als Tante Karoline vor junger zu sterben erklärte. Als sie an diesem Abend Gute Nacht sagte, fügte sie hinzu: Mit Karlchen yave ich' ungeschickt getroffen; aber morgen werde ich mich den ganzen Tag nur mit ihm beschäftigen." Am anderen Morgen o Jammer regnete es. Auch .sonst sing der Tag für Herrn Hinrichsen schlimm an. Er mußte in aller Frühe schon einen Kampf mit Karlchen bestehen. Bubi rebellirte. ir wollte fort. Er riß di, schöne Morgenjacke herunter, stram pelte mit Händen und Füßen und brüllte, als ob er am Spieße stecke. , Tante KarolZne, die früh aufzustehen pfiegre, ging gerave an'der Schlaszim merthür vorbei, als Bubi 'seine Wil lensmelnung kund that. Heim möcht' ich! u meiner Mut ter will ich! Mutta a a! Mutta a a !" Hierauf ein klatschendes Ge rausch, dann ein fürchterliches Brüllen dem endlich tiefe Stille folate. Nach diesem Zwilchenfalle, der Partie naroüne sehr nachdenklich machte, begab )it sich m den Garten um trotz deö Regens frische Luft zu schöpfen Sie hatte gestern nicht so

recht Gelegenheit gefunden, sich in HauS und Hof umzuschauen; es war immer Jemand um sie gcwesen. Sie hatte keine rechte Ruhe finden können, nicht einen Augenblick, um auf ihre Weise Umschau zu halten. Das wollte sie jetzt, wo die anderen noch nicht fichtbar waren, nachholen. Im Garten begegnete ihr der alte Gärtner. Als er den Besuch der Herrschaft sah, riß er den Hut vom Kopf und machte einen Bückling. Behaltet auf, behaltet auf!" sagte Tante Karoline gütig. Sagt 'mal, seid Ihr schon lange hier?" Sehr lange noch nich! Vielleicht so fünf Jahr." Wart Ihr schon da, als der Junge geboren wurde. Nee, dasnunnich!Wie alt war er, wie Ihr kamt?" ,Wer, wenn ich fragen darf?" Nun, das Karlchen, der Junge von Eurer Herrschaft!" Der Gärtner kratzte sich nachdenklich hinter dey Ohren. Weiß nicht. Daö wird wohl vor meiner Zeit gewesen sein." Mögt Ihr ihn gern, den kleinen Karl?" fragte Tante Karoline und richtete ihren forschenden Blick auf den Gärtner. Dieser lächelte verständnißloö und

mcktc verlegen. Wird wohl so sein! Wird wohl so sein, ja, ja!" Alter Troddel!" murmelte Tante Karoline und wandte sich ihrem Neffen zu, der eben mit Riesenschritten hinter ihr her gestürzt kam und keuchend vor Aufregung fragte, was der Gärtner ge sagt habe. Von dem darauffolgenden Rundgange zurückgekehrt, siel Herr Hinrichsen seiner treuen Gattin halb bewußtlos in die Arme. Die Schilderungen von Karlchens bisherigem Leben und Treiben, von seinem Gesundheitözustand, seinen Liebhabereien, Charaktereigenschaften, welche Tante Karoline bis anf'S Kleinste zu kennen wünschte, hatten den glücklichen Vater beinahe zu Tode erschöpft. Der heutige Tag war der letzte von Tante Karolinens Besuchszeit, eS war also nur natürlich, daß sie dem Früh stück ihres kleinen Pathchcns beizuwoh nen den Wunsch hatte. Da Bubi noch immer daS Bett hüten mußte, ganz unnöthiger Weise, wie die Tante meinte, so begab sie sich in das Schlaf gemach, begleitet von beiden Eltern. Wo liegt denn der Junge sonst, wenn er nicht krank ist?" fragte sie. Sonst?" Herr und Frau Hinrichsen sahen sich an. Sonst? Na, in einem Kindcrbettchen natürlich, daö ist doch selbstverständlich, Tantchcn. hahaha!" Herr Erich lachte ganz unbändig über Tante Karolinens naive Frage. Hm!" machte diese. Habt Ihr denn 'ne gute Bonne! Ich sehe gar Niemand derartiges." . , Ja. das ist eine fatale Sache! Da ist nämlich" Herr Hinrichsen sah ganz schmerzbewegt aus daist nämlich ein Unglück passirt, daö Fräulein hat ihre Mutter ist plötzlich von einer Treppe heruntergefallen, und nun muß sie sie pflegen. Wie'S schon so geht im Leben!" setzte er seufzend hinzu. ... wHm! Na, nun laßt Euch nicht ab halten, geht Euren Geschäften nach, ich bleibe einstwellen bei Karlchen." Aber, Tante!" Der Neffe sah ganz entrüstet aus. Tante, wir werden Dich doch nicht allein lassen, da wir Dich doch nur so kurze Zdt'bd uns haben! Nein, nein, wir bleiben da, das ist selbstverständlich!" Wie Ihr wollt," meinte die Tante trocken. Aber es wäre mir ganz interessant gewesen, mit Karlchen allein zu plaudern." Ach. an dem ist nicht viel Jnteresfanteö! Karl, zähle einmal ffU tausend, aber recht langsam!" Eens, zwei, drei, viere, fünfe, scchse, sibbcn, achte, neune,' zehne. Weiter kann ich's noch nich." . Dummkopf!" murmelte der Vater mit einem wuthenden Blick aus Bubi, der mit seiner vcrzweiflungsvoll herabhängenden Unterlippe und den runden, verwunderten Augen in der That nicht sehr geistvoll aussah. .Bubi," saqte jetzt die Tante schmeichclnd, indem sie sein Händchen nahm und forschend die breiten, eingewachse nen, schmutzigen Fingernägel betrach tete, Bubi, sag' 'mal, hast Du Papa und Mama lieb? Wen hast Du am liebsten?" O, er hat gewiß unS Beide . Sei doch still!" unterbrach die Tante Herrn Hinrichsens Erklärung. Lasse ihn reden. Daö ist mir viel interessanter. Na, Bubi?" Die Mutter!" Und die Tante nicht? Hat man Dir nie von der Tante erzählt, die Dir immer was geschickt hat?" Nee!Gott, ist das ein Dummerjan! stöhnte der Papa. Wie tausendmal hat man ihm von Dir erzählt und nun es t schrecklich mit dem Bengel !" Warum hast Du denn den Papa nicht so lieb?" Der Vatter iö immer b'soffen!" Ah!" Ein gräßlicher Schrei kam aus Herrn Hinrichsens Munde. Er w. - r TTA I j. i oalle nen furcylvaren vouo) u Rücken empfunden, sagte er; eS müsse Neuralgie sein. Tante Karoline richtete ihre großen blauen Augen fest auf ihn, als sie erwiderte, er könne ihr leid thun. Im weiteren Verlauf des Frühstücks pafsirte nichts Besonderes. Es müßte denn der Tante befremdlich erschienen sein, dan Bub, jo nebenbei behauptete, sein Vater hüte die Säue. Wie dem auch sei, jedenfalls äußerte

sich Tante Karoline nicht ausführlich

darüber. Sie sprach überhaupt während des Tages nicht mehr viel und schien von den erhaltenen Eindrücken etwas stark angegriffen zu sein. Abends wünschte sie Karlchens Spiel sachen zu sehen, wahrscheinlich weger. der folgenden Geschenke, aber leider war der Schlüssel zum Spielschrank cbsolut nicht zu finden. Daß sie früh in Bett ging, war bei der in früher Morgenstunde beschlösse. nen Abreise selbstverständlich. Herr Hinrichsen und seine Frau schliefen in dieser Nacht besser als in der vorigen.. Am anderen Morgen, es dämmerte noch, fuhren alle Drei auf den BahnHof. Herr Hinrichsen war äußerst mun ter und gesprächig. Er hatte es der Tante nicht einmal übel genommen, daß sie eö ablehnte, dem schlafenden Bubi Lebewohl zusagen und ihn zu küssen. Aus dem Bahnhos erschöpfte er sich in den verbindlichsten Redensarten, wie sehr glücklich ihn und seine Frau der Besuch gemacht hab?, und daß die Tante um Gottes willen bald wiederkommen müsse, und daß sie am besten thäte, täglich zu schreiben. Er redete sich schließlich selbst sc warm, daß er, allerdings erst Angesichts des hereinrollenden Zuges, zu jagen wagte: Wenn Du wieder kommst, Tante, ist Karlchen hoffentlich gesund und"' Er kam aber nicht dazu, zu Ende zu sprechen. Tante Karolinens Augen wurden riesengroß, als sie ihn und Liese! von oben bis unten musterte. ES thut mir leid, meine lieben Kinder," sagte sie in eisigem Ton, es thut 'mir leid, Euch etwas Unange nehmes sagen zu müssen. Ich wollte Euch zu meinen Erben einsetzen Ihr wißt, einige Hunderttausende hat man ja aber seht, Euer Bubi hat mir gar nicht gefallen! Es ist ein häßliches, dummes und rohes Kind. Damit könnt Ihr keinen Staat machen! - Ich werde also anders disponiren. Adieu, laßt es Euch gut gehen!" Und fort war sie! Herr Hinrichsen und Frau Liesel fuhren schweigend nach Hause. Schweiß gend, düsterer Gedanken voll, wurde Bubi von dem Ehepaar im Schlafgemach angekleidet und zu seinen geliebten Ferkelchen entlassen. Schweigend, düsterer 'Gedanken voll gingen sie dann ihrem Tagewerke nach. Acht Tage später erhielten sie von Tante Karoline folgenden Brief: Lieber Neffe, liebe Nichte! Nachdem ich Euch reichlich Zeit ge lassen habe, Euch zu ärgern und vor Allem zu schämen, will ich nicht länger zögern, Euch mitzutheilen, daß ich Euren Schwindel durchschaut habe. Dies wurde mir um so leichter, als Deine Angehörigen, lieber Erich, der artige schändliche Streiche von Dir längst gewöhnt sind. Auch mißachte ich Dich denn noch nicht genug, um Dir einen solchen Svrößling zuzutrauen. wie das ,Bubi' war. Daß ich von Euch sur so dumm gehalten wurde, nehme ich Euch am meisten übel, aber daß ich es nicht bin, tröstet mich darüber. So verzeihe ich Euch denn! Beson derö Dir, Elise, da Tu ja unter dem Einfluß Deines ehrenwerthen Herrn Gemahls handeltest. An Bubl meinen Gruß. Wenn Ihr ihm wenigstens die Nägel geputzt hättet; Eure Tante Karoline." Waancr und Offcnback. Als Rienzi" erschienen war. schickte Waaner einen Klavierauszug zu Offenbach mit der Ältte um sein urtheil. Ossenbach, damals auf dem Zenith seines Ruh mes. sandte, wie die Neue Stuttaar ter Musikzeituna" enänlt. nack drei Wochen den Band mit der Ausschrift zurück: Lieber Wagner! Ihre Musik ist nicht viel wertn: bleiben Sie lieber bei der Schrift stellerei !" Offenbach hatte nämlich verschiedene Aussätze von Richard Wagner gelesen, die ihm gefallen hatten. Waaner war , emvört über dieses Urtheil, und als nicht lange darauf seine Broschüre: Das Judenthum in der Musik"'erschien. sandte er sogleich auch davon ein Eremplar dem sraellten Osfenbach. Nach zwei Sagen schon hatte er es wieder zurück, diesmal mit der Aufschrift: .Lieber Waaner! Shvt Schriftstellern ist reckt unnütz ; bleiben Sie doch lieber bei der Musik!" Eine merkwürdige Uhr. Eine Uhr, die der Großvater des jetzt verstorbenen Herzogs von Anmale einst für den Prinzen von Wales, den spateren Ko nig Georg den Vierten von England hatte anfertigen lassen, kam in Paris kürzlich-zum Verkauf. Sie zeigt in feinster Ausführung die Form des Kopfes einer Negerin. Rings um den Hals ind in die Bronze ein Ge schmeide bildende Juwelen eingesetzt. ebenso in daö wollige Haar und vorn dicht unter dem Halse als Haken für den Uhrschlüssel. Ein Paar trefflich gravitte lange Goldnnge in durchbro chener Arbeit schmücken die Ohren. Zieht man an einem davon, so er scheint im rechter. Auge die Zahl der stunden, im linken die der Minuten. Ein Zug am anderen Ohre löst ein kleines, im Schädel angebrachtes Glockenspiel aus, das die Tagesstunden angibt. . - Pfarrer Kneipp fragte , jeden Kran ken nach Stand und VermögenSverhält Nissen, um darnach die Gebühren zu be messen. Einer Patientin, die sich als Hofdame einer deutschen Großherzogin zu erkennen gab, bemerkte er daraus : .Also a MenMbot',! Zohlt nix!'

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