Indiana Tribüne, Volume 29, Number 213, Indianapolis, Marion County, 2 May 1906 — Page 5
Jndkana Tribüne, 2. Mai 1906r
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Spate Neue.
Erzählung von C. Frau Den Bona n:!Ue in ihrem Schaukel stuhle und las ciucn Brief, den ihr die Zofe sceb:n getraut. Tie Tarne hatte die Bemerkung dcö Mädchens, die Ueberbrinczerin warte draußen auf Antwort, kaum beachtet. Mit lässiger Miene nahm sie daö Plump zusammengefaltete Schreiben an sich. Wer doch auf so grobem Papier schreiben mochte! Gewiß ein Bettelbrief sie hätte ihn gar nicht öffnen sollen. f Allein ein gewisses ötwas, von b:rn sie sich keine- Rechenschaft zu geb:n vermochte,- trieb sie vorwärts diese steifen,' ungelenken Schristzüge kamen ihr so . bekannt vor, und dann sie preßte rasch die feinen Lippen ans einander, um den Schrei yx ersticken, der ihr aus der tiefsten Tiefe der Seele heraufzittertc.' Hastig blickte sie um sich, sie war allein ein schweres Aufathmen, dann las sie: An meine Nichte Lcri ! Wenn Tu dies liesest, bin ich nicht mehr; nur meine bevorstehende Todesstunde kann mich bewegen, diese Worte an Dich zu richten Dich, Du Undankbare, die Heimati?, Verwandte, Kind Alles vergessen. Tu hast jede Spur von Dir gut verborgen, vor einigen. Wochen führte Dich mir ein Zufall in den Weg. Ich sah Dich in Seide und Spitzen ge hüllt, schön, vornehm, aber trotz der langen Jahre erkannte ich Dich gleich. Ich fragte nach Dir, ich l':ß mir daö Haus zeigen, in dem Tu Antest, Tu bist also eine reiche, tornei .ne Frau gewerden! Um so besser! So hast Du die Mittel, anständig für Dein Kind zu sorgen. Es ist Dein rechtmäßiges Fleisch und Blut, eö trägt einen ebrlichen Namen so schlecht kannst Tu noch nicht geworden sein, um es in Noth und Elend hinauszustoßen denn ich, ich habe nichts mehr wenn ich sterbe, steht Leona allein da." Tic schone Frau ließ das Blatt sin ken, und das Haupt in die blendend weiße, aristokratisch schlanke Hand stiiycnd, blickte sie sinnend nieder. Ja, eS war lange her und doch sie erinnerte sich noch mit peinlicher Genauigkeit deö Tages, da man den Bater erschossen nach Hause gebracht. Verfehlte Spekulationen, noble Passivnen, wenig Geschäftsgeist, das hatte den früher gut gestellten Kaufmann zum Bettler gemacht. Lcnorc zählte damals kaum fünfzehn Jahre. MU Schmach und Schande beladen, verließ sie mit ihrerMutter den Ort, wo sie früher in den besseren Kreisen, eine Rolle gespielt hatten. Hinaus auf's Land, in ein kleines Torf hieß es, wo eine Schwester der Mutter einen ärmlichen Kramladen hiclk.Jn guten Zeiten hatte man sich nie um die Tante gekümmert, jetzt war sie die einzige, die ihnen Obdach und Hilfe bot. Aber das jetzige Leben war so gar nicht nach Lenorens Geschmack. . Tie Tante verlangte, daß sie arbeiten, grobe Arbeiten verrichten sollte, daö war sie nicht gewöhnt, auch fehlte ihr jede Lust dazu. Tie gebrochene, völlig abgestumpfte Mutter hörte nicht auf ihre Klagen, und sie mußte sich fügen, wenn es ihr auch noch so schwer ankam. Gin Jahr nach der Katastrophe starb Lenorens Mutter. Nun hatt? sie Niemand als die Tante, aber das besserte ihr Berhältniß zu der strengen, unbeugsamen Frau keineswegs. Tag und Nacht grübelte Lenore nach. wie sie loskommen konnte, und endlich fand nch ein Ausweg, den sie mit tausend Freuoen ergriff. Ein junger Wirthschaftsbesitzcr.vcrliebte sick in sie; er selbst war einfach, fleißia, acnüasam, aber ihre seine, vornehme Art zog ihn mächtig an. Er warb um sie und erhielt ihr Jawort, trotz der Einwendungen der Tante, die von dieser Verbindung Nichts wissen wollte. Ihr taugt nicht für einander wiederholte die scharfblickende Frau unzählige Male, das wird keine gute Ehe- werden, denn Gottfried Bland braucht eine' tüchtige, sparsame Haussrau." Allein ihre Einreden nützten nichts, Gottfried Aland heirathete Lenore und eine Zeit lang schien Alles gut zu gehen. Als ein kleines Mädchen zur Welt kam, war das Man des Glückes voll. Toch die junge Frau kränkelte und behauptete, sie bedürfe erner Badekur, um nch gänzlich zu erholen. Auch dies Opfer ward gebracht; Lenore ging in'S Bad, ihr Kind zrem der Pflege überlassend, während ihr Gatte zu Hause doppelt, angestrengt arbeitete, um die Kosten deö theueren Badcaufcnthaltes hereinzubringen. Lenore kam frisch und rosig zurück. aber zu Hause ging es täl) abwärts. TaS Anwesen war klein und hätte einer energischen Leitung von grauen Hand bedurft,' aber Lenore verstand nicht zu wirthschaften, im Gegentheile, sie gab stets mehr aus, als sie zur über fügung hatte. Dazu kam eine Mißernte, der schuldensreie Besitz mußte belastet werden, daö traurige Ende war vorauszusehen. Ehe es noch dazu kam. legte sich Gottfried Bland hin und starb. Eine Erkältung, bh er sich zugezogen, nahm' aus Mangel an Schonung bald einen ernsten Eharakter an, binnen wenigen Tagen war der kräftige junge , Mann eine Leiche.
LenorenS Trauer war weder tief noch lang. Geliebt hatte sie ja den Mann nicht, er war ihr nur das Mittel zum Zwecke gewesen. Das kleine Anwesen mußte verkauft werden, und Lenore zog wieder mit ihrem Kinde zur Tante. TaS war wohl das bitterste für sie.
Länger als ein Jahr hielt iie cS auch nicht aus, dann faßte sie den Entschluß, lieber in die Fremde zu ziehen, als in den drückenden Verhältnissen in der Heimath zu. bleiben. TaS Gluck war ihr hold; in einer 'Zeitung fand sie die Anzeige, daß eine : r fc. f f a .. v junge eciiiqa?f.ecslme gciuair rveroe. eic meldete sich und erhielt eine zusagende Antwort. Die Dame, zu welcher sie kommen sollte, lebte im südlichen Frankreich, war. aber eine Deutsche und hatte des halb auch eine deutsche Gesellschafterin verlangt. Die Tante hielt Lenore nicht zurück; sie erklärte sich bereit, die kleine Leona zu behalten, aber machte es der jungen Mutter zur. Pflicht, von Zeit zu Zeit nach ihrem Kinde zu sehen. Lenore versprach Alles und reiste leichten Herzens ab. . Sie fand in ihrer neuen Gebieterin ein kränkliches, sanftes Geschöpf. Fräulein von Erpsen stand allein in der Welt. Ihre Ellern waren vor Jahren nach FrankreichLczogen und hatten sich dort angesiedelt. Ihre eigentliche Heimath hatte Fräulein von Erpfen nicht wieder gesehen, da sie ihres leidenden Zustan des wegen in einem warmen Klima leben mußte. Als beide Eltern. kurz nach einander starben, ward in ihr der Wunsch nach einer gleichaltrigen Gefährtin rege, sie war wohlhabend genug, um sich dieser Ln;us zu gönnen, so kam Lenore in ihr Haus. Lenore verschwieg, daß sie schon vermählt gewesen, und sie verstand eS gar bald, sich die volle Gunst der Leidender zu erobern. Drei Jahre lebte sie in den angenehmsien Verhältnissen, nach Hause hatte sie nicht ein einziges Mal geschrieben. Fräulein von Erpfen ward immer kränker, plötzlich erfaßte sie eine bren nende Sehnsucht nach Teutschland wenn sie sterben mußte, so wollte sie in ihrer eigentlichen Heimath sterben. Sie kam kaum über die Grenze, dort starb sie in einem elenden DorfwirthSHause, nachdem sie l'euoren Alles, Ivai sie besaß, geschenkt. Und nun trat an diese die Ver suchung heran was hinderte sie, dik Todte unter ihrem eigenen )!omen be graben zu lassen und sich als Fräulein -von Erpsen auszugeben? Niemand geschah damit ein Unrecht, und sie besaß das, wonach sie immer mit glühender Seynsucht gestrebt, einer vornehmen Titel. . In dem DorswirthShaus wußte keir Mensch, wer die eigentliche Herrin sei, den Taufnamen hatte sie mit Fräuleir von Erpsen gleich. Alles was diese be sessen, gehörte 'nun von Rechts weger ibr, warum sollte sie auch nicht der. Namen behalten? Und Lenore that es, von den Umständen begünstigt zzräu lein von Erpfen wurde unter dem Na men ihrer Gesellschafterin begraben, Lenore reiste als Fräulein von Erpfer nach Teutschland welter. Nicht ein einziges Mal kam ihr der Gedanke 'nach ihrem Ninde, nach ihrer Tante zu forschen als sie fortging, hatte sie mit, der Vergangenheit fü, immer gebrochen. Lenorens schöne Erscheinung, ihr sicheres, vornehmes Austreten ver schaffte ihr bald Zutritt zu den bester, Kreisen. Sie verstand es, trotz ihres Alleinseins ihren Ruf makellos zu wahren, und Niemand nahm eS daher'Wunder, als Herr von Bona um sie warb. . Herr von Bona war ein schöner, stattlicher Mann, reich, unabhängie und von angesehener namrne. Er stand sogar in Verwandtschaftlichen Beziehungen zu einem kleiner Fürstenhaus e und war in den bester ötreisen ein: beliebte Persönlichkeit. Für den Mann, dessen Gattin nur Lenore ward, blieb die Unbeflecktheit seines Namens das Höchste und Hei ligste so 'sehr er sie auch liebte, nie würde er sie zu seiner Frau gemacht haben, wenn er Alles gewußt hätte. Aber er ahnte nichts, und die Jahre gingen friedcvoll dahin. Lenore blicl die schönste Zierde seines Hauses, be wundert, gefeiert, beneidet, überall mit größter Auszeichnung empfangen, und sie hatte sich daran gewöhnt, id ihres Lebens nur von dem Zeitpunkte an zu erinnern, da sie angefangen, den Namen des Fräuleins ton Erpfcri zu tragen. Und nun mit einem Male ward sie so unvermittelt an die Ver gangenhcit gemahnt. Mit einem tiefen Seufzer nahm die schöne Frau das Briesblatt wieder auf. . Ihre großen Augen erweiterten sich angstvoll, als sie las: Ich sende Dir Dein Und; Leona wird Dir meiner Bkles ttbcrbllNgen, sorge für sie, es is Deine Pflicht noch weiß sie nickt, daß ich sie zu ihrer Mutter sende, sei gütig zu ihr, sie verdient es.". ' Mit festen, harten Zügen stand die Unterschrift darunter, für Lenore kein Wort des Abschieds mehr. Aber was galt das der zu Tode er schrockenen Frau sie dachte nur daran. da ihr jcind hier sei, hier, mit ihr unter einem Dache, und dar; d,e (int deckung so schrecklich nahe war. Minuten vergingen, dann tönte ein schriller Woruntnn durch das Gemach.
.JZufen Sie die Wartende herein befahl Frau von Bona der eintretenden Zofe. Ihr schönes Gesicht war ruhig, kühl, wie immer, aber 'die glatte Außenseite barg einen Vulkan. Ein sechzehnjähriges Mädchen trat schüchtern ein. Blond, rosig, befangen, linkisch nein, sie glich in nichts der vornehmen, eleganten Mutler. lenore athmete erleichtert auf. Sie sprach gütig aber ohne Wärme zu dem Kinde. Siewolle sür sie Sorge tragen, eS solle ihr gut gehen, ob sie Lust zum Lernen babe. Veona bejahte; sie erzählte, iie hätte mit der Verstorbenen seit einem
Jahre hier in der tadt gelebt, unter kümmerlichen .Verhältnissen, sie seien sehr arm gewesen. Die eele der stolzen Frau durchzuckle es doch wie ein scharser Stachel. Ihr öcrnd in Noth und Elend, wahrend sie von Luxus umgeben war." ' Ihre Adrc se, liebes Krnd". sagte sie mit weniger fester Stimme als vorher, ich werde heute noch zu Ihnen kommen." Dann winkte sie dem Mädchen zu gehen sie fühlte, daß ihre Kraft sie verlassen wollte. Eine stunde von der Stadt entfernt, stand ein einfaches Haus in einem großen Garten, dessen ElgcnthumeriNncn zwei ältere, Damen waren; mehr um nicht einsam zu leben, als um des Vortheiles willen, nahmen sie einige junge Mädchen zu sich, mit deren Ausbildung sie sich beschäftigten. Zu diesen Damen brachte Frau von Bona ihre Tochter. Sie erzählte ein Märchen, daß sie einst die Mutter deö Mädchens gekannt und nun entschlossen sei, sür deren Waise 311 sorgen. Man glaubte ihr Alles aus's Wort, Leonas Dankbarkeit gegen die gütige Dame kannte keine Grenzen. Von Zeit zu Zeit, nicht zu oft, kam Frau von Bona, um sich nach den Fortschritten ihres Schützlings zu erkundigen. Sie hörte nur das Beste über Leona und nachgerade begann sich in ihr die erstorbenc iNuttcrliebe zu regen. Sie freute sich auf diese seltenen Zusammenkünfte, und mit den Jahren ward es ihr Bedürfniß, das lieblich erblühende Mädchen zu sehen. Leona war in ihr zwanzigstes Jahr getreten, noch immer ahnte kein Mensch etwas von ihren eigentlichen Beziehungen zu Frau von Bona, als sich ein Freier für das junge Mädchen fand, ein Neffe der beiden Damen, unter deren Schutze sich Leona befand. Berthold Sandow zählte dreißig Jahre, erfieutc sich eines tadellosen Rufes und hatte als Ncchtöanwalt eine ziemlich große Praxis. Lccna liebte ihn und nirgend lag ein Hinderniß gegen eine Verbindung der Beiden vor. Aber Frau von Bona zauderte, ihre Einwilligung zu geben; sie sagte, Leona sei eigentlich noch zu jung, um schon an eine Hcirath zu denken, der wahre Mund aber war, daß sie eine entsetzliche Angst vor Entdeckung hatte.Sie wagte cs nicht, eine abschlägige Antwort zu ertheilen. Handelte es sich dock um das Gluck ihres indes, aber welche Konsequenzen konnten daraus entstehen, wenn Leona SandowS Frau wurde! Bis jetzt wußten nur wenige , von dem Schützlinge Frau von Bonas, Leona hatte bisher in tiefster Zurückgczogenheit gelebt. Wenn sie aber jetzt in die Oesfentlichkcit trat, wenn cs sich vielleicht traf, daß 'Mutter und Tochter rm. Ballsaal, im Theater zu sammenkamen, konnten da nicht Ver glcichungen angestellt, am Ende gar eine gewisse Aehnllchkert herausgefunden werden dann stürzte das ganze, so mühsam errichtete Gebäude zusammen, und was dann geschah, die stolze Lenore mochte nicht weiter daran denken. Sie hatte Sandow, der zu ihr gekom men war, um Lconiö Hand zu bitten. mit einigen leeren Redensarten ver tröstet, sie sah fern Erstaunen, den for schenken Blick, den er auf sie richtete. War ein Verdacht in ihm aufgekeimt, hatte er eine Ahnung von der Wahr heit? Tausend Zweifel und Befürchtungen marterten das Herz der stolzen Frau, als sie an der Seite ihres Gatten zu einer glänzenden Gesellschaft fuhr, für die sie sich reich geschmückt hatte. Hätte sie ihren Gatten geliebt, würde sie sich mehr mit ihm beschäftigt haben, so hätte sie schon seit Langem bemerken müssen, daß Herrn von Bonas Stirn von einer schweren Wolke beschattet war. In Gesellschaft war er heiter und liebenswürdig wie immer. aber zu Hause ließ sich der Schatten nicht so leicht bannen den stolzen Mann drückte etwas, aber er mochte sich nicht aussprechen, selbst' der Frau gegenüber nicht, die er aus Liebe geyclralyel hatte. Apropos," sagte er, als sie ausstiegen, Du wirst heute einen Aekann ten aus Deiner Mädchenzeit finden. Lenore. Ich machte gestern im Klub die Bekanntschaft eines Franzosen, welcher behauptete, mlt einem Fräu lein Lenore von Erpfen in Frankreich zusammengetroffen zu sein ich glaube, es' war in einem Seebade und Deine Eltern-lebten damals noch." Die schöne Frau war leichenblaß qe worden, aber sie beherrschte sich und fragte ruhig: Sein Name?" Ich glaube Leon de Vionville, ich 0 .... . .. ' rann mllu nieyr genau erinnern. .Dasselbe ist 'bei mir der Fall gab sie mit einem Lächeln zur Antwort mein $ott, es ist schon so lange ver, uno iü) werde damals noch ein hal des Kind gewesen lein." Wie die schwere Seide ihres Ge-
wandes rauschte, als lenore am Arme ihres Gatten den Festsaal betrat ein Lächeln lag aus ihren Lippen, ihre Stirn hob sich stolzer denn je, aber in ihrem Innern war es Nacht, schwarze Nacht. Sie sprach wie sonst mit den Bekannten, die sich um sie drängten, aber was sie sagte, sie wußte es nicht, wie gebannt hingen ihre Blicke an einem stattlichen, alten Herrn, den man ihr als Herrn von Vionville bezeichnet hatte. t Jetzt, der entsetzliche Moment nahte, sie sah den Gefürchtet! auf (ich zuschreiten, den Kreis durchbrechen, in dem sie stand, eine heiße Angst bemächtigte sich ihrer, sie wollte fliehen, aber nein, es, war zn'spät, schon stand er vor ihr, schon hörte sie seinen Namen nennen, vernichtet ließ sie Alles über sich ergehen. Herr von Vionville beftete seine dunklen Augen fest und prüfend auf Lenorens schönes Antlitz. Etwas wie Ueberraschung malle sich in seinen Zügen, allein er sagte kein Wort, was er auch denken mochte. Andere Personen traten zwischen sie, Lenore athmete auf ; so war die Gefahr glücklich vorbeigegangen! Doch nein, ehe sie'sich dessen versah, stand Vionville an ihrer Seite. Gnädige Frau," sagte er, dürfte ich sie um die Gnade öiner Unterredung für morgen bitten?" 8ic sah ihn groß an, obgleich Alles an ikr zitterte und bebte. Ich wüßte nicht, was Sie mir zu sagen hätten," versetzte sie hochmüthig. Aber ich weiß es um so genauer," bemerkte er scharf ; ich habe Fräulein von Erpfen sehr gut gekannt und bin gewiß, daß Sie nicht dieienige sind, für die Sie sich ausgeben." Wie können Sie so etwas behaupt ten," unterbrach sie ihn heftig. - Das will ich Ihnen morgen sagen." Nein, beute noch." Wie Sie wünschen." Er bot ihr den Arm und führte sie nach einem Sitenkabiuett, in dem sich Niemand befand. Hier sind wir vor Störung sicher sagte er, Lenore zu einer Fensternische führend, deren wallende Vorhänge die Beiden fast verbargen, und nun höre Sie mich an. ich werde es kurz machen. Ich liebte Fräulein von Erpfen, troz dcö Allcrouiiterschiedes, denn sie war bedeutend iüngcr als ich, . auf das Innigste. Leider dürfte ich an eine
Verbindung mit ihr nicht denken, dcnr ich war vcrhcirathet und obgleich ich reu meiner Frau getrennt lebte, m meine Ehe mit ihr eine unlösliche. Lenore liebte mich, ich wußte es, ohne daß sie cö mir je gesagt, und alt ich von ihr Abschied nahm, verabredeten wir, daß jeder von uns nach einem bestimmten Orte allmonatlich Botschaft sende. Blieb diese Botschaft einmal aus, dann war der Tod deö einen gewiß. Jahre hindurch führten wir diese heimliche Korrespondenz, dann blicl jede Nachricht von Lenore aus sie war also todt, für mich auf ewig verloren! Da, vor zwei Jahren löste der Tod die Bande, die mich an eine Andere gefesselt gehalten. Ich kehrte aus dem Austandc. in' die Hcimath zurück. Jctzj hielt mich nichts ab, nach Lenorens Grab zu forschen. Meine Bemühunger wären vergebens, ich fand es nicht, wohl aber erfuhr ich, daß sie die Ab-, sicht gehabt, nach Deutschland zu reisen. Von Ihnen hatte sie mir oft geschrieden, sie lobte Sie und nannte Sie eine ergebene Freundin. ' Ich reiste nach Deutschland, Ihrer Aufenthalt zu erforschen, so kam ick hierher und so erfuhr ich die ganzt Wahrheit. Ein Blick genügte, Su waren Vcnorc von Erpsen nicht, Sik hatten sich deren Namen blos ange eignet, wahrscheinlich um eine Nollk in der Gesellschaft zu spielen oder soll ich schlimmeres denken?" Lenore saß gebrochen in ihren Stuhle. So hatte es doch etwas gegeben, das Fräulein von Erpfen vor ihr verborger gehalten die Kranke hatte alle Papiere vernichtet, die auf eine Bekanntschaft mit Vionville hinweisen sonn ten, und nun nun war Alles verloren! Bei den letzten Worten des Mannci schreckte die Schuldige empor. Nein, nein, glauben Sie da! nicht," rief sie überlaut, Lenore is? eines natürlichen Todes gestorben." Vionville blieb die Antwort schul, dig, denn in diesem Augenblicke trat Herr von Bona ein; er suchte seini Gattin. Auf morgen," flüsterte ihr Vionville zu; sie nickte mechanisch und trat zu ihrem Gatten. Ich fühle mich unwohl," sagte die scr, komm, laß uns nach Häuft gehen." Lie nahm seinen Arm, aber sie sak kaum, daß Bona leichenfahl im Gesichte war und heftig zitterte, konnte sie sich doch selbst nur mit Mühe aufrecht erhalten. Das Ehepaar kam nach Hause. -Ich habe noch zu schreiben," sagte Herr von Bona, Lenore auf die Stirn küssend, geh' zur Nuhe." Aber wenn Tu Tich unwohl fühlst." wandte sie ein. Es handelt sich um Dringendes, schlafen könnte ich doch nicht." Lenore gab sich zufrieden, sie sehnte sich darnach, allein zu sein, allein mit ihrer namenlosen Angst, ihren qualcn den Befürchtungen. War Alles verirren? Ließ sich jener Vionville nicht erweichen? Wenn ihr Gatle die Wahrheit erfuhr oh, sie vermochte nicht daran zu denken? . .
Spät in der Nacht schlich sie nach Bona Arbeitszimmer; sie fand ihn noch beim Schreibtische, einen kühlenden Trank vor sich. ' Er schickte sie mit einigen freund lichen Worten'zurück, und Lenore ging, als ob sie kein Recht mehr hätte, bei ihm zu weilen. Sie verbrachte eine furchtbare Nacht ; noch war sie zu keinem Entschlüsse gekommen und binnen wenigen Stunden mußte Vionville erscheinen, um von ihr Ncchenschaft.zu fordern. Spät am Morgen senkte sich ein dumpfer Schlaf auf ihre Lider, aber sie genoß dessen nicht lange. Ihre Zofe weckte sie mit verstörter Miene. Lenore begriff im Momente, daß etwas Schreckliches vorgegangen sein müsse. - Der gnädige Herr," stotterte das Mädchen er er man hat ihn ge funden" Mein Gott, er ist fort," schrie Lenore entsetzt auf. Die Dienerin nickte. .Frau von Bona warf ftr Eile ein Morgenkleid über und eilte nach den Zimmern ihres Gatten. Der schöne, kraftvolle Mann lag bleich und kalt in seinem Lchnstuhle. Vam aufschluchzend sank Lenore neben ihm in'die Knie. Als sie die Augen erhob, traf sie der ernste, kalte Blick Vionvilles. Mit einem lauten Schrei stützte sie zu Boden. Er hat die Schmach nicht überleben können," stöhnte sie schmerzvoll auf. Man brachte die Unglückliche aus dem Zimmer. Der Arzt hatte anfänglich einen Schlaganfall vermuthet, doch stellte es sich später heraus, daß Herr von Bona sich mit Morphium vergiftet hatte. Seine Gattin geberdete sich wie wahnsinnig und klagte sich an, schuld an seinem Tode zu haben. Vergebens stellte ihr Vionville vor, daß er gar keine Gelegenheit gehabt, Herrn von Bona die Vergangenheit sei ner Gattin mitzutheilen, da bei seinem Eintritts in daö Haus Herr von Bona schon eine Leiche gewesen. Die stolze Frau, die einst so schwer gesündigt, war zur Beute der bittersten Reue geworden. Eine schwere Krankheit warf sie auf's Krankenlager ; monatelang schwebte sie zwischen Leben und Tod, gepflegt von Leona, die es sich nicht
nehmen liefz. llircr Wohlthäterin beizustehen. Ehe noch Lenore vollständig genesen, hatte sich die Ursache des Selbstmordes Bonas längst aufgeklärt. Durch verfehlte Spekulationen, theils auch durch das Fallissement einer Bank, bei welcher er eine große Summe angelegt, hatte er sein ganzes Vermögen verloren, das konnte der stolze Mann nicht verschmerzen, und so schied er freiwillig aus einer Welt, in der, er nicht als Bettler leben mochte. Vionville verzieh der- Bereuenden und bewahrte ihr Geheimniß. Lenore aber legte die Hand ihrer Tochter in diejenige des Mannes, der sie liebte. Sie hatte sich eine schwere aber ge rechte Ausze auferlegt, Leona sollte me erfahren, daß sie ihre Mutter sei. Lconaö Gatten sagte die an Geist und Körper gebrochene Frau Alles, sein Anerbieten, in der jungen Häuslichkeit der beiden Glücklichen zu wohnen, schlug sie entschieden ab. Sie zog sich zu jenen würdigen Frauen dann zurück,' die LeonaS ErZiehung geleitet hatten, und dort. verwerthere sie ihre mannigfachen Kenntnisse in thätiger Arbeit. Vor Allem aber prägte sie den jungen, ihr zur Erziehung anvertrauten Mädchen ein, bescheiden und genügsam zu sein mit dem, was ihnen das Schicksal beschieden. Ein glänzendes Loos Zstnicht immer daö Glück," pflegte die einst so stolze Frau zu sagen, und was nützt dann alle Reue, wenn cs zu spät geworden ist." Tie Gabel der Königin. Aus Lon don meldet man: Im Eourt Journal" erzählt die Gräfin Munster von einem amüsanten Fall von Geistesabwesenheit. in dem die Königin einmal vor vielen Jahren auf einem Hosball eine Rolle spielte. Ihre Majestät und die anderen königlichen Herrfchaften hatten das Suppcr" eingenommen und das Signal zur Rückkehr in den Tanzsaal war gegeben worden: Tie Königin erhob sich und nahm von der Tafel statl
ihres Fächers, den sie vor dem Essen neben sich gelegt hatte, eine große Gabel. Sie hatte bereits einige Schritte in den Vallsaal gemacht, bevor die Verwechselung entdeck! wurde. u:rö machte der versammelten Gesellschaft die üblichen Verbeugungen, in der Hand die Gabel ! IN diesem Augenblicke nahm ihr der Prinzgemahl lächelnd ihre furchterregende Waffe aus der Hand und ersetzte sie durch den Fächer. Unter Brautleuten, nach der Brwcrbung. Georg, Du sahst so traurig aus. Sollte mein Vater Nein gesagt haben?" Ach, 'durchaus nicht; er sagte zu mir: .Sobald meine Tochter cs will, ist nicht dagegen aufzukow. men.' Aber fügte hinzu: , Das wer' den Sie bald genug merken, lieber Freund!'" , . E i n e M a r i n e f ch u l e wurde kürzlich in Kingston, Kanada, eröffnet. Der Schiffsbauhof in Kawassaki, Japan, beschäftigt beständig 6800 Personen. Ein Gefängniß in Mexiko besteht aus einer Eiche mit einer Ket ten- und SchliebvonichtuuZ. '
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