Indiana Tribüne, Volume 29, Number 204, Indianapolis, Marion County, 21 April 1906 — Page 7
Jndiana Tribüne, 21. April 1906.
Der jüngste Bruöer Sozialer Nsmsn von ErnS Wlchett.
(Fortsetzung.) .- ' 'Wenn 'sie mir nur passen!" Er ging nach dem Flur. Als er zurückkehrte, hatte eben der Major die Thür vom Salon her geöffnet und sich nach ihm umgeschaut. ..Da ist er ja!" rief er nun, eilte auf ihn zu und umarmte ihn stürmisch, ihn auf beide ÜLaugen küssend. Na ja na ja ich bin's ja," sagte der Tischler verlegen schmunzelnd. Und Tu ? Ja wohl. Hast Dich wenig verändert so. im Ganzen, mein' ich. Ncr ja." Der Major griff ihm unter den Arm und zog ihn in den Salon. ..Und da hast Du nun auch gleich meine Frau, die schon vor Neugier brennt, den jüngstcn Schwager kennen zu lernen. Liebe larah mein Bruder Arnold. Familienähnlichkeit außer Frage, was? Er war der hübscheste von uns Dreien und so von zehn, zwölf Jahren wirklich ein hübscher Junge. Noch immer Wenn er nur nicht einen so krummen Puckel machen möchte!" Er suchte ihn aufzurichten. Schultern zurück! Aber er sieht ganz manierlich aus. nicht wahr?" Ja. jetzt.... "flüsterte die Näthin der Schwägerin zu. Ich kann mir ja denken, daß Du mit christlicher Liebe seine Blößen bedeckt hast," bemerkte Frau Sarah ohne einen merklichen Anflug von Spott. Sie stand auf und reichte Arnold mit einiger Vorsicht die kleine Hand, die in einen blaßlila HandschutV eingezwängt war. Guten Tag. Schwager Arnold. ES ist nett von Ihnen, daß Sie sich doch auch einmal um die Verwandten bekümmern. Wenigstens eine Photographie hätten Sie uns wohl " Sie hob eine Lorgnettean langem Stiel vor die Augeii .Ewald hatNeckt. Nun erzählen ie aber, wo ie sich überall in der Welt umgetrieben haben. TaS ist gewiß sehr intere)cmt. Da weiß ich doch nicht, wo ich anfangen soll," sagte Arnold, scheu die Augen niederschlagend. Waren Sie auch, in Spanien?" Sie fragte, um $u fragen. Nrin, aber in Brasilien ein halbes Jahr. ES war da wenig zu holen .der weiße Arbeiter gilt noch weniger als der schwarze. Gegen die Chinesen in San Francisko kommt man auch nicht auf.Ist cö wahr, daß da mehr als dreißigtausend in Erdhöhlen wohnen?Ja, drei vier Stock tief." Das wäre 'was jiir Dich, Sarah,bemerkte der Major schmunzelnd. ebr interessant,- sagte sie ganz ernst. In Amerika soll man sich gar nicht gcniren, zu arbeiten. Ist das wahr?Geniren? Wenn man nur etwas zu arbeiten hat. Einer läuft den Anderen über.Im Vaterlande ist'S doch wohl noch immer am besten,- meinte Ewald. Der Tischler zuckte die Achseln. Für so einen, wie Tu bist oder der Bruder Siegfried " Ein tüchtiger Arbeiter verdient aber doch bei uns ein hübsches Stück Gcld.sagte die Frau Major mit Wichtigkeit. Neulich hatte ich einen Tisch aufpolircn zu lassen, weil etwas Heißes auf die Platte gestellt war. WaS denkst Du, Mathilde ? Sechs Mark." Davon yat der Gesell' nicht drei ab-bekommen,-cntgegnete Arnold. Und den anderen Tag fand er vielleicht gar nichts zu thun. Essen hat er aber doch müizcu. Und wie weit kommt man mit drei Aark in dieser Zeit, wo alle Lebensmittel so vertheuert sind, und die Wohnungen Ja, die reichen Leute tierfeii es nicht.Tie Geheime Näthin seufzte leise. te merkte es nur zu gut. Du bist aus die reichen Leute vatünich schlecht zu sprechen," rief der Major in scherzendem Ton. Hm es könnte ja wohl manches anders in der Welt fein." meinte Arnold. sich das il'um streichend. Die große Ungleichheit " Es schien ihm bedenklich zu werden, fortzufahren. DaS ist nun einmal so Gottes r& nung." sagte Frau Mathilde, ..man darsdarüber nicht murren." DaS wüßte ich doch nicht," wendete ihre Schwägerin ein. Es nützt nur nichts." Vielleicht nützt'S doch," meinte Ar. nold blinzelnd. Wenn die Unzufriedenen sich zusammenthun, kommen von ihnen achtundncunzig auf'S Hundert." Und wenn sie mit den Beiden, die übrig bleiben, brüderlich theilen, hat Jeder von ihnen sieben und einen halbcn Groschen mehr," rief der Major lachend. Ich hab's nicht ausgerechnet." antwortcte Arnold. An's Theilen denkt auch Niemand." .-.Aber einen anderen Staat wollt Ihr doch, eine andere Gesellschaft nicht wahr?" !!ann wohl sein." Ein großes Zuchthaus mit fclbstgewählten Aufsehern." Ihr nennt cö so. Jede Arbeit soll ihren vollen Lohn haben. Jetzt nehmen UNS die Kapitalisten " Er schlug mit der Hand in ole Luft. Ah !" Sprick Dich doch aus." ...Wozu ? Wir werden da doch im Leben nicht einerlei Meinung." Das glaub' ich ! Nehmt Euch nur in Acht vor dem Militär das läßt nicht mit sich spaßen." Es ist uns auch gar nicht spaßig zu Muth. Und am Ende Wer ist denn das Militär ? Die Offiziere. . . . Van." .
Su sind ja euerroth," . scherzte
iSvau Saray. Ich habe mir schon lange gewünscht, einmal so Einen ganz in der Nähe kennen zu lernen. Sehr interessant." Wir werden ihn schon schwarz-wciß anstreichen," plauderte der Major lustig. Sie lachen, lieber Ewald " berief die Geheime Räthin. Wie kann man so etwas mist nehmen ? Es beunruhigt mich wenig, daß die Sonne einmal aufhören wird zu scheinen, wie die Astronomen versichern. Ich erleb'S wohl auch schwerlich, daß die Menschen Engel werden, und bis die große Arbcitcr-Rcpublik fertig dasteht, die keine Geheimen Räthe und keine Majors mehr braucht, werd' ich meinen Weinkeller nicht ansgctruukcn haben. Du kannst helfen. Anton. Eiu Glas Wciu verschmähst Du doch nicht, weil Andere sich mit Wasser begnügen müssen? Besuche unS recht bald morgen, noch besser heute Abend. Oder haben wir etwas vor?" Die Probe ,;n den lebenden Bildern bei der Generalin " Ja. die Probe. Aber erst um neun Uhr. Und morgen ?" Das Diner bei Oberstlieutenant von Lcuthold. Sonst wüßte ich nicht." Also nicht zwischen vier und sieben. Sonst, wann Du willst." Wir müssen jedenfalls bei den Ellern ansprechen." Ja wohl, auf dem Rückwege. Das hält unö nicht lange auf. Also mit einem Wort: Laß' Dich bald sehen, arah will ihre Studien fortsetzen; mache Dich auf ein scharfes Verhör gcfaßt." Er trat hinter feine Frau und hob sie an den Schultern vom Stuhl auf. Aber nun ist'S die höchste Zeit, jiwd. Wir kommen sonst in verdacht, zum Mittag bleiben zu wollen." Das brauchten ciz sich gar nicht übel zu nehmen," sagte die Geheime Näthin mit ihrem liebenswürdigsten Lächeln. Bei billigen Ansprüchen an meine Küche " Sie wußte, daß sie die Einladung dreist wagen dürfte. Der Major küßte denn auch nur ihre Hand, und Sarah begnügte sich mit einem freundlich: 'Nicken durch den Spiegel, vor den sie getreten war, ihr Hütchen ein wenig zurechtzurücken. Friedcrike brachte zwei Karten. Die Frau Obcrforstmeistermit ihrer Tochter. Bitten ie, einzutreten. !ieder Arnold, wenn Sie indessen wieder zu den Kindern " Du verlierst nichts.".sagtc der Major, die Tochter ist noch älter wie die Mutter." Er nahm ihn bei der Hand und führte ihn ein wenig zur Seite nach der Thür hin, während die Frauen sich verabschiedeten. Du bist höchst wahrschcinlich gänzlich abgebrannt, lieber Junge nimm hier für's erste eine Ritinigkcit.". Er steckte ihm ein Zwanzigmarkstück zu. Zu Eigarrcn, Handschuhen, Droschken man hat immer so kleine Bedürfnisse. Lass' nicht fallen. Alfo auf Wiedersehen !" Er eilte seiner Frau nach, die schon im Entrcc mit den bekannten Damen wortreiche Zärtlichkeiten austauschte. Arnold steckte das Goldstück .in die Westentasche. Er hatte lange keinS zwischen den Fingern gehabt und drehte eS deshalb eine Weile herum, als müßte er sich aus dem Gepräge versichern, ob wirklich sein Bruder .so nobel" gewesen sei. Es summte ihm im Kops, als er ins andere Zimmer trat. Ewald hatte seine Erwanungen nicht getäuscht. Und doch er war auch nicht recht zu fassen gewesen. Immer bis dicht heran und dann gleich wieder meilenweit fort. Und seine Frau sie gefiel ihm in ihrer natürlichen Munterkeit aus den ersten Blick viel besser, als die 'chwägcrw Geucime Rärhut, die etwas Gemessenes in ihrem ganzen Wesen auch jetzt im Verkehr mit den ihr gcsellschaft lieh gleichstehenden Verwandten bewahrte. Arnold meinte, zu Sarah leicht Vertrauen fassen zu können und hatte sich auch wirklich von ihr verleiten lassen, viel mehr von seinen Gesinnungen zu offenbare, als vielleicht rätlzttch gewcsm' wäre. Er bereute das nicht gerade, aber es kam ihm doch nun so vor, als ob das muntere Weibchen die Neigung hätte, sich aus allem ein piclzeug zurccht zu machen jetzt auch aus jhm. Die Gestalt hüpfte oder tanzte vor seinen Augen, vcräudeite fortwährend ihre Umrisse, schillerte in allen Farben. In Mathilde konnte er sich wohl hineindenken, in Sarah nicht; je mehr er'S versuchte, desto mehr zerfloß sie ihm in Luft und Nebel. Zu Fnederike sagte er nur: Die paßt zu meinem Bruder, der ist auch so " Der Ausdruck fehlte ihm, er hob aber die Hand auf und ließ die Finger flattern. Im Wagen verhielt man sich ein paar Minuten lang still. Frau öarah blickte zum Fenster hinaus. Nun, was sagst Du dazu?" fragte der Masor, sie saust anstoßend. .Wozu ?" Zu Arnold und ES ist wirklich schade um ihn.Ja. was soll man da thun ?" Hast Du Dir's schon überlegt?" In unsere Gesellschaft paßt er nun rininal nicht." Nein, wie er da ist " So wird er immer sein. Der Baum ist zu früh in anderes Erdreich verpflanzt ; man muß ihn wachsen lassen, wo er nun einmal Wurzel gefaßt hat." Was heißt das?" Hm ich denke, man bekümmert sich am besten' nicht medr um ihn, als ihm selbst lieb sein viri. Haben wir ihn wieder aus die Bene gebracht, so mag er gehen, wohin es ihm gefällt." Das klingt sehr unbrüderlich lieber Ewald." Man kann ihn ja auch ferner unterstützen, damit er nicht von Neuem in Noth kommt. Für einen, Menschen von seinen Bedürfnissen ist eine kleine Zulage " . ..Dn möchtest ihn Dir abschieben."
Abschieben k Ich will gern für ihn thun, was ich kann. Aber was läßt sich sür einen Arbeiter thun, der er doch nun einmal ist ?" Er hat aber etwas gelernt." Die Tischlerei ja. Es muß doch damit w:nig zu verdienen sein. Und ein Tischler ist auch nur ein Arbeiter." Gibt es nicht auch Tischler, die ein eigenes Geschäft haben und Arbeiter beschäftigen?" TaS mag wohl fein. Bautischler Möbelfabrikanten " Die sind doch schon etwas. Kann ein Möbelfabrikant nicht auch Hoflieferant werden ?" Unter Umständen " Ich glaube, meine Ausstattung war von so einem. Er hatte ein ganzes Haus mit seinen Sachen besetzt und arbeitete in einem großen Kontor mit vielen Buchhaltern, gerade wie der Papa. Könnte denn aus Deinem Bruder Arnold nicht so etwa) werden?" Siebes Kind, wo denkst Du hin? Dazu gehört vor allem Kapital." Man müßte es ihm zu verschaffen suchen." Du bist naiv. Wer wagt das au ihm ? Und cs gehörte zur Begründung ciucS solchen Geschäfts schon vicl Kapital." Er brauchte ja nicht gleich so groß anzufangen." ' Es sind wohl auch meist Kaufleute, die so ctwaS unternehmen. Sie stellen ilzrc Werkmeister an, die von den Gesell !eu arbeiten lassen. Jedensalls gehören zur Zeitung kaufmännische Kenntnisse, die ein einfacher Handwerker nicht be sitzt." Aber kann Dein Brnder Arnold nicht einen anschlägigen Kopsliaben? Er ist ja doch scincr Eltern ohn so gut wie Du uud Siegfried. Die bessere Schulbildung thut's doch nicht allein." Allerdings nicht." Wenn er so ein sclbstständigeS Gcschüft hätte, wäre er gut versorgt, und ihr brauchtet Euch scincr nicht zu schämcn." Da hast Du ganz recht. Aber wie schon gesagt, das Kapital. Wir können ihm nichts geben, und feinetwegen Schulden machen das wirst Tu us nicht zumuthcn." Sie schwieg eine Weile. Dann warf sie so hin : Ich intcrcssire mich für ihn. Es wäre doch hübsch, wenn etwas aus ihm zu machen wäre. Meinst Du nicht auch?" Gewiß, Kind. Er ist ja mein Bruder." Wcnn ich nun einmal mit Papa spräche " DaS wolltest Tu ?" Warum nicht ? Er ist ein reicher Mann und thut mir gern einen Gefallen." Du hast Vorstellungen ! Aber sprich doch mit ihm. Es gelingt ihm vielleicht. Dir den Standpunkt klar zu machen." Sie sah ihn mit schalkhaftem Lächeln au. Ist'S denn wirklich so unsinnig?" Er zuckte die Achseln. Nu weißt Tu "Er lachte auch. Der Papa hat schon so ziemlich genug zu thun, uns auf dem Laufenden zu erhalten. Ihn für die weitere Bcrwandtfchaft in Anspruch :u nehmen und gar " Ach! der Papa hat so oft für die allcrfremdcstcn Menschen und fürZweckc, die ihm gar nicht sympathisch sind, große .summen zu geben. Er thut'S mit stillem Seufzen, aber cr thut'S." .Ja das hat dann so seine Gründe, Liebchen. ES gibt Bittsteller uud noch mehr Fürbitter, denen sich nicht leicht etwas abschlagen läßt." .Warum sott der Papa nicht auch einmal ganz seinem guten Herzen folgen? Wenn es gilt, einem von Haufe auö braven nnd tüchtigen Menschen, dem daS Schicksal doch wirklich arg uitgespielt hat. die Wege zu einer gclrdnctui bürgerlichen Existenz zu Ijnea ! Da läßt sich wirklich Dank verdienen.- Das sagte sie mir ungewohnlichem Ernst. Gleich aber überflog ihr hübsches Gesicht von den Augen her wieder' ein spöttisches Lächeln. .So ganz gleichartig wird es ihm auch nicht sein,- fuhr sie fort, .uud noch weniger der Mama, wer der Bruder ilzrcs Schwiegersohnes ist. Meinst Du nicht auch? Daß wir ihm kein Geschäft einrichten können, wissen sie ja doch. Und ich habe mir'S einmal in den Kopf gefetzt, wie Tu oft genug sogst : in den eigensinnigen Kops !" Er schob seinen Arm unter den ihren und drückte ihn zärtlich. Du bist eine prächlige.Frau ! Ich könnte ja Arnold gar nichts Freundlicheres wünschen, als eine gesicherte Lebensstellung, aber cs ist wirklich ein biöchcn unverschämt..Laß mich gleich zu Papa fahren." bat sie. .Man muß erst bei der Mama plänkeln, den- Angriff auf PapaS Kasse geschickt vorbereiten, nicht gleich daS schwere Geschütz auffahren. Ha. ha, ha! Bewunderst Tu nicht meine militärischcn Kenntnisse? Ich habe bei Dir schon etwas gelernt." Er klopfte an'S Fenster. Der Wagen hielt. Gutcn Erfolg denn." sagte cr. sich verabschiedend, .ich gehe zu Fuß nach Hause." Dem Kutscher und Diencr gab er die nöthigen Befehle. .Hm hm hm knurrte cr oor sich hin. während cr über den Fahrdämm uach dem Trottoir ging. WaS seine Frau da in die Wege leitete, schien ihm doch nicht ganz nach Wunsch zu sein. Er hatte vor einigen Tagen im Easino gespielt und sehr viel mehr Geld verloren, als er zur Verfügung hatte. Die Kameraden, bei denen cr eine Anleihe 'gemacht, drängten nicht, aber um so mehr war eS Ehrensache, die AngcZegcnhcit rasch zu ordnen. Er hatte ferner Frau beichten ufc durch sie den Schwicgerpapa um einen Vorschußbitten wollen. Das ging' nun doch nicht gut cut. ES war ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht, uud das gab zu denken. Es konnte für sehr inu
wahrscheinlich gelten, daß der alt?, trotz scmcr Gutmüthigkeit doch vorsichtige Herr für Arnold einsprang. Dann war cr unnütz verstimmt. Aber 'ließ sich da Einspruch thun? Konnte er die vielleicht einzige Möglich, seit, wie dem Bruder gründlich zu helfen war. selbst beseitigen? Pah! der arme Kerl braucht'S nöthiger als ich. Es wird sich vorläufig auf andere Weise rn.is. rji t ' . - . 1
v. -niiiui irnuiui uuuiui : Aber man muß der brüderlichen Liebe pfcr bringen. Geschieht auch ganz gern hm !" Er trat in ein Weinlokal, in dem cr Bekannte aus seinen Kreisen zu finden hoffte. 4. Kapitel. Arnold langweilte sich Er langweilte sich von Stunde zu stunde mehr. Es war in dem vornehmen Hause kaum auszuhalten. Der Herr Gchcimrath kam zu spät von seinem Bureau zurück! Aian aß nicht vor halb Fünf. So dehnte sich der Bormittag endlos lang aus. Dann war cr abgespannt und sprach bei Tisch wenig ; jedes Klappern der Teller oder der Messer und Gabeln, jedes unsanfte Rücken des tnhlcö machte ihn noch nervöser. Darauf setzte cr sich, ohne einen bequemeren 9ock anzuziehen, in den Lchnstuhl, nahm die Krcuzzeikung zur Hand und schlief nach wenigen Minuten ein. Freilich auch nur für wenige Minuten Eine Tasse schwarzer Kaffee belebte wieder seine Lebensgeister. )iun widmete er sich ein Stündchen der Familie, ging mit der Frau im Salon aus uud ab, ließ die Kinder an sich kommen. Er sprach auch mit Arnold, aber nicht eigentlich im Ton gewöhnlicher UnterHaltung, sondern wie Jemand, der sich verpflichtet fühlt zu sprechm, seine Fragen wohl überlegt und auf die Antwortcn wenig Acht gibt. Dann setzte cr sich au seinen Arbeitstisch. Geschäfte zn erledigen, die sür die Zeit nach den ewig unruhigen Bureaustunden verlegt werden mußten. Gegen neun Uhr klopfte Frau Mathilde an, um zn erinnern, daß cs für ihn schon die dringendste Zeit sei, sich zur Gesellschaft anzuziehen. Die Geheime Räthin konnte Arnold etwas mehr Zeit widmen. Es gelang ihr aber selten, einen' GesprächSgcgenstand auszu finden bei dem der Tischler festzuhaltcu war. und was cr selbst von seinen Erlebnissen zu erzählen wußte, erregte wenig ihre Theilnahme, da eS sich dabei immer um das Nächste handelte,' was seine Arbeitsstelle da und dort anging. Es schien ihr sehr sonderbar, daß ein Mensch, der so weit in der Welt herumgekommen, sich so äußerst dürftig über daS Merkwürdige der verschiedenen Orte unterrichtet hatte, wovon sie gelesen. Er schien gar keine Augen dafür gehabt zu haben. Ach ja." sagte cr. da war so ttwaS. Aber was geht'S uuserciuen an? Man crkuudigt sich nur, wo Verdienst zu finden ist, freut sich, eine leidliche Schlafstelle zu haben, tritt früh zur Arbeit an. kommt spät zurück und niht sich am Sönntag aus, 10 gut man kann. ES ist überall daS Gleiche. Die Schlösser und die Museen und die Kirchen daran geht man so vorüber. Wer eingelassen werden will, muß einen guten Rock anhaben, und es ist auch keine Zeit. Oder wenn man Zeit im Ueberfluö hat, wie das leider oft genug pafsirt. dann ist man in verdrießlicher Stimmung und möcht', am liebsten einen Stein in die großen Spiegelsenster werfen, nm sich wenigitcus auf der Polizei ein Quartier zu verschaffen." DaS ist doch nicht Ihr Ernst?" sagte die Rät hin erschreckt. .Na. ich Hab's ja nie gethan," bcruhigte cr. ..aber Sie wissen nicht, liebe Schwägern., auf was für verrückte Gcdanken Einer kommen kann, dem der Magen vor Hunacr knurrt." (Fortsetzung folgt.) Tolstois Tante. Ueber den berühmten russischen Schriftsteller und Philosophen Graf Tolstoi hatte, wie Delines auf Grund der von Prugavine gesammelten Dokumente über die russische Inquisition erzählt, der Heilige Synod wegen des von Tolstoi verfaßten Werkes Mein Glaube" den Stab gebrochen. Er sollte im Klostergefängniß Susdal für immer internirt werden. Nur die Unterschrift des Zaren fehlte noch. Da gelang es der Tante des Dichters, der Gräfin Alexandrine Tolstoi. Alexander III. von ihres Neffen internationalem Rufe zu überzeugen. Sie sprachen zufällig von Popularität, und der Zar fragte: Wer ist der populärste Mann in Rußland? Ich komme natürlich nicht in Betracht." Ich hätte auch keinesfalls Ihre Majestät genannt," erwiderte die Gräfin. Nun, wer ist der Glückliche?" Leo Tolstoi, den Ihre Majestät morgen nach Susdal schicken sollen!" .Hat er gegen mein Leben komploitirt?" Das Pflegte Alexander nicht zu verzeihen. Doch wußte die Gräfin ihn so zu bereden, daß er tags darauf, als ihm das Urtheil vorgelegt wurde, sagte: Man lasse mir den Tolstoi in Ruh. Ich habe keine Lust, mich vor der ganzen Welt zu bkamiren. Wenn Tolstoi schuldig ist, mag er's mkt sich selbst ausmachen!" Settnzoicixen. Student: Wie. mein Onkel schickt mir da eine ganz neue Studi?lampe? . . . Wer mag mich denn da bei ihm angeschwärzt haben?" Eine Rtesen-To ma t o von dem enormen Gewicht von 7 Pfund und 7 Unzen erzielte letztes Iah? eine Pflanzerm in Akron, Ja.
Bulgarische Zkitnngm. Tendenz und Inhalt der .Llätter Zwei ..weihe Raben" uns ei Otrcit. Aus Sofia. Bulgarien, schreibt ein Berichterstatter: In Sofia war vor einigen Jahren durch drei Bulgaren eine Zeitung gegründet worden, die damals in dem bulgarischen Zeitungsleben etwas ganz Neues war. Anstatt die Spalten mit dem üblichen bulgarischen Parteigezänk zu füllen, anstatt zu beweisen, daß Iwan, der Präfekt von X., ein ganz gewöhnlicher Räuber sei, .der längst durch Stojan, den bekannten Ehrenmann, hätte ersetzt werden müssen, worauf dann die Zeitung der andern Partei den edeln Kawaler" Iwan in den Himmel hob und Stojan als Straßenräuber verdächtigte, anstatt also die bulgarische Lesewelt mit derartigem giftigen Unsinn zu füttern, brachte die neue .Zeitung Wetscherna Pvschta" (Abendpost) in handlicher Anordnung eine Fülle interessanten Lesestoffs aus dem Aus- und Inland. Auch noch in anderer Beziehung wurde die Zeitung ein weißer Rabe" in Bulgarien: sie lebte aus eigenen Mitteln, von eigener Arbeit. Alle andern bulgarischen Zeitungen in Bulgarien leben von einer politischen Partei oder der Regierung oder von beiden. In den magern Iahren, d. h. wenn .die betreffende Partei nicht am Ruder ist, schrumpft Format und Inhalt des Blattes immer mehr auf seinen giftigen Kern, zusammen. Gelangt dann die Partei an's Ruder, so regnet es amtliche und private Anzeigen; der Dispositionsfonds des Ministers zahlt die neuen und die alten Druckerrechnungen, und neu gestärkt, aber nicht friedlich heiier, in großem Format ergießen sich die übelriechenden Zeilen jeder Artikel eine Kloake über die bisherige Regierungspartei. Alles dies machte, wie angedeutet, die Wetscherna Poschta" nicht; sie brachte Neuigkeiten, kritisirte mit Erfolg Freund und Feind und wagte sogar, manchmal recht gelungene Karikaturen vom Fürsien und den leitenden Männern mit recht deutlichem Text zu bringen. Die Wetscherna Poschta" war populär geworden und hatte es bis zu einer noch nie in Sofia erreichten Auflage gebracht. Da brach im Hause selbst ein Streit aus, dessen Ende war, daß zwei der Gründer (die beiden Geldleute) den dritten (den Schriftsteller und Leiter der Zeitung) hinauswarfen, was ganz wörtlich zu verstehen ist und ohne Revolverschüsse und Wunden nicht abging. Der Schriftsteller ging nun hin und gründete zornschnaubend eine neue Zeitung, der er den alten Namen gab, er klagte beim Gericht auf formelle Auflösung der mit den beiden Geldleuten gebildeten Gesellschaft und auf Verhinderung des Erscheinens der alten Zeitung desselben Namens. Die Zeitungsausrufer waren in Verlegenheit. Aus den beiden feindlichen Lagern erhielten sie die gediegensten Rathschläge: Zigeunerpost!" Diebspost!" Räuberpost!" u. s. 'w. Die alte Post- schwenkte nun etwas mehr in's Regierungslager, die neue in das der Opposition. Beide aber bemühten sich, wirkliche Nachrichten für die Lesewelt zu bringen, und in dieser Beziehung ist der ganze Streit fruchtbringend für den Leser gewesen. Er ist es übrigens noch, denn nachdem der hinausgeworfene Schriftsteller den Prozeß in der ersten Instanz gewonnen hat, fehlt noch immer die Entscheidung des Appellgerichts, das die Verlierer angerufen haben. Die. neue Post" macht für diesen Aufschub, der sich schon vom vergangenen November herschreibt, die Regierung verantwortlich. Die Post- und TelegraphenbeHorden häben die Weisung erhalten, vorläufig keine nur an die Wetscherna Poschta" ohne Angabe des Namens des Herausgebers gerichteten Sendungen zu verabfolgen. Es hat sich infolgedessen ein mächtiger Haufen angesammelt, der nach der Entscheidung des Berufungsgerichts zu übergeben sein wird. WaS man im Mond alles siebt. , Vor Kurzem glaubte ein Astronom eine neue Entdeckung gemacht zu haben. Er hatte herausgebracht, daß es mit ein klein wenig Phantasie" möglich sei, im Monde einen weiblichen Kopf zu erkennen. Das ist aber nur ein Theil der welterschütternden Entdeckung. Nicht nur das Antlitz einer Frau, sondern auch das ihres LiebHabers sah der Mann in der Mondscheibe, wie man aus einer Abbildung in einem kürzlich erschienenen Werke des franzosischen Astronomen Flammarion ersehen kann. Man kann aber noch viel mehr im Monde sehen. Flammarion , richtete kürzlich an die Mitglieder der Französischen Astronomischen Gesellschaft die Bitte, , ihm die Zeichnungen von Dingen zu schicken, die sie im Monde zu sehen glaubten. Die Umfrage des Astronomen toar von Erfolg begleitet, denn er erhielt nicht weniger als 58 verschiedene Zeichnungen .zugesandt. Außer ' dem bekannten Mann im Monde und den beiden Liebenden des Amerikaners stellen die Zeichnungen dar: einen Hund. einen Löwen, einen Hasen, ein Känguruh und noch viele andere interessante Geschöpfe. Die erst e Ä''a V s-Z e itung in Makko ist jüngst in Tanger in's Leben getreten; sie ist der AufrechterbaltiruA.,' französische? Interessen gewidmet." '
Nkspcktabie Leistung. Dauerläufer, welche diesen anstrengenden Sport, als Zubehör ihres Berufes. fortwährend unfreiwillig ausÜben, sind die Kellner, deren alltagliches Pensum eine höchst respektable Leistung auf diesem Gebiet bedeutet. Bis zu welcher Höhe dieselbe sich im Lauf der Zeit zusammensummt, hat die Beobachtung mit dem Schrittmesser festgestellt, die ein Kellner in Norwegens Haupt Ehristiania unternahm, mit einem Resultat, das, so überraschend eS auch klingen mag, gewiß von vien seiner leichtfüßigen Kollegen ebenfalls erreicht wird. Nach' dieser systematischen Kontrolle legt ein Kellner von 8 Uhr Morgens bis zur Mitternachtszeit etwa 99,000 Schritte zurück, was einer Strecke von etwas über 37 Meilen gleicht, gewiß eine bübsche Dauerläuferleistung nur ohne Prämie.-
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