Indiana Tribüne, Volume 29, Number 203, Indianapolis, Marion County, 20 April 1906 — Page 7
Zndläua Tribüne, 20 Aptkl 1906
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Der jüngste Bruder Sozialer KsAan von ErnS Wichert. Ototifefcung.) Betten küßte ihr die Hand. Ich bätte nicht gewagt, bei Ihnen um diese Zeit schon anzuklopfen, verchrtcstc Schwägerin sagte er, sein etwas rauhcS Organ zu cincm gefälligen Säuscln zwingend, bin aber um so mehr erfreut', Ihnen einen guten Morgen wüu. scheu zu können. Äic hübsch Sie wieder aussehen ! Wahrlich, man muß zu Ihnen kommen, wenn man den Sonnenschein lange ciitbchrt hat.zic zeigte ihm lachend die perlwcißcn Zähne, können Sie auch schmeichcln?" drohte sie schelmisch. Da der Papagei nicht schweigen wollte, trat sie zu ihm in den (5rker, stecftc die Hand durch die Ättsstngsprosscn und kraute ihm mit den kleinen Fingern den Hals. Tie rosige Haut kam nun aus dem sw.aragdgrmen Gefieder erst voll zur Wirkung. Ich möchte Ewald sprechen,- fuhr der Naih fort, höre aber, daß er schon ausgcrittcn ist. sie nickte. Ach, ein unruhiger Mensch ein entsetzlich unruhiger Mensch! Immer schon vor Tage in den Dienst, zum Schrecken der Haupt leute. al ob ohne ihn gar kein Parademarsch geübt werden könnte. Und dann weiß er oft gar nicht, was er mit den vielen Stunden bis zum Mittag mit sich anfangen soll. Ich habe zum Glück einen gefunden Schlaf und lasse mich durch sein frühes Poltern nicht so leicht aufwecken. Ja, der Ehrgeiz, der Ehrgeiz ! Er ist jung genug zum Major gekommen einer der wenigen bürgerlichen m;icre im Regiment. Nun will
er natürlich auch weiter, und da heißt'S seine Schneidigkcit beweisen. Er ist, wie Sie wissen, mit Leib und Seele Soldat.- . Sie hatte sich ihm gegenüber auf ein kleines Nundsopha gesetzt, das mitten im Salon stand und mit seiner Lehne das Postament einer prachtvollen Porzcllanvasc .umschloß. Sarah Sa. ras)!- kreischte ihr der Papagei nach. . Der dumme Vogel," rief sie. Immer meinen Namen auszuschrcien', der so bedenklich alttestamcntarische Erinuerungcn erweckt. Gehört nicht'cigentlich dazu der Erzvater Abraham?" Sie scherzte gern mit ihrer Abstammung, um zu beweisen, wie vorurthcilsfrei sie sich fühle. Ewald ärgert sich schon über den Tölpcl. Nicht einmal vor einer weiblichen Excellenz kann er den Schnabel halten. Sie wissen doch, daß die weiblichen Excellenzen viel vornehme? sind, ati die männlichen ? Er:ellen; jürauthein, die mich manchmal mit ihrem Besuch beehrt, sieht sich immer ganz entsetzt um. Ich habe neulich schon auf der Ausstellung eine Madonna mit dem ttinde gekauft, und an hervorragender Stelle aufhängen lassen da. sehen ic nur, ein sehr schönes Bild und spottbillig unter nnS gesagt, wer lausl ticule )oiqt acycn nur um die würdige Dame zu beruhigen, daß sie sieb hier ganz ungenirt antisemitisch äußern könne. Wenn man Ewald für feine Verdienste um'S Vaterland den Adel geben will ich denke, Sarah von Berken klingt gar nicht so übtL" Dcr Geheime Nath lächelte recht gezwungen. Diese etwas freigeistigcn und nach seinem Gefühl wenig geschmackvollen Späße der lieben Schwägerin waren gar nicht seine Freude. Ist denn da etwas unterwegs?- fragte er. Ach, man wird abwarten, blS Ewald es zum Regimentskommandeur gebracht hat. Ja. wenn der dumme Vogel nicht wüßte, wie ich hieße! Ihnen könnt'S vielleicht noch früher gelingen. Wer ein Fräulein von Siebcnhauscn gchcirathet hat - Das macht's noch nicht. Tie Mittel müssen entsprechend sein. Aber vielleicht gehe ich so mit. Meiner öhnc wegen - Unser Junge hat vorläufig wenig kriegerische Neigungen. Ganz der Groß pap'a. Aber es findet sich wohl noch. Ja. wie geht'S denn bei Ihnen ? Man sieht sich so selten. Jeder ist in seinem Kreise so m Beschlag genommen! Diese ganze Woche wieder Tag für Tag Diner und Souper. Man kommt nicht einmal so oft in's Theater, als man möchte.Sie plauderte so noch eine Weile weiter. Der Geheime Rath hörte ihr mit geringer Aufmerksamkeit :n und bcant mottete nur die zehnte ihrer Fragen, die freilich vielleicht ebenso wenig darauf Anspruch erhob : die hübsche Frau hörte sich offenbar gar zu gern selbst sprechen. aber z unterhielt gut, und es lag dies mal nicht an ihr. wenn ihr Zuhörer da von wenig merkte. Wissen Sie, lieber Werken,- änderte sich nach einer Weile die Tonart, daß ich Sie im Verdacht habe, irgend etwas gan; EchetmcS w Ihrem lieben Gc müthe herumzuwälzen? Ich warte vergeblich, daß da ein Körnchen oder Splltterchen oder Zipfelchen überfallt, das ich erfassen könnte. Ist'S wirklich nur für Ewald ?- Gewiß nicht.- versicherte 'er, Sie sind vielleicht noch mehr bethciligt als er, und wie cit sich dazu stellen wer den -.Aber so sprechen Sie doch !- ES ist mir sehr peinlich überaus peinlich wahrhaftig. Sie haben ganz Vit&t, man walzt dergleicheu ln sich her um und wird doch nicht damit fertig. Mit eiuem Wort denn gestern Abend zu unserer arööteu uebcrra schung Der Bruder Arnold ist iimtageieurt." . Sie sah ihn verwundert an. ,Wa5 für ein Bruder Arnold ?- Unser Bruder mein Bruder, Ewalds Bruder.-
Mein Hinrmel, ich habe noch nie davon gehört, daß ein Bruder - s wundert mich-nicht. Weshalb hätte Ewald ? ES ist so lange her. daß er uns ganz aus dem Gesichtskreise entschwunden war. uud Ewald mag ae-
glaubt haben ES erklart sich aus den Umstanden lelcht. Aber daS muß doch eine große Freude sein, wenn so ein versck)ollener Bruder plötzlich - Hm ja ja wohl gewisser maßen - DaS verstehe ich nicht.Wenn Sie ihn gesehen hätten, liebe Sarah - Nun?Total abgerissen, verhungert, überHaupt in cincm Zustande Der arme Mensch!Ja, der arme Mensch ! Aber Sie können sich vorstellen, cS ist nicht gerade angenehm, wenn so etwas plötzlich in'S Hans - Für Ihre Frau, ich kann mir'ö vorstellen." h ! Mathilde hat mit echt cbristlichcr Ergebung - Er unterbrach sich hüstelnd. Hm. hm ! ich wollte sagen, sie hat mehr als ihre Pflicht gethan. Wenn Sie bedenken Er begann eben, ihr die näheren Um-ständeauSeinanderzusctzcn,alSimNeben-zimmer der sporeuklirrcnde Schritt des Majors vernehmbar wurde. Die bcwegticye mau sprang sogleich aus und eilte ihm entgegen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, mn ihm einen ?uß eben zu können, hing sich an seinen Arm und sagte, ehe er noch den ihm schon draußen gemeldeten Gast bcgrüßcn konnte, denke Dir nur, Männchen. Dein Bruder Arnold ist angekommen.I der Tausend!- rief er, nicht viel mehr überrascht als sonst über eine Neuigkeit, die sie für ihn bereits hatte. TN lX rt S -f f Sa rv f 14. UIVUUV U)liUiiVUilr Clii 14 ftWIl hatte auöwachfcn lassen, war vergeblich bemuht, dem gutmüthigen runden Gcsicht etwa Martialisches zu geben. Die Augen verloren auch jetzt -mchtö von ihrer gewöhnlichen Munterkeit und richteten sich nur fragend auf Siegfried, der ausgestanden war. und im Gegensatz zu ihm recht verdrießlich aussah. Alio uncr Tischler " .Ein Tischler ist er?- stutzte Frau Sarah. Ja, hat er Dir's noch nicht gesagt ?- Ich war eben dabei, lieber Ewald, r 7irtn nsptrfitrtrn oVi -tt-v " iv -viitv uu vru Aber das ist ja mit zwei Wortcu ac-. sagt. Also der Arnold ist wieder da ? Das ist ja prächtig. Hat'S wohl da braunen in der .vrcmde zum Millionär gebracht ? Er wollte nach Amerika oder Australien gehen. Gold graben was weiß ich." Van Dir nur erzählen - Mir Vergnügen. Aber weißt Du. mich hungert tüchtig nach dem Ritt. 2vir könnten das auch renn Frühstück abmachen. Wenn Du's aufstellen lassen möchtest, liebe Sarah - Er klopste ihr die Wange. Ich habe Aergerniß gehabt, zwei Kerls m Arrest schicken müssen. Der Hauvtmann von Krummbuchcl lst schlapp. In seiner Kompagnie gibt's ewig Schweinereien verzeih !- In einer Minute,- sagte sie und huschte fort. Als die beiden Herren bald daraus an den reichbcsctztcn Frühstückötisch traten, sah der Major doch ernster aus. Sein Bruder hatte ihn rasch über die Sachläge orientirt. Er aß und trank hastig. Ja. was fängt man jetzt mit ihm an ?- fragte er etwas mürrisch. Das kam ich eben mit Dir zu bcrathen." antwortete der Geheime. Ich allein kann unmöglich - Versteht sich. Der 'arme Junge thut mir von Herzen leid. Wie macht er sich dcnn?O jetzt, nachdem er wieder unter anständige Kleider gebracht ist -1 uchc meinen zweiten Eivilanzug vor, Liebchen.- rief der Major feiner Frau zu. Der Philipp soll ihn gleich hintragen. Auch die nöthige Wäsche! Was, zum Teufel, hat er denn aber mit sich angegeben, daß er so heruntergekommen ist?" Jch fürchte,- sagte der Geheime Rath seuszcnd. er hat sich Jahre lang in der schlechtesten und gefährlichsten Gesellschaft bcwc.-il. Einige nicht mißzuverstchcndc Andeutungen Du weißt ja, was f.'ir eine Bewegung jetzt durch unsere Arbeiterklassen geht. Und cm Arbeiter ist er geworden nichts als ein Arbeiter, der von der Hand in den Mund lebt." Eö freut mich doch, daß er die äußerste Ncth abgewartet hat, bis er sich an uns wendete," äußerte der Mazor. ES steckt in ihm noch ctwaS wie Stolz und Trotz, damit kann er sich wieder aufhelfen. ' Wenn wir ihm unter die Arme greisen Wie aber, wie?Ja. das wird sich so im Augenblick t A T 1 t d . nuni TTsiiicucn lassen, und uoeryaupi, einfach über seinen Kopf hin . . Man wird ihn selbst doch erst einmal hören MUsskN. Jch bin furchtbar neugierig, diesen Schwager Arnold kennen zu lernen," laarc 'aray, dem Gast das Glas nil lend. Ein richtiger Proletarier in der Familie ein Arbeiter, der einen Geheimeir Rath und einen Major zu Brü dern hat es ist ungewöhnlich inleressaul. Liebe Schwägerin " Ich besuche Arnold natürlich noch diesni!oormlltag.- sagte Ewald. Wenn Du mitkommen willst, Sarah - Gewlsz will ich mitkommen. Aber laß den Wagen anspannen, lieber Mann. Die Stranen sind zetzt sehr unavvetit lich, da der Schnee nicht liegen bleibt. Ich ziehe mich indessen an." Dfc armen Thiere ! Wir können ja eine Droschke nehmen." ,?!ein, Schatz, wir fahren im eigenen Wagu,. Wozu hat man ,hn denn 7 Es lvar ihr weniger um'S Fahren, als darum zu thuu daß die Equipaae mit
vem bepelzten Kutscher vor dem Hause
des GeyeimrathS hielt. Das konnte sich die liebe Schwägerin nicht leisten, obgleich sie eine geborene von SiebenHausen war. Wir besprechen die Angelegenheit noch weiter," sagte der Major, als sein Bruder sich verabschiedete. Finde ich Arnold, wie ich es von meines Vaters öoan erwarte, so mun etwas Durch' greifendes für ihn geschehen.DaS sind wir schon unS selbst schuldig,- meinte der Rath. r anist nach seinem Bureau und sah eilig die Akten durch, die sich auf seinem Tisch gehäuft hatten. Die Arbeit be. ruhigte ihn doch nicht. Seine Sekre täre wurden hart angefahren und einige Besuche barsch abgefertigt. Nach einer tunde zog er wieder den Ueberzleher an, nahm den i2tzilnoer und sagte im Borzimmer, daß er noch einen Ga:,g zu machen l)abe. Wenn Excellenz nach mir fragen lassen sollte, ich komme sehr bald zurück." Er begab sich nach dem Polizeigebäudc und ließ 'sich dem Präsidenten melden. Er wurde sogleich vorgelassen. il'o:i seinem Gesicht waren nun alle grämlichen Falten verschwunden; erbenuhtc sich, einen weltmännisch heiteren Ton anzuschlagen, wie ein ttavalier zu einem Kavalier zu sprechen. Ich komme zu Ihnen, bester Her? Präsident. in einer heiklen Familienangelegenheit. Was kann man für seine verwandtswast? Ich habe einen Brndcr hab ihn. weil er mein, konnt' ich mit dem alten PoloniuS sprechen Mein Himmel ! es handelt sich um nichts r 4t t . li yrcnrulirigcs, hosicnlilm maji. noer ich möchte doch vorbauen, daß mir Unannchmllchkciten entstehen könnten. dieser Bruder " Er theilte mit. was er selbst wußte. Sehr fatal, nicht wahr? - Aber ich konnte doch meinen Bruder nicht auf die Strane stoncn. Man wird mich deshalb nicht in Verdacht nehmen, daß ich mil ozialdcmokratcn ha, ha, ha ich ! Aber baö ist es, ich fürchte, er hat sich mtt ihnen eingelassen. Und von seinem Ätanopnnktc Avie dem auch sei, ich möchte verhindern, daß die Polizei sich einmischt. Meine Burgschaft wird ja genügen. " Der Präsident suchte ihm in den liebenswürdigsten Formen alle Sorgen zu benehmen. Wir werden ja gleich einmal hören " sagte er nnd schellte. Ich lasse Hcrin Math iedemann bittcn.,Z.u Befehl, Herr Präsident. " '.'iach wenigen Minuten erschien der genannte Beamte. Dezernent in diesen Angelegenheiten, ein noch junger Herr, dessen joviale Miene von seiner Bcchäftigung wenig verrieth. Er faßte beim Eintreten den Geheimen Rath mit cincm zwar flüchtig vorübcrstrcifcndcn aber doch scharfen Blick in'S Auge, um nach Möglichkeit schon im Voraus den Grund der Berufung in'S Präfidialzimmer auszukundschaften, und zuckte, für ihn nicht merklich, unter der Brille mit den Augcnwimpcrn. Ist Ihnen etwas von cinem Tischte-.-Berten bekannt?- sragtc der Präsident. Vielleicht auch nur als Arbeiter geführt.Verkeu.- wiederholte Rath Liedemann, mehr um Zeit zu gewinnen, als sein. Gedächtniß zu befragen. Den Herrn, den er beim Ehcf antraf, kannte er als einen der Ministerialräthe. hätte aber im Angcnblick seinen Namen nicht nennen können. Jetzt wußte cr, wen er vor sich hatte. Versen ja wohl. Er ist uns vor einigen Tagen von der Hamburger Polizei signalisirt als ein ziemlich gefährlicher - Er verneigte sich. Ich bin überrascht, Herr Gchcimcr Natb " WaS liegt gegen ihn vor?" Oh keine Verletzung des Strafgefctzcs, so viel hier bekannt. Man hat ihn aber als einen Fremden wegen sozialdcmokratischer Umtriebe auSgcwiesen un) vermuthet, daß er sich hier her begeben wcroc, cvschon cr in anderer Richtung abgeschoben ist." Und er hätte " ' Jedenfalls eine Vertrauensstellung in der geheimen Organisation eingenommen, die vermuthen läßt, daß er seine Thätigkeit in einem der Centren der Bewegung fortzusetzen bemüht sein wird. Man fahndet auf ihn. hat ihn aber noch nicht ermittelt." Der Herr Geheime Rath kann Ihnen aus die pur helfen,- sagte der Präsident lächelnd. beider, leider " bemerkte Berken. Ich bin nur beruhigt, daß nicht Aber die Sache ist auch so verdrießlich genug. Wenn Sie mir ein paar Minutcu in Ihrem Ziminr schenken wollcn, Herr Nath. ..." Ich stehe ganz zu Ihrem Befehl." Berken verabschiedete sich von dem Präsidenten mit einem Händcdruck. Besten Dank." O bitte! Vcdaure sehr. . . . Wird sich ja aber wohl leicht vrdnen lassen." Das war zugleich ein Wink für feinen Untergebenen, den dieser durch eine Verbeugung verstauben zu haben audeutete. Die beiden Herren konferirtcn dann noch eine Viertelstunde mit einander. Der Geheime Rath verließ anscheinend sehr erleichtert das Polizeigcbäude und eilte nach seinem Bürcau zurück, das dort etwa Versäumte einzuholen. 2. Kaitcl. Arnold Berken hatte sich mit den Kindern seines Bruders bald bcfreundct. Er that Wanda gern den Gcfallen, sich ihre Bilder zeigen uud' erklären zu lassen. Der. kleine Fritz ließ sich von ihm ans den Schooß nehmen, um besser zuschauen zu können und wollte nicht einmal herunter, als nach einiger Zeit Friederike eintrat. Gehen Sie nur wieder," sagte Wanda eifrig, wir spielen mit dem Onkcl." Mit Onkel,- wiederholte Fritz und kehtte ihr das Geficht ab.
Aber Ihr werdet dem Herrn lästig fallen." meinte das Mädchen. Nein, glauben Sie das nicht,- versicherte der Tischler. Es ist mir im Gegentheil lieb.... wir stehen schon ganz gut miteinander. Die Kinder sind sehr artia." Fricdcrike fetzte sich nun mit einer Handarbeit in die Nähe des Fcsterö. Wanda fuhr in ihren Bildercrklärungen fort, bemerkte aber bald, daß sie nicht mehr einen so aufmerksamen ZuHörer hatte als vorhin. Der Onkel blickte oft über das Buch weg und stellte auch keine Fragen mehr ; cr achtete nicht darauf, daß Fritz, dcm'ö immer nicht schnell gcuug ging, die Blätter umschlug und darüber Mit der Schwester in Streit kam. Endlich knüpfte er gar zu ihrem stillen Verdruß ein Gespräch mit Friedcrikc an, das zwar anfangs nicht lebhaft geführt und oft unterbrochen wurde, aber doch in ihre eigene Plauderei einschnitt. Sie sind wohl nicht von hier auö der Stadt?" fragte cr. Nein." antwortete Fricdcrike. ohne
sich anf Weiteres einzulassen. aci) einer Welle : Auch nicht aus der Provinz?" Nein." Wieder nach einer Weile: .Von weit ber?" a, von weit her, von recht weit her.:,.. Jumt nach dem Nhem zu." Nein." Also von dort von Ostpreußen was?" Ja. von Ostpreußen aus der litauischen Gegend." .Da bin ich nie gewesen." Wieder eine Pause. Dann : Es ist da wohl sehr kalt im Winter?" Manchmal." Jetzt kommt aber ein drolliges Bild, Onkel," unterbrach Wanda. Fritzchen lachte schon im Voraus hell auf. Sie sind aber doch keine Littauerin?" Nein, ich habe nur zuerst dort in Jnsterburg gedient. Da herum ist jetzt schon alles deutsch." Du lachst ja aber gar Nlchl, Onkel," bemerkte Wanda schmollend. Er that ihr den Gefallen, blickte aber sofort, wieder zu Friederike hinüber. Sie 'haben so 'was Frisches Ruhiges Gesetztes und so gute Zähne Ich dachte gleich, daß Sie vom Lande wären." Fricdcrike antwortete darauf nicht, unterdrückte aber nur mit Mühe einen Auöbruch von Heiterkeit. ES geschah sichcr ohne Absicht, daß sich die rothen Lippen dabei öffneten und die blendendweißen Zähne sichtbar wurden. Er blinzelte eine ganze Weile zu ihr hin, als ob cr erwartete, daß sie sprechen sollte. Dann sagte cr, ohne sonderlich auf Wanda'S Zupfen an seinem Rock zn achten: ?ia, nehmen Sie mir' nicht übel es war so meine Meinung. Man kann ja wohl vom Lande sein und doch.... ic sprechen übrigen? gar nicht landsch." Ich bin auch in die Präccntorschule gegangen." . Was ist daö?" Dort bei uns nennt man'S so. Der Präcentor im Marktflecken ist ein studirtcr Herr und kann Pfarrer werden." Wohnten Sie da ?" Nein, auf dem Ausbau." Wo?" Auf dem Ausbau mein Vater war ausgebaut. Ich ging aber jeden Morgen hin." Da haben Sie wohl viel gelernt ?" Na....!" Die Fricdcrike kann lesen," mischte Wanda sich ein. Sie überhört auch Arthur das Gcdichr. Aber Larcin ver. steht sie nicht.-' Das Mädchen lachte. Nein, so ge. lehrt bin ich nicht. Ich hab' auch sonst schern viel vergessen. Wenn man'S nicht übt....Abcr manchmal schreibt die Friedenke einen Brief, wenn sie Tinte hat.So! An wen denn?" Ach nach Hause," fiel sie rasch ein. Mein Bruder ist jetzt auf der Stelle." Und an den schreiben Sie?" Ja, manchmal auch an die Eltern uud an meine jüngste Schwester, die nun bald, in Dienst gehen wird." Ihre Eltern leben also noch?" Als Altsitzer beim Bruder. Der Vater hat ihm die stelle avgclrcicn, als er hcirathete. Seine Frau hat et. was mitgebracht, sonst wär'S nicht gegangen." Warum wär'S nicht gegangen ?" Na die audcrcn minder mußten doch abgefunden werben mcm zwei ter Bruder und meine ältere Schwester, die an einen Schmied vcrhcirathct ist.Da sind Sie wohl auch ein reiches Mädchen?" Für mich ist'S eingetragen,- ant. wertete Fricdcrike ganz ernst, weil ich damals noch nicht ganz mündig war. Zwcihundcrtsünfundzwanzig Mark,eine iwy uud ein ausgemachtes t, wenn ich hcirathe. Ich kann aber dafür auch Geld nehmen." Das ist gut baar Geld ist immcr gut." Wanda hat jetzt neugierig zuaehSrt. Nehmen Sie doch die Kuh, Riekchen," sagte sie bittend. Wozu denn?" ..Für uns zum Svielcn." Die Beiden lackten sie aus. DaS nahm sie übel. Die Kuh gibt auö schone Milch." fetzte sie hmzu. sie blätterte im Buch und zeigte aus ein Bild. Da siehst Du, Onkel, wie eS die Kuh macht." Nun wurde Fritzchen unruhig und schrie nach Milch.. Friederike holte eini Topf herbei, nahm den Jungen von deS Onkels Schooß auf den ihren, legte ihm ein Tuch um und ließ ihn trinken. Bald darauf kam auch Arthur aus der
Schule. Er that zuerst recht vornehm und beachtete den Mann, der seines Ba:crL Kleider anhatte, möglichst wenig. All. mäiig ließ cr sich doch durch Wanda zu ihm ziehen. WaS bist Du. Onkcl?" fragte Ar. lhur. Tischler." antwortete er. Kannst Du auch wirklich Tische machen?" Jawohl, wenn ich Holz und Werk, zeug habe." Auch Stühle?" fragte Wanda.' Ja." Auch Spinden?" Gewiß." Auch Kommoden?" Und so ging'S wcitcr. bis alle Möbel genannt waren, die ihre Augen der öicihc nach erreiche konnten. Als endlich die Mama anS dein Ankleidczimmer eintrat, rief sie ihr entgegen: Aber der Onkel kann viel machen alles was hier stebt ! Und die Friederike bekommt eine Kuh !" ttulj Kuh !" wiederholte Fritz, chcn juchzend. Gegen ein Uhr fuhr die elegante Equipage des Majors vor. Der Die ncr, der jetzt einen großen Pelzkragen nmgclcgt hatte, sprang vom Bock und öffnete den Schlag. Frau Sarah setzte die zierlichen ticfclchcn nur mit dcn Spitzcn auf dcn Tritt und das nasse Trottoir. augenscheinlich sehr befriedigt, daß einige Fußgängcr abwarteten,, bis sie hüpfend die Thür erreicht hatte. Dann keuchte sie die drei Treppen hinauf, als ob ein hoher Berg zu ersteigen wäre, machte aus jedem Absatz Halt und plauderte : Da siehst Du, Ewald, wie leicht ich außer Athem komme. Ach, mein Herz ! Es ist nichts mehr mit mir. Ich werde noch einmal ganz plötzlich an Herz schlag sterben. Diese Treppen ! Wie hoch ist's denn noch?" Der Major lachte. Du machst Dir nicht genug Bewegung, Kiud. Wenn Du Deine schlanke Taille konscrvircn willst - Meine schlanke Taille spotte noch ! Wir müssen zum Sommer nach Maricnbad. Der Papa wird das ein. sehen. Endlich ist der Ehimborasio er-
stiegen. Zieh' noch nicht sogleich die Glocke, ich muß mich noch ein wenig ausruhen. Jetzt, wenn es Dir recht ist." Fricdcrike öffnete und ließ die Herrschaften in dcn Salon treten. Ich werde die gnädige Frau sogleich benachrichtigen." Die Geheime Natmn, obschon sie ganz fertig war, beeilte sich doch nicht sehr. Ihr Bruder mit seiner Frau," sagte sie zu Arnold. Wahrscheinlich Ihretwegen. Halten Sie sich bereit." Dann wurde es im Salon laut. Die beiden Damen sprachen eine Weile .sehr lebhaft, beide zugleich. Es galt die Ber sicherungen auszutauschen, wie seht man sich freue, einander endlich einmal wieder zu sehen. Der Major wars lachend cm, Wort cm, ohne ihren Nedeström eindämmen zu köuuen. Wo ist denn nur unser Sansculotte?" fragte cr endlich so laut, daß es im Nebenzun mer verstanden werden konnte. Sie müssen Stiefel anziehen, Herr Berken," flüsterte Fnederike Arnold zu. Er sah auf seine Schlafschuhe. Ja, aber " - ES steht ein Paar vom gnädigen Herrn für Sie draußen an der Mchen thür. So könne Sie nicht in den Salon gchcn die Frau Major hat sehr scharfe Amieu." (Fortsetzung sokgfc) mr Geheimnisse eines Spielsalons. In -Madrid, Spanien, wurden Juan Aldige und sein Assistent Munoz wegen sechsfachen Mordes, begangen in einem Ss'ielsalon in btx Nähe von Sevilla, zum Tode verurtheilt. Die beiden Mörder lockten reiche Leute in ihren Salon, ermordeten sie dort, beraubten sie und begruben sie in ihrem Garten in vorher zurechtgemachten Gräbern. Es waren verschiedene bekannte Männer aus Sevilla verschwunden, ohne daß man eine Erklärnng dafür fand. Die Frau eines Mannes Namens Regano brachte die Polizei auf die Spur der Morder, mdem sie angab, daß ihr Mann dem Spiel huldige. Man verfolgte die Spur bis in die Wohnung Aldiges und fand schließlich die Leiche des Gesuchten im Garten. Eine weitere Unter suchung des GartenZ brachte fünf weitere Leichen zutage, von denen eine lan ger als zwei Jahre in der Erde gelegen hatte. Die erzwungene SkatPartie Der Unteroffizier Dörner vom 87. Jnsantene-Regiment in Mainz war von einem Nachmittage bis zum nächsten Morgen als Wachthabender nach der Gonsenheimer Thorwache kommandirt. Durch die Drohng, er werde über Nacht die Pritschen nicht herunterlassen, damit die Mannschaft sich nicht schlafen legen könne, zwang er die Soldaten, mit ihm bis zum frühen Morgen Skat zu spielen. Auch jene, die vom Kartenspiel keine Ahnung hatten, mußten mitspielen und verloren dabei ihre wenigen Pfennige. Das Kriegsgericht verurtheilte den skatliebenden Unteroffizier zuvin Monaten Gefängniß und zur Degradation. LändUkti. fraiwr. L a n d r a t h (beim Besuche eims Dorfchens vom Ortsvorstand zum Mittagessen eingeladen, dessen Frau ihm allein eine Serviette vorlegt): Nun, liebe Frau, geben Sie doch Ihrem Manne auch eine Serviette!" Frau: .Dös iö mt nöthig, Herr Landrath, mei' Ma' schlabbert net!"
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