Indiana Tribüne, Volume 29, Number 202, Indianapolis, Marion County, 19 April 1906 — Page 7
Jndlans Tribüne, 19, April 1006
DerjmlgsteVrnöcr Sozialer R,n von ErnS Wichert. filforifctzima.) .5ch spreche nur eme, Thatfache aus. die wahr ist,- fahr sie fort, uud will damit durchaus nnhtS Kränkendes für Dich oder irgend wen gesagt haben. Wie sollte ich auch? Ich bin ja gern Deine Frau geworden. Aber in bürgerlichen Faniilicn ist cS doch nichts Ungewöhnli.chcS, daß die verschiedenen Glieder 'ein sehr verschiedenes Wachsthum zeigen. Man muß daraufgefaßt 'sein, in nahe Berührung mit Elcmentcn der Gesellschaft zu kommen, die wir sonst nur in einem gewissen Abstände unserer Aufmerksamkeit zu würdigen pflegen, wenn es sich um Werke der Barmherzigkeit handelt." Wenn man Dich so hört, Mathildc." Er räuspette sich leise. Als ob es nicht in adeligen Familien genug räudige Schafe gäbe." .Q aewifz ! streiten wir über dieie vüinqc ntsljL I2tncrn adeligen Vetter, den ich verachten müßte, würde ich un bedenklich die Thür weifen. Einem armen verwandten meines Mannes gegenüber, von dem ich vorläufig nichts UnehrenwertheS weiß, thue ich meine Pflicht, auch wenn mein Mann selbst offenbar lieber mich vorschieben würde, um, ihn loszuwerden." Du mißverstehst mich durchaus." Erlaube nur. daß ich zu seinen Gunsten Dein Wasche- und Kleiderspind plündere. Und nun, bitte, halte mich nicht länger auf, eS ist schon spät." Sie zog ibrenArm fort und entfernte sich nach der chlafstube hin. Der Geheime Rath kehrte seufzend nach seinem Arbeitszimmer zurück. Seine Frau handelte ganz korrekt, aber Viel leicht wäre es ihm wirklich lieber gewesen, wenn sie ihn genöthigt hätte, weniger brüderlich" für Arnold zu sorgen. Dieser hatte indessen die Flasche Wein fast auSgetrnnkeu. o nun erwärmt und ein wenig gekräftigt, war er aufgestanden, um sich im Spiegel zu besehen. So zerlumpt und verwildert mochte er sich selbst gar nicht vorgestellt haben. Er suchte mit der Hand sein Haar zu glätten und klopfte, als der ökath eintrat, mit einem Lineal, das er von seinem Schreibtisch genommen, den Staub on feinen zerrissenen Beinkleidern. Na," sagte er mit spöttischem Lachen, das hat natürlich eine lange Berathung gegeben, was nun eigentlich anzufangen. Ich nehm'S Deiner Gnä-
digeu gar nicht übel, dan sie einen Schreck bekommen hat. Es ist schon eine Weile her. daß ich in einen Spiegel gesehen habe, und die Fiqur da empfiehlt sich wirklich picht. Bieileicht wär'S besser gewesen, ich hätt' irgendwo einen strick gestohlen und muh daran ausgehängt. Nun ist einmal der rechte Augen blick verpaßt. ' Wenn man etwas War mes im Magen hat und der Wein die Lebensgeister anregt, gibt man sich mit solchen Gedanken nicht ab. Aber fürchte nicht, daß ich Euch länger, als durchaus nöthig, belästige. Etwas Geld mußt Du mir schon leihen, lieber Bruder. Ich hoffe. Dir's wiedergeben zu können. Und wenn nicht eS wird Dich nicht gerade arm machen." Du bleibst vorläusiq bei uns." ant wartete der Rath. Meine Frau will es 0." Deine Frau?Wie ich sage.. Ich bin ehrlich genug. Dir zu gestehen, daß ich damit nicht ganz einverstanden bin. Denn so lieb ich Dich habe " Und so weiter, ich weiß schon. Also Deine Frau will DaS hatt' ich ihr nicht zugetraut. Aber so kann ich doch nicht Nein, wahrhaftig Ich müßte mich ja Hast Du Kinder?" Drei. Zwei Knaben und dazwischen ein Mädchen." ; Vor denen müßte ich mich ja schämen. Und vor Deinen Leuten , Das war eine recht propre Person, die mir da aufmachte." .Füge Dich nur in die Anordnungen meiner Frau ohne Widerspruch. Laß Dich auch ihre Art Da wirst ja erfahren, eine wie liebe und gute Frau sie ist. Und nun setze Dich wieder und halte Dich noch ein Weilchen still. Ich habe da eine dringende Arbeit zu mor gen, die abgeschlossen werden muß. Wenn Du schlafen willst töre Dich nur gar nicht," sagte der Tischler. Wenn'S denn durchaus sein sott meinetwegen auch so." Er setzte die Flasche an den Mund und trank sie auS. Indessen hatte die Räthm der Köchin den Austrag gegeben, den Ösen in der Badestube zu heizen. Friederike schickte sie hinauf, die Fremdenstnbe in Ordnung zu bringen. So nebenher ließ sie ein Wort fallen, dem Bruder des gnädigen Herrn (ei eS schlecht gegangen ; er habe sich als junger Mensch inS AuSland begeben und die Verwandten ganz ohne Nachricht gelassen. Nun hätte er das Unglück gehabt, Alles zu verlieren und ohne Mittel eine weite Reise machen zu müssen ; das habe ihn so heruntergebracht. Es ist, als ob Einer Schiffbruch gelitten hat und halbnackt an's Land geworfen ist dafür kann er nicht." Sie wählte absichtlich diesen Vergleich, weil sie wußte, daß die Köchin einen Neffen auf der See hatte, mit dem sie gern prahlte, well er Steuermann geworden war. Ja, es kann den anständigsten Menschen so ein Uualück treffen," bestätigte diese denn auch. Gut, wenn er angesehene Ber-' wandte hat, die ihm lrushelseu können. Sollt' meinem Johann einmal so waö passiren, aus mich könnt' er rechnen.Nach einer kleinen Stunde klopfte Frau. Mathilde an ihres Mannes Thür. Er trat hinaus und empsing ihre Anwnsunzen. ßz selbst' führte
nun Arnold nach der BadelMVe. qt
smche Dich durch ein Bad." sagte er ihm, das kann man in unseren theuren Wohnungen wenigstens jeder jfytit rasch haben. Hier auf dem Stuhl liegt reine Wäsche und dort am Nagel hangen Kleider von mir, die meine Frau Dich zu benutzen bittet. Wir haben ja ungefähr dieselbe Statur. Daß Du etwas stärker in den Schultern und Ar men bist, wird nichts schaden ich trage den Rock gern .echt weit. In Dtcicm Kastäzen ftndeit Du Kammzeug die gute Frau hat für Alles gesorgt. Citf . r. - ä , ? Ayl oa zieyen ja aucy meine .scymsschuhe. Wenn Du fertig bist, komm zum Essen, wir warten auf Dich. Deine alten Sachen wickele zusammen und trage sie in die Ecke ; man wird sie fortschaffen. Wenn Dir das Wasser nicht warm oder nicht kalt genug ist. darfst Du nur an einem dieser Knöpfe, drehen. Und nun : wohl beiomm'S!" Als Arnold dann in'S Zimmer trat, waren die Binder schon zu Bett gcbracht. Er sancn em ganz anderer Mensch geworden zu sein. Es waren nicht die neuesten jttcider deS Geheimen Raths. d!e seine Frau hergegeben hatte, aber er selbst trug sie noch vor Zeurzeni zur Aushilfe. Sie saßen dem Bruder wie angegossen und gaben ihm ein ganz vornehmes Aussehen. Er gefiel sich augenzcheinlich darin, hatte aber auch Haar und Batt in. beste Ordnung gcbracht. Nur die rauhen Hände verricthen du: Arbeiter. Die Geheime Räthin musterte ihn und sagte recht befriedigt: o,nun sehen Sie doch menschlich aus." Ja," antwortete er, und es ist mir auch so zu Muthe. Ich danke Ihnen. Frau Schwägerin ich danke Ihnen von Herzen." Berken bemüthe sich, einen vertraulichen Ton anzustimmen. Er umarmte und küßte thu. Ganz daö gute Gesicht der Mutter ! Nur ein Bischen in'S Derbe umgemodelt natürlich. Nun setz' Dich und iß. Wir sind schon dabei gewesen ; eS dauerte uns doch zu lange, bis Du mit der Toilette fertig wurdest. Ja, wenn man so von Grund aus Aber er sieht jetzt ganz menschlich auS, nicht wahr, Tildchen ? Er gefällt mir. Iß. iß wir leisten Dir Gesellschaft, und dann schlafe Dich auS. Friederike wird Dir hinaufzcigen. Morgen wollen wir weiter sehen, was mit Dir anzusangen ist morgen. Erst ausschlaseil." ES dauerte lange, bis der Tischler seinen Appetit gestillt hatte. 2. Kapitel. ES war schon hell, als Arnold am andernen Morgen auswachte. Der Hagel polterte gegen daö Mansarden' senster. und der Wind rüttelte an .dem Schutzblech unter demselben. Er dehnte und streckte sich in dem weichen Bett. Ah ! da liegt sich'ö doch b:sscr, als auf dem mussigen Strohsack in oer erbarmlichen Schlafstelle, die unsereiner er schwingen kann." murmelte er. So ein Stäbchen allein zu seinem Gebrauch haben Gardinen und Bilder ! logar ein Teppich auf dem Fußboden! Und das steht so für gewöhnlich ganz leer. Pah! die reichen Leute können sich'S leisten, es gehört zum Nothwendigsten, daß sie Ucbcrfluß haden. Die reichen Leute! Die sind noch nicht einmal daS; lange nicht! Mein Bruder Gchcimrath und seine Gnädige lange nicht! Bon mir freilich bis vx ihnen da ist ein weiter Weg.. Wenn ich nicht zufällig sein Bruder wäre ja, ja, ja! es geht toll zu in dieser Welt!" Er stand auf und kleidete sich an. Dabei schritt tr in dem kleinen Zimmer umher und besah den einen und anderen Gegenstand genauer. Er sand alte Bekannte, Möbel, die in der Eltern guter Stube gestanden hatten, schon damals vielleicht etwas altmodisch ln der Form, aber im Material unverwüstlich : einen Schrank mit halbrundem Aussatz und Säulchen von Alabaster aus viereckigen Ebenholzwürfeln zu beiden Seiten der geschweiften Thür, ein paar Stühle mit Pfcrdehaarbezug und gefächertcr Lehne, den kleinen Tisch mit einem Bildwerk von eingelegtem Holz in verschiedener Natursarbe. aus dem damals schon Stücke auögesprnngen waren, einige verräucherte Stahlstiche in schwarzen Nahmen, verblaßte Photographicen von Familienaugchörigcn, darunter Gruppcnbilder, in denen er selbst als Jungster seinen Platz haue. Damals gehörte ich noch dazu. Der Junge mit den ausgewachsenen Hosen und dem Schafsgesicht das bin ich. Aber die Schwestern in ihren ikrinolinen sehen ebenso albern aus. Der Siegfried hat einen adcstock verschluckt, so steif steht er da ha, ha. ha aber der Ewald sieht gut aus, wahrhastig! der sieht gut aus. und er hat mir die Hand auf die Schulter gelegt ha, ha, ha ! nicht gerade aus brüderlicher Liebe er sollte nur einigermaßen den Fleck bedecken, den sich mein Mittel geholt. Aber thut nichts, der Ewald war mir doch gut und nahm mich manchmal in Schutz gegen die Schwestern, die immer an mir " Es wurde an die Thür geklopft. Nur herein!" rief er, fein Sctbstgesprach derb unterbrechend. Friederike öffnete ein wenig, blickte aber nicht durch bit Spalte. Sind Sie schon auf, .Herr Bcrken?" fragte sie. ' V .Jawohl. Was gibt'S?" : .Die gnädige Frau 'wollte nur wissen, ob Sie schon auf seien." So kommen Sie doch herein, eö wird Ihnen nichts schaden." Friederike blickte in'S Zimmer, ohne den Drücker der Thür loszulassen. ,ES ist nur. damit wir uns danach richten können. Ich soll hier oben rein machen, und Fritzchen spielt gerade ganz artig. Die gnädige, Frau meint auch wegen dem Frühstück. . . .wir sind schon längst fertig damit." Wie spät ist eö denn eigentlich ?" ,Nu ich denke, eö bat schon neun geschlagen." . ,
Alle Teufel!" Wenn ich Ihnen aber den Kaffee hinaufbringen soll " I wo doch ! Umstände zu machen ist nicht meine Art. Möcht sich auch schlecht für mich schicken, da ich doch nur so Aber wärmn stehen Sie im ' alten?" Mir. macht das nichts, jlann ich gleich warten, bis ie heruntergehen?" Ja wohl, ja wohl. Er schritt nach der Thür, faßte sie am Arm und zog sie hinein. Sagcn Sie mal. . . . Aber wie heißen sie denn?" Friederike. Das heißt, eigentlich Mathilde. Aber weil die gnädige Fra so heißt und das doch auch mein zweite Name ist Hat man ie umgetauft. Ja, das kriegen die da laicht sertia. Eö müßt'
eigentlich ein doppeltes crzcichniß von vcamcn auiaejicut werocn. oas eme p.r die Herrschaften und das andere sür uns gemeines Pack. Uebcrhaupt " Dcrr Äcrkcn!" Das eben noch freundliche Gesicht nahm einen merklich ernsten Ausdruck au. Wenn Sie von gemeinem Pack sprechen, zu dem gehör' ich nicht. Und wenn Sie sich da einschließen, mir thun Sie damit keinen Gefallen." Aber 10 war's ja nicht gemeint." entschuldigte er. Ich sag'S nur. weil wie soll ich Sie denn nun nennen?" Er suchte ihre Nand zu rancu. aber sie schob ihn mit der Schulter fort. Rennen ie mich Friederike. wie alle hier im Hause. Der Name gefällt mir auch ganz gut. Und nun lassen Sie mich an meine Arbeit, ich komm' jonst nicht mit der Zeit auS." Gleich. Was ich Sie noch fragen wollte, Riekchcn sagen Sie mal die Gnädige thut wohl sehr vornehm?" Ueber meine Herrschaft spreche ich nicht." Ach! ich will ja nur wissen, wie man sie zu nehmen hat. Und mein Herr Bruder?' Mit dem ist nicht gut Kuschen essen - - was ?" Friederike ging in den Flur zurück und nahm Besen und Schaufel in die Hand die sie da in eine Ecke gestellt hatte. Ohne zu antwortcu. machte sie sich an die Arbeit. Na, auch gut." sagte der Tischler, daö Zimmer verlassend. In so einem Hause, werden auch die Dienstboten hochnäsig." brummte er vor sich hiu. Die Geheime Räthin empfing ihn etwas steif förmlich, aber nicht unfreundlich. Er stotterte eine Entschuldigung wegen seines langen Schlafens. Nun," sagte sie lächelnd, das mag heute so hingehen. Sie waren gewiß sehr müde, onst sind Sie wohl an Frühausstchcu gewöhnt ?" Ja, wenn ich Arbeit habe natürlich, dann muß man. Gibt'S nichts zu thun, da Heißt'S bci'unS: wer schläft. Ninoigt nicht." Er meinte einen Tcherz gemacht zu haben und lachte selbst darüber, merkte aber sogleich, daß er den Ton verfehlt hatte und fuhr mit dem Finger hinter dem Ohr hin und her. sie stellte ihm den Kasfcc ans den Tisch und schob ihm einen Korb mit Wcißbrod hin. Er bückte sich über und schlürfte, ohne, die Tasse aufzuheben. Die Brödchen, langten nur gerade für zwei Bissen zn. Die kleine Wanda stand schüchtern an der Tisch' ecke, während Fritzchcn auf einer Fußdank am Fenster saß und Soldaten aus einer Schachtel auf den Stuhl vor sich Heute. Ist das der Onkel Arnold. Mama?" fragte sie neugierig zuschauend. Ja. das ist der Onkel, liebes Kind." Er hat aber Papa'S iKoef an." Du wirst wohl irren." Nein, ich irre nicht. Ich kenn' ihn an dem Knopfloch, in dem immer das OrdcnSbändchcn gesteckt hat, als er noch gut war. Und auch die Weste und die " Still doch. Du Plaudertasche." berief sie die Mama. Aber warum wollen Sie's nicht wahr haben. Frau Schwägerin?" fragte der Tischler, wieder ein halbes Brödchen in den Mund schiebend. DaS Kind sieht doch " Kinder sollen nicht alles sehen," untcrbrach die Räthin. Ihm schien einzufallen, daß er die Kinder noch gar nicht begrüßt hatte. Wie heißt Du denn?" fragte er. Wanda. Und mein kleiner Bruder heißt Fritz, nnd mein älterer Brv der ist in der Schule. Der heißt Arthur." Aha ! Mehr, wie ihr drei, sind wohl nicht?" , DaS Mädchen verstand ihn nicht recht und sah die Mutter an. Eins von unseren Kindern ist gestorben." sagte die öläthitt. Drei sind eigentlich auch genug." meinte Arnold. Ich weiß es von meinem elterlichen Hause her, wie daS mit dem zu großen cgcn " Erhielt Wanda die Hand hin und wartete, dan sie einschlagen sollte. Sie blickte aber kopslchuttelnd daraus und kreuzte die Arme auf dem Rücken. Gib dem Onkel die. Hand,- sagte die Räthin. Das Kind schüttelte wieder den Kopf. Der Onkel hat so schwarze Finger, wie unsere Köchin." Was Du auch alles bemerkst !" Arnold zog die Hand zurück. Wahr ist'S schon, Frau Schwägerin," sagte er. ohne verletzt zu sein. Das kommt vom Leim. Wer arbeitet, kann die Haild nicht schonen, wie ein Fräulein." Er griff wieder in den Brodkorb. Essen Sie denn alles auf?" fragte Wanda. die ihm verwundert zusah.Er wurde verlegen. Ich alanöte. daS wäre für mich." sagte er mtt einem Blick auf die Räthin. - Gewiß, gewiß!" Sie faßte das Kind am Arud und schob eö Zur Tbür hinaus. Nun sing aber Fritz an zu oi 4. c r . y. - rc einen. ,Arnvto iiano aus uno wollle yn aus oen ntm yeven. 'er Zunge strampelte jedoch mit bei Beinen und schrie nach Frkdenke. Die. Mutter
juchte thu zu beruhigen. Man hat mit den Kindern feine liebe Noth," klagte sie. Dafür sind' ja auch Kinder," meinte er, und, ein bischen verwöhnt werden die wohl sein. Bei uns. läßt man sie j. I .. c: r . - .-. .. .. ., '
u)uku, oix nc von ietor aufhören. uuj einer ene. wahrend er am Feniter stand und ans die Straße hinab (nU vnUm St v. n. 4 Mt;, uiti viw viuii;iu iVltVll vllv -CüUll. .Sie werden sich nun schon mit sich elbst beschäftigen müssen. Mein Mann st bereits nach seinem Bureau im Minjterlum gegangen er wollte vorder noch bei MazorS ansprechen, Jhretwegen daö Weitere zu verabreden." AY ol Donentllch kommt etwas dabei 'raus. Das heißt. ... Ich will meine Herren Brüder nicht über daS Nothwendigste beschweren. Wenn sie mir ein paar Thaler leiben wollen damit helf' ich mir vielleicht weiter, nun a) ivieoer unter moern tun." Die Räthin schien nicht darauf zu achten. .Ich selbst muß Toilette mae. nihr ne fort, es sind immer Biinen zu erwarten., Wenn Sie aver n Buch zum Lesen, wünschen oder eine Zeitung " :" f i "n.i r. r B icumiciie oen ops. ai oame. 0'rai: Schwägerin, ich danke. Oie Bü cher meines Bruders sind mir wohl zu hoch, und seine Zeitungen " er lachte : . . j ? , . liirz aus, na. un rann mir ja nngesayr denken, was in den Zeitungen steht, die er hält." Wie meinen Sie das ? Mein Mann ist natürlich streng konservativ in politischer Beziehung und vertritt als Beamter selbstverständlich stets das Regierungsprogramm." )er Tnchler schien zu überlegen, ob er sich aus dieses Gespräch einlassen solle ; er hatte wohl das Gefühl, daß er leicht anstoßen und verletzen könne. Er drehte deshalb die Hände in einander und blickte blinzelnd von unten auf. Aus der Politik mache ich mir gar nichts, Frau Schwägerin." sagte er dann, sur unö Arbeiter lst's glelchgiltig, ob das Fuhrwerk ein bischen nach rechts oder nach links geht, da die Geleise doch immer aus demselben Wege liegen, der uns nicht an'S Ziel führt und was da gewöhnlich unter dem Strich steht ja, sehen Sie. das ist auch sür unser Einen nichts : Theater und Kon:erte und allerhand Klatsch.... Aber eS mag ja für Sie recht amüsant lttN." Sie lesen wohl überhaupt nicht Zeitungen ?" Nicht gerade regelmamg. Es gehen bei unö so Blätter herum, bis sie ganz verlesen sind Das ist leider nichts für Sie. Frau Schwägerin." Die kleine Wanda, die an der Thür gelauscht hatte, kam nun mit ihren Bifderbüchern an. legte sie aus den Tisch nnd schlug daö größe davon auf. Soll ich Ihnen die Bnder erzählen?" sragte sie. Du kannst den Onkel Du nennen," bemerkte die Räthin. Soll ich Dir die Bilder erzählen. Onkel," wiederholte sie die Frage ent sprechend verändert, indem sie ln dem Bücke geschäftig blätterte. Das wird sehr hübsch sein," antwartete er und setzte sich zu ihr. Sieh aus Fritzchcn." sagte die Mama, den Jungen vom Arm niederlassend, der nun auch Bilder besehen wollte, die Friederike kommt gleich." Sie entfernte sich daraus. Indessen war der Geheime Rath Berken trot des schlechten Wetters zu Fuß durch den Thiergarten gegangen, um auf dem kürzesten Wege die Wobnung des Majors zu erreichen. Er hoffte ihn noch zu Haufe auzutreffcn. täufchte sich aber. Der ' Herr Major sei heute schon früh auSgcrittcn, bcrichtete der in einer Livree von militärischem Schnitt steckende Diener, kehre aber wahrscheinlich bald zurück. Er hatte, da der Rath zu warten, entschlafsen war, den Besuch durch das Haus Mädchen der gnädigen Frau melden lassen, die natürlich noch nicht sichtbar war. aber ihr baldiges Erscheinen versprechen ließ. Dieses baldigst" dauerte gut eine halbe Stunde. Sie dauerte Berken entsetzlich lang, so viel hübsche Sächclchen auch in dem mit geschmackvollstem Luxus ausgestatteten und mit Bildern der angesehensten Meister behängten Salon zu besehen waren. Im Erker, dessen innere Fenster kunstvoll ans farbigcn Gläsern zusammengesetzt waren, standen um das große Messingbauer eines grünen Papageis gutgepflegte Blattpflanzen in ausgezeichneten Excm. plaren und Hyacinthen in langen Wurzelgläscrn. in dieser Jahreszeit eine Seltenheit. Ein allercchtester SmyrnaTeppich bedeckte das Parkett ; der dicke Seidendamast der Portieren legte sich schlcppcnartig darauf. Berken benei' dcte seinen Bruder um alle diese Herr. llchkcitcn nicht, die ihm seine Frau zugebracht hatte, konnte sich jedoch in diesen Räumen man blickte durch die offenen Thüren in zwei anstoßende Zimmer von ähnlich luxuriöser Ausstattung des beklemmenden Gefühls der eigenen Aermlichkeit nicht ganz erwehren. Endlich schwebte die Schwägerin hinein, ein etwas völlige aber elastische Gcstalt, gekleidet in ein reizendes 'Realigee von feinstem rosa Flanell mit dunkelrothem Sammetbeiatz und seidenenSchnüren. Sie trug ein winzig kleines Häubchen auf dem schwarzen lockigen Haar und die. ausfallend kleinen und weißen Hände waren mit blitzenden Ringen besteckt. Ihre munteren Augen grüßten den Geheimrath schon von Weitem. Aber so früh, so furchtbar früh!" rief sie ihm mit großer Lebhaftigkeit zu. Der Papagei kletterte, durch ihr Erscheinen freudig beunruhigt, an den Stäben seines Käfigs herum un!gurgelte Sarah Sarah! Gute Frau gute Frau." . . . , . (Fortsetzung folgt.)
Europäische Nachrichten. MittekdeutscHe Staaten. Braunschweig. Dieser Tage verstarb hier im 82. Lebensjahre ein alter braunschweigischer Offizier, der Oberst Maximilian v. Förster. Er wurde am 21. Februar 1824 zu Blankenburg als Sohn des dort 1865 verstorbenen Majors von Förster, der unter Herzog Friedrich Wilhelm den berühmten Zug durcy Norddeutschland mitgemacht hatte, geboren. E i ch e n b.e r g. Hier stürzte die beim Gutsbesitzer Schmidt bedienstete 17jährige Magd Elly Röhr durch das Scheunenloch auf die Tenne. Das Mädchen erlitt bei dem Sturze einen Schädelbruch, an dessen Folgen es gestorben ist. j Forst. In der Müller'schen Eisengießerei hier erlitt der Lehrling K. Teiwes aus Golmbach, so schwere Brandwunden, daß er nach Göttingen gebracht werden mußte. Hände und Beine hatten schwer gelitten, das rechte Auge scheint verloren. Gera. Dieser Tage konnten Rektor E. Fischer und Oberlehrer E. Schein auf eine fünfundzwanzigjährige Thätigkeit . im Interesse des Thier- und Pflanzenschutzes zurückblicken. Greiz. Der Fabrikant Louis Fischer, der hier eine Lohnweberei besaß, ist in die Elster gesprungen und, obwohl er rasch gerettet wurde, an einem kurz darauf eintretenden Herzschlag gestorben Köselitz. Unlängst fiel die 75jährige Häuslersfrau Schrödter in den Dorfteich. Da Hilfe nicht zur Stelle war, fand sie den Tod im Wasser. Leumnitz. Vor einiger .Zeit wurde der Dienstknecht Erler von seinem Geschirr auf dem nach Thränitz führenden Kommunikationswege überfahren und schwer verletzt. Der Verunglückte, der bei dem Gutsbesitzer Hermann Scheibe hier in Diensten war, wurde in das Geraer Krankenhaus gebracht, wo er alsbald seinen Verletzungen erlegen ist. Ruhla. Das in der sogenannten alten Ruhl außerhalb .der hiesigen Stadt an der Altensteiner Straße gelegene Schützenhaus ist ein Raub der Flammen geworden. Allem Anschein nach liegt Brandstiftung vor. Schöningen. Unlängst brannte
die Fritz Braune'sche Windmühle an der Weinbergstraße nieder. Die Mühle war die letzte Windmühle in unserer Stadt und deren näheren Umgebung. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist nichts Bestimmtes ernittelt worden. Einige Vorräthe sind mtverbrannt. Wörlitz. Einen schrecklichen Tod at der Gastwirth Pannicke hier gefunden. Derselbe befand sich be: eincr Geburtstagsfeier im GasthofZum grünen Baum und verschwand dort plötzlich aus der Gesellschaft. Nach längerem Suchen fand man ihn todt in der Düngergrube, liegend. . Sachsen. Dresden. Vor einiger Zeit starb hier im 74. Lebensjahre Geheimer Finanzrath a. D. Emil Heinrich Heydenreich, Ehrenbürger der Stadt Altenburg. Unlängst haben sich 25 Jahre vollendet, daß Klempner-Ober-meiste: Friedrich Lange, Sächs. Hofklempner, der hiesigen Gewerbekammer als Mitglied angehört. Aus diesem Anlasse ist ihm durch eine' Abordnung der Kammer eine künstlerisch ausgeführte Ehrentafel ü'berreicht worden. Barthmühle. Im Fieberwahn hat die Gattin des Bienenzüchters Gürgner ihrem Leben ein Ende gesetzt. Sie war von religiösem Wahn befallen und sollte in's Krankenhaus nach Planen gebracht werden. In der Nacht wußte sie sich der Ueberwachung durch ihre Angehörigen zu entziehen; sie ordnete sorgsam ihr Bett und schlich sich dann, nur bekleidet mit Hemd, Nachtjacke und Strümpfen, m die bitterkalte Nacht hinaus.' Dann irrte sie durch die schneebedeckten Fluren bis zur Rentzschmühle. In der Elster fand man ihren Leichnam. C b e m n i n. Lentens erfüllten sieb 50 Jahre, daß sich RechtsaRttal! Preller, welcher bis vor Kurzem noch mm? war. hier nwderketz. Das Ju siizministerrum ehrte den Jubilar durch die Uebersenoung emes Glückwunschschreibens, wahrend ihn der Anwalt Verein durch eine Deputation be grüßte. E o s ch ü tz. In sein! Wohnung wurde der Schuhmachermnster Gott wald erhängt aufgefunden. Dorfchem'nitz. Der im 76. Lebenswahre siehende Gartenhcrusbe sitzer Johann Traugott Gläser stürzte so ungluckltch von dem Boden semer Scheune herab, daß er an den Folgen einer Gehirnerschütterung kurze Zeit darauf starb. F reib er. Der Kirchner an St. Nikolai. Georg Friedrich Juftus Busch, beging rurzlich sein SOzahrigeö Buraeriubtlaum. Kötzschenbroda. Letztens ist hier im 83. Lebens ahre der Geh, Me dizinalrath Dr. med. Gustav Hermann Butter, eine in Aerterreisen sehr ve kannte Persönlichkeit, estorben. Meißen. Rechtsanwalt Körnich feierte vor Kurzem sein 50jährigeS Anwaltömouaum. ObercunnerSdorf.'DereuS dem yusiaen Bttittsarbeüöhmrse ent wichene 62 Jahre alte u?rheivathete
Korrektion Julius Hempel aus Ober - Oderwitz hat sich im Amtsgerichtsgefängniß in Löbau erhängt. R o d e w i s ch. In der im Bau begriffenett Villa des Fabrikbesitzers Rüdiger brach Feuer aus. Das Erdgeschoß wurde zerstört. Es liegt fahrlässiae Brandstiftuna vor. Reichend ch. '.Der weitbekannte vogtländische Großindustrielle der Webwaaren'öranche, Paul Oskar Ehret, ist im Alter don 57 Jahren gestorben. Kessen-Aarmstadt. D a r m st a d t. Staatsminister Dr. Rothe ist gestorben. Karl Rothe ist am 2. Juli 1&40 hier geboren, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte in Gießen und Heidelberg Rechtswissenschaft und war bis zum Jahre 1866 im Justizdrenst thätig, worauf er bei dem Sekretariat des grcßherzvglichen Ministeriums des Großherzozlichen Hauses und des Aeußeren verwandt wurde. 1898 wurde er Großherzoglicher Staatsminister, Minister des Großherzoglichen Hauses, des Aeußern und des Innern und zugleich zum Bevollmächtigten zum Bundesrathe 'bestellt. Alt he im. Hier fand nan die
20 Jahre alte Marie Appel' in der Scheune der elterlichen Hofraithe erhängt vor. Geqen das Mädchen schwebte eine vor einiger Zeit eingeleitete Untersuchung wegen Verdachts der Kindestödwng und sollte letztens eine erneute Vernehmung durch die Gerichtsbehorden switfinden. Gießen. Dr. Wilhelm Kleeberger, Assistent an der hiesigen Universitat, führte sich in der philosophischen Fakultät als Privatdozent für Landwirthschaft ein. W o r m s. Vor einiger Zeit erschoß sich auf dem hiesigen alten Friedhof ein junger Mann im Alter von etwa 25 Jahren. Man fand bei der Leiche ernen Zettel mit dem Namen Schink und eine Ruafahrtskarte LudwmshafenWorms. Wanern. München. Dr. Hans Dorn ist als Privatdozent für NationalökonoMie an der hiesigen Technischen Hochschule zugelassen worden. Der hie; sige Bildhauer und Professor Wilhelm von Rümann ist in Ajaio auf Corsica, wo er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit weilte, im Alter von 56 Jahren gestorben. Letztens wur de der verhetrathete Hausirer Michael Faul nach vorausgegangenem WortWechsel von dem ledigen Händler Joseph Resch durch einen Messerstich in das Herz getödtet. Resch, ein wegen Rohheitsdelikte schon oft bestrafter Mensch, wurde verhaftet. Bamberg. Kürzlich verschied in ihrem 96. Lebensjahre die hier allgemein bekannte und verehrte Generalmajorswittwe Frau Amalie Rohr. Eine 73jährige unverheirathete Tochter trauert an ihrer Bahre. Außerdem hinterläßt sie zwei Enkel. Freiherrn v. Schellerer, die mit den beiden Töchtern des verstorbenen commandirenden Generals Heinrich v. Xylander vermählt sind. Erlangen. Vor kurzem erschoß sich der Ingenieur Guido Himbsel aus Nürnberg beim Tischhäusla. Die Gründe zur That sind unbekannt. Fischbachau. Letztens starb im 71. Lebensjahre Graf Emanuel, der Aelteste des Geschlechts Guiot de Ponteil und seit März 1862 mit seinen Geschwistern im Besitze des alten emanirten Mair- (vul?o Moar-) Gutes. Nürnberg. Die als des Raubmordes an der Privatierswittwe Margareta Bittermann dringend verdächtig in Haft genommenen drei Burschen Kreutzer. Weißkopf und Bodechtel haden ihr anfängliches Leugnen aufgegeben und. da sie sahen, daß das gegen sie vorliegende Belastungsmaterial sich fortgesetzt mehrte, zu einem Geständniß sich herbeigelassen. Der Vater des Gedankens war der oft bestrafte Bodechtel, der die Gelegenheit zur Ausführung ausspionirte und den anderen Anweisungen gab, wie sie vor--ehen sollten. . -. Nosenyeim. Kürzlich gcrieiu der Händler Anton Stumpf von Berg b. Landshut mit Hausirern in Streit, in dessen Verlauf er derart zugerichtet wurde, daß er bald nach seiner Verbringung in's Krankenhaus starb. Die Thäter Hofbauer und Dammbeck sind verhaftet worden. Weißenburg. - Die hier verstorbene Pnvatiere Frl. Elise Muller vermachte der Armenkasse der Stadt 20.000 Mark und 8000 Mark der Gemeinde Wermatz ?ur Unterhaltung der Müllerschen Waldkapelle. - ' Württemberg. Stuttgart. Dieser Tage It ging die Kinderschule der Neckarvorstadt Cansiatt und mit ihr die Lehrerin L. Meidert ihr 25jähriges Jubiläum. H e r r e n a l b. Im nahen Staatswald Bachhalde ist der Holzhauer Burkhardt vor den Augen seiner Ka meraden von einer gefällten Tanne erschlagen worden. : Knittlingen. Vor einiger Zeit brach in einer Scheune Feuer ls, welches alsbald nicht blos das der Wittwe Vogt gehörige Wohnhaus ergriff, fondern auch die danebenstehende größere Scheune, in welcher mehrere Bürger ihre Ernti-vorräthe eingelegt hatten. DaS Vieh konnte gerettet werden. Die Entstehungsursache ist unbekannt. ' -
