Indiana Tribüne, Volume 29, Number 202, Indianapolis, Marion County, 19 April 1906 — Page 5

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o ö .Skizze von X Charlotte bliese g S$O$C0OO$0C0C$CCO40

ie Birnen müssen reif fein sagte Onkel Thomas. Die Commerbirnen, die roth im Kocöen werden. Und meine

alte Sophie kauft die Aale immer bei Frau Pust. Ihr kennt sie natürlich auch. Sie sitzt linker Hand auf dem Meßberg, wenn Fischmarkt ist, und die lebendigen Aale winden sich um ihre ausgestreckten Arme, daß sie aussieht wie ein Schlangenbeschwörer in Indien. In Agra und Bombay habe ich sie so sitzen sehen; aber es waren schwarze Kerle mit ekligen Schlangen, während Frau Pust eine brave Seele ist und uns die besten Aale aussucht. Nicht die ganz fetten, armdicken, sondern die nette, kleine Mittelsorte. Nicht zu groß und nicht zu klein; sie schmecken am besten. Die Suppe kocht meine Sophie auf einen geräucherten Schinken. aber etwas frisches Fleisch gehört dazu. Die festen Mehlklöße dürfen nicht vergessen werden, und die Gemüsefrau aus Bardowiek bringt die Aalkräuter: neunerlei verschiedenes Kraut: Majoran und Thymian, Salbei und Portulak; wie sie alle heißen, weiß ich nicht, das wissen nur die Bardowiekerinnen." . Onkel Thomas hielt mit Sprechen inne, und über sein feines, altes Gesicht glitt ein behagliches Lächeln. Seine Haushälterin Sophie setzte nämlich die große Terrine auf den Tisch, um den wir schon alle Platz genommen hatten: wir, die wir heute feierlich auf die Hamburger Aalsuppe eingeladen waren. Es war ein stiller, warmer Somrnertag, und wir saßen in der offenen Veranda, die nach dem Garten ging. Nach dem alten, schattigen Garten, in dem Onkel Thomas V.ater die Bäume selbst gepflanzt hatte: die Ulmen und Linden, die Aevfel- und Birnbäume und den Maulbeerstrauch, der jetzt gleichfalls ein mächtiger Baum geworden war. Weite Nasenflächen dehnten sich unter den Bäumen aus, und um den ganzen Besitz erhob sich eine hohe Mauer. Aber sie war nicht hoch genug, um die fünfstöckigen Miethshäuser abzusperren, die mit ihren blanken, neuen Fenstern neugierig in den alten, grünen Garten blickten, als wollten sie sagen: wir möchten nur wissen, wie lange wir noch auf diesen grünen, altmodischen Fleck Erde sehen sollen, mit-

ten im modernen Straßengewirr und

zwischen so und so viel Straßenbahnen. Aber an die frechen Mietshäuser dachten wir nicht in diesem Augenblick. Brachte doch Sophie die Teller und die

zwei andern Schüsseln, die zartrothen Birnen und die bläulich gefärbten Aale.

wahrend Onkel Thomas den Deckel der

Suppenschüssel abhob und den ihr ent-

strömenden Duft bedächtig einathmete. Sie.riecht gut, Kinder," sagte er dann.

Nach neunerlei Kraut, nach dem

Schinken und dem frischen Ochsenzienur." Adele, wie viel Klöße willst

Tu?7.

Diese Frage war an ein junges M'ädchen gerichtet, die neben ihm saß und

nun lebhaft errothete.

Ach. bitte, lieber Onkel, gib mir

recht wenig von allem! Du weißt '

Onkel Thomas warf ihr einen ernsten

Blick zu.

Ich weiß, liebe Adele. Du bist aus der Altmark, so in der Nähe von SalzWedel, und häst noch niemals Hamburger Aalsuppe gegessen. Aber Du bist mit einem Hamburger verlobt und wirst Deinen Wohnsitz in Hamburg nehmen. Also " Er senkte den Lös-

sei ticr m die dickliche Suppe.

Wir andern legten uns in's Mittel. Onkel Thomas. Adele kann nichts da-

sur. öak sie eine Bmnenlandernt ist

und keine Hamburger Aalsuppe kennt. Es gibt doch sehr tapfere Leute, d?e aus der Altmark stammen, denke nur an den Fürsten Bismarck, unsern gro-

ßen. Nachbar und Ehrenbürger. Er war unerschrockenen Herzens; vielleicht aber wurde es ihm doch schwer, den

ersten Teller Aalsuppe zu essen."

Onkel Thomas war schon wieder gut. Lächelnd setzte er der kleinen Binnenlanderin einen Teller hin, in dem

nur ein Kloß und wenig Suppe war.

Prooir es nur, mo, iag:e er gutmüthig. Nimm viele Birnen und viel Aal dazu, dann wird es schon gehen. Und später, wenn Du erst silberne Hochzeit feierst, dann wirst Du nicht begreifen können, daß Du jemals Angst hattest vor dem schönsten der Ge-

richte.-

Dann wurden wir alle still. In der Ferne klingelten die Straßenbahnen, die Fenster der Miethhäuser schielten neidvoll in unsere Veranda, und aus

dem Schatten der Bäume kam hin und

wieder cm Vogellaut: wir aber aßen die Suppe mit den Klößen und Bir-

nen, mit den neunerlei Kräutern und den säuerlichen Aalen darin. Feierlich war es, und Onkel Thomas sagte kein

Wort, bis er zwei gefüllte Teller leer

gegessen hatte. Dann stand er auf und

machte eine entschuldigende Verbeu gung.

Ich bin ein alter Hamburger, Kinder, und also für das Altmodische. Nun gehe ich zweimal um den Rasen-

platz herum, und wenn lch dann wie derkomme. darf ich meinen Rock aus

ziehen. Den dritten Teller Aalsuppe darf jeder Hamburger in Hemdärmeln

essen.

So geschah es also. Würdevoll und

bedächtig wandelte Onkel Thomas in

einem Garten hin und her; und als

er zurückkehrte, war er in schlohweißen Hemdärmeln. Adele aus der Altmark

hatte inzwischen seine Abwesenheit be-

nutzt, um ihren Teller mit dem Nest-

chen Aalsuppe in die Küche zu bringen.

Erleichtert kehrte sie zurück. Es gibt noch gekochten Schinken

und Kirschpfannekuchen," flüsterte sie.

Zu verhungern brauche ich alzo nicht.

Aber bitte, bitte, verrathet nicht an Onkel Thomas, daß ich die Aalsuppe

nicht essen kann. Wahrhaftig, ich werde

es nie können, und wenn ich auch meine Tiamanthochzeit feiern sollte!" Selbst-

verständlich hielten wir re:n:n Mund, und Onlel ThomaZ. der jetzt mit un-

vermindertem Appetit bei seinem dnt-

ten Teller saß. lächelte so behaglich vor sich hin. daß man ihm die gute Stimmünz vom Gesicht ablesen konnte.

Solche Aaliuppe ist doch etwas Be-

sonderes!" sagte er nachher. Da hatte

er seinen feinen, schwarzen Rock wieder

angelegt, und wir saßen im Garten

beim Kaffee. Leise senkte sich die Dämmerung auf unser stilles Plätzchen und auf die unruhige Welt draußen. Selbst

die Fenster der Miethshäuser blickten weniger selbstbewußt zu uns herüber.

und , irgendwo, hinter den Stein-

mauern, sang eine Mutter ihr Kind in

den Schlaf. Auch wir sagten man

viel; Onkel Thomas aber zündete seine

Pfeife an. sah in die Rauchwolken und wiederholte seine Worte.

Mit wie vielen Menschen habe ich

nun schon bei der Aalsuppe gesessen!"

setzte er hinzu. Da konnte man ein

Buch darüber schreiben. Zuerst aß ich

die Aalsuppe im elterlichen Haus. Als Vater diesen Platz vor dem Thor hier

kaufen und em Haus darauf bauen wollte. Der Bauer, dem das Stück

Weideland gehörte, aß an dem Mittag

die Aalsuppe mit- uns... Er war ein

bagerer Mann, -der eine kurze Jacke; Kniehosen und Schnallenschuhe trug,

und die Aalsuppe schmeckte ihm so gut, daß sogar Vater sich mit einem Teller

begnügen mußte. Ich aber kriegte nur

einen Aalschwanz mit ein paar Birnen

dazu und, von. der Suppe nur emen

Löffel voll. Beinah hätte ich geweint.

weil ich die ganze Nacht vorher vor

Freude auf die Aalsuppe nicht hatte

schlafen können. Aber wenn ich geweint hätte, dann würde ich Vaters Pfeifenrohr auf einer Stelle gekostet haben, die für diesen Zweck besonders geeignet ist. Damals war das so.' Die Väter hatten ein, loses Handgelenk und

liefen auch mcht gleich zum Gericht, wenn ihr Sprößling mit ein paar blauen Striemen aus der Schule nach Haus kam. Also ich verbiß meinen Schmerz Llxr das flüchtige Kosten der

Aalsuppe und beneidete Bauer Peters.

der so viel essen durfte, wie er wollte, kein Wort dabei sprach und, als nur noch Aalgräten übrig waren, sein heißes Gesicht in seiner Serviette abtrocknete. Aber er ließ die Wiese zu einem billigen Preis, und Vater pflegte später zu sagen, daß die Aalsuppe ihm gut geholfen hätte. Tann aßen wir die erste Aalsuppe im neuen Haus und hier in der Veranda. Ter Garten war eben erst an-

gelegt, und die Väumchen und Büsche

dachten Nicht daran. Schatten zu spen

den. Aber rings um uns herum lagen Wiesen mit Hecken, und dazwischen standen alte Bäume. Vom ersten Stock unseres Hauses sahen wir auf die Elbe mit ihren Schiffen, und die alte Tante Hanne auZ dem Johanniskloster ließ uns sagen, zu uns heraus könnte sie nun nicht mehr kommen: wir wohnten

ja mitten auf dem Torf. Damals lag das alte Johanniskloster dort, wo jetzt

das Johanneum liegt, und die alten Damen fanden es unschicklich, vor's

Thor zu gehen. Aber zur Aalsuppe kam Tante Hanne doch noch und blieb

dann die Nacht, um Mit dem Bleicher

wagen am andern Morgen wieder in

die Stadt zu fahren.

Ja, es war alles ein bischen um-

standlicher als heutzutage; an elek

irische Bahnen dachten wir ebensowenig wie an Automobile; aber die

Aalsuppe ist doch die gleiche geblieben.

und bem alten Hamburger lacht das Herz im Leibe, wenn er an sie denkt.

Nicht wahr. Adele?"

Mit' schelmischem Blick wandte sich der alte Herr zu der Binnenl'änderin, und sie wurde verlegen. Dann aber

sah ste ihn aufrichtig an

Onkel, ich will gern eine gute Ham-

ourgenn werden, aber die Aalsuppe leise schauerte sie zusammen. Onkel Thomas lachte.

Nun. wir wollen sehen, Kind. Zwingen kann Dich niemand zu Deinem Glück; mit der Zeit aber pflückt man' Rosen und lernt die Aalsuppe schätzen. Ich habe Binnenländer gesannt, die nach der ersten Bekanntschaft mit der Äalsuppe von Tisch auf-

stehen -und in die frische Luft flüchten mußten, die aber später, gerade so wie

ich, beim dritten Teller den Rock aus

zogen und am liebsten noch den vierten nahmen. Der echte Hamburger nimmt seine Aalsuppc überall hin. Es gibt

Geschäfte, die sie in Blechdosen nach

allen Ländern der Erde verschicken.' In einer Dose ist die Suppe mit den neunerlei Kräutern, in der andern die Aale,' in der dritten die Birneiu Du kannst Dir kaum denken, Kind, welch

nn Gefühl es ist. wenn man m Valva

raiso sitzt oder in Buenos Aires, in

Rangoon oder in Schanghai, . wenn

Dann die Schiffe die Aalsuppe mitbrin

gen, wenn es im fernen Land plötzlich nach den neunerlei Kräutern duftet, nach den nordischen Sommerbirnen, nach den lauren Aalen. Bei der Aalsuppe, die unter fremdem Himmel ge-

gessen wurde, ist schon mancher Ge-

danke in die Heimath gezogen, und es

ist nicht der schlechteste gewesen!" Onkel Thomas wiederholte das Wort worden, schwieg eine Weile, horchte auf

die verklingenden Geräusche der Stadt

und auf,das leise Rauschen der Baume über ihm.

In Singapore bin ich manches ahr gewesen." begann er von neuem. Als Zwanzigjähriger ging ich hinaus,

hatte erst wüthendes Heimweh, verdiente aber viel Geld und kam bald in lockere Gesellschaft. Sehr lockere Ge-sellschaft."

Onkel Thomas wiederholte das Wort

und blies etliche Rauchringe, ehe er wei-

ter sprach.

Heutzutage wird jedermann von

mir sagen, der alte Thomas hat gewiß nie ein Wässerchen getrübt: hat drüben einen Sack Geld verdient und ist dann gemüthlich heimgekehrt, um hier in Frieden seine Aalsuppe zu essen. So sieht es auch jetzt beinah aus; aber in Singapore gab es doch einen Tag,

da wußte ich weder ein noch aus. Ta

hatte ich all mein verdientes und noch

mehr Geld, was mir mcht geborte ,rn

einer Nacht im Spiel verloren, und das

Mädchen, von dem ich sicher glaubte, sie hätte mich lieb, hörte mein Mißgeschick und warf sich flugs einem andern

an den Hals. In den Tagen bin ich

mit lachendem Mund umhergegangen.

Du nebe Zeit, wenn das Leben so eklig ist, dann schmeißt man's eben von sich. In Singapore kann man's, ohne daß davon große Geschichten gemacht werden. da verschwindet man im Dschungel oder läßt sich in einem Boot auf's Wasser rudern oder läßt sich von irgendeinem malaiischen Zauberer einen Liebestrank für den besten Feind brauen ach ja man kann's deichseln, und ehe die Kunde nach Europa kommt, ist man schon lange von den guten Freunden vergessen. Mit diesen Gedanken spielte ich ein paar Tage, und dann war's beschlossen: nächstens war ich verschwunden, und wer etwas von mir haben wollte, der mochte sehen, wie cr's kriegte. So um die Weihnachtszeit war es; aber man merkte nichts von Weihnachten. Es war heiß wie immer, und die tropischen Blumen blühten und.dufteten. An einem Morgen, bald nach meinem Unglück, lief eine Hamburger Bark in den Hafen, die -direkt aus der Vaterstadt kam. Wenn damals , ein

Hamburger Schiff anlangte, dann war das ein Ereigniß, und alle Hamburger

liefen an den Hafen oder ließen sich an's Schiff rudern, um die ersten Nachrichten aus der Heimath oder fco dem

Kapitän irgenhetwas Mitgebrachtes zu

erhalten. Auch ich schlenderte an's

Wasser, obgleich ich nichts zu erwarten

hatte. Meine Eltern waren gestorben.

an die Geschwister hatte ich lange nicht geschrieben. Auch sie würden nichts von

sich hören lassen. So setzte ich' mich

dann auf einen Brückenpfeiler und sah zu. wie die Deutschen sich von den Eingeborenen an's Schiff fahren ließen.

Eine Menge von Bekannten war. dar

unter, die laut lachten und scherzten. Um mich bekümmert; sich niemand. Sie

wußten alle, daß ich mein Vermögen

verspielt hatte, nun ließen sie mich m

Ruhe, cackher kehrten sie alle zurück

der eine mit einem Packen Briefe, der andere mit Büchern und Zeitungen. Alle hatten sie etwas; und der kleine deutsche Uhrmacher, der zu allerletzt aus seinem flachen Boot stolperte, trua mit

strahlendem Gesicht ein Riescnpacket in

beiden Armen.

Jä kannte ihn wohl. Er war ein Hamburger Jung wie ich, und wenn wir auch sonst nicht miteinander verkehrten, so hatte ich doch zuerst manch-

mal in seinem Laden gesessen und mit

ihm von Hamburg geplaudert. In den letzten Jahren hatte ich ihn nur wenig gesehen; wie er jetzt aber mühsam sein Packet an mir vorüberschleppte, während sein eingeborener Diener neben ihm einherstolzirte, ohne auch nur eine

Feder zu tragen, da mußte ich lachen:

.Na Hermanns sagte ich. .Ihr brau-

ner Halunke hat gute Tage! Was ha- ? 17 j V . f r ' rr -r .

oen vöie icg oenn vom vscniff geyoit, daß der Vengel es nicht einmal schlep-

pen kann?

Hermanns blieb stehen und wischte sich den Schweiß vom Gesicht. ,Herr Thomas,' sagte er feierlich.

,Jhre Hamburger Aalsuppe würden Sie auch nicht einem eingeborenen Schuft zu tragen geben, der vielleicht V 4 1IA1M II'

vumii uuiuuicuiu; .Hamburger Aalsuppe!' Ich glaube, mein Gesicht wurde sehr dumm, denn

Hermanns lachte. . ,Gewiß, Herr Thomas! Hambur

ger Aalsuppe mit neunerlei Kräutern.

mit Klößen, Birnen und lauren Aalen Alles in Blechdosen und fein einae-

lötet. Meine Mutter hat sie mir ae-

schickt; morgen wird sie gegessen, und wenn Sie dabei sein wollen, soll's mich freuen. Für mich allein wär's vielleicht doch etwas viel. In diesem verwünscht ,.:C. O , V vi r ,' .

qcißcji ttuuu lailll mm Nicyl' 10 viel vertragen wie zu Haus am Bäckerbrei-

tengang.'

Nun- zuerst , lehnte ich die Einladung kühl ab. Ich wollte ja was wollte ich nur noch? Ganz genau'konnte

ich mich mcht darauf bestnnen:. das

Wort Hamburger Aalsuppe klang mir

m oen Oren. Ich mußte an's Elternhaus denken und an den Garten, den

sich Vater mühsam angelegt hatte. Nun wohnte eine unverheirathete Schwester

Dann; aber oer Besitz sollte verkauft

werden, weil von den anderen Geschwiri.u 5 . . r . m c

nein memano 0 viel UJtto yane, um ihn zu übernehmen.

.Aus morgen Abend um acht also.

Herr Thomas. Gut. daß Sie kommen, allein schmeckt so etwas doch nicht so gut.'

Da merkte ich. daß ich zugesagt

'hatte, obgleich ich eigentlich heute noch

aus oer Welt verschwinden wollte. Schließlich konnte ich es ja noch übermorgen thun: die Hamburger Aalsuppe mußte doch noch genossen werden!"

Die Psene des Onkels war beim

Sprechen ausgegangen; bedächtig zün-

dete.er sie wieder an.

Die Aalsuppe habe ich übrigens

doch nicht gegessen. Als ich am andern Abend vor ihr saß. als der Duft der neunerlei Kräuter vor mir aufstieg, da

kam alles über mich. Das elmweb

und die Verzweiflung und der Gedanke, wie gut es war. daß meine Mutter nicht mehr lebte. Was würde sie zu meinem Leichtsinn, meinen, finsteren Absichten gesagt haben! Als Hermanns zufrieden

und gerührt den ersten Löffel mm

Mund führte, da legte ich den Kopf auf den Tisch und weinte wie ein kleiner Junge. Nein, Aalsuppe konnte ich

damals mcht essen; aber ich konnte mich mit Hermanns aussprechen, wie ich mich noch mit niemand ausgesprochen hatte. Und er war ein guter, mitfühlender Freund, der in seiner einfachen Art viel richtiger urtheilte als die vornehmerm jungen Leute, die mich, nur kannten, solange es mir gut' erging. Den andern Tag schon reiste ich nach Rangoon, wohin mir Hermanns Empfehlungen geben konnte. Dort glückte es mir, in eine gute Firma einzutreten, und nach einem Jahr konnte

ich nach Hamburg schreiben, daß der

väterliche Besitz nicht veräußert werden

durste. Nach einigen Jahren kehrte ich selbst heim, um ihn zu übernehmen.

Konnt Ihr Mir s da verdenken, daß

ich an einem stillen Augusttag meine gesammte Familie einlud, um mit mir Hamburger Aalsuppe zu essen? Ham-

burger Aalsuppe, ine. nur m SmgaPore, den richtigen Weg gewiesen und

mich an die alie Heimath erinnert hatte? Während die andern heiter plau-

derten und em Glas nach dem andern tranken, aß ich schweigend ' meine

Suppe, freute Mich an dem Duft der

neun Kräuter und dachte der Zeiten, da mein Vater durch den Garten wanderte

und . meine Mutter, im Hause waltete. Sie waren von mir geschieden: ich aber nahm mir vor, den Besitz nicht herzugeben, solange ich ihn behalten konnte. , So ist's denn auch geworden. Alles, was 'sich allmälig um uns angebaut hatte,, die Hauser und Gärten, sie haben Miethshäusern und elektrischen Bahnen Plß-' machen müssen.' aber mein Haus steht noch wie vor sechzig Jahren, and Vaters Bäume sind so groß geworden, daß jeder sich darüber freut. Ein paar Jahre dürfen, sie nun noch wachsen und Schatten spenden: gerade so lange, wie ich meine Hamburger Aalsuppe noch essen 'darf. Später, wenn meine Erben M - bestimmen' haben, dann " Onkel Thomas zuckte die Achseln und horchte auf das Rauschen der Bäume. Da stand Adele, die Binnenländerin. auf' ' Onkel Thomas." sagte sie-feierlich, darf ich heute Abend noch einmal die Suppe probiren? Ich glaube, sie wird mir sehr gut schmecken!" Wir andern aber riefen: ..Es lebe die Hamburger Äalsuppe!" ' . ; . Cilly und sein Heer. Die vom Mannheimer Alterthumsverein herausgegebenen Mannheimer Geschichtsblätter" theilen ein Schreiben aus dem 30jährigen Kriege (1618 bis 1648) mit, das der Oberfeldherr des ligistischen Heeres, Graf Johann Tilly. als er nach der Schlacht .am Weißen Berge 1620 den Krieg in die Pfalz hinübergespielt batte, an die fränkischen Reichsritter des Kantons Odenwald richtete. Das vom 15. Juni 1623 datirte Schreiben war die Antwort auf eine von jener Reichsritterschaft erhobene Beschwerde und lautete wie folgt: , Wohledle, gestrenge, insonderS geliebte Herrn und Freund! Dies beschieht an die Herrn hiemit alleinig und vornehmlich darumben. nachdem die Kontribution zur wöchentlichen Unterhalt meiner untergebenen Soldateska in den pfälzischen Landen etwas zu schwer und schier unmöglich fallen will, der Soldat aber, wie die Herren selbsten erachten können, nicht von der Luft leben kann, sondern nothwendig zu essen haben muß: als ersuche die Herrn ich hiermit freundlich, weiln der röm. kaiserl. .Majestät, unserem allerseits tllergn'adigsten Herrn, an diesem Werk merklichen und sehr viel gelegen, Sie wollen Ihnen nit lassen zugegen sein, sondern berührter meiner untergebenen Saldateska mit - etwas Viktualien Ihrer Vermogenheit nach wöchentlich entgegen gehen, inmaßen sich dann auch bereits ein olches ein löbliche gefreite Ritterschaft im Kraichgau zu thun anerboten; und wie ich mich nun auch diesfalls gegen den Herrn keines"Widrigen oder Abschlägigen versiehe, als will ich solches gewißlich gegen Jhro kaiserl. Majestät unsern allergnädigsten Herrn ohnberuhmt nit lassen,' und ich vor mein Persoi: verschulde es um die Herrn anderwärts womöglichen. Der Herrn freundwillig Johann, isifon Tillv.

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