Indiana Tribüne, Volume 29, Number 200, Indianapolis, Marion County, 17 April 1906 — Page 7
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iebettschlafcr -fc o -fc o fc o l 0 m a n von Agnes H ard er o OO00O00000O0 (Schluß.) " .Tu habest ihn geküßt Da entzog sie ihm langsam ihre Hand, und das Licht in ihren Augen erlosch. Ich habe " meinen Bruder verloren." Eine Stunde später knieten Ute und Anohrte nebeneinander und beteten. Dann kam .der Pastor und Jmmanuel. Er hat gestanden, Anohrte." sagte der Pastor feierlich. Ich bringe Dir seinen Segen." Sie sah ihn an und breitete die Arme aus. Mein. Bruder!" Tann fiel sie vornüber zu Boden. 17. K a p i t e l. -Aastor Meyhöfer war gleich von Efder Hinrichtung nach dem Dom gegangen und hatte sich von dem Pedell des Kneiphöfischen Gymnasiums die Stoa Kaniiana aufschließen lassen. Lange blieb er in dem kleinen Raum, in dessen Boden die einfache Grabplatte eingelassen war. Hinter der Marmorbüste von Rauch befand sich im Bogen der Wand eine einfarbige Kopie der Schule von Athen aus den Stanzen Raffaels im Vatikan. Gegenüber standen die Worte: Der gestirnte Himmel über mir; das moralische Gesetz in mir." Pastor Meyhofer fand hier seine ganze Ruhe wieder. Es war gut so, wie es war, wenigstens so gut, wie es auf dieser Erde fein konnte. Als er die Kapelle verließ und über den Hof des Gymnasiums ging, sah er sich nach der alten Albertina, der jetzigen Bibliothek um: Herzog Albrecht, mit dem bloßen Schwert über der Schulter, grüßte noch aus ihrer Mauer. Richt einmal grauer war er geworden, seit der Pastor damals hier aus- und eingegangen war, ein nachdenklicher, junger Mensch, ähnlich seinem Jungen. Nur daß es ihn schon damals so mächtig nach der kleinen Kapelle gezogen hatte und nach dem Spruch über das doppelte Gesetz über .uns und in uns. Jmmanuel, das wußte er, hatte keinen Trost darin gefunden. Da kam ihm der Gedanke an den Sohn so stark und frisch, er konnte sich plötzlich so ganz in seine Seele dersetzen, als sei er noch jung, als stecke sein verstorbener einziger Freund ihm eben den silbernen Albertus an da mals trug man nur einen und nicht zwanzig, und nur der Königsberger Student hatte ein Recht auf ihn. Er konnte nachempfinden, was jener litt. Eilig drängte er sich durch die Jugend, die vor Beginn der Schule den Platz füllte, hindurch und trat hinaus auf den Domplatz. Jmmanuel hatte sich bei seiner Uebersiedlung nach Königsberg ein Zimmer in der alten Gegend gesucht. Er wollte wieder hören, wie der Wind die Löwenjungfrau auf der Spitze des Thurms drehte, daß sie aufkreischte in wilder Lust, und er wollte wieder den Duft der blühenden Linden spüren, der Nachts zu seinen Fenstern hereinstieg. Ihm war der Kneiphof, die alte Insel, der liebste Theil von Königsberg. Er konnte stundenlang im Tom weilen, sich die Fürstengruft aufschließen lassen und vor den Bildern der alten Hochmeisier von jenen Zeiten träumen, da Luderus von Braunschweig nach der Sage im Tom gestorben war. oder man hier den jungen Litauerfürsten Waidot. den Sohn jenes gefürchteten Kynstut, getauft hatte. Oder er ging zu den Brücken und sah den Pregel hinab, wo die Schiffe kamen und gingen und die Boote mit ihren lohfarbenen Segeln am Hundegatt lagen und je nach der Jahreszeit der Geruch der Aepfel oder 'des festen Kumstes" (Weißkohl) die Luft erfüllte. Das war so seine Welt. Da sah er tausend Gestalten. Und sie nickten ihm und winkten ihm, und ihre Augen baten: Sprich von uns." 'Aber das Band seiner Zunge war noch nicht gelöst, und ihr Andrängen verwirrte ihn. Aber jetzt saß er und stierte zum Tom und sah doch nichts. Eine unendliche, schreckliche Leere lag vor seinen Augen, ein fader, süßlicher Geschmack auf seine? Zunge. Und in das Grau, in das sich der Domplatz mit . seinem fröhlichen Leben gewandelt hatte, traim immerfort rothe Flecke und wollten sich verdichten, und dann fuhr er auf und legte die Hand über die Augen. So fand ihn sein Vater. Und eine Zeitlang ließ er ihn noch so. Dann sagte er und es war nichts von Autorität in feinem Ton, sondern er hätte vielleicht zu jenem Freund so gesprochen, an den er vor der Albertina ge dacht, und der so lange schon gestorben war: Jmmanuel, wenn es Dich so drückt, wie es doch schon aus Deinen likauischen Briefen sprach, warum sagst Du mir denn nicht, daß Dein Beruf Nicht der richtige ist für Dich?" Jmmanuel ließ die Hand sinken und .starrte seinen Vater an. Dann brach ein Strahlen aus seinem verdüsterten Gesicht. Vater!" . . Stth mal, Junge, daß man eins ist
mit seinem Beruf, das ist doch gerade so nothwendig wie reine Luft. Heute ist ein ernster Tag für viele. Aber glaubst Du, der Staatsanwalt ist nicht mit sich zufrieden? Oder mein Bruder drüben, der sich noch h:ute mit Stolz auf seine Rede von damals besinnt? Und ich selbst, wenn ich an das Ringen dieser Nacht dense mit jener armen Seele ich lasse Dich nicht. Du segnest mich denn! sieh, Jmmanuel. ich gebe die Erfahrung nicht her. DaS Itnd die Meilenstttne an unserm Lebensweg. Und Du nur für Dich soll nichts bleiben als Angst, daß auch Du einmal entscheiden müßtest an Gottes'Statt über '.schuldig' oder .unschuldig.' wenn es sich um die Leidenschastcn der Menschen handelt?" Aber. Vater, was dann? Fünfundzwanzig bin 'ich alt geworden, und wenn ich das Leben fassen will, rinnt es durch meine Hand wie Dünensand, und ich finde den Sinn nicht." Der Pfarrer lächelte. tomm nach Haus. Emmanuel. Eine Woche Urlaub nimm "Dir. Du wirst sie ja bekommen nach allem. Und sorge nicht. Das hat mich meinem Bruder am meisten entfremdet, diese ewige Sorge, nicht nur. ml wir. essen und trinken werden, sondern auch, was die Leute sagen werden, und wie es wirken wird. Poloniusmenschen! Weltklug und weltgewandt. Immer wach sind sie. Gilt denn gar nicht mehr, daß der Herr es den Seinen im Schlaf gibt? Zwar. Rorchen würde mich schelten, daß ich Dir das sage. Sie meint. .Du träumst genug. Aber wenn Du frei sein willst, dann schlage Dich heraus aus den Dornenhecken des römischen Rechts. Nicht daß ich sie
tadele. Wo wären wir ohne sie? Wer auf dem Land alt wird, der weiß, wie nothwendig die Hecken sind zum Schutz der Saaten. Und nun geh zum Präsidenten und hol Dir Urlaub. Ich packe in der Zeit Deine Sachen." Der Präsident fand die Bitte natürlich. Ich begreife. Sie kannten diesen Menschen von klein auf. Ihr Herr Vater hat uns einen Dienst geleistet. Es ist immer besser, einen geständigen Verbreche? zu haben, trotz aller Indizienbeweise. Wünschen Sie noch etwas, lieber Meyhöfer? Da sagte Jmmanuel. daß er Adam damals an der Grenze gesehn hatte. Es war dem Präsidenten nicht angenehm. Sie konnten übrigens weiter nichts thunwenn die Grenze so nah war. Und im übrigen, die Sache ist ja nun vorbei. Sie scheinen einer jener Mensahen zu sein, die es lieben, sich Schwierigkeiten in den Weg zu stellen. Das müssen Sie nicht, Herr Referendar. Es ist das der Grund, warum die praktischen Erfolge in unserm Beruf durchaus nicht immer auf feiten der größten geistigen Befähigung sind. Einfaches Zugreifen, das ist hier wie überall im Leben das Beste. Gewissenskonflikte sind sehr brauchbar für Bühnendichter Und nun erholen 'Sie sich. Sie sehn wirklich jämmerlich aus." Jmmanuel stieg die Steintreppe herab und ging an den Boten, den Zeugen und Vorgeladenen vorüber, die Korridor und Halle füllten. Auch das war vorbei. Auch hier hatte er nicht gefunden, was er suchte. Von Scheschitten bat er um seine Entlassung aus dem Justizdienst. . . Ute war ohne Anohrte nach Haus gekommen. Sie hatte ihr geholfen, die letzten traurigen Obliegenheiten zu erfüllen. Dann begleitete sie sie auf den Bahnhof. Du hast immer eine Heimath in Scheschitten. Anohrte. Du kannst kommen, wann Du willst." Anohrte schüttelte den Köpf. ' Nein,- Ute, ich glaube, wir sehn uns nie wieder. Sie brauchen mich dort, und ich kann wirken. Weißt Du nicht, wie verknotet mein Faden immer war, und wie ich nie Geduld hatte, die Finger in den Netzbecher zu tauchen? Aber jetzt habe ich Geduld und werde nicht müde. Jene dort oben sollen nicht vergebens auf mich rechnen." ' , Laß Dir wenigstens Geld schicken. Schreibe mir." Auch das nicht. Sieh, da kommt mein Zug." Sie stieg in die vierte Klasse. Neugierig sahen" die Menschen zu der vornehmen Dame, die so bewegt dem litauischen Mädchen nachwinkte. Da flüsterte eine Frau, die ebenfalls hier zugekommen war, ihrer Nachbarin etwas zu. Scheu rückten die andern zur Seite. Nur ein Kind kam auf sie zu, stützte sich auf ihre Kniee und griff verlangend nach der "Bernsteinkette an ihrem Hals. Anohrte streifte das Gummiband der Kette" über den Kopf und hing sie dem Kind um. Nimm. Es ist das Letzte, was ich von dort habe." Es waren heiße Erntetage in Scheschitten. Vielleicht ließ sich Ute deshalb gar nicht im Pfarrhaus sehn. Sie war den ganzen Tag auf dem Feld, zu Pferde ode? in ihrem kleinen Wagen. Und der Tag fing früh an und hörte spat auf. Wenn Jmmanuel auf dem Lindenberg stand, sah er die Erntewagen nach dem Gutshof ziehn, volle Fuder, schwer von Segen. Und dazwischen noch immer das Dengeln der Sensen. Das Korn fuhr man ein, der Weizen sollte geschnitten werden. In diesem Jahr war der große Schlag unter dem Lindenberg mit Weiz'en gepflanzt. Käsewurm hatte es zum erstenmal mit dem rothen, englischen versucht. DaS Feld sah . aus wie ein Schild mattblinkertden Kupfers. Nicht eine Kornblume ftand darin. Auch
yane tteü niemand dort verirren tonnen, denn schwer senkten sich die Aehren zu Boden. Jmmanuel aber dachte an das Kind, das im Korn gesessen hatte, die Hände angstvoll an die Augen gedrückt, den Schooß voll Blumen. Ja. alle Blumen des 'Lebens hatte Ute in der Hand. Er wußte jetzt auch, daß sie sie für ihn gehütet hatte, all die Jahre. Aber er hatt: geschlafen. Zuweilen wohl hatte er ihre rufende Stimme gehört und die Augen geöffnet. Wach geworden zu dem Bewußtsein seines Glücks war er nie. Heute hatte er einen Brief von Hanns Fielitz bekommen, diesmal auZ Landsberg a. W. Denn nun sitze ich hier auf der Sandbank meines künftigen Lebens. Aber ich bin nicht unzufrieden. Der Alte hat mich gerufen, und ich komme. Meine älteste Schwester ist mit ihrem Oberlehrer glücklich in den Hafen der Ehe gelangt, und unsere Jüngste ist seit einem Jahr ein ähnliches aussichtsreiches Verhältniß eingegangen. Die märkische Kartoffel macht zufri:d:n! Wenn ich übrigens nicht so streng an den Grenzen der Provinz hinge und an der Uebereinstimmung des angeborenen Geschmacks, ich wäre eines Tags als FreiWerber in Scheschitten aufgetreten. Diese Ute von Bär hat mir, als ich ihr zu dem Tod ihres Vaterö mein Velieid ausdrückte, einen Brief geschrieben, der mich herzlich bedauern läßt, daß sie auf graue Erbsen und Speck gestimmt sein muß. Empfiehl mich ihr. Wenn mich eine zwingende Angelegenheit nach OstPreußen ruft, so werde ich ihr meinen Respekt zu Füßen legen. Was im übrigen Deinen Entschluß anbelangt" Jmmanuel steckte den umfangreichen Brief wieder in die Tasche. Nur die Stelle, die Ute anging, hatte er gesucht. Er wußte sie übrigens auswendig. Und plötzlich kam ihm auch dem treuen Freund gegenüber das Gefühl, daß er mehr von seinen eigenen Angelegenhei-
Ittn wisse, als er selbst, jenes bellommene Verwundern, das er am deutlichsten gehabt, wenn Erich sich neben ihn setzte und ihn so überlegen von der Seite ansah. Er meinte plötzlich, auf der Landstraße da unten Fielitz kommen zu sehen, wie er so oft neben ihm gewandert war im Vreisgau. und er schwänge seinen Hut und nickte und sagte: Warte. Siebenschläfer, das bringe ich für Dich in Ordnung. Laß mich nur machen." Es war nur eine Phantasie, aber sie machte ihn heiß und trieb ihm das Blut . ?.um Herzen. Nein, niemand sollte sich hineinmengen. Hier mußte er selbst handeln, das fühlte er, oder alles ging verloren. Und schnell mußte etwas geschehen. So trug er es nicht mehr. ' Ich habe meinen Bruder verloren." Ja. das hatte sie. Er wollte es ihr auch sagen, warum. Da war nichts mehr von brüderlichem Empfinden, als er nun am Steinkrug saß und auf sie wartete. , Ute hatte die Gewohnheit, am Feierabend auf den Lindenberg zu steigen, weil sie von da aus am besten übersehen konnte, was tagsüber geschaffen war. Er wartete auf, sie. Er wußte, sie würde nicht umkehren, wenn sie ihn sah. Sie kannte nur den geraden Weg. Da kam sie. Auf dem schmalen Pfad, den die Leute im Frühjahr durch den Weizenschlag getreten hatten, um bequemer zur Kirche zu kommen. Jetzt, in der Abendsonne, glühte das ganze Feld in einem tiefen Roth. Ihre schwarze Gestalt kam auf ihn zu, als ginge sie durch flüssiges Gold. Sie sah ihn und nickte. Als sie oben stand, sagte sie ruhig: Sie sind heute wirklich mit dem Roggen fertig geworden. Wenn doch das gute Wetter anhielte! Morgen kommen sie an diesen Schlag." An unsern Schlag, Ute." Wie meinst Du das?" An den. in dem ich Dich fand." Sie sah geradeaus, an ihm vorbei. Ja. damals fühlte ich zum erstenmal. wie hart die Brust des Lebens für mich sein sollte. So hart, wie die eherne der Rogqenmuhme." Er sah auf'ihre Lippen. Seit jener Stunde im Nebel standen sie vor seinen Augen Tag und Nacht. - .Ute!" Sie sah ihn an. Er war so verandert, daß sie einen Schritt zurücktrat. Er zitterte, aber in seiner Haltung und in seinen Augen lag eine ganz neue, fremde Entschlossenheit. Und dann sagte er ihr, daß er sie liebte. Und ' Du liebst mich auch. Sonst hätte dieses ganze Leben keinen Zweck gehabt, nicht für Dich, nicht für mich. . Ein blinder Zufall wäre es gewesen. Nun aber ist es für uns eine so süße, geheimnißvolle Fügung. Ich weiß Ktzt. warum der dichte Nebel um mich leg." Er nahm sie in die Arme und küßte sie, lange, lange. Ganz fest legte sie den Kopf an seine Brust. Ja, die war warm. Da drin, da pochte das Glück. Dann sagte er, und er war doch noch halb wie im Traum: Meinst Du denn, ich werde es können) Ute, anderen sagen können, was ich sehe, es ihnen so stark einprägen, daß sie t sehen müssen mit meinen Augen? Darf ich es denn glauben, in Demuth und doch in Stolz daß ich ein Dichter UnVIch danke Dir, mein Gott," dachte Ute. Um diesen Preis war es gering, was hinter mir liegt!" In ihren Armen war. ihm klar geworden, wozu er berufen war. Gleich der erste Augenblick ihres Liebeslebens zeigte ihr. was sie zu hüten hatte. Aber die lange, mühselige Wänderung zu dem fernen Ziel fand sie beide bereit. Ende.
Europaische Nachrichten.
öw'i tz),ipreußsn. . n Königsberg. Geh. Regierungsrath Dr. Karl Pape. früher Professor in der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität, feierte feinen 70. Geburtstag. Braunfchwetg. Justizrath Frhr. v. Massenbach ist im Alter von 75M Jahren nach langem Leiden gestorben. Er hatte am 1. November 1900 seine Thätigkeit wegen mehrjähriger Krankheit einstellen müssen. ! I n st e r b u r g. Die etwa 55 Jahre alte Besitzerfrau Nitschmann aus dem Kreise Goldap, welche sich seit dem Frühjahr vorigen Jahres im hiesigen Landgerichtsgefängniß in Untersuchungshaft befindet, hat sich in ihrer Gefängnißzelle an einem abgerissenen Stück Bettlaken erhängt. Frau Nitschmann war beschuldigt, ihre beiden Männer mittelst Gift ermordet zu haben, und der Straffall sollte in der ersten Schwurgerichtssession dieses Jahres zur Verhandlung gelangen. La brau. Ein Unglücksfall hat sich kürzlich in unserer Stadt ereignet. Ser Arbeiter Jakobeit war mit Düngerfahren beschäftigt. Als er mit seinem Gefährt dieNeustadt herunterkam, scheuten die Pferde plötzlich, gingen durch und schleuderten die Wagen gegen einen Stein. Jakobeit wurde ebenfalls vom Wagen geschleudert, und zwar mit einer solchen Gewalt gegen eine Gebäudemauer, daß ihm der Schädel gespalten wurde und der Tod auf der Stelle eintrat. Pillau. Die Arbeiter Saltzmann von hier und Martin Sch'öler aus Kamstigall waren, etwa bis zu den Hüften in den Sandgruben stehend, beschäftigt, die vor ihnen siehenden Wagen zu füllen. Ueber ihnen hielt eine feste Schluffschicht die oben von der Bergspitze am Abhänge lagernden Erdmassen mf. Plötzlich stürzten die Sandmassen auf -den Sch'öler. Dieser wurde auf den 17jährigen Saltzmann geworfen, bedrückte ihn, kam aber dadurch selbst mit dem Kopfe nnter den Saum der Erdrutschung. Huerst gelang es. den Sch'öler zu befreien, dem das Blut aus Nase und. Mund strömte. Saltzmann lag mit dem Gesicht nach unten im Sande und war erstickt. SkirwZeth. Der Kathner und Fischer Szeimies ist aus der Fahrt nach Jogekraut, und zwar in der Nähe der Jnfel Regeningken, am sogenannten Szibraz, ertrunken. Das Pferd ist mit ertrunken, während der Schwiegersohn des Szeimies sich noch retten konnte. Er versuchte darauf, feinen Schwiegervater zu retten, zog schnell die Jacke aus und warf sie ihm zu, aber in dem Augenblick versank Szeimies. W a r g t n. Ertrunken ist kürzlich der Pumpen- und Brunnenmachermeister Samland. Er kam spät von der Arbeit und ging, um sch den Weg ZU verkürzen, über den hiesigen Teich. Dabei brach Samland ein und ertrank. ' Frovinz Westpreußen. Danzig. Das dreijährige Kind Edith Gast kam in der BorstadtSchidlitz einer mit brennenden Briketts gefüllten Kasserolle zu nahe. Die Kleider des Kindes fingen Feuer, und es erlitt am Unterleib und Gefäß Brandwunden. An den Folgen desselben ist es nach kurzer Zeit gestorben. F l a t o w. Der Sohn der Schneiderwittwe Gatza sollte vom. hiesigen Dominium Milch holen. Um sich den Weg zu verkürzen, lief er auf Schlittschuhen über die inzwischen mürbe gewordene Eisdecke, brach ein und ertränk. Groß - Stärken u. Vor eimger Zeit war der zwolsjayrlge ?oyn des Besitzers Joh. Guth damit besch'äftigt, die Pferde rn der Dreschmaschine seines Äaters zu treiben. Hierbei kam er unvorsichtigerweise der Kurbel der Masckine au nabe. diese erfaßte ihn und zerquetschte ihm das linke v , ri--CQ.r!CVsiTf-Min, aucy er!iir er iuuc.ociyuviyuu' gen des linken Arms. Die Maschine war leider nicht vorschriftsmäßige bekleidet. I a st r o w. Eonrektor Beuche feierte sein 25i'ähriges Amtsjubiläum. Aus diesem Anlaß überreichte ihm das städtische Lehrercollegium eine kunstvoll ausgestattete Bowle. Kulm.. Der frühere Sattlermeisier, jetzige Rentier Leopold morniski feierte vor kurzem' seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß brachte ihm die Liedertafel ein Ständchen, Magistrat und Stadtverordnete - beglückwünschten ihn und überreichten eine kostbare Mappe. , Putzig. Auf eigenartige Weise ums Leben gekommen ist der Eigenthümer Schornack. Schornack ging mit einem Baumstamm auf der Schulter über das Eis, fiel nieder und starb nach kurzer Zeit. Zampelburg. Vor kurzem ereignete sich hier" einUnglücksfall. Während die Arbeiterin Gagla Aufwartedienste verrichtete, waren ihre beiden kleinen Kinder allein zu Hause. Unvorsichtigerweise hatte die Mutter die Thür des eben geheizten Stubenofens offen gelassen, und das vierjährige Mädchen wollte sch an dem Ofenfeuer wärmen, wobei die Kleider Feuer fingen. In seiner Angst legte das Kind sich ins Bett, welches auch zu brennen anfing. Ebe die Nachbarn das reuet
bemerkten und löschten, hatte dasKind so viele Brandwunden erlitten, daß es nach kurzer Zeit gestorben ist. Frovinz Fommern. Stettin. Seinen Verletzungen erlegen ist der 43 Jahre alte Eisenbahnassistent Walter Kullack. der infolge eines Falles von der Treppe des Hauses Hohenzollernstraße 52 -eine schwere Kopfwunde erlitt 'und nach dem Krankenhause befördert werden mußte. Vlumberg. Der 12jährige Sohn des Arbeiters Hühnerfuß 'ging auf das Eis des hiesigen Teiches.brach ein und ertrank. Die Leiche wurde geborgen. ' . ' D ü n n o w. Vor kurzem ist die Kirchenbauanstalt von Paul Voelkner vollständig niedergebrannt. Es wird Brandstiftung vermuthet, denn zu gleicher Zeit brannten das Wohnhaus, ein Fabrikgeb'äube 'und die Scheune nebst Stallungen ' und Wagenremise. , Grcisswald. Auf eine 25jä rige Thätigkeit als ordentlicher Professor konnte Geh. Medizinalrath Dr. med. Vonnet. Äertreter der Anatomie und Direktor deS anatomischen Jnsti tuts an der hiesigen Universität, zurllckblicken. Köslin. Die üble Angewohnheit, Nachts bei Licht im Bette zu lesen, ist für eine ältere Dame verhängnißvoll geworden. Die Wittwe Kunde litt an Schlaflosigkeit und las infolgedessen Nachts im Bett. Letztens stieß sie versehentlich die auf einem Stuhle stehende brennende Lampe um, diese explodirte und setzte das Bett in Brand. Die eingeschlafene. Dame erlitt so schwere Brandwunden, daß sie starb. S t r a l s u n d. Verbrannt ist das 7Zahrige Töchterchen des Händlers Westphal, das in Abwesenheit der Eltern sich mitFeuer zu schaffen gemacht hat. Seidel. Durch ein großes Feuer wurden die Wohn- und Stallgebäude des Eigenthümers Schmidt und der Wittwe Dumke eingeäschert. W u ck e l. Hier haben sich die Inspektor Siewert und die Wirthschafterin Marie Teske vergiftet. Sie wurden von den Leuten des, GuteL in dem Zimmer des Inspektors aufgefunden. Siewert war todt, die Teske schwer krank. Sie haben anscheinend Arsenik genommen, wovon noch ein Theil einer milchigen Lösung in einem Glase gesunden wurde. Eine xLiebesaffaire scheint der That zugrunde zu liegen. Die Teske ist außer Gefahr, sie wurde unter dem Verdacht, Siewert vergiftet zu haben, verhaftet.' Provinz Schreswig.Korstein. A l t o n ä; Dem praktischen Arzt, Stabsarzt der Landwehr Dr. med. A. Soltsien Hierselbst, ist die Roth-Kreuz-Medaille zweiter Klasse, dem Hauptmann a. D. Klaeber, dem Professor Piper, sowie der Vorsteherin der Poliklinik Fr. Toni Meyer ist die Rothe Kreuz-Medaille dritter Klasse-verlie-hen worden. B a u f e l d. Der große Hof deö Hostesitzers N. Matthiessen ist vollständig abgebrannt. Trotzdem der Stall bereits vomFeuer ergriffen war, drangen doch muthige Männer in die Stallungen und retteten dadurch mit eigener Lebensgefahr den größten Theil des Viehbestandes. Flensburg. Vor einiger Zeit gingen dem 30jährigen Bierkutscher Julius Ladewig der hiesigen Aktienbrauerei auf der Flensburger Ehaufsee die Pferde durch; "er wurde vom Wagen geschleudert und so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit starb. Grönwohld. Amtsdiener Witt stürzte in der . Wirthschaft Schlagberg, aus einerBodenluke auf die Diele, erlitt einend schweren Schädelbruch und starb auf dem Wege nach dem Segeberger Krankenhause.. Kiel. Erstochen wurde auf der Yacht- und Bootswerft Neue Werft-
Neumühlen, vormals -Scharstein & Schütt; der Meister Jvens. Er hatte den anaekrunkenen Schiffsbäuarbeiter Bondzio vorr det Werft' fortgewiesen und war darauf..von. diesem thätlich angegriffen worden.Der, Thäter wurde verhaftet. ' Kr aulundfeld. Vor kurzem brannte die Landstelle des Käthners M. Nissen ab. Bis auf ein Pferd, welches' in den 'Flammen umkam, konnte sämmtliches Vieh gerettet werden. Dagegen verbranntexi .das gesammte Inventar und" unfähr 30 Fuder Heu und Stroh N u st r u p. Von " einem wikdgewordenenStier wurde der Futterkmcht Naphael derart zugerichtet, daß er sofort ins Krankenhaus gebracht werden mlzßte. Er war von dem Thier ge'gezr' eine Mauer gedrängt' worden '"und hatte sehr schwere Quetschungen erlitten. '.!-...', Siebenbqumen. Das' Wohn--Haus des Londmännes Karl.Wegettcr ist abgebrannt; 1 Füllen. und 2 Starken kamen in den Flammen' vm.' Provinz Schkelten. Bres la: - Professor '.Dr.' Kolaczek, bis vor kurzem dirigirender Arzt des Sr. Josef -' Krankenhauses Hierselbst, ist im Alter-von. 63 Iahren gestorben. Er stammte au Gleiwitz, studirte hier, zuerst katholisthe Tdolögie, dann ' Medizin. , . ' 1891 wurde er zum außerordentNchen Professor an der hiesigen Universität tu NaNNt. ' .'.-': Altwasser. Letztens verun
glückte auf dem zu den Weißsieiner
Gruben gehörigen Juliusschachte der Anschläger August Preßler zu Tode. Er hatte nach beendeter Schicht den Fahrkoro bestiegen. Da bemerkte er. daß er seine Kaffeeflasche im Schacht gelassen habe, ging noch einmal zurück sie zu holen. Inzwischen ging der Korb zu .Tage. . In der Metnung, der Korb halte noch, stieg Preußler m den Schacht und stürzte etwa 50 Meter tief bis auf die Sumpsouhne hinab, wo er todt liegen blieb. Brieg Das zweijährige Söhnchen des Stellmachers Günther von hier riß einen Topf kochenden Kaffees um, welcher sich über das unaluckllche Kmd ergoß und dasselbe schrecklich verbrühte. Nach furchtbaren Schmerzen verstarb das Kmd infolge der. erlittenen schweren Brandwunden. . G i e r s d o r f. Letztens wurden die Kleider der Gutsöesttzersfrau Grüttner von der Welle einer Häckfelschneidemaschine erfant. Frau Grüttner wurde mehrmals um die Welle geschleudert, so daß der Tod bald darauf eintrat. Kv sie l litz. Der Steinbrucharbeiter I. Skularek von hier war in dem bei der Paprotnymühle befindlichen Steinbruch zu Jastrzögowitz beschästigt und hatte dieser Tage die Arbeit wieder aufgenommen. Plötzlich löste sich ein großer Stein vom Felsen los und zertrümmerte dem Skudlarek den Kopf, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Nieder - Wüstegiersdorf. In die Abortgrube gefallen und erstickt ist, der beim Schuhmachermeister Karl Schremmer beschäftigte 16. Jahre alte Schuhm!cherlehrlm Erich Gerscht von hier. Der Lehrling, welcher seit Jahren an Krämpfen leidet, ist bei einem derartigen Anfalle in die Grube gefallen und hat hierbei seinen Tod gesunde. R e b l a u.. KürzlicS kam die beim Gutsbesitzer Stabrei bedienstete Magd Martha Kleiber wahrend Des Bettledes dem Gövelwerk au nabe und wur de erfaßt; ein Unterschenkel wurde ihr mehrmals gebrochen. Seiden b er a. Kürzlich stieß der 18 Jahre alte Sattlergehilfe Pietsch in, der Schützenstraße mit dem Kopfe gegeneme auswand und errnt oa bei einen' schweren Schädelbruch, welcher den sofortigen Tod zu? Folge hatte. ;. , 1 . Frovinz Josen. Posen. Die in Leipzig gestorbene Wittwe des früheren hiesigen Dampfmühlenb'esitzers Beuth hat unserer Stadt rund 300.000 Mark für evangelisch-deutsche Zwecke vermacht. Brom b erg. Hier starb der Geh. Sanitätsrath Dr. med. Moritz Jacoby nach langem Leiden im 66. Lebens-jähre-. Er hatte im Feldzuge 1870 das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten; auch war er Ritter des Rothen Adlerordens 4. Klasse. Blazejewo. Vor kurzem sind hier die vier Kinder des Häuslers Przybil erstickt. Die Kinder, die im Alter von 3 bis 8 Jahren standen, machten sich in Abwesenheit der Eltern am Ofen zu schaffen. Das Bett fing Feuer, und ehe Rettung gebracht werden konnte, war die Stube verqualmt. Gratz. Ein mit einem Fuhrwerk durchgehendes Pferd schleuderte den SchuhmachermeisterNaymanowicz' von hier, der es aufzuhalten versuchte, beiseite. Naymanowicz schlug mit dem Kopfe gegen das Trcttoir und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung. Hohensalza. Altsitzer Jgnaz Kaszewski und seine 9- bezw. 7jahrigen Enkelsöhne, welche in einem Zimmer zusammenschliefen, sind durch Petroleuindunst erstickt. P a k o s ch. Letztens brannten die Wohnhäuser des Kürschnermeisters Mroczynski und des Schlossermeisters Pufahl nebst Mobiler vollständig nieder. , Durch das energische Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr wurde die weitere Ausdehnung des Brandes verhindert. Samotschin. Eine große Antheilnahme zeigte die Bevölkerung bei der Fe.ier des 25jährigen Stadtverordnetenjubiläums des Fabrikbesitzers Grund. Bürgermeister Ebert überreichte dem Jubilar das Diplom, welches seine Ernennung zum Stadtältesten" ausspricht. Es ist dies der erste Fall seit dem Bestehen derStadt. Stadtverordneter Schulz überreichte als Geschenk des Collegiums einen in Silber getriebenen Humpen. Später wurde im Raatzschen Saale ein Festcommers der Bürgerschaft abgehalten, welchen der Bürgermeister leitete. Zbenchy. Drei Kinder der Arbeiterwittwe Dutkiewicz begaben sich ohne Wissen der Mutter auf das Eis des nahen Sees, um Schlittschuh zu laufen. - Da das Eis schon schwach und morsch war, brach das 11jährige Madchen ein. Als dies' der' sieben Jahre alte Bruder sab. eilte er seiner dereits unter dem Wasser befindlichen Schwester zu und fiel selbst in das Wasser,. blieb jedoch noch auf einem großen Stück Eis hängen. Jnzwischen wurde die Mutter in Kenntniß gesetzt, und als 'sie da") Eis betrat, um den noch lebenden '':n zu ritten, brach .sie ebenfalls Hin, und erHuar, Die beiden Geschwister eriranken ebenfalls. Am Leben blieb nur das dritte Kind, ein 4 Jahre alter Knabe.
