Indiana Tribüne, Volume 29, Number 199, Indianapolis, Marion County, 16 April 1906 — Page 6
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attuöfirtc Zimmer.
Von Ptto Girndt. Im Westen Berlins, wo es noch stille oder doch stillereZtraßen gibt, war das zweite Stockwerk eines mäßig großen Gebäudes jeit Jahren von einer Dame bewohnt, die mit Genehmigung des Hausbesitzers ein paar ihrer Zim mer an einzelne Herren abzuvermiethen pflegte. Im grühsommer des vorigen Jahres saß sie eines Vormittags am Fenster hinter ihrem Nähtisch; bei der Arbeit mußte sie sich einer Brille bedienen, da sie an Augenschwäche litt. Es ging ihr wie den meisten Personen, deren Sehkraft nachläßt, ihr Ohr hatte sich verschärst. Sie hörte Jemand die Treppen heraufsteigen, der vor ihrer Wohnung anhielt und die Korridor glocke so heftig zog. das; sie erschrak. Die Brille entfiel ihr, sie erhob sich rasch, ging, die Zimmerthür offen las send, hinaus und fragte, wer da sei. Eine kraftvolle Männerstimme ant wortete mit der Gegenfrage: Sind hier die möblirlen Zimmer zu ver miethen?Die Dame bejahte: Ein Wohn und ein Schlafzimmer, an einen einzelnen Herrn." Der bin ich," versetzte der Ankömm ling, machen Sie einmal aus!" Die Vermieterin erfüllte jedoch sein Verlangen nicht, sondern spähte durch das kleine verglaste Guckloch der Korrldorthur und murmelte: Scheint schon bei Jahren.Ungeduldig rief der draußen Har rende: Das dauert etwas lange !" Jetzt schloß sie auf, nen rnden die Sicherheitskette vorgelegt und bat den Herrn um seine Karte. Wozu? Ich will mir die Zimmer ansehen," sagte er kurz. Schnell entgegnete sie: Unter dem Vorwand schleichen sich allerlei Leute in Wohnungen ein. Ich muß wissen, mit wem ich zu thun bekomme." Sie sind die Wirthin?" fragte er. Ja, und in Berlin muß man vorsichtig sein." Da haben Sie Recht," stimmte er ihr bei. Einen Augenblick, Madame!" Während er seine Brieftasche hervorzog, fuhr er fort: Dabei will ich gleich fragen : Darf bei Ihnen musizirt werden?" ' Ich spiele selbst taglich Klavier," erwiderte sie. Ah, freut mich!" sagte er befriedigt. Meine bisherige Wirthin hat mir meines Cellos wegen gekündigt." Sie lachte: Wenn man die Musikfreunde überall verbannt, wohin sollen sie zuletzt flüchten?" Die Aeußerung brachte ihn ebenfalls in gute Laune: Sie denken doch noch menschlich! Ich bin Musikant von Fach, wenigstens gewesen, und kann von behalten Leidenschaft nicht lassen. Aber," fügte er hinzu, ich sehe eben, daß ich keine Visitenkarte bei mir habe." Sofort wurde der freundliche Ton der Dame wieder geschäftsmäßig kühl : Dann bedauere ich, mein Herr! Mein Mädchen kauft in der Markthalle ein, ich bin allein, da öffne ich grundsätzlich keinem Fremden. Wenn Sie etwa in einer Stunde wiederkommen wollen?" Damit war i.n wenig gedient. Soll ich wirklich den Marsch noch einmal machen?" begann er zu unterhan deln. Ich bin pensionirter Kammermusiker aus einer kleinen Residenz, lebe seit drei Monaten in Berlin" Das kann mir Jeder erzählen," warf sie ein. Ihr Mißtranen verdroß ihn, er entschied sich 'kurz: .Ach. was, leben Sie mir wohl!" Schon hatte er das Treppengeländer gefaßt, als sie ihm nachrief : Warten Sie! Ich glaube, ich höre meine Minna." Er errieth, daß mit der Minna ihr Dienstmädchen gemeint joar, und blieb stehen, bis sie sich von der Wahrheit ihrer Vermuthung izberzeugt hatte und die Sicherheitskette löste. Gott sei Dank!" brummte er, sobald das Eisen rasselte, und folgte geschwind der Aufforderung, näher zu treten. Kaum setzte er den Fuß über die Zimmerschwelle und sah sich um, so heimelte ihn Alles dergestalt an, daß er seinem Wohlgefallen lauten Ausdruck gab. Die Dame, die inzwischen ver geblich nach ihrer Brille suchte, weil sie ohne dies Hilfsmittel kein deutlicheö Bild von der Erscheinung deS Fremden gewann, erklärte, um keinen Irrthum aufkommen zu lassen: Hier wohne ich; die Zimmer, die ich vermiethe, liegen rechts . nebenan ; sie haben natürlich einen besonderen Eingang und sind mit meinen Räumen durch elektrische Klingeln in Verbindung gesetzt. Wollen Sie mir folgen?" Sie ließ ihn in da erste der beiden Gemächer blicken; e? trat aber sogleich zurück und machte kein Hehl aus dem Grunde: Der Tausend! Nein, ich danke! Das ist nichts für mich! Der eleganten Einrichtung wird selbstverständlich der Preis entsprechen, er dürfte für meine bescheidenen Mittel wohl zu hoch sein." Ueber den Punkt beruhigte sie ihn: Ich würde Sie nicht übertheuern. Bis in die letzten Tage wohnte ein Herr bei mir, der sich gleichfalls einschränken mußte, ein junger Assessor, der leider versetzt worden ist. ES kommt mir nicht darauf an, Gewinn aus dem Quartier zu ziehen."
Er sah sie verwundert an: Ja,
weshalb vermuthen Sie denn? Ohne sich zu bedenken, gestand sie offenherzig:. Ick) will einen Mann in' der Nähe haben. Seit mein Assessor fort ist, kann ich kein Auge mehr schließen. Beim kleinsten Geräusch des Nachts denke ich an Diebe und Einbrecher. Auf.alleinstehende Frauen sieht's das Volk mit Vorliebe ab. Darum bringe ich auck kein Thürschild mit meinem eigenen Namen an, der Steuerbote weiß mich doch zu finden. Ich lasse den .Assessor Bort' so lange draußen angeschlagen, bis ihn ein Nach folger ersetzt." Äuö den Mittheilungen zog der Musiker den Schluß, eine W'ttwe vor sich zu haben; doch sie verneinte: Ich roar nie verheirathet." Also wie ich!- sagte er. In dem Aoment erschien aus der Seitenthür gegenüber ein junges Mad chcn im blonen Kopf, deren Aeußeres, auch wenn sie keine hohe weiße Schürze getragen hätte, die Küchenfee verrathen haben würde. Fräulein," schrie sie mehr, als sie sprach, ich habe uns wunderschöne Krebse" hier brach sie ab und zeigte aus den Fremden: Wer ist denn das?" Statt der begehrten Auskunft erhielt ie die Weisung: Minna, nimm gechwind den Miethszettel von der Haushür!" Das zinnoberwangige Mädchen erschrak sichtlich: Sie wollen doch nicht etwa den Herrn" und abermals stockte sie. Weißt Du von ihm?" fragte das Fräulein schnell und kaum minder bestürzt. Minna legte rücksichtslos ihr Herz auf die Zunge: Wenn was passirt, auf so 'nen alten Mann ist doch kein Verlaß! Nein, Fräulein, da lieber gar Keinen, als so Einen!" Entrüstet herrschte der Fremde sie an : Albernes Ding, was fällt Ihnen dem: ein?" Minna war nicht zum Schweigen zu bringen: Sie haben doch gut und gern ihre Sechzig auf dem Buckel?" Bin aber," entgegnete er, immer cch Mann genug, einer Dame im Nothfall Schuy zu geben. Und Sie, Jungfer, brauchen keinen!" Erst recht," widersprach sie, ich bin ebenso furchtsam wie Fräulein und noch dazu lung!" Ihr Gegner machte eine verächtliche Geste : Sie dürfen nur Ihr Mundwerk spielen lassen, da rührt Sie Niemand an. Ich bitte Sie, mein Fräulein," wandte er sich an die Herrin, hcren Sie nicht aus die Person! 'S gefällt mir hier so ausnehmend, daß ich lieber heute als morgen zu Ihnen ziehe." Lassen Sie sich blos nicht breitschlag?, Fräulein!" warnte Minna. Schüchtern und zögernd begann die Dame : Ja, wenn Minna meintIst Minna die Herrin oder Sie?" siel ihr der Musiker in'S Wort. . Statt ihrer erklärte das Mädchen: Fräulein thut nichts ohne mich!" Er schüttelte den Kopf: Das muß ich sagen: in Berlin herrschen nette Zustände! Meine erste Wirthin' war der ine Drache, und hier herrscht die Köchin. Leben Sie mir wohl!" Er warf sich in die Brust und schritt dem Ausgange zu. Halten Sie 'mal," rief Minna, Sie sind am Ende doch zu brauchen!" Er kehrte sich wieder um: Was?" Wenn Sie so gerade stehen," fuhr sie fort, sehen Ste gar nicht so alt aus. Vorhin standen Sie blos so krumm." Streichen Sie jeden Tag sechs Stunden Eello, so weiden Sie auch krumm stehen!" Das Fräulein kam ihm, wenngleich immer noch etwas schüchtern, zu Hilfe. Minna, der Herr war Kammer, musiker und Tu weißt, wie ich die Musik liebe!" Das Mädchen zuckt: die Achseln. Na, mein'twegen nehmen Sie ihn aus Probe!" Damit verließ sie das Zimmer, um an ihre Küchevgeschäfie zu gehen. Hören Sie, mein Fräulein," hob der Eellift unverzüglich an, das ist doch nicht in der Ordnung, daß der 5lüchendragoner Sie kommandirt!" Sie ist mir aber sehr treu!" Er sank in seine nachlässige, gebückte Stellung zurück, indem er crw'.derte : Wenn Sie wüßten, wie treu ich bin!" Sie verstand ihn nicht. Wie rneinen Sie das?" Wenn ick." sprach er langsam, hier zu einer gebildeten Dame käme, mit der ich obenein musiziren könnte " DaS wäre," fiel sie ein, srcilich eine große Annehmlichkeit für mich!-, Und mir," betonte er, würden die Zeiten meiner Jugend wieder lebendig werden. Ich würde, was mir damals versagt geblieben, wennauch in anderer Form, us meine alten Tage erreichen !" Aus seiner Stimme klang eine leise Wehmuth, die des Fräuleins Theil nähme weckte. Was Ihnen versagt geblieben?" wiederholte sie fragend. Das erzähle ich Ihnen später," wich er aus, wenn ich erst eingewohnt und vertrauter mit- Ihnen geworden. Aber sagen Sie einmal, Fraulein, Ihr Mädchen sprach von wunderschönen Krebsen" er hielt inne und räusperte sich. Nun?" ermunterte sie ihn, fortzufahren. . Er that es. Das ginge wohl nicht an, daß Sie mich neben dem Quaitier auch in Kost nehmen?-
- HiMjij 4VVt qß auch bei mir." Ach, ich wäre Ihnen sehr dankbar,sagte er erleichtert; denn das Nestau. rationsfutter will mir gar nicht mehr schmecken." Das Fräulein lächelte. Sie müßten doch erst prüfen, ob Ihnen meine Küche zusagt." Daran zweifle ich keinen Augen blick," versicherte er; schon Ihre Gesellschaft würde mir das Mahl würzen!" - . O, ich bitte!- lehnte sie ab. Nein, bestimmt, ohne Schmeichelei !" sprach er mit Nachdruck. Sie toben so etwas in chrem Wesen ick weiß nicht, was es ist, aber es zieht mich an!" Indem zeigte sich Minna wieder in der Seitenthür und fragte: Fräulein, essen wir die Krebse vor dem Braten oder hinterher?" . Du," antwortete die Herrin, magst sie ja am liebsten nach der Suppe." Schön, also vorher!" entschied das Mädchen.
s l. Tttnmrn imv Mt;i wicu Das Fräulein wandte sich ihrem künftigen Tischgenossen zu. Sie könnten eigentlich unser Gast sein. Minna, der Herr Kammermusiker wünscht, wie der Assessor, auch Beköstigung bei unö." Ach, du meine Zeit!" stieß die Köchin hervor. Wie so?" fragte der Eingeladene scharf. Hat Fräulein Minna wieder etwas dagegen?" Ich meine blos," versetzte diese, wenn Sie'so machen wie der Assessor!" Er wird doch die Beine nicht auf den Tisch gelegt haben?" Nein, aber er schlug eine sürchterliche Klinge!" Milder entgegnete er: Beruhigen Siesich, ich bin kein starker Esser!" Na, wir werden ja sehen!" meinte Minna und verschwand. Wieder allein mit der Dame, verhehlte der Gast sein Erstaunen nicht. Ist es die Möglichkeit? Richten Sie sich mit dem Küchenzettel immer nach dieser Person?" Ruhig entgegnete sie: Warum soll ich mich nicht nach ihr richten? Mir ist's gleich!" Er sah sie mit forschendem Blick an. . Auf welche Gemüthsart läßt das schließen! Und Sie haben nicht geheirathet? Wie viel Glück hätte ein Mann durch Sie finden müssen!" Heiteren Tones sprach das Fräulein: Warum ich allein geblieben, erzähle ich Ihnen vielleicht auch später, wenn wir bekannter geworden. Noch wissen wir ja nicht einmal Einer des Anderen Namen." Verzeihen Sie meine Nachlässig keit!" bat er. Die Umgebung hier heimelte mich beim Eintritt so an, daß lch mich vorzustellen- vergaß. Ich herße . Doch er konnte nicht vollenden; denn aus s Neue steckte Minna den Kops herein und meldete: Fräulein, der Briefträger ist die Hintertreppe raufgekommen mit 'nein tLlNgeschrlebenen, Sie können wohl gleich in der Küche unterschreiben, daß er dte Stuben rncht volltritt! Die Herrin war bereit. Ich komme! Entschuldigen Sie mich eine Minute!" Rasch vcrlien ie daö Zlm mer, die Köchin wollte ihr folgen, hörte sich aber von dem Musiker zurück gerufen. Was ist?" fragte sie barsch. Er. trat auf sie zu. Sie sprechen mit dem Fräulein in einem Ton, der slch nicht schickt!" - ' Sie stand verblüfft. Nanu? Da Sie'S nicht selber fühlen, muß Sie ein Anderer darauf aufmerksam machen! Minna hatte sich schnell gefaßt und setzte sich m Positur. Jetzt wird's gut! Sie wollen Mll Ja, ich!" unterbrach er. Von elnem älteren Mann können Sie schon Lehre annehmen!" Dazu war sie wenig aufgelegt, sie stemmte vielmehr die Hände in Die urien und machte ihrem Herzen Lust. Na, so was hat sich der Assessor nie gegen mir rausgenommen! Ich bin schon zwei Jahre der Fräulein, und wir find immer ein Herz und eine Seele gewesen, und nu wachsen Sie unversehens iner rein und wollen mir zur Rede stellen?' Vor Ihnen koche ich Nlchl, damit Sie'S wissen!" Ihm den ducken kehrend, gewahrte s,e ihre Her rin. die mit einem Brief aus der Küche zurückkam, und rief rhr entgegen: Fräulein, dem Herrn hab' ich'S ge stechen, vor ihm wird nicht gekocht!" Im Nu war sie hinaus. -Die Dame blickte ihr betreten nach uno fragte ängstlich: Was ist denn vorgefallen?" Warten Sie nur," sagte der Gast. -h'te Pprknn rrh Mi Ohnn eri'xehm ? Den respektwidrigen Ton gegen die Herrschast soll sie bald ablegen!" Ach," seufzte das Fräulein, Sie kennen die Verhältnisse der Großstadt noch zu wenig. Wir müssen heutzutage froh sein, wenn wir Bedienung finden und manche unliebsame Eigenschaft in den Kauf nehmen. Das Mädchen ist tüchtig und, wie gesagt, treu!" Der Musiker legte kein Gewicht aus Minnas Tugenden. - 'Das dank' ihr der sie soll sich wieder solche Stellung suchen wie bei Ihnen!" Das Fräulein suchte ihn zu begütigen. Ich bitte Sie dringend, reizen Sie mir meine Minna nicht!" . Er Htieb unbeweglich. . Den Mann
will ich ir zeigen, mit der werd' ich nochfeltig!" Nur keinen Zank und Streit!" flehte sie. .Wenn Minna mich verließe so leid es mir thut, Herr Kammermusiker, da verzichte ich lieber auf Sie als Miether!" Er hatte aber nicht Lust, das Feld zu räumen. Bitte, Sie kaben mich angenom. men, ich ziehe unter allen Umständen noch heute ein!" Hiergegen prolestirte sie: Es war nur eine vorläufige Abrede, kein festes Abkommen zwischen uns.Aber zu Tische bin ich von Ihnen eingeladen," behauptete er, das tönnen Sie nicht widerrufen, über Mittag bleib' ich!" Wenn Sie doch gehört haben, daß Minna nickt für Sie kochen will?" wandte das Fräulein ein. So faste ich, während Sie speisen," erklärte er fest; aber bis nach Tisch bleib' ich,' und damit ich wenigstens die Erinnerung mitnehme, wo ich gewesen, gestalten Sie!" Mit raschem Griff bemächtigte er sich des Briefes, den sie in der Hand hielt. Mein Herr!- rief sie erschrocken. Nur Ihren werthen Namen!" entschuldigte er seine Kühnheit und las laut die Adresse: An Fräulein Karoline Winkler." Stutzend blickte er von dem Papier aus: Wie? Winkler? Und Karoline Winkler?" Allerdings!" bestätigte sie. Er sah sie durchdringend an: Seltsam!" WaS ist seltsam? Geben Sie mir den Brief zurück!" Gewiß!" sprach er sanft. Ich danke Ihnen! Daß Sie gerade so hei ßen müssen wie wie, Du mein Gott!" Die Stimme versagte ihm, cr sank auf
emen Stuhl. Betroffen stand sie vor ihm : WaS haben Sie?" Lassen Sie mich einen Augenblick!" bat er. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie Ihr Name mich bewcgt. Karoline Winkler! Linchcn!" Er drückte die Hände vor die Augen. Gleichzeitig trat Minna wieder in'S Zimmer: Fräulein!" Da bemerkte sie den in sich Versunkenen und wies auf ihn: Nanu?" Karoline gab ihr Aufschluß: Dem Herrn ist plötzlich schwach geworden. Ich kann meine Brille nicht finden. Weißt Du nicht, wo unsere Eau de Kologne steht?" Vielleicht wäre ein Kognak besser?" schlug das Mädchen vor und trat, ihren Groll vergessend, an den Sessel des gebeugten Mannes: Sie, wo. fehlt's denn? Verdienen thun Sie's zwar nicht, daß ich mich um Ihnen küm mere, aber wenn -dem Menschen was zustößt, bin ich auch nicht so." Sie bückte sich zu ihm nieder. Er nahm die Hände vom Gesicht, streichelte ihren Kopf und sagte weich: Sie sind ein'guteS W!ädchen!" ' Geschwind erkundigte sie sich : Können wir Ihnen mit 'nem Schluck Kognak unter die Arme greifen?" Nein, nein," lehnte er ab, ich erhole mich schon." Minna sah unschlüssig auf ihre Herrin, die ihr zuflüsterte: Bitte, Minna, laß uns allein!" Ich wollte was," entgegnete diese, ich weiß 'nicht mehr, was es war; 's wird mir wohl wieder einfallen." Und leiser setzte sie hinzu: Sehen Sie, Fräulein, 'S ist nichts mit so 'nem alten Mann !" Karoline winkte stumm, Minna schlich hinaus. Der Leidende erhob sich mit Anstrengung und begann: Ich bestehe nicht mehr darauf, bei Ihnen zu wohnen, im Gegentheil, ich muß mir anderswo ein Unterkommen suchen. Aber ich bin Ihnen eine Erklärung dafür schuldig." . Wollen Sie nicht Platz behalten?" nöthigte ihn Karoline. Ich setze mich zu Ihnen." Er nahm es an, sie ließ sich ihm gegenüber nieder, und er sprach weiter: Sie täglich Fräulein Winkler anzu reden oder Sie gar vielleicht von Anderen Karoline und Linchen nennen zu hören, daö ertrüge ich-nicht." Den Grund," sagte sie, müssen Sie mir in der That erklären." Er nickte: Sie führen den Namen meiner Jugendliebe." Sie zuckte zusammen: Ich?" Was sage ich?" tadelte er sich. Sie ist noch heute meine Liebe, wie damals, und darum bin ich zum alten Hagestolz geworden." Karoline bewegte sich unruhig aus ihrem Sitz: Wo ist nur meine Brille?" Er lächelte matt : Wollen Sie mich darauf hin durch die Brille ansehen? Thun Sie das lieber nicht ! Als Jungling mit lockigem Haar soll ich kein unebener Bursche gewesen sein, jetzt aber, wo ich grau und halb kahl bin?" Da Karoline , wieder eine Bewegung machte, bat er noch eittmal : Suchen Sie nicht nach Ihrer Brille, Fraukein!" - ' Ich sehe Alle nur halb ohne Glas" Hören Sie mir um so aufmerksamer Zu!" O, ich' höre sehr aufmerksam!" versetzte sie mit besonderer Betonung, und ihre Züge drückten die unnere Spannung ans. Er sak vor sich nieder, und während er erzählte, begleitete Karoline seine Worte bald mit leisem, zustimmendem Nicken, bald mit Kopfschütteln. Mein Linchen," leitete der Cellist ein, war achtzehn Jahre und bildschön. Sie mutz es noch sein, wenn sie lebt, obgleich sie jetzt reichlich Matrone wäre. Wenigstens schwebt ihr Bild mir unverändert vor. Ich fa . als
Klavierlehrer in ihr Haus. Sie hatte auch eine so liebliche Stimme. Musik ist eine gefährliche Kunst, wenn sechsundzwanzig und achtzehn Jahre sie zusammen treiben." Ja. ja!" flüsterte Karoline. Er schöpfte Athem und sprach weiter: Das erfuhren wir Beide. Eines Taa.es hatte ich ein Lied komvonirt.
auch die Verse selbst gemacht. Wir t - n !.-,! V l . r. c. sangen es zweisiimmig, uno oa siano Linchens Vater hinler uns. Was folgte, ging windschnell: Der reiche Mann fragte, ob der Habenichts von Musikant den Verstand verloren, und wies ihm ein für allemal die Thür." Wo ist Ihnen das begegnet?" forschte Karoline. Der Ort thut nichts zur Sache,sagte er. Genug, daß mir's begegnet ist! Tags daraus ging ich in die weite Welt." Und Ihr ferneres Schicksal?" fragte sie auf'S Ncne. . Das Ende vom Liede,- antwortete er, sehen Sie ja, das Uebrige kann Ihnen gleichgültig sein." Unglück ist mir nie gleichgiltig," erwiderte sie. Doch mit Ihnen zog eine Trösterin in die. Welt hinaus: Jbrc Kunst." (Schluß folgt.) Pfahlbauten im Jura. Im Lac de Chalain im Jura, der in seiner größten Länc?e etwa 1 Meilen lang und 1650 bis 3300 Fuß breit ist. dabei aber eine größte Tiefe von 112.2 Fuß hat, wurde im Laufe des Jahres 1904 eine interessante Pfahlbau-An-siedlung ausgegraben, über die jetzt ein genauer Bericht vorliegt. Der See liegt auf dem weiten Plateau des Jura in einer Hohe von 1630 Fuß. Das Niütau des Sees wurde zwecks Schaffung eines Teiches um etwa 10 Fuß gesenkt, wobei eingerammte geschwärzte Pfähle zum Vorschein kamen, die den Plan eines ganzen Torfes mit Straßen. Häusern u. s. w. zeigten. Der Durchstich, .der für einen Kanal gemacht wurde, führte nun zur Entdeckung von Schichten, die sehr reich an prähistorischen Gegenständen waren. Es fanden sich Küchenrückstände. Zähne. Thierknochen, Ueberbleibsel von vegetarischen Nahrungsmitteln. Gerste. Nüsse. Mandeln, Leinpflanzen, sowie halbverbrannte Herdsteine. Topfwaaren, einige Holzvasen, Eeräthe, Waffen, verschiedene Gegenstände aus Hirschhorn. Knochen. Holz, Stein. Weiter fand man einen Bärenschädel, Knochen von Hirschen. Ebern. Bibern. Hunden. Pferden. Ochsen u. s. w., einige Knochen von Menschen. Das Merkwürdigste sind drei ungleich große Pirogen (Fahrzeuge aus ausgehöhlten Baumstammen), die sehr verschieden erhalten sind. Das Besterhaltene ist eines der schönsten 'Fahrzeuge dieser Art. Es ist über 30 Fuß lang. Seltsamer DiSziplinarkall. In Osiritz, Sachsen, amtirte seit länger denn zwei Jahren der Hilfsiehrer Hörig der sowohl als tüchtiger Schulmann wie auch im gesellschaftlichen Verkehr sich allgemeiner Achtung erfreute. Vor reichlich drei Jahren nahm Hörig als Seminarist in Löbau an einem Tanzkursus Theil, wo sein Herz für eine junge Dame entbrannte. Bald nach dem Eintritt in's Schulamt und damit in den Ernst des Lebens verflüchtigte sich der Liebesrausch, und Hörig brach die Beziehungen zu der jungen Dame vollständig ab. weigerte sich auch beharrlich, das als Tanzstundeneleve vor drei Jahren gegebene Heirathsversprechen einzulösen. Aus Rache theilte die Dame der vorgesetzten Schulbehörde den Inhalt ihres unvollendet gebliebenen Liebesromans mit. Diese Anzeige hat neulich zur Folge gehabt, daß Hörig ohne förmliches Disziplinarverfahren. weil er noch nicht definitiv angestellt war. durch B.?rfüung des sächsischen Kultusminisierinms glatt seines Amtes enthoben wurde. ' An cknenr Jurlstenbrict. Nachdem Sie, geehrtes Fräulein, meinen schriftlichen Antrag mit .Ja' beantwortet haben, werde ich mir erlaubcn, morgen vorzusprechen, um das ' mündliche Verfahren einzuleiten." Er sclzinrptt. n)i os im ?irdjc stellt. Die kleine Emma: Mamz, Mama, der Paul nimmt immer das Naturgeschichtsbuch und schimpft mich darauö!" ' . .
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