Indiana Tribüne, Volume 29, Number 199, Indianapolis, Marion County, 16 April 1906 — Page 5
Jndiana Tribüne, 16 April ISS.
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(Eine Srfjrecficnsuflcfjf.
zzch d?r Erzählung einrs rusnschkn SchisssK?i. i - - m.lL .1 l. .1 I täns. Von Wilhelm (Schluß.) Cbchl dieser Wuthanfall mich er schreckte, so konnte ich doch nichts dagegen sagen, denn er war in seinem Recht. Tann befahl er, Alleö ur Abfahrt bereit zu halten und das Segel zu hissen. ?lnton!"rief cr von Neuem, .macht - fiitrfi fprlisi z Soba d der Smurke hier ist, segeln wir ab !' Vier lnncie Stunden verginge, in quelvcller Erwartung. Brezent ging wüthend aus dem Deck hin und her und fcarf von Zeit zu Zeit zornige Blicke nach der Kajüte, während Iwan und Anton unbeweglich bei der Schiffswinde saßen. .9n3 wirb mm nefsfielifn?" fronte ich mich; .Kumb muß gefaßt werden; denn seine Papiere sind ja Yier, er kann die tadt nickt verlassen . Endlich erschienen sie: Christian kielt Kumb aevackt. wäkrend .Qafob ikn vorwärts stieß und ein qroßcs Packet nachschlcvvte. Neben den Matrosen lies ein junges Mädchen mit wirren, rothen Haaren und weinte. .AK! Endlich'" rief Bre:ent. als er die Grurve bemerkte. Die drei Männer svravaen in die Schaluppe und waren wenige Minuten später an Bord. Kr wrute entw:scs'?n f TI wir haben ihn gesaßt, und hier sind alle unsere Sachen!- rief Jakob mit froh sicher Miene. -silottfrieh! Gottfried !" rief das junge Mädchen und streckte verzweifelt die Arme nach dem Unalücklicken aus. der aam niedergeschmettert -den Kopf ' J . . u ' . auf die Ärust sinken ließ. ?rir baben ihn bei seiner Rraut aefunden." fuhr Ebristian fort: das Mädchen, das da so schreit, das ist sie! Na, vorwärts!- brüllte er dann und verkette Kumb einen heftiaen Stoß. 9!n die bindet Wir seaeln ab!" kominandirte Arezent. Drei Minuten später befand sich die .Anna" aus der Jährt. Das arme Mädchen schrie unS noch immer nach, doch in Folge der Entfernung wurden die Laute immer jchwa cher und verstummten bald aanz. schließlich siel sie wie eine Masse am Safendamm nieder. Wir befanden unS auf hoher See: die Stadt verlor kick im Nebel. Brezent verschlang Kumb, der von Iwan und Anton gehalten wurde, mit den Augen. Mit flammendem Gesicht öffnete und schloß er krampfhaft den Mund, ohne ein Wort hervorbringen zu können (Schließlich stien er kolaende Sätze hervor, die ihm wie ein Röcheln aus der Kehle dranaeu: AK. Halunke, da bitt Du ia! Du haft aestohlen und bist dann entwischt ! Sollte nrniM zur Mitaikt für Deine schöne Krem dienen, ke? Aber ick werde Dir eine Lektion zu Theil werden lassen, an die Du denken sollst Vorwärts, akob!" Dieser Jakob war der stärkste unter der .aanzen Bemannuna. Mit Ekri. siianö ilfe warf er sich auf Kumb. sackte seine .ände von binten .und l zerrte illn nach dem Mast. , .qiebt ibm das Semd auS!.Nein, tkue daS nickt!- rief ich dazwischen Bleibe Tu auf Deinem Plave; das oebt Dick nichts an. sich bin wer der Herr!- brüllte Brezent. J - j . I Ich mußte schweigen, denn er war in seinem Recht. Bindet ihn an! Jakob und Ehristian fesselten ihm die Hänöe, während Schweißtropfen der Angst über KumbS Gesicht liefen. Haha, jetzt singst Du nicht mehr, i i DuHalunke! Jakob, die Knute!" - Und nun beaann .cakob mit diesem schrecklichen, an den Enden mit Knoten versebenen ücktiaunaöinstrument den Aermsten unbarmherzig zu peitschen. Zuerst weinte und keulte Kumb. dann verstummte er. 5Zch sehe ihn noch vor mir mit seinem von der Wutn ver. zerrt:n Gesicht. Endlich warf man ihn wie ein Bündel aus das Deck und Bre zent, der sich ein wenig beruhigt hatte, sagte zu ihm: .Verain diese Lektion nickt. Kumb.
Für einen Matrosen gibt eS nichts dann entschloß er sich endlich zu spreSchimpflicheres, als zu stehlen. Bes. chen. Stets handelte eS sich um seine sere Dich.- Braut, seine hübsche Emma. Er erzählte
Während dieser Reit knotete 5takob das Bündel - auf und gab einem Jeden seine Sachen. Man sah, daß der Dieb Alles ge.
' nommen hatte, was ihm erreichbar ge. ' . I
wes Packete Als war. Gleich ihm:' ' Dr bist viel ;u Kart aeaen ihn ae. Wesen!- , ' Ah, bah ! Geschehen ist geschehen ! Svrecken wir nickt mehr d.ivon'- - Was Kumb anbetrifft, so leg er auf einer Matratze mit ausgestreckten Armen, daö Gesicht zur Erde, stöhnte und verlangte unaufhörlich zutrinken, Das Wetter war ickön uud wir alaub ten ans eine leichte Fahrt rechnen zu dürfen.. -
en: Schuke,Röcke,iesser, Pselsen, rnancumai, ais ljcrc er in oer innen
mit Thee und sogar Briefe. acht ben.us: Gottfried! Gottick mit Brezent in der Kaiute fnrt! den die Wellen ihm zutrugen.
Nach seiner ziemlich schnellen Wie auf das Leben, das ihm unerträglich . - ' . ..I. V u.ä -- 5 &.
derherslellung hatte Kumb die Arbeit ' . . i I mit noch größerer Regelmäßigkeit als vorher wieder aufgenommen. ' Ich waate kaum mit ihm :u svrecken. sa düster erschien er mir. Der Kummer nalte ihn von Neuem nnd seine .a, meraden hörten nicht aufibn tu ver.
spotten. Cö ist eine bekannte Thatfache, daß ungebildete Menschen kein 3iel kenne: sind ihre Untere sen ein
ma verletzt, so werden sie unerbittlich - . ' nnd lassen keine Gnade walten. So roar es auch mit zZumb. (5r hatte ge sündigt, war dafür bestraft worden und nun mußte die Sache beendet sein. ?lber so war eö leider nicht. Der Haß seiner Kameraden verfolgte ihn noch immer. Sie wichen ihm aus und wei gerten sich, ihm bei einer schwierigen Arbeit zu Kelfen. Als Jakob eines TageS aus seiner - W ?n rotyey ncy zog. um lim 01c "IN ui ircanen, rn iijia vinionju: n: stecke nur tauieii 'ein iiucn m 9 4 4 S ". . . ff . f fort, sonst erdrosselt Dich Kumb, um es Xu ZU stehlen und seiner roly' haarigem Braut .zu schenken.mmb Zitterte und ging fort. La diese nnriüc Quälerei mich empörte. so wollte ich f IC ermähne, doch f XC wollten ich! aus mich hören. Der ütii lstklne jtauallle, Michael eraelvilsch,- sagte einer von der Be mannung, denn wer einen Kameraden oeiuenu, nci iein Heroinen, .er ivare im Stande, seinen eigenen Pater ZU todten, wahrhaftig, die Knute ist für den Hund Uvch viel ZU gut ! Es war also nicht wunderbar, daß Kumb, der allein mehr arbeitete, als Alle zusammen, immer wilder, düsterer und menschenscheuer wurde. Wie konnte es aber auch anders sein ! (seit drei Tagen, da wir in See stachen, hatte er noch .zu Niemandem ein Wort ge sprochen. Man hätte ihn , manchmal, mxm man irrn 1,0 cicoe caiin jaij, sur stumpsiinnia Kalten moaen. eine einzig Zerstreuung bestand darin, sich, wenn er keinen dienst Hatte, in einen Winkel zu setzen und Psalmen vor sich hinzusingen. Manchmal unterbrach er sich, um sich auf die Knie zu werfen und den Namen Emma zu rufen. In solchen Augenblicken machte er wirklich IV r ! -f ' . o ! u CüSt , ven inoruu cliie in neu V sperrten wilden THiereS. ' Als ich ihn einmal in einem solchen Verzwelflungsanrall schluchzen nnd mit der Stirn aus die Erde aufschlagen sah. entschloß ich mich, ihn anzusprechen. und sagte zu ihm: ber. ottsried, komm' doch ZU Dir. Höre aus, wie ein altes Weid zu roo7 v ' . . . . .. , Von dem Son, lU dem ich diese Worte sprach, gerührt, weinte er noch stärker und antwortete: 3$ habe Kummer, well ich nuch furchte. Wovor fürchtest Tu Dich denn? Ich habe Furcht vor dem Meere und vor den Anderen. Ich möchte nach Hause, um Geld zu haben und eö tSnirna geben zu können. Die ist die einzige, die mich liebt. Oh! dasMeer und diese Männer!" fuhr er schluchzend fort. Kümmere Dich nicht um sie: verachte sie ! " Uebrigenö werden sie sich bald selbst ihres Benehmens gegen Dich lchämen. .Ich will an Land; ich will nach Vau,e JÄ erzählte Brezent diesen Borfall und sagte zu ihm: Dieser Kumb ist für uns ein Unglück - Wer ist Schuld daran?- versetzte er mit böjem Vachcn; hast Tu uns nicht dieses hübsche Geschenk gemacht?Aber er ist doch ein ausgezeichneter Arbeiter Ja, das mag sein!-antwortete er und fuhr nach einer Pause fort: Ich habe mich nur widerwillig eingeschlfst, und jen ersticken mich der Kummer und die Furcht. Wenn ich Kumb nur ansehe, so ist mir, als verließe mich meine ganze Kraft. Und das hat auch r ? m c c 4 5 e seinen runo lenrere wie naoe ich bemerkt, wie sein Blick auf mir rubte. Du wclzzt, ich bin kein Hasen fuö. Ich habe, Gott sei Dank, in mei nem eben viele Gefahren überstanden. Aber trotzdem bcschleicht mich jedesmal . t eine cnl,eylche urchl, wenn ich oen Mengen scyc. sobald wir lrgenowo anlegen, verab chiede ich ihn! Ihr seid wirklich Alle toll! Maasein: aber ich hasse ihn! Ucbrigens'muß ich gestehen, daß die gute Meinung, die ich von Kumb hegte. nach und nach verschwand, denn immer häufiger sah ich in seinen Augen jene haßerfüllten Blicke aufleuchten. Als lcy eines ;'ivenvs auf ca )a$, meine Pfeife 'rauchte, wollte ich versuchen, eine uui?n)in:ng mit tym anzulnup fen. Zuerst wandte er sich von mir ab. mir, b.;ß sie sich seit langer Zelt lieb ten und daß sie sich bei seiner Rückkehr heirathen wollten. Wie er sich nach ihr sehnte!. Wie lein Herz erbebte, wenn er ihren Namen nannte ! ES war ihn ... . " ... .. C. r.',.. Dann erzählte er, daß er allein au der Welt stände. Sein ganzes Leben war nur Qual und Arbeit gewesen. ur Emma, die ebenso nue er eine Waise war, liebte ihn: sie allein, auf der großen, weiten Welt ? Sie wartete sehnsüchtig aus seine Rückkehr und lebte bei einer alten, boshaften und geizigen .ante, die ihr daö Leben zur Holle machte ' t jr t ' Endlich wurde er müde und flucht B wm. -eine ameraoen zeig . 1 1 . ...it V . n . i - mm uuu, rnaji oie gcringlie cno rmng und hörten nicht auf, ihn mi Hohn UNd Schimpf ZU Überschlitten. Eines Tages sah ich mich sogar ge nöthigt, Jakob ZU bestrafen. Nach eine schweren Arbeit, die er bel' eiökallem
Wetter ausgeführt, trat Kumb an den Ofen heran, an dem Jakob ! stand.
Dieser stieß ihn mit solcher Gewalt zurück, dan er mit der tlrn gegen eine Luke siel. Trotzdem entfernte er sich. ohne ein Wort zu sprechen, wahrend Jakob ihm nachjchrie: Fort, Du Hund! Tu hast Dir chon an anderer Leute Eigenthum die Hände verbrannt ; was brauchst Du sie hier am Ofen auszuwärmen?-. Die anderen Drei begleiteten diese Worte mit lautem Hohngelächter; daher konnte ich meine Empörung nicht änger bemeistern und legte Jakob eine Strafarbeit' auf, mit der Brezent übn genS keineswegs einverstanden war. Manchmal kam mir der Gedanke in den inn, die Sache könnle tragisch enden. Das empfand ich namentlich, wenn Kumb im Lause eine? Unterhat una vlöLlich zu zittern beaann. leine Huae itffi verzerrten nnd lein eitcyl dor Wuth erblaßte, während drohende Worte seinen Kippen entströmten: Warum versolaen sie mich? Was wollen sie? Ich erdolche sie ; ich chlage sie zu Boden. le sollen nuch Frieden lassen, oder - 53ou (einer Aufregung erschreckt, wollte ich ihn beruhigen und sagte: .Waö prilchft Tu da? :ndoch ver nünftiger, als diese Dummköpfe; sie werden sich ihres Aetrageus bald chamen. Nein, nein, ich kann nicht mehr! Ich werde stets beleidigt, stets gejchlagen! Aber ich arbeite doch!" fuhr der Unglückliche unler heftigem Schluchzen ort. Daö nimmt kein gutes Ende!" agte ich zu Brezent eines Tages; .man quält einen Menjchen nicht unge traft in dieser Weise." Oh, ich weiß wohl," erwiderte er, .daß uns ein Unglück droht, ich hatte chon bei der Abfahrt eine düstere Ahnung." Die Stimmung gegen den Unglück ichen war auf einen Punkt gediehen, daß ich entschieden zu seinen Gunsten einschreiten mujzte. Eines sonntags, nach dem Gebete, trat ich zu ihnen und agte: Kameraden, daö kann nicht so weier fortgehen. Wir sind hier nur sieben, unddoch herrscht ewig Zank und Streit. Das ist wahrhaft entsetzlich! Warum verhöhnt Ihr Kumb mitleidslos? Er hat einen Fehler begangen und ist dafür bestraft worden. Eure Sachen zabt Ihr wiederbekommen. Seit sieben Tagen bereut er und leidet. Torwarts! vertragt Euch! Geht zu ihm und gebt ihm die Hand!" Aus der einen Seite stand Kumb, aus der anderen die Grnppe der vier Ma trosen. Da ich ein gutes Beispiel qcben wollte, so reichte ich ihm die Hand und sah. wie Thränen der Dankbarkelt in seinen Augen glänzten. Endlich entschlossen sich die Anderen und icküttelten ihm ebenfalls die Hand, aber sichtlich widerwillig. Mein Sckntt war umsonst geweien. Noch an demselben Abend entstand ein neuer Streit, der zu einer Schlä gerei ausartete, in der Kumb von den vier Männern grausam zugerichtet wurde. Nur mit großer Mühe gelang es mir, mit BrezentS Hilfe, die Kämmenden zu' trennen. Kumb schäumte vor Wuth und knirschte mit den Zähnen. In den ersten acht Tagen war unsere Fahrt glücklich gewesen ; doch am neun ten erhob sich ein starker Wind und der Himmel bedeckte sich mit schwarzen Wolken. Nur mubjam kamen wir vor wärts. In der Nacht legte sich der Wind ein wenig und die Gefahr wurde geringer. Da der Himmel aber noch immer bedrohlich aussah, so mußten wir auf Deck bleiben, ohnz einen Augenblick schlafen zu können: und bei Tagesanbruch wurde der Wind zum Sturme. Bon Stunde zu Stunde raste der Nordwest mit größerer Heftigkeit. Weißer Gifcht bedeckte das Meer und wir glaubten jeden Augenblick von einer Sturmwelle sortgerafst zu wer den. Alle Mann zeigten sich brav, doch ein Vergnügen war eö, mit anzusehen. mit welcher Schnelligkeit und' Kühnheit Kumb die Kommandos ausführte. a g uno vic folgende Nacht ver gingen in dieser Weise, und in jeder Minute erwarteten wir den Tod. End lich nach zwei Tagen beruhigte sich der Wind und der Himmel hellte sich auf: eö war Zeit, denn unsere Kräfte waren erschöpft. Die Beine versagten den Dlenit, und wir hatten ein unwidersteh liches Verlangen nach Ruhe. Dennoch dursten wir das chiss nicht ohne Auf ficht lassen. Es wurde also bescklossen, daß ich mit Ehristian blS ein Uhr Mor gens wachen,' und daß Brezent und Iwan uns dann ablösen sollten. Jakob konnte keinen Tienzt- thun, da er wäh rend des Unwetters am Bein verletz worden, und Kumb konnte uns als Neu ling nicht viel nützen. Doch-während meiner Wache wurde Christian von Mattigkeit übermannt und schlief ein Ich mochte ihn nicht wecken und wachte allein. Vegen ein Uhr löste Brezen mich ad. ES war die höchste Zeit, denn ich konnte gegen den Schlummer kaum mehr ankämpfen. Er schläft ja," sagte er, auf Chri stian deutend; warum hast Du' ihn denn nicht geweckt?" ' Seine Kräfte waren zu Ende." ' Nun, sind eö Deine nicht auch?" 5ia, aber ich bin der Herr !" .Nun aut, schlaf' Dich jetzt aus Ich werde bis zum Tagesanbruch wachen. Brr diese Kalte!" fuhr e fröstelnd fort. Ich stieg in mein. kleine'Kabine hinab, dere Mshillar nur auö eine
Hängematte, einem an der Wand
tchenoen Tisch und einem Schemel bestand. Kaum hatte ich mich in die Hängematle gelegt, als ich in einen i'f-.. j. ? . icicn ujiurnmcr verslez. Plötzlich erwachte ich, als hatte ich einen Schlag bekommen. Mit weit aufgerissenen Augen bleibe ich vorEntsetzen we angenagelt lieqen. Ja, vor Entsetzen, denn an jenem Tage habe ich die Furcht kennen gelernt. Durch das knie Kajütenfenster drangen die erüen Strahlen der aufgehenden Sonne, und IN dlezem valbdunkel bemerkte ick Kumb, der eine Art über meinem Haupte schwang. alt!" rics ich ihm entsetzt zu. Er senkte die Art mit düsterern Aachen, dem Aachen eines Irrsinnigen. Vha. Tu bist wach ! Du hast wahrhastig 5liirf!" Mit diesen Wollen lcLle'er sich aus den Schenlei und bohrte kräftig seine Art in die Tiile-. Ich sammelte meine Sinne und be rachtcte Kumb. Mit blöden, blutuntcrlauscncn Augen, mit leichenblasein, von as und echrnen entstelltem (Besicht, mit nackten Füßen und einem mit Blut bespritzten Hemde saß cr vor nur und iliejz noch immer sein irrsinnigeö Aachen aus. Da ich dzö Gefühl hatte, iracnd etwas Entsetzliche müsse geschehen ein, so blieb ich unbeweglich. . Endlich hörte cr zu lachen auf und agte: Höre! Nur Du allein bist hier nein Freund. Daher lasse ich Dich auch am Leben. Wir wollen mit Dcinem Schiff nach Hause fahren. Doch, Du weißt, es gehört jetzt mir!" fuhr er mit rauher Stimme fort. und die Anderen?" murmelte ich. Mit einem Lachen, das mich erbeben ieß, antwortete cr: Ich habe sie Alle gelobtet!" Alle!" Dabei machte er ein Zeichen mit dem Kopf und bückte sich, um die Art zu ergreifen. Elender!" schrie ich und stürzte mich, halb toll vor Wuth, auf ihn. Tu willst alo nicht! Du will,t nicht!" rief er nnd stieß mich zurück.' E)lucklicher Wei e war die Art so tief in den Boden eingebohlt, daß er sie Nicht losreißen konnte; ich klam merte mich an ihn, schlug aus ihn los und schrie: .Zu Hilse! Zu Hilse!" Mein Geschrei verhallte wirkungö los; cr aber stieß mich hcstig zurück und stürzte auö der Thür. Warte nur ! Jetzt sollst Tu sehen !" heulte' er und sprang auf das Deck. . Im ersten Augenblick verfolgte ich ihn 'nicht, sondern überlegte. Ich mußte über die Treppe, und er konnte mich mit einew '"nt ;a Boden schmettern. Bon Neuem packle mich die Angst. Schnell schloß ich die Thür, sctzten'Mlch aus die Hangemalte uno übclrrgte, was ich thun sollte. Ueber mir hörte ich das Tappen seiner nackten Füße, dann trat plötzlich eine tiefe Stille ein. Ich lauschte gespannt. Auf einmal stiegt das Zeniter über mir ' in Stücken und in demselben Augenblick empfinde ich einen heftigen Schmerz an der Schulter. ; t Kumb halte nämlich, nachdem er das Fenster zcrscklagen, mir, die Klinge eines scharfen Messers in den Oberarm gestoßen, das cr an eine lange Stange angebunden. Ich sprang aus der Hängematte und sli'chtele in alle Winkel der Kabine. Scklicßlich warf ich mich zur Erde. Nun crschienandem zerbrochenen Fenster daö wuthverzerrte Gesicht Kumbö. Er streckte den Arm auö und schleuderte das Messer nach mir, das einen Zoll von meinem Haupte in die Diele fuhr. Mit einem Satze ergriff ich die Stange, an der Kumb heftig zog nnd eö aelana mir, sie ihm aus den Händen zu reißen. Nun entfernte er sich unter einem fluche von oem enster und m Neuem siel ich in angst voller Erwartung zurück. Bald darauf vernahm ich ein Rascheln an der Thür der Kabine, an der Kumb irgend etwas niederlegte. Wieder entfernte er sich, um , gleich wieder zurückzukehren. An dem Geräusch bemerkte ich, daß cr Hol; und Papier zusammenträgt. Eine neue kurzc-Stillc. Entsetzt kauere ich neben der Thür nnd halte den Athem an. Plötzlich fühle ich, wie ein kalter Schauer mir über den Rücken läuft. Ich erhebe die Augen und sehe das grüß liche Gesicht mit dem dämonischen Lachen. Er streckt die Hand auö und gießt den Jrhalt einer Petroleum, kanne über mich aus. Meine Haare sträuben sich bei dem Gedanken, daß ich in einem Augenblick lebend verbrannt werden soll. Jetzt brauchst Du Dich nickt mehr zu verstecken!" ruft er mir mit teuf lischem Grinsen zu und verschwindet. Was soll ich thun? Bei stecken ist unmöglich. Ich muß die Kabine verlassen, wenn ich nicht am lebendigen Leibe verbrennen will. Eine-andere Wahl bleibt mir nicht. Ich erinnere mich, daß nur Brezent uno ich an Bord Streichholzer besaßen. Wahrscheinlich ist er in Brezents Kabine gegang.cn, um dort nach eimr Streichholzschachtel zu suchen Es bleibt mir also nichts weiter übrig, als durch das Fenster zu klellern und ihn aufzusuchen. Ich klettere durch die enge Oefsnnng und zerreiße mir die Haut an den Glassplit teni. Mit Blut bedeckt, erreiche ich endlich das Deck. Glücklicher Weise be. merke ich auf dem Deck' eine lange Ruderstange. Ich ergreife sie und steige langsam die Treppe bis zur Thür der anderen Kabine hinunter. DaS that ich Alles wie im Traum. Das Blut nepfee mir an die Schlafe, daS Herz
pochte mir wie ein Hammer, ln der Brust und vor meinen Augen tanzten rothe Ringe. Ich blieb vor der Thür stehen, die Stange in der Hand und zum Schlage bereit. Wie lange diese Höllenangst dauerte, weiß ich nicht Vielleicht eine Minute, vielleicht eine Stunde. Plötzlich öffnet sich die Thür, und Kumb erscheint, die Streichho! büchse,in der Hand, mit blutuntei laufenen Augen, und noch immer sein leises, satanisches Lachen ausstoßend. Nun richtete ich mich zur vollen Höhe auf und schlage ihm mit voller Kraft mit meiner Stange auf den Kopf. Er stieß einen Schrei aus, taumelte und stürzte zu Boden. Ich werfe mich auf ihn, schlage wüthend auf ihn loö, bis er besinnungslos- liegen bleibt. Mit großer Mühe schleppe ich den leblosen Kdrper aus Deck und binde ihn fest an den Mast an. Jetzt erst kam ich wieder zu mir. Bei dem gräßlichen Schau spiel, daö sich meinen Augen bot, zoa sich mir daö Herz in der Brust zufam' men, das Deck war eine Bwtlache. Anton lag neben dem Fenster, etwaö weiter Iwan, und in der Nähe des Steuers Brezent. Armer Brezent ! Seine Furcht vor Kumb war wohlbegründet ! Endlich, in dem gemeinsamen Zimmer, fand ich die beiden letzten Leichen, die von Jakob und Ehristian. Alle lagen in ihrem Blute, mit gespaltenem Schädel. Als ich wieder aus Deck war. hatte ich nicht mehr die Kraft, Kumb anzusehen, den ich jetzt stöhnen hörte und der den vergeblichen Versuch machte, sich von seinen Fesseln zu befreien. Nachdem ich meine Wunde, die mir entsetzliche Schmerzen bereitete, ver bunden, beschäftigte ich mich damit, jbie Leichen zu sammeln und in den Hinterräum des Schiffes zu legen. Da lagen sie alle fünf, alle, jung, kraftig und tapfer, von der rächenden Hand dieses Wahnsinnigen niedergemetzelt. Mit letzter Kraft hißte ich die Traucrflagge und kauerte mich neben ihnen nieder. Doch der Anblick dieser blutigen, entstellten Gesichter, dieser verstümmelten Leichname war nicht so entsetzlich wie der des lebenden, an den Mast gebundenen Mörders. Ich kann nicht sagen, wie lange dieser Zustand dauerte, in dem ich zeitweise Anfälle von Weinkrampf bekam. Endlich erscheint ein Segel am Horizont. Man hat mein Signal-bemerkt. DaS Schiff kommt näher und setzt eine Schaluppe aus. Es war ein englisches Fahrzeug, daö nach Riga segelte. Als
die Offiziere an Deck kamen, konnte ich ihnen das Vorgefallene nur mit großer Muhe begreiflich machen. Den Leich namen meiner unglücklichen Kameraden wurden, bevor man sie in'ö Meer versenkte, die hergebrachten Ehren zu Theil. Man nahm uns, Kumb und mich, an Bord; das englische Schiss nahm die Anna" in's Schlepptau und wandte dem Hasen zu. . Eine seltsame und doch ganz natür liche Frage trat auf Aller Lippen. Wer war dcr Mörder? Gott sei Dank, zöaerte Kumb nickt, sein Verbrechen zu bekennen. In ruhigem Tone erzählte er, daß er uns Alle haßte, daß er an's Land hatte zurückkehren wollen und darum Brezent und die vier Anderen gelobtet hatte. Er wurde zu lebens länallchcr Deportation nach Sibirien verbannt, und wie ich später erfuhr, ist ihm Emma dorthin gefolgt. . . In Folge dieser furchtbaren Cr cignisse befiel mich ein Nervenfieber, und lange schwebte ich zwischen Tod und Lebe; Als ich wieder genesen war. verkaufte ich die Anna- und übergab den Erlös der unglücklichen Wittwe meines Freundes Brezent. Jetzt habe ich den Dienst endgiltig quittirt und will meine Tage hier be schließen. Doch lebte ich auch hundert Jahre, nie werde ich jene entsetzliche Nacht vergessen; noch ieHt verfolgt mich die Erinnerung im Traum, und zwingt mlck.mlt schweißgebadetem Kör per aus dem Bette zu springen. Noch immer sehe ich das gräßliche, von Haß und Wuth entstellte Gesicht Kumbs vor mir, noch immer denke ich an das tragische Geschick meines armen Freun des. Abgctrumpst. Im Jahre 1770 war der greise Huiarengeneral JoachlN HanS v. Zielen zu einer im königlichen Schlosse zu Berlin veranstalteten Abendgesellschaft geladen. Auch die schöne, viclbewundcrte Schauspielerin Karoline Döbbelin war zugegen, und alte wie junge Kavaliere waren oemubt. ibr den of zu machen. Selb! der alte Haudegen Zieten schien großen Gefallen an der liedenswurdlaen Kunit lerin zu finden und zeichnete sie in ritterlicher Weise durch mancherlei Artiakciten aus tum aränten Werdrun des . jungen Grasen v. Rutowsky, der ti f. . r. a v?- rtt nc-rj. icu vergeoens um cic Z)UN10 scuonen Karoline bemühte. Um seinen Aerger über die Bevorzugung Zielens Luft zu machen, richtete er ganz unvermittelt an den General die Frage: Wie alt sind Sie denn eiaentlick. Ercellen;?" Zielen lächelte und sagte, sich den weisen Äart streichend: WahrhaZtig, daS weiß ich in diesem Augenblick nicht so genau, aber daS weiß ich, daß ein Esel mit Zwanna wahren viel älter ist als ein Mensch, der siebzig Jahre zahlt!" Dre kürzlich von Posen aus verbreitete Meldung, die Bahn. Wärtersfrau Cäcilie Mayer in 'tfrei bermersdorf lOcsterr.'Scklesienl kabe ihre Klage gegen den Grafen und die. Gräfin Kwilecki wegen Heraus g'aöe w - n ' p p p4 ces itemen Äraren ojes wilectt zu rückaenommen.' ist' falsch. Der Vro gry wiu iuMKii.umi C toM-yillf '
Russische Auswanderer in Däne
mark. Nicht weniger als die deutschen - Ostseestädte und Stockholm ist auch Kopenhagen von russischen Emigranen uberfluthet. und dort hat man über ihr ganzes Wesen nähere . Aus- , unft erhalten können, da sie sich aus dänischem Boden sicherer zu glauben chemen als auf deutschem oöer schwe-. dischem. Ein Besucher fand in dem Kopenhagener Armenquartier eine Famure von vier Personen rn einem lernen Zimmer beieinander: die Flüchtlinge besaßen weder Möbel noch Nahrungsmittel, waren aber seelenvergnügt. - Sie waren frei und onnten mcht wieder ausgeliefert werden!" Die überwiegend jüdischen Flüchtlinge bekommen" in Kopenhagen ein gutes Zeugniß, von reichlich tausend Ankömmlingen sind während dieser Wintermonate nur zwei verhaftet worden, und zwar sur Diebstahl und unerlaubtes Hausiren. Die Flüchtmge waren früher zumern aus Kiew und Kischenew; dann kamen als HeiMathsstätten Moskau und Odessa an die Reihe; neuerdings sind die mei-. ten aus Riga. Viele von ihnen sind ungewöhnlich große, stattliche Leute. Sie sprechen das bekannte, Jiddisch" genannte Gemenge von Deutsch, Heoraisch und Russisch, lernen aber bei ihrem großen Sprachtalent meist recht bald das nöthige Dänisch. Sobald dieses Ziel erreicht ist, werden die mitgebrachten Kinoer in die Kopenhagener israelitische Freischule ausgenommen. Originell ist die Art, , wie ein Theil von ihnen über die Grenze gekommen ist. Trotz des Verbotes liefern den Reiselustigen Verwaltungsbeamte einen Paß für 40 Rubel, in Ermangelung dieser Summe laßt sie Wohl der Grenzgendarm für 5 Rubel durch. Haben sie auch diese nicht, dann müssen sie im Geheimen über die Grenze davonzukommen suchen, wobei es denn gelegentlich einen Säbelhieb oder kinen Streifschuß geben, kann. Unter den neuesten Ankömmlingen hatte der eine einen Flelfchschuß m das Bein bekommen und trug der andere den Kopf verbunden infolge des SäbelHiebs eines Kosaken. ' Direkt von Riga fortgekommen waren zwei auf folgende Weise: Sie waren, nachtlich auf den zur Abfahrt gerüsteten Dampfer gegangen und hatten sich dort unter den Kohlen versteckt.' Als das Schiff m See war, zeigten sie sich und wurden in ihrer Erscheinung zunächst sur Verbrecher gehalten. Der Capitän ergriff den Revolver und kommandirte: Hände hoch!" Nach geschehener Ausklärung wurden sie eingesperrt und mit Wasser und Brot ernährt. Die Japaner in China. DenEinfluß der Japaner in China ist, wie aus Schanghai berichtet wird. bedeutend gewachsen. Diese Thatsache hat auch die japanischen Wünsche gesteigert. Eine seit etwa fünf Jahren in Schanghai bestehende Vereinigung von Japanern -hielt mit einem Male ihre Einrichtung für veraltet, weil sie glaubte, die Ziele, die sie verfolge. seien nicht weit genug, die Grenzen ihrer Bethätigung seien zu eng. Der Verein Hai sich darum kurzweg aufgelöst. Dafür wurde aber eine neue Gesellschaft unter dem Namen Mi hou jur kio kai" gegründet, indem die bisher in Schanghai bestehenden beiden japanischen Clubs sich zusammenschlössen. Die Neubildung zählte sofort 300 Mitglieder. Den Vorsitz hat man dem stellvertretenden Leiter der Nippon Fusen Kaischa übertragen zweiter Vorsitzende? ist der stellvertretende Leiter -der Mitsui Buschen Kaischa geworden. Welche Zwecke der neue Verein verfolgt, läßt sich aus den Ausschüssen erkennen, die er gewählt hat. Da gibt es zunächst einen Ausschuß,' der sich mit allen Erhebungen, Untersuchungen, Nachforschungen, Prüfungen befaßt. Der zweite Ausschuß hat di; Verwaltung der in Schanghai vorhan denen Schule für japanische Kinder übernommen. Der Vorstand dieses Ausschusses ist der Eigenthümer der Zeitung Tung Wen Hu Pao", sehr bekannt durch seine lebhaften Bestreu bungen für die Ausbreitung des japamschen Einflusses auf das chinesische Schulwesen. Einem dritten Ausschuß sind alle sonstigen japanischen Unternehmungcn übertragen, die Geselligkeit, das Wohlthätigkeitswesen und das FreiwilligencorpS in Schanghai. Unbemittelte Japaner, denen die Kosten der Theilnahme an diesem Corps zu hoch sind, sollen Beihilfen erhalten. Der. vierte Ausschuß besorgt die Geldangelegenheiten des Vereins. Eine Orient reise im Kraftwagen beabsichtigt . der Bruder der deutschen Kaiserin, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Hzlstein, zu -unternehmen.' Er hat. seinen neuen 4öpftrdigen Wagen,- den er auf der Ausstellung gekauft hat, bereits nach Bukarest senden lassen. Der Herzog wird zunächst , mit dem rumänischen Thronfolgerpaar einige ausgedehnte Fahrten in den Balkanländern unternehmen und sich dann nach Constantinopel begeben., wo er der- Gast .es Sultans sein wird. Wahrscheinlich wird er vom Goldenen Horn aus noch anen' längeren Auöflug durch Kleinsie machen; - ? -; r . ,r
