Indiana Tribüne, Volume 29, Number 198, Indianapolis, Marion County, 14 April 1906 — Page 7
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o Siebenschläfer - o fc o -c o -5 o -K O o O jlxma tt $ von Agnes Harder Z O 0 oooooooooooo (Fortsetzung.) Jch weiß. Und ich Zergrübele rni? den Stopf darüber, seit ich hier bin. Wir sollen das Gesetz handhaben, un-' persönlich, nur als Werkzeuge, so wie der Priester den Kelch reicht. Aber ich kann es nicht. Ich lege mein Herz hinein, und dann kann ich nicht richten. Wer bin ich denn? Die arme Frau damals starrte immer auf den Leichnam ihres Mannes, und ihr Blick war schärfer, als das Messer des Arztes. Sie hätten sie zum Tod verurtheilt. Aber wer weiß, was sie empfunden hat, als sie in die Kirche ging, und die Dirne kam ihr entgegen und trug den gleichen Rock? Wie können wir urtheilen, wenn wir immer nur sehen, was vor Augen ist?" . Besinnst Du Dich auf den Erntetanz? Schon damals war die Hanne seine Liebste. Ich sah es gleich." Ich nicht. Damals, lag das alles wie ein Druck auf mir, wie etwas Schlechtes, Gemeines. Wenn Du zu mir sprachst über die Frauen und Tu thatest es oft, wenn Du in mein Zimmer kamst war es, als würfe mir jemand ein Nessushemd über den bloßen Leib und zündete es an. (s war alles unrein." Und hattest doch das Reine so nah zur Hand! Aber damals lockte es mich noch nicht." Nein," sprach eine dritte Stimme aus dem Nebel, Anohrtens Stimme, die hinter ihrem Schlitten 'einherglitt, denn die Fahrt war eine Strecke lang frei, aber als Du sie im Wald trafst,, und ich glitt hinter den Wacholderbüschen bis zur Brücke, da lockte es Dich. Mich hattest Du zuerst getroffen, am Dorf, auf dem Lindenberg. Aber ich hatte Dich fortgeschickt, denn ich wartete auf ihn, dem meine Sinne aehörten. Damals fandest Du Deine Geißel!" Sie schwiegen eine Weile. Du müßtest Verse daraus machen," sagte Erich dann. Einmal that ich es. Ich saß und sah zu, wie es kochte und brodelte im Kessel meines Lebens. Den Schaum. der aufstieg, nahm ich und goß ihn in Reime. ' Der Trank muß klar werden, ehe man ihn andern reicht." Sie nimmt die Blätter und liest in ihnen." sprach die Stimme hinter ihnen. Dann wird ihr weißes Gesicht roth, und das Feuer steigt in ihre Augen, und sie zerwühlt die glatten Scheitel. Ich sah es, als ich bei ihr schlief. Sie war aufgestanden und hatte Licht gemacht. Sie ging hin und her mit bloßen Füßen und rang die Hände. Aber am Tag war sie wieder die Stille. Ich haßte sie.". Der Kutscher rief. Die Pferde standen still. Sie waren vom Weg abgekommen, Er verständigte sich mit dem Lenker des zweiten Schlittens. Die große Wa,enlaterne, die man an einen Stock gebunden hatte, gab ein fahles Licht, von Dunst umgeben, als wäre sie zum Zeichen der Trauer in Krepp gewickelt. So konnte man sich wenigsiens nicht verlieren. Anohrte nahm eine der Laternen und suchte. Sie fand die Strohbüschel, die stellenweise den Weg absteckten. Sorgsam leitete sie die Pferde hin. Bleib voran," sagte der Kutscher, Du kannst den Weg fühlen, wenn Du gehst." So schritt sie vor ihnen her und trug das Licht. Schon schlug das Wasser an ihre Stiefel. Die Schlitten folgten ihr. Nach einer langen Pause sprach Erich wieder. Ich muß Dir sagen, daß ich Dich hasse." . Ich weiß es." Und Du hassest mich." Nein. Warum?" Ich will Dir sagen, warum. Weil ich Ute geküßt habe, neulich, als ich in der Stadt war. Ich wollte sie einmal in die Arme nehmen. Und ich that es. Erst wehrte sie sich. . Aber ihre Lippen warten zu lange. Weißt Du nicht, daß die Früchte abfallen, wenn sie überreif sind? Nun magst Du Dein Leben lang daran denken. Immer, wenn Du sie in die Arme nimmst und Dich an ihrer Schönheit freuen willst." Du lügst schrie Jmmanuel. Aber Erich lachte nur. Der Nebel fraß das Lachen gierig in sich hinein, und der Schaktarp legte die formlosen. hundertfältigen Arme fester um sie. 16. K a p i t e l. I ein," sagte die gute Schwabe und richtete sich kampsbereit' C? auf, natürlich können Sie zu der Schwurgerichtssitzung, Fraulein Pfarrer. Las weiß ich. Wo doch Jmmanuel Gerichtsschreiber sein wird und der Herr Pastor und Ute Zeugen, und der Herr Justizrath bird ihn vertheidigen, und ich freue mich, daß Sie schon eine Eintrittskarte haben. Aber Ute begleiten, als Anstandsdame, das werde ich! Die Herrin von Scheschitten muß doch beweisen, daß sie jemand im Haus hat, auf den sie sich verlassen kann. Und das kommt doch mir zu, denke ich. Es sind genug Gutsbesitzer auö dem KreiS unter den Geschworenen, und es ist
schrecklich genug, daß eine Dame überHaupt vor Gericht muß in einer solchen Sache. Es kann aber jeder in ihr gesegneies Gesicht sehen, denke ich, und er ioird nur um fo besser von ihr reden."
Das denke ich auch, nickte Tante , Korchen. Ich wollte Sie auch nicht beleidigen, liebe Schwabe. Aber einer inüßte natürlich neben ihr stehen, und ireil Sie so furchtsam sind " Frau'ein Schwabe machte eine großartige Handbewegung. Nachts, in meinem Zimmer, wenn ich mich eingeriegelt habe, ja, da bin ich bisweilen sehr ängstlich. Vorllem im Herbst, wenn die Mäuse von den leeren Feldern in die Häuser kommen. daran kann ich mich nun einmal nicht gewöhnen, das geb ich zu. Wissen Sie noch, letztes Jahr, als eine in meinem Pantoffel saß und ich drei Tage zu Bett liegen mußte vor Schreck? Aber hier? Ich bitte Sie, es ist ja nur ein Mörder, und ich kenne ja seine ganze Familie! Ter Justizrath, der neulich hier war, hat mir gesagt, er sitze in seinem kleinen Verschlag neben seinem Rechtsanwalt, also neben ihm selbst, und Gerichtsdiener seien da, und es könne nichts passiren. Ich habe mich nach allem erkundigt." Und dann sprachen sie von all diesen Dingen, die ihnen nun seit Manaten immer neuen Stoff gäben, ihnen und allen andern Bewohnern von Scheschitten. Ute kam aus der Stadt. Sie war jetzt sehr oft dort. Anohrte war .mit ihrem Bruder zusammen eingeliefert, aber nach dem Verhör entlassen worden. Ute. von Jmmanuel benachrichtigt, hatte sie empfangen und auf dem Korridor gestanden, als der Gerichtsdiener sie. herausbrachte. Sie war so bewegt .gewesen, daß sie kaum sprechen konnte. Aber Anohrte hatte für sie jene Gleichartigkeit wie für alles, was nicht den Mörder" anging. Als Ute sie beschwor, wieder zu ihr herauszukommen. weigerte sie sich entschieden. Sie wollte Hanne und ihr Kind nicht sehen, bis nicht alles gesühnt sei. Und dann sie mußte den Mörder" sprechen, so oft das gestattet war.' Er leugnete ja. Er hatte dem Untersuchungsrichter in's Gesicht gelacht und wilde Reden gesührt gegen Gott und Menschen. Sie mußte ihn bekehren. Sie mußte ihm helfen. Nein, sie wollte in Königsberg bleiben, bis alles vorüber sei. So miethete Ute ein Stllbchen für sie in einer der kleinen Gassen hinter dem Landgericht, in der Nähe des Gefängnisses. Ohne sie hätte die Sekretärswittwe Anohrte kaum aufgenommen, verwahrlost, wie sie aussah. Ihr Mann hatte doch auch zum hohen Gerichtshof g'ehört. und die Schwester von so einem, das ging doch gegen die Reputation! Aber wenn Fräulein von Bär selbst käme das sei dann freilich etwas anderes! Und Fräulein von Bär kam oft. Die Sekretärswittwe konnte ihren Freundinnen die berühmte Scheschittener Butter vorsetzen und einen ganzen Schinken anschneiden, als der Kuckuck schrie. Niemals hielt der Wagen mit den Juckern, die Ute am liebsten fuhr, ohne daß in der kleinen Küche ein Packet abgegeben wurde, junge Tauben, oder Frühbeetsalat, oder frische Eier. Aber," klagte die gutmüthige Wirthin, es ist alles verloren, was ich ihr auch in ihr Zimmerchen stelle, denn an meinem Tisch will sie ja nicht essen, sie rührt es kaum an, wie als ob sie sich zu Tode hungern will. Nur daß sie sich nun wieder sauber wäscht und kämmt. Aber ihr Mieder und ihre Röcke schlottern um ihren Körper, so mager ist sie. Fräulein von Bär hat ihr einen ganzen Koffer mit Wäsche und Kleidern gebracht, denn als sie fortgelaufen ist, hat sie ja nur das Nothwendigste im Bündel mitgenommen. Ich traf nämlich Fräulein Pfar rer neulich. Ich kenne sie, weil eine Nichte von meinem seligen Mann einmal an sie geschrieben hat, als sie eine Stelle annehmen wollte, um sich nach der Familie zu erkundigen, die in Sche-. schuten zur Kirche geht. Es wurde dann nichts daraus, sie verlobte sich vorher, neulich bekam sie ihr fünftes Kind, ein ganz unglaublicher Leichtsinn, ihr Mann ist Lehrer an der Mittelschüle ja, daraufhin sprach ich das Fräulein an. Sie, war sehr liebenswürdig und erkundigte sich wirklich nach allem. Sie wäre schon längst selbst gekommen, sagte sie, aber Fräulein von Bär habe ihr aesaat. Anohrte sei so schwer zugänglich. Na, da konnte ich nur mit dem Kopf zu nicken. Wenn der Engel, das gnädige Fräulein, stundenlang bei ihr sitzt und sie streichelt und gut zu ihr ist. bleibt sie wie ein Stock." Die Sekretärswittwe war eine wichtige Person gewordenen ihrem Bekanntenkreis. Sie gehörte wieder zu denen, die über alles Auskunft geben können, wie zu den Zeiten ihres Seligen. Und wie interessant, daß sie das mit der schönen, vornehmen Dame in Berührung brachte, der Tochter von dem na, von Todten soll man ja nur Gutes reden. Es war Za noch kein Jahr her, und das Fräulein ging ja noch in tiefer Trauer. Nachdenklich fuhr Ute nach Hause. Sie lenkte selbst. Tomuschat saß mit übergeschlagenen Armen hinter ihr. In der Ausspanne hatten sie ihm. gesagt, der Adam würde wohl geköpft werden. Da5 mußte er der Hanne erzählen. Er hatte, ein Auge auf die Hanne. Aber die sprach ja mit niemand. Sie dachte nur an die Rache, Ja. es waren schwere Wochen gewesen. Ader von dem MlersHwersten
wuze rnemanö etwas: Ute hatte ihren Bruder Jmmanuel verloren. Ende April war die neunmonatliche Station. an dem kleinen Amtsgericht zu Ende, und die am Landgericht begann. Im manuel war nach Königsberg ülergesiedelt. Er war in Schesckitten gewesen und hatte guten Tag gesagt aber seine Augen hatten über Ute hinweggesehn. Und plötzlich erschienen ihr jene Genesungswochen ' im vergangenen Jahr, jene Zeit, da er ihr seine langen, wunderlichen Briefe geschrieben, wie der einzige Lebensfrühling, den sie je gehabt, und. der junge Mai umher, der die zarten Blüthendolden des Kälberkropfs wie einen Schleier über die Gräder geworfen hatte, schien ihr kalt, daß sie fröstelnd die Schultern zusammenzog. Da war die Roggenmuhme wieder. Sie fuhr. noch nach der Hälfterwiese hinüber, da würd: drainirt. Die rothen Thonröhren lagen übereinander geschichtet und sahen von weitem aus wie leere Bienenwaben. Käsewurm stand mitten in der Wiese, die ganz mit Wiesenschaumkraut bedeckt war, und kommandirte und war so stolz wie ein König. Ute stieg ab und ging zu ihm. Es war, als steige sie in Wasser, so hoch und dicht standen die weißlila, feuchtschimmernden Blumen.
Er führte sie an. emen der Abflusse. der schon. im Gang war. Ein Strahl klaren, eiskalten Wassers sprudelte ihr entgegen. ?as ist ein Drain, was? Na. das wird einen zweiten Schnitt geben dieses Jahr! Wenn ich blos einmal so aus dem Vollen wirthschaften könnte, Scheschitten könnte sich sehn lassen! Ich spiele schon in einer verbotenen Lotterie deshalb. Aber ich sag's immer: es gibt zuviel Nieten in der Welt." Ute schickte Tomuschat nach Hause und ging am Pfarrhof vorbei: ja, sie kamen vorwärts. Es war niemand mehr da. der die großen Zahlungen für sich verbrauchte. Wenn sie eine neue Anleihe suchte, würde sie die Hypothek bekommen. Man hatte Vertrauen zu ihr gewonnen. Im Garten des Pfarrhauses streuten die Kätzchen des Nußstrauchs ihren gelben Staub in die Luft. Der Pfarrer stand an den Buchsbaumrabatten mit gelben Narzissen. Als er sie sah, kam er an den Staketenzaun, der hatte ganze Polster von grünem Moos und grauen Flechten. Hast Du Jmmanuel getroffen, Kind?" Er war bei Anohrte, als ich dort war." Und?" Alles beim alten. Wenn ich sie nur herbringen könnte! Ich meine immer, hie: müßte alles gut werden." Du mit Deinem Heimathglauben. Ute." Ist's nicht recht so?" Für Dich ist's recht. Vor einem Jahr warst Du in Ravenna und holtest mir meinen Jungen zurück. Besinnst Du Dich noch?" Sie schloß einen Augenblick die Augen. Da sah sie alles wieder, das runde, trotzige Grabmal des Theodorich. den ausgehöhlten blauen Saphir der Galla Placidia und sich selbst unter den Pinien im blühenden Geißblatt sitzend und auf Jmmanuels Erwachen wartend. Als sie die Augen wieder öffnete. strich sie den Blüthenstaub der Haselnußkätzchen von dem Aermel ihres schwarzen Kleides. Wie ist es doch mit der Legende der Siebenschläfer, Onkel Pastor?" Ich weiß es nicht genau. Es waren sieben edle, christliche Jünglinge zur Zeit der Christenverfolgungen. Der Kaiser Decius wollte sie martern lassen. Da trugen sie Krüge mit Wein und Brot in eine Höhle und legten sich hin und schliefen ein. Die Häscher des Kaisers aber, die sie schlafend fanden, vermauerten den Eingang. Nach zweihundert Jahren öffnete man die Höhle. Da wachten die Jünglinge auf und gingen in die Stadt, und ein christlicher Kaiser herrschte. Da lobten sie-Gott und legten sich hin und starben." Was hat ihnen das Wunder denn genützt? Man soll keinen Siebenschläfer wecken!" Tante Rorchen trat zu ihnen, in der blauen Gartenschürze. Sie hatte Gurkensamen gelegt. Ute, also die Schwabe kommt morgen mit. Sei doch nur pünktlich. Unbj kannst 3?u nicht wenigstens emen bunten Schlips umbinden? Du siehst jetzt immer so weiß aus. dazu die schwarzen Kleider, gerade wie die preußischen Farben." Ute lächelte. Nein, das wollte sie nicht. Und dann trennten sie sich. Und totx oacyte an morgen. (Fortsetzung folgt.) Hund alS Diebesgenosse. In den Pariser Modewaarenmaaa zinen machte sich seit längerer Zeit eine Frau verdachtig. die stets mit einem kleinen reizenden Terrier erschien, sich von der Verkäuferin eine Menge Waaren vorlegen ließ und nie etwas kaufte. Sie hatte eine besondere Vorliebe für kostbare Spitzen. Nach ihrem Fort gange wurde stets das Abhandenkom mm der theuersten Stücke bemerkt. Man beobachtete sie und entdeckte eines Tages, daß das Hündchen, das sie auf dem Arm unter dem Mantel halb verborgen trug, darauf dressirt war, blitzschnell zuzugreifen und daö gestohlene Gut unter dem Mantel in Sicherheit zu ewigen. Die Frau wurde verhaf tet, der spitzbübische Terrier aber zum Avdeaer geschiSt. "
Eins Schrcckcnsnacht.
Dach der Erzählung eines rusillchen Schissska. ts. von Wilhelm Thal. Vor meiner vierten Reise um die Welt ließ ich mich in Riga nieder und kaufte dort in Gemeinschaft mit meinem Freunde Kall.Jwanowitsch Are. zcnl ein kleines Segelschiff. Ärezent und ich, wir lebten zusammen wie Äriider, theilten die Gewinnste unserer Unternehmungen und hatten vier bis fünf Mann unter unseren Befehlen; er war Kapitän, ich Lootse. Karl Jwa nowitsch war verheirathet, und zu Chren seiner hübschen, kleinen Frau hatten wir unser Schiff mit ihrem Vornamen Anna" gelaust. Jeden Sommer machten wir zwei Reisen, eine nach Frayk reich und eine nach England. In diesem Jahre waren wir früher als ge wohnlich in den Hasen .eingelaufen, und da wir nichts weiter vorhatten,-so gedachten wir, unsere Winterquartiere zu beziehen. Der Herbst rückte näher, als ein rei cher Kaufmann mich aufsuchte und mich bat, ihm eine Ladung , Bretter nach, Schottland zu befördern. Die Waare sollte zu einem bestimmten Termin geliefert werden; und er hatte zur Ueberführung derselben bisher noch! Niemanden finden können. In Anbe-: tracht der vorgerückten Jahreszeit zögerte ich ein wenig, und fragte meinen Freund um Rath; doch schließlich gingen wir auf die Sache ein, um so mehr, da uns der Kaufmann einen weit höheren Preis als sonst üblich bezahlte. Ohne Zögern machte ich mich daran, die Bemannung anzuwerben. Die beiden ersten Leute, die ich warb, der Zimmermann Anton und der Koch Iwan, zwei tüchtige und kräftige Bur sehen, führten mir bald zwei andere, Christian und Jakob, zu. Wir sind doch jetzt vollzählig, nicht wahr?" fragte mich Arezent. Einer mehr, würde nicht schaden l" antwortete ich, und bei stürmischem Wetter könnte er uns sogar verteufelt nützlich sein!" Ohne Zögern gingen wir daran, die Lebcnsmittel einzukaufen und die. La dung Bretter an Bord zu bringen, dl.e wir nach Schottland übelführen sollten. Eines TagcS, als ich in meiner Kabine faß, theilte man mir mit, es wünsche mich Jemand zu sprechen. Ich stieg aus das Deck und fand einen gro ßen, kräftigen Burschen. Als er sich zu mir wandte, cntrin nur Die erwun derung einen leisen Schrei der Ueberraschung. Man denke fim den Korper eines Riesen mit fo;n Kops eines jungen Mädchens. Ein ganz weißes Ge sicht . mit Milchfarbenem Teint, schwarze, bogenförmige Augenbrauen, eine kleine feine Nase, und dazu so sanfte, blaue Augen, daß man förmlich gerührt wurde. .Sind.Sle der Kapitäns fragte er mich. Ich nickte beiahend Mit dem Kopfr, und nun warf er sich mir zu Füßen und flehie mich an, ihn an Bord zu nehmen, weil er verlobt wäre und Geld verdie nen müßte. Aber Du weizzl doch, dan ein ma trosc nicht besonders gut bezahlt wird?" Das thut nichts!" rief er und stürzte mir wieder zu Füßen. Der Bursche gefiel mir. Ra, eS ist gut; bringe Deine PaPiere her; dann werden wir sehen." Cr küßte mir die Hände, verschwand und kehrte eine Stunde später mit seinen Sachen, die er in ein Tuch eingewickelt hatte, an Bord zurück. Aus seinen Papieren ersah ich, daß er erst neunzehn Jahre alt und Waise war. Am nächsten Tage bemerkte ihn Brezent und' fragte mich mit mürrischer Miene : .Was ist denn das für ein Mensch?" Ich erzählte ihm, welchen guten Eindruck der Fremde auf mich gemacht, doch Brczent schüttelte noch immer mit unzufriedener Miene den Kops und sagte: .Du battesk doch selbst erklart, daß wir genügende Bemannung hatten; warum hast Du ihn denn angenommen?" Er gefiel mir!" Das ist möglich; abermir gefällt er durchaus nickt!" versetzte Brezent. Trvydem behielt ich den Mann an Bord. Er war auSdenlNeeprovlnzen hiefc Gottfried Kumb und seine Erschei nung war so sonderbar, daß er sogleich der Sündenbock seiner Kameraden wurde. Er war außerordentlich kräftig, arbei tete tüchtig, aber so zu sagen wider Willen, mit stets trauriger Miene. Zuweilen hielt er in seiner Arbeit inne, und blieb unbeweglich wie ein Statue stehen. Während die Anderen lranlen und scherzten, slano er iieiv c Seite und betrachtete sie mit blöden, stieren Blicken. Dochwenn man ihn hänselte oder 'ihn auch nur ausser sehen anstieß, dann zeigte sein Gesicht sogleich 'einen so boshaften Ausdruck, da er am entstellt aussah und sogar Schrecken einflößen konnte; denn sein hübsches und frisches Mädchengesicht war dann von Wuth und Grimm form lich verzerrt. Wenn ich ihn aber so traurig, starr vor ich liinblickend, in einem AMlei sitzen sah, dann empfand ich inniges Mitleid und fragte ihn in solchen Augenblicken: .Was haft Du denn, Kumb? Warum bist Du denn traurige Er zitterte und antwortete .mit scheuen Blicken: - .Ich will fort fcmma, metve
Braut, ist ganz allein wer weiß, was ans ihr wird wer weiß, ob ich nicht aus dem Meere sterben werde!" Unsinn! Sprich doch nicht solche Dummheiten ! Seit zwanzig Jahren befahre ich die Meere und bin auch noch nicht todt, wie Tu siehst!"
Die Abfahrt des Schiffes war aus den 30. September mit Tagesanbruch festgesetzt. Schon am vorigen Abend hatten wir in der Stadt Lebewohl ge sagt und brachten die Nacht an Bord zu. Unter all' den traurigen Abschiedsfzenen, denen ich in meinem Leben bei' gewohnt, hat keine auf mich einen so liefen Eindruck gemacht, als die Trennung Annas von ihrem Gatten. Halb ohnmächtig h,ng sie an seinem Halse und flehte ihn unter Schluchzen und Thränen an, er möge -sie doch nicht verlassen. Er wollte auf dieses seltsame Berlangen mit einem Sckerze antworten, doch sie weinte nur noch stärker, und wand sich schließlich in einem schrecklichen Krampfansall. Es blieb mir zuletzt nichts weiter übrig,, als ihn an Bord zu bringen, nachdem lch seine Gattin der Obhut ihrer treuen Magd, die bereits seit fünf Jahren in Brezents Diensten stand, anvertraut hatte. .Ach, Michael!" sagte mein Freund zu mir mit trauriger Miene, mrox hätten diese Reise nicht unternehmen sollen. Zum ersten Mal wird es mir so entsetzlich schwer, mich von Anna zu trennen, und ich glaube, es droht mir ein Unglück." Auch ich theilte diese Ansicht : auch mir war düster zu Muthe, aber trotzdem tröstete ich meinen Freund. Wir trafen unsere Vorbereitungen für die Nacht, und während er in die Kabine ging, um zu schlafen, wandte ich mich der Schiffsbrücke zu, um mein Lootsenamt zu versehen. Bald darauf bemerkte ich Kumb, der neben der chiffswlnde sag und Mit düsterer Miene einen Psalm vor sich hinsang. Dieser Anblick stimmte mich, noch trauriger und ich sagte zu ihm in mürnschemTone: Was thust Du da, Kumb? Sei so gut und höre mit Deinem Geplärre auf!" Er stellte das Slngen em und ließ den Kopf auf die Brust sinken. Nun stieg ich in Die Kabine, in der die Be mannung am Ofen saß und mit geheimmßvoller Miene sich. leise unterhielt. 33a3 flüstert Ihr dennda?" rief ich ärgerlich. Wir sprechen von unseren Lieben,' Michael Sergewitsch !" antwortete der Zlmmermann Anton. Warum sprecht Ihr Nicht laut" Es ist uns lieber, unS leise zu unterhalten," versetzte Anton. Ich zuckte die Achseln und ging in meine Kabine. In der Mitte unseres kleinen Fahrzeugs befand sich die gemeinsame Ka jüte, in der die Leute aßen uud schliesen, sosttn sie nicht Wachldienst hatten. Dahinter lag die Vorrathskammer und im Vorderdeck befanden sich neben einander zwei Kabinen, die eine für Brezent, die andere für mich, die mit je einem kleinen, auf die Brücke führen den Fenster versehen waren. Ich laa ln meiner Hangemalte, doch konnte ich nicht schlafen, denn mich quälte ein unerklärlich trauriges Gefühl. Draußm heulte der Wind, und der Regen prasselte wüthend auf das Deck nieder. ' So blieb ich bis zum Sonnenaufgang ; dann stieg ich auf Deck. Kaum hatte ich dasselbe betreten, als Jakob und Iwan auf mich zustürzten und mir mit entseyter Miene zuriefen: Michael Sergewitsch! Kumb hat uns bestohlen und ist an Land geflohen !" ' Nicht möglich!" Nun erschienen auch Christian und Anton, und man erzählte mir, was vorgefallen. Gestern Abend, nachdem Sie die Kabine verlassen hatten, versteckten wir uns, denn wir hörten Jemanden hinund hergehen und in einem Koffer wühlen." ,Wer ist da?' ruft Anton. ,Jch bin'!' erwiderte Kumb, und das Geräusch hörte auf. bis Jakob nach einer Weile ein Trappeln, wie von nackten Füßen vernimmt. ,Jch bin'!' erwiderte Kumb auch ihm, und wir beruhigten uns. Als wir aber heute Morgen unsere Koffer nachsahen, bemerkten wir, daß dieselben aufgebrochen und ausgeranbl waren; Kumb dagegen war verjchwunden." Das Her; war. mir schwer. Dieser sanfte, stille Mensch, der mir so gut gefiel, war also ein Dieb. Ich erzählte Brezent die Geschichte, und zitternd, blaß vor Wuth, rief er, mit den Zähnen knirschend : Ich werde diesen Halunken lehren, was der Dienst bedeutet der Bursche bestiehlt seine Kameraden! Christian, Jakob, schnell an'S Land gerudert ! Setzt die Schaluppe aus und kommt mir ohne ihn nicht wieder an Bord. Vorwärts.!" ' (Schluß folgt) Ans einenLSeribericht. . Die zu Ehren des Herrn Jubilars veranstaltete Festlichkeit nahm einen würdigen und für alle Theile befriedigenden Verlauf. Zum Schluß wurde ein brillantes Feuerwerk abgebrannt, wobei elf Personen, davon zwei lebensgefährlich, verletzt wurden, und das benachbarte Wohnhaus w Flammen aufging."
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K Von Kops zu Fuss. ' A fi 18 lit StKli! tun V A . V S Schmerzen und V '1' iXiMlBltlt V (A airnucu. v A A A A A A A A A A A A A A A V Könnt beute nicht arbeite? Morgen könnt Ihr . Die alte Mönch Kur vy V V V 5 V v V v Kf V V X y St. Jakobs Oel ird tle Muikeln gefchmeidi nhn und. di Schn,,r,e deilkn während Ihr schlaft. Preis 25c und 50c. A W 6S6?5 Aährend der Sommermonate empfehlen wir Ihnen Holz als Brennmaterial. Wir haben 3000 Wagenladungen trockenen Holzeö zu folgenden Preisen : Fabrik Adsalle pro Wagen 2.00 Sägemühlen Holz 92.00 Rinde Holz 92.00 Gespaltenes Holz 02.00 Wir haben ertra große Wagen in genügender Anzahl, um pünktliche Ablieferung zu sichern. HOME FUEL CO. ?neorporirt) 1022 Kentuck!) &)tuut Alt, Main 1150 PhoneS Reu 2853. Wm. Stocif ler Si1fi. 9to 202 Nord Noble Straj. Neues Telepha 2001. KAU STADT BROS. Dampf Lärberei und chemische Reinigung? -Anstalt, Läden : 249-251 Virginia Me. 25 West Ohio Straße. 218 Nord Illinois Straße. 205 Zndiana Ave. Neuer Phone., 2828. Alt, Main, 4762. 2532. Alt, 3883. Merzte. Dr. LEO HERBERT Wiener Nrzt. Haut-, Geschlechts u. Nervenkrankheiten 120 Oft Ohi, trabt-Lter FIoor. Neuek Tel. 4449. Svrechftanden, 9-11, 24. 78 beud. Dr..Paul F. Martin, vrakttscher Arztsund Chirurg. Sprechstunden: I1.V0-1Z.30 .30 4.00 täglich Sonntag? TAuf Verabredung. Willoughby Gebäude,' 111 ord vkerldl Ctr.sc Tel., Main 4414. Wohnung : 1205 Nord RewZJerf, Str. Telephon! Main 869: New 2. Dr. Cärl Q. Winter Deutscher Tkzt. vtya5elt alle akute und'.chronischelIrranrhette Sveziell Rheumatismus, Nectnm und Frauen'ttranlheiten. Office : 14 weft Ohio Straße. Ofsice.Stunden : 10-11 93m. 3-4 N Sonntags : 9.30 10.30 23m. Tel. neu 43. Wohng: 1250 23ftMfn Nvmne Telephone : Alt, 2025. Reu, 9232. Vr. J. A. öutcliffc, Wnnd'ülrzt, O,sültcht5., Urin. nnlHectnn rankhzikn. CQtt 1 155 DJCafttCfc. Tel. S41 CnUtetmsM t tlt ltC3CBa.lt tll 4 H.
