Indiana Tribüne, Volume 29, Number 198, Indianapolis, Marion County, 14 April 1906 — Page 6
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HausKonzcrt. Son Öußaualkt. Wenn Mütterchen cm Flügel fitzt Unb läßt die Finger springen, Wie's Biibchen da die Ohrcn spi.t Und wie die Schwestern singen. Tie Tr-dcl fingt schon frisch nnd rein, Xic Ursel noch nir ?i:üo:?, Änf einmal setzt nein Bildchen ein: Ach, tU2s, NZLN TNüß nur iDUgcn! Trifft rncn ukcht gleich den rechten Ton, Was funtniert das den Sär.gcr, ?en nSchnen nimmt rcern besser schon Unis halt ihn d?sto länger. $ltt dznn einen Kunstgenuß. Wer kann es schöner n:ailen? Nnr lciocr komint ran nicht znm Schluß, Man kaun nicht n-chr vor Lachen. lli eirn mir erst reich tn&. Hon Leonork Jikszen-Deiters. Damals, als sie kn Weißen Schwan" übernahmen, hatte sie gesagt: So! Jetzt wird feste arleitet! Vis wir Geld halen. Ohne C'c!d ist man nir Treck. Aber dann, wenn wir erst reich sind!" Was dann sein würde, sagte sie nicht. Aber wenn sie bei ihren seltenen Ausgängen denn wann kommt einer heraus, der solch einen Betrieb unter sich hat! an den blanken Privathäusern vorbei kamen, mit vornehm geschlofsenen Vorhängen oder seltenen Blumen hinter hellen Scheiben, oder an den eleganten Etagenhäusern der Neusiadt. mit einem Hausmeister ., und einem Aufganz für Herrschaften" in weißem Marmor und rothen Läufern dann flog ein schnelles Lächeln über ihr lebhaftes Gesicht, und sie stieß ihren Mann in die Seite: Du, Heinrich, was? Ja, wenn wir erst Geld haben!" - Oder sie beobachtete die Damen, die am hellen Werktag, ohne es jemals eilig zu haben, in ihren guten, eleganten Kleidern daherschlenderten. wer weiß wohin alles? In eine Visite, oder in die Flora, oder vielleicht gar in den Zoologischen! . Nicht alle Ideale sehen so aus, wie man sich gemeinhin eins vorstellt, und auf keinen Fall halten sie sich alle, klassisch luftig gewandet, im Olymp auf. Gott weiß, was für eine gemischte Gesellschaft entstehen würde, wollte man einmal sämmtlichen Idealen der MenfAfoit tlmn N.ill a?b?n' q?ttks?n Schmitz' Ideal hatte auf dem wohlfrisirten Haupt einen Hut mit mindestens zwei langen Straußenfedern, war der Jahreszeit entsprechend und stets in solidester Eleganz gekleidet (Kleiderstoff 6 bis 7 Mark das Meter, nicht etwa im Rest gekauft), und saß im Vollgefühl pekuniärer Sicherheit auf der Terrasse des Zoologischen Gartens. Es trank Schokolade mit Schlagsahne. aß in aller Ruhe sein Stück Torte, ohne sich jemals beeilen oder auf die Kellner aufpassen zu mikssen und fuhr dann mit der Straßenbahn oder besser noch in einer Droschke seinem Herrschaftlichen Heim zu, denn: Frau Nettchens Ideal war die Frau Rentner Schmih! Einstweilen thronte sie allerdings noch hinter ihrer Theke, die schäumenden Jierkrahnen vor sich: ,S3ier Glas Helles! Drei Dunkle! Ein Schnittchen Leberwurst! Zwei'Kümmel!" Und auf diesem Feldherrnposten gab es durchaus keine Zeit, an Ideale zu denlen; dann war sie von Kopf bis zu den Füßen jeder Zoll die umsichtige, energische Wirthin. Ihre hellen 'Augen blitzten wie Lichter in alle Winkel, ihr: helle Stimme dirigirte das Personal, männliches und weibliches, fast noch nachdrücklicher als der gutmüthige Brummbaß ihres Eheherrn, und ihre unermüdlichen Hände hielten den Küchenschürzen jeden Tag eine Predigt ohne Worte über das Thema: und arbeitet! Hei! War das ein Betrieb! Alleweil alle Tische besetzt! Alleweil Arbeit! Alleweil vorwärts im taktmäßigen Drehen des großen Rades: Tag Nacht, Tag Nacht, Tag Nacht! Und doch fand sich selbst in' diesem Trubel auf Minuten das Ideal, das behäbige mit der vielen Zeit, ein. Nämlich, wenn Frau Nettchen Kasse machte. Und mit jedem Monat, jedem Jahr wurde es sichtbarer, gewissermaßen körperlicher, bis es eines schönen TagS fast leibhaftig vor seinem Ebenbilde im Arbeitsgewande stand und sagte: So! Nun kannst Du getrost die Bude zumachen. Nun bist Du mehr So geschah es denn, daß das Ehe paar Schmitz eines Tages einen Pächter für den Schwan suchte und sich selber, mit gewichtigen Mienen, in die Gegend der Hauser mtt Aufgang für Herrschaften" begab. An Frau Nett$cns Hut nickten die Straußenfedern !n sattem Grasgrün, und ihr auter Heinrich fluchte inwendig über einen viel zu hohen, viel zu steifen Kragen. den ein Ladenfräulein seinem neuen Menschen als unerläßlich verkauft hatte, während er den Hals des Alten auf höchst. unang.nehme Weise kratzte. Nachdem er aber über verschiedene Aus gänge für Herrschckften, durch verschie dene herrschaftliche Etagen mit glattem Parkett, elektrischer Anlage und aUcz Bequemlichkeiten der Neuzeit gewandelt war, hielt er Mlt Fluchen lnne, und als sie sich endlich für eine außerordentlich herrschaftliche Wohnung mm Juaend stil" entschieden hatten, dämmerte ihm. daß 'der Kragen nur ein -höchst schuch ierer Anfang der neuen BequemlichUlt wäre. -H'rau Nettchen hingegen schwelgte.
Man hörte von ihr nichts mehr als dunkle Andeutungen über Portieren. Salongs," Scheselongs" nach der neuesten Nufotee," bis ihr guter Heinrich. zum erstenmal in der bis dahin so glücklich friedvollen Ehe, sehr böse wurde und sagte: Zum Deubel mit Deinem fremden Kram, wann kriegt mer denn nu sein Ruh?" Was ihm einstweilen aber nur einen vorwurfsvollen Blick der Rentiere Schmitz eintrug. Da die Wohnung ganz außerordentlich herrschaftlich wurde, beschloß Frau Nettchen: so ein Mädchen müßte man dazu haben, eins, das im rosa Kleid und weißem Häubchen Einkäufe machen geht. Wie bei Geheimraihs. Was die können, können wir lange! Der gute Heinrich, der den Unterschied ahnte zwischen dem derben Wirthschaftspersonal und diesen zierlichen. schnippischen Dingern, mahnte ab. Und wiederum gab es Streit, diesmal schon mit recht hitzigen Worten von beiden Seiten, der aber mit einem Siez auf der weiblichen Seite endigte. Trotzdem war es Frau Nettchen selbst nicht wohl, als die frisch von der Vermietherin bezogene Kleine in Rosa beim feierlichen Einzug beständig um sie herumschwänzelte: Gnädige Frau!" hier, gnädige Frau!" dort. Befehlen gnä' Frau noch etwas? Wie sazten gnä' Frau? Bei Generals machten wir das immer so, gnä'Frau!" Generals waren die Glanzstelle der kleinen Rosafarbenen. Sie machte alles wie bei Generals, servirte wie bei
Generals, putzte wie bei Generals und hatte für ihre Herrschaft und deren Freunde jedesmal einen mitleidig vorwurfsvollen Blick, wenn sie sich nicht immer dazu benahmen wie Generals. Sie war ihrer Ansicht nach die einzige, die in diesen Haushalt paßte, und setzte Frau Nettchen jedesmal wieder in Staunen durch die Ruhe, mit der sie die neuen, theuren Sammtportieren. das Parkett, die Teppiche, die Krönleuchter' völlig selbstverständlich nahm, während doch Frau Nettchen selbst sich immer noch etwas fremd und im stillen ungemüthlich fühlte und der gute Heinrich die Stiefel in d:r Küche auszog und in grauen Socken durch den Salon ging. Frau Nettchen tröstete nur der eine Gedanke: die dumme Person bezahlt's nicht: die weiß nicht. wie theuer das alles ist! Und sie suchte sich Mit der großern Beweglichkeit der Frauennatur einzureden, es wäre kurzwellig, sich in einem eleganten Zimmer zum Stillsitzen zu zwingen ohne Zweck, ohne in aller Gotteswelt etwas zu thun u haben, und sich von einem arroganten rosafarbenen Ding bedienen zu lassen, das zu allem so ein mitleidiges Gesicht machte und schwerer zu Handhaben war als zwei Dutzend Kellnerburschen und Scheuerweiber zusammen genommen. Der gute Heinrich hingegen fühlte sich einfach kreuzunglücklich. Du lieber Herrgott! Erstens hatte man nichts zu thun. Zweitens, wo war denn nun all die berühmte Bequemlichkeit, für die man immer gearbeitet hatte? Ist das bequem, wenn einer immer im Kragen 'rumlaufen muß? Wenn man nicht in Hemdsärmeln essen soll, weil Generals nicht in Hemdsärmeln zu speisen pflegten? Kuckuck zu! Lange Pfeife soll man auch nicht mehr rauchen, weil sonst diese muscheligen Gardinen braun würden! Was war nun dieser ganze herrschaftliche Brasse! gegen sein altes Kanapee im Hinterstubchen der Wirthschaft, wo man sich's in Hemd und Hosen bequem machte, ohne so ein rosa Mädchen, das einen schnippisch fragte: Soll ich Herrn Schmitz den Schlafrock holen?" Und er, der sonst mit seinem lieben Nettchen stets in lachendster Eintracht das oft so eilige Mahl verzehrt hatte, wurde grantig und brummig, knurrte über das Essen. knurrte über die Langeweile, knurrte solange, bis die Rentiere aus der Rolle fiel und ihn sehr derb anfuhr. Trotzdem war s i t noch immer in rosiger Hoffnungsstimmung: am Ersten nahmen sie ein Abonnement 'im Zoologischen! Und sie malte ihm aus. wie nett das wäre, dahin zu gehen, auf der Terrasse zu sitzen und Schoko lade " m'n Kümmel is mir lie ber!" sagte der gute Heinrich Schokolaoe zu trmlen, wahrend man so ein schönes Militär-Konzert hörte! Jeden Nachmittag würden sie hingehen ja! Aber der gute Heinrich schwieg. Und nachdem er an sieben verschiedenen-Ta-gen die Affen bewundert, den braunen Bären mit Zucker gefüttert und dann zwei Stunden bei Militärmusik stillgesessen -hatte, inmitten einer Schaar von kaffeetrinkenden Damen, fragte er höhnisch, wo denn nun dabei das Amüsement bliebe? Frau Nettchen fand im Heimen Qinkel ihres Herzens die Sache auf die Dauer nicht so kurzweilig, wie sie sich oas immer geoacyt hatte. Äder. wenn man etwas iahrelana gepriesen hat. kippt man nicht so plötzlich seine Meinung um. Sie beherrschte sich, vollc kommen ladlike.- aber als sie daheim waren, fuhr sie los: Das wäre denn doch zu arg! Gar keine feine Lebensart hatte er! Muß einer denn immer gleich gröhlen, um Spaß zu haben? Gott, so'n Mann! Wozu war man denn NUN Rentier, wenn er sich nicht dazu benehmen konnte? In 'ner Spelunke war ihm wahrscheinlich wohler ja, das war es Der gute Heinrich drehte sich auf dem Absatz um. Na gehen wir also' in 'ne Spelunke!" Und hinaus war er.
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Ein müdes oder mattes Gefühl ist ein Zeichen von schwacher Lebenskraft, nnd dies ist bei Frauen fast immer dem schwächenden Einfluß weiblicher Leiden zuzuschreiben. Wenn die Menstrual-Funktionen gestört' sind, werden die Nerven zur Hülfe herangezogen und die Nerven folgen dem Ruf, indem sie den schwachen Theilen alle ihnen mögliche Blut- und Lebenskraft verleihen. Naturlich schwächt dies den übrigen Körper. Natürlich fühlen Sie müde und schwach. Natürlich brauchen Sie anderweitige Hülfe um Ihre Kraft aufrecht zu erhalten und Sie gesund zu machen.- Diese nothwendige Hülfe erhalten Sie durch Cardui, das reine, alte, zuverläßige, wissenschaftliche Heilmittel für kranke Frauen. Für Müdiqkeit, Schwäche, unregelmäßige Menstrnation, monatliche Schmerzen, niederziehende Gefühle, entkräftende Flüsse und alle weiblichen Leiden ist es eine sichere Cur
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iLtnn. HSl uj. 1 , Jflk yiL' er kam auch nicht wieder. Frau Nettchen konnte keinen Bissen vom Abendbrot hinunterwürgen. Das sine ja an, fchön zu werden! So was wai früher nie vorgekommen! Nie hatte si: was mit ihrem guten Mann gehabt, und nun! Sie weinte herzbrechend. Aber ihi lieber Heinrich kam jnchi. Gegen scckü in der Frühe endlich torkelte er herein, vollständig betrunken. Da war sie schrecklich böse und nahm sich vor: ,,(Äut! I ch weiß, waZ man seiner Stellung schuldig ist! Mag er tbun und lassen, was er xoW Und sie ging von da ab allein in'5 Militärkonzert und strengte sich zwei Stunden lang an, ein interessantes Gesicht zu machen, Bekanntschaften mit andern Damen zu schließen, über die Tagesneuigkeiten mit ihnen zu xtbzn, Wahrend ihr doch immer wieder einfiel: Wozu sitzen wir nun eigcntlicb hier? Warum bin ich jetzt nicht bei meinem Heinrich?" Kam sie dann heim, dann war es diesem Guten in der . großen feinen Wohnung zu still und zu öde geworden und er hatte sich verkrümelt. waZ die kleine Rosafarbene gewissenhaft unterstrich: Herr Schmitz sind wieder ausgegangen, gnädige Frau!" Das hnjj soviel wie: Herr Schmitz werden heute Abend wieder betrunken nach Hause kommen!" : Nein, das ging nicht so weiter! Eines Tages erklärte Frau Nettchen. sie würde das Opfer bringen" und, auf das Nachmittagskonzert verzichten und bei ihm zu Hause bleiben. Der gute Heinrich nahm das Opfer nur widerwilliq an, aber er mußte. Von nun an saßen sie oft stundenlang, lasen die Zeitung und langweilten sich fürchterlich. Jedesmal, wenn es klingelte, athmeten sie erleichtert auf: vielleicht war's Besuch! Aber meistens war es kein Besuch: meistens waren es Agenten, die Häuser höchst preiswerth! anboten, oder Bittsteller, oder Versicherungsbeamte, weiß der liebe Gott, was. Es 'gibt eine Menge Leute. die gewissermaßen Buch darüber fllhren, welche Menschen ihr Geschäft drangeben, um von ihren Renten zu leben. Sie kommen mit Formularen und großer Beredsamkeit und haben gewöhnlich' irgendeinen Wisch zur Hand, den man formhalber unterschreiben soll. In frühern Zeiten hätte Herr Schmitz folche Leute mit einem kurzen: Hab' keine Zeit!" abgeschoden. Aber nun, da diese Ausredie in Wahrheit nicht mehr bestand, fiel er zuweilen auf sie herein, schrieb auch, um ein paar der Zudringlichsten wieder los zu werden, formhalber feinen Namen auf einige der vorgelegten Wische. Die Folge war, daß er sich eines' Tages in einen aronen Prozeß mit einer Ver sicherungsgcsellschaft verwickelt fah, die auf Grund seiner Unterschrift Gott weiß was von ihm haben wollte. Nun war aber der eheliche und sonstige Frieden völlig gestört. Frau Nettchen tobte: So eine. Gemeinheit! So eine Gemeinheit!" Und der aute Heinrich ging ihremZorn so andauernd aus dem Weae, aß er kaum mehr zu den Mahlzeiten heim kam. Ach. wie .war früher ihr Lebenshimmel so lachend blau gewesen, und nun war er dicht zugedeckt von grauen Wolken! Ein regelrechtes Unwetter zog auf. und eines Taaes entlud es sich mit Don ner, Blitz und Regengüssen. Die ersten drohenden Donner grollten, an ' dem Tage, als der Renner Schmitz m sei nem Prozeß gegen die Versicherungs leute verurtheilt worden war. Kurz darauf saß die Rentiere seufzend in ihre.n Wohnzimmer und dachte darüber nach, wie es früher so lustig gewesen und wie es jetzt so trübselig und einsam und langweilig war, wahrend der gute Heinrich im Löwen saß und seinem Freunde Jupp zuschwor: Er bezahle die Versicherung nicht, und wenn er personlich zum Kaiser gehen müßte, um sem Recht zu rnegen! In zwischen hatte sich leider schon eine weniger hochstehende Persönlichkeit mi der Sache befaßt, nämlich der Gerichtsvollzieher. Er schreckte Frau Nettchen aus ihrem betrübten Sinnen
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WINE OF tbeilen Sie Wir senden iL mil oer Bemerkung auf.' er sei beauftrazt. Zu pfänden, falls sie nicht noch vorwöge zu zahlen. Frau Nettchen war sprachlos. ..Pfänden? Sie? Die Frau Rentner Schmitz? Pfänden, so eine Schande! Nein. nein, tausendmal nein! Hier lourde nicht acpfändet verstanden?" Aber der Mann d:s Gesetzes blieb hartnäckiq sei seiner Forderung. Und als die schwer Gekränkte einsah, daß nichts ?egen ihn auszurichten war. wandte ste tm ken Rücken und rauschte auf ihren Geldschrank zu, in der Absicht, diesem abscheulichen Menschen mit königlicher Verachtung sein Geld vor die Füße zu werfen. Aber o web! Diesmal hatte sie veraessen, daß sie nicht mehr die Schwanenwirthin war) mit dem flotten Betrieb und der stets gefüllten Kasse. Die Rentiere bezog nur ihre Zinsen, bezog sie in vierteljährlichen Raten und es war der 29. des dritten Monats, oder, um es kurz zu sagen: das mif königlicher Ver achtung hinzuwerfende Geld war nicht da. Hierauf verzierte der Gerichtsvollzieher einige Möbelstücke mit hübschen bunten Marken und ging davon. Als der gute Heinrich zum Essen heimkam, fand er Frau Nettchen m., dumpfer Verzweiflung, bereit,- diese Demüthigung Nicht zu überleben und nur noch zweifelhaft rn betreff der Tooesart. Da er sich selbst fürchterlich äraerte und außerdem einen Kleinen sitzen hatte, fand er kein besseres Beruhigunasmittel, als sie anzuschreien. Das belebte ihre Lebensgeister wieder. Ausschimpfen ließ sie sich nicht, , und sie schrie noch lauter. Ein Wort gab das andere, und schließlich gab es ein Getöse, das die kleine Rosafarbene aus der Küche an's Schlüsselloch lockte. Der ganze aufgesammelte Unmuth dieser beiden sonst so gutartigen Menschen entlud sich gegeneinander. Zuletzt sammelte Frau Nettchen ihre ganze Kraft in der Beschuldigung: Und Du bist schuld an allem! Du bist schuld, daß wir aus dem Meißen Schwan' gegangen sind!" Einen Augenblick trat Stille im Sturme ein. Heinrich Schmitz war zu verblüfft: Was? Er hätte da fortgewollt? Er, der nie einen Ton davon gesagt hatte? Aber genau wie bei einem richtigen Sturme brach nach dieser Stille erst die richtige Wuth los: Ich? Du warst es. Du! Du, weil Du all den Klimbim hier haben mußtest! Weil es Dir da nicht fein genug war. im .Weißen Schwan!' Und jetzt sollst Du mich mal kennen lernen! Jetzt sollst Du mal sehen, was ich mir aus all dem Kram hier mache! Da! Und da! Und da! Da! Da!" Und bei jedem da!" flog irgend etwas auf die Erde: eine Vase, ein Stuhl, Nipp fachen alles auf einen Haufen. Als Frau Nettchen ihren guten Heinrich so toben sah, verlor sie die Fassung. Bitterlich weinend sank sie auf das Kanapee. Und ihre Thränen strömten wie erlösende Regenfluthen in das Donnerwetter. Der gute Heinrich hielt inne und schämte sich. Das konnte er nicht sehen. Sein Nettchen, so in Thränen! Das war früher nie vorgekommen! Ueberhaupt, früher, als sie noch im Schwan waren Er hielt inne' und verschnaufte. Dann näherte er sich lanasam dem Sofa. Nach einer Schluchzpause klang es zögernd: Nettchen!" , Sie schluchzte weiter, aeradezu herz brechend. Nach einer' Weile, klang es wieder: Nettchen! Hör' mal, Nejtchen!" Aber Nettchen schluchzte weiter. Er legte die ' Hand vorsichtig auf ihre Schulter; sie stieß ihn unwirsch zurück. . .t Lange war es ganz still; man hörte iliqrs ais schluchzen und gelegen: liches Schneuzen. Dann sagte er plotz lich entschlösset;: Hör' mal, Nettchen Sollen wir den Meißen Schwan' wie der selber nehmen?" Frau Nettchen schnellte herum wie em Aal ,n der Pfanne. Endlich, end lich war das erlösende Wort gefal len! - - Und es hätte von Rechts wegen ein Regenbogen über ..dem- Sofa stehen
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O st mapmmn IMJlUil müssen, aus dem die beiden in liebevoller Umschlingung beriethen, wie sie den Pächter des Schwan" los werden könnten, und mit ihm die Herrschaftliche Etage, das herrschaftliche Zweitmädchen und die herrschaftliche Langeweile! Der Pächter that es nicht unter einem erklecklichen Schadenersatz. Herr Heinrich und Frau Nettchen zahlten die stattliche Summe mit Gesichtern, als ob sie noch etwas geschenkt bekamen. Nun thront die Frau Wirthin wie.der hinter ihrer alten Theke; ihre Augen blitzen wie Lichter in alle Winkel und über die blanken Tische. Und wenn der gute Heinrich einmal von seinen Fässern herein kommt, küssen sie sich hinter dem Buffetaussatz wie ein Liebespärchen vor lauter Vergnügen am Dasein! I Das theuerste Buch. Unter den Schätzen, welche der vatikanische Palast in sich schließt, befindet sich ein uraltes Buch. Ein Manuskript ist's, welches wohl, viele Jahrhunderte, bevor die Druckkunst erfunden ward, von der Hand gelehrter Schriftkünstler gefertigt ward, eme Bibel Mit hebraischen Charakteren und von kolossalem Formate, denn mit seinen massigen Einbanddeckeln wiegt es nahezu 3 Centner. Dieses heilige Buch ward zu Anfang des 16. Jahrhunderts seitens der israelitischen Bevölkerung Roms als hohes Heiligthum verehrt, und um 1512, also im Aahre des lateranischen Konzils, vereinigten sich die Notabeln des Ghetto der ewigen Stadt, sowie Jsraeliten aus anderen italienischen Landen, um den Papst zur Ueberlassung jenes Werkes zu bewegen. Damals trug Papst Julius II. die Tiara. Dieser Kirchenfurst hörte die Bitte gütig an, wie er auch das Angebot entgegennahm, welches zenes Notabelnsyndikat machte: das Bibelmanuskript mit Gold aufzuwiegen. Das würde in runder Summe nach unserem heutigen Gelde fast Z500.000 ausgemacht haben. Aber Julius II. überlegte und widerstand schließlich der Versuchung, und so blieb das werthvolle Buch, wohl das theuerste oeö Universums, der Bibliothek des Vatikans erhalten. Gkdänkensplittkr. ' Gerode was man gedankenlos begeht, ent schuldigt man mit: .Ich hab' gedacht! Eine Frau, die ihrem Manne in allem über sein will, kriegt er bald über! Man muß eine Nuß mit der anderer, knacken. Wenn gewissen Leuten der Boden unt?r den Füßen zu heiß wird, bekommen sie .kalte Beine. Manche Frau verräth ihr Älter nur dadurch, daß sie sich zu verjüngen strebt. Der Zng des HerzenS ist oft t: Gäier ug. T$t&?Zä neg-i rcrr Mit fünf Jahren ZuchtHaus muß der Bergmann Johannes Andreas Stütz aus Kieselbach den unrechtmäßigen Erwerb von 30 Pfennig büßen. Er hatte auf der vielbegangenen Touristen-Straße zwischen Altenstein und Ruhla einen siebenjährigen Jungen überfallen und ihm 30 Pfennige fammt einem Revolver abgenommen. Der' sechsjährige Bruder des Ueberfallenen, ' der einen Betrag von 3 Mark mit sich führte, entkam. Wegen Straßenraubes hatbe Stütz sich vor dem Schwurgericht zu verantworten, daö ihn, zu fünf Jahren Zucht Haus verurtheilte. . Attacki rte d e n S t a a t s -an w a lt. In einem München Gerichtssaale warf ein Einbrecher, nachdem der Staatsanwalt, fünf Jahre Zuchthaus gegen ihn beantragt hatte, einen auf dem Gerichtstisch als BeWelsgegenstand liegenden Hammer nach dem Staatsanwalt. Der Hammer streifte den Staatsanwalt, und es wuroe der Attentäter deswegen zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt. Wegen oes Einbruchs wurde, gemäß dem Antrage des Staätsanwalts, außndem noch auf fünf Jahre Zuchthaus gegen ihn erkannt.
Ich habe Wine of Cardni von solchem Nuben für mich gefunden," schreitt Frau Leota Forte von Toledo, Jll., daß ich mit dem Gebrauch fortfah. ren werde. Ich kann Ihre Medizin nicht genug loben."
Der Frauen Heilmittel bei Schmerzen T Schweizerische Milttarreorganlsation. Der schweizerische Bundcsrath hat eine an die Bundesversammlung ge richtete Botschaft betreffend den Ent Wurf einer neuen Militärorganijation veröffentlicht. Danach wird an der Gliederung der schweizerischen Ar. mee nichts geändert in der Meinung, daß es den Beschlüssen der BundesVersammlung vorbehalten bleibt. Vlen dcrungen vorzunehmen. Die Bildung besonderer Gebirgstruppen, die auö Gebirgsgegenden rckrutirt werden sollen, ist in Aussicht genommen. Die körperliche Ausbildung der iungen Mannschaften nach dem .Schulaustritt bis zum Beginn der Webrvflicht sowie ;v.- cx. -r r v Z je! r. .... u)re nuvoitvung nu oujiefjcii vji uci Dienstzeit sollen vom Staat nach Kräften gefördert werden, vor alleni durch finanzielle Beihilfen. Diese Vorbereitung für den Militärdienst ist eine freiwillige: die vielfach verlangte obligatorische Festlegung derselben hat man fallen lassen. Die Dauer der Rekrutcnschule beträgt für die Koval. lcrie 90 Tage, bei den anderen Was. fen 70. Die Wicderholungskurse, die jährlich abgehalten werden, dauern 1.1 Tage. Im Auszuge, der die 0fth gänge vom 20. bis 32. Lebensjahr umfaßt, haben die Mannschaften sieben Wiederholungskurse durchzuma chen, in der Landwehr, zu der die wei tttcn Jahrgänge bis zum 40. Lebens jabr gehören, einen. Die Schieß Pflicht, das heißt die Absolvirung verschiedener Schießübungen, ist ton allen gewchrtragendcn Mannschaften jedes Jahr zu erfüllen. Die Trup. pencinheiten der Artillerie qchen sämmtlich an den Bund über, wäh rend die Infanterie wie bisher kanto nal bleibt. Die Tendenz des Entwur. fes geht dahin, die Llbleistiing des Mi litärdienstes mehr auf die jüngeren Lebensjahre zu konzentriren und gleichzeitig eineVcrbesscrung der Ausbildung ZU erzielen, ohne die Zahl der Ticnsttage zu vermehren. Die Wittwe des Reichstagsabgeordneten Geheimen Kommer. zienraths Siegle, hat zum Gcdächtivß ihres Gatten für die Beamten und Arbeiter ihrer Fabriken in Stuttgart i,d irblck 400.000 Mark acstif. tet. Von dieser Summe soll ein Theil zu Geschenken an die Arbeiter und die 9 her Nest für die Arbeiter untersiützungskasse verwendet werden. k?Zn kürlick in Tanger eingetroffcncr fanatischer Schcrif hiel: in der großen Moschee Predigten a . - ... . c r rtt - gen die lihrwen uno rnc sremoen sandtschaften. Die marokkanischen Behörden, die auf diese Propaganda aufmerksam wurden, befahlen dem Scherif, damit aufzuhören. Dieses Verbot rief unter den Marokkanern eine solche Erregung hervor, daß sich der Gouverneur genöthigt sah, den Befehl zurückzuziehen. SnskaN. ;Ja, ich verstehe mich auf daö Ge damenlefen. Zum Beispiel weiß ich ganz genau, was der Herr, der -uns oort entgegenkommt, jetzt denkt .So, so!... Wieviel kriegt er denn von Dir?" v ' - .
