Indiana Tribüne, Volume 29, Number 191, Indianapolis, Marion County, 6 April 1906 — Page 5

Jndkcma Tribüne, April wog

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Eine Pscise Eaüak Episode aus der Hcidclbcrgcr Univrr-sitatsgcschichte.

Von A. ZZkrthold. Nun edji?. Heidelberg! - - Bist 'ne rechte LtZJtohcrüerz', - ' Ist flau still. - - i?cun man will . Swzen die ganze Nacht. ". Nnn Odje, du werthe Stadt, 2Seil es Luegcreamt hat. Mit dem arableu (?eh ich nach der 5ee, Venn ich komm vom groszen FaZz.So sängen spottend die Handwcr!?burschtn von der Universitätsstadt HcidelbeiI noch im Jah:e 1802. Die für pfälzische Nnivcrsität war in den legten Qaln.en dcS. 18. Jahrhunoerts immer mehr heruntergekommen. Wenige alte, unbedeutende Profcsscren lehrten noch hier, und wenige philiströse Studenten bereiteten sich hier in Stille und Einfermigkcit auf ein Aemtchen cci. Kein fremder Student sctc seinen Fuß nach dem verrufenen Heidelberg. Da kam die Stadt 1803 an Vaden, und der damalige Kurfürst Karl Friedrich beschloß, die altberühmte Univcr sität wieder zu Glan; und Ansehen zu bringen. Tie vorzüglichsten Professoren, insbesondere für die Ncchlswis senschaften, berief er aus allen Theilen Deutschland?, neue Gesetze gab er nad langen Berathungen mit Fachmännern der neudcgründeten Universität, und der Erfolg blieb nicht aus. Bald ström teil aus Osten und Westen die Söhne der angesehensten Familien nach der schönen Ncckarstadt, und in kaum einem Jahre war sie wieder eine blühende Universität, deren Nus sich immer wei ter verbreitete. Das damalige Heidelberg war eine verhältvißmäßig kleine Stadt. Sie reichte von dem zu Ehren Herzog Kar! Theodors erbauten Prunkthore im Osten bis zum Mittelthor. Dieses letzlere erhob sich, wo die Hauptstraße von Osten auf den jetzigen ÜudiuigS platz mündet, als ein massiver, ziemlich hoher Thurm, oben von einer lerie umgeben und von einem ZopfHelm gekrönt. In gleicher l'inie mit dem Mittelthor lag an dem genannten Platz, der damals der Paradexlay hieß, die Universität, daö noch jetzt stehend?, am Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Gebäude. An derNordscite d:e seö mit Aäumen .bestandenen Platzes, zwischen .der Marstzllstraße- und dem Mittelthor, befand sich die mit Ketten abgesperrte stattliche Hanptwache. Vom Parade'pla 'nach Westen bis zum Ä?!ann heimer Thok'.dehntc sich die lange und schmale Vorstadt aus, die bezüglich der Ordnung und nächtlichen Nuhe keines sonderlichen NufeS genoß. Luftiger freilich un. etwas schöner gebaut war sie, als daö alte Heidelberg, in dessen engem Häuser-und Gäßchengewirr noch daö alte Gebäude des vormaligen KarmeliterttofterS nahe am Karlsthor und die Ruinen des Jranziökanerklosters auf dem jetzigen Karlsvlatze standen. ES war an einem Julimorgen des Jahres 1804. Ein Student im Schnürrock, mit hohen Kanonenstieseln an den Füßen, schritt den Fußweg empor, der sich nach dem chlon um den ehemaligcn Thiergarten oder Friesenberg hinzieht. Er stand in der Mitte der Zwanziger und trug seine braunen Haare in Locken, die fast bis auf die Schultern reichten. Ein brauner, fräs tiger Schnurrbart zierte sein Geslcht. Emanuel v. Fürth, der Sohn eines badiscken Konsistorialrathes aus Karlsruhe, war wirklich ein schöncr Mann, von imposanter Gestalt, und manches Heidelberger Mädchen hatte ihm schon ttthlwollcnd nachgeblickt, wenn er mit einem seiner Freunde Arm in Arm durch die Gassen schritt. Fast stets sah man ihn Arm in Arm mit dem Kurländer Grafen v. Äassewitz, einem Necken, der durch seine lustigen, oft auch etwas überumthigen Streiche bekannt war. Beide gehörten dem Orden der Konstantistcn an, der schweigend geduldet wurde, trondcm der Großherzog ihn ver boten halte. Heute war Emar.uel v. Fürth allein. Wo befand sich sein unzertrennlicher Begleiter, Graf Basscwitz? Nun, eö gibt Gelegenheiten, bei denen man Zeugen nicht wünscht. Als Emanuel um eine Ecke des Fußwegcö bog, sah er auf einer Bank ein Mädchen von vielleicht achtzehn Jahren sitzen: Elisabeth, die Nichte des Universitätssyndikus v. Kleudgen. Diese Dame war durch die Stellung ihres Oheims eine Respektsperson für alle Studenten. Wir müssen nun leider mittheilen, daß Emanuel v. Fürth seinen Respekt gegen die junge Dame auf eine etwas sonderbare Weise zeigte, mit welcher nicht alle Personen, besonders nicht filtere, würdige Tomen, einverstanden gewesen wären. Als er Elisabeth erblickte, verklärte sich sein Gesicht, er schwenkte seine bunte Koppe, sah sich prüfend nach allen Seiten um, trat an die junge Dame, die von ihrem Playe ' aufgestanden war, heran, und schlag sie ohne Weiteres in feine Arme. Ja er hatte sogar die Dreistigkeit, den rothen Mund des Mädchens verschiedene Male zu küssen. Elisabeth wehrte sich, so gut sie tau, indem sie den Studenten . wieder küßte Dann setzten sie sich Hand in Hand auf die Bank nieder und flüsterten einander Liebes- und Scherzworte zu und bauten Luftschlösser für die Zukunft. Emanuel sollte im nachsten Jahre sein Staatsexamen ablegen,

und dann in die Berwaltungskarrlere eintreten. Bei den Verbindungen, die er durch seinen Vater hatte, konnte es nicht fehlen, daß er in spätestens drei Jahren nach dem Eramen eine sichere Anstellung hatte, und dann hinderte t i o rirr. t.it . k

ran nicmo mear, lizaociy aio einc, Gattin heimzuführen. . Vier Jahre sind zwar eine lange Zeit, aber ieb?.nde rechnen da ireist nicht so genau. Unten auf dem Kirchthurm schlug eS neun Uhr, und der Schall drang durch die Morgenluft bis zu dem Platze der beiden Liebenden. Elisabeth erhob sich erschrocken. Ich muß nach Hause," erklärte sie, man wird mich vermissen." ES folate dann noch ein schneller Abschied, darauf entfernte sich Elisabeth eilig, und Emanuel sah hinter einem Busch verborgen lange nach, bis ihre schlanke, anmuthige Gestalt bergabwärts zwischen den grünenden Büschen verschwand. Er saß dann noch eine halbe Stunde allein aus' der Bank und zeichnete mit einem aufgegriffenen Stück eines AestchenS den Buchstaben E in den verschiedensten Formen in den Erdboden vcr der Bank, ehe er aufstand und ebenfalls zur Stadt hinunterging. Als er außer Sicht war, kam von dem oberhalb der Bank gelegenen Theil des Berges ein Offizier heruntergestiegen: der Dragonerlieutenant v. Schilling. Heidelberg hatte nämlich damals eine Garnison von hundert Dragonern mit drei Offizieren, von denen einer der soeben Genannte war. Ersetzte sich auf derselben Bank nieder, auf der kurz vorher die Liebenden gesessen hatten, und brummte, ingrimmig die Arme über der Brust kreuzend: Also deshalb, läßt das stolze Fräulein einen Offizier vergeblich schmachten? Ein 'Student wird vorgezogen, und ich ösel mache dem dummen Mädchen seit Monaten den Hof. Allerdings sie hat mich immer abgewiesen, aber ich hier! das nur für Koketterie. Ich meinte, die Festung wollte sich nicht so rasch ergeben,' um sich dadurch um so werthvoller zu machen. Nun ist es heraus! Teufel noch einmal, welche Uebung das Pärchen schon im Küssen hat. Zehntausend Teufel und. die Pestilenz sollen da dreinschlagen! Ist es nicht ein Skandal.'daß ein solttzes Studentenbübchen einem Offizier vorgezogen wird, einem . Dragonerojfjzier noch dazu?" ",.J!:'t Lieutenant, v. Schilling stieß dann noch einige srldatrsch'e-'Kernüchc aus und trat in lMsl'übltt Laune tbensalls den Weg nach der Stadt an.0. i , A ' TaS Tragouerkommando in Heidelberg besegle natürlich auch die Hauptwache neben dem Mittellhor, bei welcher die Hauptverkelzrestraße der Stadt vorüberführtc. Es war damals Gesetz, daß kein Eivilist, derlei dem Wachtposten der Hauptwache vorüberging, rauchen durfte. Die Dragoner selbst kümmerten sich aber um dieses Verbot nicht, sie qualmten vor der Hauptwache ganz tüchtig auö ihren Thonpfeifen, und selbst der Wachtposten rauchte hin und wieder. Das beförderte bei den Civilisten die Ansicht, daß daö Rauchverbot nicht so streng gemeint sei, und besonders die Studenten nahmen ihre langen Pfeifen nicht aus dem Munde, wenn sie die Wache passirten. Es war weacn dieser Kleiniakcit schon öfters zu Reibereien zwischen der. achtpoiten und den Studenten aekom men, indeß ' wurde .nichts Ernstes daraus. Aus die Beschwerde des Militärs trat der Prorektor Schnappinger stets vermittelnd ein. Am 12. JuU 1804, Abends gegen sechs Uhr, nahten sich zwei Studenten, welche nach dem benachbarten Wirtbshaus zum Ochsen" gehen wollten, der Wache. ES waren Gras v. Bassewitz und Emanuel Fürtb. Lieutenant v. Schilling, der sich auf der Wache befand, hatte die beiden Studenten von Weitem kommen sehen, dem Wacht Posten rasch einige Instruktionen ae geben und war dann in die Wache hineingegangen. Emanuel v. ' Fürth rauchte nicht, Graf Bassewitz trug eine kalte ThonPfeife in seiner Rechten. Schon auf zehn Schritte schrie der Wachtposten den Studenten zu: .Die Pfeife aus dem Maul !" (Der Vorgang ist historisch.) Da Graf Bassewitz nicht rauchte und die kalte wut in der and trua. be achtete er diesen Zuruf nicht, sondern glNg Arm IN Arm mit Emanuel weiter. Hm nächsten Auaenklick kam d Wachtposten herzugelausen und erklärte die velden Studenten für verhaftet. Als die Beiden dagegen protestirten, da sie nicht das Geringste gethan hatten, was eine solche Maßregel bedinge, kamen mehrere andere Dragoner hinzugelaufen und brachten die beiden Stu denten mit Gewalt in die Wachtstube, wo Lieutenant v. Schilling sie mit höhnischem Lächeln empsing. Der Wachtposten und die anderen Dragoncr meldeten, die Studenten hätten geraucht und, als sie trretir wurden, die Soldaten gröblich insultirt. Lieutenant v. Schilling lächelte noch immer höhnisch. Emanuel und Graf v. Bassewitz' erhoben energisch Protest und erklärtem, nicht die geringste Beleidigung der Soldaten begangen zu haben. Lieutenant v. Schilling fragte die beiden Studenten nach ihren Namen, machte sich über ihre Angaben Notizen und entließ dann den Grafen v. Bassewitz ohne Weiteres, Emanuel v. Fürth mußte zurückbleiben.

.Weshalb bleibe . ich in Haft?' fragte dieser mit Recht sehr erstaunt. Wegen Beleidigung des Militärs ! entgegnete kurz der Lieutenant. Ich habe daö Militär nicht belcidigt, und selbst wenn ich schuldig, wäre,

dürfen Sie mich nicht in toast behalten, sondern haben mich an den akademischen Senat auszuliefern, dessen Gcrichtöbarkeit ich unterworfen bin!" Maul halten! Das machen wir, wic wir wollen! entgegnete grob der Offizier. Tann befahl er. den Studenten in eine Arrestantenzelle zu stecken. Schilling hatte seinen Nebenbuhler ieei in der Hand und wollte sein Müthche an ihm kühlen. Er setzte sich hin, um eine schwere Anklage gegen den Studenten zu schreiden. Er richtete seine Meldung direkt an den Kurfürsten, beschwerte sich darüber, daß daö Militär best", digen Verationen und Insulten von leiten der Studentenschaft ausgesetzt sei, daß der akademische Senat gar nichts gegen die Studenten thue, vielmehr bei allen Streitigkeiten mit dem Militär in ungerechtester Weise für sie Partei ergreife. Ter schlimmste aller Studenten sei ein gewisser Emanuel v. Fürth, von dem man genau wisse, daß er der Senior eines geheimen und höchst gesährlichen Ordens, der Konstanlia sei, und so weiter. Lieutenant v. Schilling war eben durch die Eifersucht blind geworden und halte nur ein Ziel im Auge, nämlich dem Nebenbuhler so viel wie möglich zu schaden. Dieser saß aber auch nicht ruhig in seiner Zelle. Sein jugendliches Blut empörte sich gegen die Ungerechtigkeit, die an ihm begangen wurde.' Er begann zu schreien, man solle ihn herauslassen, und als die Dragoner, welche fühlten, daß sie. sich dadurch iyrem Offizier ge fällig zeigten, ihn durch die Thür hindurch verhöhnten und beschimpften, begann er in feiner. Zelle zu toben und mit den Stiefelabsätzen an die Thür zu' schlagen, bis auch Lieutenant v. Schilling den Skandal hörte. Das verjctztoihn in neueWuth, und gleichzeitig schien ihm der Augenblick gekommen, in dem er den Gegner wenigstens gesellschaftlich vernichten konnte. Man lebte damals in einer Zeit der Gewaltthätigkeit, und besondcrs das Milit war stets zu rohen Uebergrisfen gegen die Bürger geneigt, da dieselben in den meisten Fällen ungestraft blieben. Lieutenant v. Schilling befahl, die Bank herbeizuschaffen, auf welcher die Prügelstrafe an den Soldaten vollzogen wurde, ebenso die nöthigen Nohrstöcke. Dann wurde die Zelle Cmanuels geöffnet, und als der Arrestant halbrasend vor Wuth herausfuhr, ließ ihn Schilling festhalten und theilte ihm mit, daß er für sein Toben und freche Gebahren sofort fünfundzwanzig Hiebe aus dem Pfeffer und Salz-erhalten solle. Daö wird Ihn schon ruhig machen. Er Hundsfott!" setzte Schilling hinzu. Emauuel war über die unheilvolle Schmach, die ihm angethan . werden sollte, sprachlos. Wenn die Erekutilzn an ihm vollstreckt wurde, war er moralisch todt, todt als Student, als zukünftiger Staatsbeamter, als Menfch in der anständigen Gesellschaft. Elisabeth war für ihn verloren.' , In diesem furchtbaren Augenblicke erschien glücklicher Weise der Prorektor Schnappinger, begleitet von den sechs Universitätsdienern, und mit ihm der Stadtdirektor mit acht Polizeibeamten. Graf v. Bassewitz hatte sich von der Wache direkt zum Prorektor begeben, um bei diesem Protest gegen die ihm zu theil gewordene Behandlung zu erheben, und um die Freilassung des Freundes zu erwirken. Der Prorektor war empört über den Vorfall, da er aber den Lieutenant v. Schilling als einen gewaltthätigen Menschen kannte, nahm er nicht nur die uniformirten und bewaffneten Universitätsdiener mit sich, sondern er wandte sich auch noch um Hilfe an den Stadtdirektor, du höchste Civilbehörde der Stadt. Dieser war sonst kein Freund der Universität, und noch weniger des Prorektors, denn mit diesem zusammen mußte er sich in das Stadtregiment theilen, während er früher Alleinherrscher war. Aber auch der Stadldirektor war außer sich über, den Vorfall, rcquirirte seine sämmtlichen Polizeidiener und erschien mit ihnen auf der Wache. Durch alle diese Umstände hatte sich die Befreiung Emanuels verzögert, glücklicherweise kam die Hilfe noch zu rechter Zeit, noch bevor er aus die Prügelbank gelegt und entehrt wurde. So ohne Weiteres aber gab Lieut-.-nant v. Schilling seinen Gefanaencn nicht frei. Er schäumte vor Wuth, daß der Gegner noch im letzten Augenblicke seiner Rache entzogen werden solle und erklärte, der Gefangene habe das Militär beleidigt und unterstehe nunmehr der mllltarljchen lLerlchtSoarlelt. Der Prorektor und der Stadtdirektor traten nalü'lich dem Offizier scharf entgegen und beriefen sich auf die Pn vl'lkgien der Universität und aus die strikten Befehle des Kurfürsten. Trotzdem hätte v. Schilling in seiner Wuth vielleicht nicht nachgegeben, hätte er nicht fürchten müssen, daß seine Gegner Gewalt anwenden würden, der gegen--über für ihn und das Militär eine schmachvolle Niederlage, drohte. Auf der Wache befanden sich nur sechs Dragoner und ein Trompeter, die Gegner hatten vierzehn Bewaffnete mit sich. Unter . Protesten, Fluchen . und Schimpfen' gab Schilling endlich den

Gefangenen. frei, schwur aber, er werde' ihn noch' anderweitig zu fassen wisscn." 'Der Prorektor begab sich mit Cmanuel und Graf v. Bassewitz sofort zu dem Universitätssyndikus v. Kleudgen. Emanuel konnte das nur angenehm sein, auf diese Weise hatte er Gelegenheit, Elisabeth zu sehen. Herr v. Kleudgen nahm ein großes Protokoll nus, während man aber dieseS noch feststellte, tönten schmetternde Trompetenklänge von der Straße her-' auf. Lieutenant v. Schilling ließ als erster und ältester Offizier das Dragonerkommando alarmiren. Bei feiner ipätcren Vernehmung hat fich, waö ans km Alten hervorgeht, Schilling damit entschuldigt, die Nachricht sei ihm zugegangen, die Studenten rotteten sich bewaffnet zusammen und wollten die Hauptwache ud die Kaserne des DragonerkommandoS stürmen. Es war kein Wort an dieser BeHäuptling wahr, jedenfalls wollte Schilling sich nur mit Gewalt wieder in den Aesiy seines Gefangenen setzen. Sein ganzes Verhalten und die Befehle, die er feinen Mannschaften ertheilte, weisen darauf hin. Dr. Heyck berichtete nach den Akten, die ihm zur Verfügung standen, folgendermaßen: , Um neun Uhr hörten die erstaunten Bürger und Studenten in den Straßen Tromvetensignale blasen, bald 'darauf ertönte das Pferdeqetrappel eines Piketts von hundert Mann Dragonern, die mit gezogener Klinge nach verfchiedenen Richtungen durch die Stadt sprengten. Die erschrockenen Studenten eilten zum Prorektor in den Hof des katholischen Seminars. Wo sie auf.

dem Wege den berrttenen Trupps begegneten, höhnten die Soldaten sie als Studentenbübchen" und mit anderen Ausdrücken und fuchtelten ihnen mit den Säbeln um die Köpfe. Die Dragoner patrouillirten unterdeß fort, eine Abtheilung von ihnen hieb bei der Heiliggeistkirche auf eine Schaar Neugieriger ein und blessirte drei Bürger, wählend einige dabei stehende Studen ten mit zerfetzten Kleidungsstücken davon kamen. Die so roh Angegriffenen begannen sich zu wehren, und nur die mulhige Intervention des UniversitätS shndikuS v. Kleudgen verhinderte, daß größeres Unheil geschah. Die Akademiker, soweit sie sich noch zusammenfanden, sandten nun Abgeordnete aus die Wache, welche die Versicherung abgaben, daß sie ihrerseits keine Feindseligkeiten vorhätten und eine beruhicende Erklärung forderten. . Sse' wurden aber kurz abgefertigt: Es 'hätten Studenten nach der' Wache gefchlagen.7 'j. ' 4 . Der Prorektor war entschieden dafür, daß Emanuel v. Fürth nicht auf die Strafe gehe, da seine Sicherheit, vielleicht' sein Leben gefährdet sei. Auch der Umtersitätssyndikus war dieser Ansicht und döt ihm Quartier in seinem Hause an. ' Während die beiden alten Herren hinauseilten, um ihre Pflicht zu thun, die Studenten zu beruhigen und weiteres Unglück zu verhindern, konnte Emanuel bei den Damen bleiben und mit ihnen den Abend verplaudern. Spät Nachts kam der Syndikus erst heim, meldete, eö sei Alles noch Verhältnißmäßig glücklich abgelaufen, unter der Studentenschaft aber herrsche eine hochgradige Aufregung. Emanuel mußte mit dem Syndikus noch eine Flasche Wein trinken und schlitt dann mit ihm in einem Zimmer. Am Morgen des, 13. Juli holte Graf Bassewiv seinen Freund ab, es fand auf dem Platze vor der Universität eine große Versammlung aller Studenten statt. In dieser wurde zum Schrecken der Professoren einstimmig beschlössen: Die Studentenschaft verläßt wegen der ihr angethanen Schmach und Ungerechtigkeit Heidelberg." Dem Beschlusse folgte sofort die That: In geordnetem Zuge marschirten sämmtliche Studenten bewaffnet an der Hauptwache vorüber über die Neckalbrücke und jenseits am Fuße des Heiligenbergeö nach Neuenheim zu, wo sie sich lagerten. Die Universität Heidelberg bestand nicht mehr, denn sie hatte keine Studenten. Der Senat trat eilig zu einer Sitzung zusammen. Sckreck und Bestürzung herrschten in derselben. Was würde der Kurfürst zu dem Vorfall sagen? Von jeher hatte er sich über das rasche Ausblühen der Universität gefreut, und nun dieser Skandal! Wenn die Studenten auch wahrscheinlich wiederlehrten, sobald man ihnen einige Konzessionen gemacht hatte, so kam doch durch den Vorfall die Universität im ganzen Reiche in schlechten Ruf, und der Zuzug neuer Studenten .hörte auf. Schon am frühen Morgen hatten der Prorektor und der Universitätssyndikus einen reitenden Boten ,nit der Mcldung der Geschehnisse des vorhergehenden Abends an den Kurfürsten gesendet, der eben im nahen Schwetzingen sich aufhielt. Nun beschloß der Senat, die beiden Herren sollten sofort selbst zum Kurfürsten fahren, um diesem den ganzen Sachverhalt vorzutragen und Verhaltungsmaßregeln von. ihm ZU erbitten. Schwetzingen ist von Heiderberg nur anderthalb deutsche Meilen entfernt. ES wurde schleunigst ein Wagen beschafft, die Herren legten ihre Amtstracht an und fuhren, so rasch sie konnten, davon. Prorektor Schnappinger und UniverZitätssyndikus v. Kleudgen waren sicher, daß der Kurfürst ihren Diensteifer anerkennen würde, sie erstaunten

daher nicht wenig, als er sie sehr ungnädig aufnahm. Auch der Lieutenant v. Schilling hatte nämlich noch in der Nacht eine Stafette an den Kurfürsten mit einem Bericht gesendet, in welchem er von bevorstehendem Angriff der Studentenschaft auf daö Militär meldete, welches in voller Empörung sei. Außerdem hatte er den sehr gehässigen und erlögenen Bericht über den verhafteten Emanuel v. Fürlh beigelegt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!" sagt das Sprichwort, das sich auch hier bewahrheitete. Der Rapport des Ossiziers, welcher zuerst eingelaufen war, machte auf den Kurfürsten den größten Eindruck und nahm denselben gegen die unbotmäßigen Studenten ein. Als die Professoren letzt gar meldeten, daß die Studenten Heidelberg verlassen hätten und nicht wieder kommen wollten, gerieth Karl Friedrich in außerordentlichen Zorn und erklärte, er wolle die gesammtcn tudenten als Friedensbrecher und Empörer behandeln lassen.Die Professoren wagten darauf untcrthänigst zu bemerken, daß dies den Ruin der Universität Heidelberg für immer bedeuten würde, erkühnten sich auch submissest hinzuzufügen, daß Seine Durchlaucht sehr schlecht berichtet seien, und daß der Bericht des Lieutenants v. Schilling jedenfalls grobe UnWahrheiten enthalten müsse. Der Kurfürst übergab daraus den Rapport den Professoren zum Lesen, UNö diese erfuhren nun die ungeheuerlichsten Uebertreibungen und Entstel lungen, deren sich Schilling schuldig gemacht hatte. Sie konnten diese . natürlich leicht widerlegen, und der Kursürst ergrimmte nunmehr über die Handlungsweise des Lieutenants v. Schilling, versprach strengste Untersuchung und schickte eine Stafette nach Heidelberg mit dem Befelil, daß Lieutenant v. Schilling bis auf Weiteres Stubenarrest habe. Eine gewissenhafte Untersuchung des Falles und Bestrafung der schuldigen Militärpersonen sollte stattfinden und, um alle Jkeibereicn mit dem Militär zu vermeiden, dieses nach einiger Zeit ganz aus Heidelberg fortkommen. Ferner wollte'der Kurfürst den Studenten ihren eigenmächtigen Auszug verzeihen, wenn sie sofort zurückkehrten. Dem Studiosus emanuel v. Fürth sollten im Nothfälle" die Professoren das besondere Bedauern des Kurfürsten über die ihm zu theil gewordene schmähliche Behandlung ausdrücken. Die Professoren fuhren mit diesem Bescheid wieder nach Heidelberg zurück. Mit ihnen fuhr der vom Kurfürsten ernannte Untersuchungsrichter, Freiherr v. Drais, der umgehend Bericht erstatten sollte. Die Professoren kamen gegen Abend in Heidelberg an, und Universität syndikus v. Kleudgen, der bei den Studenten sehr beliebt war, fuhr sofort

nach Neuenheim hinüber, um die Stu denten zu sofortiger Rückkehr zu bewegen. Er kam aber zu sehr ungelegener Zeit. Die Studentenschaft hatte den ganzen Tag gekneipt, war sehr in Stimmung," und die Leute, mit denen er überhaupt verhandeln konnte, nahmen den Mund sehr voll, stellten die unsinnigsten Forderungen und drohten, am nächsten Tage werde die Studentenschaft weiter ziehen, um andere Universitäten aufzusuchen, der größere Theil werde sich nach Göttingen wenden. Diese Nachrichten waren sehr nieder schlagend, und als v. Kleudgen dem akademischen Senat dieselben überbrachte, war dieser in noch größerer Verlegenheit als am. Morgen. Die Reise zum Kurfürsten, alles Entgegenkommen desselben. Alles war vergebens, wenn die Studentenschaft bock beinig blieb, wenn auch nur ein Theil der Studenten denn dies waren dann gewiß die Reichsten und' Angesehensten sich wirklich nach Göttingen begab. Der Senat vertagte sich und beschloß, am nächsten Vormittag wieder eine Sitzung zu halten. Als der Universitätssyndikus v. Kleudgen nach mühevollem Tagewerk Abends ermüdet nach Hause kam, fand er hier eine neue Unannehmlichkeit in Gestalt eines Briefes, den ihm seine Frau überreichte. . . Dieser kam vom Lieutenant v. Schilling und verrieth das Liebeögeheimniß Emanuels und Elisabeths. In höhNischen Worten schilderte Schilling die Zusammenkunft der Liebenden, die er vor einigen Tagen beobachtet hatte, und giatulirte dazu, daß die Nichte des Syndikus einen Schulknaben zum Geliebten habe. Elisabeth hatte ihrer Tante Alles gestanden, als diese sie zur Rede stellte, und war jetzt zur Ruhe gegangen; ihr Onkel und Vormund konnte sie daher nicht mehr sprechen. Er schickte ach seine Frau schlafen und ging dann, nachdenklich noch eine Stunde in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Am nächsten Morgen frühzeitig ließ er Elisabeth zu sich rufen, und das junge Madchen trat, gefaßt auf schwere Vorwürfe, in sein Zimmer. Sie war indeß freudig überrascht, als der Onkel zu ihr sagte: Setz Dich an meinen Schreibtisch und schreibe einen B."ief an Emanuel v. Fürth. Theile ihm mit, daß ich um Euer Verhältniß weiß und daß ich, Vorausgesetzt die Einwilligung seiner ältern, heute noch in Cure Ver lobung willige, wenn es ihm gelingt, die Studentenschaft zuosortlger Rückkehr zu bewegen. Er ist am meisten verletzt und beleidigt z wenn er für die Rückkehr stimmt, macht daS großen Eindruck. Wenn er Dich liebt, wird ei auf Deinen Brief hin .handeln, wie wir es verlangen.-'. . . . .. i -.-. :. . ' . . : . '-v

...Ayres Bulletin...

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