Indiana Tribüne, Volume 29, Number 190, Indianapolis, Marion County, 5 April 1906 — Page 7
Indkana Tribüne, 5 April 1906
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o Siebenschläfer z o -c o - o ' ' o 0 -ze R r m an 1 " z 5 Agnes Hardcr Z o o oooooooooooo (Fortsetzung.) Aber für Jmmanuel thätest Tu es doch sa.qte Tantchen ruhig. Denke nur, vier Jahre haben wir ihn nicht gesekn. Vier Jahre!Anoljrte sah ihn." Ach, Anohrte.' Eine Wildkatze ist sie, eine Zigeunerin." ftein, Tante Norchen. Sie ist nur unglücklich. Sie fürchtet sich so vor der Krottinschen. Du mutzt nicht immer gegen die Anohrte sein. Sie ginge gleich, Jmmanuel zu suchen. Aber wenn Tu meinst, ich könnte " Ihr Herz schlug so schnell, da sie schweigen mußte. Seit man nicht einmal mehr wußte, wo er war. kam oft eine Angst über sie. daß alles tägliche Leid darüber leicht wurde. Hatt, Johannes. So, hier bist Tu am Gartengitter. Morgen komme ich herüber. Denke nach, Ute. Käsewurm sagt ja, Tu findest immer noch einen Ausweg. Gute Nacht. Du trautestes Herz." Ute lief durch den dunklen Garten nach der Thür des Saals, in dem ihre Mutter immer gelegen hatte. Sie war aber verschlossen. So mußte sie zurück über den Hof. Dabei fiel ihr ein, daß sie noch schnell nachsehen könne, was das Kuhkalb von der besten Milchkuh mache, das heute früh geboren war, und sie ging in den Stall. Die Thiere hatten zur Nacht noch einmal Stroh bekommen und standen und fraßen. Mit einem Seufzer schlüpfte Ute an einer leeren Bahn vorüber. Das Vieh, das in dem trockenen Sommer verkauft war, war bis heute noch nicht ersetzt. Da waren die Boxen für die Kälber. Sie trat an die letzte, bog sich vor und streichelte das Neue. Es leckte nach ihren Fingern, stand unbehilflich auf und streckte sich. Ute sah es aufmerksam an und nickte zufrieden. Als sie den Stall verließ, sah sie über den Hof hin nach der Schmiede, die abgesondert von den übrigen InstHäusern lag. Vor dem hellen Fenster stand ein Mädchen, den Kopf an die Scheiben gedrückt, und starrte hinein. Ute wußte, daß es Anohrte war. Zu Hause nahm sie ihr Spinnrad, trug es vor den Kamin und spann. Fräulein Schwabe saß am Tisch und las. Ute zog den Faden und dachte an das, was Tante Rorchen ihr gesagt hatte, aber sie trat ganz aleichmäßig. Fräulein Schwabe, an dies Geräusch gewöhnt, wie an das Singen des Heimchens, wiegte sich unwillkürlich im Takt. Zuweilen sah sie auf. Ute hatte den Kopf ein wenig gebückt, die schwarzen Haare schmiegten sich um die schmale Stirn wie Rabengefieder. Die Augen hingen an dem feinen, gleichmäßigen Faden, der durch ihre Finger ging. Als ob das Spinnen eigens erfunden sei, alle Schönheiten der Frau in das rechte Licht zu setzen, den schmalen Fuß. die schlanke Hand mit den spitzen Fingern, die sanfte Linie des gesenkten Oberkörpers. Aber niemand sah Ute spinnen. Ein stilles Kind, ein hagerer Backfisch war sie gewesen, als neben dem leeren Lager dort im Schatten ein großer Junge gesessen und träumend in die Flammen des Kamins gesehn hatte. Die Thür wurde hastig aufgemackt. Anohrte warf ihr Kopftuch in die Ecke, rückte ihren Schemel zurecht und band frischen Flachs auf. Nun?" fragte sie auf litauisch. Ute erzählte in der gleichen Sprache. Sie sagte alles, was sie wußte, und sah mit ihren 'großen, wahren Augen zu Anohrte hinüber, die in den Flachs griff, als sei er das Haar einer Todseinem. Sie hatte grausame, kleine öände. Ich mußte über den Hof. jemand hatte hier die Thür abgeschlossen." Der Herr. Er war draußen. Die schöne Frau, die immer so in den Garten sieht, ist heute wieder vorbeigeradelt. Sie bleibt dann eine halbe Stunde weiter in dem Waldkrug am Pregel. und dann ist der Herr immer fort." Ich habe Vater gefragt, wer es ist. Er sagt, eine Bekannte aus Helgoland, die jetzt in Königsberg ist," sagte Ute harmlos. Anohrte lächelte nur. Ihre spitzen Zähne nahmen einen Knoten aus dem Flachs. Ich sah Dich auch, Anohrte. Was thust Tu immer an der Schmiedswohnung des Abends?" ' Ich sehe, wie Hanne ihren Jungen wiegt und wie der Schmied ihr mit seiner rußigen Hand über den Blondköpf streicht. Wir kommen ja jetzt in die Jahre, Ute. Merkst Du es nicht? Ich weiß es. So ein Flachskopf macht die Männer ja verrückt. Die in Freibürg war ja auch hell. Wer weiß, wenn Deine Zöpfe nicht so dunkel wären. Du brauchtest nicht in ein fremdes Land zu gehn nach dem Siebenschläfer." Anohrte." bat Ute. Die lachte nur. Sie trat das Rad in so rasendem Tempo, daß der Faden riß und sich so fest auftollte, daß sie die Spule aushaken mußte, um ihn zu suchen. Anohrte," sagte Fräulein Schwabe streng, gib doch das Spinnen aus.
Es macht mich nervös. Und Dein Garn ist doch voll Klunkern. Die Leinwand, die die Großsche Dir webt, mußt Du Dich ja schämen, im Frühling auszuspreiten." Anohrte antwortete ihr nicht. Und mit dem schönen Erich wirst Du auf Reisen gehn! Viel Vergnügen. Da wird Dir die Zeit nicht lang werden. bis Du ihn findest. Bitte Deinen Vater um Geld. Er gibt Dir. .Er ist froh, wenn er Dich los ist und Dein ernstes Gesicht. Ihr seid ja die Herren. Ihr dürft alles. Wir, wenn wir uns in die Festung schleichen zu einem " Utes Händen war der Faden cntsunken. Habe ich Dir je einen Vorwurf gemacht, Anohrte? Wäre ich nicht am liebsten selbst gegangen? Nur daß Du nicht aufrichtig warst zu mir, hat mir weh gethan." Aber Anohrte warf den Kopf zurück, stieß mit dem Fuß nach ihrem Rad und stürzte hinaus. Hinter der Webstube lag die Kammer der Krottinsche. Die Alte saß aufrecht im Bett und starrte durch die offene Thür nach dem Webstuhl, der sah in dem ungewissen Licht aus wie ein Galgengerüsi. Sie murmelte vor sick bin und strich durck ihre wirren Haare. Sie war nun ganz unzurechnungsfähig und kümmerte sich um niemand mehr. Auch Herr von Bär war vor ihr sicher. Sie lauerte ihm nicht mehr auf und erschreckte ihn nicht mehr. Traf er sie einmal zufällig, so stieß er sie beiseite, wie einen Hund. In ihrem Kopf hatte wohl immer nur ein Gedanke Raum, früher die Frau, jetzt Adam. Als Anohrte die Kleider abgeworfen hatte und zu ihr in's Bett schlüpfte, fragte sie, wie allabendlich: Wann kommt er frei?" Zu Oktober. Du weißt es ja." Sie wiegte den Kopf hin und her. Dann breitete sie die fleischlosen Arme aus. Die Rache ist mein, spricht der Herr," sagte sie feierlich. Ich habe es ihm gesagt, Großsche. Leg Dich. Du bist kalt, ich will Dich wärmen." Und sie drückte ihren blühenden Leib an den welken der alten Frau, die murmelte vor sich hin, bis sie einschlief. Anohrte aber hörte nichts. . Sie dachte, daß Ute ihn suchen ging und ihn finden würde. Sie dachte, daß er vielleicht andere Augen haben , würde für jene, als jene todten, die er auf sie gerichtet hatte. Die Eifersucht riß an ihrem wilden, ungezähmten Herzen. Adam hat recht. Die Reichen können alles haben. Ich wünschte, die Großsche wäre todt, und wir beide wären frei. Aber sie hat die Macht über uns." Die Krottinsche schrie auf, fuhr in die Höhe und schüttelte die Faust nach dem Webstuhl. Geh fort. Er gehört Dir nicht! Dir nicht! Er thut es nicht. Er ist ein Kind Gottes." Anohrte wußte, Raudons Krottinos war ihr erschienen. Zitternd vor Furcht stand sie auf und schloß die Thür zur Webstube. Sie wagte nicht, zu dem Webstuhl hinzublicken, und als sie sich wieder an die alte Frau schmiegte, stimmte sie in die Gebete ein, die jene murmelte, bis sie einschlief. Herr von Bär hatte Ute feine Einwilligung zu der Reise sofort gegeben. Ja. er hatte gelacht, als sie den GeldPunkt erwähnte. .Was der Fuchs, de: Meyhöfer kann, das wird der Bar ja auch noch können. Laß Dich nicht lumpen. Kleine. Wenn Du mit der Peters reist. so ist die Ehre auf ihrer. Seite. Die Bärs waren-hier im Land vor den Salzburgern, verstehst Du? Und nun gib Deinem Vater einen Kuß. Er wird nächstens ein alter Mann sein, so sorgt er sich um Deine Zukunft. Und bring fröhliche Augen zurück." Er sah über sie hinweg in den Spiegel, während er sprach. Nein, mit dem Altwerden hatte es noch gute Wege. Wohlgefällig strich er den dunklen Schnurrbart. Es war schon Kunst. aber sie wirkte , noch wie Natur, und darauf kam es an. Er wurde weich und zärtlich vor Zufriedenheit mit sich selbst. Ute ging ganz schuldbewußt hinaus. Am zweiten Feiertag sattelte sie selbst ihr Pferd und ritt hinaus. Sie wollte erst später ir.'s Pfarrhaus. Tante Rorchen hatte die Sache in ihre Hände genommen. Du bist zu gerade, Ute. Ich bin ja auch eine-ehrliche Seele. Aber wenn ich den Fuchs fangen will,' grabe ich ihm erst alle Gänge ab. bis auf einen. Du stellst Dich hin und rufst ihn. Bitten müssen sie Dich allesammt." Ute ritt langsam durch den stillen Feiertag. Ostern kam in diesem Jahr früh, noch im März. Aber die Störche waren fchon da. Die blonde Hanne hatte ihr strahlend erzählt, dies Jahr bauten sie auch auf der Schmiede. Ute war in dem Wäldchen abgestiegen und hatte sich ein Sträuf,chen Leberblümchen gepflückt, das steckte sie in das Knopfloch ihrer schwarzen Reittaille. Sie führte dann das Pferd zur Chaussee zurück, um einen der Steine als Hilfe beim Aufsteigen zu benutzen. Aber noch ehe sie die Straße erreicht hatte, traf sie den schönen Erich. Er hatte sie vier Jahre lang nicht gesehen. Als sie so unter den knospenden Bäumen auf ihn zukam, ihr Pferd führend, den Kopf etwas gesenkt, weil sie auf den Weg achten mußte, stieß er einen Laut der Ueberraschung aus Sie hob den Kopf und sah ihn an. Auch' sie erkannte Hn sofort. . Er war mit ihren
augenblicklichen Gedanken so eng verknüpft, daß ihr ein heißeZ Roth über das weiße Gesicht lief. Sie gab ihm die Hand, und er fühlte gleichzeitig die feinen Finger und den tadellosen Handschuh. Es war ihm ein Genuß, daß dieses Mädchen, von dem er wußte, daß es ein Pferd selbst satteln konnte, soviel Gefühl für den Sport hatte, daß es in der Einsamkeit des eigenen Waldes dem empfindlichsten Auge nichts zu tadeln gav. Während er neben ihr herschritt, sie mit unverhohlenem Entzücken betrachtete und nicht einmal den bläulichen Reflex verlor. den die Sonnenlichter aus ihrem schwarzen Haar lockten, las er von ihrem keuschen, nun wieder erblaßten Gesicht, aus ihren spärlichen Antworten alles, was ihm heute Tante Rorchens Andeutungen schon halb verrathen hatten. Als sie an der Brücke aus Fichtenstämmen anhielten, dicht vor der Chaussee, die der volle Waldbach mit seinen stürzenden Wellen fast bespülte, glaubte er, es hätte ihn in seinem Leben noch kein Preis so gereizt, wie das Sträußchen blauer Leberhlümchen an Utes Brust. Und doch war ihm nicht einen Augenblick die schlechte Wirthschaft in Scheschitten aus dem Gedachtniß entschwunden und Elfe Lehmann. die Goldaristokratin. wie seine Mutter sie nannte. Wahrend er ihr sagte, er hätte die Poesie im Wald getroffen, hatte er gerechnet wie ein Taxator, dem das verschuldete Gut angeboten war. Run. da sie ihn offenbar entlassen wollte, sagte er plötzlich warm, ein Stielchen grünblllhenden Frauenmantels, das er vorhin gepflückt hatte, in den Bach werfend: Fräulein Ute, . gewissermaßen sind wir doch Kindheitsgespielen, lassen Sie uns offen sprechen. Da drin sitzen sie und verhandeln wieder einmal über das Schmerzenskind. Mir wurde die Sache zu viel, darum ging ich. Tante Norchen will ja nicht sagen, daß wir eigentlich nur nach Italien sollen, um den Siebenschläfer aufzuspüren. Sie wollen nur deshalb mit, leugnen Sie es nicht. Was seit unserer Kinderzeit in einem jeden von uns schläft, davon will ich nicht reden. Wir haben uns alle vier Jahre nicht gesehn. In der Zeit kann sich vieles ändern. Wir sind nun alle keine Kinder mehr, auch keine dumme Jungen. Ich denke, die Bahn ist für einen j?den frei. Auch für mich. Die Vorurtheile, die Sie gegen mich haben, sind nur Hindernisse, die mich reizen. Wollen wir einen Pakt machen? Ich will Ihnen helfen, da unten. Wir wollen zusammen suchen. Geben Sie mir die Hand darauf?" Das heiße Roth war wiedergekommen, als er von ihrer Kinderzeit sprach. Nun sagte sie geradezu: Ich habe nichts dagegen zu bieten, gar nichts." Das ist meine Sache. Sie sollen mich nur nicht als Feind betrachten. Ich weiß, das thun Sie." Sie schwieg. Wenn ich augenblicklich mehr sagte, so hätten Sie das Recht, mich für einen Verrückten zu halten. Ich will Sie an diese Stunde erst wiedererinnern, wenn wir Jmmanuel gefunden haben. Ich sage Ihnen offen, daß ich das für ziemlich leicht halte. Mein Gott, die Welt ist klein. Sie wollen ihn ja auch nicht nur finden, sondern ihn zurückhaben. Bin ich ehrlich? Schlagen Sie ein?" Ihre grauen, klaren Äugen sahen ihn fest an. Ja. ich will auch ehrlich sein. Ich gehe nur seinetwegen mit. Aber für mich will ich ihn nicht, da irren Sie. Er hat mir nie gehört. Aber seit er mich damals im Korn fand, halbtodt vor Angst, habe ich jeden Abend für ihn gebetet, daß ich ihn auch finden dürfte, wenn er sich verirrt hat. Sie waren immer sein Feind. Darum waren Sie auch meiner. Gegen den Feind aber ist man am ehrlichsten. Da gibt es kein Mitleid. Was Sie sonst meinen, verstehe ich nicht. Vielleicht gut machen. Ich werde sehn." Sie stieg auf den weißen Stein am Rand der Cbaussce. um aufzusteiaen. Da hob er sie tn den Sattel. ste war eine leichte Last, aber seine Hände zitterten noch, als er chon wieder auf der Brücke stand und in das schäumende Wasser sah. Es war Wahnsinn. Er kannte sich ja. Und doch! Er mußte diese Ute in den nächsten Wochen sehn und sprechen können, mochte daraus entsteh, was da wollte.
10. Kapitel. M lso in den letzten Monaten haben Sie das Geld regelmäßig nach Ravenna geschickt?" ljstgnore. regelmäßig an die gleiche Adresse." Justizrath Meyhöfer nickte Ute, die neben ihm stand. gemächlich zu. Er ist also gefunden. Zu weit von der Krippe hat er sich nicht entfernt." Er bedankte sich verbindlich bei dem jungen Angestellten der Bank, der so bereitwillig Auskunft gegeben hatte, und beide traten in d(e grelle Frühlingssonne hinaus, gegen die sie in die schönen, symmetrischen Bogengänge flüchteten, die sich unter den Häusern Bolognas in allen Straßen hinziehen. Frau von Peters und Erich erwarteten sie nebenan auf der Piazza Galileo. Die Sonne vertrieb sie aber auch von dort, und sie, traten in die Kirche von San Domenico. Zwei Dominikanerbrüder fegten die Marmorsliesen des Gotteshauses, warnten aber vergebens darauf, daß die Forestieri sich das reiche Marmorgrab ihres Ordensstifterö aufschließen ließen. In der Kühle der Kirche hielten diese vielmehr Fa-milienrath.
Mich lockt Ravenna gar nicht. Bis vor zwei Tagen hatten wir eine Kälte und einen Wind, daß ich mich beständiq nach ostpreußischem Maitrank selntc. Nun ist das Wetter umgeschlagen. 'wir werden zur Abwechslung ein wenig geröstet. Wie lange? Ravenna ist die Stadt der Sümpfe, und eine tüchtig? Malaria ist das letzte, was ich von hier nach Hause bringen möchte.- Zudem Bologna ist meine Stadt! Endlich einmal ein Ort, der durchweg sauber und appetitlich ist. Liberias ist ihr Symbol, und die Nechtsgelehrsamkeit ist hier heilig. Ich glaube kaum, daß man sich in Königsberg einmal die Mühe geben wird, mir ein Freigrab, auf vier Säulen ruhend, zu errichten, wie wir sie hier überall sehn. Ich grüße das Handwerk! Im Pellegrino sind wir auch gut aufgehoben das Diner gestern Abend war vorzüqlick. Ich denke, ich depeschire an den Siebenschläfer, er soll herkommen, und die Sache ist abgemacht." Erich sah Ute an. Sie bchrrschte sich vottständig. aber die Nöthe in ihrem Gesicht kam und ging. Für Dich hast Du vollständig recht. Papa. Ich könnte mir jede Randbemerkung sparen, vor allem . in der Stadt der Glossatoren. Meta stimmt Dir ebenfalls bei. Die Auslagen in den Kolonnaden sind zu verführerisch. Ich selbst aber denke anders. Ich glaube auch gar nicht, daß Jmmanuel einer Depesche Folge leisten würde. Ich habe noch eine alte Schuld an ihn abzutragen. Morgen fahre ich nach Ravenna. Ich hätt: es wahrscheinlich ohnehin gethan, denn der RegierungsPräsident schwärmt für die Ostgothen. In Venedig treffe ich wieder mit Euch zusammen, es sei denn, jemand entschließt sich doch noch, mich zu begleiten. Sie vielleicht, Fräulein Ute?" Ich fahre jedenfalls auch allein." Meta runzelte die Stirn. Ihr Vater aber lachte. Da nehmen Sie ihn lieber mit. . Zuweilen kommen wir Herren mit unserm Latein doch noch weiter, wie die Damen mit ihrem Italienisch." Sie verließen die Kirche und schienderten langsam unter den Bogengängen hin nach dem Hotel, wo sie gerade zur Zeit kamen, um Toilette zum Diner zu machen. Als Frau von Peters fertig war. klopfte sie an ihres Bruders Thür und bat ihn, noch einen Augenblick herüberzukommen. Er folgte der Aufforderung sofort, denn in allen Aeußerlichkeiten behandelte er seine Schwester wie eine Dame, .mit der er in Gesellschaft zusammen war. Du wünschest, liebe Meta?" Ich will einmal zehn Minuten Teutsch mit Dir sprechen. Erich. Wie stehst Du mit Else Lehmann?" Erich hatte sich in einen tiefen Stuhl gesetzt und besah seine tadellosen Lackschuhe. Ich unterschreibe jede Postkarte, die Du an diese rundliche Dame zu adressiren für gut findest, und hole von jeder Station ihre Antworten, abwechselnd den Schloßteich und den Paradeplatz, zuweilen aber auch Goethesche Reminiszenzen. .Kennst du das Land? Dahin, dahin u. s. w.' " Als ich Weihnachten in Königsberg war und Dich beobachtete, dachtest Du etwas weniger skrupulös über Lehmanns." Ich war in Gumbinnen verbauert. was willst Du? Außerdem hatte ich wieder Schulden und noch nicht gebeichtet. Vae victis!" Else Lehmann verträgt es auch, daß man sie betrachtet, ohne das Schwert gleich in die Wagschale' zu werfen Du siehst, ich verstehe Dich. Sie bekommt eine Million mit. Bei uns im Osten noch eine Seltenheit." Dafür heißt sie Lehmann, und ihr Vater ist Bierbrauer." Aktiengesellschaft geworden, und er hat den Direktortitel." Liebe Meta, wolltest Du nicht Deutsch mit mir sprechen? Sollte es da nicht näher liegen. Du ereifertest Dich nicht über Fräulein Lehmann. sondern über Ute von Bär?" Sie hatte bisher in den Spiegel gesehn und ihrer Toilette die letzten Hilfen gegeben. Jetzt drehte sie sich energisch um und stand vor ihrem Vruder. Was heißt denn auf einmal das Gethue mit Ute?. Willst Du nur einen kleinen Zeitvertreib, so hätte ich geschwiegen. Die Sache scheint ja aber ernster zu sein.". Auch er gab jetzt das Betrachten der Stiefelspitzcn auf. Von meiner oder von ihrer Seite?" Sie zuckte ungeduldig die Achseln. Ute kokettirt doch nicht! Nein, für sie bist Du nur Mittel zum Zweck. Aber was denkst Du Dir? Scheschitten ist verschuldet, Bär führt ein tolles Leben in Königsberg, der Name, so alt er ist. bietet Dir keine Chancen, denn es knüpfen sich keine Verbindungen an ihn. Ich habe bisher geschwiegen, aber sie nahm ja heute Deine Reisebegleitung so selbstverständlich an, daß. mir angst wurde " Ich bin kein Spion. Außerdem weiß ich, daß es genügt. Dich zu wecken. Das Suchen nach dem Siebenschläfer steckt an. scheint es. Auch Du willst Deinen Traum haben. Das liegt Dir aber nicht, mein Junge. Ich selbst habe Jmmanuel damals gegen Dich vertheidigt. Das Ausnützen des Schwächeren ist unfair. Jetzt möchte ich Dich gegen Dich selbst vertheidigen. DU" : ' lFortsejsUng folgt.)
Wie aus Marinette. Wis., mitgetheilt wird, beabsichtigt man, für die Counties jenes Theiles des Staates ein gemeinsames Arbeitshaus zu errichten, namentlich zur Unterbringung und Unschädlichmachung der vielen Tramps", welche im Herbst und Winter jene Gegend unsrer machen. Die größte öffentliche Schule im Borough Brooklyn, an Bushwick Ave. und McKibben Str. in Williamsburg gelegen, ist dieser Tage ihrem Zweck übergeben worden. Die Schule enthält nicht weniger als 87 Klassenzimimer, von denen 63 sofort bezogen werden. Insgesammt können 4500 Schulkinder in der neuen Schule Platz finden. NurmitMuheistein James Mulligan in Joga, Wis., dem schrecklichen Schicksal entgangen, lebendig begraben zu werden. Der Leichenzug befand sich eben auf dem Wege zur Kirche, als man im Innern des Wagens menschliche Laute hörte, worauf die Glaswände des Wagens zerschlagen wurden. Man öffnete und fand den angeblich todten Mulligan, der sein volles Bewußtsein wiedererlangt hatte und verwundert frug, wo er sich befinde. Er hatte sich drei Tage hindurch in scheintodtem Zustande befun den. Merkwürdige Skelett. fünde wurden kürzlich in Süd-Dakota gemacht. Es wird darüber berichtet: Die Söhne des Henry Albin aus Aberdeen entdeckten, als sie in der Nähe des Scatterwood Sees im Edmund County jagten, einen mensch lichen Schädel. Sie erzählten dies Nachbarn, es wurde sofort weiter nachgesucht und dabei kamen sechs Skelette zum Vorschein, die alle gut erhalten waren. Nach verschiedenen Anzeichen können, die Skelette nicht von Mitgliedern der kaukasischen Rasse stammen; auch scheinen sie nicht Jndianern anzugehören. In der Nähe von Marsh all, Wis., erregte ein mit Moos bedeckter Stein die Aufmerksamkeit von Jägern und sie entfernten die Moosdecke. Da fanden sie auf dem etwa vier Fuß nach jeder Dimension messenden Felsstücke die eingegrabene Jahreszahl 1796 und den Namen Leatherstocking" und darunter die Worte Woued" und Lost"; eine Pfeilspitze wies auf das letzte Wort. Man nimmt an, daß dieser Stein von einem Wanderer, der in jener Zeit, als dieser Gegend unter britischer Herrschaft stand, sich dort in den großen Wäldern verirrt hat. In E l k M ou n d, W r s,- feierten dieser Tage Herr und Frau Ludwig Tilleson die 60. Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Alle ihre Kinder. Enkel, Urenkel und eine größe Anzahl Freunde betheilien sich an der Feier. Das Paar stammt aus Christiania, Norwegen, wo es. auch getraut wurde. Es kam einige Jahre vor dem Bürgerkriege nach Amerika und ließ sich zunächst südlich von Oshkosh nieder, verzog aber bald nach Elk Mound. Beide erfreuen sich noch guter Gesundheit. Von seinen sieben Kindern sind noch zwei am Leben. An der Feier betheiligten sich 23 Enkel und 19 Urenkel. In Boston ist dieser Tage im Back Bay - Distrikt der Grundstein zu einem neuen Tempel der israelitischen Congregation Adath Israel gelegt worden. Dieser neue, ganz aus Vermonter Granit zu erbauende Tempel wird eines der imponirendsten, gottesdienstlichen Zwecken gewidmeten Gebäude der Stadt werden, in der Gesammtanlage vielfach der biblischen Beschreibung des Tempels Salomonis nachgebildet, jedoch' mit Hinzufügung des pittoresken maurischen Baustils. Die erwähnte, unter Leitung von Rabbi Charles Fleischer stehende Congregation ist die leitende jüdische Gemeinde Bostons. Eine Frau Christine K. Huber betreibt in Battle Creek, Mich., seit Jahren eine Wäscherei. Sie ist unter ihren Nachbarn allgemein beliebt.Jm Durchschnitt verdient sie innerhalb einer Woche $25 und hat im Laufe der Jahre ansehnliche Ersparmffe gemacht. Das Haus, in welchem sie wohnt, ist ihr Eigenthum, außerdem besitzt sie ein anderes Haus, das sie vermiethet, sowie eine Farm, und hat sich außerdem $1000 erspart. Dieses Geld hat sie nun vor 'kurzem dazu verwandt, um sich ein Automobil zu kaufen, mit dem sie an Sonntagen Ausfahrten unternimmt und das sie während der Woche zum Einsammeln und Austragen der Wäsche verwendet. Eine Untersuchung 'solcher Obstbäume in verschiedenen Theilen von Lancaster County, Pa., die im letzten Herbst mit Schwefelkalk, übersprüht worden waren, um die San Jose - Laus auszurotten, läßt ersehen, daß das Experiment ein Erfolg war. Die Arbeit war unter Aufsicht des Staats - Departements für . Landwirthschaft ausgeführt worden, und zwar waren es Aepfel-, Pfirsich-, Birnenund Pflaumen - Bäume, welche mit dem Schwefelkalk besprüht worden waren. Eine einmalige Besprühung hatte zur Folge, daß von 95 bis 93 Prozent der Lause zerstört wurden. In verschiedenen Ortschaften im County werden in den nächsten Wochen öffentliche Demonstrationen stattfinden,'damit die Farmer in den verschiedenen Sektionen von diesen Experimenten lernen, wie sie es anzustellen häbenum in ihren Obstgärten der genannten Pest ein Ende zu machen.
Ein heite.re Szene verursachte in Baltimore ein neun Jahre altes, gescheidtes deutsch - Österreich:fches Mädchen, welches von draußen zu einem Onkel im fernen Westen gesandt wurde. Das Kind hatte keinen Begleiter, und bei seiner Landung wollte ihm einer der Beamten einen Zettel mit der Adresse des Onkels anhängen. Wozu thun Sie das?" fragte" die Kleine. Damit sie Dich richtig nach Deinem Bestimmungsort bringen. antwortete der Beacite. Ich bin doch kein Stück Vieh und werde meinen Onkel finden, ohne daß man mir diesen Zettel anhängt," gab trotzig die Kleine zur Antwort. Zureden genügte indessen, um das muthige Mädchen zur Annahme des ihr zugedachten Anhängsels zu bewegen. AlsletzthininPittsburg. Pa., ein altes Fachwerkhaus abgerissen wurde, fand ein italienischer Arbeiter in einem Geheimschrank eine alte Eigarrenkiste, in der sich 520.000 in Gold und Banknoten befanden. Er übergab dieselbe dem Plumber A. De Simone, der das Haus gekaust hatte und es abreißen ließ. Das Haus war einst vor 15 Jahren von einem I. W. Nolan, Kasstrer einer großen Holzfirma im Ostende, bewohnt. Damals hieß es, Rolan habe in seiner Kasse ein Manco von $20,000, und bald nachher beging Nolan in seiner Wohnung Selbstmord. Das Geld konnte damals nicht gefunden werden und man nahm an. Nolan habe es verschwendet. Das Holzgefchäft hat das Geld nie erlangt, wird aber jetzt versuchen, in den Besitz der Summe zu kommen. I n D l ck i n s o n, N. D., ist neuerdings ein bereits seit einigen Jahren in Kraft befindliches Gesetz entdeckt worden, wonach die Aerzte des County zu statistischen Zwecken jede Geburt und jeden Todesfall, bei dem sie interveniren, zur Anmeldung bringen müssen und dafür in jedem Falle eine Vergütung von 10 Cents erhalten. Bis jetzt hatte diese Bestimmung jedoch keinerlei Beachtung gefunden. Noch vor wenigen Jahren hielt man Süd - Dakota für nicht geeignet zur Obstkultur. Doch hat sich durch inzwischen angestellte Versuche erwiesen, daß diese Ansicht unrichtig gewesen ist. Besonders im westlichen Theile des Staates ist dieAnpflanzung von Aepfeln mit großem Erfolge betrieben worden. Drei und dreißig verschiedene Arten von Aepfeln sind im vergangenen Herbste ausgestellt worden und diese Aepfel waren in Größe, Geschmack und Güte mit den in anderen Theilen der Ver. Staten gezogenen Aepseln vollkommen gleichwerthig. In allen sechs Counties der Black Hills ist niut die Apfelkultur auf einer hohen Stufe, besonders aber im Lawrence County. Das älteste Gebäude Wisconsins steht heute an dem Fuße eines Hügels an den Ufern des Fox River in Kaukauna. Im Jahre 1790 zog von Canada hierher Dominick Ducharme, der hier ein Loghaus errichtete und mit den Indianern Handel trieb. Es gab damals am selben Platze eine indianische Village, die etwa 2000 Bewohner zählte. Paul Tucharme, der Bruder des Erbauers der Loghütte, der wieder nach Canada zurückkehrte, kam in 1794 in das Thal des Fox Rivers und bewohnte die Hütte bis 1803. Er zog dann nach Green Bay und starb dort im hohen Alter von 93 Jahren. Die jetzigen Eigenthümer des ältesten. Hauses in. Wisconsin ist die Grignon Familie. : Ueber die muthige ThÄ eines Berliner Lehrers wird berichtet: Als die Lehrer der 133. Gemeindeschule in der ersten Frühstückspause .auf dem Schulhof standen, kam einBrauerwagen, der mit zwei feurigen Pferden bespannt war, ohne Führer die Bergmannstraße nach der Hasenheide zu hergerast. Da in dieser Straße ziemlich starker Verkehr herrscht und sich vier Gemeindeschulen 'bort befinden, hätte leicht großes Unglück entstehen können, wenn nicht durch den Muth und die Entschlossenheit des Lehrers Schleevogt dtö Gefährt zum Stehen gebracht worden wäre. Diesem, der ein guter Turner ist, gelang cZ, nachdem tx eine gute Strecke hinter dem Gefährt hergelaufn war, von hinten auf den Wagen zu springen und die Pferde anzuhalten. Das Werk war um so schwieriger, als Herr S. erst eine Reihe von Fässern bei toller Fahrt übersteigen mußte, ehe es ihm gelang, die Leine zu erfassen. Eineüberras chende Entdeckung machten Bahnbeamte auf Bahnhof Falkenberg (Bez. Halle). Als 12 Uhr 30 Min. der Schnellzug einsuhr, arbeitete an dem Durchgangsgen Hannover - Kattowitz die Luftbremse nicht. Um die Ursache festzuzustellen, kroch ein Wagenwärter unter den Wagen. Mit der Meldung, daß ein Todter unter dem Wagen liege, kam er vorvor. Nun wuroen einige Nangirer herbeigeholt, um den Todten herauszuziehen. Welches Erstaunen bemächtigte sich jedoch derBeamten, als der vermeintliche Todte die Augen aufschlug und schließlich selbst hervorkroch. Es stellte sich heraus, daß man den BergarbeiterPrzywa aus Beuthen (). Schl.) vor sich statte, der von Hannover aus zwischen Drehgestell und Wagenboden die 290Ki!ometer lange Strecke als blinder Fahrgast mitgemacht hatte, um in seine östliche Heimath zu gelangen. . Der fast steifgesrorene Mensch wurde der Polizei übergeben. '
