Indiana Tribüne, Volume 29, Number 190, Indianapolis, Marion County, 5 April 1906 — Page 6

Indiana Tribüne S. April 1900.

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pirotou. Oon Charles Foleq. Uebersetzung on Alice Sobersky. Pirotou war Kellner in dem beschei

denen Hotel, in dem ich abstieg, ich alaube soaar, dav er der einzige war. denn er besorgte alles, fegte den Boden aus, wischte Staub, hotte den Hotel' wagen vom Bahnhof ab. lud das Vepäck auf und ab. wies den Gästen die Zimmer an, und mit der Serviette unterm Arm bediente er vom Morgen bis zum späten Abend (5r fiel mir auf. erstens n?eil ich ihn fortwährend zu Besicht bekam, dann weil alles in seinem runden, gutmüthi gen Gesicht lachte, die schwarzen Augen, der hübsche rothe Mund, alles bis zu der kleinen Stumpfnase. Fleißig und zuvorkommend, gefiel er allen Reisenden. Wenn der Mittagstisch abgeräumt war und der Speisesaal fast leer, plau derte er immer ein bißchen mit mir. Toch nur kurze Zeit, denn die Stimme des Wirths unterbrach ihn bald. Gleich nach meiner ersten Mahlzeit fand er Zeit, mir zu erzählen: Ich habe einen Bruder, der Offizier ist.... Das kommt Ihnen gewiß komisch vor, daß ich, ein Kellner.... Aber ganz gewiß, Sie können es mir glauben, er ist Offizier." Pirotou, hole aus Zimmer 16 den Koffer, bringe den Kaffee auf Zimmer 3! Laß anspannen, Pirotou!" Er verschwand. Bon seinem Bruder erzählte er allen, die es hören wollten, denn er war sehr stolz auf ihn und vergötterte ihn. E, sprach von ihm, um von ihm zu sprechen, nicht aus Eigenliebe, nein, wie der Bauer von der Sonne spricht, wie der Pfarrer vom lieben Gott. Und nach der nächsten Mahlzeit fuhr er fort, wo er stehen geblieben war: Sie fragten sich gewiß, wie das möglich ist?" .Was dm'" .Nun, das mein Bruder Offizier ist. " Ja. ja, natürlich!" Also! Eine Tame, eine alte, sehr reiche Tame, hatte ihren Sohn verloren . . .Wir waren Waisen mcin Bruder 'und ich. . .Mein Bruder, der ein sehl hübsches Kind war und im Alter ihres Kleinen, gefiel ihr, und sie nahm ihn zu sich. ?ie ließ ihn das Gymnasium be suchen, später die Militärakademie. Im vorigen Jahre starb sie. Das war ein harter Schlag für meinen Bruder Pirotou, 'es klingelt, du möchtest auf Zimmer 36 kommen.. . ." Und am folgenden Tage die Forfetz ung Also die alte Dame.:.." Welche alte Tame?" Nun, die alte Tame, die-meinen Bruder zu sich genommen hat. Sie hinterließ ihm eine hübsche Rente. Sie glauben nicht, wie glücklich ich darüber war. Tenn sonst wäre es meinem Bruder unmöglich gewesen, standesge wäß weiter zu leben.m Und Ihnen hat ste nichts vermacht? Er sah mich überrascht an. Mir, ach kein Gedanke!" Ta bekommen Sie Ihren Brude, ohl nur selten zu Gesicht?" Ja leider. Es sind nun wohl sechi Jahre her, daß er mich das letztemal besuchte, als er aus Urlaub war. Tei Wirth gab mir vier Tage frei. Es thal mir leid, daß ich nur fo wenig Zeil hatte, dabei war ich nachher nur drei Tage mit ihm zusammen, er hatte nichj länger Zeit für mich. Gesagt hat er ja nichts, aber ich glaube, das Landleben langweilte ihn. Ich hätte es mir vor her sagen sollen Bedenken Sie doch, ein Offizier " Unterstützt er Sie etwas?" Pirotou schüttelte ernst den Kopf. Nein, das will ich nicht. Ich werde hier gut bezahlt, habe viel Trinkgelder und wenig Ausgaben. Ich bin für meine Verhältnisse reicher als er." Wird er Sie denn nicht einmal wieder besuchen?" Pirotou lachte über das ganze Gesicht und sagte strahlend: Ja, und bald sogar, wenn ich Hochzeit mache." So, Sie verheirathen sich?" .Ja, Herr, ich bin in dem Alter. Schon zweiundzwanzig Jahre. Wir kennen uns bald drei Jahre.. . na, ich kann ja ruhig darüber sprechen, sie ist Zofe bei einer einen Dame, die in der Nähe von Paris wohnt. Nur drei Monate im Jahre kommt sie hierher und dann sehe ich sie nuch nur des Sonntags, wenn sie aus der Meffe kommt." Werden Sie dann Ihre Stelle auf. geben?" ..Wo denken Sie .hin, Herr. Wir haben nichts. In fünf Jahren viel. leicht, wenn wir lüchtig sparen, können wir ein kleines Geschäft anfangen. Auch wäre es möglich, daß die Dame mich neben Louisette anstellt. Louisette ist meine Braut " Und freudestrahlend fügte er hinzu: Mein Bruder ist Trauzeuge. ES muß ihm zu Ehren eine schöne Hochzeit gemacht werden." Pirotoul Pirotou! Den Schlüssel zu Zimmer 56!" Ich reiste ab und kehrte erst nach zwei Monaten zu dem Städtchen zurück. Als ich in die Gaststube eintrat, war ich betroffen von Pirotous düsterem Ge sicht. Als er mich sah, zwang er sich zu einem Lächeln, ich sah ihm an, daß er mir etwas zu erzählen hatte. Aber es war zu viel zu thun. ' Der Raum war voll von Leuten, die unge duldig auf Bedienung warteten, und der Wirth trieb ihn zur Elle an: .Beeil' dich, Pirotou, beeil dich, mein Ju.nge!" Und er beeilte sich, aber ohne Freude

an der Arbeit, die ihn früher die schwer sten Lasten mühelos tragen ließ. ,

Ich war wirklich begierig zu wissen. was vorgefallen war. Sobald er ein paar Minuten übrig hatte, kam er an meinen Tisch. An feinen traurigen rs 4. 4w r Augen iay iaj, van er eme inttau fchung erlebt hatte und fragte: Ist Ihr Bruder nicht hier gewesen?" Ja doch, er war hier, doch er ist nicht hier im Hotel abgestiegen, und darauf hatte ich mich so sehr gefreut Ta hätte ich ihn immer sehen können und ab und zu mit ihm geplaudert. Statt dessen -hat er im Gasthaus zum Goldenen Löwen" gewohnt. Nicht einmal aufgesucht hat er mich hier, ein Dienstmann brachte mir einen Brief, in dem er mich bat, irrn zu besuchen, doch vorher meine Schürze abzulegen und den Hut aufzusetzen. Er hat gut reden. Ich war froh, daß ich Zeit finden konnte, zu ihm hinaufzulaufen, wie ich glNg und stand... Er erwartete mich im Cafe und war sehr liebenswürdig zu mir. Er machte mir klar, daß er nicht zu mir kommen könne, überhaupt wollte er nicht, daß jemand wisse, daß er in der Stadt sei Das war wohl meine Schuld, ich habe zu viel von ihm gesprochen und das war ihm peinlich. Ich bat ihn, doch wenigstens einmal zu meinem Wirth zu kommen, ich wollte, daß er aus seinen eigenem Munde hörte, daß er mit mir zufrieden ist. Toch auch das wollte er nicht. Das bringt mich in eine unangenehme Lage den Lenten gegenüber," sagte er mir. Er mag ja recht haben. Doch seit dem Tage habe ich an nichts mehr die rechte Freude, weder an dem Städtchen, noch an den Menschen es war mir alles nicht fein genug für meinen Bru der, ich hatte mich ihrer geschämt. Mein Bruder unterhielt' sich mit mir. Ich erzählte ihm alle?, was ich von Loui fette und ihrer Dame wußte. Er wollte sie gern einmal sehen Ich verabredete mit ihm zur Messe zu gehen, um sie ihm zu zeigen. Am Sonntag nach der Messe sah er sie auch, sie und ihre Herrin. Ich wollte sie ihm vorstellen, aber er meinte, das ginge nicht. An den Abend sah ich ihn im Hotel mit mehreren Osfizieren. Er kam mir entgegen. ..Heißt die schöne.Tame, beider Loui sctte diene, Madame Dalbert?" Ich bejahte es. Es gibt wirllich unangenehme Zufälle im Leben. Meine Kameraden sind morgen bei ihr zu einer Jagdpartie eingeladen und wollen mich durchaus mitnehmen, ist es dir unangenehm?" Ich lachte ihn natürlich aus und be stellte ihm tausend Grüße an Louisette. Als ich ihn das nächste Mal sah, war er ganz verändert. Auf meine Frage, ob er meine Grüße ausgerichtet habe, a.ab er mir zur Ant wort: Ich und meine Kameraden werden von der Dame des Hauses freundschaft lich aufgenommen, da kann lch doch unmöglich mit der Zofe sprechen. Ich habe auch gar nichts von dir erwähnt. Du verstehst mich?" Ich verstand ihn nicht. Sie ist hübsch, sehr hübsch, diese Madame Talbert!" Ich antwortete nicht, denn ich wußte es nicht,' ich habe nur immer meine Louisette gesehen. Und dann sagte er: Dumm, daß du gerade ihre Zofe heirathen willst. Bestehst du darauf?" Ich war sprachlos. Ich erinnerte ihn an nnsere lange Wartezeit, an unsere Liebe, an all' das, was ich ihr gesagt, ihr versprochen habe.. .. Er biß sich auf die Lippen und brach das Gespräch ab. Drei Tage lang war ich zu beschäf tigj, um abzukommen. Am vierten lief ich zu ihm. Diesmal empfing er mich in seinem Zimmer im ersten Stock. Wirst du ein guter Junge sein?" ' Ich ahnte etwas BöseS, und zwang mich ihm zu antworten: Was willst du von mir?" Madame Dalbert gefällt mir und ich gefalle ihr. Ich Hütte vernünftig sein sollen, aber es kam über mich wie ein Rausch.. ..sie ist meine Geliebte ge worden. Es thut mir leid um dich, denn " Denn?" Herrgott, verstehst du mich denn nicht? Du, als mein Bruder, kannst doch unmöglich die Zofe heirathen und zu ihr in Stellunfl gehen. Das würde mich lächerlich machen " Mich überlief es bei diesen Worten eiskalt. Als er mich so stumm dastehen sah, versuchte er mich zu trösten: Louisette wird schon eine andere Stellung finden es wird schon wer den." Und als Pirotou in der Erzählung stockte und mühsam zwei Thränen her untelkämpste, fragte ich: Und wie wird's nun werden?" Vorerst können wir nicht an eine Heirath denken, vielleicht nie. Ich warte und hoffe darauf, aber wohl umsonst Mein Bruder läßt nichts mehr von sich hören, Louisette auch nicht, sie haben sie gewiß beredet mit mir zu brechen ich weiß es nicht.. . ich weiß gar nichts mehr, nur, daß es nicht Recht war von meinem Bruder, denn bei mir war es Liebe und ihm ist es nur ein Vergnügen mehr Aber waS soll ich da thun? Mich ihm widersetzen? Er ist doch der Aeltere und der einzige Mensch, den ich auf Erden habe, und dann bedenken Sie doch.. .. (r ist Offizier! Wettbewerb. Mein Fräulein, ich bin in Sie bis über die Ohren verliebt'" Aber das hat mir mein Vetter auch schon gesagt!" .Ja, aber ich hab' längere Ohren!"

Der Llusschwuna Canadas.

Neben Argentinie'i ist Canada desjenige Land, das zur Aufnahme eines größeren europäischen Einwanderer stromes außerhalb der Vereinigten Staaten geeignet ist; im Jahre 1903 sind 200.000 Menschen eingewandert, von denen etwa 65,000 aus Europa, ctnxi 130.000 aus den Vereinigten Staaten kamen. Angelockt wurden die Leute durch die günstige Entwickelung, die Canada nimmt. Die Getreideproduktion ist beträchtlich gestiegen und wird sich mit der Einwanderung, mit dem Ausbau des Bahnsystems und mit der Einführung intensiverer Betriebsweisen noch mehr steigern; die Produkte gelten auf den amerikanischen Märkten durchweg als gute Waare. Die Viehzucht hat nicht in demselben Maße zugenommen. Dagegen war die Aepfelausfuhr infolge der hohen Preise gewinnbringend. Die Holzindustrie ist sebr gut beschäftigt; auf den Flüssen werden große Mengen Holz aus den Wäldern geschafft. Besonders groß ist derVedarf an Schwellen für die im Jahre 1906 zu bauenden Bahnen. Zurückgegangen ist die Goldproduktion. Nachdem sie auf 160 Mill. Franken rasch gestiegen war, sank sie seit 1902 und betrug 1904 noch 85 Mill. Franken. 1905 nur 75 Mill. Franken. Canada sieht somit an fünfter Stelle der goldproduzirenden.Länder. zwischen Rußland und Mexiko. Der Rückgang wurde verursacht durch die Erschöpfung der Klondykefelder. Aus seine Mineralschätze . hin ist Canada noch zu wenig untersucht und es ist nicht ausgeschlossen, daß es ähnliche Überraschungen wie die Entdeckung der Klondykefelder noch bringt. Kohle findet sich in Britisch-Colum-bien auf der Insel Vancouver und in den Seeprovinzen, bedeutende Lager auch auf der Insel Cap Breton, dort neben Eisenerzen. Man hofft auch am Lake Superior Eisenerz zu finden als Fortsetzung der amerikanischen Lager. Die Stahlwerke in Sault Ste. Marie sind bis jetzt genöthigt, aus Illinois, Minnesota und Pennsylvania Materialien zu beziehen. Die Eisen- und Stahlindustrie entwickelt sich rasch mit Hilfe der Regierung, die in den letzten 7 Jahren über 5 Millionen Pfund Produktionsprämien gezahlt haben soll. Die ausgedehnten Bahnbauten geben weitere Anregungen. Zu einer blühenLen Industrie hat sich auch die Gewinnung von Asbest gestaltet; obgleich sie erst einige 30 Jahre alt ist. Ausgeführt wurde 1904 über 34,000 Tonnen, von denen ein großer Theil auch nach Europa ging. Einige Bedeutung hat auch dicGlimmerindustrie, die ihren Hauptsitz in Ottawa hat, erlangt. Nach Schätzung von Sachverständigen sind die Glimmerlager so bedeutend, daß sie den Weltbedars decken könnten. Glimmer findet mehr und mehr M der Herstellung von elektrischen Apparaten Verwendung. Besonders günstig liegt für Canada die elektrische Industrie. Außer dem Niagarafall, den es bekanntlich mit den Vereinigten Staaten theilt, besitz! es reiche Wasserfälle im Osten und in Britisch-Columbien, die eine billige Kraft liefern. Den neue u Unternehmungen strömt viel Kapital zu. Die Ingenieure haben sich eine so große Routine erworben, daß sie sehr viel in Südamerika bei Elektricitätsanlagen zugezogen werden. Diese Entwicklung findet ihren Ausdruck in der Ausfuhr, die in den ersten 11 Monaten des Jahres 1905 mit 199 Millionen Pfund Sterling um 20 Millionen Pfund Sterling größer war als in demselben Zeitraum 1904. El neueö Gemüse. Die Speisekarte der Gourmets ist in letzter Zeit 'durch ein neues Gericht bereichert worden, das in Enaland viel Anklang findet.- ES ist ein Gemüfe, das Lava" heißt und als Zuspeise zu Hammelbraten cam vorzüalick mun det. In seinem Aussehen ist es dem Spmat nicht unähnlich, aber es hat nicht die hellgrüne Farbe dieses Gemüses. sondern mebr einen dunklen grüngoldrgen Ton, der es auf der Schussel, schon mrt dem Fleische garnirt, auch äußerlich zu einem reizend dekorativen Stilleben wacht. Der Geschmack ist angenehm kräftig und von emer fauren Würze, wie ihn etwa ü monen haben. Lada rst ein Seegemüse und findet sich zwischen Klippen und Geröll an der felsigen . Küste Schottlands. Am Strande breitet es sich in lanaen welliaen Büscheln aus und fluthet im Wasser dahin, aus dem dunklen Grunde in seiner leuchtenden Bernsteinfärbung hervorschillernd. Das Wohlschmeckende und Erquickende dieses neuen Gemüses hat man erst jetzt erkannt; die Fischhändler, bei denen man es kaufen muk. lassen es vorder in. einer schwachen Salzlösung wassern. Die Zubereitung von Lava erfolgt am besten mit etwas Citronenfast. Das neue Nahrungsmittel, das nicht nur schmackhaft und erfrischend, sondern uch sehr nahrhaft und Reicht verdcrulich ist, wird sich wohl bald zu einem beliebten Gast auf jeder besseren setafel ausbilden. "Französische Weinbauer halten heute mehr denn je an der Annähme fest, daß durch Abfeuern von Kanonen Hagelstürme' vermieden ?verden können; im Bezirk Veaujolais sind -allein 462 Kanonen in Gebrauch.

?ie Verkauften

Von Helene Lang-Anton. Hedi!" .Fritze!" Sie hatten sich' zufällig an der Ecke der Friedrich- und Behrenstraße getroffen und sich trotz der Veränderung ihrer äußeren Menschen sofort wiedererkannt. Sie schüttelten sich kräftig die Hände wie in alter Zeit, und man sah es ihnen an, daß sie sich beide über das Wiedersehen freuten. Sie, Musterten sich. Herrgott, was war aus dem armen Laufmädel mit dem langen Vaumelzopfe. dem verschossenen Kleidchen und dem ewig schiefsitzenden Matrosenhütchen geworden! Vor ihm stand eine feine, elegante Dame in schickem grauen Tuchanzuge, weißem Fizderkragen, Pariser Hut, und die fein behandschuhte linke Hand hielt kokett das Kleid hoch, so daß man den seidenen Spitzenunterrock und die zierlichen Chevreaux - Stiefeletten mit den koketten,Absätzen sah. Donnerwetter, Hedi, hast Du Dich gemausert!" platzte er heraus und schaute sie mit offener Bewunderung an. Sie sah nicht mehr ganz so frisch aus wie damals, aber sie war voller und schöner geworden. Er sah wohl den leichten Puder über dem Gesicht, die mit dem Schwarzstift nachgezogenen Augenbrauen; aber es störte ihn weiter nicht. Die rothen, kußlichen Lippen waren echt und ihre Freude über das Wiedersehen, ihr Lachen über sein Erstaunen ebenfalls. Na, und Du, Löwchen," sagte sie treuherzig, hast Dir ja janz zum Berliner Dandy ausftafsirt." Sie hatte recht. Niemand hatte in ihm den ehemaligen .Kunstakademiker mit dem abgeschabten, Sammetröckchen und dem offenen Kragen, mit wallendem Haar unter dem großen Filz wiedererkannt. Heute trug er einen Paletot nach neuestem Schnitt, einen Doppelstehkragen, in dem er den Hals nicht wenden konnte, elegante Lackstiefeletten und einen Cylinder. Er hatte nach seinem eigenen Ausspruch keine Ideale mehr, aber dafür wurden seine Bilde: gekauft, und die Kritik beweihraucht: ihn. Hedi, wollen wir nicht zu Siechen ein Echtes trinken gehen?" Sie nickte zustimmend. Wer weiß, ob diesfs Wiedersehen nicht das letzte süi's Leben war. Und sie hatten sich doch so lieb gehabt. Sie hatte eigentlich nur ihn lieb gehabt. Als sie in's Lokal eintraten, war es ziemlich leer. Sie gingen links in die Ecke, wo sie vor Jahren so oft gesessen hatten; und als sie sich über den großen Tisch die Hände reichten und in die Augen sahen, waren sie beide bewegt. Sie lachten verlegen, um ihre Rührung zu verberzen. Dann kam der Kellner, und sie saßen steif wie vornehme Menschen, die sie jetzt waren, da und bestellten ihr Essen und Trinken. Nee. Fritze", sagte sie. als der Kellner aus Hörweite war, eher hätte ick jedacht, daß der steinerne Roland den Rirdorfer tanzt, als daß wir uns noch einmal wiedersehen sollten." Und nun plauderte sie, erst im gequälten Hochdeutsch, aber bald unverfälscht Berlinisch, in ihrer alten, herzigen Weise, und sie lachte und guckte so schelmisch wie früher, daß er sie ganz entzückt betrachtete. Sie war doch noch das süße, herzige Mädel von ehedem trotz Federkragen und Pariser Hut. Weißt Du. Löwchen " sie stockte, dann lachte sie laut, nee, Löwchen kann ick nich mehr sagen, so siehstc nich mehr aus; eher wie der Seelowe im Zoologischen mit Deinem jlattjeschorenen Kopp und Deinem borstigen Schnauzbart." Er war etwas gekränkt über dieses wenig schmeichelhafte Photographiren. Aber sie brachte es so drollig heraus, daß er schließlich mitlachte. Noch hatte er die Frage vermieden, wie es ihr gehe, ihre elegante Kleidung war ja Antwort genug, und es that ihm eigentlich weh, sie so wiederzufinden. Aber dann schalt er sich egoistisch; weshalb hätte sie in Armuth bleiben sollen, nachdem er seine Wege gegangen war! Sie hatte ihm gewiß manche Thräne nachgeweint, und auch ihm war es nicht leicht gewesen. Aber so eine Liebe zwischen einem kleinen Laufmädel und einem armen Akademiker konnte doch nur eineLiebe aufZeit sein. Etwas Fremdes hatte sie doch an sich, etwas, was den vollen Eindruck der Rückerinnerung störte, er wußte nur nicht, was Sein Blick flog prüsend über die ganze Erscheinung. Aber Hedi, seit wann bist Du goldblond geworden?" Sie erröthete leicht. Unsinn, alles geforben, mein Bräutigam kann braun nicht leiden." .Ach so. S'e schaute ihn böse an. Nee, was Du denkst, is nicht. D?l solltest mich doch kennen und wissen, daß ich ein braves, anständiges Mädchen bin. Und wenn ich sage Br'äutigam, so is es einer mit's Standesamt." Sie hatte Thränen in den Augen, und er hatte Mühe, sie zu beruhigen. Als ihm dies gelungen, gratulirte er ihr aufrichtig. Es mußte ein reicher Mann sein, das bewies ihre Kleidung. Sie hatte also ihr Glück gemacht und ging einer gesicherten Zukunft entge-

gen. Er freute sich ehrlich Lasure uns drang in sie, ihm zu erzählen, wie alles gekommen war. Sie war blaß geworden, und der glückselige Ausdruck in ihren Augen verschwand. Sie hätte lieber geschwie gen und sich durch ihre Reden die schöne Stunde des Wiedersehens nicht gekürzt Aber er wollte es, und so sprach sie: Du weißt ja, Fritze, daß das Leben nicht rosenfarben bei uns war. Der Vater krank, und die Mutter war kränklich. Alles ging doch noch, solange er lebte. Als er gestorben, war die Noth groß; die Mutter suchte Arbeit, aber, kein Mensch wollte von der schwachen, kränklichen ??rau etwas

'wissen. Außer mir waren noch drei Geschwister da, der zungste Junge, erst sechsjährig, war trotz allen Elends ein strammer Vengel, der für drei aß. Aber es war nichts da zu essen, und Hunger thut weh. Da lernte ich meinen jetzigen Bräutigam kennen. Es war Glatteis gewesen, und ich war hingefallen, gerade unter der Laterne. Er half mir beim Aufstehen und sah mir in's Gesicht. Dieses mochte ihm gefallen haben. Er bat, mich begleiten zu dürfen, es war mir zwar nicht recht, aber ich wehrte ihm nicht. Ich sagte auch nicht nein, als er mich einlud, mit ihm in's Restaurant zu treten, ich hatte zwar noch nie von fremden Herren etwas Derartiges angenommen, aber ich hatte den ganzen Tag noch nichts Warmes gegessen, und es war bitterkalt. Ich aß'und trank denn auch rechtschaffen, und da er bescheiden blieb, verlor sich meine Ängstlichkeit. Von da an sah ich ihn öfter, und obwohl er mir nicht gefiel er ist weder jung, noch schön, noch vornehm, sein Vater war ein reich gewordener Hausbesitzer aus der Koppenstraße. eine Abstammung, Fritze, die man ihm immer noch ansieht, wenn er auch jetzt im Westen in der eigenen Villa wohnt , duldete ich seine Gegenwart. Er that viel Gutes' an meiner Familie, und ich war ihm dankbar dafür. So war es gekommen, daß ich. als er nach verschiedenen mißlungenen Versu chen, meine Liebe anderweitig zu erringen, mich fragte, ob ich seine Frau werden wollte, ja sagte. Von da ab ging es mir gut, sehr gut. Aber frage mich nicht, ob ich glücklich bin. Ich hab's gethan für die arme Mutter und für die Kinder, die nun nicht mehr frieren und hungern müssen." Eine Pause entstand. Arme Hedi! Sie hatte sich also der kauft für das bißchen Plunder, das sie da am Leibe trug, für ein erträgliches Leben ihrer Familie, verkauft an einen Mann, den sie nicht liebte, der ihr nicht einmal sympathisch war. Und sie war noch so jung, und das ganze Lebenag vor ihr. Ihn schauderte. Ein langes Leben an der Seite des unsympathischen Menschen! Sie trank ihr Vier aus und'tand auf. Es isr Zeit. 'Fritze. Er erwartet mich, laß uns scheiden." Sie reichte ihm die Hand, und er fühlte, wie diese zitterte. Er hielt sie fest. Hedi, können wir uns nicht wiedersehen?" Nein," sagte sie bestimmt. Nächste Woche ist meine Hochzeit, dann trage ich seinen Zamcn bin sein Weib, und ich habe allen Grund, ihm dankbar zu sein." Er sagte kein Wort daraus, aber er neigte sich und küßte ihr die Hand. Da sah er, wie ihr die Thränen über die Wangen rollten, und er zog sie fast stürmisch an sich. Nein, Hedi. ich laß Dich nicht. Es geht mir letzt gut. Du hast mich noch lieb, es kann alles wieder werden wie früher." Sie schüttelte den Kopf und sah ihm fest in die Augen. Würdest Du mich heirathen?" Er erschrak. Heirathen, nein, das konnte er nicht, meiner Familie wegen nicht, und dann war er auch schon halb gebunden. Gebunden an eine Frau, deren Einfluß er alles verdankte: die Stellung, die wohlwollende Kritik und dadurch den Absatz seiner Bilder. Das hatte er ganz vergessen. Sie enthob ihn der für ihn unangenehmen Antwort, schüttelte ihm nochmals die Hand und ging. Er sah ihr nach. Wie reizend sie aussah, und wie graziös und sicher sie dahinschritt.' Kein Mensch würde in ihr das kleine dürftige Laufmädel von ehedem wiedererkannt haben. Aber es war doch gut, daß sie vernünftig war und ihn verhindert hatte, eine Dummheit zu begehen. Da kam ein dicker Herr mit einem gewöhnlichen, rothen, fettglänzenden Gesicht über den Damm herüber und begrüßte Hedi. Sie schob den Arm unter den seinen und ging mit ihm weiter. Fritz starrte einen Augenblick wie geistesabwesend dem ungleichen Paare nach. Arme kleine Hedi! Das war . ja noch viel schlimmer, als er geglaubt hatte. Er bedauerte sie an sich selbst dachte er nicht. Er zahlte und verließ das Lokal. Vor der Thür pfiff er nach einem Taxameter. Dann sah er nach der Uhr: Donnerwetter, schon halb acht! Kutscher, fahren Sie zu, Bellevuestraße 18." Wie konnte er sich aber auch nur so verplaudern? Frau v. Nordhof erwartete ihn seit sieben Uhr, und sie wartete nicht gerne l

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