Indiana Tribüne, Volume 29, Number 187, Indianapolis, Marion County, 2 April 1906 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
'Ntzeinprovinz. Köln. Verlieben wurde: Dem Prokuristen Ernst Hulverscheidt zu Aachen, dem Obersekretar a. D. Äeringen und dem Sekretär a. D. Hansen bei der Rheinischen Vrovinzial-ffeuer-versicherunzs - Anstalt zu Düsseldorf der Kromnorden 4. Klasse, dem ommerzienrath Dr. Jng. Emil Guttleaume zu Muhlheim am Nhein der Kronenorden 3. Klasse und dem Kommerzienratb Theodor v. Guilleaum? Hierselbst der Kronenoden 4. Klasse. A n r a t y. Der Gutsbescher Sassen wurde von seinem Vetter, dem Gutsbesitzer Busch aus Vorst, wegen eines Liebesverhältnisses, das dieser mit der Schwester des Sassen unterhielt, erschlaaen. Der Thäter würd: verhaftet. Düsseldorf. Im . Äellenaesängniß hat sich der zum Tode verurtheilte Tagelöhner Johann Weitzwcller erhängt. Er ermordete im Sommer 1902 in Quettinqen bei Opladen die 18 Jahre alte Maria Hartmann. Dle Vollstreciunz des Todesurtyetts war ausgesetzt worden, weil der Mörder durch ärztliches Gutachten für gei stes krank erklärt wurde. Essen. Vet Gelegenheit einer Festlichkeit, die der aus dem Vorstand der hiesigen Kreditanstalt ausgeschiedene Bankdirektor Müller den Angestellten des hiesigen Stammhauses, sowie der Zweiganstalt gab, machte der Fesigeber die Mittheilung, daß er der Beamtenschaft der Kreditanstalt eine Sttttuna von 25.000 Mark gemacht habe, deren Zinsen alljährlich unter den mittleren und lungeren Beamten verloost werden sollen. Keil deck. Letztens entstand in dem von acht Familien bewohnten Doppelwohnhause des Ackerers' H. Vergerhoff Feuer. Bei dem herrschenden starken Wind breitete sich der durch Strob und Seuvorratbe genährte Brand rasch auf beide. Gebäude auö und äscherte sie ein. Neun. Em schweres Unglück ereignete sich am Hafenerweiterungsbau vor dem Hessenthor. Der 24jährige Bremser 'Otto Müske au? Ostpreußen bediente einen zu Berg fahrenden Erd zug als Bremser. An einer Kurve entgleisten drei Wagen und der Bremser stürzte ab. Hierbei schlug er so hart mit dem Kopfe auf das Geleise auf. dak er einen Schädelbruch erlitt und der Tod sofort eintrat. Remscherd. Bon einem schweren Brandunglück wurde das Anwesen von Schöpp, Lenneperstraße 12, in welchem sich die Vferdehandluna von Rögels befand, betroffen. Das Wohnhaus mit Stallung un Vorrathsräumen fiel dem wuthenden Element zum Opfer. Viersen. Die Stadtverordneten Nisteten anläßlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares 10,000 Mark, welche zur Erweiterung der von vem Beigeordneten Joseph Kaiser gestifteten Milchanstalt für Säuglinge dienen sollen. Frovinz Kesscn-'Masfau. Kassel. Bei der Zusammenstellunz eines Güterzuges wurde der Rangirer Böttighausen aus Kirchditmold auf dem Rangirbahnhofe bei Rothenditmold schwer verletzt. Der Verunglückte wurde dem hiesigen Landkrankenhause zugeführt. Frankfurt a. M. Der Kassenböte der hiesigen Cementfabrik Gruber, welchem am August v. I. eine Summe von 3900 Mark von dem kürzlich abgeurtheilten Straßenräuber entrissen wurde, hat aus Gram über den Verlust des Geldes Selbstmord begangen. Seine Leiche wurde im Main zwischen hier und Griesheim gelandet. Frau Emma von Mumm hat zur Erinnerung an ihren kürzlich verstorbenen Sohn Siegmund dem Mitteldeutschen Kunstgewerbeverein 50.000 Mark als Siegmundsstiftung, überwiesen. H n a u. In der Nähe des Nordbahnhofes erschoß sich der Soldat Wagner von der ersten Schwadron des hiesigen Ulanen Regiments. Wagner hatte mit einer derheiratheten Frau in Frankfurt ein Liebesverhältniß unterhalten, wovon der Ehemann der Frau beim Regiment Anzeige erstattete. Homburg. Der königl. Rentmeister Karl Rosenhahn, ehemaliger Feuerwerköleutnant, Ritter mehrerer Orden, 'der eine Reihe von Jahren in Homburg thätig war und seit einiger Zeit als Pensionär hier lebte, ist nach längerem Leiden im Alter von 63 Iahren verstorben. J ba. Dem Bürgermeister Chnsiian Lingemann wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Linsngen. Vor Kurzem kam der hier stationirte Förster Heck von seinem Dienstgange nach Hause, fühlte sich plötzlich unwohl und fiel als Leiche zusammen. Ein Herzschlag hatte dem Lebm deö überall beliebten und geschätzten Beamten ein'rasches Ende bereitet.. Marburg. Der Prwatdozent für Physiologie an der HZesigen Hochschule Dr. John Seemann hat sich die Venine legendi bei der medizinischen M. ..rii k ri r... r tfarmiai in dienen erworoen. Radmü hl. Letztens hat sich der noch jugendliche Lehrer Kreis erschossen. Man fand ihn auf seinem Bette liegend mit ner Redolverkuael tn der Brust. Die Ursache des Selbstmordes soll ein unglückliches Liebestzerhaltnlb ItlZL
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glückt ist dieser Tage der 18jährige Sohn Adam des Landwirths Heinrich Dilling von hier. Vater und Sohn waren mit Schleifen von gefällten Bäumen, welche sie später auf den Waaen laden wollten, beschäftig. Hierbei gerieth der Sohn mit oem rechten Bein unter einen Baum. Man brachte den jungen Mann im Wagen zum Arzt, welcher eine Zersplitterung des Schienenbeines feststellte. Z.1itteröeutsche Staaten. Vraunschweig. Dieser Tage feierte Karl Marquardt als Meister im Geschäft des Sattlermeisters August Baumbach. Alte Wage 22, sein 25jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlaß ihm zahlreiche Glückwünsche und Ehrungen zu Theil wurden. Von Baumbach erhielt er eine goldene Uhr, von der Handwerkskammer ein Di plom. Professor Dr. I. Zcnneck hat den Ruf als ordentl. Professor an der hiesigen Technischen Hochschule angenommen. V e i e r st e d t. Kürzlich wurde das Gehöft des Ackermanns Julius Meyer hier ein Raub der" Flammen. Der Schaden ist trotz Versicherung bedeutend. Die Entstehungsursache' ist unbekannt. Harlingerode. Aus übertriebenem Ehrgefühl vergiftete sich hier die erst 15jährige Dienstmagd Frieda Wesche. Ihr waren w'gen einer unbedeutenden Entwendung vom DienstHerrn Vorstellungen in angemessener Weise gemacht worden. Kleinfahner. Ihr goldenes Ehejubiläum feierten in diesem Jahre hier die Landwirthe Johann Karl Frankenhäuser, Ferdinand Schierschmidt und Friedrich Kühn mit ihren Ehefrauen. Kriebitzsch. Ein trauriges Geschick hat die Werner'sche Familie hier betroffen. Vor kurzem starb das älteste Kind an Nierenleiden, es. war ein Mädchen im Alter von o uyivu. Bald darauf folgte ihm sn 2jähriges Brüderchen nach, das nur kurze Zeit, wie seine Schwester, krank gelegen hatte. Danach verschied nun auch noch plötzlich und unerwartet der Vater dieser beiden Kinder, Schlosser Oswald We'rner, ein Mann von 32 Jahren, der infolge sehr schweren Nervenleidens längere Zeit arbeitsunfähig gewesen war. L i b e h n a. Kürzlich schüttete die Wittwe Stoye noch Kohlen in den Stubenofen und begab sich dann mi! ihrer fünfjährigen Enkelin zur Ruhe. Der Rauch muß wohl keinen genügenden Abzug gehabt haben, denn das Zimmer füllte sich mit giftigen Gasen. Spater fand man Großmutter und Enkelin besinnungslos in ihren Betten vor. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte bei dem Kinde den bereits eingetretenen Tod, hervorgerufen durch Kohlenoxydgas - Vergiftung fest; . die alte Frau wurde wieder ms Bewußtsein zurückgerufen,.. wird aber wohl kaum an Leben zu erhalten sein. Sachsen. Dresden. In dem nahen. Blasewitz verstarb im Alter von 72 Jahren der Kommerzicnrath G. Pfitzner. Ein Menschenalter hindurch hatte Psitzner die Führung in der Frankenberger Webwaaren - Industrie. Nachdem er 1903 sein Geschäft in die Hände seines Sohnes und Schwiegersohnes gelegt, schied er aus' der Firma aus und siedelte nach hier über. In Anbetracht seiner großen Verdiensie um das Gemnnwohl verlieh ihm dle Stadt Frankenberg das Ehrenbllrgerrecht. Bad Elster. Dem Wegewärter der hiesigen Badeanstalt, Albin Adler, ist bei seimm Uebertritte in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. F r e i b e r g. Dieser Tage feierte der langjährige Wirth und Besitzer des Oberhofes, Franz Kündinger, sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Kötzschenbroda. Vor einiger Zeit entschlief hier Generalleutnant z. D. Anton Maria von Cerrini di Monte Varchi, Ritter hoher und höchster Orden. Lengenfeld. Die weit über Sachsens Grenzen hinaus bekannte Filztuchfabrik Christfried Petzold hier beging die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Die Firma wurde im Jahre 1830 mit bescheidenen Mitteln begründet und hat sich im Laufe der Jahre zu einer bedeutenden Hohe emporgearbeitet. Den Inhabern der Firma wurden viele ehrende Anerkennungen zutheil. Leipzig. Den seit 30 Jahren in der Rauchwaarenzurichterei und -Färberei von A. Herzog beschäftigten Werkmeister Sürbe und Läutermeister Vogler ist das tragbare Ehrenzeichen ftir Treue in der Arbeit verliehen worden. Letztens feierte die Biedermannstraße 58 wohnhafte Milchfrau Friederike Wilhelmine verw. Straßer ihr 40lahriges Berussmbuaum. M ü a e l n. Vom Eisenbahnzng zer stückelt wurde der Wirthschaftsbesitzer Reinhold Schindler aus -Altmügeln. Dos Zugpersonal des Guterzuges be merkte an einem heftigen Stoßen, daß der Zug auf ein Hinderniß gestoßen war, und untersuchte darauf das Geleise, fand jedoch nichts: Erst später fand ein vorübergehender Arbeiter auf dem Bahngeleise Leichentheile. Der Korper war ganz zerstückelt, Kopf, Ar me und Beine vom Rumpfe getrennt. Ein Arm fehlte ganz.
Ein Zlnfall.
Automokil-Humoreske von AloiS Nlreich. Zur großen Ueberrafchung des Backermeisrs Valentin Thiele hielt eines Nachmittags vor seinem altmodischen Mckerladen ein sehr elegantes Auto mobil, dem ein ebenso eleganter junger Mann behenden Schrittes entstieg. Die große Ueberräschung des Bäckermeistes Thiele erlitt eine bedeutende ReduzirnnJ, als er die Züge des jungen Mannes erkannte, der seinen Blick eben auf das Auslagefenster richtete, hinter welchem Herr Thiele stand. Gleich darauf trat der junge Mann ein, machte vor Herrn Thiele eine seiner tadellosen Verbeugungen und sagte dann im feierlichsten Tone der Welt: Herr Thiele Sie würden mich zu großem Danke verpflichten, wenn Sie mir gestatten möchten, ein paar Worte im Vertrauen an Sie zu richten " Es wird mir ein Vergnügen sein!" entgegnete der Bäckermeister mit saurem Gesicht, da es ihm absolut kein Vergnügen war, die vertraulichen Worte des jungen Mannes, dem' er nicht besonders hold war, zu vernehmen. Aber er war stets im Leben ein höflicher Mann gewesen, der auch in unangenehmen Situationen niemals die Gesetze des Anstandes gröblich verletzte. Deshalb ließ er den jungen Mann in sein Privatkontor eintreten und folgte ihm mit dem festen Vorsätze, standhaft alle Bitten desselben abzuschlagen. Nachdem man sich gesetzt hatte, begann der junge Mann zu sprechen, indem er den vorerwähnten feierlichen Ton beibehielt: Herr Thiele Sie können sich wohl denken, daß eS eine ganz vejondere Angelegenheit lein muß. die mich 'bewog, Sie um die Unterredung zu bitten. Es wäre unzart, wenn ich in ganz unvorbereitender Weife jene Dinge aussprechen würde, die ich im Laufe diefer Stunde noch werde aussprechen müssen. Ich gestatte mir deshalb, Ihre Aufmerksamkeit auf die lange Zeit unserer Bekanntschaft zu lenken, die von jenem Tage an datirt, da ich Sie im bürger lichen Kegelclub unseres Bezirks ken nen lernte. .Schon damals war ich in hervorragender Weise von Ihnen entzückt, ohne daß ich damals ahnte, daß Sie mir einst im Leben m besonderer Weise nahestehen und mein Glück, in Ihren Händen halten wurden. Die Thatsache, daß Sie mir Ihre wohlwollende Freundlichkeit schenkten, befestigte in mir die Freude, die Ihre gerechte Beurtheilung meines Charakters hervorgerufen hat. Wenn ich mich in diesem Augenblick auf all' diese Dinge berufe, geschieht es nur deshalb, um jene Bitte gehörig vorzubereiten, die ich Ihnen sofort vortragen werde " Bitte " unterbrach Herr Thiele die langathmigen Ausführungen des jungen Mannes, übergehen Sie diese einleitenden Worte und kommen Sie zum Gegenstand JhreS Besuches." Sie würden zu fehr überrascht sein, werther Herr Thiele, und daS könnte einen nachtheiligen Einfluß auf Ihre werthe Gesundheit nehmen." Durchaus nicht! Sagen Sie nur heraus, was Sie wünschen." Nun denn ich will nicht zögern " begann der junge Mann neuerdings. Was mich veranlaßt, Sie aufzusuchen, ist nicht der vorzügliche Ruf, den Ihre bürgerlichen Tugenden genießen, nicht das wohlverdiente Anr -r. c.rr r v . v , eyen, Dttn ucy mt ausgezelcynei chmeckenden Erzeugnisse Ihres Gechäfts erfreuen, sondern einzig nur die Reize Ihrer liebenswürdigen Tochter, die mein Herz bestrickt haben. Herr Thiele ict will keine unnöthigen Worte machen, sondern Ihnen die offene Wahrheit sagen, daß ich Ihre Tochter liebe und hiermit um deren Hand bitte." Und ich erkläre Ihnen ebenso of fen," erwiderte Herr Thiele, unange nehm berührt, daß ich nicht in der Lage bin, Ihnen meine Tochter zur Frau geben zu können." Nicht V wiederholte der junge Mann fragenden Tones. Weshalb nicht? Warum nicht?" Das will ich Ihnen auch fofort sagen." Ich bin schon neugierig!" Sie sind erstens leichtsinnig." Dieser Leichtsinn wird in dem Augenblick schwinden " entgegnete der junge Mann, wenn ich den Familiensorgen gegenübertreten; werde, die meine Thatkraft festigen und meinen Willen zum Guten stärken werden." Ferner sind Sie flatterhaft " O ist nur einmal Ihre Tochter meine Frau, dann fehe ich kein anderes weibliches Wesen dieser Welt anders an als mit gleichgültigen Blicken." Schließlich haben Sie keinen Beruf!" . Da irren Sie sich, verehrter Herr Thiele! Ich sehe meinen Beruf darin, Ihre Tochter glücklich zu machen." Und wovon wollen Sie dieselbe erhalten?" Durch Ihr Geschäft! Hören Sie nur einmal: Ihr Geschäft ist gewiß einträglich und gut; aber Sie arbeiten noch mit den Mitteln der lieben, alten Zeit. AIs Geschäftsmann sollten Sie wissen, daß der Umfatz des besten Geschäfts steigerungssähig ist, wenn man die Sache nur recht anfaßt. Im großen Absatz liegt das .Geheimniß , des modernen GeschäftSerfolgeS. Früher einmal war die Güte der Waaren maßgebend; davon ist man aber schon lange abgekommen, da die Fortschritte der
technischen Hilfsmittel eine gleichmäßige Herstellung der Waaren, gestatten und ein Geschäft vor dem anderen darin nichts mehr voraus hat. Ich werde nun Ihr Geschäft, Ihre Firma repräsentiren. Ich werde die großen Bergnügungsetablissements, die Caf6s, Concertlokale und Restaurants wieder aufsuchen, in denen ich bisher schon Stammgast war und wo man mich kennt. Wenn ich nun Ihr Compagnon sein werde, werden sich diese Etablissements selbstverständlich verpflichtet fühlen, ihren Bedarf an Gebäck bei uns zu decken. Der Umsatz des Geschäfts wird sich verdreifachen und ein angenehmes Erträgniß abwerfen, das auch zur Deckung meiner Familienauslagen ausreichen wnd. Was sagen Sie dazu?" Daß ich Ihnen die Hand meiner Tochter trotzdem verweigere, denn das sind nur Hirngefpmste." Grausamster aller Väter " fuhr der junge Mann fort, zerstören Sie nicht meie Hoffnungen " Wie gefällt Ihnen die Maschine?" fragte der junge Mann fort, das Gespräch auf ein neutrales Gebiet lenkend. Ich bewundere den Fortschritt, der in diesem neuen Fahrmittel zum Ausdruck - kommt, aber, ich traue ihm nicht " erwiderte der Bäckermeister. Sind Sie. schon in einem Automobil gefahren?" Eigentlich hm nein ! Man hört von so vielen Unfällen, daß man. sich scheut, eine solche Höllenmaschine zu besteigen." Ihre Furcht ist vollkommen unbegründet. UebrigenS bietet sich Ihnen jetzt Gelegenheit, eine kleine Automobilfahrt zu unternehmen. Wenn Sie mir schon die Hand Ihrer- Fräulein Tochter abschlagen, so werden Sie doch gewiß meine Einladung annehmen, eine kleine Automobilfahrt mit mir zu machen."
Herr Thiele schwankte; die ver'lockende Einladung erschütterte seine kosten Grundsätze. Schon lanae wünschte er sich die Gelegenheit, einmal mit einem Automobil zu fahren, doch zögerte er bisher stets, da er sich nicht einem Unbekannten -anvertrauen wollte. Die Einladung von dem jungen wann tarn rhm deshalb sehr gelegen, so daß er sich nicht enthalten konnte, dieselbe schließlich doch zu acceptiren. DaS Automobil sauste die Straße entlang, hoppste über die Steine, und ewige Male glaubte Herr Thiele ganz bestimmt, daß es überhaupt nicht den Boden berühre, sondern einfach fliege. In einer solchen Anwandlung be greiflicher Furcht wandte sich Herr Thiele an den jungen Mann, der das Automobil lenkte. He lieber Freund!" schrie er mit dem ganzen Aufgebot feiner Stimme, um das' Eerassel ' der Maschine zu übertönen, he was fahren Sie denn so schnell? Sind Sie verrückt Z" Nee das nicht, aber lebensüberdrüssig!" erwiderte der junge Mann fehr ernst. Thiele erblaßte. Eine furchtbare Idee beschlich sein Gemüth: Wie wenn der junge Mann, dem er vor einer Stunde die Hand seiner Tochter verweigert hatte, eine Automobilfahrt in den Tod, eine neue Selbstmordart, usführen wollte Lassen Sie mich aussteigen," ersuchte Herr . Thiele, aber der junge Mann drückte seine Kappe tiefer in das Gesicht, steigerte abermals die GeschwindigZeit und fragte fchreiend: Haven Sie Ihr Testament gemacht?" Nein " erwiderte fassungslos Thiele, dem eine solide Gänsehaut über den Rücken lief, während seine Kniee sanft schlotterten. Dann dürften Sie kaum mehr dazu Gelegenheit haben!" bemerkte der junge Mann. Ich vermag ohne Ihre Tochter nicht zu leben und will mein unnützes Dasein hiermit in Ihrer Gesellschaft beschließen Gerade als er die letzten Worte Herm Thiele in's Ohr geschrieen und die Straße für einige Sekunden aus dem Auge gelassen hatte, ereignete sich etwas Schreckliches. Das Automobil that plötzlich einen kühnen Sprung und sauste dann im Bogen 'in den Straßengraben, wo eS liegen blieb. Herr Thiele fühlte den kühnen Sprung und dachte nichts Anderes, als daß er in 'diesen Sekunden fein irdisches Dasein beschließen müsse. Er erwartete bestimmt, in dem nächsten Augenblick im besseren Jenseits zu erwachen. DaS spürte er ganz deutlich, daß er durch die Luft flog und auf etwas Hartem landete. Während er derart regungslos dalag und der Dinge harrte, die sich da entwickeln würden, fühlte er sich an der Schulter gepackt und gehörig geschüttelt. Leben Sie noch Herr Thiele?" fragte e'ne Stimme, die er als diejenige des jungen Mannes erkannte, der' ihn zu dieser Aulomobilfahrt bewogen hatte. Es war nun kein Zweifel. Er lebte noch! Jetzt wagte er auch, sich zu bewegen. Eim'ge Augenblicke später konnte er bereits feststellen, daß er mit den Beinen in einem Kleefeld und mit dem Gesichte in einem Straßengraben lag und daß sich der junge Mann und der Chauffeur um ihn bemühten. . Lieber Freund," sagte Herr Thiele, der die Dinge noch in der Perspektive des besseren Jenseits betrachtete, nehmen Sie die Hand meiner Äochter und
unterrichten Sie meine Frau recht schonungsvoll von meinem Ableben"
Es bedürfte einiger Zeit, bis Herr Thiele begriff, daß er durchaus noch nicht zu sterben brauche, sondern mit einer Ellbogenverrenkung aus der Katastrophe hervorgegangen sei, an der ein harmloser Ziegenbock schuld war. der in dem Augenblick die Straße kreuzte, als der runge Mannsich zurückbeugte und Herrn Thiele seine selbstmörderischen Absichten mittheilte. Gerädert lag der arme Zregenbock jetzt auf der Straße. Der Chauffeur und der runge Mann bemühten sich zunächst, Herrn Thiele auf dre Beine zu bringen und die Spuren des Straßengrabens aus feinem Gesichte zu entfernen. Als rhn der runge Mann mit lieber Schwiegerpapa" ansprach, stutzte er einen Augenblick und sragte ihn dann, woher er 'das Recht zu dieser Ansprache ableite. ?.Sie haben mir doch die Hand Ihrer Tochter zugesagt, als Sie zuvor im Straßengraben lagen und im. Begriff waren, Ihre Lebensrechnung abzuschließen. Erinnern Sie sich doch nur' " Habe ich das gethan? Dazu hat mich die Aufregung dieser außergewöhnlichen Situation hingerissen " Keine Ausrede. Herr Thiele! Ich habe nun einmal die Hand Ihrer Tochter und müßte, falls Sie sich weigern sollten, Ihr Versprechen zu halten, die Gerichte anrufen, damit mir zu meir.em Rechte verholfen wird. Ich glaube. Sie werden das nicht wollen, daß Ihr Name durch die Gerichtssaalrubrik der Blätter geschleift wird?" Durch einen vorbeifahrenden Bauernwagen wurde diese Unterhaltung unterbrochen, da man mit dem schlauen Bauern ein Abkommen zu treffen suchte, demzufolge er sich verpflichtete, das Automobil, in das man Herrn Thiele gebettet hatte, an seinem Wagen als Schlepper anzuhängen und in die Stadt zu führen. Sagen Sie mal, junger Freund " wandte sich Herr Thiele während der langsamen Fahrt an seinen künftigen Schwiegersohn, wären Sie wirklich vorhin in dem rasenden Tempo in den Tod gefahren, wenn der Unfall mit dem Ziegenbock nicht dazwischen gekommen wäre?" Gestatten Sie, geschätzter Schwiegerpapa, daß ich, diese Frage nach dem getroffenen glücklichen Arrangement dieser Angelegenheit nicht beantworte. Nur einS mochte ich bemerken, daß nahe der Unglücksstelle ein ausgezeichnetes Wirthshaus gekommen wäre, dessen Weine sich eines trefflichen Rufes erfreuen. Bis dahin wären wir sicher gefahren. Das Weitere hätte sich dann schon gefunden." Herrn Thiele kamen allerlei Gedanken, von denen sich besonders einer hartnäckig festhielt: ob dieser Unfall nicht ein rechter Hereinfall war . ? Auch in seinem späteren Leben war sich Herr Thiele darüber niemals klar. Er sprach jedoch nicht davon, da er fürchtete, daß er eine unangenehme Wahrheit zu hören bekommen könnte. Sin unfreiwilliges Bad. Daß an einem Tage wie dem 26. Februar (KaisersGeburtstag) sämmtliche Zugänge zu den Linien und noch einige darüber polizeilich abgesperrt werden, ist eine Nothwendigkeit, über die sich streiten läßt, schreibt ein Berliner. Daß dabei manche Unschuldige in allerhand Kalamitäten gerathen, ist bekannt. Daß aber solche Kalamitäten doch zuweilen von unfreiwilliger Komik begleitet sind. ist'daS einzig Erfreuliche an dem allen. Ich hatte mich am Nachmittag des 26. Februar glücklich bis zum Hotel de Rome (Charlotten Straße nächst den Linden) hindurchgemogelt und dort ein erquickendes Bad genommen. Gerade trete ich danach aus der Thür.' als mit raschen Schritten ein Herr sich nähert, dem noch rascher ein Polizeileutnant folg!: Dieser herrscht den harmlosen Spaziergänger" an, wohin er wolle? Und jener: Ich? Zu zum Hotel deRome hier." Polizeileutnant: So?" Und was wollen Sie da?- Jener (das Plakat am Eingang zum Bade lesend und sich schnell fassend): Ich ich will hier ein Bad nehmen." Worauf der Polizeileutnant energisch: Gut! Dann lösen Sie auf der Stelle und vor meinen Augen eine Karte!" Sprichts und führt den Verdutzten die Stufen zum Billettschalter hinab und läßt ihn eine Karte lösen, nicht genug: sorgt auch dafür, daß der Badegast" seines Bades theilhaftig werde. Bertrauenwerthe Bahn. Eine eigenartige Duellart hat man kurz nach Erbauung der ostchinesischen Bahn, wie ein russisches Blatt erzählt, in der Mandschurei erfunden. Da dort keine Tuellpistolen vorhanden sind, aus gewöhnlichen zu schießen aber unpassend wäre, haben die Offiziere der Garnison Zizikar folgendes ersonnen: Die Duellgegner lassen das Loos entscheiden, wer den Tod" zieht, muß auf der Ostchineischen Bahn von Zizikar nach Chärbrn reisen. Kehrt er unversehrt zurück, ohne bei einer Katastrophe sein Leben, gelassen zu haben, so ist er frei. .' Scheint ja recht vertrauenerweckend gewesen zu sein, die Ostchinesische Bahn! '
