Indiana Tribüne, Volume 29, Number 186, Indianapolis, Marion County, 31 March 1906 — Page 7
Jndlana Tribüne, S1. März 1000.
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1 Siebenschläfer I o o -K O o -K l0man ton Agnes Harder o oooooooooooo (Fortsetzung.) Auch die Arbeit kann ich für keinen Fluch bt Menschengeschlechts halten. Bärbles Vater ist Uhrmacher. Das liegt bei ihnen so in der Familie, sie schreibend vom Jahr 1640 her. Wenigstens steht diese stolze Zahl, die in dieser Verbindung alle widerlichen Kriegserinnerungen verliert, auf dem hölzernen Zifsernblatt unter einem Vergißmeinnicht. Ein paar hölzerne Näder, ein Strick, an den ein schwerer Feldstein gebunden wird, und ein holzerner, wagerechter Pendel, den zwei Vleikügelchen reguliren. Alles wahrhaft Große ist einfach. Niemand wird das so mühelos einsehn, wie der Verliebte. Uebrigens arbeitet der Bauer jetzt nur an Regentagen. Im Sonnenschein ist er auf dem Feld. In Freibürg können die reisenden Engländer versichern, sie wollen die Uhren mit Gold aufwiegen. Das kümmert ihn nicht. Deshalb macht er nicht eine Uhr mehr. Soviel Charakter liegt hier in der Familie. Gestern goß es in Strömen. Der Negen prasselte auf das Schindeldachs der Wind fegte darüber, daß ich dachte, die moosbewachsenen Steine müßten in's Rollen kommen und - vom Dach herunterrutschen, auf die Wiese. Denn unser Haus hat vorn eine Reihe Fenster und sogar eine Holzgallerie darüber, wo im Herbst die Maisbüschel - aufgehängt werden und die Kürbisse zum Trocknen liegen. Hinten aber geht das Dach bis auf die Bergwiese nieder, nur einen Einschnitt hat's, daß man das Heu gleich auf die Tenne bringen kann. Es ist wie ein Mantel der Barmherzigkeit und schützt gleichmäßig Menschen, Vieh. Geflügel und Schweine. Aber wenn der Sturmwind saust, dann duckt man sich gern unter solchen Mantel. Run. der Alte schnitzte seine Räder und probirte eine der Uhren, und bedächtig ging das Ticktack durch die Stube, etwas ruckweise, denn der eine Hebelarm war länger als der andere. Die Ahndl machte ein Feuer auf dem Herd, die Lichter zuckten über das Muttergoitesbild, das über dem Salzfaß hängt. Das B'ärble hatte zum Pinsel gegriffen und malte auf ein Zifferblatt die Zahl 160 und ein Vergißmeinnicht und sah mich an, wie es die fünf blauen Blättchen mit einem gelben Kelch zierte, und ich erzählte -Hauffs Märchen vom kalten Herzen. Himmel, was hatte ich für einen Erfolg! Sogar die Uhr hörte auf zu ticken, denn der Stein war auf die Ofenbank gestoßen und stand still, und niemand wollte sich im Genuß stören .lassen und ihn frei machen. Ueber den Holländer Michel wurde zu Gericht gesessen. wie über eine geschichtliche Persönlichkeit, und Abends wollte Bärble nicht zur Ahndl in's Bett, weil es sich so sehr fürchtete und die alte Frau ihm nicht Schutz genug war, und blieb bei mir auf der Ofenbank sitzen und hielt mich für mächtiger, als alle heiligen Nothhelfer,' so gut katholisch es sonst auch ist. Heute aber, als die Sonne wieder lachte und wir tief in iie Tannen gingen, sagte ich mein Sprüchlein: . .Schah hsufer im ßriinfit Tann,nwald, schon viel tausend Jakre alt, Tir gehört all Land, w? Tannen stebn, käszt dich nur Sonntagskindern sehn.' Dann rauschte es hinter der Tanne, und mein Maidle.kam hervor, und der kurze Rock und die blonden Zopfe slogen. Ich hatte aber auch kein kaltes Herz. .So steht's, Siebenschläfer. Und so soll es auch noch eine Weile bleiben, wenn ich auch in einigen Tagen nach Freiburg zurück muß. denn der Professor wird erwartet. Aber gibt es einen Grund, warum nach den Kirschen nicht die Pflaumen schmecken sollen und die Nüsse und die rothbackiaell Pepinger um Weihnachten? Behält nicht ein weiser Hausvater e:mqe verschrumpelte Goldrenetten im Keller, bis die Walderdbeeren den Reigen von neuem beginnen? Siebenschläfe?, ich bin für frisches Obst! Sei Du es auch! Dein kleiner Bär." Am Abend war das Vorstadtkheain edränat voll. Das Vublikurn war unruhig, wie vor einer Premiere. Immanuel konnte durch die eingekeilte Masse kaum hindurch zu dem kleinen Tisch links vor der Buhne, wo er immer saß, seit dem ersten Mal, und wo ihn die Augen der schonen Magellone sofort fanden. Man machte Bernerkungen hinter ihm. Man hielt ihn lange für den Geliebten der Schauspielerin. Er achtete nicht darauf. Er begriff nie. daß sich die Neugierde mit ihm beschäftigen konnte, denn er beschäftigte sich nie mit andern. In seimm Herzen war immer eine starke Unterströmung von Sehnsucht. Aber wie ein Nebel lastete die Träumerei darauf, daß sie nicht frei wurde, kein Ziel bekam. Seinen Händen, fehlte die fast selbstthätige Kraft, sich das Glück zu halten. Und doch fühlte er, daß er es nie verwinden würde, ließe er es ent gleiten. . Er fieberte heute. Die Adern lagen aus seiner Stirn wie Stricke. Die Narben de? Brandwunden glüb-
en. Als Madlene auftrat und' ihn
sah, lächelte sie. Jmmanuel blieb sitzen, bis der Beiallsjubel sich gelegt hatte. Er wertete onst an dem kleinen Ausaanc'.. Aber da standen heute viele, der Gefeierten zum Abschied noch einmal die Hand zu reichen. Er konnte nicht mit ihr sahren, und er konnte sie auch Nicht sthn. wenn em anderer dabei war, heute nicht. Er starrte nach der Thür, durch die sie am ersten Abend gekommen war, . r rv "rr . rm t E ms ne iiq onneie uno Acaotene au? ihn zuschritt. Sie hatte einen schwarzen Tuchmantel mit der Kapuze um. aus der ihr Gesicht schmal und bleich hervorsah. Sie war noch nicht abgeschmmkt. Sie war auch scheinbar so müde, daß sie sich auf den Tisch stützte. .Ich habe den Wagen vor den seitlichen Gartenausgang bestellt. Führen Sie Mich hin, aber begleiten Sie Mich nicht. Ich kann heute niemand sehn." Und der Abschied, Magellone' Sie finden Botschaft zu Hause. Kommen Sie." Sie zog die Kapuze über das Gesicht. Als sie in dem dunklen Garten stolperte, hob er sie auf und trug sie zum -Wagen. Wie Christoforus kam er sich vor, so schwer wurde ihm die leichte Last. Auf seinem Schreibtisch lag das erste Schreiben von ihr, wenige Worte. Heute m:no nahmen Sie Adschieo von der Künstlerin. Rautendelein aber will morgen Abschied nehmen von dem, der ihr die Natur offenbarte. Wir wollen uns morgen früh um zehn Uhr auf dem Bahnhof der Höllenthalbahn treffen und zusammen zum Feldderg steigen. Ich habe telegraphisch zwei Zimmer bestellt. Auf Wiedersehn!" Wie ist doch der Morgen oft so anders als der Abend in seinen Stimmungen! Als hätte sich eine Schaar von dunkelschwingigen Vögeln verwandelt.in weiße Tauben, denen die Sonne Llchiblitze entlockt, wenn sie plötzlich wenden m raschem Flug! Jmmanuel saß der schonen Magellone gegenüber, die trug das kurze, blaue Lodenröckchen und den kleinen Filzhut und einen winzigen Rucksack auf dem Rücken. Den hob er auf zur Prüfung. Spinnwebwäsche mußte sie drin haben, so leicht war er. Nur an einer Stelle trat ein harter Gegenstand hervor. Sie grisf hinein und zog ein Juchtenetui mit einigen Bürsten hervor. Wollen Sie mir das noch abnehmen?" ' Er steckte es sogleich in den eigenen Rucksack. Dann schien's, er wolle noch einmal in den ihren greifen, ihn ganz seiner Last berauben. Aber das schöne Roth stieg wieder in sein Gesicht, die keusche junge Scham, die sie zu ihm zog, wie ' Eva zum Apfel gezogen wurde. Er nahm den ganzen Rucksack, wie er da war, und steckte ihn in den seinen. Das Recht des Stärkeren." Bei der Station PostHalde verließen sie die Bahn und nahmen im Gasthos zum Adler ein einfaches Essen. Ueber die gestrige Aufführung hatten sie noch kein Wort gesprochen. Auch keins über die Trennung. Sie hatte ihn nach Fielitz gefragt und was für wichtige Geschäfte ihn denn fernhielten. Er hatte sich in der Antwort verwickelt. Da lachte sie. Schon gut, ich weiß." . 'Der erste Anstieg von der PostHalde war Ichwer, ein steiler Pfad, aber im tiefen Schatten, zwischen Gras, das noch voll Thau hing. Sie kletterte voran wie eine Gemse, ohne seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie war jetzt im Training. Köstlich gesund und frisch fühlte sie sich, als hätte sie nach langem, staubigem Weg ein kaltes Bad genommen. Die EnthaUsamkenslur dieser vierzehn Tage war ihr gut be kommen. Oben machte sie unter einem Baumriesen Halt, bog sich ein 'wenig vor und sah in's Thal. Ein Zug verschwand eben in der Tunneloffnung der Bahn, ein Rauchstreifen flatterte noch aus dem Berq empor. Mit einem Satz waz Jmmanuel neben ihr. Das dürfen Sie nicht sagte er fast rauh. Ach. ich bin schwindelfrei, Rauten fcclein!" Sie breitete die Arme aus und stand aus der Wurzel, die den Abhang über ragte. Dann, als sie sah. wie sie ihn auälte. svrana sie an hrni Wir wollen Rast machen und unsere Feldflasche vornehmen. Drei Stunden, haben Sie gesagt. Theilen wir's also kn"drei Becher. Drei Becher, wie vas arme Rautenoelein. Sie trank und gab den kleinen Silverdecher an ihn. Vorhin, als ich von Melik sprach. sagten Sie, Sie wüßten schon. Wissen S- . V ' ie wlrluazö' Sie sah ihn gerade an. Er ist bei seinem Schatz. Beneiden SlelhNMcht?" Nein. Das wissen Sie sehr aut." Ihre Hand lag dicht neben seinem Krauskopf im Moos. Plötzlich legte sie stch aus seine Augen. Siebenschläfer!- Und nach einer Pause, ganz leise: W63 war Ihnen das Weib. Jmmanuel?" -.Nichts, Magellone. nichts und doch alles. Es liegt für mich in der Sage, nach der ich Sie taufte. Wie er sie entführt und in den Wald bringt und sie rasten an der Quelle Die drei Rmae aber tragt sie, in das roth Tüchlein gewickelt, auf der Brust. Und er bewacht ihren Echlas. Da raubt der Adler die Ringe. Er folgt ihm bis an'S Meer, m Nachen weiter. Seeron
ber nehmen ihn gefangen, bringen ihn in die Türkei, und nach unerhörten Schicksalen, ein kranker. Pilger,, findet
er seine Magellone. die mit : ihren Schätzen das , große Hospital gegründet v . ir"! r - 1 V!. qai uno oie '.aus aigcn pslcgl, uic uu dem Morgenland kommen. Alles habe ich von je darin gesehn, und mein: Sinne haben mir die Ringe gezeigt, die Ringe im rothen Tüchlein auf der weißen Brust.. Aber dann den weiten Weg, die Schmerzen und die Einsameit es ist zuviel ich finde mich nicht hindurch." Sie nahm die Hand von seinen Augen. Wir wollen gehn. Es wird spat. Bis zum zweiten Becher ist eine gute Wegstunde." Sie sagte es nicht unfreundlich. Doch als er nun in mächtigem Anstieg aus breitem Weg neben ihr m den Hochwald bog, hatte er das Gefühl, sie gekränk! zu haben. Es war ganz still um sie herum. Ihr Fuß schritt leise dahin, auf den abaefallenen Nadeln Da las sie ihm die Gedanken vom Gesicht, lächelte und nahm seine Hand. Nun gingen sie durch den Wald wie die Kinder im Märchen. . Als sie aus den dichten Tannen heraustraten, lag die Alpenkette vor ihnen, ganz nah gerückt, rothübergossene Firne lnd Schneeoerge, der Rand so fern und scharf und schneekalt Zn den heißen Julitag hineinragend. Nicht weit von ihnen lag der Rucken, auf diesem Weg der letzte Bauernhof vor dem Feldberg. Sie mochten aber bei der erstickenden Schwüle nicht in die dumpfe Stubenluft und lagerten hier, am Ausgang des Waldes, und leerten den. zweiten Becher. Bis zum Thurm sind noch ein und eine halbe Stunde. Werden Sie es zwingen? Das Gasthaus liegt näher. Der Thurm steht auf ,dem Höchsten.' " Er sprach die Worte mit eigenthumlichem Nachdruck. Es war ihm eine immer neue Freude, auf das über eine Stunde breite ' Feldbergplateau, das Höchste," zu wandern. ni & (cLl Sann um S3 CUlt lUillUt lUy UIUU um ,UU3 Höchste' bringen, Jmmanuel? Das wäre a grausam. Nein, dort trinken wir den letzten Becher." Dann schlafen Sie wenigstens zetzt eine Stunde. Hier, mein Rucksack mit dem Mantel gibt em prächtiges Kissen. Sie müssen ja auch noch müde sein von der gestrigen Auffuhrung. Ich ich habe Ihnen noch gar nicht gedankt. Ich fühlte immer, Sie spielten rnir für mich " Sie hatte den blonden Kopf auf das Kissen gelegt, das er ihr gemacht, und fah ihn an. Wie unbescheiden doch die Männer sind! Und sonderbar, gerade wenn sie am unbescheidensten sind, kommen sie der Wahrheit am nächsten. Aber lassen wir das noch. Ich möchte wirklich schlasÄi ' nur sind wir dann zur Situation des ersten Bechers zurückgekehrt. Die schöne Magellone schläft. rn ii . . i r w r . . p Zyr silier cemacyl ne. ms iie auffährt, ist siVallein - Da bog er sich auf ihre Hand. Der Kuß war fengend, wie die Luft über der Halde. ' Nach einer Stunde fuhren sie beide empor. Ein kalter Windhauch hatte sie getroffen. Der rothllchstrahlende Firnkranz war verschwunden. . Eine graue, unbewegliche Wand standen seiner Stelle. .Siebenschläfer! Mit offenen Auaen haben Sie geträumt!" Mas nun? Jmmanuel schlug vor, lm Rucken einzukehren und abzuwar ten. Aber Madlene wollte nicht. Im eloberayos waren komfortable Zim mer.' Man würde sie noch erreichen. rr. - Y . ll. i r e jL'fls melier ivuroe nicyt o ichneu kom wen. Und dann das Höchste!' Wer so rasch verzagt, verdient es nicht. So stiegen sie vorwärts, von nun an ohne den Schutz des Waldes. Der Wind war so kühl, daß Madlene bald in die seidengefütterte Jacke schlüpfte. Sie sprachen kein Wort. Aus dem Wind wurde Sturm. Stumm kampsten sie Seite an Seite vorwärts. Da blieben sie plötzlich stehn. Wie der Schäferhund die zerstreuten Schafe zusammentreibt, so jagte der Sturm von überall, dicht von der Erde, von den Erhöhungen, aus den Mulden, vom Moor, kleine weiße Wolken auf. spielte mit ihnen, ballte sie, breitete sie aus, bis sie wie ern dichter Nebel heran zogen, mit Händen zu greifen, eilig, als wären die zwei einsamen Menschen da ihnen verfallen. Nun pfiff der Swrni dazwischen und trieb Madlenens' Hut mit fort. Jmmanuel wollte ihm nachspringen, aber ängstlich hielt sie ihn fest. .Sttcht fort. Wir verlieren uns. Wir verirren." Sie kämpfte mit den Thränen. Da stellte er sich so, daß er ihr als Wild fang diente. Erleichtert athmete sie auf, nahm einen Schleier aus der Tasche und knüpfte ihn um den Kopf. Aber die Haare drängten 'sich überall vor. Die Feuchtigkeit kräuselte sie und machte kurze Lockchen aus ihnen, die sich fest an ihre Haut legten. Er schob sie nun so vor sich hin. den Arm um sie gelegt, immer dem Wind wehrend. Einmal noch stieß sie einen Schrei der Angst aus. Ein knatterndes Geräusch kam naher, durch den Ne bel sausten ein iar ungeheure Schat ten an ihnen vorüber. Die Nennthiere. Ich wollte Sie darnit überraschen. Man siedelt sie hier au oem Hochplateau an. Ihre Hufe machen das eigenthümliche Geräusch." ' .Es t so schauerlich. Jmmanuel
Gleich, wir sind gleich 5a. Ich
kenre den Weg. Aber den Thurm findet man heute erst, wenn man mit der Stirn an die Scheiben stößt. Da, Magellone, em Lichtschein! Der Warter hat eine Leuchte angezündet. Das j Höchste! Sie sah nichts, Nichts. Es regnete nun. Ihre Kleider trieften. Sie fühlte. wie das Wasser in die Stiefel rann. Als er die Thür zum Thurm öffnete, taumelte sie. Er zog sie auf eine Bank, riß die Jacke ab und griff nach seinem Mantel. Cf1a r?!.i. . . r . m er yuauc, oay aucy iore icicoie Bluse ganz naß war und wie eine Haut an ihr klebte, trug er sie hinüber in das Häuschen des Wächters. Hier war wenigstens Licht. Er schickte den Alten in die primitive Küche, eine Tasse starken Kaffee zu kochen. Dann zog er ihr die nassen Stiefel von den kleinen Füßen, die seidenen Strümpfe dazu und nahm die Fuße in seine Hände und rieb sie und küßte sie und hätte aus seinem heißen, großen Jungenherzen eine Flamme machen mögen, die Geliebte zu erwärmen. Magellone, hörst Du mich? Weißt Du. daß Du meine Braut bist meine! Daß Du schliefst und wir uns verirrt haben und' im Meer des Nebels waren und wir brauchten nur eine Stunde für ein ganzes Leben voll Leid und Glück? Magellone! Jetzt, jetzt trinken wir den letzten Becher!Sie öffnete die Augen und fah ihn an. Ein Wort nur hatte sie verstauden: meine Braut. Dann schloß sie sie wieder und nahm seine Küsse und erwiderte sie. Und plötzlich dachte sie daran, wie sie sich zwei Wochen lang um seine Eroberung gequält hatte. Da lachte sie hell auf und sprang auf ihre nackten Füße. Der Wächter kam gerade mit dem Kaffee herein. Sie trank und fühlte sich wieder ganz frisch. Er kramte allerlei Kleider aus einem Schrank, denn diese nassen Nebel waren hier nichts Seltenes. Sie sah ihm zu. Das Theaterblut regte sich, lächelnd ließ sie die beiden Männer hinaus und verwandelte sich in ein Schwarzwaldmädchen. Die Lust zum Komomenspiel war mit einem Mal da. Das Kostüm brachte sie mit sich und jenes seltsame Wort: meine Braut! Warum nicht? Sie hatte es sich anders gedacht, 'aber jenes andere würde man ihr noch so oft bieten, dieses war reizvoll, weil es fremd war. Und dann es verpflrchtete so wenig! Als sie nach einer Viertelstunde die beiden hereinrief, war sie seltsam verwandelt. Jmmanuel stieß einen Schrei des Entzückens aus. Der Wächter nahm ihre abgelegten Kleider mit in die Küche, sie am Feuer zu trocknen und des Abends auf den Feldberger Hof zu bringen. Sie schlang die Arme um Jmmanuels Hals und barg den Kcj?f an seiner Brust.. Er fühlte , die krausen, feuchten Haare zwischen feinen Fingern. ' Willst Du. Magellom? Es ist noch fern. Dll weißt es. Aber es ist doch 'schon so nah . Sie unterbrach ihn und bot ihm den Mund. Gott sei Dank, küssen konnte er. ' Warum wollte er auf einmal sprechen? Das stand ihm nicht, dem Siebenschlafer. Eine Stunde später gingen sie bei herrlicher Abendsonne über die Halde zum Feldberghof herunter. Die Firne waren wieder da, die Rennthiere trabten mit klappernden Hufen an ihnen vorbei, und vor. dem stattlichen Hotel gingen und standen Passanten und Sommerfrischler in Gruppen und warteten auf die berühmte Schauspielerin. die telegraphisch Zimmer bestellt hatte. Es war. doch im Leben gerade so wie auf dem Theater, ein wenig weißes Rößl." nur öaß der Dialekt hier nicht stimmte. Sie gmg unter dem reuzfeuer der Blicke umher, wie sie vor dem Vorhang erschien, wenn sie die Roß! Wirthin aeaeben hatte. Die Theilnähme, die sie erregt:, hob ihren AppeItL c '-t r r,. r.-f in, uno iyre uaune illcg zu einer 1)01den. lieblichen Glückseligkeit, denn -sie vergaß nicht einen Augenblick, daß sie eine Braut sei, eine richtige Braut, und daß ihr gegenüber ein Mann saß. der in Wirklichkeit, nicht nur bildlich jeden Tropfen seines Herzbluts für sie gegeben hätte. ' Nur als sie dann in ihre Zimmer gingen, mußte sie wieder lachen. Zwei inetnandergehende Zimmer mit einem gemeinsamen, großen Balkon. Auf dem standen sie noch eine Weile Hand in Hand. . .' Dann mußte sie noch einmal an dieBerbindungsthür klopfen, die er schon verriegelt hatten Schüchtern bat sie um ihren Rucksack. Er reichte ihn ihr hwein. Sie sah im Geist, vie er den Kopf abwendete, daß seine Augen nicht den Thürspalt streiften. Als sie im Bette lag. wiederholte sie sich's noch einmal. Also ich bin die Braut des stud. jur. Jmmanuel Meyhödr, zubenannt der Siebenschläfer. Meine Zeit was werden nur die Bockenheimer Husaren dazu sagen?" ' (Fortsetzung folgt.) Annonce. Täglich frische. alten Käse bei Mayer 8: Co.. Molkerei. RornttnbMtNe. Kann ich wirklich kein Lichthaben?" fragte der Zast. Nein," erwiderte die Wirthin und sah ihn finster an. .
Europäische Nachrichten.
Provinz Schrefien. B r e s l a u. Bor kurzem stürzte der 47 Jahre alte Bauarbeiter Karl Srocke in der Gasanstalt Dürrgoy aus bedeutender Höhe von einer Leiter, wodurch er einen Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt. In bewußtlosem Zustande wurde er in das Krankenhaus eingeliefert, wo er bald , darauf verstorben ist. Antonienhütte. Einem Kindsmord scheint man auf die Spur gekommen zu sein, der bis Mitte December zurückliegt. Bor längerer Zeit fand der Gendarm Heinicke im Hüttenteiche Hierselbst eine weibliche Kindesleiche, die nach ersolgter Obduktion bee.digt wurde. Jetzt ist es dem Gendarm gelungen, die Mutter des gefundenen Kindes in der Person der 33 Jahre alten verwittweten Hedwig Koi zu ermitteln. Diese bebauvtete. sie habe seinerzeit ein todtes Kind geboren und sich der Leiche dadurch entäußert, daß sie sie in den Hüttenteich warf. ' B u n z l a r. ' Bor einiger Zelt brach auf nicht aufgeklärte Weise in der an der Haynauer Chaussee gelegenen großen Ziegelei der der Firma Lenqersdorf gehörigen BunzlauerWerke Feuer aus. Das große Werk, ,n' dem Kunstziegeln hergestellt wurden und das in der letzten Zeit durch Anslhaffung der modernsten Maschinen und durch Eroauung eoenz sicher efen möglichst vervollkommnet worden war, ist 'vollständig niedergebrannt. Der in der Ziegelei beschäftigte Heizer Fiebig aus Thomaswaldau ging trotz Warnung in einen bereits ausgebrannten Raum. In demselben Augenblicke stürzte eine Mauer zusammen und begrub den Mann. ' F a l k e n b e r g. Letztens feierte das Partikulier Knefel'sche Ehepaar die goldene Hochzeit. Die Einsegnung erfolgte wegen Kränklichkeit der Jubelbraut in der Knefel'schen Wohnung. Hauffen. Der ftit dem 22. No vember 1905 vermißte Stellenbesitzer Gottlieb Berger von hier wurde in der Kiefernschonung am Wege von AurasWalke nach Liebenau erhängt aufgefunden. Lanqenols. Bor Kurzem ist hier das Zimmermann Elsel'sche Wohnhaus ganz niedergebrannt. Die Frau, welche sich nochmals nach dem oberen Stockwerke begab, um Geld zu holen, kam in den Flammen um. Neu-Salzbrunn. . Das Gefchäftshaus E. Fabig u. Sohn konnte auf ein 50jähriges Bestehen zurückschauen. Die Firma hat sich aus keinsten Anfängen zu einer bedeutenden Größe entwickelt. O p p e l n. Im St. AdalbertHospital verstarb 'der 2 Jahre alte Sohn des Mälers Hentschel. Das Kind hatte in einem unbewachten Au genblick eine Flasche mit Lauge erfaßt und von dem Inhalt getrunken. ' -Steinkirche. Zwischen die Puffer eines Rangirwagens gerieth auf dem hiesigen Bahnhofe der Weichensteller Baldeweg. Infolge Zerquetschung des Brustkorbs trat der Tod des Bedauernswerthen auf der Stelle ein. Weißstein. Bon seinem eiae nen Forderwagen zu Tode gequetscht wurdeaus demBahnschachte der Fürstensteiner Gruben" der 'Schlepper Melzer. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der durch eigene Unvorsichtigkeit Getödtete ist. 32 Jahre alt Mid t!l..-f"i. .. it c qinuiiaBi vier iicinc inoer. Frsvinz Fosen. Posen. Verliehen wurde: Dem Kirchenältesten Müllermeister Günther Zu Unruhstadt der Kronenorden vierter Klasse: dem Kuchenaltesten, Land Wirth Kliem zu Chwalim und dem OTI W Pin. V zrauereiwirlyz cyasisvog: - Aogt zu rotoschin das Allgemeine Ehrenzchen. st 011 ins 0. Aus dem hiesigen Döminium war der Schlachtmeister Johann 5i)oszuta mit Dramagearbeiten beschäftigt. Er stieg in einen Drainagearaben, um die Rohrlegung einer Prüfung zu unterziehen. Die durch den langanhaltenden. Regen durchweichten Erdmassen kamen m s Rutschen und begruben den Schachtmeister unter sich. Sofort eilten die in der Nähe beschäftigten Drainagearbeiter hinzu und befreiten den Unglück lichen von den Erdmassen; er war aber bereits todt. - Ostrowo. Eine Wildereraffäre r? je . , r - i , zpieiie lieg unwen unerer (&taot ao. Der Arbeiter Kopras begab sich in das nahegelene Waldrevier des Rittergutsbesitzers von Lipski auf Lewkow, um zu wildern. Hierbei wurde er von dem Forster ertappt. In dem Auaen blick, als Kopras den Förster bemerkt hatte, legte er auch an, um ihm den Garaus zu machen;, doch kam ihm der Förster zuvor undNreckte ihn mit einer Schroiladung nieder. Der Wilderer ist lebensgefährlich verletzt, sodaß er !. r? ? oem mengen reiölranrenyauie emge liefert wurde. P 0 l k 0. Beim Nubenverladen auf dem hiesigen Bahnhof ist der Arbeiter Szuftak aus Klein - Sokolnik überfahren worden. Er lief zwischen zwei Nübenivagen , durch, kam zu Fall und es Kurden ihm beide Beine abge fahren. ' - ; X Berzdce. .. Auk beer Hiesigen Dommium fand unter den deimDung ausladen beschasiigten RztQzi und Maaden eine Neckerei ; Hatt Hierbei
rannte ' die 17jährige Magd Marie Stetmaczyk, um den Neckereien zu ent-
gehen, um den Wagen herum in deren Gabel, welche unter dem rechten Auqe etwa einen Centimeter tief eindrang. Ein Ärzt stellte Blutvergiftung fest, welcher die . Bedauernswerthe erlegen n. R o m b i n. Hier wurden die drei Kinder des Gutsbesitzers v. Hagen durch unvorsichtiges Hantiren mit einem Spirituskocher schwer verletzt. Zalachowo. Kurzlich erhängte, sich im nahen Walde ein 77jähriaer " Mann Namens Maciejewski angeblich ..s rn . c :;. r ... r aus xDiam varuoer, 00.13 zwei jemer Söhne den deutschen Namen Sommerfeld angenommen haben. Z d u n y. Der Arbeiter Lindert ' stürzte in eine mit frisch gelöschtem Kalk gefüllte Grube. Er zog sich dabei so. schwere Brandwunden zu. daß er nach einiger Zeit verstarb. 'Frovinz'Sachfen. Magdeburg. Vor Kurzem ist di Scharnstraße No. 10' wohnhafte Wittwe Stört überfahren worden; sie hat schwere innere Verletzungen erltten. : Aschrsleben. Anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares stifteten die Inhaber der Papierwaa renfabrik von H. E. Bestehorn, Geheimer Kommerzienrath Bestehorn und Söhne, 120.000 Mark zur Errichtung eines Hauses, in welchem sich alle Be Völkerungskreise, insbesondere die heranwachsende Jugend, zur Pflege von Kunst und Wissenschaft, zu korperliche? und geistiger Ausbildung und zu frohem Lebensgenuß zusammenfinden sollen. Erfurt. Bor einiger Zeit ist hier ser frühere Landgerichtspräsident.Geh. Oberjustizrath Emil Erbmeier, im 84. Lebensjahre gestorben. Erbmeier hat 55 Jahre hindurch im preußischen Justndienst gestanden, in den er im Mai 1845 als Auskultator eingetreten war. G r ö n i n g e n. Der Rentier Hcinrich Voigtländer feierte mit seiner Gatun die goldene Hochzeit. Halle. Professor Karl Freiherr von Fritsch. der Präsident der Leopoldinischeu Akademie der Naturforscher und Ordinarius an der hiesigen Umversität, bekannt als hervorragender Geologe und Forschungsreisender, ist infolge eines Schlagflusses in Goddula bei Dürrenberg gestorben. Langensalza. Unlängst wurde der Werkmeister Stoll auf dem Wege . von Ufhoven nach hier von Strolchen überfallen und schwer verletzt. Die Schurken zertrümmerten ihrem Opfer die Schädeldecke. Stolle blieb bewußtlos am Wege liegen und wurde spater nach dem städtischen Krankenhause gebracht. Der That verdächtig sind zwei Ushovener, von denen einer sofort verbstet wurde. Neuhaldensleben. Die Frau des Kolonisten Friedrich Krull fiel vom Heuboden und verletzte q oaoel den Arm. Eine innere Verblutung führte, zur Blutvergiftung.' Eine Amputation des ' erkrankten Gliedes im Magdeburger Krankenhause vermochte das Leben, nickt zü retten: die Kranke verstarb dort bald nach der Operation r. Schönebeck. Dieser Tage beging der hiesige Schifferverein. Arcona" die Feier, feines 25jährigen Bestehens. ; ; " Provinz gZatixovev. Hannover.' Vor einiger Zeit ist der alte Marstall ein Raub der Flammen geworden. In dem Gebäude befand sich auf hm Boden ein großes Dekorations - Magazin der Firma Lütkens. Hier kam das Feuer aus und verbreitete sich rasch über das ganze Gebäude. Alfeld. Von dem Maschinenschuppen der Firma Kappe & Co. wurde in demselben Augenblicke, -als auf der anderen Seite der Straße zahlreiche Arbeiter zu ihren Fabriken gingen, vom Sturme das Holzdach abgedeckt und derart über die Straße geschleudert, daß mehrere Leitungspsähle der Telephonleitung umgeworfen und zahlreiche Arbeiter ourch die niederfallenden Drähte von dem Fußwege die Böschung herabgeschleudert -wurden. Die Arbeiter Böker, Funke und B. V.oß geriethen unter das mit Wucht herniederfallende Dach. Böker wurde leicht verletzt, Funke erlitt einen Bruch d:s linken Beines uyd Voß einen Beckenbruch und schwere Verletzungen am Hinterkopfe. Celle. Vor Kurzem ist der Stadtküster Karte an der Stadtkirche Hierselbst,- 56 Jahre alt. plötzlich gestorben. Ein Schlaganfall machte feinem Leben ein Ende. G r 0 ß-P r e tz i e r. Unlängst brach im Hause des Köthuers Meyer auf unaufgeklärte Weise Feuer aus, durch welches das Wohnhaus mit allem Mobiliar "eingeäschert wurde. Man vermuthet Brandstiftung, da das Feuer über dem Kuhstall entstanden sein soll. Jork. Hier brannte das Gewese des Hofbesitzers Peter Vollmer total nieder. Die gesammten Vorräthe und der ganze Viehbestand, 9 Pferde und 31 Stücke Hornvieh und viele Schweine, kamen in den Flammen UÄU Der Besitzer war nicht zu Hause; die. Entstehung des Feuers ist unbekannt. o rci. 4;i ci. ......... g
vll UAji IKÜUUCUl werther Unglucksfall ereignete sich auf dem hiesigen Bohrthurm. Der Arbeiter August" Falk stürzte beim Einschrauben eines Rohres von der oberen Balkenlage ies Thurmes hinab in du gähnende Tiefe, brach das Genick und war sofort todt. .
