Indiana Tribüne, Volume 29, Number 185, Indianapolis, Marion County, 30 March 1906 — Page 7

Jndiana Tribüne, 20. März

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cVllVWfUjlllfW S O i y o Z j l 0 tn a n ron . . $ 5 Agnes Dardcr Z Soooooooooooo (Fortsetzung.) Die suchte Hanns Fielitz emes'schönen Vormittags auf, mit seltsamem chelmengestcht. Er hatte sich von den? Freund auf dem Fechtboden getrennt, und ein jeder von ihnen war in sein Kollez gegangen. Dann' war Fielitz über den Markt geschlendert, nach dem alten Kaufhaus am. Münster mit seinein hohen, bunten Ziegeldach, den feinen Eckthürmchen und den gothischen Figuren zwischen den Fenstern, sich Herzkirschen zu kaufen, und da war es so gekommen. Hm, jedenfalls mußte :r dem Siebenschläfer Mittheilung machen. Jmmanuel war nicht zu Hause. Auf der Thiirschwelle saß das Emmle, sein Hauswirthstöchterlein, und aß ein mächtiges Stück Käsekuchen. .Er hat Geburtstag heut sagte es wichtig. .Da haben sie ihm eine Kiste Guts geschickt. Ist aber nicht mehr frisch. Da hat er mir's geben." Richtig, heute war ja der stebenundzwanzigste Juni! Hanns ging hinein, ein paar Worte aufzuschreiben, da fand er einen Zettel auf dem Schreibtisch: Iß heut mit mir." Er nickte besriedigt und wollte schon gehn, als ihm zwei Briefe auffielen, die nebeneinander auf der Platte lagen, beide von Mädchenhand adresstrt, nur daß die eine Hand gewandter schien, als die andere. .Ute Ahnorte! Es ist wirklich immer Feiertag in des Siebenschläfers Seele. Geheimnisse hat er nicht!" Pünktlich um ein Uhr war er in dem Restaurant, in dem Jmmanuel zu essen pflegte. Sein Wirth war noch nicht da, aber der Kellner führte ihn geschäftig an den Tisch in der Nische, auf dem ein großer Strauß Provinzrosen prangte. .Die hat Herr von Meyhöfer selbst gebracht." Er konnte stch das Von nicht abgewohnen, hielt den stillen Gast auch durchaus nicht für einen gewöhnlichen Studenten. .Der gibt gute Trinkgelder," dachte Fielitz. Dann besah er lächelnd die Blumen. Wenn ihm eine Schattirung in einem Strauß fehlte, konnte Jmmanuel danach zum Hirschsprung emporklettern. Da kam der Erwartete, gab dem Kellner eine Tüte mit Herzkirschen und bat, sie auf einen Kristallteller zu legen. ...An den Siebenschläfertag hättest Du mich auch erinnern können. Ihm zu Ehren zogst Du mir wohl die imaginare Quarte?" Jmmanuel schüttelte den blonden Kauskopf. Ja, ich bin heut einundzwanzig." -.Miin General, Du machst mich heute mündig," deklamirte Fielitz. .Uebrigens ißt Du hier feudal. Deine Träume haben einen praktischen Hintergrund." jq yab's auch veriuazr ml: oen sogenannten Studentenkneipen. Aber es ging nicht. Nicht einmal das Was störte mich, sondern das Wie. Vater steht nie etwas,' könnte aus einer irdenen Schüssel essen. Da hat stch bei Tante Rorchen so eine Art Widerspruchsgeist herausgebildet und sich mir mttzelyeut. Ttscytucy und Mundtucy will ich sauber haben." .Tante Rorchen, die Senderin des Käsekuchens, lebe hoch. Und nun, lieber Siebenschläfer, laß mich die Herzkirschen benutzen, um Dir ohne weiteren Uebergang mitzutheilen, daß Du mich vierzehn Tage entbehren mußt. JÄ habe mir Kirschenserien gegeben." .Das heißt?" .Das heißt, daß ich heut, wie an jedem Markttag, nach dem Kaufhaus schlenderte, um mein Värbele zu sehn. Es stand hinter einem Tragkorb rother Herzkirschen in der gothischen Halle, hatte sein Mützchen mit den schwarzen Hängeschleifen fein säuberlich in die Stirn gezogen, daß man nur an den dicken, blonden Zöpfen merk:n konnte, es hätte überhaupt Haare, und i?chie mich an. Ich kaufte für einen Groschen Kirschen und sagte ihm für einen Thaler, wie lieb ich's hatte. Da meinte es so mit runtergeschlagenen Augen, die Stube für den Professor, der immer 'im Sommer käme, sei jetzt hergerichtet, vierzehn Tage sei sie noch um eine Kleinigkeit zu vermiethen. wenn ich wolle da blinzelte ste mich an. Ich glaube, ich habe einen Freudenschrei ausgesioßen, daß ste die Wimpern gesenkt hat, wie Visiere gegen den Feind, s ist nur wegen der Kirschen. Wenn sie den Herrn doch so lecker machen. Sie stnd gerade reif.'. Na, und Du kannst glauben, daß ich lecker auf ste bin! Morgen kommt ihr Vater in die Stadt. der soll mich abholen, ste will mit ihm sprechen. Wird wohl so ein altes, verhuzzeltes Glasmännlein sein, wie m Hauffs kaltem Herzen. Wenn's aber auch der Hollander Michel wäre mir gilt es gleich, ich stehe ihm zur Berfügung ich folge über jede Wasserscheide Jmmanuel hatte den Kopf auf die Hand gestützt und sah den UebermüthZ--gen lange an. .Nimm mich mit, Hanns." - Xtt fuhr zurück. Kirschenessen zu dreien? Mensch.

wache doch auf. Nicht einmal, wenn das Barbele eine Schwester hätte." Jmmanuel war dunkelroth geworden. Seine langen, gutgewachsenen und gepflegten Finger drehten ein Lrotkügelchen. Er wollte etwas sagen, brachte aber keinen Ton über die Lippen. Da kam der Kellner mit einem Theaterzettel. .Ich möchte den Herrn von Meyhöfer doch aufmerksam machen, daß die schöne Madlene wieder in der Stadt lst, heut tritt ste zum erstenmal auf. Die schöne Madlene? Wer ist das?" .Ich dachte, Herr, von Meyhöfer wüßten. Die große Schauspielerin aus Frankfurt am Main, die jeden Sommer hier ein Gastspiel gibt, draußen, vor der Stadt, in der Kyburg. Bei dem Direktor der Schmiere ist ste einmal engagirt gewesen, ehe ste entdeckt wurde. Nun kommt sie aus Dankbarkeit jedes Jabr wieder und hilft ihm. Ich habe Billette bei mir" Er zog diensteifrig zwei Karten aus der Tasche. Jmmanuel nahm ste und zahlte. .Die schöne Madlene müssen wir sehn, Hanns. Wenn ste wirklich schön ist, nenne ich ste aber Magellone. Als. ich zehn Jshre alt war, ging die einmal neben mir im Wachen und im Schlafen. Hanns Fielitz wollte etwas erwidern. Aber dann schwieg er lieber. 6. K a p i t e l. ie schöne Madlene trat in einem 3 M bescheidenen Vorstadttheater auf, das ihrer Persönlichkeit, ihren Toiletten und Kaprizen wenig entsprach. Dennoch hätte ste auf dieses Gastspiel nicht verzichtet, wie eine Neapolitanerin nie das Amulett gegen den bösen Blick hergeben würde. Sie war abergläubisch, ein echtes Kind der Bühne. Der Direktor, der hier den Versuch machte, stch und ein Dutzend Schauspieler während der sauren Gurkenzeit über Wasser zu halten, hatte ste einmal in der Provinz beschäftigt, als der Intendant einer großen Bühne stch in ihren Charme verliebte. Seitdem half ste ihm regelmäßig durch

vierzehn Tage und hielt stch so ihr großes Bühnenglück, das mehr mit ihrer reizenden Persönlichkeit, als mit ihrer recht mäßigen Kunst zusammenhing. Der Saal, in dem man rauchen durfte, und wo die Gäste an kleinen Tischen saßen und aßen und tranken, war gedrängt voll. Der Wirth hatte ebenfalls eine Anstrengung gemacht und Plakate ausgehängt, die gelchen und andere seltene Genüsse in diesen Räumen verhießen, wo es meistens nach Vier und Käse roch. Als die schöne Madlene erschien, reichte man ihr einen mächtigen Lorbeerkranz herauf. Sie konnte ihn kaum halten, und der Widerspruch ihrer weichen, biegsamen Gestalt und des Ruhmesrades entfesselte den ersten Beifallssturm. ' Dann blieb man beiderseitig in der Gebelaune. Sie gab stch selbst, ihre weißen Arme, ihre tiefentblößten Schuliern, die goldenen Haare, den weichen Mund, das hingebende Lächeln. Das Publikum gab rauschenden Beifall. Es fand ste nicht einmal zu tief dekolleiirt, obgleich man im Winter in dem kleinen Hoftheater sehr auf Anstand hielt unö der ersten Liebhaberin das Lrmellose Gewand nickt so ohne weiteres gestattet hätte, vor allem, da es nicht einmal von der Rolle bedingt wurde. DaS ganze Geriesel von Gaze und SMen patzte o wemg zu oen kleinen Vühnenverhältnissen, daß die Schleppe im letzten Akt Feuer fing. An einem der Tische, dicht vor der Szene, erhob stch ein Student,' dessen Augen dem Wiegen und Biegen da oben wie verzaubert gefolgt waren. Zwei Hände griffen in die Flammen und erstickten ste, kaum daß jemand den kleinen Zwischenfall merkte. Madlene sah stch um, nickte, lächelte und spielte weiter. Als die Freunde nach Schluß der Vorstellung aufbrechen wollten, kam der Theaterdiener und bat ste, noch einen Augenblick zu warten, Fräulein Madlene wolle stch persönlich bedanken. Es dauerte, eine Weile, ehe ste kam, die Kellner drehten schon das Gas aus, und es war fast dunkel. Aber es schien wieder hell zu werden, als ihre Augen unter dem Spitzenschleier hervorleuchteten. Sie bat die Herren, doch mit ihr zu essen, ste habe ja nur kein AufHebens machen wollen, aber Herr ah, Herr .Studiosus Juris Meyhöfer könne denken, wie dankbar ste ihm sei. Brandwunden, so große, entsetzliche Blasen, die so furchtbare Schmerzen machen! Und nachher ginge die Haut ab wie Glacehandschuhe, habe ste einmal nach einer Kesselexploston gelesen es sei geradezu verhängnißvoll. daß ste alle Beschreibungen von Unglücksfällen lesen müsse, und wenn sie auf dem Mond passtrten nein, sie müsse ihren Retter kennen lernen, um ihm ihre Dankbarkeit zu beweisen. Ihr Wagen stunde draußen, die Herren müßten in ihrem Hotel mit ihr speisen. Es war eine herrliche Juninacht. Als ste von der Kyburg hereinfuhren, schwärmten Leuchtkäfer um ste. Einer setzte stch in das schaumige Gewebe des Mantels, und Madlene nahm ihn auf ihre Hand, von der ste den Handschuh abgestreift hatte, und er leuchtete auf ihrem Finger wie ein Karfunkel. Die beiden Studenten saßen ihr gegenüber und waren ganz stumm und ließen ste sprechen, und als ste durch das alte Thor in die Stadt einbogen,' und all : die lebendigen Wasser eilten durch die

Sommerdunkelheit, "da schien es, sie begleiteten nur die. lachende, junge Menschenstimme. - .Nun haben Sie die Brandblasen!" Schnell beugte ste stch über Jmmanuels Hand. Ungeschickt und scheu wollte er sie unter dem Tisch verbergen, linkisch versichern, daß das - nichts zu sagen habe und er sie gar nicht mehr spüre. Sie öffnete mit fanfter Gewalt die Faust, die er machte, strich mit einem kindlichen Ton des Wehklagens über den Handteller und sagte leise besprechend: .Heile, heile Segen, Trei Tage N,gen, Trri Tag? Schnre Bis zur Hochzeit thut's nicht Mkhr lveh." Sind Sie denn aus Preußen?" fragte Jmmanuel erstaunt. Sie schüttelte lachend den Kopf. . Ich bin von überall und nirgends. Hinter den Kulissen , lernt man die Kernsprüche aller Provinzen." Dann bog ste stch noch tiefer über die verwundete Hand Wie ein Hauch zog ihr Athem darüber hin. 'Ich will täglich sehen, wie es heilt. Sie werden Ihren Freund täglich zu mir führen,. Herr Fielitz. Allein, glaube ich. vergißt er es." ?kck bewundere Tthu Menscken-

kenntniß, gnädiges Fräulein. Er heißt der Sleoenschlaser und feiert heute Geburtstag. Ich überliefere ihn Ihnen auf Gnade und Unanade. mit den Wunden, die ich sehe, und denen, die ich ahne, denn so stumm habe auch zch ihn noch nickt funden. ?lcb selbst r i j i -s i i muß mich nämlich dringender Geschäfte wegen für einige Zeit von Frerdurg entfernen." Mit diesen Worten riß Hanns Fielitz, der schon us Bethätigung gebrannt hatte, die Rede an sich und gab ste vorläufia nickt wieder frei. Die schöne Madlene antwortete ihm ansangs. Dann wurde auch st.; stiller. Als die Flasche Sekt ausgetrunken war und man aufbrach, sprach Hanns ganz allein. Er hörte auch nicht auf. ehe nicht die Hohle des Siebenschläfers erreicht war. Denn wenn ich auch wie der heilige Franziskus hier scheinbar den 'Fischen predige, so weiß ich doch, was ich weiß. Es würde Dir aanz aut thun. Du läsest vor dem Schlafengehen noch einmal sie Briefe der beiden klnnen Madchen, die auf Deinem Schreibtisch lagen, und wenn Du mir in den folgenden Tagen die Ehre erweisest, an mick zu denken, so steh mich mit warnend erhobenem Finger. Oder möchtest Du mich noch begleiten?" Jmmanuel, der den Hut abgenommen hatte, schüttelte den Kopf. Gute Nacht." sagte er kurz. Am nächsten Vormittag hielt vor der Bude des kleinen Bären ein Bauernwagen mit hohem Gestühl. Ein Bauer im langen Bratenrock, einer rothen Weste .mit silbernen Knöpfen, VaterMördern und einem breitrandigen Seidenhut führte die Zügel. Das Värbele sän im Kinteren Swbl. Es datte die Einkäufe geschickt so aufgebaut, daß nur noch ein Platz neben ihm frei war. für den gespaßigen Herrn, der partout bei ihnen wohnen wollte, wie es dem Vater gesagt hatte. Der Bauer griff bedächtig an seinen Hut, als Hanns sich vorstellte, die Pferde zogen an. er rückte stch neben Bärbele zurecht, das trotz der Hitze dicke, wunderschöne, gestrickte Handschuhe anhatte, und sagte halblaut: Wer Dich in der nächsten Zeit einen nüchternen Märker nennt,der versteht nichts vom Kirschenessen, und den lieben Gott und den Siebenschläfer will ich nun einen guten Mann sein lassen!" Etwa um die gleiche Stunde ließ stch Jmmanuel bei der schönen Magellone melden, inen Besuch mußte er ihr schließlich doch machen. Es sollte aber der erste und der letzte sein. Er fürchtete stch vor den weißen Armen und den weichen, entblößten Schultern. Er dachte vielleicht, Schauspielerinnen gingen von Morgens an in der Prunktoilette eines Ausstattungsstücks. Als Magellone hereinkam, in einem einfachen rosa Batistkleid, mit schmalem, schwarzem Sammtband besetzt, ein schwarzes Band um das Haar geschlungen, was ihr etwas wunderbar Kindliches gab. starrte er ste an, als sei ste verwandelt. Aber er fürchtete sich vor diesem Kind nicht so, wie vor dem lockenden Weib des veraangenen Abends, und als sie klagte, daß sie, die doch nun seit drei Sommern hier spiele, noch nie in Freiburg zu Fuß gegangen sei, weil sie nur so langweilige Leute hier kenne, die sogar auf den Schloßberg im Wagen führttr, vergaß er ganz, daß er ja nie wiederkommen wollte. und verabredete schon für den Nachmittag eine Fußpartie, denn natürlich spielte sie nur zweimal die Woche. O, was gab sich die schöne Magellone für Mühe mit. der Eroberung des Siebenschläfers! Sie schaffte sich ein halbes Dutzend Batistkleider an und einen Schäferhut nach Gainsborough mit einem Kranz von Gänseblümchen. Sie truA feste, hohe Schnürstiefelchen und ein fußfreies Lodenröckchen zum Wandern, trank frische Milch in den einfachen Gastwirthschaften und biß mit den verwöhnten Zähnen' in Bauernbrot. Am Abend war sie. so müde, daß ste meinte, nie wieder aufstihn zu können, und eine 'Masseuse mußte kommen und den ganzen Korper masstren, sonst konnte sie vor Ueberanstrengung nicht schlafen. Und nun erst die geistige Arbeit! Wo hatte ste denn mlt einem Mal dieses Interesse gefunden für den fein organisirten

Staat der Ameisen, und was war ihr eine Hornisse bisher anders, als .ein

wildes Thier?" Und nun begeisterte )t stcy für Harzdust und Waldbäche, breitete die Arme der Ferne entgegen, wie ein Vogel die Schwingen, oder saß in frommem Schauer im Münster und horte einen Vortraa über ans Valdung Grien. Und für wen? Für einen Studenten, der, wie ste es im 'stillen nannte, nicht drei 'Men konnte, wenigstens in der Liebe nicht, der Univerjaiwisjenschast in Madlenens Augen. Wenn ste das ihren Freunden von den Bockenheimer Husaren erzählen würde! Man würde es ihr nicht glauben. Nicht, daß ste nicht sah. der Siebenschläfer sei wahnsinnig, verliebt in ste. Das hatte schon in seinen Augen gestanden, als er das Feuer ihrer Schleppe ausdrückte, so als hätte er das eigene Herz in Händen und könne die plötzliche Flamme ersticken, ehe ste um stch griff. Aber Madlene, die stch jetzt selbst Magellone nannte, verlangte mehr. Darum zog ste an jedem theaterfreien Nachmittag die Schnürstiefelchen an und begeisterte stch für Natur und stützte stch beim Aufstieg auf einen Arm, der zitterte, trotz seiner Stärke, und glitt beim Abstieg aus. um ein Herz pochen zu fühlen, das schlug wie der Kupferhammer im Waldthal, und ließ das Blut in den Ohren sausen,tot rauschende Fluth, die über das Wasserrad schießt. Also," sagte der Direktor und küßte seinem schöne Gast im Lauf -dieses Vormittags zum zehntenmal die Hand, .also. Herzl. was willst Du geben zum Abschied? Die Zaza .vielleicht, wie voriges Jahr, daß Du ste alle noch einmal toll machst?" Madlene schüttelte den Kopf. Das nützt mir.nichts, Direktorchen. Was Schwärmerisches möcht ich, das Rautendelein." Das Nautendelein? Aber weischt. Kindl. Verse sprechen, das isch nit grad Dein Genre." Er sagte Schaner. Du kaust ste immer wie zähes Fleisch. Und so schlechte Kost bischt Du halt nit mehr gewohnt." Ja, Direktorchen, recht Habens. Das von den drei Bechern, da versprech ich mich allemal. Aber Kleider hab ich für die Rolle Spinnweben, sag ich Ihnen. Und der Schafhuber möcht gar so gern den Meister Johannes geben, einmal im Leben! Denken Sie stch den Schafhuber mit dem Anemonenkränzl und sagens ja." Er drohte ihr mit dem Finger. Von wegen dem Schafhuber sein Herzenswunsch, da wird die schön Madlene mir nicht so um den Bart gek.n. denk ich. Die Spinnwebkleider sind doch wohl für einen andern bestimmt. Man munkelt ja so hin und her, und Besuche nimmfcht auch nit an. Schrecklich tugendhaft bischt worden, seit letztem Jahr. Besinnst Dich noch auf den Engländer, der immer hinter die Kulissen wollt, hier, wo wir doch eigentlich gar keine haben?" Sie lachte und versicherte ihm, das sei alles Klatsch. Sie sei grad wie ein Kind, das stch eine Puppe wünsche, und diese Puppe hieße Nautendelein. Wenn er ihr ein bischen dankbar sei, daß ste alle Jahr hier nach Freiburg käme, dann müsse er ihr die Puppe schenken. So stand Die versunkene Glocke" auf den Theaterzetteln. Am Tag vor der Vorstellung hatte Madlene Jmmanuel zum erstenmal nicht empfangen. Sie müsse stch schonen für den Abend, ließ ste ihm sagen. Er wußte plötzlich nichts mit seinem Vormittag anzufangen. Er war so gewohnt daran, die Zeit mit ihr zu verbringen, daß ste ihm leer schien, ein graues Spinngewebe, das in der Sommerherrlichkeit an einem dürren Ast hing. Er las den einzigen Brief, den Hanns geschrieben hatte. O Siebenschläfer! Wer wagt es, zu kehaupten, daß die Menschheit aus dem Paradies vertrieben wurde, wenn der Engel Adam und Eva gemeinsam aus den Thoren wies? In der Gemeinsamkcit blieb eben das Paradies bestehn. Bärble und ich essen die Kirschen der Erkenntniß, wir stecken ste uns gegenseitig in den Mund und .pflücken' ste dann, wie wir es nennen, und der Vorrath wird reichen, bis der Professor kommt, in dessen Zimmer ich Hause. Da der sonderbare Kauz einen Theil seiner Bücher hier gelassen hat, wahrscheinlich, weil ste auf dem prächtigen Stuhlwagen nicht Platz hätten, so könnte ich mich hier sogar an den Quell der Weisheit legen. Der Alte ist offenbar ein Weltverbesserer, ein Sozialist, ein Schwärmer. Ungefähr sieben Plane zur allseitigen Glückseligkit stehn da in dicken, schweinsledernen Bänden aufgereiht und für Glückseligkeit in allernächster Nähe hat er sicher noch nie ein Auge gehabt. Aber was stnd mir augenblicklich die Brüste der Alma Mater? O Hekuba! . , (Fortsetzung folgt.) In Paraguay stehen die Frauen im Verhältniß von sieben gegen einen der Männer. Die Folge davon ist, daß man den Männern die größte Sorgfalt widmet, und daß alle lastige Arbeit und alles, was das Leben der Männer gefährden konnte, von de.t Frauen verrichtet wird. Von diesen werden die Straßen gereinigt, die Schiffe be- und entladen, die Rinderheerden gehütet, ja-man erzählt sogar, daß ste as Vertreter der Männer l rnuthig in den Krieg gezogen seien.

Europaische Nachrichten. 'Arovinz Brandenburg. e r l i n. In der Badstraße hatte stch der siebenjährige Schüler Stephan Gominski aus der Prinzen - Allee 57 an ein Automobil angehängt und war während der Fahrt auf die Straße gestürzt. Ein hinterdrein kommender Lastwagen fuhr nun über den Leichtsinnigen hinweg, und schwer verletzt wurde Gominski unter e den Rädern hervorgezogen. Noch lebend wurde er in das Krankenhaus Moabit gebracht, wo ihn der Tod von seinen furchtbaren Qualen erlöste. Mit seinem Dienstgewehr erschoß sich der 28 Jahre alte Unteroffizier Franke von der 11. Compagnie des 3. Garde - Regiments zu Fuß. Franke diente im achten Jahre und wär' jetzt zur Ausbildung der Rekruten commandirt. Ein Rekrut machte gegen ihn Anzeige, daß er ihn geschlagen habe. Daraufhin erklärte ihm der Compagniechef, daß er die Untersuchung gegen ihn einleiten werde. Dies war die Ursache des Selbstmordes. In der ThusneldaAllee war der Kutscher Schumann mit dem Aufladen von Straßenkehricht beschäftigt und ging hierbei neben seinem Fuhrwerk. Plötzlich glitt er auf dem Asphaltpflaster aus und fiel so unglücklich vor den Wagen, daß ihm ein Hinterrad über den Kopf ging und seinen sofortigen Tod herbeiführte. Einen Selbstmordversuch machte der Einjährig Freiwillige Geißler von der 12. Compagnie des Kaiser FranzRegiments. Der junge Mann, der aus der Provinz stammt, hat keine Eltern mehr. Er lebte von seinem Erbtheil und genügender Unterstützung, die ihm seine Verwandten zukommen ließen. Dienstlich ließ er stch nichts zu Schulden kommen. Letztens verließ er den Truppentheil und seine Wohnung und versuchte stch in einem Hotel am Anhalter Bahnhof durch einen Revolverschuß zu todten. An der Ecke des Kottbuser Dammes und der Lachmannstraße gerieth der Arbeiter August Meyer aus Unvorsichtigkeit unter die Räder eines Müllwagens und trug so schwere Verletzungen davon. daß er bald darauf starb. Vor kurzem ist hier nach längerem Leiden der Geheime Sanitätsrath Dr. Hermann Tuchen gestorben. Er ist 71 Jahre alt geworden und übte seit 1859 ! die ärztliche Praxis aus. Ahrens dorf. An den Folgen eines Automobilunfalls verstorben ist dre hiesige Ortsvorsteher Siebecke. Er war vor einiger Zeit von einem Auto mobil überfahren worden und mußte sofort nach der Klinik in Berlin gebracht werden, wo die Aerzte außer einem Beinbruch schwere innere Verletzungen constatirten. Trotz der sorgsamsten Pflege verschlimmerte stch sein Zustand derart, daß der Bedauernsvzerthe seinem Leiden erlag. Fangschleuse. Von einem stürzenden Baume erschlagen wurde im nahen Forst derSchifferknecht Karl Krüger, der vorübergehend bei Holzfällerarbeiten beschäftigt war. Eine starke Fichte,, die niedergelegt werden sollte, war etwa zur Hälfte eingehauen, als ein heftiger Windstoß den Baum erfaßte und den Stamm an der Schnittstelle umbrach. Der Unfall erfolgte so plötzlich, daß Krüger nicht imstande war sich in Sicherheit zu bringen. Er gerieth unter den Stamm des stürzenden Baumes und wurde aus der Stelle getödtet. S p r e m b e r g. Vor kurzem ist die Tuchfabrik von Wisstnger und Greischel in der Wilhelmstraße vollständig niedergebrannt. Etwa 100 Personen sind dadurch arbeitslos geworden. Den Schaden mit 250.000 Mark hat die Leipziger Feuerversicherungsgesellschaft zu tragen. Man vermut'het Brandstiftung, da in dieser Fabrik schon zum vierten Male Feuer aufgegangen ist. S e l l n o w. Dem Patronatsvertreter und Kirchenältesten, Apothekerbesitze? Frost, ist derKronenorden vierter Klasse verliehen worden. Provinz Hstpreußsn. K ö ni g s b e r g. Ein seltenes Fest, die Feier der diamantenen Hochzeit, begingen unser Mitbürger Rentier A. Kadisch und seine Ehefrau. Das Jubelpaar, das sich einer beneidenswerthen Frische und Rüstigkeit erfreut, repräsentirt die stattliche Zahl von 175 Jahren. Braunsberg. Ein Opfer des Schnapses geworden ist der erst 27 Jahre alte Arbeiter Steffen aus der Schleusenstraße. Er hatte sich dermaßen betrunken, daß er im Lokale umfiel und nach Hause gebracht werden mußte. Aus seinem Rausche ist der Mann gar nicht mehr erwacht. Nach kurzer Zeit ist er gestorben. Jnsterburg. Der verstorbene Kaufmann Karl Rudolf Hirsch und seine Ehefrau Pauline geborene Hundertmarck haben der Stadt , ein Legat von 9000 Mark zur Beschaffung von Schulbüchern und Schulbedürfnissen für Kinder armer Eltern vermacht. K u t s ch i t t e n. Feuer entstand kürzlich auf dem Gehöft des Besitzers Krause. Das Wohnhaus mit dem meisten Mobiliar ist total eingeäschert. Missen. Dieser Tage wurde hier der älteste Lehrerveteran Deutschlands, Johann Dörfer, beerdigt. Er war 99 Jahre und drei Monate alt. Daö Trauergefolge bestand Vorzugsweise aus seinen ehemaligen Schülern und Schülerinnen, von denen du ein sten schon in hohemGreisenalttt stehen.

Räch seiner Pensionirung lebte er noch 21 Jahre. Rübenzahl. Bor einiger Zeit entstand in dem Stalle des Eigenkäthners Rothkamp auf unaufgeklärte Weise Feuer, das das ganze Gehöft, bestehend aus Wohnhaus, Stall und Scheune, einäscherte. S a a l a u. Todt aufgefunden wurde hier die Wittwe Neumann. Sie wollte zu ihren Eltern nach GroßPonnau gehen. Hierbei ereilte ste auf dem Wege zwischen hier und Paplacken der Tod. Dort wurde ste. von derHebamme Richter, die gerade des We ges kam, im Graben, mit dem Gesicht im Wasser liegend, leblos aufgefunden. Ueber die Todesursache ist nichts be kannt. Uß ballen. Beim Heufahren fiel kürzlich der Besitzersohn Jakubeit vom Fuder so unglücklich herab, daß er sich einen Bruch des Schlüsselbeins zuZog. W o r m d i t t. Ihr 25jähriges Dienstjubiläum feierte die Oberin des Hospitals vom Hl. Geist und des Hl. Georg, Schwester Rosalie, welche seit der Eröffnung des Hauses im Jahre 1881 in ihm thätig ist. Provinz Westprenßen. D an zig. Bor kurzem kam das dreijährige Kind Edith Gast in der Vorstadt Schidlitz einer mit brennenden Briketts gefüllten Kasserolle zu nahe. Die Kleider des Kindes fingen Feuer, und es erlitt am Unterleib und Gesäß Brandwunden. An den Folgen derselben ist es nach kurzer Zeit gestorben. A l t - P r o ch n o w. Bei einem Wagenunfall wurde die Frau des Kutschers Lange so schwer verletzt, daß ste. bald darauf starb. Der Führer des Fuhrwerks, der Arbeiter Fiek, ist ebenfalls seinen Verletzungen erlegen. Fiek legte den Weg vom Walde bis nach seiner Wohnung zu Fuß zurück, weil er das Fahren nicht vertragen konnte, verfiel aber, kaum in das Bett gebracht, in vollständige Bewußtlosigkeit, die auch bis zu seinem Tode anhielt. D e u t s ch - E y l a n. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde der Holzarbeiter Kruschinski von einem herabstürzenden Holzstück so unglücklich getroffen, daß der Tod bald darauf eintrat. Krufchinski hinterläßt .eine Wittwe mitzwei unversorgten Kindern. Kulmsee. Vor kurzem wurde der 25 Iahte alte Besitzersohn Hohlstein aus Grzywna, welcher an einer Festlichkeit hier theilgcnommen hatte, von dem von Schönsee hier eingetroffenen Zuge überfahren und getödtet. Vermuthlich ist Hohlstein an dem Vahngeleise entlang gegangen, um auf einem näheren Wege nach Hause zu gelangen. Marienburg. Letztens brannte in der Bechlergasse, in der Nähe .der Niedern Lauben, das dem Fischhändler Grönke gehörige Wohnhaus. Das Feuer, das in der Schlafstube des Grönke entstanden war, hatte schon die Möbel und Betten erfaßt. Grönke konnte halbangekleidet nur noch mit Mühe seine Frau und sein Kind aus der dicht mit Rauch und Feuer angefüllten Wohnung retten. S t r a n z. Die Altsitzer August Schulischen Eheleute begingen in Gegenwart ihrer Kinder und Kindeskinder das Fest, der diamantenen Hochzeit. Der Jubilar zählt 86,. seine Ehefrau 81 Jahre. Thorn. Unlängst gerieth auf dem Hauptbahnhof der 25jährige unverheirathete Arbeiter Gehrtz beim Rangiren zwischen die Puffer, wobei' ihm der Brustkasten eingedrückt wurde. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein. , Frovinz sommern. ! Stettin. Selbstmord durch Erhängen beging der Große Lastadie 75 wohnendeRestaurateur Karl Krohn in einem Hinterzimmer. L i e p e. ' Durch einen betrübenden Unglücksfall wurde die Familie des Ga'stwirths Schmidt in tiefe Trauer versetzt. Der Gastwirth Schmidt war, um wilde Gänse zu schießen, auf die Jagd gegangen und, da er diese unberechtigter Weise ausüben wollte, so hatte er sein geladenes Gewehr, in einem Sack versteckt, mitgenommen. Es hatte stch aber wohl kein Vogel gezeigt und so trug Schmidt sein geladenes Gewehr wieder in dem Sack nach Hause, stürzte aber am Eingange, seines Hauses nieder und fiel, indem sich durch irgend einen Umstand gleichzeitig die Waffe entlud, so unglücklich, daß ihm der Schuß in den Kopf ging und er in wenigen Augenblicken eine Leiche war. N e u st e t t i n. Ein Unglück hat sich auf dem nahen Zemminsee ereignet: zwei junge .Bauernsöhne haben bei dem Versuche, ein Menschenleben zu retten, den Tod durch Ertrinken gefunden. Auf dem Eise vergnügte sich der 22 Jahre alte Vesitzerssohn Otto Hoppe mit Schlittschuhlaufen, brach ein und rief um Hilfe. Zu seiner Rettung eilten der 32 Jahre alte Bruder Hermann und der 16 Jahre alte Georg Diedrich mit einer Leiter und Stangen auf das Eis, aber auch ste brachen durch die Decke, und Hermann Hoppe verschwand bald nach kurzem Auftauchen todt im Wasser. Der Versuch, den Georg Diedrich zu retten, war vergeblich. Lange Zeit kämpfte der junge Mann um sein Leben im Wasser, dann sank er in die 'Tiefe. Dagegen war es möglich, den Otto Hoppe auf Trockene zu ziehen.