Indiana Tribüne, Volume 29, Number 185, Indianapolis, Marion County, 30 March 1906 — Page 6
Jndiana Tribune 30. März 1006
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Die Zauberin.
Erzählung aus dem brasilianischen Jnnrrn. von Elisadkt!) Hoff. Pedro Sardo;o hatte sein Weib be. graben! Wie er dasaß aus der Bank unter der Hausthür, konnte er nocy vmi den Augen die Gestalten der Freunde und Gcvattcröleute verfolgen, die dem Leichenbegängniß beigewohnt hatten und nun heimwärts wanderten auf dem engen Pfad, den baumhohes Farrnkiaut auf beiden Seiten umschattete. Pedro war keine rohe Natur, wie eö so viele der Ansiedler hier sind. Sr erinnerte sich noch ganz wohl des hiib sehen Anwesens, das Bater und Mutter, portugiesische Landleute, daheim besessen hatten, damals war er ein munteres Bürsö-en von zwölf oder dreizehn Jahrengewesen. Tann waren trockene Jahre gekommen, der Handel nach der Stadt war in'S Stocken gerathen, ein Stück des Besitzes nach dem anderen wurde verkauft, nnd nun ergriff die noch rüstigen Leute, wie so manche, die Wanderluft und daö Verlangen, in einem anderen Lande schnell das Verlorene wiederzugewinnen, um später in Ruhe in der Heimath das Leben zu beschließen. So kamen sie aus brasilianischen Boden, wo sie für wenig Geld ein ihnen unermeßlich erscheinendes Gebiet erwarben; jetzt aber hieß es, schaffen und der Chde, die trotz ihrer Fruchtbarkeit bestellt sein wollte, den Gewinnst abringen. Jahre vergingen, und inmitten der Neisfelder und Zuckerpflanzungen entstand ein geraumiges Haus, das Pedros Mutter immer hübsch und sauber hielt. Dann aber kam die Gebrechlichkeit über die beiden Alten, und statt in die Heimath kamen sie auf den Gottesacker des nahen Städtchens Campobello zur Ruhe. Dem Pedro riethen nun gute Freunde zu einer Heirath, und da er nichts da gegen hatte, war ihm die Braut bald ausgesucht. Nach Landessilte hatte ein alter Freund seiner Eltern, der mit ihnen zusammen hier ansässig geworden war dieses Geschäft übernommen, und nach kurzer Verlobung viel Verkehr gestattet man hier den Brautleuten nicht zog die junge Frau in das Haus ein. Außer ihren zahlreichen Kleiderschränken brachte- Joanna nichts mit ; das schadete auch nichts, meinte Pedro. Joanna war ein mageres, hochaufgeschossenes Ding von echt brasilianischer gelblicher Gesichtsfarbe und mit kohl schwarzen Augen und Haaren ; Pedro mit dem gesund gefärbten Gesicht und dem kastanienbraunen Haar war fast blond neben ihr erschienen. Nun hatte Joanna angefangen zu wirthschaften, das heißt, sie hatte sich Morgens nicht allzu früh erhoben und war in einer lässigen weißen, oft mehr schwarzen Jacke und mit ungeglättetem Haar umhergegangen, um das ans 'Reis, Bohnen und Rindfleisch bestehende ruhjtuck zubereiten, zu dessen Fertigstellung sie sich aber durchaus an keine bestimmte Stunde band. Wenn Vedro mit den Schwarzen hungrig vom Felde kam und nach dem Frühstück fragte, antwortete Joanna gelassen: .Bald, bald." Dies bedeutete oft : in einigen Stunden. In gleicher Weise vollzog sich die Fertigstellung der Mittagsmahlzeit, nach deren Abschluß Joanna durchaus nichts mehr zu thun fand, sondern sich, das Haar mit allerlei bunten Papierchen aufgewickelt, in's Fenster legte, um in die meist recht einsame Gegend zu schauen. Bald sah daö Haus, das Pedros Mutter so hübsch gehalten hatte, unsauber auö, auf den Fußböden häuften sich Staub und Unralh, und die Fenster wurden blind. In dem Blumengärtchen vor dem Hause lagen die Beete niedergetreten da, und auf dem Zaun hing tagaus tagein zerrif' sene Wäsche. Wenn die Neger die gcwünschten Handleistungen nicht verrichteten, ließ sich eine keifende Weiberstimme vernehmen, die ihnen allerhaao schmeichelhafte Beinamen gab. Tann wurde Pedrinho geboren,' und nun kam eö noch schlimmer. ES war ein seltenes Glück, wenn es tagsüber einmal eine warme Mahlzeit gab. Pedro hatte von einer nicht fernen Kolonie eine alle Verwandte geholt, die Joanna in der Arbeit beiehen sollte, aber die An Wesenheit ver Alten machte den Vcrdruß im Hause nur ärger. Pedro sucrte zu helfen ; kam er auch müde von da Arbeit heim, so ging er doch noch der Frau zur Hand. Joanna fing an zu kränkeln, bald nachdem das Kino geboren war, und der Vater mußte fast alle Sorge für das kleine Wesen übernehmen. Als cö ein Jahr alt war, lief das Pedrinh? ihm auf'ö Feld nach, barfuß und mit einem dünnen Hemdchen angethan. Als Joanna kränker wurde, mochte sie den Kleinen nicht mehr sehen; sie wünschte zur Gesellschaft die Madrinha (Pathin) V rri.li C fr X ' aus ver vciaoi oei um zu yaven. Eltern hatte sie nicht mehr. Die Madrinha verstand sich aber nicht gut mit der alten Margarida, und bald gab'S einen Höllenlärm im Hause; JoannaS kreischende Stimme. oft von Husten unterbrochen, hörte man am lautesten. Aber bei einer solchen Strei tigkeit hatte sie sich doch zu sehr anae strengt; vor den Augen der beiden Alten fiel sie. plötzlich blutübnströmt zur Erde, und als Pedro keimkam. fand er sie todt und kalt. Ein Gefäß m ihr gewrungen, hatte der herbei gerufene Arzt gesagt. Und das war erst gestern gewesen. Heute hatte man sie nach Campo
bello hinausgetragen, und Pedro war
Wittwer. ES war eigen: er wußte so recht nicht zu sagen, ob er trauerte. So schnell, so ohne Besinnen, wie man ihm diese Frau zugesellt hatte, so schnell hatte er sie wieder verloren. Was sollte nun werden? '&it Ma drinüa.wo'lte moraennleder.beim und dann mußte er weiter haushalten mit der alten Margarida und dem Pe drinho. Er dachte an die verslossenen drer Jahre, an das liederliche Haus, an den vielen Streit, an die kümmerlichen Mahlzeiten, und wider seinen Willen schwellte ein freies Aufathmen seine Brust. Als er noch ein Burschlem gewesen war, hatte er einst in der Heimath eine Hochzeit mit angesehen. Da war'S lustig hergegangen ; so viel junges fröhliches Volk, das die Brautleute beglei tete, und nun erst Braut und Bräutlgam selbst, die keinen Blick von einander wandten! Die Braut hatte zwar kein Atlaskleid getragen, auch nicht Kranz und Schleier, wie die Verstorbene dazumal, aber ein Sammetkäppchen hatte sie aufgehabt, unter dem die langen Zöpfe wie Helles Gold hervorschimmerten. Damals war es ihm lustig vorgekommen, daö Freien. Einige Zeit lebte Pedro nun schon in seinem verwittweten Stande. Mor genS, wenn die Nebel noch weiß über den Palmen hingen und die Luft kalt von den Bergen wehte, zog er mit den Schwarzen auf'ö Feld? Daheim beleitete die alte Margarida die MahlZeiten, so gut sie konnte; daß sie nicht wußte, ob der Tisch schmutzig, dieBohnen voller Steine und der Reis angeorannt waren, kam daher, daß sie eben alt und schwach von Gesicht war. Auch das Pedrinho besorgte sie, das heißt sie fuhr ihm Morgens mit einem feuchten Tuch über das Gesicht, zog ihm ein Kittelchen an und gab ihm zu essen, was es eben begehrte. Nicht weit von Eampobello hält der Schnellzug nach dem Süden täglich an einer kleinen Station. Pedro mußte eines Morgens hinüberreiten, um der Verladung einiger Feldprodukte, die an den nächsten größeren Markt gingen, selbst beizuwohnen. Als er das Stationsgebäude erreichte, warder Schnellzug eben davongebraust. Da sah er, wie den Feldweg von Eampobello hinab ein Mädchen gelaufen kam, Angst und Entsetzen in ihren Zügen. Kurz vor der Plattform blieb sie stehen, die Hände nach dem fernen Zuge ausstreckend, der jetzt nur noch als ein kleiner schwarzer Punkt auf der Strecke erschien. Sie ist fort, o! sie ist fort, und nun wird sie sterben!- rief sie rer weiflungsvoll und verbarg weinend lhr Gesicht in den Händen. Die Station war um diese Zeit belebt, und bald stand ein Haufen 9?eugieriger um das Mädchen. Dieses war kein Kind des Landes, man sah daö auf den ersten Blick. Sie trug einen dun kelblauen Frieslock, ein eben solches Jackchen, mit allerlei bunten Stichen benäht, und eine breite Schürze; ihr Kopf war in ein gewürfeltes Tuch gehüllt. Ihre Haut war weiß und die Brauen auf der Stirne lichtblond. .Das arme Ding!" sagte der Bahnbeamte, wie kann man aber auch so thöricht sein! Sie reiste mit ihrer Mutter, und eS scheint, daß die fast im Sterben lag. Ich sah sie durch daö Wagenfenster; die Aermste, sie hatte schon keinen Athem mehr. Da stieg die Tochter in ihrer Angst auS; was sie wollte, sagte sie nicht; aber es scheint, sie ha. den Arzt aus Eampobello holen wollen. Sie hat eben nicht bedacht. daß der Schnellzug aus Niemand wartet." ES scheint mir eine. Fremde zu sein." bemerkte ein Schwarzer in der Uniform eines Bahnwärters und trat neugierig näher. Ja, ja," sagte ein Anderer, sie wild von der Kolonie drunten sein; dort sind viele solche Nordländer, die Mädchen olle blond und die Männer baumlange Riesen; ja, sie istsicher auch von dorther; seht nur, wie weiß sie ist!" Indeß hatte daö Mädchen ihre Thrä. nen getrocknet und sah sich verwirrt um. Wann geht der .nächste Zug nach drunten?" fragte siedenBahnbeomten. Morgen früh. So lange müßt Ihr Euch gedulden. O. mein Gott, dann komme ich zu spät" rief sie wieder in der größten Angst, und ie stirbt, ie stirbt! Hör', Mädchen," sagte jetzt ein alter Bauer, dessen Gesahrt, mit zwei hellen Maulthieren bespannt, hart an der Plattform hielt, es ,st traurig, aber ich glaube, Deine Mutter kommt nicht mehr nach drunten. Als Da fort liefst, wurde ihr erst recht schlimm, ich hörte die andere Frau, die sie im Arm hielt, sagen, die Augen thäten ihr schon brechen. 'S wird wohl so ein Schlag gewesen sein. Wo bist Tu zu Haus? Du muszt sehen, wleDu unterkömmst." Ich bin jetzt nirgends zu Haus." entgegnete die Gefragte, ich wohnte mit den Eltern in der Kolonie; aber als der Vater starb, bekam die Mutter das Heimweh,- und wir verkauften Alles und wollten mit dem nächsten Dampfer nach drüben, wo die Mutter eine große Verwandtschaft hat." Ja, alkein kannst Du aber jetzt nicht gehen," sagte der Bauer, waö meinst Du, bis Du Nachricht von der Mutter hast, kommst Du mit zu mir. zu der Alten; die könnte gerade so ele starke Dirne gebrauchen." Nein, nein 1". rief das Mädchen ängstlich, .ich gehe nicht von diefer
Stelle, bis ich weiß, wie ich zur Mutt'er komme." Und damit zog sie sich von der Gruppe von Männern zurück und setzte sich auf die Bank vor dem Hause, traurig mit den Augen den sich in der Ferne verlierenden Schienensträng verfolgend. Nach nnd nach zerstreuten sich die Anwesenden, denn bis zum Abend kam kein Zug mehr hier durck, und außer Pedro, der gleich zu Anfang dieses Vorgangs von einem seiner harrenden Neger abgerufen worden war und jetzt noch drunten an der Waage beschäftigt stand, hatten alle bald den Ort verlassen. Der Bahnbeamie hatte sich in sein Stübchen zurückgezogen, und um das Stationsgebäude her wurde es um so stiller, je höher draußen die Sonne stieg. Vom nahen Walde her konnte man den Vogelschlag vernehme, und von den Feldern das Zirpen der Eicaden. In Heller rother Farbe leuchtete die frischaufgcworfene Erde zwischen dem Schienenstrang, der sich nach bei den Seiten hin weit zwischen Feldern und niedrigen Gebüschen verfolgen ließ. Eine Stunde mochte wohl verflossen sein, als der Bahnbeamte hastig aus seiner Stube trat. Bist Du noch hier, Mädchen?fragte er. Da, sich brauchst nicht zu erschrecken aber der Alte sagte es schon vorhin hier ist eine Depesche von der nächsten Station ja, ja Deine arme Mutter! Aber es war richtig der Schlag sie werden sie dort begraben müssen." O, mein Herr!" rief das Mädchen, es kann ja nickt sein Aber ich muß hin, gleich, mit dem nächsten Zug!" Dann wirst Du bis zur Nacht warten müssen aber dann wird man sie schon begraben haben. Wart', ich will wieder telegraphiren, damit ich'S weiß," rief er, und damit verschwand er wieder in seine Stube. Das Mädchen saß da wie vom Schlage getroffen. Den Kopf in der Hand, ohne Thränen, starrte sie in stummem Schmerz vor sich auf die Erde. Es ist schonwie ich sagte!" rief endlich der Beamte ans dem Fenster, das nach der Plattform ging, sie begraben sie noch vor Abend auf dem Kirchhof von San Thiago. Kannst mir leidthun!" fügte er hinzu, ja, eö ist schlimm, keine Mutter mehr!" Pedro, der mit seinen Geschäften fertig war, trat jetzt eben in das Zimmer, und der Beamte erzählte ihm flüsternd das Vorgefallene. In Pedros ehrlichen Zügen zeigte sich lebhaftes Mitleid, als er durch das Fenster auf das wie gebrochen dasitzende Mädchen sah, das seinen Schmer; so ganz anders zeigte, als er's sonst bei Weibern gewohnt war. Und sie ist allein und weiß nicht wohin, sagt Ihr?- wiederholte er. Salta! Das wär' eine Magd, bieder alten Margarida an die Hand gehen könnte! Was gilt's, ich frag' sie, ob sie zu mir in Dienst will!" Der Beamte -sah Pedro mit halbem Lächeln von der Seite an, sagte indeß Nichts, und Pedro trat auf die Plattform hinaus. Es thut mir leid, Mädchen, daß Du ein solches Unglück erlitten hast," sagte er, auf die Fremde zutretend, aber allein kannst . Du doch nun nicht Hierbleiben! Ich wollte Dich nur eben fragen,' ob Tu nicht bereit wärest, in meinem Havse der alten Margarida an die Hand zu gehen und auch einmal auf den Kleinen Acht zu geben. Mein Weib ist mir vor ein paarMonaten gestorben, und die Wirthschaft liegt im Argen. Kannst'S ja erst versuchen fügte er begütigend hinzu, als er sah, daß das Mädchen ihren GefichtsauSdruck nicht veränderte; gefällt Dir'S nicht nnd kannst Dn'S eben gar nicht aushalten, so kannst Du Dir bald einen besseren Dienst suchen." Das Mädchen sah wie aus einem Traume auf. Die Mutter hatte ein Geldsäcklein," sagte sie, daö hätte uns heimgeführt aber wo ist das nun? Ja, ich muß arbeiten, um heimzukommen, oder hier zu Grunde gehen!" Pedro, der diese traurige Antwort für eine Zustimmung nahm, ging fort, um nach derr Pferden -zu sehen, und bald darauf führte er diese vor, das seinige und das frei gewordene PackPferd, und spannte sie vor einen rohgebauten Karren, dessen Räder aus zwei großen Holzscheiben bestanden. Nun, hast ja schon ein Obdach gefunden," sagte der Bahnbeamte lächelnd, als daS Mädchen, BedroS Aufforderung folgend, auf dem Karren Platz nahm. Sie wandte sich mit ernsthaftem Ausdruck an den Beamten. Wenn der Herr so gut sein will und nachforschen lassen da unten die Mutter trug unser Reisegeld in einem Säcklein Ja, ja," sagte er, aber versprechen kann ich Dir nicht, daß Du Dein Säck lein wieder erhältst; nicht alle Leute sind ehrlich heutzutage, aber nachfragen will ich, brauchst nicht zu sorgen." Bald ging eö fort, langsam freilich unter .dem beständigen' Singen der Holzräder. Sie kamen durch eine Waldgegend mit , Bäumen, die von den Schlingpflanzen in enger Umarmung gehalten wurde, und hinter deren Grün die Sonne roth und glühend stand. - Langsam, recht -langsam ging die Fahrt. Nach einer Stunde etwa, als die Sonne schon im Sinken war, hielt Pedro ein Weilchen an. Aus einem Leinensack, zog er ein langes weißes Brod, einen frischen Käse und einige Bananen, theilte Alles in zwei gleiche Hälften und bot die eine dem Mädchen an, aber sie wies es traurig zurück.
Die Reise ging weiter, und als es Abend war, fuhren sie durch die einzige Straße von Eampobello. Der alte Gevatter lehnte über den unteren Theil der oben geöffneten Hausthür. Salta! Pedro, wen bringst Du denn da? 's ist wohl eine neue Haussrau?" Pedro sah ein wenig mißmuthig ans, trat dicht an den Alten heran und erzählte ihm, wie er zu der fremden Magd gekommen sei. Gut, gut," sagte der Alk, sie sieht sauber aus. fast wie die Mädchen daheim. Wie, Du willst nicht eintre ten? Dann bis morgen." .Und das Fuhrwerk rollte weiter. Die Mondsichel stand hell am Himmel, als sie, wieder ein Stück Wald hinter sich lassend, drrch die Felder dem Hause zufuhren. edro ivrana vom Waqen und stieß die Thür nach dem dunklen Innern auf. Tritt ein, und gesegn' eö Gott !" sagteer. He, Margarida!" Das Leben auf der' Pflanzung ging von dem Tage an seinen gewöhnlichen Gang ; das heißt : nicht, was das Haus betraf ; in dem ging es anders her als früher. Die alte Margarida machte große Augen, als sie am ersten Morgen aus ihrem Alkövchen kam und die neue Magd in emsiger Arbeit fand. Küche und Wohn- und Schlafzimmer waren von nun an in schönster Ordnung, der Tisch blitzblank gescheuert und die Mahlzeiten stets warm und wohlschmeckend darauf. Im Gärtchen richteten sich die Pflanzen und Blumen unter guter Pflege auf. die Wege waren gesäubert, und Wäsche war nicht mehr auf dem Zaun zu finden sonntags stand immer ein bunter Blumenstrauß auf der' alten Truhe, die die Elga so hieß die Fremde spiegelblank geputzt hatte, so daß Pedro meinte, sie sehe aus wie zur Zeit dcr seligen Mutter. Aber nun erst das Pedrinho! Pedro hgtle der Fremden gesagt, daß sie etwas für den Kleinen sorgen müsse. Und sie nahm die Sache ernsthaft. Mittags, wenn die Arbeit besorgt war, saß das Mädchen in der Hausthür und führte emsig die Nadel. Und bald hatte Pedrinho Kittelchen und Schürzchen, und als ein Haufirer vorüberkam, kaufte Elga dem Kind neue Schuhe. Dem Pedro war'S nicht'leid, daß er die Fremde in sein Haus genommen hatte; ihm gefiel's, daß eö darin sauber aussah und Frieden herrschte. Einmal hatte ihn das Mädchen gefragt, ob es nicht einmal Gelegenhcit gebe, der Mutter Grab zu besuchen, und Pedro halte geantwortet : Bald einmal." Aber dabei war es vorläufig geblieben. Das Heimweh und die Traurigkeit, dachte er, würde sie schon verlernen, wenn sie hübsch bei ihrer neuen Arbeit bliebe. Neu in ihr erwecken wollte er die fchmerzlicken Gefühle nicht, denn nicht alle Tage konnte er eine so gute Magd finden. Die alte Margarida meinte . manchmal : Ja, geschafft habe ich auch, als ich jung war, aber so wie die konnt' ich's doch nicht." Einige Monate waren so vergangen, als die Alte das Mädchen eines Sonntags fragte, ob sie nicht zur nächsten Kapelle in die Messe gehen wolle. Elga schüttelte stumm den Kopf. Ei," sagte Margarida, das gefallt mir aber nicht ; so jung noch und betest nicht?" ' Ich bete, so ost ich will, und hab' meinen Herrgott bei mir," sagte das Mädchen und zeigte der Alten ein kleineS Buch, das sie aus der Tasche zog. Kannst Du denn lesen?" fragte Margarida verwundert. Laß sehen, das ist wohl ein Meßbuch und die Mutter Maria darin gemalt?" Und sie fing an eifrig in dem enggedruckten Bändchen zu blättern. Sie ist nicht jbri, bemüht Euch nicht," sagte Els,a, 's ist ja eine Bibel, ich bin eine Evangelische." Was ist denn das?" fragte Margarida erstaunt. Nun, hier heißt man's ja wohl Protestanten." sagte die Fremde. Margarida trat drei Schritte von ihr zurück. Ach so!" sagte sie, so eine bist Du? So eine, die mit dem Teufel im Bunde steht? Salta! Deshalb kannst Du Alles? 's ist ja kein Wunder, bist eine Zauberin!" Seit dem Augenblick wich die Alte scheu dem Mädchen aus und wies, wenn irgend.möglich, jede persönliche Hilfeleistung desselben ängstlich zurück.
Dem Pedro entging die Entfremdung der beiden Frauen. Wenn er daheim war, sah er das Mädchen entweder in der Wirthschaft beschäftigt ober über eine Näherei gebeugt, und eine eigene Scheu hielt- ihn ab, viel mit Elga zu plaudern. Es ging ihm zu Herzen, wie sie schasste und wirkte, nimmer müde und immer freundlich. Schließlich sicl's ihm aber doch auf, daß die. Alte so mürrisch war und der Fremden weder ein Wort noch einen freundlichen Blick gönnte. Er war nicht ein Mann von vielen Worten, aber eines Abends nahm er die Margarida doch bei Seite: Ei, Muhme, was habt Ihr nur, seid Ihr nicht zufrieden, daß Euch eine so wackere Helferin zur Seite steht, was? Ihr habt jetzt ein so gemüthliches. Leben Jrnd schaut so erdrießlich drein?" Ach, laß gut sein Pedro,a hast Du etwcrS Gutes in'S Haus gebracht ! Ja, die kann Alles ist ja auch eine Zauberin!" Freilich,' freilich!' rief Pedro lachend ; dann sah er, wie. die Muhme sich bekreuzigte. ' " Hallo, seid Ihr kindisch geworden?" Bin nicht kindisch geworden, qder bewahren will ich mich vcr dem Osenl
Ja, weißt Du denn," sagte sie, näher
au ihn herantretend, die ist ja eine Protestantin!" Und ein Ausdruck deö Entsetzens lag in ihren verwitterten Zügen. .So?" sagte Pedro gedehnt; aber, Muhme, daö hat ja nichts auf sich; drunten lm Suden glbt'ö viele solche, und es sind fleißige,' gute Leutchen. Daß sie ein wenig anders glauben als wir, scheint ihnen nichts zu schaden." Du bist auch einer von denen, die nicht mehr an das Heilige glauben!" eiferte die Alte. Solche stehen mit dem Teufel im Bunde!" Das ist ja eine thörichte JZederei!" rief nun Pedro aufgebracht. Sie glauben an ihre Bibel, das ist Alles, und sonst" In diesem Augenblick meldete draußen Jemand durch lautes Händeklatschen sein Kommen an. Tritt ein!" rief Pedro, und ein Mulatte in Dienstuniform öffnete die Thür. Ah, Senhor Pedro,, wie geht's? Sagt, habt Ihr nicht eine .fremde Dirne hier im Hause? Der Vorsteher drunten gab mir dies für sie," und er hob ein großes Bündel in die Höhe, das anscheinend Kleidungsstücke enthielt. ES wird schon richtig sein," sagte Pedro. Elga, wo bist Du?" rief er nach der Küche zu. Die Gerufene kam, mit vom Feuer erhitzten Gesicht, den Kopf wie immer dicht verhüllt. Sieh zu, ob da? da Dir gehört," sagte,Pcdro, auf das Bündel zeigend. Ja, das ist es gehörte der Mutter," setzte sie leise hinzu. Na. also gehört es doch Dir," sagte der Mulatte ; sie ist ja gestorben und braucht's nicht mehr." Und schweigend nahm Elga das Bündel und trug es in ihr Kämmerlein. Es war eine köstliche Mondnacht heute; draußen 'lag Alles im hellen Lichte, da, fast wie am Tag. Pedro stand, sein Pfeifchen rauchend, in der Hausthür und blickte auf den Garten und die dahinter liegenden Felder, wo man deutlich jeden Halm und jedes schwirrende Insekt erkennen konnte. Es stand AllcS prächtig und versprach eine gute Ernte für dieses Jahr. Pedro fühlte sich so recht zufrieden, so recht behaglich, so wie er's lange nicht gewesen war. . Plötzlich fiel ein röthlicher Heller Lichtstreifen aus dem Hause auf das Feld ; er kam von einem Seitenfenster, dem Fenster von Elgas Kämmerlein. Eine, unwiderstehliche Neugier trieb Pedro, zu sehen, was das Mädchen dort noch' zu so später Stunde trieb. Vorsichtig schlich er um das Haus herum und spähte, durch das hohe Buschwerk verborgen, in das Fenster. Es war halbgeöffnet; drinnen stand das fremde Mädchen, aber Pedro kannte sie kaum wieder. Sie trug ein weißes, buntbenähtcs Kleid, wahrscheinlich ihren Sonntagsstaat, das häßliche Kopf" tuch hatte sie abgestreift, und auf die Schulter hernieder siel das 'schönste Blondhaar, das Pedro je gesehen lfdtte. Sie kämmte und glättete ihr Haar mit niedergeschlagenen Augen, dann begann sie es aufzuflechten und warf schließlich einen Blick in den vor ihr hängenden Spiegelscherben, und da konnte Pedro sehen, wie helle Thränen in ihren Augen standen. Schließlich löfchle sie das Licht aus und stieß da? Fenster vollends auf. Eine Weile sah sie mit traurigen Augen in die helle Nacht, dann, wie von einem plötzlichen Entschluß ersaßt, ging sie nach dem Hintergrund der Kammer und kam mit einem Etwas in der Hand zurück, das sie auf's Fensterbrett stellte. Es war ein kleiner Beutel Pedro konnte es im Mondschein deutlich erkennen und das Mädchen nahm daraus ein glänzendes Goldstück nach dem anderen und begann zu zählen. Pedro Durchfuhr ein Schreck, und wie von einem plötzlichen Schmerz getroffen, wandte sich ab und schritt in das Feld hinslus. ' Er wußte, waö es zu bedeuten hatt?, daß sie sich in ihren heimathlichen Putz gekleidet und ihr Geld, in dessen Besitz sie durch einen glücklichen Zufall gekommen war, gezählt hatte: sie wollte fort, die Fremde, fort, fort! Dem Pedro war das klar und noch ein Anderes: daß dies nicht geschehen dürfe! Warum? wußte er sich nicht zu sagen. Aber bleiben, blei ben mußte sie auf jeden Fall, das Mädchen mit den Goldhaar! Er hatte keinen erfinderischen Kopf, der Pedro, aber finden wollte er jetzt etwas, um sie zu halten und ihr daö Gehen unmöglich zu machen! - Wie nur, wie? Er hatte ordentlich wilde Gedanken, vor denen er hernach fast erschrak; er wollte das Geld rai den, verbergen, bis das Mädchen seinen Sinn geändert, er wollte ihr erzählen, daß nach ihrer Heimath keine Schiffe mehr, führen er wollte ja, was wollte er nur? Sie brauchte ja nicht einmal heir- zu wollen; wenn sie nur in einem anderen Hause Dienst nah?,, ainajie ihm schon verloren ! . - " Schluß folgt.) . "i Selbstmord aus Eitelkeit. Ein 20jähriges Mädchen in Tauendorf. Thürmgen, hatte ein Geficht doller Sommersprossen." Um diesen Schönheitsfehler zu beseitigen, rieb es das Gesichi'mit einer ätzenden Flus. sigkeit ein. Die Folge davon wär eine ,, schwere Qerörennung der Sesich;Zh2ut. Ms die Wunde schinbar hnirn tttY.zx frag, geriüb daSWdn in fc!: Cr" ngung, carj eZ s.H n vsuem ccr.r. cti4te CTtTnw
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